Gedanken zu meinem 2. Geburtstag

Drei Jahre ist es her, als ich nicht mehr konnte. Oder wollte. Oder beides.
Drei Jahre und ein Tag genau genommen, aber der 5. Februar ist der Tag, an dem ich wieder aufgewacht bin. An dem für mich eine Welt zusammenbrach. Was ich da nicht ahnte war, dass sich eine gänzlich neue Welt öffnen sollte. Mittlerweile liegt es ferner denn je, nochmal aus dem Leben scheiden zu wollen. Das habe ich wertvollen Menschen zu verdanken, allen voran meiner Frau Sibylle und einer lieben Kollegin, die im Roman als Barbara auftritt. Ich wurde Autor, Sprachrohr für Betroffene, die Medien interessierten und interessieren sich für mich.
Mein Buch verkauft sich nach wie vor gut, was mir wiederum hilft, weiterhin für die gesellschaftliche Akzeptanz von Depressionen und eine bessere Suizidprävention zu kämpfen.
Ich bekam Drohbriefe und meiner Frau wollte man den Mund verbieten. Aber ich bekam auch unglaublich liebe Briefe von Betroffenen, Nachrichten, Anrufe, Feedback. Ich war im TV und im Radio, um meine Botschaft zu verbreiten. Noch immer muss ich mir vor Augen führen, dass ich einen Jugendtraum erlebe. Ich bin Autor, mein Buch scheint Menschen helfen zu können, was für mich ein wunderbares Geschenk ist.

2017 war in jedweder Beziehung ein unglaubliches Jahr. Und 2018 scheint da anknüpfen zu wollen. RTL interessiert sich für meine Geschichte, ich bin Keynote Speaker eines Patientenkongresses in der Schweiz und wieder laden mich Schulen, Vereine und Buchhandlungen ein, Lesungen und Vorträge zu halten.

Ich freue mich auf noch weitere zweite Geburtstage. Denn jetzt ist mein Leben ein anderes, ein besseres. Und ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Auf meinem Weg.

Ich werde immer mal wieder gefragt, ob mich das nicht stresst, die Erinnerung an das Geschehene nicht belastet.
Nein, im Gegenteil. Der offene Umgang mit meiner Krankheit ist mir Therapie und Hilfe. Mehr als dreissig Jahr habe ich meine Depression mit mir herumgetragen, ohne wirklich zu wissen, was mit mir nicht stimmt. Ich wollte funktionieren, anerkannt werden, akzeptiert werden. Und ich habe mich dafür verbogen, verstellt, nur um gemocht zu werden. Das trainiere ich mir gerade ab. Mir ist klar, nicht jeder ist mit meiner Art einverstanden, mit meiner Depression umzugehen. Nicht jeder versteht, wie sehr mir Social Media bei der Rückkehr ins Leben geholfen hat. Das Leben hat mir lange Jahre nur verschimmelte Zitronen geboten, jetzt gab es endlich mal ein paar leckere und reife Orangen.
Meine Prioritäten haben sich geändert, auch, wessen Urteil über mich ich ernst nehme und welches nicht.
Und das Feedback meiner Leser, der Zuschauer und Zuhörer unterstützt und ermutigt mich, weiter zu kämpfen. Damit irgendwann sich niemand mehr seiner KRANKHEIT Depression schämt oder sie versteckt. Damit mehr Menschen geholfen wird und weniger Menschen an dieser oft tödlichen Krankheit sterben.

Ich freue mich auf noch weitere zweite Geburtstage. Denn jetzt ist mein Leben ein anderes, ein besseres. Und ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Auf meinem Weg.

Mit Whatsapp gegen Depressionen bei Kindern

Ein Projekt, das ich gerne aktiv unterstütze:
Aus der Projektbeschreibung:
„Die Depression ist bei Kindern und Jugendlichen eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Pro Jahr erkranken allein in Deutschland ca. 4-5 Millionen Menschen an einer Depression! Besonders tragisch: Der Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Das wollen wir ändern! Unsere Idee: Ein App-Frühwarnsystem, das man im Alltag gar nicht bemerkt. Wir nutzen „einfach“ die Kommunikation über WhatsApp und das Smartphone. Um loszulegen, brauchen wir Ihre Mithilfe!

