Die Digital Natives verlangen eine neue IT

Viel wird zur Zeit darüber diskutiert, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussieht, wie die Digital Natives den Umgang mit den neuen Technologien in die Unternehmen tragen.

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist hierbei aber auch, das in der IT selbst ein frischer Wind zu wehen beginnt, oder wehen sollte.

Denn auch in der Softwareentwicklung wird sich einiges ändern. Die Digital Natives erwarten auch im Umgang mit Werkzeugen, mit Programmierrressourcen und im Teamwork die Social Media Welt. Wikis sind da nur ein erster Schritt. Wer mit Google und Blogs aufgewachsen ist, für wen es ganz normal ist, sich beständig aus dem Netz zu informieren, der interessiert sich wenig für alte, langjährig gewachsene Applikationen, die nur noch mühsam weitergepflegt werden können, aber eigentlich bereits seit langem nicht mehr dem Anspruch der Nutzer dienen.

Der neue Entwicklertypus denkt serviceorientiert. Rapid development, agile development sind dort kein Fremdwort sondern bereits fester Bestandteil des Entwicklerrepertoires.

Nicht  nur die Hardware, oft auch die über Jahre gewachsene Software ist hier oft, wie auch die Computerwoche anmerkt, den Ansprüchen der Generation der Digital Natives nicht mehr gewachsen. Die schnellen Innovationszyklen der Social Media Plattformen bedingen auch eine andere Art der Softwareentwicklung, die sich mehr an Open Source, an gemeinsam entwickelten und auch so der Bedarf besteht, schnell austauschbaren Komponenten besteht.

Das grosse Anwendungspaket wird immer mehr den kleinen, schlanken Services weichen, die sich beliebig auf webbasierten Plattformen verknüpfen und bereitstellen lassen.

Fat Clients werden immer mehr in den Cloud Diensten aufgehen, die über eine elegante aber leichtgewichtige Browserschnittstelle oder ein Gui Framework wie Eclipse genutzt werden können. Zudem lassen sich solche Anwendungen sehr einfach auch auf Mobile Endgeräte wie Tablet PCs oder Smartphones bringen.

Zusammenarbeit in virtuellen Teams, übergreifender Wissenstransfer und die Teilhabe und Teilnahme in Entwicklercommunities müssen Einzug halten, wenn man die Fachleute der neuen Generation in sein Unternehmen holen will. Wer dogmatisch an seinen bisherigen Entwicklerprozessen und Werkzeugen klebt, wird bald erfahren, dass sich die Expertn anderweitig orientieren.

Nichts ist so alt, wie der Prozess und die Technologien von heute, der Softwareentwickler von heute orientiert sich in seiner Entwicklung bereits an den kommenden Trends und baut Systeme, die sich schnell modifizieren oder austauschen lassen.

Das kann, wenn es entsprechend gewürdigt wird, ein deutlicher Vorsprung vor der Konkurrenz und damit ein Marktvorteil sein, denn derartig aufgestellte Entwicklerteams können neue Technologien hochgradig flexibel adaptieren und laufen nicht Gefahr, einmal etablierte Prozesse unhinterfragt bis in alle Ewigkeit weiter zu betreiben.

Das EBook ist keine Konkurrenz zum Buch, eine Streitschrift

Zunächst. Ich nutze einen EBook Reader. Und ich habe es genossen, im Urlaub 7 Bücher dabei zu haben, die ich auch alle gelesen habe (nein, ich schaue abends in der Regel kein Fernsehen, sondern lese lieber).

ABER: Es gibt immer noch Aspekte, die ich am klassischen Buch schätze und Defizite vor deren Klärung ich mich nicht wirklich auf eBooks einlassen werde. Grösstes, elementarstes Manko. So lange EBooks noch mit DRM verkauft werden, kommen sie für mich als primäre Lesequelle einfach nicht in Frage. Ich kann sie nicht verleihen, wenn ich sie in der Familie weitergeben will, braucht jeder einen EBook Reader, was mir, zumal die EBooks gleich teuer wie ihre sehr einfach verleihbaren, und ohne Strom nutzbaren papierenen Vorfahren sind. Zudem scheint die ganze EBook Szene sich wieder von den gut lesbaren und mit langer Batterielebensdauer zu den schlecht lesbaren TFTs und leuchtenden Bildschirmen zu wandeln, deren Batterielaufzeit für die Lektüre eines Buches ebenfalls eher schlecht ist.

