Rezension: Ganz oben

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Anonyma: Ganz oben. Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft. C.H. Beck, München 2013, 160 Seiten, 14,95 Euro.

Ob die Geschichte wirklich wahr ist, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Unter dem Pseudonym Anonyma beschreibt die Autorin in Ihrem Buch „Ganz Oben“ auf jeden Fall Szenarien aus Führungsetagen, die sich so oder ähnlich auch heute noch durchaus vorstellen lassen.

Dieses Buch hat meine Frau gelesen, man könnte auch sagen verschlungen. Dabei schwankte sie zwischen Fassungslosigkeit, Wut und Amusement über die immer noch bestehenden patriarchischen Strukturen in deutschen Unternehmen. Anonyma beschreibt, wie sie ihren Aufstieg in die Führungsebenen erlebt und wie sie trotz ihres Status, weil sie Frau ist immer wieder anders behandelt wird, wie ihr Informationen oder Privilegien vorenthalten werden und sie letztendlich immer wieder dafür kämpfen muss, die gleichen Rechte wie ihre männlichen Kollegen zu bekommen.

Dabei schwankt der Erzählstil zwischen Tatsachenbericht und ironischer Überzeichnung. Geschichten über die Ellenbogenmentalität und die doch recht ruppigen Umgangsformen zeigen ein Bild, das weit davon entfernt ist, was man sich als kleiner Angestellter wünscht oder vorstellt.

Es geht weniger um Kompetenz denn um Machterhalt, um den Kampf gegen die Konkurrenz und kooperatives Verhalten führt eher zur Ausgrenzung.

Mag man bezweifeln, dass die Erzählung in allen Details richtig ist, so kann man dennoch durch die Berichte in den Medien in begrenztem Maße validieren, dass zumindest so oder ähnlich in den meisten Chefetagen die Atmosphäre ist und Anonyma, die sich eigentlich nicht verbiegen möchte erkennt schnell, dass es schwierig ist, als Frau in dieser männlich geprägten Welt zu bestehen. Doch gerade als Frau hat Anonyma andere Möglichkeiten zu verhandeln, die von Vorteil sein können, wie auch ihr Chef letztlich eingestehen muss.

Auch wenn in Politik und Öffentlichkeit über Gleichberechtigung, Quotenregelungen und gleichen Lohn für Mann wie Frau diskutiert wird. Sofern das Buch „Ganz Oben“ auch nur in Teilen der Wahrheit entspricht, sind wir davon noch meilenweit entfernt.

4 von 5 Punkten für ein Buch, das aufrüttelt, aber dennoch offen lässt, ob die Geschichte wirklich wahr ist. Darunter leidet aber verständlicherweise jedes Sachbuch, das aus ersichtlichen Gründen von einem anonymen Autor stammt.

 

Erschienen ist „Ganz Oben“ im Verlag C.H. Beck zum Preis von 14,95.

Mein Dank an den Verlag C.H. Beck und Bloggdeinbuch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars und an meine Frau für die Gastrezension.

 

Facebook zurück auf Home, das üben wir noch.

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So soll ein Homescreen aussehen, dann klappts auch mit Android.

Warum nur? Was soll das denn für einen Nutzen bringen? Da stellt Zuckerberg voll stolz einen weiteren Android Launcher vor, der alles auf die Dienste von Facebook zentralisiert.

Nichts läge weiter entfernt von dem, was ich brauche. Ich nutze diverse Apps, und will auch nicht immer nur teilen und chatten. Ich bin extrem froh über die Widgets auf meinen Homescreens, die mir meine Termine zeigen, meine ToDo Liste und andere Infos. Das alles entfernen zugunsten Facebook. Never ever.

Da scheint jemand tatsächlich Facebook mit dem Internet zu verwechseln.

Insofern, nein, ich werde mir Home nicht installieren. Weil es einfach keinen Mehrwert bietet. Facebook ist bei mir längst ein Dienst unter vielen und nicht unbedingt der Dienst, über den bei mir die wichtige Kommunikation läuft.

Home kommt zu spät. Viel zu spät. Oder gab es überhaupt je eine Zeit für so etwas? Ich denke nicht.

