Ein Plädoyer für mehr Bildung

Je häufiger ich über neue Reformen, die Effekte des Bachelor/Master Systems oder ein 12 jähriges versus ein 13 jähriges Gymnasium lese, um so häufiger frage ich mich, warum wir eigentlich immer nur über die Form, und so selten über die Inhalte diskutieren. Bei dem, was gelehrt wird, scheint man mittlerweile zu dem Konsens gekommen zu sein, dass nur was später im Beruf auch nützlich ist, lehrenswert ist.

Aber wo bleibt da die Kultur, die Ethik, der Sinn für imaterielle Werte? Sicher, es gibt diese Fächer wie Kunst, Musik, Ethik/Religion noch. Aber wie sagte mein Sohn neulich, sehr klar das Prinzip Ausbildung durchschauend. Mist, jetzt hab ich ne 1 in Kunst, in so nem Fach, das mir später gar nix bringt.

Ist es nicht traurig, wenn schon in der Schule nur noch jene Fächer als wertvoll angesehen werden, die auch „für den Beruf“ nützlich sind? Wenn alles sich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien ausrichtet (die übrigens eine Mitschuld an der aktuellen Misere tragen). Ich wage zu bezweifeln, dass soziales Denken, Nachhaltigkeit oder auch bewußter, vernünftiger Konsum es leicht haben, in Curricula integriert zu werden. Diese Themen locken halt keinen Hund(t) hinterm Ofen vor, wenn es später um den Beruf geht. Dabei denke ich gerade in unserer vernetzteren, komplexeren Welt bedarf es mehr soft skills, mehr über den Tellerrand schauen und ja, auch mehr kulturellem Verständnis. Bildung ist eben nicht nur Ausbildung zur Berufsbefähigung sondern Bildung fordert den reifen, den gereiften Menschen, der reflektieren, hinterfragen kann.

Aber wahrscheinlich wäre so jemand ja eigentlich eher hinderlich in der Wirtschaft, oder?

Immer wieder wird in der Wirtschaft der Ruf nach innovativen Ideen laut, nach Querdenkern. Aber woher sollen die denn bitte kommen, wenn man ihnen in den Bildungsanstalten oder heute besser Ausbildungsbetrieben (dazu zählen auch Universitäten mittlerweile, seitdem der Bachelor mehr den Charakter einer Schulausbildung hat)  nur für die berufliche Erwartungshaltung der Topmanager aubildet? So lange Ausbildung sich an dem orientiert, was die Wirtschaftsverbände fordern, wird es hier kaum Besserung geben, mal abgesehen von ein paar wenigen mutigen wie der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, die zumindest ein  individuelles Profilstudium mit interdisziplinären Lehrveranstaltungen in den Bereichen Individual-, Sozial-, Fach-, Methoden- und Medienkompetenzen anbietet.

Schön zu lesen dazu unter anderem auch immer wieder die Kolumne von Gunter Dueck, aktuell passend:

Über Bildung, Schulvollpfropfen und Bachelorziegelsteine (Daily Dueck 168, Juni 2012)

Wir müssen uns um den Kunden kümmern, jenseits von Rendite und Profit

Was zeichnet für mich ein gutes Unternehmen und eine gute Kundenbeziehung aus?

Grundsätzlich das Gefühl, dass ich nicht wegen meines Geldes umsorgt werde, sondern weil man mich als zufriedenen Kunden haben will. Das scheint aber noch nicht überall durchgedrungen zu sein. Und gerade bei Kleinigkeiten zeigt sich das immer wieder.

Ein gutes Hotel bietet mehr, als nur das obligatorische Stück Schokolade auf dem Kopfkissen. Warum muss ich in einer Zeit, in der die meisten Geschäftsreisenden sowieso mit UMTS unterwegs sind noch für das WLan zahlen? Und warum sehen in den meisten Hotels die Zimmer ähnlich aus?

