Warum das Büro der Zukunft leider so sein wird wie heute

Ich bin ein Verfechter, moderner Arbeitswelten, das ist mittlerweile sicher all meinen Lesern bekannt. Aber mittlerweile tritt bei mir so etwas wie Ernüchterung ein, wenn ich Artikel und Kommentare in der Fachpresse verfolge.

Jüngstes Beispiel, die Überwachung der Mitarbeiter bezüglich Terrorverdachts bei Daimler und die Ausnahme für die Führungskräfte.

Wir messen offensichtlich weiterhin mit zweierlei Maß. Da gibt es immer noch den „bösen Arbeitnehmer“, dem man offensichtlich nicht vertrauen kann und die gute Führungskraft, die alles für das Unternehmen opfert.

Mit Sicherheit keine richtige Sichtweise, aber auch mit Blick auf die immer noch traurige Situation auch um zum Beispiel Frauen in Führungspositionen fürchte ich. Ein Wandel wird nicht Jahre, sondern Jahrzehnte brauchen und wohl erst dann wirklich eintreten, wenn wir alle freiwillig arbeiten, weil es einfach nicht mehr genug Arbeit gibt, um an dem Traumbild der guten und erfüllenden Arbeit für alle festzuhalten.

Wir haben traumhafte Arbeitslosenzahlen. Wenn man alle Rechentricks heranzieht, deren unsere Arbeitsagenturen (die Mangelverwalter der Nation) und die Regierung fähig sind und die Visionen er Wirtschaftsweisen immer noch Ernst nimmt, die wie die Vergangenheit doch zur Genüge zeigte jenseits jeder Realität sind.

Es wird auf mittelfristige Sicht leider immer noch eine kleine sich selbst schützende Gruppe von an der Machtpositionen klammernden Menschen geben und eine große Masse, die eigentlich einfach nur in Ruhe und mit hinreichend Geld um sich und die Familie zu ernähren leben will.

Und erste wird auch mittelfristig letzterer das Leben schwer machen. Noch sind die Machtverhältnisse in vielen Bereichen zu zementiert. Und Wandel in diesem Bereich braucht wohl doch mehrere Generationen.

Oh, und noch etwas sei all jenen ins Stammbuch geschrieben, die die Philosophie des tue, was dir Freude bereitet propagieren.

Mit unserem heutigen Bildungssystem und den heutigen Denkmustern, was Schule und Arbeitswelt angeht, wird das nur ganz wenigen überhaupt möglich sein. Die große Mehrheit wird bedingt durch die vielen Defizite unseres heutigen Bildungssystems und auch die kulturellen Defizite in unserer Gesellschaft weiterhin froh sein, überhaupt eine Arbeit zu finden.

Das Ende der Erwerbsarbeit und ein notwendiger Diskurs

Zuletzt war es Larry Page, einer der Gründer von Google, der das Thema in die Medien brachte. Mit zunehmender Digitalisierung und immer bessere Künstlicher Intelligenz und Robotertechnologie müssen/sollen/dürfen wir uns in Zukunft auf einen Rückgang der Erwerbsarbeit gefasst machen.

Das klingt jetzt schlimmer, als es ist, wenn man bestimmte Prämissen betrachtet und endlich in den eigentlich wichtigen Diskurs einsteigt. Denn bislang haben wir immer eines erlebt. Es wurde eine neue Technologie entwickelt, um dem Menschen die Arbeit abzunehmen. Dann aber hat man nicht am Paradigma der Sinnhaftigkeit menschlicher Existenz durch Erwerbsarbeit gerüttelt, sondern „unnütze Humanressourcen freigesetzt“ oder um es nicht im Managementsprech, sondern ehrlich zu formulieren, Menschen gefeuert, die man nicht mehr (aus-)nutzen konnte und nützliche Mitarbeiter auf andere Tätigkeiten verteilt. Der Wert des Menschen war und ist in der heutigen Wirtschaft noch ein direkter Faktor aus dem, was sie oder er für Geld leistet. Ehrenamtliches, nicht bezahlte Tätigkeiten, alles minderwertig. Und nur wer Geld verdient, darf voll an der Gesellschaft teilhaben.

Das muss sich aber schon deshalb ändern, weil wir in Zukunft schlicht so viel automatisierte Tätigkeiten selbst in Bereichen haben werden, dass ein Festhalten am Dogma der Vollbeschäftigung schlicht eine Verleugnung der Realität bedeutet.

Wir brauchen dringend einen Diskurs, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen, dass wir unseren persönlichen und gesellschaftlichen Wert  nicht mehr aus unserer Erwerbstätigkeit ziehen können/sollen, weil wir sonst in Zukunft ganze Gesellschaftsschichten komplette von der Teilhabe abkoppeln werden.

Page hat die Vision der Halbtagsarbeit, es wird sicher auch andere Konzepte geben, aber wir sollten die gesellschaftliche Teilhabe und auch die Möglichkeit, an der Wirtschaft teilzuhaben nicht mehr vom „Besitz“ einer Vollzeitarbeitsstelle abhängig machen. Und dafür muss sich auch das Bild von den „normalen Arbeitnehmern“ ändern, die angeblich zum Arbeiten getragen werden müssen und nur unter ständiger Kontrolle und rund um die Uhr etwas für die Wirtschaft leistet.