Projekt unterstützen

Rückfälle lassen sich vermeiden – so bleiben Sie nach der Therapie stabil

Dieser Artikel stammt nicht von mir. Aber das Angebot und die Idee hinter rückfallprävention.com finde ich so richtig und wichtig, dass ich eine der seltenen Ausnahmen mache, und hier einen Gastbeitrag zulasse. Weil ich finde, genau im Feld der Rückfallprävention, der Hilfe NACH den Kliniken oder der Therapie ist noch viel Bedarf. Und ich bin mir sicher, Online Angebote sind hier ein sehr guter Weg.

Das Berliner Start-up HealthMedo bietet mit Rückfallprävention.com ein kostenloses Angebot für ehemals an Depression Erkrankte.

„Ich dachte nach der Therapie, jetzt bin ich geheilt, aber als der erste Stress kam, hab ich nicht aufgepasst und schon ging es wieder los mit den Depressionen.“

Wer seine Krankheit einmal mithilfe einer Psychotherapie in den Griff bekommen hat, gewinnt seine Lebensqualität zurück. Gleichzeitig tragen Betroffene jetzt die Verantwortung, Veränderungen in ihrer Stimmung und in ihrem Wohlbefinden im Blick zu behalten, um Anzeichen für Rückfälle frühzeitig zu erkennen. Im Alltag geht der Blick für sich selbst jedoch schnell wieder verloren. Die hohen Rückfallraten bestätigen das: Fast jeder dritte Betroffene leidet im ersten Jahr nach der Behandlung an einer erneuten depressiven Episode. Erschwerend kommt hinzu, dass mit jeder neuen Episode das Risiko für eine Weitere steigt – gute Gründe, warum der Prävention von Rückfällen ein besonderer Stellenwert in der Behandlung von Depressionen zukommen sollte. Das hohe Rückfallrisiko bei Depressionen ist jedoch bislang kaum in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Spezielle Versorgungsangebote gibt es wenige.

Für ehemalige Patienten entstehen in der Zeit nach der Therapie viele zentrale Fragen: Wann ist der passende Zeitpunkt, um bei einer Stimmungsveränderung einzuschreiten? Welches Programm passt zu mir? Genügt eventuell tägliches Yogatraining zur Stressbewältigung oder brauche ich eine erneute Therapie?

Eines ist sicher: Bei den ersten Anzeichen einer Stimmungsverschlechterung muss nicht sofort die klassische Psychotherapie angezeigt sein. Doch die Recherche von Alternativ-Programmen und das Urteil, welche Intervention an diesem Punkt passend ist, lag bislang allein beim Patienten – ganz schön überfordernd.

Diese Lücke will das Berliner Start-up Psychologio mit der Entwicklung eines digitalen Frühwarnsystems schließen. Das Team von Psychologio hat durch seine Online-Plattform zur Vermittlung von Psychotherapieplätzen Erfahrung mit den Strukturen des Versorgungssystems und den Bedürfnissen der Patienten. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie richtet sich das ergänzende kostenlose Angebot Rückfallprävention.com explizit an ehemalige Depressionspatienten.

Wer kann teilnehmen?

Das Angebot Rückfallprävention.com richtet sich an Menschen, die an Depressionen erkrankt waren und innerhalb der letzten 12 Monate eine Therapie beendet haben. Die Teilnahme ist kostenlos.

Das Team von Rückfallprävention unterstützt Sie gerne bei Ihrer nachhaltigen Gesundung. Alle Informationen erhalten Sie auf www.rückfallprävention.com. Für Fragen stehen wir Ihnen unter der Telefonnummer 030 602 75 778 und info@rückfallprävention.com zur Verfügung!

Warum ich meine Mutter immer noch hasse

Du musst ihnen verzeihen. Sie konnten nicht anders. Die Zeit damals. Es gibt so viele wunderbare Ausreden, warum der Groll, den ich immer noch insbesondere gegen meine Mutter in mir trage, doch mal ein Ende haben sollte.

