Rückfälle lassen sich vermeiden – so bleiben Sie nach der Therapie stabil

Dieser Artikel stammt nicht von mir. Aber das Angebot und die Idee hinter rückfallprävention.com finde ich so richtig und wichtig, dass ich eine der seltenen Ausnahmen mache, und hier einen Gastbeitrag zulasse. Weil ich finde, genau im Feld der Rückfallprävention, der Hilfe NACH den Kliniken oder der Therapie ist noch viel Bedarf. Und ich bin mir sicher, Online Angebote sind hier ein sehr guter Weg.

Das Berliner Start-up HealthMedo bietet mit Rückfallprävention.com ein kostenloses Angebot für ehemals an Depression Erkrankte.

„Ich dachte nach der Therapie, jetzt bin ich geheilt, aber als der erste Stress kam, hab ich nicht aufgepasst und schon ging es wieder los mit den Depressionen.“

Wer seine Krankheit einmal mithilfe einer Psychotherapie in den Griff bekommen hat, gewinnt seine Lebensqualität zurück. Gleichzeitig tragen Betroffene jetzt die Verantwortung, Veränderungen in ihrer Stimmung und in ihrem Wohlbefinden im Blick zu behalten, um Anzeichen für Rückfälle frühzeitig zu erkennen. Im Alltag geht der Blick für sich selbst jedoch schnell wieder verloren. Die hohen Rückfallraten bestätigen das: Fast jeder dritte Betroffene leidet im ersten Jahr nach der Behandlung an einer erneuten depressiven Episode. Erschwerend kommt hinzu, dass mit jeder neuen Episode das Risiko für eine Weitere steigt – gute Gründe, warum der Prävention von Rückfällen ein besonderer Stellenwert in der Behandlung von Depressionen zukommen sollte. Das hohe Rückfallrisiko bei Depressionen ist jedoch bislang kaum in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Spezielle Versorgungsangebote gibt es wenige.

Für ehemalige Patienten entstehen in der Zeit nach der Therapie viele zentrale Fragen: Wann ist der passende Zeitpunkt, um bei einer Stimmungsveränderung einzuschreiten? Welches Programm passt zu mir? Genügt eventuell tägliches Yogatraining zur Stressbewältigung oder brauche ich eine erneute Therapie?

Eines ist sicher: Bei den ersten Anzeichen einer Stimmungsverschlechterung muss nicht sofort die klassische Psychotherapie angezeigt sein. Doch die Recherche von Alternativ-Programmen und das Urteil, welche Intervention an diesem Punkt passend ist, lag bislang allein beim Patienten – ganz schön überfordernd.

Diese Lücke will das Berliner Start-up Psychologio mit der Entwicklung eines digitalen Frühwarnsystems schließen. Das Team von Psychologio hat durch seine Online-Plattform zur Vermittlung von Psychotherapieplätzen Erfahrung mit den Strukturen des Versorgungssystems und den Bedürfnissen der Patienten. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie richtet sich das ergänzende kostenlose Angebot Rückfallprävention.com explizit an ehemalige Depressionspatienten.

Wer kann teilnehmen?

Das Angebot Rückfallprävention.com richtet sich an Menschen, die an Depressionen erkrankt waren und innerhalb der letzten 12 Monate eine Therapie beendet haben. Die Teilnahme ist kostenlos.

Das Team von Rückfallprävention unterstützt Sie gerne bei Ihrer nachhaltigen Gesundung. Alle Informationen erhalten Sie auf www.rückfallprävention.com. Für Fragen stehen wir Ihnen unter der Telefonnummer 030 602 75 778 und info@rückfallprävention.com zur Verfügung!

Warum ich meine Mutter immer noch hasse

Du musst ihnen verzeihen. Sie konnten nicht anders. Die Zeit damals. Es gibt so viele wunderbare Ausreden, warum der Groll, den ich immer noch insbesondere gegen meine Mutter in mir trage, doch mal ein Ende haben sollte.

