Wie fühlt sich eine Depression an?

Das ist wohl die mir am häufigsten gestellte Frage. Zumal ich eine sogenannte agitierte Depression habe, also eine Depression, die ganz ohne die Antriebslosigkeit auskommt. Na ja. Fast ganz. So mancher Morgen schreit einfach nach einer Fortsetzung des Aufenthalts im Bett. Aber leider ist die Hemmung meist nicht stark genug und das Pflichtbewußtsein obsiegt dann.

Wie fühlt es sich an? Eigentlich unmöglich zu beschreiben. Man hält sich für ein Stück Dreck, nichts wert, nicht wert, dass man sich um einen bemüht. Aber man ist immerhin produktiver Dreck. Das Selbstwertgefühl ist nicht nur am Boden sondern metertief begraben. Freude an Dingen,  nicht existent. Man tut zwar vieles, aber nichts mit Freude daran.

Die Arbeit gelingt einem lange Zeit ohne Probleme. Nur wenn von zu vielen Seiten mit Vorwürfen, Vorschriften, Anschuldigungen auf einen eingeschlagen wird, wenn die Kritik einen dank einer depressiven Phase mehr berührt als sonst. Dann kann es zum Fiasko kommen. Auch bei mir war es eine eigentlich völlig normale Situation, die zur Eskalation führte. Unverständnis, unberechtigte Vorwürfe, nicht anerkennen meines Lebensstils. Das wurde zu einem beinahe tödlichen Mix.

Die Depression erlaubt keine positiven Gedanken. Alles Positive wird irgendwie doch noch ins Negative verkehrt.  Alles wird zur Bedrohung, man vermutet immer gleich das Schlimmste. Wobei man das nicht mit Wahnhaftigkeit verwechseln darf. Von einem Pfad der immer positive wie negative Abzweigungen hat wählt man, oder meint es zumindest, stets den negativen oder glaubt gar noch, die Umstände würden einen diesen Pfad entlang führen.

Die Konzentration fällt schwer, wenn die dunklen Wolken der Depression da sind. Oder besser noch, nicht schwer, aber sie konzentriert sich darauf, die Wolken zu nähren, ihnen gedankliches Futter zu geben.

Gleichzeitig gefällt man sich selbst nicht, will schon gar nicht in diesem Zustand jemandem zur Last fallen. Deshalb setzt man Masken auf, lächelnde Masken, positive Masken, optimistische Masken. Diese Masken wirken so gut, dass mich nach meinem Zusammenbruch viele gefragt haben. Was? Du bist depressiv? Das kann ich mir bei dir gar nicht vorstellen? Echt jetzt?

Ja. Klar ist man depressiv, auch wenn das Umfeld es nicht merkt. Denn oft genug hat das Umfeld überhaupt keine Verständnis für einen depressiven Menschen.

Außerdem wachsen mit der Depression auch die Ängste. Man weiß ja, dass man anders ist als der „normale“ Mensch, Partner, Angestellte. So kommen meist zur Depression früher oder später Versagensängste, Existenzängste, Überlebensängste dazu.

Das Irre. Es gibt Situationen, da fühlt man sich gut, glücklich, erfolgreich. Aber die stiehlt einem die Depression dann wieder. Der Besuch des Stuttgarter Barcamps. Das Buch, das ich schreibe, die TV Doku. Alles tolle Geschichten, die mich aufbauen, mich stützen. Aber gleichzeitig kommt das Monster Depression und macht sie mir schlecht, spielt sie herunter.

Es ist ein täglicher Kampf gegen die Depression. Ich gewinne ihn mittlerweile häufiger. Aber sie ist immer noch da und wird es wohl mein Leben lang sein.

 

Depression ist wie Krieg.

Entweder du gewinnst,

oder du stirbst bei dem Versuch.

Nicht das Digitale ist kaputt, sondern unsere Gesellschaft

Wie oft höre ich Wehklagen über die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft. Dass alles immer schneller wird und man doch gar nicht mehr hinterher kommt.

Bullshit, verbreitet von Digitalisierungsgegnern, die meist nicht mal im Ansatz wissen, wogegen sie da wettern, aber über digitale Demenz und neue Cyberkrankheiten salbadern.