Aber nein, so einfach lasse ich sie nicht davon kommen. Je mehr ich über meine Geschichte schreibe, je weiter „Freilandhaltung“, das Nachfolgebuch zu „Depression abzugeben“ voranschreitet umso klarer wird mir, dass es Dinge gibt, die ich nicht verzeihen werde, die ich nicht verzeihen will. Dass ich heute noch da bin, dass ich es geschafft habe, mit Sibylle den ersten Menschen zu finden, dem ich hundert Prozent vertraue, dass ich drei wundervolle Kinder habe. Alles Abzweige meines Lebenswegs, die ich nicht gefunden hätte, hätte ich meiner Mutter zu gegebener Zeit verziehen.

Für mich war der größte Schutz davor, aufzugeben bis zu jenem fatalen Tag, der rückblickend wie das Streitgespräch mit meiner Mutter multipliziert mit drei gewirkt hat. Dass man dann mit Drohbriefen und Kontaktverboten kam, ja, das hat die fatale Erinnerung nochmal doppelt so stark hervorgerufen. Gut gemeint ist halt manchmal katastrophal gedacht. Und dass manche Menschen für so toll gehalten werden, auch wenn man selbst die Fassade längst durchschaut hat, das macht den Umgang nicht einfacher. Wir wollen doch nur ihr Bestes. Jap, mag sein. Kriegt ihr aber nicht, behalte ich für mich.

Meine Mutter hat mir Chancen genommen, ist mitverantwortlich für meine Ängste, meinen mangelnden Selbstwert über all die Jahre hinweg.

Es mag sein, dass der Moment doch noch irgendwann kommt, an dem ich zum Verzeihen bereit bin. Aber vergessen werde ich all den Schmerz, all die Wut, all die Trauer sicher nicht. Selten hat ein Mensch so viel Unverständnis für mich gezeigt, mir so viel Schmerz zugefügt. Das Opfer soll immer vergeben, soll verstehen, wie es dazu kam. Damit der Täter sich wieder gut fühlen kann. In gewissem Sinne kann auch ich sagen #metoo . Mein Missbrauch war Liebesentzug, keine körperliche, aber psychische Gewalt. Mein Schmerz ist der der Einsamkeit, des Unverständnisses, des abgewertet werdens.

Nein, ich werde nicht vergessen. Und ob ich vergebe, das wird sich noch zeigen. Bislang gilt nach wie vor. Mein Mutter ist tot. Nichts, worüber ich zu trauern in der Lage oder auch nur gewillt bin.

Ich schreibe gerade an Freilandhaltung. An einem Kapitel, das sich sehr mit dem auseinandersetzt, was damals mit mir geschehen ist, was ich ausgehalten, was ich überlebt habe. Verzeihen? No way. Im Gegenteil. Veröffentlichen, ans Licht bringen, damit andere davon profitieren, daraus lernen oder sich an die eigene Geschichte erinnern, seien sie Opfer oder Täter. Und den Tätern wünsche ich, dass sie immer wieder mit ihrer Tat konfrontiert werden. Vergessen. Nein, das werdet ihr sicher nicht. Ich werde daran erinnern. So wie alle, die auf die eine oder andere Art #metoo sagen müssen.

Apple, was ist bloß los bei dir?

Über 20 Jahre ist es her, dass ich das letzte Mal ein Apple Produkt verwendet habe. Und dieses Jahr, nach diversem andauernden Ärger mit Window und Android entschloss ich mich, es wieder mit Apple zu versuchen. Damals hatte mich Steve Jobs mit dem Killen des Apple Newton verärgert, einem Device, für das ich mit Leidenschaft Programme entwickelte.

Touchscreen, Convertible, Virtuelle Tastatur, Zeichenbrett mit Papierübertragung auf digital. Mehr Innovation auf ein Mal als im Lenovo Yoga Book geht fast nicht mehr. Und sehr leicht und handlich ist es noch dazu.

Aber jetzt, wo ich mit MacBook Pro, IPad Pro, IPhone 7plus (das X ist für den Preis einfach lächerlich uninnovativ) und sogar Apple Watch 3 LTE unterwegs bin, frage ich mich nicht das erste Mal. War das eine gute Entscheidung? Die vielen Softwarefehler der jüngsten Zeit. Mangelnde Innovation (ein MacBook Pro mit Touchbar? Seriously? Als habe man händeringend versucht, irgendwas mit Touch zu machen, ohne sich auf Touchscreen festzulegen.