Zum anderen muss selbst ich gestehen, dass ich auch bibliophil im Sinne eines Bücherfreundes bin. Gerade bei besonderen Editionen, greife ich manchmal zu, weil ich gerade das mir so ans Herz gewachsene Buch in einer edlen Form haben möchte.

Und da ich auch ein Bücherwurm mit manchmal etwas besonderen Interessen bin (siehe das Gesamtwerk von Pepys) gibts es für meinen literarischen Geschmack noch viel zu grosse Lücken. Ach ja, und  nochmal. Mit DRM werde ich nie ganz auf eBooks umsteigen. Vielmehr erwarte ich von der Buchbranche eine Lösung, die es mir erlaubt, ein Buch sowohl in Papierform als auch als EBook zu lesen, ohne gleich zweimal für das gleiche Werk zahlen zu müssen. Und dann ist da noch das Problem des gebrauchten Buches, des Weitergebens eines gelesenen Buches und besonders für mich als bibliophilen Menschen und das mag jetzt old school oder rückschrittlich klingen. Mir fehlt auch die physische Präsenz eines schön gebundenen Buches mit Leineneinband im Regal.

Wie seht ihr das werte Leser? Selbst ich als early adopter bin im Moment hin- und hergerissen und habe zum Beispiel bereits festgestellt, dass die wenigen mit DRM verhunzten Bücher, die ich mir bislang bei Online Buchhändlern gekauft habe nicht wirklich in meinem Besitz sind, daß ich sie z.B. nicht so einfach an meine Frau weitergeben kann, die zwar auch einen EBook Reader hat, aber auf dem die DRM Bücher extrem langsam geöffnet werden und die Kapitelwechsel extrem lange dauern.

Für mich gibt es drei Knackpunkte, die für mich den Hype um EBooks wieder stark dämpfen könnten.

a) Die sehr gut und angenehm lesbaren und zudem sehr energiesparenden EInk Displays weichen wieder den leuchtenden mit kurzer Laufzeit behafteten Displays solcher Devices wie dem IPad, das definitiv kein guter EBook Reader ist. Für mich ist die Aufgabe eines EBook Readers, ein möglichst optimales Leseerlebnis zu bieten. Dazu brauch ich weder WLan Anschluss, noch EMail Abfrage, Kalender oder gar Textverarbeitung. Dazu brauche ich ein auch in der Sonne sehr gut lesbares Display, einen EBook Reader unter 50 Euro und eine möglichst lange Batterielaufzeit

b) Es bleibt weiterhin beim DRM, was das Weitergeben eines ausgelesenen Buches sehr schwer macht, wohingegen ich einen Roman in Papierform sehr einfach einem Freund geben kann. Zumal ich auch nie weiß, ob der andere mein EBook Format überhaupt auf seinem Reader lesen könnte? So lange es hier noch mehrere Formate gibt, ist auch das eine elementare Hürde.

c) Ich muss mir ein Buch in Papierform als EBook nochmal kaufen. Solange das noch der Fall ist, werde ich mir jedes Buch, das  mir für längere Zeit zur Verfügung stehen soll, lieber in Papierform kaufen, denn was passiert, wenn mein EBook Reader kaputt geht? Dann ist dank idiotischem DRM das EBook ggf. weg oder es kostet mich indirekt nochmal was, da ich mir ja einen neuen EBook Reader anschaffen muss, der an sich ja nur sehr teure Hülle für ein Buch ist. Das Buch aber, wenn es auf dem Reader gespeichert ist, hat keinen wirklichen Wiederverkaufswert, zumindest nicht in einer von DRM verseuchten unterschiedlichen Formaten von EBooks und einer im Gegensatz zum Buch unklaren Rechtslage, was das Buch angeht.

EBooks sind an sich eine geniale Idee. Aber auch hier haben sich die Anbieter wieder zu sehr in verschiedenen Formaten und in einer viel zu schnellen Modellwechselquote verheddert, anstelle sich auf das EBook an sich zu konzentrieren. Es wäre so einfach. Jedes papierene Buch, z.B. jedes Hardcover hat als Beigabe einen speziellen Code, mit dem man sich die DRM freie EBook Version herunterladen kann.