Es sind oft die Kleinigkeiten, die mir vor Augen führen, ob man mich als Kunden schätzt oder nur als Geldlieferant. Das Beispiel mit unserem Trampolin zeigt das ganz schön. Obwohl wir keine Rechnung mehr vorliegen hatten, wurden uns die gebrochenen Standfüße anstandslos ersetzt. Wenn der Kunde erst mal gewonnen ist, beginnt die eigentlich schwierige Phase. Ich will heute als Kunde umsorgt werden, ohne gleich für jede Kleinigkeit bezahlen zu müssen. Es ist ein Unding, welche Gebühren oft in Hotlines anfallen, schon wenn ich nur eine kleine Frage zu meinem Vertrag oder dem Produkt habe.

Aber leider scheint es ein Phänomen der heutigen Zeit zu sein, dass die Produkte, die wir erwerben eigentlich bei jeglicher kleinen Fehlfunktion auf den Müll sollen. Das Unternehmen, dass mir nach dem Erwerb ihres Produktes auch danach noch hilft, dass mich auch mal ohne Gebühren oder hohe Zusatzkosten unterstützt und mir hilft, wird mich langfristig als Kunden behalten.

Die Zeiten des dummen, unreflektierenden Konsumenten neigen sich dem Ende. Wir sind informierter und beachten auch den Service nach dem Kauf. Ich glaube, in naher Zukunft werden Unternehmen, die ihre Kunden mit austauschbaren Call Center Agenten abspeisen, Probleme bekommen. Ich will kompetent und KORREKT beraten werden, und das nicht erst, nachdem ich einen Experten angefordert habe. Der Experte muss der ERSTE sein, der mit mir spricht.

Und wenn ich nur als Neukunde von speziellen Angeboten profitiere, brauchen sich Unternehmen nicht zu wundern, wenn die Kundschaft permanent die Verträge kündigt, um danach neu abzuschließen. Rabatte müssen für ALLE gelten, oder sie gelten für mich gar nicht mehr, weil ich den Anbieter wechsle. Denn merke: Auch das ist in Zeiten des Internet so einfach wie selten zu vor.

Wer sich um die Details kümmert, wer mir zeigt, dass er sich um mich als Gast, Passagier, Kunden Gedanken macht auch lange nachdem ich mein Produkt bezahlt habe, der gewinnt auf lange Sicht. Der beste Service für mein Auto kommt nicht aus einer großen Vertragswerktstatt, sondern von einem kleinen Händler, der uns ehrlich berät, uns anschreibt, wenn wichtige Termine anstehen, uns auch mal drauf hinweist, dass irgendwas nicht notwendig ist, oder wir mit etwas Geld sparen können. Eben jemand, bei dem ich den Eindruck erwecke, nicht er will an uns möglichst viel verdienen sondern er will uns als zufriedene Kunden haben. DAS ist aber in Zeiten von Großkonzernen und Wandermanagern, die von Konzern zu Konzern ziehen und zusammen mit den realitätsfernen Beratern nur noch an der Rendite schrauben und lediglich den Shareholdervalue betrachten. Euch sei eins gesagt. Beispiele wie Nokia oder jüngst Schlecker zeigen vor allem ein. Wer über der Rendite und dem Gewinnstreben Mitarbeiter UND Kunden vergisst, der wird nicht mehr lange da sein.

Der Kunde ist ein scheues Reh. Aber eines, das andere Futterquellen kennt.

Das neue Leistungsschutzrecht. Zitiert, so lange es noch geht

Wenn man sich den Gesetzsentwurf zum neuen Leistungsschutzrecht ansieht, ist das ein Totalangriff auf alle, die im Netz auch nur ansatzweise professionell bloggen. Selbst wenn ich nur auf meinem privaten Blog auch Werbung schalte, kann ich von der Contentmaf.. aeh von den Verlegern schon abgemahnt werden.

Das kann nur eines heißen. Wir müssen dagegen angehen. Wir müssen aufklären, die Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass wir bald wieder in einer Welt leben, in der nur durch die offizielle (Staats?-)Presse Informationen verteilt werden und jeder, der dazu im Netz eine eigene Meinung kundtun, mit dem Damoklesschwert der Abmahnung bedroht wird.

Udo Vetter hat hierzu unter dem Titel: Digitial kastriert eine sehr gute Analyse geschrieben.

