Die KI-Illusion: Warum die Krise der Arbeitswelt ein gesellschaftliches Versagen ist

​Gestern war ich beim KI Salon Disput „

KI & Arbeit – Wo werde ich noch gebraucht?

Ein paa Gedanken dazu und zu den dort angesprochenen Punkten:

Zunächst einmal: Es ist ein bequemes Narrativ: Die Künstliche Intelligenz kommt wie eine Naturgewalt über uns und vernichtet Arbeitsplätze. In Talkshows und Management-Etagen (aber eben auch in der KI Community selbst ) wird die Automatisierung oft als technisches Schicksal dargestellt, dem wir machtlos gegenüberstehen. Doch wer die Transformation der Arbeitswelt allein der KI zuschreibt, betreibt gefährlichen Technodeterminismus.

Drei Bildschirme mit dem Schriftzug KI

​Das Problem ist nicht die Rechenleistung von Large Language Models (LLMs) oder die Effizienz von Algorithmen. Das Problem ist eine Gesellschaft, die krampfhaft an Strukturen des 19. Jahrhunderts festhält, während sie die Technologie des 21. Jahrhunderts implementiert.

​Der Mythos vom „Job-Killer“ KI

​Die Angst vor technologischer Arbeitslosigkeit ist so alt wie die industrielle Revolution selbst. Doch ökonomische Daten zeigen regelmäßig, dass Technologie primär Aufgaben innerhalb von Berufen verändert, statt ganze Berufsbilder ersatzlos zu streichen. Laut einer Studie der OECD (2023) sind vor allem hochqualifizierte Tätigkeiten von der KI-Exposition betroffen, doch gleichzeitig entstehen neue Bedarfe an menschlicher Expertise in der Steuerung und Validierung dieser Systeme.

​Das eigentliche Problem ist die Entkopplung von Produktivität und Entlohnung. Seit den 1970er Jahren ist die Produktivität massiv gestiegen, während die Reallöhne in vielen Sektoren stagnierten. KI ist lediglich das neueste Werkzeug, das diese Schere weiter öffnen könnte – aber nur, wenn wir die Verteilungsmechanismen nicht ändern.

​Bullshit Jobs und das Sinn-Vakuum

​Der Anthropologe David Graeber prägte den Begriff der „Bullshit Jobs“ – Tätigkeiten, die selbst von denjenigen, die sie ausüben, als sinnlos erachtet werden. Unsere Gesellschaft definiert den Wert eines Menschen fast ausschließlich über seine Erwerbsarbeit. Wenn KI nun administrative oder repetitive Aufgaben übernimmt, gerät dieses Identitätsmodell ins Wanken.

​Die Krise der Arbeitswelt ist eine Sinnkrise. Wir haben es versäumt, den technologischen Fortschritt in Zeitwohlstand zu übersetzen. Statt die Arbeitszeit bei steigender Effizienz zu senken, halten wir am 40-Stunden-Dogma fest, was zu psychischen Belastungen und einer Entfremdung von der eigentlichen Tätigkeit führt.

​Das Bildungs-Paradoxon

​Wir bilden Menschen immer noch nach dem preußischen Fabrikmodell aus: Disziplin, Standardisierung und das Auswendiglernen von Fakten. In einer Welt, in der Generative KI (wie GPT-4 oder Nachfolger) Faktenwissen in Millisekunden aggregiert, ist dieses Bildungsmodell obsolet.

​Die Gesellschaft scheitert daran, Kompetenzen wie kritisches Denken, ethische Urteilskraft und interdisziplinäres Systemverständnis zu fördern. Wir brauchen keine „menschlichen Taschenrechner“, sondern Individuen, die KI als Werkzeug verstehen, um komplexe gesellschaftliche Probleme zu lösen.

​Fazit: Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag

​Die Transformation der Arbeitswelt ist kein technologisches Problem, das wir durch bessere Algorithmen lösen. Es ist eine politische und soziologische Gestaltungsaufgabe.

