Heute erscheint „Depression abzugeben“

Es ist soweit. Zwar hatten viele große Versender und Buchhandlungen „Depression abzugeben: Erfahrungen aus der Klapse
“ bereits seit Beginn der Woche auf Lager. Heute aber ist der offizielle Erscheinungstermin meines Sachbuchs über meine Aufenthalte in der Psychiatrie und was ich dort an traurigem wie lustigem, an beängstigendem wie ermutigendem erlebt habe.

Und diejenigen, die bereits vorab ein Exemplar bekommen haben senden mir überwiegend ein sehr positives Feedback. Das freut mich sehr, denn die Botschaft des Buchs ist mir sehr wichtig. Ein Ende des Stigmas psychische Krankheit und Mut, sich behandeln zu lassen. Einer flog übers Kuckucksnest war einmal, heutzutage ist man viel weiter.

 

Frühes stalking und Unverständnis

Der folgende Text erschien bereits 2014 am 6. Januar. Offensichtlich haben ihn einige nicht gelesen, nicht verstanden oder nicht ernst genommen. Er gilt damals und gilt auch heute. Das ignorieren dieses Textes war auch Teil der Katastrophe.

Es gibt leider Menschen, die jeden Scheiß persönlich nehmen.

Hier der Text, wie er vor zwei Jahren auf Facebook erschien, über ein Jahr vor meinem Suizidversuch:

Ein kleiner Gedanke zum neuen Jahr, den ich auch noch mal in Form eines Blogbeitrages liefern werde und der mit meiner persönlichen Ethik als Blogger zu tun hat: 

(Wer damit übereinstimmt und das vielleicht für sich auch so definiert, der Text darf gerne kopiert werden) 


Zum Anfang des Jahres und angesichts für mich eher amüsanter denn unangenehmer Ereignisse des letzten Jahres. Was ich  im Blog und auch auf Facebook schreibe resultiert NICHT aus Erfahrungen bei meinem Arbeitgeber, meinen persönlichen Freunden oder meiner Familie wenn ich es nicht explizit erwähne. Und um das Thema auch hier gleich weiter zu fassen, dies gilt auch für jeden einigermaßen seriös arbeitenden Blogger in meinem Umfeld. Man sollte, nein man muß, gerade wenn man gesellschaftskritisch schreibt, vom persönlichen Umfeld abstrahieren um in den Wertungen und Meinungen überhaupt glaubwürdig zu sein.


Es mag manchmal ein Ereignis in meinem persönlichen Umfeld oder dem eines Freundes oder eines Netzkontaktes den Anstoß geben, ein lange schwelendes Thema endlich als Blogger und Autor anzugehen, aber durch mein großes soziales Netzwerk, geschätzte Bloggerkolleginnen und Kollegen und auch durch die Erfahrungen,die ich aus gelegentlichen Vorträgen und Beratungen habe, habe ich genug Material, hier Themen anzusprechen. Darum zum ersten Mal seit ich diesen Blog führe die Bitte: Spreche ich hier von „ich habe, ich würde, ich werde“ dann ist dass ich des ERZÄHLERS gemeint, nicht das ich des Autors Uwe Hauck. Dann sind immer mehrere Abstraktionsebenen eingezogen, und das langweilige Meeting ist nicht das, das ICH im Büro erlebe, sondern das Meeting, dass hundert, ja tausendfach in der Welt erlebt und mir in meinen Recherchen zugetragen wird.


Unter meinen gesamten Followern, Freunden und Circlen (im Moment in  Summe mind. 5000 Personen) gibt es genug Inhalte, die ich recherchieren, analysieren und kommentieren kann. Wer hier Schlüsse auf mein persönliches Umfeld schließt, wirft mir indirekt unprofessionelle Arbeit vor, denn genau das ist es, würde ich von meiner eigenen kleinen Welt auf die gesamte schließen. Das zu tun wäre aber schon deshalb dumm weil dann meine Meinung, meine Artikel von geringem bis gar keinem Wert wären. Denn nur das Ereignis, das sich negativ wie positiv an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten wiederholt, ist es wert, analysiert und ggf. kommentiert zu werden. Es ist ein wenig so wie mit guter, glaubwürdiger Wissenschaft. Nur das Experiment,das hundertfach mit dem gleichen Ergebnis wiederholt werden kann, ist auch valide in seinem Ergebnis und der daraus folgenden Erkenntnis. Dass der Anstoß, der Funke ein aktuelles Ereignis sein kann, sei unbestritten. Aber die Aussage und die Schlußfolgerungen müssen immer allgemeingültig sein und bleiben.