Es ist unsere Gesellschaft, die kaputt ist. Die sich immer mehr der Doktrin der Ökonomie unterwirft. Die immer mehr das Optimum fordert, die Kultur der Spitzenleistung, die dazu führt, dass immer mehr Menschen abgehängt, arbeitslos, depressiv und final gar zum Suizid getrieben werden. Wir machen uns kaputt durch die Normen, denen wir uns unterwerfen. Der Mensch als Humanressource, was für eine grausame Vorstellung. Das Leben nur dann etwas wert, wenn man eine bezahlte, selbst schlecht bezahlte Arbeit hat. Wobei die Wirtschaft ja am liebsten hätte, wir würden umsonst für sie arbeiten, das Geld sollen wir dann verdammt  nochmal woanders her bekommen.

Oder nehmen wir den sozialen Bereich. Jeder Banker würde über die Gehälter lachen, die immer stärker belastete PflegerInnen und Krankenschwestern bekommen. Und ein Krankenhaus nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten führen zu müssen zeigt doch sehr gut, wie tief unsere Gesellschaft gesunken ist. Gesundheit als ökonomisch verrechenbarer Wert. Gesundheit als etwas, bei dem man sich schon fast schämt, krank zu werden. Weil man ja dann den Unternehmen/Krankenversicherungen auf der Tasche liegt.

Wann haben wir uns eigentlich einreden lassen, Nebenkriegsschauplätze wie die Digitalisierung wären Kampfzone?

Die zunehmende Überwachung durch unseren Staat, der immer höhere Druck auf den Menschen, Leistung bringen zu müssen oder sonst ins existenzielle Nirvana von Hartz IV zu stürzen. Das sind die Probleme, die wir angehen müssen. Wir werden depressiv, wenn wir uns zu viel mit anderen vergleichen. Richtig. Aber ist es nicht teil unserer im Moment doch ausgesprochen kranken Kultur? Immer besser? Immer mehr? Wachstum auf Teufel komm raus, obwohl das in einem geschlossenen System gar nicht geht?

Und wie menschenverachtend ist es, von einer Flüchtlingskrise zu sprechen, wo wir doch eine Krise der vielen Kriege haben, für die auch unsere ach so wichtigen deutschen Rüstungskonzerne ihr Schärflein beigetragen haben, indem sie den Diktatoren die Waffen in die Hände drückten, die jetzt dafür sorgen, dass Millionen von Menschen fliehen, schlicht, um am Leben zu bleiben und nicht von UNSEREN Waffen erschossen zu werden.

Wir brauchen endlich eine gesellschaftliche Diskussion, was unsere Wirtschaft darf und was nicht. Wir brauchen eine Diskussion, was uns ein Mensch an sich wert ist und ob nicht Themen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen vielleicht nur der erste Schritt sind zu einer Emanzipation aus den ökonomischen Zwängen der Konzerne.

Wir sollten aufhören, über das Digitale zu diskutieren, das schon seit Jahren da ist. Wir sollten über unsere Gesellschaft diskutieren, die nach meinem Eindruck von Jahr zu Jahr kranker wird, ganz ohne Digitales.

 

Ziemlich schlechte Freunde. Meine Session auf der re-publica gemeinsam mit Kati Krause

Ich freue mich sehr. Statt einer Einzelsession bestreite ich eine Podiumsdiskussion gemeinsam mit Kati Krause, die den sehr interessanten Artikel Facebooks psychische Störung geschrieben hat. Während sie den Standpunkt keine Social Media Aktivitäten in der Depression vertritt, erzähle ich von meinen Erfahrungen aus der Psychiatrie und wie mir dort Social Media gerade geholfen hat, den Kampf aufzunehmen. Freue mich schon auf den Gedankenaustausch und hoffe auf viele interessierte Teilnehmer.

Session: Ziemlich schlechte Freunde: Depressionen und Social Media

Die Sucht nach der Sucht

Ich steige mal herab. Ich begebe mich auf ein Niveau, das ich eigentlich nicht wirklich betreten mag. Das Niveau der Nörgler, der Mahner und Kritiker, die hinter allem die ultimative Bedrohung sehen.