  1. ​Umverteilung von Produktivitätsgewinnen: Wenn Maschinen den Mehrwert erwirtschaften, muss die Besteuerung von Arbeit hin zu einer Besteuerung von automatisierten Wertschöpfungsketten (z. B. Robotersteuer-Modelle) diskutiert werden.
  2. ​Arbeitszeit-Souveränität: Die Entkoppelung von Existenzsicherung und 40-Stunden-Woche ist zwingend, um den Druck aus dem Kessel zu nehmen.
  3. ​Explainable AI & Ethik: Wir müssen sicherstellen, dass KI-Entscheidungen im Arbeitsumfeld transparent und menschenzentriert bleiben (XAI).

​Nicht die KI bedroht unsere Zukunft, sondern unsere Unfähigkeit, den Begriff „Arbeit“ neu zu definieren. Es ist Zeit, dass wir die Technologie nutzen, um das Menschliche wieder ins Zentrum zu rücken, statt den Menschen zum Anhängsel der Maschine zu degradieren.

​Quellen und Referenzen

  • OECD (2023): OECD Employment Outlook 2023: Artificial Intelligence and the Labour Market. Dieser Bericht analysiert die Auswirkungen von KI auf die Beschäftigung und betont die Notwendigkeit politischer Maßnahmen für einkommensschwache Haushalte. Link zum vollständigen Bericht (OECD)
  • Brynjolfsson, E., & McAfee, A. (2014): The Second Machine Age: Work, Progress, and Prosperity in a Time of Brilliant Technologies. Ein Standardwerk zur digitalen Transformation und deren ökonomischen Folgen. Informationen und Publikationsdetails (MIT IDE)
  • Graeber, D. (2018): Bullshit Jobs: A Theory. David Graebers Untersuchung über die Zunahme sinnfreier Beschäftigungen in modernen Volkswirtschaften. Projektseite und Buchübersicht (DavidGraeber.org)
  • Arrieta, A. B., et al. (2020): Explainable Artificial Intelligence (XAI): Concepts, Taxonomies, Opportunities and Challenges toward Responsible AI. Ein zentrales Paper zur wissenschaftlichen Einordnung von Explainable AI, wie im Fazit des Beitrags erwähnt. Link zum Paper (ScienceDirect)
  • Mubarak, F. (2026): Guarding truth in an AI world: ethics for the next generation of scholarship. Journal of Information, Communication and Ethics in Society. Eine aktuelle wissenschaftliche Einordnung der ethischen Herausforderungen durch KI (Stand März 2026). Link zum Journal-Eintrag (Emerald Insight)

Von der Assistenz zur Autonomie: Wo wir im Frühjahr 2026 wirklich stehen

Es ist noch nicht lange her, da haben wir uns darüber gewundert, dass Sprachmodelle halbwegs fehlerfrei halluzinieren können. Heute, im März 2026, hat sich der Fokus verschoben. Wir reden nicht mehr nur über „Generative KI“, sondern über Agentic AI – Systeme, die nicht mehr nur auf Prompts warten, sondern eigenständig Ziele verfolgen.

Für jemanden, der die Anfänge der Computerlinguistik in den 90ern miterlebt hat, ist diese Entwicklung faszinierend und beängstigend zugleich. Wir verlassen den Bereich der bloßen Textvorhersage und treten in das Zeitalter der handelnden Systeme ein.

1. Agentische Systeme: Autonomie statt Interaktion

Der entscheidende Durchbruch der letzten Monate ist die Reife von KI-Agenten. Im Gegensatz zu klassischen LLMs, die reaktiv arbeiten, agieren agentische Systeme proaktiv innerhalb definierter Leitplanken. Sie zerlegen komplexe Aufgaben selbstständig in Teilaufgaben, nutzen externe Werkzeuge (APIs, Browser, Code-Interpreter) und korrigieren ihre eigenen Fehler in Echtzeit [1].

In der Softwareentwicklung sehen wir das am deutlichsten: KI-Agenten übernehmen heute nicht mehr nur das Autocomplete von Codezeilen, sondern das gesamte Refactoring komplexer Legacy-Systeme. Analysten gehen davon aus, dass wir uns an einem Wendepunkt befinden, an dem der „Agentic Pivot“ die gesamte Unternehmensstrategie neu ausrichtet [2].

2. Multimodalität und World Models

Wir haben die Ebene der reinen Token-Verarbeitung verlassen. Die aktuellen Modelle des Frühjahrs 2026 basieren auf sogenannten World Models. Diese Systeme verstehen physikalische Gesetzmäßigkeiten und räumliche Zusammenhänge in Videos und Simulationen weitaus besser als ihre Vorgänger. Dies ist die notwendige Voraussetzung für die nächste Welle: die Integration von KI in humanoide Hardware, die nun langsam die Fabrikhallen verlässt und in Pilotprojekten im Alltag ankommt [3].