Jetzt bitte ich um Kommentare, oder sollte ich hier etwa recht haben?

Verdi und die Zensur: Sie haben NICHTS gelernt Update

Noch bin ich Mitglied bei Verdi, doch je mehr ich darüber lese, wie Verdi mit Urheberrechten und Zensurinfrastrukturen umgeht packt mich die kalte Wut. Wie dumm kann man eigentlich sein, genau die Zensurinfrastrukturen zu fordern, die dann ggf. auf einen selbst zurückfallen können: Aber lest selbst: ver.di will (irgendwie) Stoppschilder gegen Urheberrechtsverletzungen und auch „Gewerkschaft Verdi fordert Netzüberwachung gegen Urheberrechtsverletzungen„.

Für mich nicht verstehbar, wie eine Gewerkschaft so etwas tatsächlich fordern kann.

Sollte das wirklich die offizielle Linie von Verdi werden, werde ich meine Mitgliedschaft nochmal ernsthaft überdenken müssen. Denn dann fühle ich mich als Digital Native und Informatiker nicht nur nicht mehr vertreten, sondern sogar bekämpft.

Update: hier das aus meiner Sicht unsägliche Papier: https://medien-kunst-industrie.verdi.de/medien/data/ver.di-Bundesvorstand-Positionspapier-zum-Urheberrecht-7-Seiten.pdf

Besonders traurig stimmt mich der Absatz:
„ver.di zollt Künstler/innen und Publizist/innen Respekt, die sich im Rahmen des Urheberpersönlichkeitsrechtes für das Modell kostenloser Lizenzen (Open Source oder Creative Commons) entscheiden. Für ver.di kann aber unentgeltliches ge-meinwohlorientiertes Arbeiten, das nur in Ausnahmefällen neue existenzsichernde Einnahmequellen erschließt, keine Richtschnur für gewerkschaftliches Handeln in der Tarif-, Vergütungs- und Netzpolitik sein.“

Und hier ist in typischem Verdi Deutsch die verklausulierte Aufforderung zur Einrichtung einer Zensurinfrastruktur: “

„Ziel ist technische Instrumente zu finden, die es ermöglichen, dass beim Aufruf einer Seite mit illegalen Angeboten ohne Re-gistrierung der Nutzer/innen-IP auf dem Monitor eine – von dazu legitimierten In-stitutionen vorgeschalteter – Information über die Rechtswidrigkeit des Angebots und dessen Nutzung erscheint. Der Anbieter illegaler Angebote muss im Vorfeld über das Vorhaben informiert und ihm ein Widerspruchsrecht eingeräumt werden. Ein entsprechender Regelungsrahmen und auch auf Verlangen der Urheberinnen und Urheber zur Kennzeichnung legitimierte Institutionen sind zu schaffen.“

Update: Sie blamieren sich immer mehr: Jetzt warnt Verdi vor „irreführender Berichterstattung von netzpolitik.org„.. Sagt mal ihr da in Berlin . GEHTS NOCH? Wer hat euch den ins… .nnnee ganz ruhig bleiben. ICh besorg mir erst mal ein Austrittsformular und beobachte, ob die noch zu Verstand kommen….

Zeitverschwender: Sperrt nicht Facebook, sperrt Powerpoint und Meetings

Laut heute.de (dank an mahrko für den Link) ,sperren viele deutsche Unternehmen Social Media für ihre Mitarbeiter aus Angst vor Sicherheitslücken, aber auch aus Angst vor Arbeitszeitverschwendung. Nun gut, das stimmt, damit werden sicherlich einige Mitarbeiter ihre Arbeitszeit vertrödeln (obwohl ich, wenn ich mich so in meinem Umfeld umhöre die meisten ja noch nicht mal richtig wissen, was dieses Internet genau ist, geschweige denn Facebook oder Twitter bedienen können bzw. wollen „Ich wüsst ja garnicht, was ich da schreiben soll.. oder auch.. des naimodische Zeuch brauch ich nett).