Ja, auch das IPad Pro mit Stift ist ein schönes Arbeitsgerät. Aber es hechelt den Technologien der Konkurrenz relativ kraftlos hinterher und mit der selbst nach Aussage von Apple Evangelisten nachlassenden Softwarequalität verliert es seine Alleinstellungsmerkmale mehr und mehr.

Apple, du machst es mir nicht wirklich leicht, dich wieder zu mögen. Gut, „It just works“ gilt nach wie vor. Aber gerade mein letztes Smartphone, das Huawei Mate 9 hat diesen Slogan auch verdient. Schnell, fast randloses Display und und und. Mit Jobs war Apple eine Company, die sich bestimmten Qualitätskriterien und einem Geist der Innovation verschrieben hat. Wenn ich aber heute IPhone 7plus und 8plus vergleiche, ist es schon fast beschämend, wie wenig sich da geändert hat. Und über 1000 Euro für ein Gerät, das mein Gesicht zum entsperren nimmt, was nachweislich schon so einige Probleme machte und das so zerbrechlich ist, wie kein Gerät davor. Ne danke. Bei uns kam dafür lieber ein neuer WLAN Router und eine Alexa Show ins Haus. Reichte dann immer noch für ein etwas älteres aber kaum schlechteres IPhone 7plus.

Zuhause steht noch ein Yogabook von Lenovo. Da steckt mehr Innovation drin als in allen  Apple Produkten zusammen. Und dann die alten Geräte drosseln und das nicht kommunizieren? Sagt mal, haltet ihr eure Kunden für Kinder?

Ich möchte dich wieder mögen wie damals, Apple. Aber dafür solltest du mich als Kunden bedienen, nicht verarschen.

Der neue Apple Boss scheint BWL und Gewinne über Innovation und den Geist von Apple zu stellen. Das kann aber sehr schnell schief gehen. Erste Nachrichten zu den Verkaufszahlen des IPhone X klangen vielversprechend. Mittlerweile stellt sich heraus, auch das war wohl mehr heiße Luft. Denn mal ehrlich. 1300 Euro für ein SMARTPHONE? Da muss man ja schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um da einen vernünftigen Grund für diesen Irrsinnspreis zu finden. Zumal es  für weniger Geld weit innovativere Geräte auf dem Markt gibt.

Ja, ich bleibe vorerst bei Apple. Aber glücklich über die Hardware sein, oder über die Firmenpolitik geht anders. Apple muss dringend wieder den alten Spirit zurückbekommen. Sonst laufen noch mehr Kunden weg und noch mehr Influencer wenden sich den ehemaligen Erzfeinden Android und Windows zu. Bitte nicht falsch verstehen. Ich mag meine Apple Devices. Aber da finde ich nix, was sie besser macht, als den Rest des Marktes. Das Besondere, der Flair, das „just works“ scheint Apple mit jeder neuen Hiobsbotschaft verspielen zu wollen. Was Steve dazu gesagt hätte, mag ich mir gar nicht ausmalen. Aber laut wäre er sicherlich geworden.

Das kleine, große Geschenk. Eine selbstgeschriebene Weihnachtsgeschichte

Der Baum leuchtete in Gold und Rot. Ganz hinten, am Ende des Krankenhausflurs stand er, umgeben von kleinen und größeren Kartons, verpackt in buntes, weihnachtliches Papier.
Der kleine Junge stand wie jeden Morgen seit einer Woche davor, die Augen leuchteten gleichzeitig und sahen traurig aus. Seit 4 Wochen war der Junge nun auf der Krebsstation des Krankenhauses und seine Behandlung würde noch mindestens 8 weitere Wochen dauern. Wochen ohne seine Familie, Wochen ohne die Wärme des eigenen Zuhauses, ohne Festtagsstimmung und ohne vorweihnachtliche Freude. Heike, die als Krankenschwester auf der Station arbeitete, blickte den Flur hinunter. Die Schultern des Jungen hingen nach unten und sie konnte die Traurigkeit förmlich spüren.

“Traurig, an Heiligabend so alleine im Krankenhaus zu sein.” Heike erschrak, wandte sich um. Hinter ihr Stand Paul, lächelte sie an. “Ich habe vorhin mit ihm gesprochen, er wünscht sich keine Geschenke, nur dass seine Familie bei ihm ist. Aber die können über die Feiertage nicht kommen. Zu weit weg, zu wenig Geld.” Paul kam jedes Jahr zur Weihnachtszeit in die Klinik, beschäftigte sich vor allem mit den Kindern auf der Krebsstation und versuchte, ein paar der Wünsche zu erfüllen. Er war vor seiner Rente erfolgreich im Beruf, hatte sich ein kleines Vermögen angesammelt.