3. KI in der Wissenschaft: Die „Golden Era“ der Entdeckungen

Als Wissenschaftler beeindruckt mich am meisten die Geschwindigkeit in der Materialforschung und Biologie. KI-Forschungsassistenten sind heute in der Lage, Hypothesen über Proteinfaltungen oder neue Batteriematerialien nicht nur aufzustellen, sondern deren Verifikation in automatisierten Laboren selbst zu steuern. In der medizinischen Forschung übernimmt die KI mittlerweile die Rolle einer echten Laborassistenz, die weit über bloße Datenanalyse hinausgeht [3].

Ethik und „Explainable AI“ (XAI)

Doch bei all der Euphorie bleibt eine Baustelle kritisch: die Erklärbarkeit. Je autonomer die Agenten werden, desto dringlicher wird die Frage der Governance. Experten warnen bereits vor den erheblichen Risiken, die entstehen, wenn autonome Agenten Zugriff auf sensible Kontodaten oder IT-Infrastrukturen erhalten, ohne dass ihre Entscheidungswege vollständig transparent sind [4]. Wir brauchen dringend robustere Frameworks für Explainable AI, um den Kontrollverlust zu verhindern [5].

Fazit

Die Experimentierphase ist vorbei. Wir stecken mitten in der produktiven Implementierung. Die Frage ist nicht mehr, ob die KI uns Arbeit abnimmt, sondern wie wir die Souveränität über die Prozesse behalten, wenn die KI-Agenten erst einmal anfangen, das Internet und unsere internen Netzwerke eigenständig zu „bewohnen“.

Wir leben in der Zukunft, die wir früher nur theoretisch diskutiert haben. Jetzt müssen wir sie gestalten.


Quellen:

Bedeutung ist etwas anderes

Wenn ich zurückblicke, dann war vor meinem Suizidversuch und der Rettung außer meiner Beziehung und den Kindern nichts von Relevanz, jedenfalls nicht aus meinem Blickwinkel. Okay, eine Stammzellspende, die ein Leben rettete aber das war ein Zufall, eine Koinzidenz.

Danach wurde ich zum Erfolgsautor, zum Aktivisten für mentale Gesundheit. Ich startete zwei erfolgreiche Petitionen mit knapp 120000 Stimmen in Bayern und mit 250000 Stimmen bundesweit. Das sind für mich persönlich Erfolge, die aber in dem Meer anderer Erlebniswelten schlicht untergehen.

Das Verrückte ist, wie schnell man so etwas vergisst, sich selbst als wertlos, zumindest aber als bedeutungslos ansieht.  Worauf ich hinaus will. Relevanz ist nichts, was automatisch aus einer Handlung entspringt.

Betrachtet man, wie unwahrscheinlich die eigene Geburt ist, kommt eine Zahl heraus, die eigentlich das menschliche Vorstellungsvermögen sprengt:

Die Zahl: 1 zu

Um diese Zahl zu verdeutlichen: Es ist eine 1 gefolgt von 2.685.000 Nullen. Zum Vergleich: Es gibt „nur“ etwa Atome im gesamten beobachtbaren Universum.

Noch ein paar Zahlen, die es vielleicht deutlicher werden lassen.

Der Harvard-Absolvent und Autor Dr. Ali Binazir hat diese Wahrscheinlichkeit in einem bekannten Gedankenexperiment aufgeschlüsselt. Er berücksichtigte dabei folgende Faktoren:

  • Das Treffen deiner Eltern: Die Chance, dass sich genau deine Eltern begegnen und miteinander sprechen ().

  • Die Fortpflanzung: Die Chance, dass sie lange genug zusammenbleiben, um ein Kind zu zeugen ().

  • Die richtige Kombination: Die Chance, dass genau die eine Samenzelle (unter ca. 250 Millionen) auf genau die eine Eizelle trifft, aus der du entstanden bist ( Quadrillionen).