Das ist mein Hauptgrund, warum ich dafür eintrete, endlich vom Bild der Bezahlung anhand Zeit hin zu gehen zu einer Bezahlung anhand Ergebnis. Und warum auch ich für eine Form von bedingungslosem Grundeinkommen bin. Wie genau, das ist einer der wichtigen Diskurse der nächsten Zeit aber wir müssen uns als Gesellschaft auf eine immer digitalere, immer stärker automatisierte Welt einstellen, in der es einfach nicht mehr zielführend ist, jeden Menschen in eine bezahlte Erwerbstätigkeit drängen zu wollen.

Und das kann auch eine viel menschenfreundlichere Welt sein, weil so mehr Zeit für wichtige aber nicht bezahlte Tätigkeiten wie Pflege kranker Menschen, Ehrenamt, Tätigkeiten in Gemeinde und Region frei wird und zudem gerade auch kreative Menschen mehr Freiräume bekommen für neue Ideen.

Natürlich kann auch alles so weitergehen wie bisher, immer weniger wirklich wohlhabende, immer mehr Menschen an der Armutsgrenze. Aber mal ehrlich. Selbst dem verbohrtesten Politiker oder Manager muss mit der Zeit aufgehen, dass hier immer mehr sozialer Sprengstoff gebildet wird und letztlich irgendwann das ganze in irgendeiner Form zu Protesten führen wird. Wir dürfen nicht den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf Grund des Profitdenkens einiger weniger aufgeben.

Und wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass die nächsten Jahre Automatisierung und Digitalisierung in nie gekanntem Ausmaß bringen werden. Denn sie werden auf jeden Fall den Sharholdern nützen, da diese dann jene ach so teuren Humanressourcen abbauen können.

 

 

Ich will feste Arbeitszeiten, verdammt! Ein Rant

Mehr als das braucht ein Entwickler nicht als Arbeitsplatz
Mehr als das braucht ein Entwickler nicht als Arbeitsplatz

Nachdem ich erst vor kurzem las, dass die Zahl der Heimarbeitsplätze zurück (!) geht jetzt diese Schlagzeile:

Wer sich überarbeitet, wird bewundert. Aha, von wem denn um Gottes Willen? Vermutlich von Gleichgesinnten, die einen geregelten Arbeitstag auch nicht auf die Reihe bekommen, oder einfach eine miserable Zeitplanung haben. Meist aber vor allem von jenen, die selbst nicht „Nein“ sagen können.

Mit Verlaub, so lange ich noch solche Nachrichten lese, und es Menschen gibt, die sich mit ihrer Überarbeitung brüsten, als sei sie etwas positives, ganz ehrlich, so lange sollten wir wohl besser bei geregelten Arbeitsplätzen bleiben und fixen Arbeitsbeginn und Ende.

Wir scheinen noch nicht erwachsen genug zu sein, ein Leben mit Arbeit UND Privatleben wirklich vernünftig ineinander zu integrieren.

Nun gut, andererseits, so lange mich Menschen ernsthaft fragen, wie ich die Zeit für meine vielen Aktivitäten (eigentlich nur zwei, nämlich Blogger und Software Entwickler) finde, die dann aber gleichzeitig beständig Überstunden schieben UND sich dann abends, weil zu nichts anderem mehr im Stande vor die Glotze setzen und sich mehrere Stunden von meist absolut niveaulosem Programm berieseln lassen, so lange glaube ich nicht an eine Arbeitswelt der Zukunft. Nicht auf breiter Front und auch nicht zum Wohle beider Seiten.

Wir müssen uns erst von diesem Leistungsdenken verabschieden, das Präsenz und verbrachte Zeit mit erbrachter Leistung verknüpft. Das sind überkommene Denkmuster der Industrialisierung und für die heutige Welt einfach nicht mehr angebracht.

Entweder, wir arbeiten in einem Beruf, der Präsenz zu bestimmten Zeiten benötigt (Krankenschwester, Bauarbeiter etc.) dann müssen die Zeiten wohl offensichtlich immer noch sehr streng geregelt werden um eine Ausbeutung zu verhindern. Oder wir sind Wissensarbeiter, dann quält sich die Mehrheit mit den festen Zeitvorgaben, die so gar nicht zu Wissensarbeit passen.

Aber wenn es darum geht, hier etwas zu verändern, dann blickt man immer nur auf  Vertrauensarbeitszeit um mehr Anwesenheit zu ermöglichen. Dabei ist hier nicht die Dauer, sondern die Qualität wichtig. Wie das zusammenhängt wissen wir bereits seit Parkinsons Gesetz, das letztlich postuliert, dass die Arbeit die ihr gegebene Zeit stehts ausfüllt.

Weniger Heimarbeitsplätze? Weniger Pausen? Wir leben offensichtlich noch immer in der Denke des vorherigen Jahrtausends, in der der Chef sein Mitarbeiter sehen musste, um zu glauben, sie arbeiten. Dabei gibt es hier Studien, die nachgewiesen haben, dass die Mitarbeiter dann alles tun, damit sie schwer arbeitend aussehen, ob sie wirklich etwas leisten.. Aber sicher, sie waren ja 8 Stunden im Büro 😉

Wer Kinder will, kann die Karriere vergessen.