Aber vor Jahren hatte er seine Familie bei einem schrecklichen Unfall verloren, lag selbst für Monate mit schwersten Knochenbrüchen in der Klinik. Um die Einsamkeit zu ertragen hatte er irgendwann begonnen, so etwas wie der innoffizielle Weihnachtsmann der Klinik zu sein.
Meist erfüllte er kleine oder größere materielle Wünsche. Doch immer wieder gab es auch immaterielle Wünsche, nach Gesundheit, nach einer Entlassung vor Weihnachten. Paul und Heike kannten sich, auch sie übernahm freiwillig die Weihnachtsschichten,, weil zuhause niemand auf sie wartete.
“Er ist gerade in einer wichtigen Phase seiner Behandlung, es wäre zu riskant, ihn über die Feiertage zu entlassen.”
Paul nickte. „Er weiß das. Aber trotzdem wünscht er sich nichts mehr, als bei seiner Familie zu sein. Sein Vater ist vor ein paar Jahren an der selben Krankheit verstorben, gegen die er jetzt kämpft. Aber seine Mutter und seine Geschwister wohnen weit weg und können sich die weite Anreise nur sehr selten leisten. Meist kommt dann auch nur seine Mutter.”
“Meinen Sie, wir könnten da irgendwas machen?” Heike blickte Paul fragend an.”
Er nickte: “Irgendwas lässt sich immer machen, die Frage ist, ob es in wirklich glücklich macht.”
“Wenn wir doch nur seine Familie hier her bringen könnten.”
“Das habe ich bereits zu erreichen versucht, aber seine Mutter muss auch über die Feiertage arbeiten, sie hat gerade mal zur Bescherung ein paar Stunden extra frei bekommen. Das reicht nicht, für eine rechtzeitige Anreise.”
Heikes Blick blieb an einem der Bildschirme hängen, die auf der Station Patienteninformationen darstellten und zwischendurch einen Nachrichtensprecher zeigten. Er saß sehr bedeutungsschwanger da, und verkündete am Tag vor Heiligabend letzte Nachrichten des Tages. Szenen eines Unfalls waren zu sehen, viele Helfer und Krankenfahrzeuge. Im Hintergrund landete ein Notfallhubschrauber und ein Feuerwehrfahrzeug stoppte an der Unfallstelle. Feuerwehrleute in ihrer roten Bekleidung sprangen aus dem Fahrzeug und begannen, die Unfallstelle zu räumen und die Verletzten zu versorgen.
Gerade, als Heike sich wieder ihrer Arbeit zuwenden wollte, sagte Paul mit einem Blitzen in den Augen: “Ich glaube, ich hab da eine Idee.“

Es klingelte an der Haustür. Die Mutter des kleinen Jungen blickte verblüfft zur Uhr. “Wer will denn um diese Zeit was von uns?” Die Geschwister des kleinen Jungen saßen bei ihrer Mutter in der Küche. Richtige Weihnachtsstimmung wollte ohne ihren Bruder nicht wirklich aufkommen.
“Können wir nicht doch noch zu ihm?”, fragte seine Schwester.
“Tut mir leid Kinder, aber dafür reicht unser Geld wirklich nicht. Gerade auch, weil die Preise für Fahrkarten viel zu teuer sind.” Die Mutter ging zur Tür. Dort stand ein Sanitäter und hinter ihm konnte sie einen Krankenwagen sehen.
“Mein Gott, ist meinem Kind was passiert?”
“Keine Sorge, alles in Ordnung. Aber sie sollten trotzdem mitkommen. Packen sie das nötigste und auch seine Geschwister sollten was einpacken. Oh, und derweil laden wir mal die Geschenke ein.”

Heiligabend. Die wenigen Patienten, die auf den Stationen die Weihnachtstage verbringen mussten, hatten sich im großen Aufenthaltsraum um den Baum versammelt. Für jeden gab es ein kleines Geschenk, auch dem Jungen überreichte der Chefarzt der Station ein Geschenk. Es war sehr lang dafür schmal. Heike beobachtete die Szenerie von ihrem Stationszimmer aus, lehnte mit der Schulter gegen die Tür und war nicht wirklich in Weihnachtsstimmung.