  • Die Ahnenreihe: Dieser Prozess muss über Tausende von Generationen perfekt funktioniert haben. Jede einzelne deiner Vorfahren musste das geschlechtsreife Alter erreichen und sich erfolgreich fortpflanzen ( über die gesamte Menschheitsgeschichte).

„Die Wahrscheinlichkeit, dass du existierst, ist vergleichbar mit der Chance, dass zwei Millionen Menschen zusammenkommen, um mit einem Billionen-seitigen Würfel zu spielen, und alle exakt die gleiche Zahl würfeln.“ – Dr. Ali Binazir


Die Quelle

Die detaillierte Berechnung basiert auf den Ausführungen von Dr. Ali Binazir, die er unter anderem in seinem Blog und seinem Buch The Tao of Dating sowie in einem viel beachteten TEDx-Vortrag („The Probability of You Existing“) dargelegt hat. Er stützt sich dabei auf statistische Modelle zur menschlichen Evolution und Fortpflanzungsbiologie.

Vielleicht sollten wir es manchmal etwas mehr wertschätzen, überhaupt jetzt hier zu sein. Dann noch versuchen, im eigenen kleinen Umfeld etwas besser zu hinterlassen, als man es vorgefunden hat. Bedeutung hat was für mich selbst bedeutsam ist. Die Meinungen anderer sind Interpretation, nicht Bedeutung.

Generative KI ist auch nur ein Messer

Wenn wir darüber diskutieren, ob KI gefährlich für uns ist oder nicht, gibt es zwei gerne genutzte Denkfehler. Fehler eins: KI ist intelligent wie ein Mensch.

Drei Bildschirme mit dem Schriftzug KI

Falsch, sie kann lediglich intelligentes Verhalten simulieren, in dem sie aus gigantischen Datenmengen die wahrscheinlichsten Antworten heraus generiert.

Hier die Definition des europäischen Union, was KI eigentlich ist:

Künstliche Intelligenz ist die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren.

Man beachte das Wort „imitieren“. Wie sie das macht, das ist noch völlig unklar, um diese Frage zu klären entsteht gerade eine neue Forschungsrichtung namens Explainable AI (kurz XAI), die sich damit befasst, KI Entscheidungen nachvollziehbar und erklärbar zu machen. Denn bislang sind wir zwar erstaunt über die Ergebnisse, warum aber eine spezifische Antwort generiert wurde, ist weitestgehend unerklärbar. Der Algorithmus ist bekannt, aber wie er sich justiert, um passende Antworten zu geben, das steckt vergraben im Algorithmus selbst.

Kommen wir aber zum Titel dieses Blogbeitrags und damit zum Messer. Denn genau wie ein Messer Brot schneiden oder einen Menschen verletzen kann, ist es auch bei der KI. Ob sie Gutes oder Böses tut, das liegt in der Verantwortung des Menschen. Der KI ist Werkzeug wie das Messer und kann genauso für Gutes wie Schlechtes eingesetzt werden. Selbst die Entscheidung, wie sehr ich der Antwort einer KI vertraue ist Teil der Verantwortung des Menschen. Die KI für alles verantwortlich zu machen wäre sicher einfach, aber viel zu kurz gesprungen.

Die rasante Entwicklung generativer KI darf uns nicht vergessen lassen, dass wir die Verantwortung haben ob KI Brot schneidet oder Menschen verletzt.

Eine wichtige Petition für eine bessere Psychotherapieversorgung. Bitte unterzeichnet

Noch heute bin ich euch allen voll Erstaunen dankbar für die über 200000 Unterschriften gegen die #rasterpsychotherapie. Deshalb möchte ich einer weiteren wichtigen Petition, die von @DianazurLoewen und @AndreasBergholz gestartet wurde, mit meiner und hoffentlich euer aller Unterschrift zum Erfolg verhelfen.

Es geht um folgendes und ich zitiere die Seite der Petition:

Folgen der Pandemie: Mehr Therapieplätze in Ampel-Koalitionsvertrag festschreiben!

Die Corona Pandemie war und ist für uns alle eine große Belastung.

Manche hatten Glück, andere nicht. Einige von uns hat es nicht so hart erwischt, man ist gut durch die Pandemie gekommen. Andere hingegen hat es hart getroffen. So hart, dass es sie aus dem Leben geworfen hat.