Aber nein, so einfach lasse ich sie nicht davon kommen. Je mehr ich über meine Geschichte schreibe, je weiter „Freilandhaltung“, das Nachfolgebuch zu „Depression abzugeben“ voranschreitet umso klarer wird mir, dass es Dinge gibt, die ich nicht verzeihen werde, die ich nicht verzeihen will. Dass ich heute noch da bin, dass ich es geschafft habe, mit Sibylle den ersten Menschen zu finden, dem ich hundert Prozent vertraue, dass ich drei wundervolle Kinder habe. Alles Abzweige meines Lebenswegs, die ich nicht gefunden hätte, hätte ich meiner Mutter zu gegebener Zeit verziehen.

Für mich war der größte Schutz davor, aufzugeben bis zu jenem fatalen Tag, der rückblickend wie das Streitgespräch mit meiner Mutter multipliziert mit drei gewirkt hat. Dass man dann mit Drohbriefen und Kontaktverboten kam, ja, das hat die fatale Erinnerung nochmal doppelt so stark hervorgerufen. Gut gemeint ist halt manchmal katastrophal gedacht. Und dass manche Menschen für so toll gehalten werden, auch wenn man selbst die Fassade längst durchschaut hat, das macht den Umgang nicht einfacher. Wir wollen doch nur ihr Bestes. Jap, mag sein. Kriegt ihr aber nicht, behalte ich für mich.

Meine Mutter hat mir Chancen genommen, ist mitverantwortlich für meine Ängste, meinen mangelnden Selbstwert über all die Jahre hinweg.

Es mag sein, dass der Moment doch noch irgendwann kommt, an dem ich zum Verzeihen bereit bin. Aber vergessen werde ich all den Schmerz, all die Wut, all die Trauer sicher nicht. Selten hat ein Mensch so viel Unverständnis für mich gezeigt, mir so viel Schmerz zugefügt. Das Opfer soll immer vergeben, soll verstehen, wie es dazu kam. Damit der Täter sich wieder gut fühlen kann. In gewissem Sinne kann auch ich sagen #metoo . Mein Missbrauch war Liebesentzug, keine körperliche, aber psychische Gewalt. Mein Schmerz ist der der Einsamkeit, des Unverständnisses, des abgewertet werdens.

Nein, ich werde nicht vergessen. Und ob ich vergebe, das wird sich noch zeigen. Bislang gilt nach wie vor. Mein Mutter ist tot. Nichts, worüber ich zu trauern in der Lage oder auch nur gewillt bin.

Ich schreibe gerade an Freilandhaltung. An einem Kapitel, das sich sehr mit dem auseinandersetzt, was damals mit mir geschehen ist, was ich ausgehalten, was ich überlebt habe. Verzeihen? No way. Im Gegenteil. Veröffentlichen, ans Licht bringen, damit andere davon profitieren, daraus lernen oder sich an die eigene Geschichte erinnern, seien sie Opfer oder Täter. Und den Tätern wünsche ich, dass sie immer wieder mit ihrer Tat konfrontiert werden. Vergessen. Nein, das werdet ihr sicher nicht. Ich werde daran erinnern. So wie alle, die auf die eine oder andere Art #metoo sagen müssen.

Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2017

2017 war in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Jahr für mich. Es began mit dem 13. Januar, als mein Buch „Depression abzugeben“ bei Bastei Lübbe erschien. Welchen Zuspruch es bekommen sollte, wie viel Medienanfragen eintrudeln würden und dass ich wahrhaftig auf mehrere Lesereisen gehen würde, all das habe ich Anfang des Jahres noch nicht mal zu träumen gewagt.

2017 bekam ich auch endlich meine Angststörung in den Griff, die eigentliche Ursache für das große Drama 2015, aus dem sich doch tatsächlich etwas so positives entwickelte.

Ich wurde zum SWR eingeladen in eine sehr spannende Talkshow und gleichzeitig Abschlussarbeit der Moderatorenschule Stuttgart. der SWR interviewte mich und Tagesschau24 lud mich ein. Auch das SAT1 Frühstücksfernsehen interessierte sich für mich und meine Geschichte. Ein ganz besonderes Highlight war mein Auftritt beim Patientenkongress in Leipzig, wo ich gemeinsam mit Kati Krause erneut das Für und Wider von Social Media bei Depressionen beleuchtete. Und Dana Diezemann lud mich in ihre Talkshow „Talk mit Dana“ beim Studentenradio Horads ein.