 

Blogparade: Vater sein das ist doch schwer

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Was mit der Familie unternehmen,für mich sehr wichtig. (Ja, wir klopfen hier Steine, aber Schiefersteine, um Fossilien zu finden. Auch so ein Punkt, selbst auch zur Bildung der Kinder beitragen)

Aus gegebenem Anlass will ich jetzt  mal eine Blogparade starten, die sich darum drehen soll, wie „wir Männer und Väter“ im Alltag mit der Rolle umgehen.

Die Idee ist mir gekommen, weil ich feststellen muss, dass aus bestimmten Zwängen heraus wir uns für eine sehr traditionelle Form der Familie mit dem Vater als alleinigem „Ernährer“ entschieden haben, ich aber gleichzeitig die Familie sehr wichtig finde und eigentlich mit traditionellen Rollenmodellen so meine Schwierigkeiten habe. Ernäher oder Ernäherin, beide im Beruf oder nur einer, schwule Partner mit Kindern, alles für mich nicht diskutierbar sondern selbstverständlich möglich. Aber ist das auch in der Allgemeinheit so?

 

Folgende Fragen stelle ich mir und euch:

a) Ganz ehrlich,was hat oberste Priorität: Beruf oder Familie

Bei mir ganz klar die Familie, da ich immer für meine Kinder da sein will, wenn sie mich brauchen

b) Wie kriegt ihr das im Alltag geregelt?

Bei mir sehr gut, da ich bei meinem Arbeitgeber ein gutes Gleitzeitmodell habe

c) Glaubt ihr, ein sichtbares hohes Engagement für die Familie kann die Karrierechancen reduzieren?

Glaube ich für mich zwar nicht, wäre aber auch für mich kein Grund, den Fokus anders zu setzen. Bin da ebenfalls Gott sei Dank bei einem familienfreundlichen Arbeitgeber unterwegs, sollte sich da aber was ändern, würde ich dennoch die Familie an erste Stelle setzen.

d) Glaubt ihr, dass die junge Generation umdenkt? Was müsste sich gesellschaftlich verändern, damit hier niemand mehr „Sorge um die Karriere“ haben muss?

Es müsste meiner Ansicht nach viel Druck aus der aktuellen Wirtschaft rausgenommen werden. Mehr Freiräume, weniger Leistungsdruck.

e) Seht ihr einen Zusammenhang zwischen Branche, Karriere und Familienvater sein können? Oder hängt es an der Größe des Unternehmens? 

Ich persönlich denke, es liegt vor allem daran, wie schierig die Arbeitskraft zu finden ist. Wer Probleme hat, neue Mitarbeiter zu gewinnen, denkt mehr darüber nach, was neben der Arbeitsstelle noch wichtig sein könnte.

f) Wo lebt ihr? Auf dem Land oder in der Stadt? Und macht das eurer Meinung nach einen Unterschied?

Ich denke, gerade auf dem Land werden immer noch sehr viele alte Klischees bedient.

g) Wie läuft es für eure Partnerin? Hat sie die gleichen Probleme oder ist das doch eher ein „Männerding“?

Die Frage stellt sich bei uns leider nicht, da meine Frau in ihrem erlernten Beruf niemals genug Geld verdient hätte, um eine Familie mit 3 Kindern zu ernähren. Insofern entschieden wir uns gemeinsam für die klassische „Der Vater ist der Ernährer“ Rolle. Wobei sie schon darüber nachdenkt, wieder in das Berufsleben einzusteigen, wenn es die Situation erlaubt und es sich für die Familie auch rechnet.

 

Ich würde mich sehr über eure Ansichten zu dem Thema freuen. Und darüber, dass ihr diesen Aufruf weiter streut.

Und nein, ich will hier nicht die erwerbstätigen Frauen diskriminieren. Ggf. wird es hier auch eine zweite Blogparade geben. Es geht mir erst mal darum zu sehen, ob die Männer immer noch in Klischees gefangen sind  oder sich immer noch überkommene Rollenbilder vorgaukeln.

 

Disney schließt Lucasarts. Aber wundert uns das?