Nachdem vor einiger Zeit ein ähnlicher Artikel in der „ZEIT“ Furore machte, in dem der Autor die Behauptung aufstellte, Kind und Karriere wäre ein Ding der Unmöglichkeit, stösst nun Tobias Haberl von der Süddeutschen ins gleiche Horn.

Schreiben da ewig gestrige? Ich denke nein, sondern es schreiben Realisten, die dem Wunschdenken unserer heutigen Zeit schonungslos den Spiegel vor halten.

Denn noch immer ist es fast unmöglich, ernsthaft an einer Karriere zu arbeiten und auch noch ein echter Familienmensch und Vater zu sein bzw. Mutter. (Wobei ich hier leider auch feststellen muss, dass selbst dieses Rollenbild noch sehr weit verbreitet ist und oftmals schon durch sehr unterschiedliche Einkommen quasi von Beginn an zementiert)

Mal ehrlich, sobald man in die Führungsebenen will, ist (Zeit) Einsatz weit jenseits des normalen gefordert.  Und ebenso soll man möglichst flexibel agieren, auch mal ganz schnell für mehrere Tage auf Dienstreise gehen.

Da es noch immer das Naturgesetz ist (und wohl so schnell auch nicht anders werden wird) , dass zwar beide Partner das Kind zeugen, die Frau es aber austrägt, ist es sie, die zwangsweise zumindest einige Monate bis ein oder zwei Jahre ausfällt für den Arbeitsmarkt (oder um es in Managementsprech zu formulieren, die als Humanressource wegbricht). Wenn dann der Mann gnädigerweise seine „Vaterspielzeit“ bekommt, dann ist das ein sehr begrenzter Zeitraum und danach wird wieder der gleiche volle Einsatz von ihm gefordert (und leider denken auch viele Männer immer noch in genau diesen Klischees, auch und gerade in vielen Führungsetagen).

Von der Frau auch,  aber da meist sie ja zu Beginn auf den Beruf verzichtet, um die ersten Jahre für das Kind da zu sein, bricht sie eine bedeutsame Zeit für den Aufstieg auf der Karriereleiter (oder besser im Karrierehamsterrad) weg. Zudem wäre es zwar wünschenswert, könnten beide Partner gleichberechtigt die Erziehung der Kinder teilen, aber bei vielen ist das schon finanziell nicht möglich. Kosten für Tagesmütter, Kindergärten (nicht überall ist der Kindergarten kostenlos und gerade Kindergärten, die Service jenseits von 8-12 anbieten können verdammt teuer sein). Da kommt schnell eine Summe zusammen, die mit nur einem hohen Einkommen nicht zu stemmen ist.

Wenn wir das ganze Fiasko mal genau betrachten, muss man, um wirklich entspannt und gleichberechtigt Kinder groß zu ziehen ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zum einen sollten beide Partner Berufe ergreifen, die nicht nur sehr gut bezahlt werden, sondern überhaupt schon mal die Möglichkeit zur Teilzeit bieten.

Mehr als ein Kind sollte man sowieso nicht bekommen, da mit verschiedenen Schulen, verschiedenen Klassen und ggf. auch noch verschiedenen außerschulischen Aktivitäten ein Elternteil logistisch stärker gefordert ist als so mancher Manager.

Und natürlich sollte man sich eine ganze Liste von Babysittern anlegen, wenn mal wieder beide Partner ganz dringend weil sonst die Firma untergeht irgendwo hin müssen oder unbedingt, weil sonst Morgen die Welt untergeht spontan Überstunden schieben sollen (auf Großeltern kann man meist nicht bauen, da bedingt durch die geforderte Mobilität diese mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso nicht in sinnvoller Nähe wohnen).

Oder, man verabschiedet sich von jedwedem modernen Denken und kehrt zurück zum Klassiker. Immerhin theoretisch mittlerweile in der Variante, der Vater bleibt daheim, die Mutter arbeitet weiter (so sie gut und gleichberechtigt bezahlt wird, was ja bekanntermaßen ebenfalls oft nur Wunschdenken ist.)

Nur wenn beide bereit sind, die Karriere hinten an zu stellen, kann man sich wirklich guten Gewissens gemeinsam um die Erziehung mehrerer Kinder kümmern und auch dann bereit stehen, wenn man gebraucht wird, nicht, wenn das Unternehmen einen ausnahmsweise mal nicht braucht.

Wir brauchen keine Fördergelder und Quotenregelungen. Was wir brauchen ist eine  Gesellschaft, die mal ganz ehrlich darüber nachdenkt, wie man die Gesellschaft und vor allem die Wirtschaft so umbauen kann, dass ernsthaft Beruf und Familie für ALLE in Einklang zu bringen sind, nicht nur für die Besserverdiener. Wer ehrlich und „ergebnisoffen“ die aktuelle Situation beobachtet, der wird zu der Erkenntnis kommen, dass  viele der Maßnahmen von Politik und Wirtschaft letztlich nur darüber hinwegtäuschen sollen, dass es beiden herzlich egal ist, wie der Bürger das mit dem Kinder kriegen hinbekommt, Hauptsache, man steht als Politiker/Manager gut da. Mit Familienfreundlichkeit schmückt man sich gern. Ernst nehmen und wirklich konsequent darauf hinarbeiten tun aber wenige. Und interessanterweise sind die wenigen, die es tun, oft kleine und mittelständische Unternehmen auf dem Land, die in der Familienfreundlichkeit auch das Potential sehen, dass sie nämlich effektiv hat. Einen nicht zu unterschätzenden Marktvorteil auf dem Arbeitsmarkt, wenn es um die Bindung hochqualifizierter Mitarbeiter an ein Unternehmen geht, das geographisch nicht in einer Region angesiedelt ist, wo sich sehr leicht „Humanressourcenersatz“ finden lässt.