Gegen Ende des Jahres dann noch die Nachricht von meinem Literaturagenten, dass mein Buch wohl auch zum ungekürzten Hörbuch wird und bei einem der größten Hörbuchverlage erscheinen wird. Das Buch verkauft sich nach wie vor gut, wir sind bald bei der dritten Auflage. Danke an all meine Leser für die vielen wundervollen Rezensionen, die persönlichen Emails und Briefe und den Zuspruch und die Unterstützung. Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen. Und ein besonderer Dank an das Junge Tanztheater in Leverkusen für „Auf:bruch“, ein Tanztheater zum Thema Depression, das auch meine Texte verwendet hat und bei dessen Aufführung ich sehr berührt davon war, wie mutig und wie kreativ das alles umgesetzt worden ist. Unzählige Zeitungen und Zeitschriften haben über mein Buch, meine Geschichte berichtet und nach allem was ihr mir gespiegelt habt, werde ich auch 2018 nicht nachlassen, über Depression aufzuklären und zu entstigmatisieren.

Und ein Teil meiner Follower muss jetzt ganz stark sein. Nach über 25 Jahren Apple Abstinenz (dass Steve damals den Apple Newton killte, für den ich einige innovative Apps geschrieben hatte, hab ich ihm nie verziehen) arbeiten bei mir zuhause jetzt wieder MacBook Pro, IPad Pro und IPhone 7plus. Und ja,auch die Apple Watch in der LTE Version. Wenn schon, dann ein kompletter Schwenk.

Aber das Schönste an 2017 war und ist, dass wir endlich wieder eine Familie sind, dass wieder Ruhe und Glück bei uns eingekehrt sind, so albern das klingen mag.

Jetzt ist es kurz vor Weihnachten und zum ersten Mal seit Jahren ist wieder so etwas wie Weihnachtsstimmung zu spüren. Und ich wünsche all meinen Lesern, Followern ein ruhiges, erholsames Weihnachtsfest und einen guten Rutsch.

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Wie es mir so geht. Ein Zwischenbericht

Mein Buch, ausgelegt bei einer Lesung in Regensburg, die mit 120 interessierten Gästen vollständig ausverkauft war.

„Wird dir das alles nicht zu viel?“ „Das muss dich doch belasten?“ Fragen, die man mir in letzter Zeit öfter stellt. Aber nicht zu meinem Brot- und Butter Job, sondern zu meiner neuen mir viel wichtigeren Aufgabe als Aufklärer und Entstigmatisierer, was die Depression und insbesondere die „männliche Depression“ angeht.

Und jedes Mal muss ich enttäuschen. Es ist im Gegenteil noch fast zu wenig. Gerne wäre ich noch prominenter in den Medien, weil ich jetzt erst wieder über eine Talkshow, bei der auch ein Psychotherapeut anwesend war, gelernt habe, dass es immer noch eine große Hemmnis bei Männern gibt, sich Depressionen einzugestehen. Ziemlich dämlich aber diesem lächerlichen, überkommenen Männerbild vom starken Macher geschuldet. Und unsere Turboleistungsgesellschaft macht das ganze nicht besser. Eher im Gegenteil, in einer Zeit, in der Worthülsenproduziere vom Schlage eines Herrn Gary Vaynerchuck die Menschen glauben machen wollen, man könne alles erreichen, wenn man sich nur genug anstrengt und wer das nicht schafft, ist selbst schuld, wird das nicht besser. Dass deren Erfolgsrezepte oft mehr auf Zufällen denn auf harter Arbeit beruhen und vieles schlicht Schaumschlägerei ist, wird all zu oft verdrängt. Zumal man ja auch heute in einer angeblich so aufgeklärten Zeit den eigenen Wert immer noch aus Leistung und Besitz zieht.

Dumm, aber für viele eben einfach verstehbar. Wir sind nicht mehr länger psychisch kranke Einzelfälle, in meinen Augen krankt unsere gesamte Gesellschaft, wir sind teil eines schwer kranken Systems, das nur durch den Glauben an ewiges Wachstum am Leben gehalten wird.

