Ein Rückblick auf drei Tage re:publica. Es war „awesome“

The final Royal Revue. Time to say goodbye

Im ICE auf dem Weg zurück in die digitale Diaspora ergibt sich hinreichend Zeit und Muse, einen Rückblick auf drei Tage re:publica zu bloggen.

Das grundlegende Fazit. Es war awesome. Die neue Location „Station“ bot viel mehr Raum und dank der genialen Monobloc Stühle bildeten sich recht schnell Sitzgruppen. Gut gemacht auch die Steckdosenplätze auf den beiden „Affenfelsen“. So war der Bedarf an Mehrfachsteckdosen dieses Mal deutlich geringer als auf der letztjährigen re:publica.

Die Sessions waren für mich in diesem Jahr nicht der primäre Fokus, vielmehr wollte ich diverse Twitterer meiner Timeline endlich (wieder) live treffen und es ergaben sich wunderbare teils sehr philosophische Diskussionen zu meinen Forschungs- und Beratungsthemen „Social Media Implementierung in Unternehmen“ und „Arbeitsplatz der Zukunft“. Danke hier unter anderem @karstenslife, @babsannette, @faltmann, @jkorten, @chiliconcharme, @lao_tse @snoopsmaus und viele weitere  für viele neue Ideen, Impulse und die Anregung zu einem Rant über die Monetarisierung von Blogs, aus der möglicherweise im nächsten Jahr eine eigene Session entsteht.

Dank auch an @fwhamm für einen wundervoll philosophischen Diskurs, der sich in einem weiten Raum von Gedankenwelten bewegte und der mich wieder zu meinen für  mich relevanten Themen zurückgeführt hat.

Spannend war in diesem Jahr auch, für einen Tag das Orgateam als Actioner zu unterstützen und bei der Akkreditierung und später als „SD Kartenbote“ für die Kameraleute der Stages 2 und 5 zu helfen. Damit bekommt man einen intensiven Blick hinter die Kulissen und kann erst wirklich einschätzen, welcher große Aufwand hinter dieser Veranstaltung steckt und den die Gäste nur anhand dessen sehen, dass alles reibungslos läuft (über das WLan schweigen wir besser 😉 )

Sessions, die für mich neben unglaublich vielen neuen Kontakten und möglicherweise auch dem einen oder anderen Berater oder Coaching Auftrag neue Impulse gebracht haben:  Die immer wieder empfehlenswerte Session zu rechtlichen Fragen beim Bloggen von Udo Vetter, die Twittersession und @regsprecher im Interview, einfach schon deshalb weil sie unterhaltend UND informativ waren. die Final Royal Revue, die unter anderem @manumarron und mich zu einem Nachfolgeevent mit dem geheimnisvollen Hashtag #ttt inspiriert hat (Markus and Johnny, expect something awesome).

Etwas enttäuschend die Session zur Monetarisierung von Blogs, weil wieder mal nur sehr kurzsichtig über Affiliate und Bannerwerbung gesprochen wurde und Reichweite wieder mal vor Relevanz gestellt wurde. Daher auch mein Rant, weil ich da einige Entwicklungen deutlich anders sehe und auch dahingehend berate.

Und natürlich der Abschlußabend with real virtual #Tassebier, vielen guten Gesprächen, der Idee für das Transgender Twitter Theater und ein neues barcamp zum Thema Arbeitsplatz der Zukunft.

Nächste Schritte werden die Erarbeitung eines Thesenpapiers zur Arbeitswelt der Zukunft sowie mehrere remixes für die Initiative humanrightslogo.net sein, die ein wirklich gutes Logo zu Menschenrechten entworfen hat, das dank creative commons ausdrücklich remixed werden darf und soll. Zudem werde ich diese Idee ebenso wie die Wikimedia Initiative in unsere regionalen Schulen zu tragen suchen.

Und lasst but not least:

Die re:publica 2013 ist bereits eingeplant, I’ll be back.

Warum ich als Blogger Relevanz vor Reichweite stelle. Die generische (Banner-)Werbung stirbt.

