Am 22. November ist es endlich soweit. Das Ergebnis aus über einem halben Jahr Begleitung von Jana Seelig, mir und meiner Familie wird um 22:15 Uhr im ZDF in der Reihe 37° ausgestrahlt. Auf den Seiten des ZDF gibt es noch mehr Infos zur Sendung.
Kennengelernt habe ich den Autoren Firas Alshater zuerst über das sicher vielen bekannte YouTube Video darüber, wie er in Berlin das Umarmungsexperiment gemacht hat und über seine ersten Eindrücke von typisch Deutschen.
Nicht nur die Botschaft des Videos sondern auch seine sympathische Art fand ich begeisternd. Als ich ihn dann auf der re:publica 2016 dank Manuela Braun (Danke Manu für die Einladung) persönlich kennenlernen durfte, bestätigte sich mein Eindruck. Ein fröhlicher, weltoffener, toleranter und hochkreativer Syrer. Den Flüchtling sah ich in ihm damals nicht und heute immer noch nicht.
Auch auf der Buchmesse durfte ich Firas treffen. Und wie nicht anders zu erwarten hatten wir viel Spass. War einfach Zuckaaarrrr
Um so mehr hat mich die Lektüre seines Buches „Ich komm auf Deutschland zu“ berührt.
Was dieser Mann alles in Syrien erlebt hat, wie viel Folter, Leid und Tot. Schon dafür bewundere ich, wie offen und fröhlich Firas immer noch wirkt. Sein Buch ist eine Offenbarung für alle, die nicht das Medienbild des syrischen Flüchtlings sondern die Erfahrungen aus erster Hand kennenlernen möchten. Eigentlich läuft das Buch in zwei Erzählsträngen. Da sind zum einen die Erlebnisse seit seiner Ankunft in Deutschland aber immer wieder auch Rückblenden auf seine Kindheit und Jugend in Syrien. Ja Firas, so wie ich dich kennenlernte bis du nicht 25 sondern seelisch bereits mindestens 35. Die Erlebnisse, teils erschütternd, teils so fassungslos grausam, dass ich versucht war, einige Abschnitte zu überspringen, dann aber weiterlesen musste, weil ich die ganze Geschichte kennen wollte, diese Erlebnisse aus erster Hand zeigen die ganze Grausamkeit eines Krieges, den wir nur noch medial gefiltert und durch den Weichzeichner gedreht sehen.
Firas erspart uns nicht die brutalen Wahrheiten eines Regimes, das sein eigenes Volk nur durch Angst kontrollieren kann.
Einhellige Wertung der beiden Frauen in meinem Haushalt: Daumen hoch für das Buch
Und dennoch gibt es auch viele sehr heitere und komische Momente, sei es im Umgang mit der deutschen Polizei, dem Fetisch Papier und Dokument oder schlicht mit der Wohnsituation in Berlin und den zum Teil hirnrissigen Regelungen des deutschen Asylrechts.
Firas schreibt humorvoll, authentisch, schonungslos und dennoch oder gerade deshalb sehr unterhaltsam.
Damit ist „Ich komm auf Deutschland zu“ für mich das Buch, das wenn schon nicht auf dem Gabentisch dann zumindest in jedem Bücherregal landen sollte, nachdem man es verschlungen hat, weil die Geschichte so packend ist, dass an ein Aufhören nicht mehr zu denken ist.
Die Nachrichten klingen natürlich gleich nach wahnsinnig, psychisch völlig irre und gefährlich. Und bewaffnet.
Man weiß zwar nichts genaues, vermutet aber fröhlich rum, versetzt die Öffentlichkeit in Panik und bekommt Leser, Zuschauer, Klickzahlen.
Ich finde das ist BILD Niveau, das leider auch von den öffentlich rechtlichen gelebt wird. Statt abzuwarten, bis es gesicherte Erkenntnisse gibt, wird jede noch so hirnrissige Vermutung gleich aufgebauscht und breitgetreten.
Und später lädt man sich eine Diskussionsrunde ein, die sich in ihrer Weltsicht oft seltsam einig ist, und stigmatisiert fröhlich weiter. Statt einmal Betroffene einzuladen und ein differenzierteres Bild zu zeichnen, werden Klischees bedient, die einfach, erklärbar und meist falsch sind.
Und dann soll man den klassischen Medien noch trauen, sie konsumieren. Ne danke, ich will Fakten, keine Panikmache.
Auf der re:publica hatten Kati Krause und ich ja eine Session zu dem Zusammenhang von Depressionen und Social Media bzw. zu Strategien gehalten, wie man in einer Depression mit Social Media umgehen sollte.
Das hat die Redaktion des Elektrischen Reporter wohl so interessant gefunden, dass Kati und ich Teil eines Beitrags des Elektrischen Reporters zu ebendiesem Thema geworden sind. Aber seht selbst:
„Bin ich etwa verrückt geworden?“, fragte der Hutmacher traurig. „Ich fürchte, ja“, sagte Alice, „du bist total durchgeknallt. Aber soll ich dir ein Geheimnis verraten? Das macht die Besten aus.“
(Alice im Wunderland von Lewis Carroll)
Normal sein. Brav sein. Gefolgsam sein. Ein guter, williger, konformistischer Angestellter, der ja keine rebellischen Gedanken hat, am besten gar nicht eigenständig denkt sondern nur zum Wolle des Unternehmens.
Braver Bürger, der sich an Regeln und Gesetze hält, ohne sie zu hinterfragen, ohne zu zweifeln.