Den Humbug Internet sucht, den es noch überhaupt nicht als offiziell anerkannte Diagnose gibt mal ganz außen vor gelassen und wie viel manche Ärzte und Therapeuten mit der Behandlung dieser nicht anerkannten Sucht verdienen. Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass so ziemlich alles, was Menschen mit mehr Enthusiasmus als der Durchschnitt tun früher oder später dazu führt, dass angebliche Experten wie ein Herr Spitzer von Sucht reden, von Behandlung, von Gefahr?

Computerspielesucht, Sucht nach gesundem Essen (Orthorexie, ohne Scherz, gibt es angeblich wirklich), Facebooksucht, Social Media Sucht. Alles wird so dargestellt, als wäre es eine fundiert untersuchte und anerkannte Sucht. Schwachsinn sage ich. Schon immer gab es Menschen, die sich für Themen mehr begeisterten, als der Durchschnitt. Aber deshalb gleich von Sucht zu sprechen, insbesondere, wenn keinerlei wirklich fundierte Untersuchungen existieren, halte ich für unverantwortlich. Andererseits, gefährliche und ausgiebig erforschte Süchte wie die Alkoholsucht, werden sogar noch gefördert und auf Festen zelebriert. Seltsam, wie sehr hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Ich habe oft den Eindruck, es geht hier dem einen oder anderen Psychologen, Arzt oder Therapeuten mehr darum, seine Klientel zu erweitern, als wirklich Menschen mit gefährlichen Süchten zu helfen.

Fundierte Studien, ernsthafte Untersuchungen und vor allem eine differenzierte Darstellung der wirklichen Gefahren einer neuen Sucht. Das scheinen die Medien nicht zu schaffen, und oft nicht mal angebliche Experten.

Wer einmal einen Rumpelstilzchen Vortrag von Dr. Spitzer erlebt hat, dürfte verstehen, was ich meine.

Wenn man in der Gesellschaft aber eine Technologie wie z.B. das Internet permanent schlecht redet, werden die armen Schäfchen in Scharen in die Arme von Scharlatanen rennen, die eine Sucht behandeln, die es bislang noch gar nicht offiziell gibt.

Social Media und Depressionen. Es kann auch helfen

Viele haben mir damals, in der tiefsten Tiefe meiner Depression geraten, als ich alleine und fern von Familie und Freunden (ich hab Freunde?) in der Klinik saß: Hör bloß auf mit Social Media, das zieht dich nur noch mehr runter.

Für mich war das Gegenteil der Fall und ist es auch heute noch. Buch, TV-Doku waren da quasi nur „Abfallprodukte“. Als ich in die Klinik aufgenommen wurde, hat mich vor allem das Alleine sein so furchtbar gestört und noch tiefer in die Depression gezogen. Klar hatte ich Mitpatienten. Aber mit vielen konnte man nicht sprechen, weil es ihnen oft so schlecht ging, dass sie schlicht kein Interesse hatten, mit anderen wollte man nicht sprechen. Und meine Follower auf Twitter fragten relativ schnell nach, was denn mit mir los sei. Ich hatte die Wahl: 26 Wochen lügen oder ganz offen mit meiner Depression umgehen. Als ich dazu die Therapeuten befragt, kam von denen: Wenn ich es für mich annehmen kann, ist offener Umgang immer besser.

Also habe ich aktiv via Twitter unter dem Hashtag #ausderklapse erzählt. Und bekam bis auf zwei flux geblockte Trolle sehr viel positives Feedback, Tipps, Zuspruch. Und auch Facebook zog mich keineswegs runter, sondern wurde zu einem Ort der Information. Wobei ich Facebook noch nie als Medium zum mich mit anderen vergleichen genutzt habe.

Als dann in der Tagesklinik auch noch eine geheime Facebook Gruppe für uns Verhaltensoriginelle eingerichtet wurde, hatte ich einen Kreis von Gleichgesinnten, die sich gegenseitig unterstützten und aufbauten.

Ich denke, es kommt auf die Person an. Für mich wäre ein Rückzug vermutlich sogar einer Verschlimmerung gleichgekommen. Zumal man mich in die Depression und den Suizid gerade dadurch gestürzt hatte, dass man mir meine Art zu leben nehmen wollte.

Ich würde nicht so weit gehen wie Holly Elmore, die als Teil ihrer Genesung durch das Posten eines absichtlich positiven Images ihrer selbst zum Teil genesen ist.