Session 1 am 3. Tag der re:publica „Mit dem Blog Geld verdienen“. Was mir sofort auffällt in der Diskussion. Es wird von den Rednern eigentlich nur die Schaltung von Werbung betrachtet. Und die Relevanz eines Blogs ist offensichtlich für die Menge und die Bezahlung von Werbung nicht wichtig. Da ist man offensichtlich immer  noch im Offline Denken verhaftet, dass der dumme Verbraucher nur hinreichend viel Werbedruck brauche und dann kaufen die mein Zeug schon.

Sehr kurz gedacht finde ich. Aber als ich das Thema Relevanz ins Gremium zu tragen versuche, schwenkt das ganze unglaublich schnell wieder dahin, wie ich mein Blog so bespiele, dass ich viele Klicks bekomme.

Da graut es mir doch intensivst. Primär schreibe ich nicht für die Werbeagenturen und mein erstes Ziel ist auf KEINEN Fall, die Masse zu bekommen, die dann meine Partner mit generischer Werbung bespielen können. Und ich glaube, auch das ist genau der Grund, warum im Plenum kaum jemand anwesend ist, der mit seinem Blog mehr als ein oder zwei Bierchen pro Monat bezahlen kann. Nicht, weil es nicht machbar wäre, aber ich glaube, es sind einfach keine Massenblogger anwesend. Es sind gerade die Blogger mit Relevanz, die aber offensichtlich auch mehr RELEVANZ erwartet haben.

Ja, mein Blog bringt mir mehr als nur ein oder zwei Bierchen ein. Aber nicht unbedingt direkt durch Werbung. Mein Blog ist für  mich die Plattform um zu vermitteln, wie ich denke, welches Wissen ich anbieten kann, welche Ansichten ich vertrete. Und  quel surprise. Gerade dadurch, dass ich meine Ansichten, mein Wissen über mein Blog transportiere, habe ich im letzten Jahr mehrere Aufträge als Redner bekommen, kooperiere mit Plattformen wie silicon.de und bekomme das eine oder andere Produkt oder Buch zur EHRLICHEN Rezension.

Mein Aufruf an alle Blogger, die sich Gedanken  darüber machen, wie sie ihr Blog monetarisieren können. Denkt über die Grenzen der Werbung hinweg. Viele sehen das eh nicht oder ignorieren die Banner ebenso, wie sie im TV ignoriert werden. (Und Adblock Plus wird auch immer beliebter 😉 )

Bleibt relevant und authentisch. Schreibt, was ihr denkt, was ihr für richtig und wichtig haltet. Denn dann kann es passieren, dass ihr mit eurem Denken, euren Inhalten wertgeschätzt werdet. Mitterweile bin ich in geringem Umfang nebenberuflich als Redner, Coach und Berater aktiv. Das wäre nicht passiert, hätte ich Living the Future als Geldverdienblog gestartet. Living the Future ist und wird meine Plattform bleiben, Gedanken zu entwickeln, Ideen zu präsentieren und Produkte oder Dienste vorzustellen, die ich für RELEVANT halte. Von denen ich persönlich überzeugt bin oder die ich zumindest für aussichtsreich halte. Und deshalb gibt es auch nur selektive Werbung. Aber diese Werbung lohnt sich auch für diejenigen die (oft ohne vermittelnde Agentur) auf  mich zugekommen sind. Weil ich selbst an die Produkte glaube oder sie zumindest positiv sehe.

Meine These. 5000 relevante Leser sind für einen ehrlichen Blogger, dem die Inhalte seines Blogs etwas bedeuten viel wertvoller, als 100000 Besucher, die sich eigentlich nur bespaßen lassen wollen. Und für Unternehmen, die thematisch zum Blog passen, sind diese 5000 relevanten Leser die deutlich besseren Multiplikatoren als 100000 anonyme Visitor, die weder die Marke noch die Botschaft weitergeben werden.

Und sorry @bstackelberg , weils im nächsten Jahr auch re:publica typisch eine Session dazu geben soll hier noch mein gedankenauslösender Tweet:  „ @bicyclist: Thema für nächstes Jahr. Geld verdienen mit bloggen, jenseits von Banner und Affiliate. Blog als Relevanzreferenz #rp12„

Das Tablet wird das Schicksal des Netbooks teilen

Tablets sind eine tolle Erfindung. Aber wie erst kürzlich in einer Studie veröffentlicht wurde, sind sie NICHT mobil, (siehe Grafik)

Und eines sagt mir die Entwicklung in Richtung Ultrabooks. Das Tablets werden ein ähnliches Schicksal erleiden, wie es  schon den Netbooks beschieden ist.