Aber ewiges Wachstum? In einem begrenzten System? Merkt ihr selbst, oder?

Ich für meinen Teil fokussiere mich auf mein Ziel, aufzuklären, Menschen dazu zu bringen, wieder mehr an sich als an das Fremdbild zu denken, dass sie meinen, nach außen erzeugen zu müssen.

Beurteilungsgespräche, Stellenausschreibungen, der Arbeitsmarkt. Alles produziert krank machenden Druck in einer Zeit, in der wir die Arbeit an sich als Wert des Menschen hinterfragen müssen. Mehr und mehr wird von Maschinen geleistet, aber statt diese Befreiung zum Wohl des Menschen zu nutzen, wird die Wirtschaft damit weiter angefeuert, unsinniges Zeug zu produzieren,  damit Arbeitsplätze erhalten bleiben, die schon der nächste Manager streicht, bevor er sich einem anderen Unternehmen zuwendet.

 

Ich für meinen Teil sehe diese Entwicklung kritisch und versuche in Gesprächen, Lesungen, Talkshows auf diese Fehlentwicklung hinzuweisen, die ja auch mich fast das Leben gekostet hätte. Auch ich habe mich dieser idiotischen Doktrin gebaut, dass der Mensch nur als Leistungsträger etwas wert ist. Dass man Minderleister identifizieren und eliminieren, oder wie es politisch korrekt heißt, coachen und bei mangelnder Leistung freisetzen muss. In einer Zeit, wo der Mensch mehr als Kostenfaktor oder Humanressource gesehen wird, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die WHO jetzt doch von besorgniserregend steigenden Zahlen psychischer Krankheiten spricht. Die Arbeitswelt erzeugt keine Depression, aber sie kann sie sehr stark fördern. Ich glaube nicht, dass Social Media das Problem ist.

Vielmehr ist es eine Gesellschaft, die den Menschen immer mehr durch Drohung mit Arbeitsplatzverlust, mit HartzIV gefügig und zum braven Humankapital degradiert. Dabei produzieren und konsumieren wir längst in völlig idiotischen Dimensionen, die eigentlich kein Mensch braucht. Aber die Konzerne, die ja leider immer noch nicht geschafft hat, dass der Kunde direkt das Geld überweist, ohne auch noch frecherweise ein funktionierendes und ha, welch Frevel, lange haltendes Produkt zu wollen.

Mir geht es gut. Weil ich endlich einiges an Wahnsinn da draußen durchschaue, gegen den alles, was ich in meiner Klinikzeit erlebt habe, wie völlige Normalität erscheint.

Und auch wenn ich weiß, dass bestimmte Menschen sich furchtbar über meine gewonnene Prominenz und meinen medialen Einfluß ärgern.

You ain’t seen nothing yet. Ich hoffe auf noch viel mehr mediales Interesse, weil es darum geht, den Menschen klar zu machen, dass sie sich von äußeren Umständen krank machen lassen, die in sich selbst verrückt sind. Dass sie einer Norm zu folgen versuchen, die an sich Wahnsinn bedeutet.

Nein, ich werde nicht leise sein, ich habe gerade erst angefangen, lauter zu werden. Und „Depression abzugeben“ ist mein Weg, in die Öffentlichkeit zu kommen. Gelesen werden, etwas bewegen. Mich haben Menschen  angeschrieben, die wegen meines Buchs den Schritt in die Therapie gewagt haben, oder sich nicht suizidierten. Gibt es etwas großartigeres, als solch einen Effekt erzielen zu können. Und da werde ich mit Sicherheit nicht stiller werden, im Gegenteil.

„Jeder ist seines Glückes Schmied“, heißt ein Sprichwort das leider nicht erwähnt, ob als Ergebnis der Schmiedekunst ein Glücksbringer oder ein Sargnagel entstanden ist.

Ich, du, der Tod und die anderen

Ich Bin alt, nicht wirklich alt, aber alt genug, um viel Leben erlebt zu haben.

