Ende und Neubeginn

Jede gute Geschichte hat ein Ende. Manchmal hat sie sogar ein Happy End. Meine Geschichte geht weiter, aber verändert. Nachdem mein Verlag schon während Corona die gedruckte Ausgabe meines Buches gestoppt hat, hat Audible nun auch das Hörbuch aus dem Programm genommen. Schade, aber so ist der Lauf der Wirtschaft.

Andererseits basierte ein Großteil meiner Geschichte auf einem Twitter, dass es spätestens seit Elon Musks Kauf und Umbenennung in X nicht mehr gibt. Aus einem Diskurskanal ist eine rechte Fake News Schleuder geworden. Und ich bin extrem verblüfft, wie viel abgrundtiefen Bullshit jemand zu produzieren in der Lage ist, der andererseits SpaceX aufgebaut hat. Reichtum schützt offensichtlich vor Dummheit nicht. Da bin ich froh, dass meine Geschichte langsam aus dem Gedächtnis des Netzes verschwindet.

Noch bin ich bei X formerly known as Twitter. Aber nur noch als Account, nicht mehr aktiv.

Wer mir folgen will, findet mich jetzt auf Bluesky unter @bicyclist@livingthefuture.de oder Mastodon unter @UweHauck@mastodon.social. Tja, Elon, wer so am rechten Lügenrand operiert, darf sich nicht wundern, wenn seine Plattform den Bach runter geht.

Beginnen wir ein neues, ein besseres Kapitel. Jetzt studieren alle unsere Kinder und folgen ihren eigenen Wegen. Zeit loszulassen und sich neu zu orientieren. Zeit, die Depression und die Ängste endlich hinter sich zu lassen. Ich weiß, noch ein weiter Weg aber doch schon ein ordentliches Stück darauf zurückgelegt.

The sky is blue at bluesky.

Jetzt reicht es (selbst mir)

Lange, wirklich lange habe ich Social Media verteidigt. Hab darauf hingewiesen, dass Whatsapp und Twitter mir einst das Leben gerettet haben. Hab Trolle und Querdenker als Nische abgetan.

Aber jetzt werde wohl selbst ich für einige Zeit die sozialen Medien nur noch als Kanal zum Senden aber nicht. mehr zum Empfangen nutzen. Weil weder Diskussionskultur,  noch Anstand, noch Rücksicht auch nur leicht durchscheinen. Sei es der Weltraum, die Natur oder die Ernährung. Es wird nur noch radikal, schwarz weiß gedacht. Die wenigen gemässigten, am Diskurs interessierten Nutzer werden immer lauter und aggressiver niedergetrollt.

Das ist alles nicht mehr schön, es ist traurig und vieles, was im Moment diskutiert wird, erinnert mich fatal an Interstellar, wo Wissenschaft und Forschung sich in Bunker zurückziehen und verstecken musste, weil die Öffentlichkeit die Zusammenhänge zwischen Grundlagenforschung, dem Drang zu den Sternen und der Weiterentwicklung als Spezies nicht zu durchschauen in der Lage waren.

Nein, es geht mir im Moment nicht gut mit dem Umgangston. Twitter und Facebook sind für mich broken beyond repair und selbst Instagram wird immer mehr zur Plattform um eigene radikale Ansichten hinauszuposaunen und die eigene Dummheit hinter Schimpftiraden und Trollangriffen zu verstecken.

Sorry Leute, so nicht. Kriegt euch bitte wieder ein, bis dahin:

 

Mic Drop

Das Ende von Depression abzugeben

Es waren drei tolle Jahre und fast 12.000 verkaufte Exemplare. Aber jetzt hat sich Bastei Lübbe vor einer etwaigen vierten Auflage entschlossen, das Buch vom Markt zu nehmen. Auch das Ebook gibt es nicht mehr, was mich ehrlich gesagt sehr wundert aber andererseits gibt mir das eine neue, frische Perspektive auf mein weiteres Leben. Ich werde mich neuen Themen widmen, wieder als Fotograf aktiv werden und weiterhin Aktivist für psychische Gesundheit und gegen das Stigma sein.

Und falls jemand doch noch einen Verlag kennt, der mein Buch haben möchte, gerne melden. Ansonsten, hier werde ich weiter schreiben und aktiv sein.

Und immerhin gibt es aktuell noch das Hörbuch bei Audible (mal sehen, wie lange noch)

Was werden wir von Corona lernen?

Ich kann nicht sagen, was jeder Einzelne aus dieser Krise mitnehmen wird, aber ich fürchte, die Wirtschaft wird all zu schnell wieder in die alten Muster verfallen.

Alleine schon, wenn ich Manager in Online Meetings klagen höre, dass doch endlich wieder der persönliche Kontakt stattfinden müsse.