Dass ernsthafte Familienfreundlichkeit in einem Unternehmen funktioniert, erlebe ich jeden Tag bei meinem Arbeitgeber, der schon sehr viel früher die Chancen einer familienfreundlichen Unternehmensführung erkannt hat. Denn wer auf dem zunehmenden Arbeitnehmermarkt mit Mangel an Fachkräften und demografischem Wandel bestehen will, und das vielleicht sogar noch nicht in den Ballungszentren, der muss sich schon was gutes einfallen lassen. Und dann in Familienfreundlichkeit zu investieren zahlt sich sehr aus. Vom Betriebskindergarten, der schon lange vor der aktuellen Diskussion existierte, über manigfaltige Teilzeitmodelle, die nicht nur vom „kleinen Angestellten“ sondern auch in den Führungsetagen genutzt und gelebt werden bis hin zu Pflegezeit für Angehörige oder den besprechungsfreien Tagen nach bestimmten Feiertagen werden viele Mittel genutzt, die es sowohl dem Vater als auch der Mutter erlauben, auch mit mehreren Kindern noch Beruf und Familie in Einklang zu bringen.

Aber leider sind solche unternehmerischen Denkweisen immer noch die Ausnahme in einer hauptsächlich männlichen auf Kampf und Konkurrenz ausgelegten Arbeitswelt. Es wird Zeit, die vielen schönen Reden einzufordern und statt Worten endlich Taten folgen zu lassen.

Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass Familienleben und Beruf in weiten Teilen der Gesellschaft endlich nicht mehr in Konkurrenz stünden. Aber leider sehe ich das nicht, und auch in zumindest naher Zukunft nicht, so lange wir immer noch eine Präsenzkultur haben und viele Manager alles für wichtiger halten, als die Familie. Zwar hört man schöne Reden zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber meist hört man diese Reden genau da, wo hinterher in kleiner Runde gelacht und weitergemacht wird, wie bisher. Geht ja, es gibt ja (noch) genug verfügbare Humanressourcen.

Interessant übrigens in diesem Zusammenhang, dass es mittlerweile schon, leider wie üblich nur in anderen Ländern wie Schweden Konzepte gibt, die zum Beispiel von einem 6 Stunden Tag bei gleichem Lohn ausgehen. Das überraschende, die Produktivität sinkt dort nicht sondern steigt sogar. Und mit 6 Arbeitsstunden pro Tag ist auch für Familien mit Kindern, wenn sie dadurch nicht wieder auf Einkommen verzichten müssen beides für beide Partner möglich. Aber dazu müsste man anders, moderner denken. Und irgendwie klappt das offensichtlich in Deutschland nicht wirklich.

Und übrigens, wer mal Top Management, hervorragende logistische Planung und Organisation erleben will, der sollte sich vielleicht einfach mal ansehen, was Mütter so jeden Tag leisten (ja, Väter auch, aber leider noch viel, viel zu wenige).

Und dann sollte jeder sich ehrlich mal Gedanken machen, ob er den folgenden Job haben möchte.

Update: unabhängig von meinem Beitrag befassen sich auch andere mit dem Thema Familienfreundlichkeit und so ist bei .comspace eine Blogparade gestartet, die sich mit der Frage befasst, was eigentlich genau Familienfreundlichkeit bedeutet. Dem schließe ich mich an und rufe ebenfalls dazu auf, bei deren interessanter Themenstellung mitzumachen.

Und wer Interesse hat, es existiert mittlerweile ein Etherpad, auf dem wir Materialien zu einer Podiumsdiskussion sammeln, die wir dann bei der nächsten re-publica starten wollen. Einfach eine kurze Nachricht an mich.

 

 

 

 

Die Illusion des kontrollierbaren Mitarbeiters. Vom Social im Media

Es erfolgt ein stiller Umbruch. Jenseits der Bürokommunikation, jenseits von 9-17 Uhr denken kommuniziert der Mitarbeiter mit Kollegen, Freunden, der ganzen Welt.

Das überrascht? Mich nicht. Schon immer gab es technische Möglichkeiten, sich zum Beispiel als Softwareentwickler mit Kollegen weltweit auszutauschen. Und oft brachte das dem Unternehmen bare Münze ein, denn so konnte so manches Entwicklerproblem schnell binnen eines Tages gelöst werden, an dem man sonst sicher ein oder zwei Wochen geknobelt hätte.

Deshalb war in den Anfängen der Vernetzung, als nur der versierte Internetnutzer überhaupt Zugang und Kenntnis über den Umgang mit dem Internet hatte, die Tage auch noch… halt, ich schweife ab.