Ich hätte aber eine bessere Idee, was deutsche Unternehmen sperren sollten, um die Produktivität ihrer Mitarbeiter zu steigern. Unnötige Meetings. Wie viele Meetings werden nur wegen  Kontrollwahns  anberaumt, bzw. weil man sich vergewissern will, dass alle Mitarbeiter auch anwesend sind (körperlich natürlich, geistig ist ja nicht direkt messbar und deshalb auch nicht verlangt). Wie oft werden sinnlose Powerpoints an Leinwände geworfen mit Informationen, die die Teilnehmer entweder schon kennen, oder mit denen sie nichts anfangen können.

Auch sehr beliebt: 2 stündige Meetings, bei denen der einzelne maximal 10 Minuten für sich persönlich sinnvollen Inhalt erfährt.

Auch immer wieder gerne genommen. Excelschlachten, wenn der Mitarbeiter seine Urlaubsplanung im Team in ein Excel, im Projekt in ein Excel, dann noch in einen Urlaubsplaner, in eine Zeiterfassung und auch noch in den elektronischen Kalender eintragen soll.

Versteckte Zeitverschwender weiterhin: Bezahlung nach Arbeitszeit anstelle von Zielerreichung  (dann dehnt sich die für die Arbeit benötigte Zeit bei manchen Arbeitnehmern und auch bei manchen Managern erstaunlicherweise exakt so weit aus, dass die zur Verfügung stehende Arbeitszeit gefüllt wird).

Oder die allseits beliebte Dienstreise für ein 1 1/2 stündiges Meeting, bei der An- und Abreise bereits dreimal so lange dauern.

Gerne genommen auch Kollegen, die jede Arbeit an andere delegieren oder so unfreundlich und unkollegial operieren, dass man deren Arbeit letztlich doch auch noch  selbst macht.

Meine These: Wer Zeit verschwenden will, der braucht dazu kein Facebook und kein Twitter, ja nicht mal das böse Internet. Der braucht nur ein paar konsequent angewandte Managementtechniken und Tools, gewürzt mit einer gewissen Arroganz und viel Unkollegialität. Aber das kann man leider nicht sperren. Obwohl ich DAFÜR gerne einen Filter hätte. Würde die Arbeit manchmal wirklich beschleunigen!

Oh, oh, oh und wo wir schon dabei sind: Könnte jemand nen Filter für all die Gespräche über Fussball/Autos/das Wetter/Das letzte Wochenendbesäufnis erfinden, die mir wenn nicht aktiv Zeit rauben so doch oft tierisch auf den Senkel gehen mich absolut nicht interessieren, und mit Sicherheit so manche viertel- bis halbe Stunde Arbeitszeit kosten?? DANKE!

Update: Ich wusste, ich hatte über das Thema schon mal irgendwo nen guten Artikel gelesen……. Webschnüffelagent steht grade USB Kabelwedelnd vor mir mit Fundstück in der Schnittstelle: Internet und Produktivität: Zeitverschwendung versus Effizienzgewinn

Daheim an jedem Ort der Welt. Die Chancen von Location Based Services

Eine Technologie, die in meinem Umfeld von vielen noch mit einem Lächeln bedacht wird sind die Location Based Services also ortsbezogene Dienste.

Die Technik ist denkbar einfach und in immer mehr Smartphones und mobilen Endgeräten verfügbar. Es bedarf lediglich eines GPS Empfängers und eines Zugangs zum Internet, idealerweise über eine Flatrate.

Beides verbreitet sich im Moment auch dank neuer Devices wie Smartphones und Navigationsgeräten mit sogenannten „Live“ Diensten, also Serviceleistungen, die direkt aus dem Internet geladen werden immer weiter.

Als einfachste Beispiele seien hier nur positionsabhängige Verkehrsdaten genannt, die in das Navigationsgerät des Nutzers eingeblendet werden. Das ist mittlerweile sehr dynamisch und aktuell möglich. Denn jedes Gerät, das einen Zugang zum Netz besitzt und den mobilen Dienst nutzt, meldet entweder über die Veränderung der Netzzelle des Mobilfunkgeräts (TomTom) oder über die Veränderung der Position des Navis (Navigon) an zentrale Server Mobilitätsdaten aus denen zeitnah viel genauere Verkehrsprognosen errechnet werden können, als bislang möglich.