Sie werden nicht vom Markt verschwinden, aber der Hype, den IPad und Co. zur Zeit auslösen, wird bald abflauen. Ich vermute den Zeitpunkt Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres.

Denn eins erkenne ich in meinem Umfeld immer deutlicher. Früher oder später fallen den meisten Nutzern zwei Dinge auf:

a) The keyboard is missing… seriously. So lange ich das Tablet nur als Konsumgerät nutze, vermisse ich die Tastatur nicht. Aber spätestens beim Verfassen einer Mail oder eines Textes ist für viele die Schmerzgrenze erreicht, wo sie sich früher oder später wieder eine Tastatur wünschen.

b) Es ist nicht portabel (siehe Grafik). Klar, ein 7 Zoll Gerät geht gerade, aber das ist eigentlich nicht wirklich ein sinnvolles Tablet, und ein 10 Zoll Gerät ist schon wieder so „portabel“ wie ein Notebook, aber will ich denn beides mitnehmen? Und wenn ich länger mobil unterwegs bin, reicht mir dann nicht eigentlich mein Smartphone für die schnelle Info PLUS mein Notebook für richtiges Arbeiten?

Und noch extremer gedacht, eigentlich reicht für die meisten Unterwegs Nutzungen sogar eines der neueren Smartphones mit großem Display (woher sonst kommt der Zuspruch für das Samsung Galaxy Note?)

Letztlich ist das Tablet ein weiteres Device, wie ich ja schon mehrfach im Blog angesprochen habe. Und mit der langsamen Migration der Notebooks hin zu Ultrabooks sind auch die Notebooks leicht und schnell einsetzbar. Insofern sehe ich die Tablets in ca. 3-4 Jahren als Nischenprodukt ähnlich den Netbooks von heute. Sicher mit einer Berechtigung aber weit jenseits des Hypes, den sie im Moment noch erfahren.

Also nicht falsch verstehen, aber die Euphorie im Moment wird sich meiner Ansicht nach noch maximal ein halbes Jahr bis ein Jahr halten, danach werden die Ultrabooks zum neuen Hype und wer weiß, was danach kommt?

Tag 2: re:publica the other side (but not the dark one)

Twoffline Twitterwall
Alles vorbereitet für die Besucher.

Heute mein Helfertag, zunächst Akkreditierung mit einem klasse Team, dann „SD Karten“ Transporter. Stages 2 und 5 werden gefilmt und bedürfen stetigen Nachschubs an SD Karten sowie zurücksendens in Stage 1, wo das alles dann verarbeitet wird. Der Vorteil, zwischendurch immer wieder die Chance auf das eine oder andere Gespräch am „Affenfelsen“. Spannende Sessions unter anderem der wohl bald berühmt werdende #zdfstuhlkreis boten interessante Diskussionen. Dazwischen die Feststellung, Mensch, die Twitterer, die schon in meiner Timeline so total sympathisch rüberkommen, sind das ja auch in Real Life.

Das einzige Defizit immer noch das W-Lan, aber immerhin waren die UMTS Netze stabil und auch heute konnte man viele Onliner sehen, die auf ihre Displays starren (Übrigens der zweite Teil von „Männer, die auf Schafe starren).

Doch das ultimative, absolute, gigantische, unvergleichliche und finale Event. GTT, das Ende. Und die Ankündigung DER neuen Plattform.. FACEPUNCH. The Revolution is now.

Guckt mal, da oben hat sich das Internet versteckt und traut sich nicht mehr ins WLan.

So, jetzt muss ich aber aufhören, GTT Bingo beginnt gleich, und da muss ich mich drauf…oh, ein Eichhörnchen.