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Disney schließt Lucasarts.
Aber ist das denn wirklich so verwunderlich? Schliesslich hat da eine primär Filmfirma ein Unternehmen geschluckt, dass da auch noch so andere Sachen wie Spiele macht.
Meiner Ansicht nach hätte es nur die Alternative gegeben, Lucasarts in Zukunft die Entwicklung der eigenen Spiele zu übertragen, aber schon alleine wegen der Inhalte, die in Lucasarts Spielen vorkommen wäre das undenkbar gewesen. Battlefield im gleichen Portfolio und von der gleichen Firma wie Disney „bunte Comicfiguren hüpfen zusammenhanglos auf dem Bildschirm herum“. Geht nicht.
Insofern war klar, dass Lucasarts geopfert wird. Nur frage ich mich jetzt, wie werden wohl in Zukunft die Spiele zu sagen wir, den neuen Star Wars Filmen aussehen? Genauso weichgespülft für ab 6 wie der Rest? Vermutlich wird sich auch in der „Darstellung“ der nächsten Star Wars Folgen einiges ändern. Und ich fürchte, nicht zum besseren.
Bislang ist noch jedes Mal, wenn der ursprüngliche Besitzer und Erschaffer eines speziellen Unternehmens ausgebootet wurde auch die Idee dahinter und der Spirit zerstört.
Insofern, vielleicht die bessere Wahl, Lucasarts nicht unter dem Weichspülerdach von Disney weiterzuführen. Aber ich hoffe, die Entwickler finden andere Häuser, die ihr Potential zu schätzen wissen.

Warum mir Egoshooter lieber sind als die sogenannte „Realität“


Zugegeben, das Buch „reality is broken“ von Jane McGonigal hat mich für diesen Artikel inspiriert. Aber schon immer brannte mir die Frage auf der Seele, warum offensichtlich in Deutschland jeden Abend 2-3 Stunden vor dem Fernsehschirm vor zum Teil abgrundtief schlechtem und niveaulosem Programm zu sitzen allgemein anerkannt zu sein scheint, es aber zu Verrohung und Amokschützen führen soll, wenn Jugendliche und Erwachsene sich in kooperativen Egoshootern zusammenfinden, um gemeinsam gegen Aliens oder andere Feinde zu kämpfen.  Und wer hier Egoshooter zu Killerspielen degradiert, der zeigt sich nur als ewig gestriger, der sich weder vernünftig mit der Materie noch mit den zum Teil hochkomplexen Handlungen und strategisch äußerst anspruchsvollen Inhalten dieser Spiele auseinandergesetzt. Das Spiel ist aber leicht als Schuldiger zu degradieren, denn den Fehler da zu suchen, wo er existiert, in der zerbrochenen, egomanischen Gesellschaft ist ungemein schwerer und Würde echtes Handeln im Sinne des Bürgers, statt populistischer Symbolik verlangen.

Die Zeiten des egomanischen Einzelkämpfers, der für sich alleine alles abballert, was nicht bei drei in der Deckung oder auf den Bäumen ist, ist längst vorbei. Gerade Spiele wie die Halo Serie oder Online Spiele wie Eve Online oder auch Star Wars the Old Republic legen insbesondere Wert auf Fähigkeiten wie Hilfsbereitschaft, strategisches Denken und kooperatives Handeln.

Was also macht zum einen Computerspiele für so viele Menschen so attraktiv und lässt gleichzeitig viele so unkooperativ im Alltag werden? Ein Faktor ist mit Sicherheit der im Moment vorherrschende Kult des Egos. Nach oben kommen, mit den Ellenbogen für die Karriere kämpfen, Selbstverwirklichung auch auf Kosten anderer sind anerkannt, werden gar gefördert mit solchen Fragen wie „wo sehen sie sich in 5 Jahren“ und wer Karriere machen will, darf auch heute noch nicht zimperlich sein, muss bereit sein, auch auf Kosten anderer seine Karriere voranzutreiben.

Dabei sind die Inhalte der Berufe und die Aufgaben des Alltags immer konformer, immer weniger erfüllend. Kann die Mehrheit von sich behaupten, einen Beruf zu haben, in dem sie für ein größeres, besseres ganzes arbeitet? Und wenn sie das tut, kann sie behaupten, dann auch gerecht bezahlt zu werden? Je inhaltsleerer für das Wachsen der Gesellschaft ein Beruf ist, um so besser bezahlt scheint er zu werden.