Aeh nein für mich nicht. Zumal das viel zu häufig mehr mit Macht, mit Unterordnen, mit Kontrolle zu tun hat. Wir sollten uns zu mündigeren Menschen entwickeln. Wohlgemerkt mündig, nicht dumm. Diejenigen, die so laut schreien dass sie angeblich selbst denken und man das doch auch tun solle, die denken oft am unselbständigsten, folgen den wirren Verschwörungstheorien von Köchen und verkrachten Musikerexistenzen.

Was wir aber alle mitnehmen sollten. Die Zeit des da oben und da unten geht zu Ende.  Und die Zeit des Konsums um des Konsums Willen auch. Selten habe ich Werbung für so deplaziert empfunden wie gerade jetzt, wo irgendwelche Luxusgüter zu kaufen, das allerletzte wäre, worüber ich nachdenke.

Wir sollten die Pandemie auch als Chance sehen, über unser bisheriges Verhalten nachzudenken. Vielleicht wird es bald kein Fridays for Future mehr brauchen, weil wir endlich mehr in gesellschaftlichen Zusammenhängen denken, als nur an uns. Vielleicht auch, weil wir etwas über den Konsumzwang lernen, den uns die großen Konzerne gebetsmühlenartig als normal verkaufen wollten. Kultur und Kunst wird runtergefahren aber die Wirtschaft, der höchste Götze der Gegenwart, die muss unbedingt am Leben gehalten werden. Wenn sie groß ist. Wenn sie Lobbyisten auf dem Schoss der Politik hat.

Womit beschäftigen wir uns alle in Zeiten des Lockdowns, was macht ihn für uns alle etwas erträglicher? Literatur, Filme, Kunst. Und genau da werden Existenzen vernichtet. Wollen wir wirklich aus dieser Pandemie gehen mit einer Welt, die noch mehr die Wirtschaft vergöttert? Wir brauchen Kunst, wir brauchen Kultur, weil sie seelenrelevant ist. Kunst und Kultur ist für mich kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. So wie wir Nahrung für den Körper brauchen, um zu überleben, brauchen wir auch Nahrung für die Seele.

The arts are essential to any complete national life. The State owes it to itself to sustain and encourage them…

(Die Künste sind von elementarer Bedeutung für jedwedes vollständige nationale Leben. Der Staat schuldet es sich selbst, die Künste zu erhalten und zu fördern….)

Winston Churchill: Royal Academy on 30 April 1938

Aber vielleicht werden wir mal wieder gar nix lernen und business as usual weitermachen.

An meine Leser (Spoiler: DANKE)

Danke. Damit falle ich schon mal durch die berühmte Tür ins Haus. Danke für euren Zuspruch, euer überwältigendes Interesse an meiner Geschichte.
2015 dachte ich, das wars mit meinem Leben. Mein Umfeld hatte mir übel mitgespielt, man hatte versucht, mich zum Schweigen zu bringen über meine Krankheit, meine Geschichte. Und dann entstand aus einer Verkettung von Zufällen dieses Buch. Weil ihr auf Twitter Interesse an meinen Gedanken #ausderklapse zeigtet.
Dadurch wurde ein Literaturagent auf mich aufmerksam, der zum ersten Mal den Gedanken ins Spiel brachte, meine Geschichte, mein Erleben wäre relevant genug, interessant genug, zwischen die Deckel eines Buchs gepresst zu werden. Und ein Verlag vertraute der Idee so sehr, dass ich tatsächlich verlegt wurde. Etwas, das ich nicht mal zu träumen gewagt hatte. Ich ein Autor? Und jetzt, nach nun knapp über 3 Jahren sogar mit einigem Erfolg? Niemals! Doch, ich sollte ehrlich sein.
Als damals oft gemobbter und zuhause nicht wirklich geliebter Jugendlicher habe ich sehr schnell für mich Kunst, Literatur als Fluchtpunkt entdeckt. Ein Traum war es, den ich aber ohne jede Hoffnung auf Realisierung träumte. Etwas von Bedeutung schaffen, etwas, das die Welt für mich und für uns alle etwas besser hinterlässt. Ihr habt diesen Traum war werden lassen. Ich bin kein Star, das wollte ich auch nicht. Aber jetzt hat mein Leben mehr Bedeutung, mehr Verantwortung, mehr Gewicht als jemals zuvor. Ich kann Menschen helfen, ich, als Person, kann Bedeutsames bewegen.
Das verdanke ich nur euch, meinen Lesern, Followern, Unterstützern.
Ich bin kein Schauspieler geworden, kein Kunstmaler. Alles Jugendträume eines Kindes, das so etwas wie Zuneigung und Freundschaft erst ganz spät erfahren hat.Uwe zeigt ein Herz mit seinen Händen
Ihr habt mir gezeigt, dass ich mehr bin als nur ein Stück irrelevanten Daseins ohne Weg, Wert oder Ziel. Jetzt gibt alles irgendwie Sinn. Jetzt fühle ich mich zumindest als Mensch anerkannt, der Wünsche, Träume, Ziele hat. Euer Feedback ermutigt mich, weiter zu kämpfen. Eure Leserbriefe, die Gespräche auf Lesungen. Es zeigt mir, dass ICH als Person einen Wert haben kann.
Und gleichzeitig habe ich gelernt, dass dieser Wert immer schon da war. Nur vergraben unter Selbstzweifeln, Ängsten und Traumata. Ich bin immer noch nicht ganz frei davon. Aber ihr meine LeserInnen seid es, die mich weitermachen lassen.
Dafür möchte ich euch von ganz tiefstem Herzen danken. Es ist nicht selbstverständlich und ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich tatsächlich Autor geworden bin, dass Menschen mein Buch mögen, dass sie gar etwas für ihr eigenes Leben daraus ziehen können.
Ein größeres Geschenk gibt es nicht. Ich bin nicht reicher an materiellen Werten, definitiv nicht, aber als Mensch bin ich endlich in der Lage, der Welt entgegenzuhalten: DAS BIN ICH. Und ich bin gut so, wie ich bin. Das sind wir alle, das seid ihr alle.
Aber ihr habt einen großen Anteil an meinem Wandel, vermutlich weit größer als alle Therapeuten und Kliniken zusammen.
Und gerade helft ihr mir mit eurem Zuspruch, wieder aus einem Tal zu kommen, kämpft mit mir gegen meinen ganz persönlichen schwarzen Hund.