The ACT!ON has started: re:publica first impressions #rp12

Es ist wieder so weit. Die re:publica 12 ist gestartet und die neuen Lokation hat ihren ersten Test in meinen Augen bestanden. Alles sehr viel weitläufiger, ein leichtes aber sehr angenehmes Gefühl von Improvisation.
Neben den bekannten Sessions etabliert sich die grosse Halle als Treffpunkt von Bloggern für Blogger. Medien sind zuhauf anwesend, fast keine Stelle, an der man nicht einem Fotografen oder einer Fernsehkamera begegnet.

Was mir auffällt. Neben den typischen Werbeständen, die Produkte prominent machen wollen gibt es auch die eine oder andere Station, die wirklich sinnvolles präsentiert oder sich einfach mit neuen Ideen in die Innovationsatmosphäre der re:publica integriert.

Schöne Idee auch der „Berg“ aus Plastikstühlen, der flexibel genutzt werden kann, um sich in kleinen oder großen Gruppen zusammenzusetzen. (Da lasse ich mir doch evtl. welche von nach hause schicken)
Hornbach macht sich Freunde mit einem kleinen, kostenlosen Frühstück, danach kann man ausgedruckt und auf eine große Wand tapeziert die Tweets der Teilnehmer offline verfolgen.

Makerbots präsentieren sich ebenso, wie Simyo mit einem Stand voller Powerakkus, um die Versorgung mit Strom zu gewährleisten. Mehrfachsteckdosen in gelb werden verteilt, Daimler, einer der Hauptsupporter bietet die Möglichkeit, car2go live mitzuerleben.
Wer nicht dabei sein kann, hat die Möglichkeit, diverse Sessions via Livestream zu verfolgen.
Oh und noch ein Feature der re:publica ist wieder da. Das WLan. Oder um es anders zu sagen, die häufige Abwesenheit desselben.
Wie sagte ein Twitterer doch so schön? „Aaah, die re:publica beginnt wieder, endlich wieder 3 Tage offline ;)“

Warum blogge ich eigentlich?

Heute startet die re:publica. Und wieder mal bin ich dabei, weil ich mich irgendwie dazugehörig fühle. Aber warum eigentlich? Warum blogge ich, warum schreibe ich seit Jahren meine Gedanken auf, versuche meine Ideen mitzuteilen und hoffe auf Feedback?

Vielleicht der erste Grund: Ich schreibe gerne. Und das Medium Blog hat einen entscheidenden Vorteil. Die Hürde, einen Text zu verfassen ist sehr niederschwellig. Ein paar Zeilen gehen viel leichter von der Hand, als gleich ein mehrseitiger Text. Und oft werden aus diesen paar Zeilen dank Fluß der Gedanken doch noch mehrere Seiten.

Aber ich schreibe auch, weil ich mit manchem nicht einverstanden bin und für mich selbst das Blog das ideale Medium ist, meine Ideen ungefiltert darzustellen. Dabei ist es gleichzeitig ein ideales Übungsfeld, um nicht nur meine Meinung hinauszuposaunen, sondern sie auch mit Informationen und Daten zu unterfüttern.

Bloggen ist für mich ein Prozess. Ich entwickle Gedanken und Konzepte, durch die Artikel entsteht neuer Recherchebedarf. Irgendwo ist ein Blog eine Art Forschungstagebuch zu den Themen, die mich beschäftigen.

Und letztlich blogge ich auch, um mich als „Marke“ zu positionieren. Da ich mittlerweile in kleinem Umfang auch für Vorträge, Seminare und Coachings gebucht werden kann (ja, den Nebenerwerb habe ich gemeldet, auch meinem Arbeitgeber) ist das Blog auch die Plattform, auf der potentielle Kunden, Kooperationspartner oder auch Kollegen sich informieren können, worin meine Expertise liegt, welche Themen ich aktuell für relevant halte und schlicht, mich als Person auch etwas besser kennenlernen können.

Mein Blog ist definitiv ein Teil von mir. Er stellt in gewissem Maße auch mich dar und gibt mir eine Plattform, auf der ich in Diskurs mit Gleichgesinnten kommen kann, ganz egal wo sie wohnen oder aus welchem Beruf oder welcher Position sie kommen.