Sie brauchen akute Hilfe und unsere Solidarität. Wir starten diese Petition in Namen aller, die therapeutische Hilfe benötigen und auf einen von der Krankenkasse bezahlten Platz warten und hoffen.

Ihr seid nicht allein.

Schon vor Corona gab es zu wenig von den Krankenkassen bezahlte Therapieplätze, durch die Pandemie hat sich die Nachfrage nach Plätzen aber nochmal deutlich verstärkt.

Einer Studie zufolge gibt es weltweit durch Corona 52 Millionen Fälle von Depression mehr als es ohne die Pandemie gegeben hätte. Angstzustände und Panikattacken haben um rund ein Viertel zugenommen (Quelle).

Bei Menschen mit Depressionen und Essstörungen hat sich die Belastung durch die Pandemie verdreifacht – bei Zwangsstörungen sogar verfünffacht. Frauen und junge Erwachsene sind am stärksten betroffen (Quelle).

Neuseeland gibt Milliarden aus um psychische Krankheiten zu bekämpfen, die Briten haben bereits ein „Einsamkeitsministerium“. (QuelleQuelle)

Und Deutschland?

Zurzeit beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf einen von der Krankenkasse bezahlten Therapieplatz bei uns 22 Wochen. 22 WOCHEN! Das sind fünfeinhalb Monate, die für Betroffene zu einer qualvollen Zeit werden können, in der sich ihr Zustand rapide verschlechtern kann.

Wenn du dir ein Bein brichst und deswegen zum Arzt musst, lässt man dich dann auch 5 Monate auf eine Behandlung warten? So müssen wir anfangen über die Thematik Therapie zu denken und miteinander zu sprechen.

Bitte unterstützt die Petition, teilt, sprecht darüber, werdet aktiv, redet mit Politiker*innen

Jetzt reicht es (selbst mir)

Lange, wirklich lange habe ich Social Media verteidigt. Hab darauf hingewiesen, dass Whatsapp und Twitter mir einst das Leben gerettet haben. Hab Trolle und Querdenker als Nische abgetan.

Aber jetzt werde wohl selbst ich für einige Zeit die sozialen Medien nur noch als Kanal zum Senden aber nicht. mehr zum Empfangen nutzen. Weil weder Diskussionskultur,  noch Anstand, noch Rücksicht auch nur leicht durchscheinen. Sei es der Weltraum, die Natur oder die Ernährung. Es wird nur noch radikal, schwarz weiß gedacht. Die wenigen gemässigten, am Diskurs interessierten Nutzer werden immer lauter und aggressiver niedergetrollt.

Das ist alles nicht mehr schön, es ist traurig und vieles, was im Moment diskutiert wird, erinnert mich fatal an Interstellar, wo Wissenschaft und Forschung sich in Bunker zurückziehen und verstecken musste, weil die Öffentlichkeit die Zusammenhänge zwischen Grundlagenforschung, dem Drang zu den Sternen und der Weiterentwicklung als Spezies nicht zu durchschauen in der Lage waren.

Nein, es geht mir im Moment nicht gut mit dem Umgangston. Twitter und Facebook sind für mich broken beyond repair und selbst Instagram wird immer mehr zur Plattform um eigene radikale Ansichten hinauszuposaunen und die eigene Dummheit hinter Schimpftiraden und Trollangriffen zu verstecken.

Sorry Leute, so nicht. Kriegt euch bitte wieder ein, bis dahin:

 

Mic Drop

Hat das Leben sich gelohnt?

Ja, ich gebe zu, der Titel hat was von Clickbait. Aber ganz ehrlich? Der Gedanke kam  mir nach „dem Ereignis“ schon das eine oder andere Mal. Ich hab Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz studiert, einen Magistergrad erlangt, aber danach eigentlich damit nicht mehr wirklich viel angefangen, nachdem ein Forschungsstipendium zu Ende war, obwohl gerade diese Zeit, in der ich frei in meiner Arbeit, meiner Forschung war, mich zutiefst glücklich gemacht hat.

Nur meine Frau und unsere Kinder haben in mir ähnliche Gefühle des Glücks, des Angekommen seins ausgelöst. Aber mit mittlerweile 53 stelle ich mir doch tatsächlich diese typische Midlifecrisis Frage, hat es sich gelohnt, obwohl ich nie solche Dinge an mich rankommen lassen wollte.