In diesem Sinne. Bitte stets mich, den Autor Uwe Hauck und den unbekannten „Erzähler“ meiner Beiträge trennen. Zumal es schon gar nicht etwas aus meinem direkten beruflichen Umfeld sein darf, denn dann müsste ich mir stets den Vorwurf des „Einzelfalls“ gefallen lassen. Mir ist aber wichtig, dass Themen, die ich persifliere, karikiere oder kritisiere auch einer großen Leserschaft geläufig und in ihrem Auftreten häufig genug sind, um einen Trend zu entdecken. Denn das ist es, worum es mir geht. Trends, negativ wie positiv darzustellen, Wege aufzuzeigen und wo mir möglich Lösungen anzubieten. Sonst wäre ich ja ein schlechter Berater.

 

So, alles gesagt, jetzt gilt: Expecto epistula minarum plena

Die Öffentlichkeit muss dich doch stressen

Einer der großen Irrtümer. Gerade dass ich nicht mit meiner Depression offen umging, ja sie nur als Begriff aber nicht als Faktum akzeptiert habe, hat mich ja erst in Lebensgefahr gebracht. Je mehr ich meine Geschichte öffentlich gemacht habe und mache, je mehr ich mich für Aufklärung zu Depressionen, Angststörung und Suizidversuchen engagiere, um so besser geht es mir, um so sicherer bin ich, nicht mehr in Gefahr zu kommen. Die einzige Gefahr, die manchmal lauert sind Menschen, die was ich äußere überinterpretieren oder zu persönlich nehmen, auch wenn mir das gerade auf so schnelllebigen Medien wie Twitter nie in den Sinn käme.

Aber Ironie und Sarkasmus für bare Münze zu nehmen wird zwangsläufig auch weiterhin in bösen Briefen und weiterführenden Drohungen resultieren. Nur, da ja nie das, was angenommen wurde bislang den Tatsachen entsprach, kann ich mich da zurücklehnen und es als Übung nehmen. Wäge ich auf, wer mir öffentliche Statements verbieten möchte und wer dankbar dafür ist, dass ich mich äußere, dass ich aufkläre, dass ich ein Buch über meine Geschichte veröffentliche, das auch die Vorgeschichte erklärt. dann ist mein Weg offensichtlich. Weiterhin aufklären, an Schulen, vielleicht sogar in entsprechend fortschrittlichen Unternehmen. Konzepte gibt es von mir und auch von der deutschen Depressionsliga e.V. deren Mitglied ich mittlerweile bin.

Und nein, es ist kein Stress, es ist zu einem bedeutenden Teil Heilung für mich, endlich offen mit meiner Erkrankung umzugehen, sie endlich als Teil von mir zu akzeptieren und zu verstehen, warum mich mehr Sorgen plagen, als andere, warum ich mehr schlimme Ereignisse befürchte.

Für mich wird auch weiterhin gelten, ich mache meinen Mund auf, mag das manchen auch nicht passen, ich brauche es für mein Wohl und das meiner Familie.

Und meine Geschichte schreibe ich weiterhin auf, mit allem, was an Gegenwind existiert aber auch mit dem Rückenwind, der mich ermutigt, aufbaut und vorantreibt. Die ehemalige Unwetterfront, Mischung aus Ängsten und Depression, die mich ziellos umhergewirbelt hat, ist kanalisiert in eine sehr steife aber lenkbare Brise, die mich vorantreibt, die mich antreibt, die mich weiter kämpfen lässt.

Und aus diesem Internet werde ich mich ganz sicher nicht mehr löschen.

Wünsche für 2017

Ja, ich hätte da eine Wunschliste für das Jahr 2017. Nicht lang, aber mir wichtig.