Aber denken wir weiter. Dienstleistungen, die ich unterwegs benötige, sind ortsbasiert abrufbar, z.B. das nächste Restaurant, Hotel, die nächste Werkstatt. Verbinden wir dies noch mit Bewertungsportalen wie doyoo, guenstiger.de, qype oder ähnlichen und wir haben ein lokales Empfehlungssystem das ähnlich funktioniert wie der Tipp des guten Freundes vor Ort.

Was heisst das aber? Unternehmen müssen sich viel mehr mit dem Image und den Bewertungen in solchen Portalen ausseinandersetzen, denn es kann schnell passieren, dass durch ein negatives Ranking die Kunden, geleitet von solchen mobilen Diensten den nächsten Konkurrenten aufsuchen.

Ins Extrem gedacht warte ich nur auf die erste Anwendung, die anhand der aktuellen Position, der Preise umliegender Geschäfte und der Kosten für die Fahrtstrecke (Benzin, Fahrzeugkosten) den günstigsten Händler auswählt, der nicht mehr zwangsweise im selben Ort liegen muss!

Wir sehen, der Kunde, speziell der gut informierte oder ausgerüstete Kunde erhält plötzlich viel mehr Wahlmöglichkeiten. Aber auch für die Unternehmen selbst sind solche Dienste interessant. Zum einen kann der Außendienst damit oft effektiver operieren, hat er doch neben den Kundendaten auch die optimale Route zum Kunden, günstige Übernachtungsmöglichkeiten und lokale Nachrichten stets dabei.

Denkbar ist zudem ortsbezogene Werbung. Diese darf aber nicht als Selbstzweck daherkommen. Sie muss verknüpft sein mit einem Mehrwert. Klassisch geht das über die Dienstleistung, die entweder kostenpflichtig ohne Werbung oder kostenfrei mit dezenter Werbung daher kommt.

Selbst Kulturinstitutionen können sich Location Based Services zu Diensten machen. Das Museum, das auch im Smartphone oder Navi auftaucht, wird sicher in Zukunft mehr Besucher anziehen, als das nicht aufgeführte.

Und unsere sozialen Netwerke können wir in Zukunft mittels Location Based Services viel dynamischer verknüpfen, Treffen werden informeller möglich.

Habe ich in Zukunft Gesprächsbedarf z.B. zu einem beruflichen Problem oder suche ad hoc ein Team für eine bestimmte Aufgabe, ist durchaus denkbar über Dienste wie Foursquare oder Gowalla die Menschen im Freundeskreis zu finden, die für die aktuelle Aufgabe greifbar sind, und ggf. gleich ein Treffen zu vereinbaren.

Und es gibt sicher noch Anwendungsfelder, die noch nicht mal angedacht sind. So kann ich mir einen Dienst vorstellen, der Menschen auffindet, die gerade im befreundeten Umfeld sind und dieselben sportlichen Interessen haben, um z.B. einen Partner für eine bestimmte Sportart zu finden (quasi die Foursquare Tennis App). Ebenfalls gerade im Entstehen ist ein Dienst namens piggyback, der abhängig vom aktuellen Ort Mitfahrer findet und somit die Effizienz des privaten Transports steigern könnte. Ich muss nur prüfen, wer in meiner Umgebung gerade Mitfahrbedarf in eine bestimmte Lokation hat und kann spontane Fahrgemeinschaften bilden.

QR Code von Living the future
QR Code Living the future

Auch Coworking beginnt sich bereits mit mobilen Diensten zu verknüpfen, so daß ich als mobiler Mitarbeiter nicht mehr zwangsweise in die Zentrale kommen muss, sondern mir, z.B. bei Staus auf der Autobahn zum Arbeitsplatz eine vernetzte Arbeitsmöglichkeit in der Umgebung suchen kann und von dort remote arbeiten. Natürlich geht dies einher mit einem „Cultural Change“, denn dann muss es dem

Mitarbeiter auch möglich sein, HomeOffice oder CoWorking in Anspruch zu nehmen. Dies wird aber in unserer sich stark in Richtung Wissensarbeit verändernden Arbeitswelt in Zukunft ein immer geringeres Problem werden.