Ja hat es sich denn nun gelohnt? Es ist kompliziert, also setzt euch, nehmt euch nen Keks, schauen wir mal genauer hin. Wofür sich mein Studium zumindest sicher gelohnt hat, ist meine Art zu denken, die doch sehr rational, sehr wissenschaftlich geprägt ist. Ich liebe den Diskurs, aber nicht mit verhärteten Positionen wo der eine dem andern nicht zuhört sondern nur darauf wartet, ihm die eigene alleine seligmachende Wahrheit ins Gesicht zu brüllen.

Ich habe mir spät zwar aber nicht zu spät ein paar Lebenswünsche erfüllt. Allen voran mein Buch „Depression abzugeben“, das man durchaus als Erfolg einordnen kann und das für mich völlig überraschend kam, obwohl ich rückblickend eigentlich immer sehr genau wusste, was mich glücklich gemacht hat, wenn ich mich damit beschäftigt habe. Das war seltsamerweise nie die IT. Die hat mir ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle über ein Fragment meines Lebens gegeben, die ich dank meines familiären Hintergrunds sonst so nie erlebt habe. Aber wirkliche Glücksmomente waren immer Momente, in denen ich mich mit Kunst, mit kreativem, mit Forschen befasst habe.

Würde ich heute anders entscheiden, andere Wege früher wählen? Mit Sicherheit. Ginge es mir damit besser? Ich weiß es nicht. Es ginge mir wohl anders. Aber viele meiner Entscheidungen waren im Nachhinein besser als gedacht.

Und jetzt sehe ich unsere Kinder und wie sie auch ermöglicht durch die etwas andere Sicht auf die Welt meiner Frau und mir, ihre ganz eigenen Wege gehen dürfen.

Vielleicht ist es das, was mich gerade am Glücklichsten macht. Ja, meine Krankheit, meine Depressionen und die Angststörung haben vieles für uns alle schwerer gemacht, als für andere. Aber wir sind alle im Positiven daran gewachsen. Es gibt immer rückblickend die Momente, an denen man hätte anders entschieden. Aber meist sollte man auch so ehrlich sein, zu sehen, dass man damals eben mit unvollständiger Information versucht hat, das beste zu wählen. Und oft war es dann nicht die schlechteste Wahl.

Das mag jetzt etwas überphilosophisch klingen aber mein Steckenpferd die Astronomie hat mich eines gelernt. Ich bin gleichzeitig weniger als ein Staubkorn in der Geschichte unseres Universums und ebenso ein ganz elementarer Bestandteil. Ich bin wie wir alle letztlich Sternenstaub, es wird mich bald nicht mehr geben und gleichzeitig auf eine sehr wissenschaftliche und dennoch auch philosophische Art ewig. Nichts wird verschwinden, was zusammengenommen mich ausmacht.

Das finde ich tröstlich und bin dankbar, jetzt die nächste Generation begleiten zu dürfen, in eine nach wie vor wunderbare, faszinierende, undurchschaubare, schöne Welt. Ich glaube fest, dass wir uns weiterentwickeln können, dass diejenigen, die mal wirklich ins Universum aufbrechen, weiter als „nur“ zum Mars andere Menschen sein werden, denn nur wenn wir unsere Gräben überwinden, wenn wir endlich begreifen, dass wir alle „nur “ der Rasse Mensch angehören und wir nur als Gemeinschaft großes erreichen, werden wir fortbestehen.

Für mich gilt nicht „Wissen ist Macht“ sondern „Wissen statt Macht“

In diesem Sinne: Nehmt euch gern noch nen Keks. Das Universum läuft uns nicht davon.

Mit Whatsapp gegen Depressionen bei Kindern

Ein Projekt, das ich gerne aktiv unterstütze:
Aus der Projektbeschreibung:
„Die Depression ist bei Kindern und Jugendlichen eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Pro Jahr erkranken allein in Deutschland ca. 4-5 Millionen Menschen an einer Depression! Besonders tragisch: Der Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Das wollen wir ändern! Unsere Idee: Ein App-Frühwarnsystem, das man im Alltag gar nicht bemerkt. Wir nutzen „einfach“ die Kommunikation über WhatsApp und das Smartphone. Um loszulegen, brauchen wir Ihre Mithilfe!

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