Zuallererst, welche Überraschung, wünsche ich mir einen Erfolg für mein Buch und damit einher gehend eine möglichst große Öffentlichkeit, damit ich meinen Kampf für Akzeptanz psychischer Krankheiten und Entstigmatisierung weiterführen kann. Weitere Schulen haben Interesse, zwei Sendungen für 2017 sind schon im Kasten und Anfang des Jahres ergibt sich wohl noch ein weiterer Auftritt.

Weil mich immer noch ärgert, dass ich mich nicht gewehrt, sondern gewisse „Botschaften“ einfach akzeptiert habe wünsche ich mir für 2017, dass direkt mit mir gesprochen wird, endlich mal klar ist, dass ich niemanden persönlich meine und vor allem. Ich bin kein Botschafter für Verbote gegen meine Frau. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert, wo der Mann der Frau befehlen durfte. Wir leben in einer emanzipierten Gegenwart. (Aber die Botschaften sind natürlich hervorragende Vorlage für Band zwei. Wenn das Leben schon Stoff für eine Geschichte liefert…)

Zudem bin ich gespannt, wie meine Geschichte im Buch aufgenommen wird. Zwar wurden Orte und Personen geändert, aber was geschehen ist, habe ich wahrheitsgemäß dokumentiert.

Auch 2017 werde ich als Autor aktiv sein, als Aktivist und als Vortragsreisender.  Und ich werde versuchen, 2017 endlich die Arschlochhaltung zu bekommen, deren Fehlen mich fast umgebracht hätte.

2017 wird hoffentlich ein Jahr, in dem ich Selbsfürsorge betreibe, als freier Autor erfolgreich bin und alles andere nicht mehr so wichtig nehme. Weil toxische Menschen nie zu nahe an dich heran dürfen sollten. Sonst vergiften sie dein Leben.

Ich hoffe auch, dass ich meinen Followern in den Social Media Kanälen weiterhin gute Impulse geben kann, Informationen und Hilfe bieten. Und freue mich auf viele reale Begegnungen mit bekannten und neuen Menschen.

2017 benimm dich. Und schick mir keine Briefe mehr.

Oh, und bitte, ein paar weniger Abschiede von Menschen, die mir wichtig sind, wäre auch ganz nett ja?

Und wer sich jetzt schon wieder persönlich betroffen fühlt. Sorry, nein, ist nicht so. Und wird auch nie so sein.

Eigentlich schade, dass ich mittlerweile fast schon eine Schere im Kopf habe, weil irgendwer irgendwas ja falsch verstehen könnte. Nun gut. Die Schere wir stumpfer werden und mein Fell dicker.

 

Aus gegebenem Anlaß: Remember, remember the fifth of november.

Ein kleiner Gruß an alle, die mir Böses woll(t)en, nach dem Leben trachten oder sonstwie ein Arschloch in meinem Umfeld sind.

English Folk Verse (c.1870)
The Fifth of November

Remember, remember!
The fifth of November,
The Gunpowder treason and plot;
I know of no reason
Why the Gunpowder treason
Should ever be forgot!
Guy Fawkes and his companions
Did the scheme contrive,
To blow the King and Parliament
All up alive.
Threescore barrels, laid below,
To prove old England’s overthrow.
But, by God’s providence, him they catch,
With a dark lantern, lighting a match!
A stick and a stake
For King James’s sake!
If you won’t give me one,
I’ll take two,
The better for me,
And the worse for you.
A rope, a rope, to hang the Pope,
A penn’orth of cheese to choke him,
A pint of beer to wash it down,
And a jolly good fire to burn him.
Holloa, boys! holloa, boys! make the bells ring!
Holloa, boys! holloa boys! God save the King!
Hip, hip, hooor-r-r-ray!

Ein Mann hat keine Angst

20160504_080232Schön wäre es, wenn das stimmen würde. Ich habe ja neben meiner Diagnose „Schwere, wiederkehrende Depression“ leider auch noch eine generelle Angststörung diagnostiziert bekommen. Und die ist wohl, so wurde mir von mehreren Therapeuten bestätigt, der ursprüngliche Grund für meinen Suizidversuch.