Natürlich gab es schon immer den Flurfunk und das Gespräch unter Kollegen bei einer Tasse Kaffee. Aber meist waren das enge Zirkel von Teammitgliedern, die auch sonst zusammenarbeiteten. Über das ganze Unternehmen hinweg war transparente offene Kommunikation oft schwer, der hauseigene Gärtner wusste nichts von der IT, die Sachbearbeitung nichts von der Produktion jenseits dessen, was für die beruflichen Tätigkeiten brauchte.

Doch das ändert sich gerade radikal, ob die Führungsebenen dies nun für gut befinden oder zu verhindern suchen. Smartphones, Tablets, soziale Netzwerke vermögen Menschen zusammenzubringen, die früher ggf. nicht einmal voneinander wussten. Und neben dem Austausch über private Hobbies oder den aktuellsten Klatsch ist es heute auch möglich, sich über das Unternehmen und die Irrungen und Wirrungen der einzelnen Bereiche untereinander auszutauschen. Es ist sogar möglich, und das dürfte so manchem nicht gerade schmecken, jenseits der Hierarchien Dinge auf die Beine zu stellen oder sich über Ärgernisse auszutauschen. Und auch im Netz wird der Mitarbeiter, wird das Unternehmen sichtbarer. Meist nicht, weil der Mitarbeiter etwas ausplaudert sondern vielmehr, weil jegliche öffentliche Äußerung gerade auch der Führungsebenen oder der Bereiche, die für die Öffentlichkeitsarbeit tätig sind nun UNKONTROLLIERT im Netz kommentiert und persifliert werden kann. So manch ein Shitstorm entstand aus einer gut gemeinten Nachricht.

Man mag hier dem Mitarbeiter einen Maulkorb anlegen, in gar vom (sozialen) Netz trennen. Das halte ich aber für eine sehr schlechte Idee. Zum einen dringt so etwas über kurz oder lang nach außen und schädigt damit nicht nur den Ruf des Unternehmens als Arbeitgeber sondern  erzeugt auch ein sehr altbackenes Bild einer Firma mit Kontrollwahn und Misstrauen gegen die Mitarbeiter.

Was viel schwerer wiegt, der Wunsch nach Kontrolle des Mitarbeiters demotiviert und  behindert oft in der eigenen Arbeit. Wer sich überwacht und kontrolliert wähnt, verhält sich auch so. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es dringend einer neuen Führungskultur des Loslassens und des Vertrauens bedarf. Wer seine Mitarbeiter mit Zahlen und Auswertungen kontrolliert, wer Kennziffern und Tabellen voller Tätigkeitsberichte fordert, der wird bald viele Mitarbeiter haben, die sich mehr darum bemühen, Zahlen und Tabellen gut aussehen zu lassen, als die eigentliche Arbeit zu tun. Und wer Prozessketten aufbaut, bei denen eine einzige Entscheidung über 5 oder 6 Schreibtische muss, der sollte sich nicht wundern, wenn Projekte immer länger dauern und immer teurer werden, ohne dabei qualitativ besser zu werden.

Wir sollten endlich die Mehrheit der Kontrollmechanismen hinterfragen und wieder mehr Vertrauen und Eigenverantwortung erlauben. Und das heißt nicht, Unternehmerisches Denken zu fordern und dessen Einhaltung gleich wieder durch Controllingmechanismen zu überprüfen. Das heißt viel mehr, sich wieder auf die eigentlichen Aufgaben und die gewünschten Ergebnisse zu besinnen, statt nur dafür zu sorgen, dass die Humanressourcen ausgelastet sind, ja nichts persönliches tun, im Prinzip ihr Wesen, ihren Charakter am Zugang zum Betriebsgelände draußen lassen. Das ist nicht sinnführend und zudem auch völlig jenseits der Realität.

 

Braindrain, die guten (Wissenschaftler) wandern ab

Der Spiegel berichtete vor kurzem über den Braindrain deutscher Wissenschaftler. Grundaussage war, dass mehr Wissenschaftler ins Ausland abwandern, als nach Deutschland kommen.

Das würde ich noch etwas weiter fassen. Immer mehr Menschen in meinem Umfeld denken darüber nach, nicht nur den Job, sondern gleich das Land zu wechseln. So habe ich schon diverse Freunde im Ausland und das sind nicht nur Wissenschaftler. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang vor allem, welch große Diskrepanz offensichtlich zwischen der Wahrnehmung unserer Politiker und der Realität besteht. Ja, wir haben eine florierende Wirtschaft und eine niedrige Arbeitslosigkeit. Aber das geht vor allem auf dem Rücken der Arbeitnehmer. Während die Politik sich die Diäten erhöht, fordert sie von den Gewerkschaften Lohnverzicht. Arbeitslose werden in den Jobcentern behandelt wie kleine Kinder, denen man nicht vertrauen darf, weil sie ja alle betrügen (Moment, wer hat die Finanzkrise zu verantworten? Richtig)

Es wird den Arbeitnehmern die Rente gekürzt und gleichzeitig als Maßnahme gegen den demografischen Wandel verkauft, wohl wissend, dass in vielen Berufen Arbeiten bis 67 schon aus gesundheitlichen Gründen nicht denkbar ist. Aber wenn dann der Bürger die Konsequenz zieht und ins Ausland geht, sofern er diese Möglichkeit überhaupt hat, dann wundert man sich und zeigt sich besorgt.