Die Krankenschwester, der Pfleger kämpfen am Existenzminimum, leisten aber großes für Menschen und Gesellschaft. Der Investmentbanker schiebt Geld hin und her und vernichtet damit gelegentlich auch die eine oder andere Existenz, erhält dafür aber unanständig hohe Honorare. Beraten wird nicht mehr zum Wohle des Kunden, sondern zum Wohle der Abschlußprämie.

Die Realität ist wahrlich kaputt wie McGonegal so richtig erkannt hat. Und deshalb „flüchten“ sich immer mehr Menschen in Computerspiele. Aber interessant daran ist nicht die Flucht an sich, sondern die Gründe dafür. McGonegal hat hier ein paar sehr interessante Aspekte genannt, deren wichtigster meiner Ansicht nach die Suche nach einem höheren Sinn, einem Erlebnis von Gemeinschaft, von gemeinsamem Arbeiten für ein größeres ganzes ist.

Und hier greift, was ich als die interessanteste Entwicklung der Gegenwart betrachte. Gamification, also ein spielerischer Umgang mit den Aufgaben und Hürden des Alltags. Natürlich wird nie alles ein Spiel sein, aber gerade die Strategien und Ideen aus der Spieleentwicklung, die von der Dauermotivation eines Spielers zum weiteren Spielen über die Erzielung von Erfolgserlebnissen und einem Gemeinschaftsgefühl gehen sollten, ja müssen wir auf den Alltag übertragen. Und erste Ansätze, so habe ich auch bereits in meinem letzten Blogbeitrag geschrieben lassen sich im großen Erfolg der sozialen Netze erkennen. Wir wollen teilen, wollen zu einem gemeinsamen ganzen beitragen. Aber Wirtschaft und Politik behindern hier immer mehr, grenzen aus, machen alles zum Zwang zum abzumessenden, zu bewertenden, benotenden Pflichthandeln. Freude ist im heutigen System nicht vorgesehen, oder wenn, dann bitte im privaten, die Arbeit hat nicht Spaß zu machen, sie hat Spitzenleistung zu liefern. Der Mensch ist in diesem System eigentlich gar nicht vorgesehen, wird nur geduldet, wenn er sich den Mechanismen eines sehr calvinistischen Arbeitsdenkens unterordnet.

Ich sehe in Gamification, Serious Gaming und einer genaueren Betrachtung der Motivations- und Gemeinschaftsbildung durch Computerspiele und Social Networks eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre. Oder um es anders zu formulieren, akzeptabler auch für den Kritiker. Wir sollten uns Gedanken machen, warum so viele Menschen so häufig in Spielewelten verschwinden und was denn in der „echten“ Realität so falsch läuft. Denn nicht die Spieler oder die Spielewelten sind das Problem. Die Realität ist es, die dem einzelnen kaum noch echte, kooperative Entfaltungsmöglichkeiten, Ruhezonen, Wege, sich kreativ auszudrücken bietet. Wir müssen weg von der übercontrollten berechneten Betriebswirtschaftsrealität und wieder hin zu einer sozialen, humanistischen Realität. Auch wenn das manche nicht gerne hören. Die Wirtschaft muss wieder für den Menschen da sein, nicht umgekehrt. Wir müssen in eine Gesellschaft investieren, die anstelle des Shareholder Value den Society value wieder als höchsten anzustrebenden Wert definiert.

Reality is broken. But we still can fix it. By having REAL fun!

Und wer noch etwas Zeit für ein Video hat, dem kann ich folgenden Vortrag von Jane McGonigal nur dringend ans Herz legen.

Wenn Werbung für dumm verkauft. Ein Rant aus aktuellem Anlass.

Manchmal  scheint es mir, die Unternehmen leben in einer alternativen Realität. Jüngstes Beispiel Warsteiner (Dank an Henrik Greger für den Tipp) , die in ihrer Kampagne ein IPhone 5 verlosen, dumm nur, dass auf dem Bild kein IPhone sondern offensichtlich ein Android Gerät zu sehen ist.
Ihr haltet mich für pingelig?
Nicht ganz, denn das ist doch symptomatisch für eine Industrie, die uns immer noch mit plumper Werbung veräppeln will. Die uns vorgaukeln will, wenn wir nur genug Bier saufen würden, würden wir die Natur retten, die uns irgendwelche mit probiotischen (der Begriff liegt nicht umsonst sehr nah an idiotisch) Kulturen angereicherten Drinks andrehen will, die angeblich uns alle schneller, schöner, fitter machen.