 

Das ist keine Klage, keine Anklage, kein Verlust.
Eine Feststellung, die mich heute selbst überrascht. Nicht die Zahl der Jahre. Die schiere Existenz. Es gab einen Punkt, einen Fixpunkt. Dort wollte ich gehen. Weg von allen, weg von allem, weg von mir. Dem ein Ende setzen, den Schmerz beenden.

Liebe hat mich gehalten, nein, hat mich herausgezogen zurückgezogen von der Kante. Es ist so einfach: »du hast doch alles« zu sagen. Ja, hab ich, die Trauer, das Gefühl, so unvollständig zu sein wie eine einzelne Socke oder ein Haus ohne Dach. Zerbrochen an dem, was ihr Leben nennt. Morgens aufwachen und das Gefühl der Füße auf dem Boden fürchten, weil das bedeutet, einen neuen Tag erleben zu müssen. Umdrehen und weiterschlafen wollen, heute, Morgen, für immer.
Die, die man liebt beschützen wollen, weil man ob der Schmerzen weiß, die zu empfinden man sie zwingt. Die Hilflosigkeit, die Angst um ein Leben, die Lebensangst.
Es gibt sonnige Tage, es gibt das Gefühl von Kälte auf der Zunge, von Süße und den Duft von Vanille an einem Sommertag. Aber die Kälte des Eises wird schnell wieder zu Eiseskälte, die einen umfängt, umschließt, einsperrt in einer eigenen, dunklen, hoffnungslosen Welt.
Man sieht ja, dass andere glücklich sind, oder das Glück zumindest glaubhaft simulieren.
Ganz oben sieht die Welt so klein, so unbedeutend aus. Plötzlich passt sie zum eigenen Leben. Alleine dort oben, mit Gedanken so dunkel wie die Zukunft. Und gerade, wenn einen die Kälte und Dunkelheit zu verschlingen droht, ist da eine Hand, ein Lächeln, ein Mensch, der nicht bewertet, nicht verurteilt, nicht bestraft, der nur sein Herz öffnet und seine Hand reicht. »Ich bin da, ich halte dich, ich begleite dich.«
Du trittst nicht einfach heraus ins Licht, aber plötzlich ist da, ganz in der Ferne wieder ein Sonnenstrahl, eine Chance auf ein besseres Leben, eine Chance auf ein Morgen.
Der Weg ist schwer und steinig und um ihn zu finden musst du durch Dickicht, so dornig und so düster wie deine Vergangenheit. Aber da ist immer dieses Licht, dieses Lächeln, dass dich magisch anzieht, dass alles andere bedeutungslos werden lässt.
Anklagen, Vorwürfe, Drohbriefe, Beschuldigungen. Nicht mehr du, sondern die anderen. Sie sind falsch, und irgendwer, vielleicht du selbst hast ihnen die Maske heruntergerissen. Die Lügen, die Falschheit, der Opportunismus, nackt, auf dem Boden, hilflos. »Wir meinen es doch nur gut.« Für uns selbst, ergänzt du im Geist.
Sie meinten es nie gut für andere, sondern stets für sich, die, die dir die Messer zwischen die Rippen bohrten, dir einen Tritt verpassten, dich vom Turm stoßen wollten.
Weil du nie so warst wie sie. Nie stromlinienförmig, nie geleckt und dafür geliebt, nie konform oder wie sie es sagten, normal.
Du hast darunter gelitten, versucht, dich zu verbiegen, brav, ruhig und willig zu sein. Und dennoch wuchs der Widerwille, die Erkenntnis, nur mit einer Lebenslüge überleben zu können. Du verlierst immer mehr von dir selbst. Gibst Leidenschaften auf, verlierst dich in Masken, in der Kunst der Schauspielerei, um dem Bild anderer zu genügen, deren Erwartungen und Weltbilder du doch eigentlich so hasst wie deine eigene Schwäche, zu dir und deinen Idealen zu stehen.
Dabei bist du nur schwach,weil du zu lange gekämpft hast. Alleine, gegen übermächtige Dämonen. Du warst stärker als manch einer deiner Ankläger. Aber der Kampf war unsichtbar, gegen Geister, die nur du gesehen hast.
Die Scherben auf dem Weg, sie sind die Fragmente deiner Seele, deines eigentlichen ichs. Heruntergerissen und zerbrochen, du kannst nicht länger Versteck spielen mit dir selbst. Endlich bist du frei, weil du nichts mehr zu verlieren hast, hättest du doch beinahe alles verloren. Jetzt wird es Zeit, dein eigentliches Ich zu retten. Wirf ihm ein Seil zu, hol es aus der Dunkelheit und verzeih ihm, dass es sich versteckt hat, dich im Stich gelassen hat in der Sekunde deiner größten Not. Denn es konnte nicht anders. Der Schmerz war zu groß, das Kind hatte zu große Angst und versteckte sich deshalb vor dem Dämon, der es verfolgte.
Zeig ihm, dass die Welt schön ist. Zeig ihm, dass es zu kämpfen lohnt. Nicht für andere, deren Dankbarkeit sich meist in Wohlwollen beschränkte, wenn du ein braves, wohlwollendes Kind warst. Die, die jetzt an deiner Seite stehen, dir die Hand entgegenstrecken, dich ohne Bedingung schützen und stützen wollen. Sie sollen von nun an deine Begleiter sein. Der Rest ist Teil des Dämons, der immer mehr Macht über dich verliert.
Vielleicht wirst du nie ganz frei sein. Aber du wirst Herr sein deines Weges, und die Kämpfe gegen deine Verfolger wirst du immer häufiger gewinnen.
Bis du sie gar nicht mehr kämpfen musst, weil du erkennst, dass andere nur dann Macht über dich haben, wenn du es zulässt, weil du erkennst, dass du der Herr deines Lebens bist, ja sein musst, um dieses eine Leben zu überleben, zu erleben, zu leben.