Wir sollten bei solchen Debatten nicht vergessen, wenn wir alles an „Durchschnitt“ auf der Strecke lassen, den wir auch brauchen. Es bringt einer Wirtschaft überhaupt nichts, nur die Spitzenleister zu betreuen, nur die Großverdiener gnädig zu stimmen. Es braucht einen gesunden und motivierten Unterbau an Menschen, die die EIGENTLICHE Arbeit tun. Und hier sorgt man immer mehr dafür, dass innerlich gekündigt wird, dass Dienst nach Vorschrift erfolgt. Das wird sich nicht sofort niederschlagen, aber es wird irgendwann und dann vermutlich scheinbar ebenso überraschend wie die Flucht der Wissenschaftler auf die Wirtschaft zurückfallen, wenn uns andere Nationen rechts überholen, bei denen der „normale Angestellte“ auch be- und geachtet wird.

Und die innere Kündigung wird mittlerweile zum Massenphänomen in einer Gesellschaft, die zwar die Freizügigkeit fordert, sie aber eigentlich gar nicht ermöglicht, ohne wirtschaftlich und sozial ein hohes Risiko einzugehen. Man soll sich niederlassen, ein Haus erwerben, eine Familie gründen, wenn dann aber der Job ruft, soll man/frau alles stehen und liegen lassen und dorthin gehen, wo die Arbeit ruft?

Man soll zwar einen Ausgleich zwischen Privat und Beruf schaffen, wenn man aber mit Blick aufs Privatleben nicht zu jeder Überstunde und jeder Arbeitszeit bereit ist, dann gilt man als unflexibel und wird, so man arbeitslos ist, wie ein Schwerverbrecher mit Sanktionen belegt.

Und da wundert sich unsere Medienlandschaft und die Politik über die Menschen, die gut ausgebildet ins Ausland gehen? Ich ganz ehrlich nicht.

 

Blogparade: Arbeitsplatz der Zukunft-Es beginnt alles im Kopf

liveblogger
Als Blogger und Buchautor bin ich heute schon mobil. In Zukunft wird der Ort an dem ich arbeite noch viel irrelevanter werden.

Die Blogparade des CeBIT Blog „Arbeitsplatz der Zukunft“ greift ein Thema auf, zu dem ich nebenberuflich schon lange forsche und schreibe. In meinem Hauptberuf bin ich Softwareentwickler und zwar klassisch. Arbeitsplatz im Büro, fester Desktop PC und über die üblichen Gleitzeitmodelle hinaus im Prinzip der klassische 9-17 Uhr Job.

Das macht mir nichts, der Beruf macht mir Freude, aber als Autor und Blogger arbeite ich eben auch noch in anderen Arbeitsmodellen. Denn als Autor und Blogger bin ich mobil.  Sehr mobil. Eigentlich benötige ich nur meinen Rucksack und einen Tisch, nein, eigentlich noch nicht mal das, um zu bloggen, zu recherchieren, zu schreiben und ja, auch um KUMs bei ihren ersten Schritten in die Arbeits- und/oder Social Media Welt von Morgen zu begleiten.

Aber ich möchte hier gar nicht auf meine technischen Werkzeuge eingehen,die mir mobiles Arbeiten ermöglichen. Smartphone, Tablet und Notebook, WLan und MIFI alles bekannte Begriffe und Technologien. Aber nicht das, was die Arbeit der Zukunft für mich ausmacht. Denn für  mich gibt es zwei Prämissen, die ich für zukünftige Arbeitsplätze sehe.

Zum einen, der Ort wird irrelevant. Wir werden erleben, dass die Präsenzkultur sich immer mehr überlebt. Ich arbeite nicht, wenn ich da bin, sondern wenn ich arbeite. Heutige Unternehmen verwenden viel zu viel Energie und Kosten darauf, die Präsenzzeiten der Mitarbeiter zu erfassen. Wer aber permanent fragt, wie lange etwas dauert, der wird erleben, dass die Zeiten, die er erhält auch stets voll ausgefüllt werden. Denn es geht ja nicht um die effektive Erledigung der Aufgabe sondern um das anwesend sein, wenn es erwartet wird und idealerweise auch, wenn für den Chef sichtbar (zumindest scheinbar) gearbeitet wird.

Das ist nicht mein eigenes Erleben, das haben Studien ergeben. Schon in meinem Umfeld kann ich beobachten, wie plötzlich die Ergebnisse wichtig werden, wenn man sich von dem Denken in Stechuhrmodellen verabschiedet. Projekte erwarten nicht die Präsenz des Mitarbeiters, sondern das Ergebnis. Sie wollen vom Mitarbeiter nicht Anwesenheit, sondern gute, qualitativ hochwertige Ergebnisse. Gerade in Wissensberufen – und auch wenn das mancher so nicht sehen will, sie werden in Zukunft die überwiegende Mehrheit der Tätigkeiten darstellen – zählt das Resultat, nicht die Dauer.