Der Junge packte es eher lustlos und traurig aus, aber plötzlich blitzten seine Augen, als er gelesen hatte, was auf dem Zettel stand, den er aus einem kleinen, langen Kästchen geholt hatte. Die Verpackung fallen lassend rannte er mit einem Leuchten in den Augen zum Fenster.
Da hörte es auch Heike. Das Geräusch eines Helikopters. Aber lauter als üblich. Normalerweise landeten die Maschinen auf dem Dach, wo es einen direkten Zugang zur Notaufnahme gab. Dieser aber schien im Innnenhof zu landen. Die Scheiben zitterten und Schnee wurde aufgewirbelt und machte es fast unmöglich, im Innenhof etwas zu erkennen. Heike ging verblüfft zum Fenster, wo es seltsam bunt blinkte. Das war keiner der üblichen Hubschrauber.
Als sie aus dem Fenster blickte, sah sie, was den kleinen Jungen so begeisterte. Da war tatsächlich ein Notfallhubschrauber gelandet. Aber am Steuer saß nicht einer der üblichen Besatzung, sondern ein Mann in rot, mit weißem Bart und roter Mütze. Und im Cockpit blinkte und leuchtete es, als habe man es wie einen Weihnachtsbaum dekoriert.
Sie erschrak, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Es war Paul, der sie anlächelte, ihr ein kleines Geschenk überreichte und sagte: “Manchmal ist es gut, wenn man einen direkten Draht zum Weihnachtsmann hat.” Er lächelte, blickte hinüber zum Chefarzt der Station, der das Lächeln erwiderte und im zunickte.
Der Junge hatte Tränen in den Augen, als er sah, wer da aus dem Helikopter stieg. Zuerst seine Geschwister, dann seine Mutter, die irgendwie verwirrt zu den Fenstern der Station hinaufblickte, als sie aber ihr Kind mit der Nase ans Glas des großen Panoramafensters gepresst stehen sah, glücklich lächelte und ihm zuwinkte. Hinter ihnen stieg auch der Pilot aus, verkleidet wie ein Weihnachtsmann und half seiner Crew, einen ganzen Stapel von Geschenken aus dem Hubschrauber zu schaffen und in die Klinik zu tragen.
“Wie haben Sie das gemacht? Es ist verboten, Notfallfahrzeuge für etwas anderes als Notfälle zu verwenden. Und was stand auf diesem Zettel?“Heike lächelte Paul an, der zufrieden grinsend zusah, wie sich die Familie des kleinen Junge mit ihm um den Baum versammelt hatte und wie nun jeder vom Chefarzt ein großes Geschenk bekam. “Nun, es ist immer gut, wenn man mit einem Chefarzt befreundet ist und der bescheinigt, dass ein Besuch der Familie gerade an Weihnachten elementar ist für die Heilung.” Heike wusste, dass das nicht alles war, aber sparte sich Nachfragen.
“Und zur zweiten Frage: “ Paul grinste jetzt verschmitzt. “Auf dem Zettel stand, frohe Weihnachten vom Weihnachtsmann. Schau aus dem Fenster, da landet gerade dein Geschenk.”
Der kleine Junge strahlte und packte ein Geschenk aus. Doch plötzlich hielt er inne, drehte sich um und strahlte Heike und Paul an. Still formten seine Lippen: “Danke und frohe Weihnachten.”

Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2017

2017 war in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Jahr für mich. Es began mit dem 13. Januar, als mein Buch „Depression abzugeben“ bei Bastei Lübbe erschien. Welchen Zuspruch es bekommen sollte, wie viel Medienanfragen eintrudeln würden und dass ich wahrhaftig auf mehrere Lesereisen gehen würde, all das habe ich Anfang des Jahres noch nicht mal zu träumen gewagt.

2017 bekam ich auch endlich meine Angststörung in den Griff, die eigentliche Ursache für das große Drama 2015, aus dem sich doch tatsächlich etwas so positives entwickelte.