Und meine Angststörung äußert sich auf eine absolut perfide Art und Weise. Auf einfache Art durch Angst vor jedweder Gefahr, diese aber übersteigert. Also Todesangst, wo andere so ein kleines, aufregendes Kribbeln verspüren würden. Nicht immer, meist ist sie nur da, wenn auch die Depression sich mal wieder zu Wort gemeldet hat.

Die schlimmere Angst ist die vor Beurteilungen, vor jedweden Gesprächen mit hierarchisch über mir stehenden Menschen. Ich weiß nicht genau, was der initiale Auslöser war, meine Therapeuten vermuten Kindheitserlebnisse, aber in Beurteilungsgesprächen kann es extrem schnell passieren, dass ich in den absoluten Panikmodus verfalle. Dabei muss nicht mal ein berechtigter Grund für die Angst vorliegen. Ich vertraue der Situation einfach nicht, vielleicht, weil man ein paar Mal zu oft über meinen Kopf hinweg falsch und für mich ungünstig entschieden hat.

Aber immerhin habe ich mittlerweile den Mut, meine Angst zu artikulieren, mich nicht mehr zu verstecken und so zu tun, als sei ich der Typ Mann, wie man ihn erwartet. Nein verdammt, auch als Mann kann man Angst haben, und dass viele glauben, man(n) müsse das verstecken, macht nur noch kranker. Und überhaupt, warum soll ich eigentlich solche Angstsituationen aushalten, wenn ich sie auch meiden kann.

Ein wenig von meiner Angst verliere ich, wenn ich kreativ bin. Das Schreiben des Buchs war eine wahre Wohltat gegen die Angst, die da immer wieder an die Oberfläche wollte, wo aber kein Platz für sie wahr. So lange ich selbst über mein Handeln entscheiden kann, ist alles gut. Wenn man mir aber erklären will, wie ich zu arbeiten habe, wenn man Ratschläge gibt wie: „Du musst jeden Tag zurückmelden, was du tust.“ dann bricht sich bei mir mein Dämon Bahn. Denn etwas tun zu sollen, das ich von meinem Wesen her nicht kann und nicht will, das erzeugt neue Angst und Panik.

Ich bin introvertiert, ich suche nicht die Menschen ich besuche sie höchstens mal. Aber in einer extrovertierten (Arbeits-)Welt hat man da Pech gehabt und fällt automatisch negativ auf. Und dann auch noch hochsensibel, das macht das ganze noch schlimmer, weil man immer etwas eher spürt, wenn etwas nicht gut läuft, wenn jemand gutes will, aber böses erzielt.

Ich kämpfe mit meiner Angst, so viel Mut habe ich. Und ich stehe zu ihr, mache sie öffentlich. Denn wenn wir uns vor bzw. mit  ihr verstecken, machen wir alles viel schlimmer. Lebensgefährlich schlimm.

Der brennende Note 7 Akku ist kein Technik- sondern ein Managementproblem

Jpeg

Auch die zweite Generation des Note 7 fängt Feuer. Eigentlich war es zu vermuten. So schnell kann man einen so gefährlichen und eklatanten Fehler nicht komplett bereinigen. Aber woher kommt der Fehler. Es ist sehr einfach wie immer die Ingenieure also die kleinsten Lichter als Schuldige herauszustellen.
Für mich liegt die Hauptschuld aber beim Management und hier insbesondere beim Marketing. Es wurde offensichtlich mit Druck gearbeitet, um das Note 7 auf Teufel komm raus vor dem Apple Gerät auf den Markt zu werfen.

Idiotische Entscheidung aber natürlich marketingtechnisch richtig. Nur, wollen wir wirklich Sicherheit dem Marketing opfern? Wollen wir Menschen über Erscheinungstermine und Produktreife entscheiden lassen, die von den technischen Grundlagen der Produkte überhaupt keine Ahnung haben? Wir sollten vielleicht darüber diskutieren, wie viel Sinn es wirklich macht, jedes Jahr ein neues Smartphone auf den Markt zu werfen, dass sich dann nur marginal vom Vorjahresmodell unterscheidet.

Es wird Zeit, die Marketingdenke ab- und den Verstand wieder einzuschalten. Sonst werden bald auch Smartphones anderer Hersteller zu gefährlichen Zeitbomben.