Auch daraus resultiert ein weiterer Aspekt, den ich für zukünftige Arbeitsplätze sehe. Anstelle eines Fulltime Jobs wird es immer mehr Teilzeitangestellte geben, die möglicherweise für mehrere Unternehmen in einer Art serieller Festanstellung oder einem Mix aus Festanstellung und freiberuflicher Tätigkeit arbeiten. Daraus resultiert, dass sie nicht mehr zwangsweise in den Räumen des Unternehmens tätig sein müssen, dass Unternehmen vielmehr so etwas wie Coworking Spaces bereitstellen, die dann von den Mitarbeitern des Unternehmens ganz nach den aktuellen Tätigkeitsbedürfnissen genutzt werden. Da kann es Phasen mit permanenter Präsenz geben und wiederum Abschnitte, in denen der Mitarbeiter mobil, von zuhause aus oder von unterwegs tätig ist.

Es gibt das Stichwort vom „atmenden Unternehmen“. Das wird aber schwierig, so lange ich die Mitarbeiter für ihre Anwesenheit bezahle. Denn dann muss ich mir stets überlegen, wie ich die Ressource Mensch möglichst optimal auslaste, denn dann ist ja Mitarbeiterzeit Geld. Bezahle ich aber für Ergebnisse, idealerweise nicht bezogen auf den einzelnen sondern Teams oder Projekte, ist es durchaus möglich, neben hochstressigen Phasen auch Ruhezeiten zu haben, in denen manch ein Mitarbeiter nur 3 Tage arbeitet. Nicht falsch verstehen, die Bezahlung sollte sich weiterhin fix gestalten, damit Planungssicherheit für den Arbeitnehmer besteht. Aber im atmenden Unternehmen erhält man im Ideal auch die Gesundheit der Mitarbeiter, da dann wenn vernünftig und wirtschaftlich wie sozial sinnvoll geplant wird quasi die Erholungsphasen jenseits des Urlaubs mit einplant. Dann ist der Mitarbeiter nicht mehr ständig unter Stress und droht in den Burn out zu rutschen, da dann die Aufgabe des Managements plötzlich nicht mehr darin liegt, sicherzustellen, dass alle voll ausgelastet sind.

Vielmehr gilt es dann, eine Balance zwischen Arbeit und Mitarbeitern zu schaffen. Es wird immer wieder gerne vom Begriff der Work-Life Balance gesprochen.  Das ist für mich aber ein großer Irrweg. Work-Life Intergration muss das Motto lauten. Privat und Beruf mit der gleichen Wichtigkeit. Das Private nicht nur noch als Regeneration, um im Beruf wieder fit zu sein sondern als eigene wichtige Komponente für Selbstverwirklichung und eigene Interessen. Und bei einer Arbeit, die nicht mehr die Zeit misst, so haben wiederum einige Studien ergeben, ist auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter weitaus größer.

In den Details wird man sicher diskutieren müssen, wird es Auswüchse geben und Fehlentwicklungen.

Aber für mich bedeutet der Arbeitsplatz der Zukunft vor allem mehr Freiheitsgrade und wieder mehr Zeit für das Individuum jenseits der Tätigkeit im Büro, weil die Arbeit plötzlich von einem Fremdkörper im positiven Sinne zum integralen Bestandteil des Lebens wird.

 

 

Gedanken zum Jahresanfang: Was kommt 2014 auf uns zu?

IMG_20131109_111411
Das nächste grosse Ding. Wearable Computing

Ich lasse zu Beginn des neuen Jahres immer wieder gerne Revue passieren, was alles geschehen ist, wo meine Prognosen stimmten und wo ich daneben lag.

Ein großer Irrtum meinerseits war der sinkende Bedarf an Smartphones, der so (noch) nicht eingetreten ist. Allerdings merkt man, auch gerade im Moment beim Start der CES in Vegas, dass der Fokus der Unternehmen aus der IT Branche weg von den Smartphones und Tablets hin zu Wearable Devices und Smart Homes geht. Daher dürfte auch in der IT Branche das eigene Haus in den Fokus rücken bzw. die Mietwohnung. Insofern erwarte ich nach den bislang auf den Markt gekommen stark invasiven Lösungen, dass die Hersteller nun mit einfachen Plug&Play Geräten an den Markt gehen, die keinen großen Umbau verlangen sondern sich nahtlos in bereits bestehende Infrastrukturen einfügen. Intelligente Zusatzstecker, Glühbirnen und Hausgeräte mit WLan werden für immer mehr Menschen interessant werden, die bei der Neuanschaffung diesen Teil mit in die Überlegungen einbeziehen. Und was seit Jahren zu beobachten ist, wir nun auch oder gerade für die ländlichen Regionen relevant. Breitbandige Anbindungen werden immer mehr über über den Erfolg von Neubaugebieten entscheiden.  Wir haben zwar keine Konsumsättigung aber eine gewisse Technologiesättigung erreicht. Das nächste, noch schnellere Smartphone macht keinen wirklichen Unterschied mehr auch eine höhere Displayauflösung ist mehr ein technisches Datum denn ein visuell für die meisten wirklich erkennbarer Unterschied. Spannend dürften hier vor allem Aspekte wie Sicherheit (Iriserkennung etc.) sowie die Techniken für gebogene Displays sein, wie ja bereits in ersten Interviews zum Beispiel für das Note 4 angedeutet.

Denn für die Generationen, die nun ans Kaufen oder Bauen denken ist der Breitbandanschluß so natürlich und elementar wie für uns der Strom oder das Wasser.