Wir werden so häufig in ein scheinbar normales Korsett von Verhaltensweisen, Vorschriften und Drohungen gesperrt, dass es uns oft den Atem raubt. Dabei sind diese Regeln und Normen oftmals nur für ganz bestimmte Menschen oder Instanzen normal, sinnvoll, nützlich. Für den großen Rest stellen sie eigentlich den blanken Wahnsinn dar.
Der verrückte Hutmacher aus Alice im Wunderland
Ein Banker verdient mit dem Geld hin und her schieben Unsummen, eine Krankenschwester kann froh sein, wenn sie nach vielen unbezahlten Überstunden von ihrem Gehalt überhaupt leben kann. Großkonzerne suggerieren uns, wir seien krank, hätten Defizite, bräuchten teures Functional Food oder Nahrungsergänzungsmittel.
Und erst jüngst haben mehrere Studien nachgewiesen, dass die Psychopharmaka, die auch ich gegen meine Depressionen verschrieben bekommen habe, eigentlich genau so viel Wirkung zeigen, wie Plazebos und lediglich bei ganz schweren Fällen einen gewissen Nutzen haben.
Wir schicken Kinder in Schulen, die schon wir hassten, damit sie Dinge lernen, die sie später nicht brauchen oder noch schlimmer, damit sie zu willigen Lohnsklaven für die Arbeitgeber ausgebildet werden, statt universell gebildet zu sein, um dann möglicherweise die eine oder andere Lüge oder Dummheit zu hinterfragen. Und von Afd und Pegida, dieser Ansammlung scheinbar normaler Bürger, die für mich eine Ausgeburt an Dummheit und Ignoranz sind, will ich gar nicht erst beginnen.
Das da draußen, das, was man uns als vernünftig, gut, richtig präsentiert ist zum Teil viel größerer Wahnsinn, als ich ihn jemals in der Psychiatrie erlebt habe.
Oder wie ich darüber twitterte:
Eigentlich sind in der Klapse eher normale Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr fertig werden. #ausderklapse
Ich will gar nicht mehr normal sein. Lieber bleibe ich ver-rückt. Hinterfrage, drücke den Finger in die Wunde, zeige auf, wo der Irrsinn haust. Und bleibe dabei selbst bei klarem Verstand, denke selbst, bleibe am Leben. Denn viel zu lange habe ich mir einreden lassen, wie ich richtig zu sein habe. Von Menschen, die selbst nicht ganz richtig waren.
Bei so vielen roten Königinnen und Königen da draußen bleibe ich lieber der verrückte Hutmacher und lebe nach meinen Regeln.
Das Buch, man wollte es mir ausreden. Die TV Doku, man wollte sie mir ausreden. Du bist zu oft im Internet, du bist ja Internet, Smartphone, Literatur, Musikabhängig, name it, sie behaupteten es. Angst? Neid? Dummheit? Egal. Aber es wäre verrückt, auf sie zu hören, verrückt es nicht zu tun. Da bin ich dann ja fast schon normal. Ist das nicht verrückt?
Bislang war Living the Future mein Projekt, um meine Gedanken zu sammeln zur Zukunft (der Arbeitswelt), zu neuen Technologien und wie diese sich auf die Gesellschaft auswirken. Rückblickend muss ich mir hier eingestehen, dass ich in einigen Themenfeldern zu optimistisch, zu blauäugig war. Für mich persönlich ist das Thema Work-Life Balance gescheitert und ich würde, wenn ich denn dieses Thema überhaupt noch anfassen würde zu strikter Work-Life Separation raten, weil es extrem selten zugunsten des Arbeitnehmers läuft. Aber wie gesagt, das Thema fasse ich aus Gründen vorerst nicht mehr an.
Das letzte nun fast ein Jahr hat mich aber ordentlich durchgeschüttelt, fast zerstört und dann wieder so positiv überrascht, dass ich es immer noch nicht fassen kann. Mir sind Dinge zugestoßen, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche und mein Leben habe ich nur durch unglaublich viel Glück behalten. Das einen so etwas ändert, kann man nachvollziehen, denke ich.
Deshalb wird sich, so wie ich mich in diesem Jahr gewandelt habe, auch der Blog wandeln. Im Augenblick bin ich noch in der finalen Reha und werde wohl Anfang Januar 2016 wieder ins „normale“ Berufsleben einsteigen.
Parallel ist mein autobiographischer Roman in den letzten Zügen und geht im Januar ins Lektorat bei einem großen deutschen Verlag. Über diese Zusammenarbeit bin ich sehr glücklich und werde über die Entstehung des Buchs, das wohl im Januar 2017 erscheint regelmäßig berichten.
Mein Hauptfokus wird ab jetzt weg von Technologien hin zum Leben an sich gehen. Ich möchte das Thema Depressionen und generell psychische Erkrankungen stärker thematisieren und parallel in meiner Rolle als Autor mehr eigene Texte präsentieren.
Wer meinen Blog also hauptsächlich wegen der reinen Technikthemen gelesen hat, der wird sich von nun an mit deutlich weniger derartigem Kontent begnügen müssen. Mir sind im Moment schlicht andere Themen weit wichtiger.
Living the Future heißt für mich ab jetzt, auf die Frage danach, wo ich mich in 5 Jahren sehe schlicht zu antworten: Am Leben.
Ich kenne noch la linea. Deshalb finde ich auch diesen Film ganz besonders schön :
und die zweite Frau in diesem Film kenne und liebe ich nun seit 20 Jahren.
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