So wie heute Soziale Netzwerke uns virtuell über Orts- und Zeitgrenzen hinweg vernetzt halten, werden es Location Based Services in der Zukunft auch im realen Leben tun.

Ein ganz neues Konzept sind die sogenannten StickyBits, QR-Codes, die man mit eigenen Informationen befüllt an reale Objekte haften kann. Ausgelesen offenbaren sie dann ihre geheime Botschaft. Hier ein Beispiel:

Ein StickyBit von mir

Der nächste und nur konsequente Schritt wird dann von den Location Based Services zur „Augmented Reality“ gehen. Darüber demnächst mehr in diesem Blog.

„Home is where my hat is“, dieser Satz wird bald eine viel tiefere Bedeutung erhalten.

Update: Noch ein interessanter Artikel, der in eine ähnliche Kerbe schlägt kommt, man lese und staune vom Buchmesseblog unter dem Titel: Vernetzte Welten

Sorgfalt und Schnelligkeit. Wenns schnell gehen muss gehts selten gut

Etwas, das ich mir vom „Markt“ wünschen würde wäre, dass neben der immer schnelleren Lieferung, Fertigstellung und der Bedingung, noch mehr zu optimieren auch Entschleunigung als Qualitätsmerkmal wieder gewinnen würde.

Es gibt Reparaturen, da wünsche ich mir eine hohe Sorgfalt bei der Bearbeitung, da muss es nicht schnell gehen, sondern richtig, sorgfältig, und qualitativ hochwertig. Ein Auto bringe ich in die Werkstatt, weil ich es möglichst so gewartet haben will, dass alles gemacht, alle Fehler gefunden alles sauber und gut durchgeführt wird. Das beisst sich manchmal aber damit, dass alle heute nur auf das Geld schauen, dass alles schnell gehen muss, und dann eben nicht wirklich so sorgfältig wie gewünscht. Auch in der Projektarbeit werden oft Zeitrahmen gesteckt, die eher auf Kostensparen durch möglichst schnelle Erledigung zielen, als auf Sorgfalt in der Ausführung.

Es wäre manchmal sinnvoll, die notwendigen Nachbearbeitungen mit einzuberechnen, wenn man ein Angebot schreibt, das zeitlich sehr eng gestrickt ist. Ich bin mir sicher, viele Grossprojekte der öffentlichen Hand wären dann auch in ihren Kostenschätzungen besser, wenn man ehrlich ein gewisses Maß an Verzögerung, and Sorgfalt in die Planung mit einbeziehen würde. Wenn ich einen Handwerker habe, der mir die Fliesen an die Wand knallt oder die Küche so schnell wie möglich installiert, dann ist das Risiko hoch, dass dabei etwas falsch läuft, vergessen wird oder einfach so gemacht wird, wie immer, anstelle sich auf eine neue Gegebenheit einzulassen.

Wir sollten wieder entschleunigen. In allen Bereichen.

Im Moment geht oft Quantität vor Qualität. Schade eigentlich. Oder, was ich immer gerne anbringe: Effzienz vor Effektivität 😉

Der Trend hinter dem Trend: Informationsfilterung und Aufbereitung

IBM nimmt einen neuen Anlauf, die Informationsflut zu kanalisieren: „Social Lens“ solls diesmal richten.
Noch bleibt abzuwarten, inwieweit das Werkzeug wirklich die Flut bändigen kann, was aber hier offensichtlich wird. Die großen Player haben erkannt, dass es längst nicht mehr um die Bereitstellung von Informationen geht, sondern der nächste Megatrend und die nächste Killerapp eine Anwendung ist, die über alle Informationskanäle hinweg Informationen sammelt, sortiert, filtert und ggf. sogar aufbereitet.

Ich nutze diverse Informationstools um meinen täglichen Nachrichtenkonsum auf meinen Bedarf zurecht zu filtern, aber selbst hier beginnt es schon wieder zu zerfleddern. Ich will kein eigenes Tool für Twitter, für RSS, für Facebook.