Wer denn Gesetzentwurf direkt nachlesen will, findet ihn hier: http://www.irights.info/userfiles/RefE%20LSR.pdf

Und hier kann man eine Petition gegen das verschärfte Leistungsschutzrecht mitunterzeichnen: http://openpetition.de/petition/online/freiheit-im-internet-das-mindestmass

Neunjährige Foodbloggerin muß ihren Blog schließen! Update: Sie darf weitermachen!!

Ich rufe ja nicht zu einem Shitstorm auf, aber ich hoffe doch schon irgendwie, dass aus dieser Nachricht ein Shitstorm entsteht. Die neunjährige Martha Payne und ihr Blog „Never Seconds“ die Qualität ihres Schulessens dokumentiert und damit international für Aufmerksamkeit und in ihrer Schule für besseres Essen gesorgt.
Nun hat sie einen Maulkorb bekommen und muß ihr Blog schließen, denn sie darf keine Fotos mehr in der Schule machen! Das geht ja wohl gar nicht. Ich hoffe, es gibt einen riesigen Aufschrei in der Community und wir alle sollten Martha dringenst helfen, auch in Zukunft weiter bloggen zu dürfen. So was nenne ich Zensur!
Heute hat sie ihren letzten Blogeintrag geschrieben. Von der Schule wurde ihr verboten, weitere Fotos zu machen und Die Anweisung kam direkt von den Behörden der Region Argyll and Brute in Schottland, also dem Bezirk von Marthas Schule.

Ich hoffe, das erzeugt einen riesigen Aufschrei, wer den Politikern dort die Meinung sagen will, kann dies via Twitter oder auch direkt bei den Behörden von Argyll tun!
Und falls der Blog wirklich ganz verschwinden sollte, hier noch mal ihr letztes Posting:
Bin ehrlich gesagt fassungslos über so ein Verhalten:

 

Thursday, 14 June 2012

Goodbye.

This morning in maths I got taken out of class by my head teacher and taken to her office. I was told that I could not take any more photos of my school dinners because of a headline in a newspaper today.I only write my blog not newspapers and I am sad I am no longer allowed to take photos. I will miss sharing and rating my school dinners and I’ll miss seeing the dinners you send me too. I don’t think I will be able to finish raising enough money for a kitchen for Mary’s Meals either.Goodbye,
VEGHi,
Veg’s Dad, Dave, here. I felt it’s important to add a few bits of info to the blog tonight. Martha’s school have been brilliant and supportive from the beginning and I’d like to thank them all. I contacted Argyll and Bute Council when Martha told me what happened at school today and they told me it was their decision to ban Martha’s photography.
It is a shame that a blog that today went through 2 million hits, which has inspired debates at home and abroad and raised nearly £2000 for charity is forced to end.Dave Payne
neverseconds@gmail.comUnter: http://www.argyll-bute.gov.uk/news/2012/jun/statement-school-meals-argyll-and-bute-council gibt es eine Stellungnahme des Argyll and Bute Council, das zeigt, dass sie offensichtlich nichts begreifen. Noch ein Grund mehr, Martha beizustehen.Update 2: Wer Marys Fund helfen will, kann dies unter http://www.justgiving.com/neverseconds tun. Seit diesem unsäglichen Verbot gehen die Spenden durch die Decke, Steigerung von über 250% ! 

Update 3: Nach dem großen öffentlichen Aufruf darf Mary nun doch weiter bloggen UND fotografieren! Ich freu mich sehr! http://www.bbc.co.uk/news/uk-scotland-glasgow-west-18454800#TWEET160058

Update 4: Und die Spendenaktion für Marys Fund hat mittlerweile über 500% mehr Spenden bekommen als geplant. So hat die Dummheit des School Council doch noch was gutes gehabt! Hier der Stand von 18:00 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Update 5: Ich glaube, das ganze werde ich noch etwas weiter begleiten und beobachten. Heute morgen ist der Spendenstand bereits auf unglaubliche 55,000 Pfund gestiegen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Update 6: Montag morgen und Martha hat mittlerweile mehr als das 1000 fache an Spenden bekommen, als eigentlich geplant war. Jetzt muss ich der Schulbehörde ja geradezu für diese Unwissenheit über den Streisandeffekt danken!