Aber die Unterstützung, die Erfahrung, wie viele Gleichgesinnte es gibt und das positive Feedback für meinen Kampf zur Entstigmatisierung von Depression und Psychiatrie, genau das hat mir sehr geholfen, mein Selbstbild wieder zu verbessern, positiver zu denken, mehr vom Leben zu erwarten.

Ich kann mit Fug und Recht behaupten: Social Media hat mir vielleicht nicht mein Leben geretttet, obwohl Whatsapp einen großen Anteil an meiner Lebensrettung nach dem Suizidversuch hatte. Aber es hat mir meinen Verstand wieder repariert.

Ich werde hier nicht behaupten, Social Media sei für jeden depressiven Menschen gut. Aber jeder sollte es für sich prüfen, wie es wirkt und sich weder von Medien noch von Ärzten oder seinem Umfeld vorschreiben lassen, was er zu tun hat. Genau das treibt einen ja manchmal in die Depression. Been there, experienced that.

P.S.: Die meisten Studien, die eine Förderung von Depressionen durch insbesondere Facebook sehen, beziehen das vor allem auf das Vergleichen mit anderen, positiveren Profilen. Das habe ich zum einen nie gemacht, zum anderen gibt es dieses Vergleichen schon lange: Das bessere Auto, Smartphone, Haus, Leben, der bessere Freundeskreis, Job. Vergleichen kann man sich unabhängig von Facebook. Man sollte nicht Symptom mit Krankheit verwechseln. Facebook mag für manche Katalysator sein. Ursache einer Depression, dafür gibt es laut Studien keine Belege, die meisten Forscher, die Korrelationen fanden, sprachen von der Möglichkeit, dass.

 

Meine Depression und ich, wir kommen im Fernsehen

Na ja, noch nicht. Erst mal kommt Morgen ein TV-Team für erste Dreharbeiten. Quasi meinen ersten Tag der Wiedereingliederung dokumentieren, beginnend nach Verlassen des Büros und dann in der Tagesklinik auch mit einem Therapeutengespräch. Denn Morgen beginnt mein zweiter Wiedereingliederungsversuch, diesmal langsamer und mit psychologischer Betreuung.  Die Klinik hat sich zu Recht über diese PR gefreut und ich freue mich, dass ich etwas dazu beitragen kann. Einrichtungen wie unser Zentrum für psychische Gesundheit sind wichtige Anlaufstellen für Menschen mit psychischen Problemen. Und die Hilfe, die ich dort erhalten habe, hat mir in der bislang düstersten Phase meines Lebens sehr geholfen.

Und alle, die glauben, ich wolle mich profilieren. Ganz ehrlich, da hätte ich mir ein anderes Thema ausgesucht als gerade meine Depression. Das ist nichts, womit man großartig angeben kann. Aber vielleicht hilft das ebenso wie mein Buch, etwas von dem Stigma aufzulösen, das immer noch bei psychischen Krankheiten besteht. Dieses Stigma macht es für psychisch Kranke nicht gerade leicht, sich Hilfe zu suchen oder mit ihrer Krankheit zu leben. Und außerdem, meine Depression ist ein richtiges Arschloch zu Zeiten, hat sie mich doch wieder komplett aus der Bahn geworfen, als ich dachte, alles liefe bestens.

Also: Drückt mir die Daumen, Morgen ist ein entscheidender und auch ein spannender Tag.

Der Verlust grundlegender Werte.

Wir sind entsetzt über hasserfüllte Fratzen vor Bussen mit verängstigten Flüchtlingen. Wir echauffieren uns über Schiessbefehlskonzepte wirrer Politikerversuche. Wir sind verärgert über die deutschen Waffenexporte ins Ausland.

„Alle Menschen sind gleich.“ rufen wir unserem Luigi oder Panagiotis  zu, während wir uns über unserer Pizza oder unserem Souflaki über die Weltpolitik auslassen.

Oh wie scheinheilig sind wir doch alle. Denn gleichzeitig sind es wir, die plötzlich besorgt sind, wenn vor UNSERER Tür ein Flüchtlingsheim, ein Windpark, ein Solarpark eröffnet wird. Ja natürlich finden wir das gut. Aber nicht gerade hier.