Ganz frech wirds aber, wenn Kinder irgendwelche merkwürdigen Zuckerkuchen essen, die angeblich sogar in Milch schwimmen oder die ideale Zwischenmahlzeit sind. Süßigkeiten als Zwischenmahlzeit? Gehts noch?
Sacht mal ihr Agenturfuzzis? Haltet ihr uns eigentlich für völlig blöd? (Den letzten Satz bitte im Tonfall von Gernot Hassknecht schreien). Wir wissen doch wirklich alle, na ja, anscheinend außer euch, dass Werbung per Definitionem zumindest die Wahrheit stark verbiegt, um nicht von Lügen zu sprechen.

Ich seh schon, wie über dieses Plakat entschieden wurde. Mist, da darf kein IPhone drauf, weil Apple das nicht erlaubt… Ach komm, die blöden Kunden merken das doch eh nicht, wenn wir nur etwas von unserer Plörre drauf abbilden, sabbern die doch schon beim Anblick von Bier.

Nein, tut mir leid, solche unbedachten Marketingaktionen sorgen bei mir eher dafür, dass ich das Produkt ablehne und auch anderen davon abrate. (Ok, ich trinke tendenziell eher Rotwein, aber das ist eine andere Thematik).

Wir leben in den Zeiten von Social Media. Da kann auch derjenige, der nicht so genau Bescheid weiß, sehr schnell darauf gestossen werden, dass ein Unternehmen in gerade verarschen will.

Aber eines scheinen die meisten Unternehmen immer noch zu vergessen. In Zeiten von Social Media fällt so was auf.

Oh, und übrigens hat man angeblich ein anderes Telefon genommen, weil Apple Gewinnspiele mit dem IPhone nicht zulässt. Warum hat man dann nicht GLEICH ein anderes Smartphone verlost, zumal es mittlerweile diverse viel begehrtere Geräte als gerade das arrogante Ei aus Cupertino gibt. Dann hätte man sich diese Peinlichkeit mit dem falschen Bild auch erspart.

Und damit ich hier nicht nur rante: Wenn die Produkte, die ihr bewerben sollt, tatsächlich so gut sind, dass ich gar nicht anders kann, als sie zu kaufen. Wie wäre es denn dann mal mit der WAHRHEIT? Denn wenn ihr die nicht verwenden könnt……. aehem.. warum soll ich das Zeug denn dann überhaupt kaufen, wenn man es nur mit Lügen an den Mann oder die Frau bringt?

Der Erfolg von Social Media ist der Misserfolg der Realität

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Auch Barcamps und deren wachsender Erfolg zeigen den Wandel hin zu Zusammenarbeit jenseits von Hierarchien

Immer wieder behaupten Gegner von Social Media, das sei ja nur ein Trend, eine Mode, das ginge wieder vorbei. Ich behaupte, Social Media wird gerade durch unseren Alltag zum Erfolge verdammt. Immer weniger Menschen können in Berufen arbeiten, die sie erfüllen, die sie in der alltäglichen Arbeit einen höheren Sinn sehen lassen. Unser Leben wird immer mehr durch Vorschriften, Regularien und Misswirtschaft einiger weniger eingeengt und überwacht.

Da ist Social Media quasi eine Art neuer Gegenbewegung, die es ermöglicht, jenseits von öffentlichen Vorgaben, Hierarchien oder Denkmustern sich auszutauschen, Ideen, neue Gedanken und Erfahrungen zu teilen. Nicht umsonst begann der wahre Hype um Social Media Plattformen wie Twitter oder Facebook stets mit Fehlentwicklungen in der „realen Welt“. Zensursula oder die Revolution in Ägypten sind hier nur einige Beispiele. Wo die öffentliche Diskussion sich in polemischen Allgemeinplätzen von Managern und Politikern erschöpft, wo sich der Mensch nur noch als verplanbare Humanressource oder als Last (Hartz IV Bittsteller) erlebt, da sucht er zwangsläufig nach einem Gegenmodell.