 

 

 

Geschäftsprozessmodellierung oder, warum es erst komplizierter wird, bevor es einfacher werden kann

Oft höre ich Menschen aufstöhnen, wenn sie mit dem Begriff Geschäftsprozessmodellierung konfrontiert werden. Ihnen graut vor Sitzungen voller Fragen darüber, was sie eigentlich tun. Oft besteht auch die Befürchtung, die Modellierung dessen, was der Mitarbieter tut, soll nur dazu führen, den Mitarbeiter zu ersetzen.

Dabei wird aber oft das Potential der Geschäftsprozessmodellierung verkannt, das für mich mit das wichtigste ist. Die Chance zur Vereinfachung, um Druck, um Stress aus Prozessen zu nehmen.

Dazu braucht es allerdings eine andere Grundprämisse zum Start der Modellierung, als so manch einer vermutet. Es gilt nicht nur, den Prozess zu dokumentieren, so wie er im Unternehmen gelebt wird, sondern bei jedem einzelnen Schritt die Notwendigkeit zu hinterfragen. Und das hat nichts mit dem Wunsch eines Arbeitsplatzabbaus zu tun. Meist verbirgt sich dahinter das Potential, unnötige Bürokratismen und sinnfreie aber geforderte Einzelschritte zu identifizieren, die lediglich Zeit kosten und durch ihre Sinnlosigkeit eher demotivieren denn motivieren.

Wichtig ist aber hier als erster Schritt, nicht die Steigerung der Leistung in den Fordergrund zu stellen, sondern die erreichbare Qualität in der gegebenen Zeit. Denn wir gewinnen nichts, wenn wir durch Geschäftsprozessmodellierung nicht auch den Druck aus den Prozessen nehmen. Unter Druck mag man kurzfristig Höchstleistung bringen können, auf die Dauer brennt man aber aus. Insofern bietet sich auch durch die Geschäftsprozessmodellierung ein noch wenig erkanntes Potential zum Abbau unnötiger Stressquellen. Primäres Ziel für einen guten Prozess muss neben dem optimierten und weitestgehend redundanzfreien Ablauf auch die Leistbarkeit unter Normalbedingungen sein. Somit modelliere ich einen Prozess, der auch in einer Notfallsituation noch gemeistert werden kann und im normalen Alltagsgeschäft nicht zu Überforderungen führt.

Letztendlich kann  ich nur empfehlen, überall da, wo der Eindruck entsteht, dass Mitarbeiter überlastet sind und Tendenzen zur Selbstausbeutung und damit in Folge zum Burnout vorliegen, sich die Prozesse, denen sich die Mitarbeiter unterwerfen zu analysieren und deren Sinnhaftigkeit intensiv zu hinterfragen.

Letztlich ist wichtig, die einzelnen Ergebnisgegenstände zu identifieren und deren Erreichbarkeit pro Entwicklungsphase zu definieren für eine NORMALE Arbeitskraft, also keinen langjährigen Experten.

Denn jeder Arbeitsprozess, der schon im Alltag am Rande des ressourcenmöglichen läuft, der wird zum Flaschenhals, wenn das Projekt oder die Arbeitseinheit unter Volllast operieren muß.

Geschäftprozess modellieren MUß auch immer zwei Fragen klären: Die Sinnhaftigkeit des Schrittes, und die Leistbarkeit mit gesundem und damit normalen Arbeitsaufwand.

Mehr Infos zu spezifischen Fragen der Geschäftsprozessmodellierung kann man zum Beispiel nachlesen bei Ali M. Akbarian in seinem Artikel: „GoPM: Gegenstandsorientierte Prozessmodellierung“ und auch bei Wikipedia und auf diversen anderen Webseiten finden sich ausführliche Beschreibungen verschiedener Variationen. Nach welcher Methodik man vorgeht hat letztlich auch etwas mit eigenen Präferenzen zu tun. Wichtig ist eine regelmässige Validierung und das Bewußtsein, dass Reduzierung eine der wichtigsten Komponenten sein sollte.

Secondscreen, oder wenn Social Media das Fernsehen wachküsst

Couchfunk mit dem bislang interessantesten all in one Angebot zum Second Screen Prinzip

Secondscreen, ein neues Buzzword, das nicht erst seit der re:publica in aller Munde ist. Was versteht man darunter? Im Prinzip ist es ganz einfach, es ist die Verknüpfung von Fernsehen und Social Media. Mit die ersten Nutzer waren Twitterer, die mit Leidenschaft und Verve TV Ereignisse kommentierten und kommentieren. So hat sich am Sonntag abend zum Beispiel eine regelmäßige Gemeinde etabliert, die über den neuesten Tatort diskutiert oder konnte man, selbst wenn man nicht zusah, den European Song Contest indirekt mitverfolgen.