Talkshowgast bei „Talk mit Dana“ oder wenn die Zeit mal wieder nicht reicht

Am 27. September reiste ich auf Einladung von Dana Diezemann  mit dem Auto nach Stuttgart zu Horads 88,6, dem Hochschulradio aus Stuttgart.

Schon im Vorfeld hatte Dana meine Familie und mich besucht, um ein eigentlich nur kurzes Vorgespräch zu führen und damit die Sendung vorzubereiten. Aber wie es so ist, wenn Menschen mit besonderen Geschichten aufeinandertreffen, aus einer wurden über 5 intensive und sehr persönliche Stunden, gefüllt mit Erlebnissen, Emotionen und Geschichten.

Was daraus als Extrakt in knapp einer Stunde Talkshow wurde, lässt sich meiner Meinung nach hören. Zwar kann eine Stunde nur an der Oberfläche kratzen, aber ich denke, es sind einige wichtige Kernaussagen zur Sprache gekommen, die zeigen, dass es nicht eines Suizidversuchs bedarf, um eine Depression anzugehen und sich helfen zu lassen. Depressionen sind keine Charakterschwäche sondern eine Krankheit. Das wurde klar. Und auch, dass es oftmals eines persönlichen Schicksalsschlages bedarf, um sein Leben zu überdenken. Aber eigentlich sollten wir uns immer hinterfragen, ob wir wirklich das Leben führen, das wir wollen oder nur anderen gerecht zu werden versuchen.

Danke Dana für diese tolle Gelegenheit, danke Horads 88,6 für den Sendeplatz für meine Geschichte und wer das Ganze verpasst haben sollte, bei Soundcloud gibt es meine Sendung und noch einige andere spannende Talkgäste zum Nachhören. Und eines noch. Niemand muss seine Krankheit, seine Geschichte so öffentlich machen, wie ich das tue. Für mich hilft es bei der Heilung. Aber was ihr tun solltet. Vertraut euch Menschen an, die euch etwas bedeuten, denen ihr vertraut. Und wenn ihr niemanden habt, dann sucht euch professionelle Hilfe von einem Arzt oder Therapeuten. Ihr seid nicht schwach, ihr kämpft einen schweren Kampf gegen einen mächtigen Dämonen. Ihr seid nicht charakterschwach, ihr habt eine sehr ernste Krankheit, die man aber behandeln kann.