Und gerade die Vernetzung über soziale, institutionelle und Ländergrenzen hinweg lässt neue Wege entstehen, sich jenseits der Massenmedien mit ihren platten, oft politikfreundlichen oder inhaltsleeren Nachrichten auszutauschen, und der Erfolg alternativer Nachrichtendienste wie Huffingtonpost oder propublica zeigt, dass die Vernetzung in sozialen Medien keineswegs ein Trend sondern vielmehr Ausdruck eines Bedürfnisses nach Sinn, nach Austausch und offener, gleichberechtigter Diskussion ist.

Während im TV die immer gleichen Fratzen von Talkshow zu Talkshow wandern um ihre zuvor geplanten Phrasen zu dreschen ohne auch nur ein Jota auf den Moderator, das Thema oder die Disputanten einzugehen, bildet sich im Netz eine Gegenöffentlichkeit, die frei, offen und auch kontrovers Inhalte diskutiert und oftmals die „reale Öffentlichkeit“ damit zu Reaktionen beeinflußt.

Und während die Mehrheit der Unternehmen Social Media als Kommunikationskanal mit dem Kunden auf Augenhöhe immer noch ignoriert und plumpe Werbephrasen über ihr ach so tolles Produkt in die Welt hinausposaunt konterkarieren diverse Webplattformen und Social Media Aufregungswellen (Shitstorms sagt man ja nicht mehr) genau dies auf den dummen Konsumenten zielende Werbung und fordern einen Dialog auf Augenhöhe und echte Information, ethischere Unternehmen, menschenwürdige Produktionsbedingungen.

So lange die „Reale Welt“ weiterhin dem einzelnen gegenüber so ignorant ja manchmal gar verletzend agiert, so lange Politiker und Manager dem Profit mehr huldigen als dem Bürger, so lange wird Social Media wachsen und gedeihen. Also vermutlich auch die nächsten Jahrzehnte.

Bevor ihr das mit dem Internet macht, erst mal Bürokratie nicht mehr machen

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Die Fußmatte für Bürokraten:

Social Media ist ein schnelllebiges Thema. Das hat auch Sascha Lobo in seiner Kolumne bei SPON dargelegt.

Und hier stößt oft der Wunsch nach Teilnahme und Teilhabe am Internet auf die harte Realität von Unternehmen. Denn wer für Aktivitäten im Netz erst lange Entscheidungsprozesse benötigt, der wird vermutlich erst dann mit einem Produkt an den Markt kommen, wenn der Trend bereits wieder vorbei und der „Rest“ des Netzes sich ganz anderen Themen zuwendet.

Das Netz ist spontan, selbstorganisierend und oft nicht so vorhersehbar, wie sich das die Planer und Tabellenzeichner wünschen.

Google zeigt es sehr schön mit seinen oft vielen parallelen Projekten, die dann auch mal wieder eingestampft werden. Es geht im Netz oft auch um Versuch, Irrtum, Aufstehen und Weitermachen.
Das ist aber Teil einer Fehlerkultur, die uns Deutschen in weiten Bereichen noch abgeht. Da sind wir offensichtlich viel zu stark der korrekte Ingenieur.

Hier gilt es, mehr Kreativität zu wagen und dazu gehört auch, Fehler zuzulassen. Denn niemand wird deshalb mehr Fehler machen, nur weil er dafür nicht abgestraft wird. Im Gegenteil, wer weiß, dass auch mal was schiefgehen darf, wird viel mutiger an neue Konzepte herangehen und viel innovativer operieren, als derjenige, der sich permanent vor jedem und allem rechtfertigen und nach allen Seiten absichern muss.

Daher: Bevor wirklich über eine aktive und ernst zu nehmende Teilhabe gerade auch an Social Media nachgedacht werden kann gilt es, die bisherigen Prozesse zu hinterfragen und kurze Wege, schnelle Entscheidungen zu ermöglichen. Sonst scheitert die beste Social Media Strategie, noch bevor sie wirklich begonnen hat.