Aber mittlerweile weitet sich das ganze auf spezielle Dienste aus. So bieten getglue.com oder  gomiso.com via Webseite oder mobile App die Möglichkeit, sich zu bestimmten TV oder Filmevents einzuchecken und damit ähnlich Foursquare Badges zu sammeln.
Ganz neu auch Couchfunk, das neben dem Einchecken auch noch die Kommentare zur Sendung aus verschiedenen Social Media Kanälen aggregiert und zentral bereitstellt.

Die Rundshow vom Bayrischen Rundfunk

Mittlerweile planen auch die großen TV Sender eigene Second Screen Anwendungen, so startete erst vor kurzem mit der Rundshow von Daniel Fiene und Richard Gutjahr eine Sendung, bei der der Zuschauer via Google Hangout bereits aktiv teilnehmen kann.

Wir sehen, selbst das klassische EinwegTV wandelt sich in Zeiten von Social Media zu einem interaktiven Kanal. Und wenn erst einmal jedes neu verkaufte TV Gerät auch Internet integriert hat, wird der Kanal zurück zum Sender noch an Bedeutung gewinnen. So wird langsam aber sicher aus einem Konsumentenprodukt ein Interaktionsprodukt. Und ich finde, dadurch können wir alle nur gewinnen.

Das Jahr der Blogs. Warum ein Blog ein mächtiges Instrument sein kann.

Ein Beispiel für Marthas Schulessen. Quelle: Marthas Blog "NeverSeconds"

Vermutlich dürften viele meiner Leser die Geschichte des neunjährigen Mädchens mitbekommen haben, die dadurch, dass sie ihr (offensichtlich sehr oft schlechtes) Schulessen dokumentierte nicht nur internationales Aufsehen erhielt, sondern auch dafür sorgte, das unter anderem Jamie Oliver auf sie aufmerksam wurde und letztenendes tatsächlich auch ihr Schulessen sich verbesserte, nachdem sich selbst örtliche Behörden eingeschaltet hatten.

Was mir das zeigt? Zum einen, dass die Relevanz der Blogs nicht durch Dienste wie Facebook oder Twitter verwässert wird sondern im Gegenteil eher noch steigt. Denn nur im Blog kann ich frei nach meinem Gusto, in meinem Stil meine Inhalte publizieren. Zum anderen sollten wir nicht die journalistische Kraft des Mediums Blog unterschätzen. Sicher, wenn es um komplexe Zusammenhänge geht, die nicht nur tiefe Recherche sondern auch die Möglichkeit, überhaupt Zugriff auf bestimmte Informationen zu erhalten bedingen, dann mag der „klassische Journalist“ noch im Vorteil sein. Aber über die Fakten, Tatsachen und auch Missstände im eigenen Umfeld kann niemand so gut berichten, wie ein Betroffener mit einem Hang zum Schreiben. Denn der Amateur ist, wie der Name schon sagt, oft derjenige, der sein Thema „amare“ also liebt. Und damit jenseits von Leserzwängen und Auflagen darüber schreibt, was ihm am Herzen liegt. Und wenn er Glück hat oder hinreichende Relevanz, dann streut die Geschichte oft viel dynamischer als sie das in den klassischen Medien tun würde.

Das Blog ist nicht tot, ganz im Gegenteil, es wird erwachsen, die Themengebiete etablieren sich, die auch längerfristig noch Leser finden und es bildet sich nach und nach eine mediale Symbiose aus klassischem Journalismus, Journalisten, die sich sowohl im klassischen Print wiederfinden als auch in der Bloggerszene und „reinen“ Bloggern.

Betrachtet man nur wie sich z.B: die ZEIT mittlerweile im Netz etabliert hat, so sieht man: Es geht auch beides, man muß nur aufhören zu klagen und handeln. Dann kann man sogar mit neun Jahren wirklich was bewegen!