Und so fahren wir, besorgte Bürger, die wir plötzlich geworden sind, mit einem mit Plakaten und Bannern vollgeladenen SUV oder Oberklasseprotzgefährt zu eben jenen Modifikationen unserer heilen Welt, und wünschen sie überall hin, nur nicht zu uns.

Klar, als im Fernsehen die Bilder aus Syrien in unsere Wohnzimmer drängten, da war sicher in vielen Haushalten Mitgefühl, Sorge, der Wunsch zu helfen. Aber wenn es dann wirklich zum Äußersten kommt, zu aktiver Hilfe weil unsere Waffenlieferungen zu diesem Drama mit beigetragen haben, dann sind wir plötzlich sehr kleinlaut, haben Angst vor dem Fremden, das wir nur wenige Generationen zurück in der Geschichte oft selbst waren (ich für meinen Teil habe zur Hälfte ungarisches Blut in meinen Adern)

Ja, wir sollten die Rüstungsfabriken schließen. Bis diese mit Arbeitsplatzverlust und wirtschaftlichen Einbußen drohen.

Überhaupt. Alles, was wir an Unwürdigem, Schädlichem, Unnützen, Verwerflichen in der Wirtschaft weiter am Leben halten, tut dies vor allem, weil man mit der Keule der Arbeitslosigkeit, des Verlusts unseres Status Quo drohen kann und wird. Hartz IV ist das Damoklesschwert, das uns alle zu gefügigen Arbeiterbienen macht, die sehr schnell den Mund halten, wenn einer aus der führenden, wenn auch nicht zwangsweise intelligenten Kaste das Stichwort Arbeitslosengeld II in den Raum wirft. Meist ist es ein Mensch, dessen Gehalt so unverschämt viel höher als das wertvoller Berufe wie Krankenschwester oder Pfleger ist, dass es schon pervers und obszön als Deskription verdient.

Wir sind gute Menschen. Solange man nicht droht, uns etwas wegzunehmen. Und wir sind gut darauf trainiert, in einer Gemeinschaft gleichgeschalteter Arbeiterameisen zu leben, auf Kosten weniger, die teils durch Erbe, teils durch an die Spitze politisieren und polemisieren behaupten, irgendwelche bestimmenden a priori Rechte über unser Leben zu haben.

Nur wenige erlauben sich eine Rebellion gegen die Dummheit, Ignoranz und vor allem Amoralität unseres aktuellen Wertegefüges. Eben jene werden dann entweder als verrückt, oder als weltfremder Künstler gebrandmarkt.

Wir alle warten auf jemanden, der auf den Tisch haut, den wir dann mit den Worten: „Wir hätten ja, aber wir konnten nicht.“ begrüssen und für unseren neuen gesellschaftlichen Messias halten.

Er wird es nicht sein. Nur wir, jeder einzelne können überdenken, ob wir uns von ökonomisierten Wirtschaftswerten terrorisieren lassen, oder ein menschliches, gesellschaftliches, gemeinsames Wertesystem inthronisieren. Die Wirtschaft wird das nicht wollen, weil sie willige und dumme Arbeiterameisen und noch williger und am besten dumme Konsumenten benötigt, für Schrott, der unsere Welt verpestet, unsere Geldbeutel lehrt und uns ablenkt von den wirklichen Problemen der Gegenwart. Das wird nicht leicht sein, weil die „Da Oben Kaste“ natürlich behaupten wird, wir wären undankbar, dumm, böse, weil Politik und Wirtschaft im immer währenden symbiotischen Einklang gegen die Rebellion vorgehen werden. Aber wie schon Guy Fawkes so schön formulierte:  „Eine hoffnungslose Krankheit verlangt nach einem gefährlichen Gegenmittel.“

Und ein letzter Gedanke. Wie oft hat sich jemand, der über die korrupten Politiker oder die „Lügenpresse“ echauffierte,  auf den Vorschlag: „Dann geh in die Politik, in den Journalismus, mach es besser.“ Mit: „Au ja, sofort!“ reagiert? Meist ist es dann zu schwierig, nicht ihr oder sein Ding oder man hat gerade wichtigeres zu tun. Zum Beispiel sinnlos Blödsinn nachbrabbelnd auf der Straße gegen Kriegsopfer vorgehen.