Was ich als nächste Vision habe, ist ein grundlegendes Protokoll für ALLE Nachrichtendienste (ist es RSS, Atom, XML??) das sich auf einfache Art extrahieren lässt, das Metainformationen über die Inhalte bietet und das damit für entsprechende Tools eine ideale Aufbereitung bietet. Erste Ansätze hierzu sind schon vielversprechend, wie das Werkzeug feedly beeindruckend darlegt. Eine Übersichtsseite, die mit dem Start meines Browsers alle für mich relevanten Infokanäle in Form einer Zeitung aufbereitet. Das ist meiner Ansicht nach die größte Konkurrenz für die klassischen Printmedien. Personalisierte, vor gefilterte Information, zugeschnitten auf meine Bedürfnisse. Und es mögen die Auguren des Bösen jetzt sagen, damit schränke ich meinen Horizont doch ein, weil ich nur noch lese, was mich interessiert. Dazu sage ich nur, ja richtig, in den meisten Fällen habe ich auch nur die Zeit dafür, das zu lesen, was ich für mich als relevant ansehe. Den Tellerrand verlasse ich aber dennoch. Nur brauche ich für die tägliche Information einen zurechtgestutzten Infodienst. Und dieser wird in der Zukunft dynamisch als Internetplattform bereitstehen. Verschiedene Ansätze existieren, jetzt ist es an der Zeit, diese zu unifizieren. Denn der Informationbroker wird wiederkommen. Aber vermutlich automatisiert als App, nicht mehr als Person.

Hier wird auch das Semantic Web eine weit bedeutendere Rolle spielen, als es in der Öffentlichkeit bislang zu spielen scheint. Metainformationen über Inhalte werden an Bedeutung gewinnen, sobald die Filtersysteme auch bei grösstmöglicher Filterung dennoch überlaufen. Dann wird es wichtiger, nach Themen zu sortieren, aus mehreren Texten ggf. einen einzigen zu extrahieren und zu kürzen. Automatisierte redaktonelle Arbeit wird final gar elementar für Journalisten werden, um eine umfassende Recherche zu einem Thema überhaupt noch zu erlauben. Ich sehe in der Zukunft neben der DPA auch eine DIA eine Deutsche Infobroker Agentur, die sich auf die Bereitstellung von zusammengefassten Dokumenten und Infodiensten zu Themen spezialisiert.

Sehr positiv finde ich die Aussage „Die Software zu bedienen, müsse noch einfacher werden, räumt IBM-Mann Michael Muller an. Außerdem müssten weitere Tests zeigen, dass das Filtersystem definitiv besser als andere Lösungen ist.“, denn im Idealfall wünsche ich mir den Dienst mit einer initialen Konfiguration. Danach sollte das System quasi im Hintergrund operieren und Adjustierungen sehr intuitiv und einfach möglich sein.

Social Media kann man nicht verordnen, nur ermöglichen

Einer der grössten Irrtümer, speziell im Geschäftsumfeld ist:“ Wir führen jetzt eine Social Media Plattform ein und dann müssen die Mitarbeiter damit arbeiten“. So geht das nicht. Social Media ist eine Frage der Einstellung, des Charakters und gute Social Media braucht auch einen gewissen Spassfaktor und Freiheitsgrad. Wenn ich von oben verordne: „Ihr macht jetzt Social Media“ dann klappt das nicht. Nicht jeder Mitarbeiter ist gerne aktiv.Wir wissen aus verschiedenen Studien, dass maximal ca. 1% überhaupt aktiv und andauernd Content erzeugen, dann evtl. noch 9 % zumindest empfehlen und/oder kommentieren oder gelegentlich etwas schreiben und der Rest liest.

Der Mehrwert entsteht dynamisch, und das lässt sich nicht erzwingen. Einzig eine gute Plattform als Grundlage wie z.B. Connections von IBM kann im Businessbereich den Einstieg erleichtern. Und eine Social Media Policy (etwas, das ich immer wieder gebetsmühlenartig predige), die den Mitarbeitern das notwendige Wissen ob der Möglichkeiten und ihrer erlaubten Aktivitäten aufzeigt (nicht etwas im Stile von: Ihr dürft dies nicht, ihr dürft das nicht… Wir wollen ja, dass die Plattform ohne Angst und kreativ genutzt wird)