Damit will ich nicht sagen, dass ich nicht auch das eine oder andere kommerzielle Interesse mit meinem Blog verbinde. Zum einen ist es, wie schon beschrieben auch ein Teil der „Marke“ @bicyclist und zum anderen gehe ich auch durchaus Blogkooperationen ein, sofern das Produkt, oder die Plattform, die einen Gastartikel veröffentlichen möchte, zu meinem Portfolio und meiner Positionierung passt. Daran finde auch überhaupt nichts verwerfliches, solange die Postings nicht konträr zu dem laufen, was ich vertrete oder versuche, zu bewegen.

Gleichzeitig bietet sich mir die Möglichkeit, neue Impulse zu bekommen. Wobei natürlich gilt, Kommentare und Widerspruch sind oft willkommener, als der Leser glaubt. Denn oft würde ich mir mehr Diskurs, mehr Feedback wünschen, wo dann doch nur dummes Getrolle durchkommt. Aber sobald man sich als öffentliche Figur positioniert, muss man auch mit dieser Shitstormdrohung leben.

Und jeder, das ist manchem nur nicht bewusst, jeder, der ein Blog betreibt wird damit auch zur öffentlichen Figur. Denn er bezieht, so er das Blog wirklich ernsthaft betreibt Position und muss darauf gefasst sein, auf Widerspruch zu stossen.Das ist wohl das einzige, was man jedem mit auf den Weg geben sollte, der einen Blog betreiben will. Publiziere, habe eine eigene Meinung UND, erwarte Gegenwind.

Next stop re:publica. 3 Tage live blogging ahead

Ja, es ist wieder so weit. Das grösste Klassentreffen der deutschen Bloggerszene beginnt. Die re:publica, an neuer Location. Und dieses Mal, wie schon die letzten Male werde ich hier live bloggen. Allerdings mit einer Besonderheit. Am Donnerstag werde ich vom Besucher zum Helfer. Denn die letzten beiden Besuche haben mir so viele neue Impulse, Kontakte und Inspirationen gegeben, dass ich dieses Jahr beschlossen habe, auf meine Art Danke zu sagen. Ihr werdet mich also am 2. Tag als Helfer bei der Akkreditierung von 9-17 Uhr finden. Wir sehen uns!

Und für alle, die wie ich heute abend zum #Simyotour revival geladen sind. Ich freu mich auf euch!

Ich bin ein Killerspieler liebe(?) CDU

Ich spiele auch gerne mal einen Egoshooter, oder wie die Gutmenschen CDU sagt, ein Killerspiel. Schicken die mir jetzt die GSG9 auf den Hals oder eher ihre pazifistische Bundeswehr?

Schon traurig, wie wenig offensichtlich an Einsicht in den Köpfen mancher Parteibetonköpfe existiert.

„Der Ego-Shooter „Crysis 2“ ist Donnerstagabend beim Deutschen Computerspielpreis als „Bestes Deutsches Spiel“ ausgezeichnet worden.“ schreibt Heise Online und sieht sich genötigt, „“Killerspiele“ erhalten Deutsche Computerspielpreise“ zu titeln.

Grund: Zuvor hatte der kulturpolitische Sprecher der CDU/CSU Fraktoin Wolfgang Börnsen mit personellen Konsequenzen gedroht, sollte Crysis 2, ein von der CDU als Killerspiel bezeichnetes Spiel gewinnen. So viel zum Thema Demokratie, freie Meinungsäußerung und Verständnis über Computerspiele.

Aber das kennen wir ja schon, schon seit langem existiert eine konservative Lobby mit so hochfeinen Herrn wie Herrn Börnsen oder auch Herrn Christian Pfeiffer, die am liebsten Killerspiele für jegliche Art von Verbrechen zur Verantwortung ziehen würden.