Und wir werden eine noch intensivere Verschmelzung von Beruf und Privat erleben. Angetrieben aber nicht von den Unternehmen, die oft noch über Mitarbeiter wie über Produktionsgüter denken, sondern von den jetzt auf den Arbeitsmarkt drängenden, intelligenteren Generationen, die solche Restriktionen wie nichts privates am Arbeitsplatz als das entlarven werden, was sie sind. Unsoziale Einschränkungen, die bar jeglicher heutiger Lebensrealität sind. Mit Smartphones, Smartwatches und sicher noch unauffälligeren Lösungen als Google Glass wird die junge Generation immer auch privat unterwegs sein und das auch einfordern.

Wir sind auch Mensch wenn wir ein Unternehmen betreten und dank neuer und immer unsichtbarer werdender Technologien würde es schon eine sehr restriktive und intolerante Vorgehensweise einfordern, würden Unternehmen dies wirklich heutzutage noch ernsthaft verhindern wollen.

liveblogger
In Zukunft ist nicht wichtig, wo ich arbeite und wann, sondern was.

Zumal dies, so denn richtig angewendet eher zum Vorteil gereicht denn zum Nachteil. Gerade die jungen Unternehmen und die Querdenker führen uns immer wieder vor, dass die im Moment immer wichtigeren Innovationen nicht aus dem starren Korsett fest niedergelegter Prozesse sondern aus dem kreativen Geist eines frei arbeitenden Menschen kommen. Und wir werden den Beginn einer Entschlackung der Führungsebenen erleben. Denn wo ich mich über technologische Wege auf dem kurzen Dienstweg gar über Unternehmensgrenzen hinweg unterstützen kann, wo der Crowdsourcing und Crowdfunding-Gedanke immer mehr an Fahrt gewinnt, ist es mittlerweile geradezu für den Erfolg des Unternehmens wichtig, mehr Freiräume zu bieten. Denn die echten Talente werden vielleicht nicht in ein anderes Unternehmen abwandern sondern gleich ihr eigenes Ding, gefördert von der Crowd aufziehen und damit wichtige Innovation dem in deren Fall innovationsfeindlichen Arbeitsumfeld entziehen.

Und mit Blick auf NSA und Datenskandale, auf Arbeitsbedingungen und Einkommensscheren werden immer mehr Menschen auch ethische und moralische Gründe für oder gegen einen Arbeitgeber, für oder gegen ein Produkt ins Feld führen. Und dank der Möglichkeit, Werbebotschaften im Netz direkt zu hinterfragen, hinter die Fassade der ach so netten, aber auch ach so gleichen Unternehmensfilme (Stichwort Obststand Didi) zu blicken, braucht es mehr Ehrlichkeit in der Wirtschaft. Immer weniger Menschen glauben tatsächlich noch Werbelügen oder Hochglanzbroschüren. Die Kaufentscheidung fällt in der Cloud und wird maßgeblich von anderen Nutzern und insbesondere von Opinion Leadern wie Bloggern oder bekannten Größen in den sozialen Netzen befeuert.

Rein technologisch werden wir das Jahr der Wearable Devices und des Smart Homes erleben, nicht in der breiten Masse, aber das Thema findet jetzt endgültig seinen Anfang, ist sowohl technologisch als auch finanziell vernünftig durchführbar. Und durch diese beiden Komponenten werden wir uns auch im Alltag noch mehr mit unserem privaten Umfeld vernetzen, auch wenn wir gerade im Büro sind.

Der Satz: „Ich lebe und arbeite in X“ ist von gestern (und so immer schon schrecklich, weil er suggeriert, dass man nur außerhalb der Arbeit leben kann.“ Mein bereits seit langem geforderter Begriff der Work-Life Integration wird in 2014 noch verstärkt werden und letztlich werden wir erleben,wie Arbeit und Privat immer mehr verschmelzen. Wenn wir als Arbeitnehmer hier aktiv teilhaben dann zum Guten. Lassen wir diese Themen nur von den brainstormenden Verwaltern entscheiden, werden wir noch mehr kontrolliert, als schon jetzt. Die Karrierebibel titelte so schön: Transparenparadoxon: Vor dem Chef verstecken macht produktiver.“ Und da ist was wahres dran, denn viele arbeiten im Angesicht ihrer Vorgesetzten, so wie sie sollen, bzw. wie sie glauben, dass der Chef es sehen will. Sind sie alleine, arbeiten sie dann oft so, wie es für die Erledigung der Aufgabe am besten ist und zudem auch der Arbeitsatmosphäre dient.

Oder wie ich zu sagen pflege. Der Mitarbeiter, der jeden Tag vier Stunden arbeitet, um ein Ziel zu erreichen, ist mir lieber als der Mitarbeiter, der 8 Stunden so arbeitet, wie sein Chef es von ihm erwartet oder wie es die Prozesse vorschreiben.

Wer eigenverantwortliche als Mitunternehmer denkende Mitarbeiter will, muss auch die dafür notwendigen Freiräume erlauben.

Wir arbeiten nicht alle mit den gleichen Methoden gleich gut. Das ist eine Illusion, die die Controller gerne hätten. Aber das ist jenseits jeder Realität