Ich wurde zum SWR eingeladen in eine sehr spannende Talkshow und gleichzeitig Abschlussarbeit der Moderatorenschule Stuttgart. der SWR interviewte mich und Tagesschau24 lud mich ein. Auch das SAT1 Frühstücksfernsehen interessierte sich für mich und meine Geschichte. Ein ganz besonderes Highlight war mein Auftritt beim Patientenkongress in Leipzig, wo ich gemeinsam mit Kati Krause erneut das Für und Wider von Social Media bei Depressionen beleuchtete. Und Dana Diezemann lud mich in ihre Talkshow „Talk mit Dana“ beim Studentenradio Horads ein.

Gegen Ende des Jahres dann noch die Nachricht von meinem Literaturagenten, dass mein Buch wohl auch zum ungekürzten Hörbuch wird und bei einem der größten Hörbuchverlage erscheinen wird. Das Buch verkauft sich nach wie vor gut, wir sind bald bei der dritten Auflage. Danke an all meine Leser für die vielen wundervollen Rezensionen, die persönlichen Emails und Briefe und den Zuspruch und die Unterstützung. Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen. Und ein besonderer Dank an das Junge Tanztheater in Leverkusen für „Auf:bruch“, ein Tanztheater zum Thema Depression, das auch meine Texte verwendet hat und bei dessen Aufführung ich sehr berührt davon war, wie mutig und wie kreativ das alles umgesetzt worden ist. Unzählige Zeitungen und Zeitschriften haben über mein Buch, meine Geschichte berichtet und nach allem was ihr mir gespiegelt habt, werde ich auch 2018 nicht nachlassen, über Depression aufzuklären und zu entstigmatisieren.

Und ein Teil meiner Follower muss jetzt ganz stark sein. Nach über 25 Jahren Apple Abstinenz (dass Steve damals den Apple Newton killte, für den ich einige innovative Apps geschrieben hatte, hab ich ihm nie verziehen) arbeiten bei mir zuhause jetzt wieder MacBook Pro, IPad Pro und IPhone 7plus. Und ja,auch die Apple Watch in der LTE Version. Wenn schon, dann ein kompletter Schwenk.

Aber das Schönste an 2017 war und ist, dass wir endlich wieder eine Familie sind, dass wieder Ruhe und Glück bei uns eingekehrt sind, so albern das klingen mag.

Jetzt ist es kurz vor Weihnachten und zum ersten Mal seit Jahren ist wieder so etwas wie Weihnachtsstimmung zu spüren. Und ich wünsche all meinen Lesern, Followern ein ruhiges, erholsames Weihnachtsfest und einen guten Rutsch.

U

Ein unbeschreibliches Jahr, danke euch allen

2017 neigt sich dem Ende. Gerade liege ich mit der allseits beliebten Magen- Darm Infektion im Bett und habe mehr als genug Zeit, über dieses unglaubliche Jahr nachzudenken. Der Traum, anders kann ich es nicht bezeichnen, begann am 13. Januar 2017. Nachdem ich dank Briefen und Anwaltsdrohungen beinahe wieder tief in eine Depression, nein tiefer als je zuvor gefallen wäre, rettete mich wieder die Liebe und die Stärke meiner Frau.

Und dann kam das Paket. Die Belegexemplare von „Depression abzugeben“. Was ich nie zu träumen gewagt hatte, ist Wirklichkeit geworden. Ich bin Autor. Und nach allem, was die Verkaufszahlen sagen sogar noch recht erfolgreich. Nach nur etwa 1 1/2 Monaten war die erste Auflage ausverkauft und mit etwas Glück könnte es bis Ende des Jahres noch zur dritten Auflage kommen. 8000 Bücher. 8000 Menschen, denen meine Gedanken, meine Erlebnisse und nach allem, was ich an Feedback bekommen habe auch mein Schreibstil und meine Erzählweise gefallen haben. Kein Buch unter vielen sondern eine Geschichte, die Menschen bewegt hat und noch bewegt. Das alleine lässt das Jahr 2017 für mich in einem unbeschreiblich schönen Licht erstrahlen.

Dann kamen die Interviews, die Artikel, SAT1, Tagesschau24 und noch einige mehr. Für jede einzelne Chance, meine Botschaft zu vermitteln, anderen Mut zu machen zu kämpfen, bin ich sehr dankbar.