Dabei übersehen sie eins. Schützenvereine gibt es auch, aber wird hier diskutiert? Es existiert die Bundeswehr und gerade haben wir wieder erfahren müssen, dass ein amerikanischer Soldat Amok gelaufen ist und unschuldige Zivilisten getötet hat. Vermutlich würde auch da die liebe CDU irgendwie ein Kurve zu „Killerspielen“ bekommen. Und wieder mal etwas herausblöken ohne zu wissen, worum es bei den meisten angeblichen Killerspielen nämlich vor allem auch geht. Um Taktik, um Teamwork. Man muss solche Spiele nicht mögen, aber daraus einer ganzen Branche einen Strick drehen zu wollen, ist mit Verlaub ignorant und idiotisch. Schon alleine das Argument, dass viele amoklaufende Jugendliche Killerspiele gespielt haben, ist nachweislich dumm. Denn dann müsste man ja auch die Tagesschau, die Nachrichten, jegliche öffentliche Darstellung von Zeitungen verbieten, denn dort wird jeden Tag über ECHTE Tötungen, oftmals im Auftrag und mit fadenscheinig guter Begründung unter dem Deckmantel des Schutzes von Interessen (der Wirtschaft) berichtet. Und wenn wir schon so argumentieren, dann sollten auch die Millionen von Jugendlichen erwähnt werden, die Killerspiele spielen und dennoch liebe, freundlich und total unagressiv sind. Aber es ist immer einfacher, nur die Seite der Medaille zu betrachten, die dem eigenen Denken entspricht.

 

Wir leben aber, und hier finden sich wohl die wirklichen Gründe für die Gewaltproblme unserer Zeit in einer Gesellschaft, in der es immer mehr um Leistung, um Perfektion, um ja nicht unperfekt sein geht. Wer da aus dem handhabbaren Raster fällt, der gerät selbst schnell ins Abseits. UND daraus mag sich viel eher ein Hass auf die Gesellschaft entwickeln.  Ich würde sogar behaupten der primäre Faktor ist eine permanente Ausgrenzung dieser Jugendlichen, die mittlerweile dank Hartz IV und immer größerem Leistungsdruck in der Schule noch gefördert wird. So lange wir nicht endlich begreifen, dass wir uns nicht nur um die Noten und die Leistung, sondern auch um die Seele Heranwachsender kümmern müssen, wird das nicht besser.

Ich habe früher auch Killerspiele gespielt, um in der polemischen Dialektik der CDU zu bleiben. Aber ich habe aus Überzeugung den Kriegsdienst verweigert, weil ich keinen REALEN Menschen erschiessen wollte und sehr klar den Unterschied zwischen der spielerischen Simulation und der Realität unterscheiden kann. Und man stelle sich nur vor, ich habe früher auch gerufen, „peng du bist tot“, wenn wir Cowboy und Indianer spielten, habe im Fernsehen gesehen, wie Jerry Tom einen grossen Stein auf den Kopf fallen lässt und wie angeblich vernünftig denkende Menschen in Afganistan und im Irak einmarschiert sind, angeblich NUR aus humanitären Gründen.

Amokläufe und Gewalt sind ein Problem der Gesellschaft, nicht eines Spieles. Aber es ist halt leicht, und zudem populistisch, auf eine Gruppe einzudreschen, die nur eine schwache Lobby hat. Nur leider leider übersieht die liebe CDU da eines.

Auch solch ein vorurteilsbehaftetes, uninformiertes und antidemokratisches Verhalten (mit personellen Konsequenzen drohen, heißt für mich letztlich Erpressung) führt zum Erfolg der Piraten. Insofern: Bitte macht weiter so, damit wir bald erleben, wie die Piraten in den Bundestag einziehen. Ihr scheint es ja zu wollen.

Immerhin scheint es ein paar wirklich nachdenkende CDUler im Verein Cnetz zu geben, die dem ehrenwerten Herrn Börnsen vermutlich zu Recht entgegenhielten, Zitat Heise:  er habe sich offenbar gar nicht selbst mit dem Spiel beschäftigt. Allein seine Sprachwahl zeuge „von einer groben Unkenntnis in der Sache“. Der Verein für Netzpolitik verglich „Crysis 2“ mit dem Film „Inglourious Basterds“ – dort gebe es mehr gewaltverherrlichenden Szenen als in „Crysis 2“, und der Film sei im Unterschied zu dem Computerspiel mit öffentlichen Mitteln gefördert worden. Spiele dürften nicht nur unter pädagogischen Aspekten betrachtet werden. „Computerspiele sind längst ein weit verbreitetes und anerkanntes Kulturgut“.

Ja Herr Börnsen, da würd ich mal sagen, setzen, sechs, und am besten sich mal von jemandem, der sich damit auskennt erklären lassen, worüber man spricht, bevor man unqualifiziert in die Medien hinausposaunt.