Aber was für mich wirklich zählt, was mein Leben nachhaltig verändert hat, ist die Liebe meiner Familie. Dass meine Kinder trotz allem, was ich ihnen aufgebürdet habe zu starken, individuellen und menschlichen Wesen heranwachsen. Dass meine Frau bereit war, um mich zu kämpfen auch als alles hoffnungslos erschien. Dass sie mir den Rücken stärkt, mich ermutigt, weiter die Öffentlichkeit zu suchen.

All die Briefe, die Mails, auch die Geschenke von Leserinnen und Lesern, die jetzt ihre betroffenen Angehörigen besser verstehen, als Betroffener Hilfe suchen oder sich einfach nicht mehr so einsam fühlen nach der Lektüre meines Buches.

2015 hätte ich nicht mal erahnen können, wo ich heute bin. Ich bin erfolgreicher Autor. DAS kann mir niemand mehr nehmen. Und ich verändere die Leben anderer zum Besseren. Was kann es schöneres, bedeutsameres im Leben geben, als das zu bewirken.

Ende des Jahres wird wohl auch noch ein Hörbuch aus meinem Buch entstehen, ungekürzt, bei einem großen Hörbuchverlag. Und wer weiß. Vielleicht entsteht sogar noch ein Film daraus, eine Serie, irgendetwas anderes. Denn ein Tanztheater verwendet meine Texte bereits. Ich werde also nie wieder sagen, etwas sei unmöglich, oder die Zukunft hoffnungslos. Nur meine Depression wird sicher manchmal noch den schwarzen Pinsel zücken und versuchen, meine Welt ergrauen zu lassen. Aber jetzt werde ich die vielen Leserbriefe lesen, die Artikel, das Buch selbst und wissen. Egal was kommt, mein Leben hat Bedeutung bekommen, ich bin nicht mehr verletzbar,  nicht mehr herabwürdigbar durch Sprechverbote oder Anwaltsdrohungen. Ja, das werde ich nie vergessen, das macht mich immer wieder wütend. Aber früher hätte es mich ängstlich gemacht, da finde ich in dem Kontext Wut besser, Teil dieser Wut ist, dass ich auch diese Geschichten im zweiten Band niederschreibe, der bereits knapp 100 Seiten erreicht hat. Und das manche sich über meinen Erfolg ärgern? Gut, die haben mir lange genug weh getan, jetzt darf auch etwas kalte Rache serviert werden.

Allen anderen bin ich unendlich dankbar für die Unterstützung, das Lob, die Rückmeldungen, die Chancen. Mein Leben ist sonniger geworden und meine Familie hat ihren Vater, ihren Ehemann wieder. Meine Seele hat endlich keine Risse mehr und die Narben verheilen allmählich.

2018 werde ich weiterkämpfen. Erste Planungen gibt es für Stuttgart und Basel. Und wer weiß, was sich noch alles ergibt.

Das Leben ist schön. Endlich.

 

All meinen Leserinnen und Lesern, allen Follower und Zuschauern im TV wünsche ich ein ruhiges, erholsames Fest, ganz egal, welcher Glaubensrichtung. Findet zu euch, hört auf eure Seele statt auf die ständigen Forderungen derer, die euch doch nur als Ressource, nicht als empfindsamen Menschen sehen. Und wertschätzt die, die euch als Mensch mögen. Seid euch gewiss. Ihr alle seid wertvolle, wichtige und so wie ihr seid auch richtige Menschen. Wer euch anderes einredet, liegt falsch oder will euch verbiegen. Lasst das nie zu.

Und euch allen ein frohes, glückliches Jahr 2018. Danke, dass ihr mich begleitet habt, danke, dass ihr mich begleitet und danke für das Wissen, dass ihr mich auch 2018 begleiten werdet.

 

Und hey. Ich bin Autor? Ist das nicht verrückt? Wobei… verrückt.. ja, das kann ich 😉

Euer Uwe alias @bicyclist

Und danke euch vieren, Katja, Sibylle, Jan  und Marc. Ohne euch wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ohne eure Liebe, euer Vertrauen hätte ich den Kampf gegen meine Depression und die Angststörung nicht aufgenommen und schon gar nicht gewonnen. Oder zumindest einen Nichtangriffspakt. Danke. Ihr seid das Wichtigste in meinem Leben.