Danke. Ich bin so unendlich dankbar. Ihr habt mich verändert, vielleicht sogar weit mehr als ich euch. Wir sind viele und wir kämpfen alle einen Kampf, den wir gemeinsam besser schaffen, eher gewinnen.

Sagte ich es schon? Egal: DANKE!

Kunst war immer meine Therapie

Ich habe es wiederentdeckt, als ich in der Klinik war. Die Bedeutung von Kunst für mich. Kunst war für mich immer ein Ventil, eine Möglichkeit, die dunklen Gefühle, die Ängste, die Einsamkeit zu verarbeiten. Dabei war und ist es egal, ob ich nur Rezipient bin, wenn ich mir Bilder in einem Museum betrachte oder selbst Bilder male, Texte schreibe, Geschichten erzähle.

Es ist eine  seltsame Verbundenheit zwischen Kunst und mir.  Ich kann mich noch sehr gut an meine Phase als Kunstmaler erinnern, als ich fast eine eigene Ausstellung gestartet und eine Kunstmappe eingereicht hätte, wenn nur der nötige Mut da gewesen wäre.

 

 

 

Und es war für mich ein unglaublicher Heilungsprozess, meine Geschichte niederzuschreiben, noch in den Kliniken mein Buch zu beginnen und damit meine Geschichte öffentlich zu machen, meine Seele auszudrücken, sie zwischen zwei Buchdeckel zu pressen und damit all das zu manifestieren, was mein Leben über Jahrzehnte zwar nicht zur Hölle, wohl aber oft zu deren Vorhof hat werden lassen.

Ich brauche Kunst zum Atmen, eine Floskel, die aber für mich heute realer ist denn je. Musik hören kann mich entspannen, kann mich aufbauen. Wenn ich einen Text niederschreibe, gebe ich immer einen großen Teil meiner Seele in den Text. Wenn ich ein Bild male, versinke ich in den Farben, der Leinwand, dem Motiv.

Kunst mag für manche nur brotlos sein, für mich ist sie das, was meine Seele am Leben hält. Und was mich letztlich auch aus meinem tiefsten Tal meines Lebens gerettet hat.

Kunst ist nicht unnötig. Kunst ist, was uns zum fühlenden, zum intensiven Menschen werden lässt. Wissenschaft ist wichtig und ich schätze sie sehr. Aber wenn es um das Wohl. meiner Seele geht, dann ist ein Besuch meiner alten Liebe der Kunst für mich Lebenselixier.

Und dabei noch ergänzend. Nicht umsonst gibt es den Begriff der Liebeskunst. Weil auch in der Liebe die Kunst ein wichtiges Element ist. Und wenn es nur die Kunst ist, Liebe und Leidenschaft zu teilen.

Update: Ja, als Autor geht es mir gut, aber vor allem deshalb, weil ich noch einen „Daytime-Brot und Butter“ Job habe. Aber andere Künstler geraten jetzt in Schwierigkeiten. Deshalb, wenn ihr Konzertkarten habt, wenn ihr Lesungen besuchen wolltet, die jetzt abgesagt werden, vielleicht könnt ihr euch es ja leisten, auf die Erstattung zu verzichten. Das könnte dem einen oder anderen Künstler in der Krise helfen. Oder schaut, was Künstler online anbieten, Kultur ist nicht überflüssig, Kultur ist Teil unseres Wesens. Ich wünsche mir eine Zeit nach Corona, in der wir nach wie vor Musiker, Maler und Autoren, Schauspieler und Regisseure, kurz KünstlerInnen  haben.

Ich war der Antiheld in meinem Film

Widerspruch erwarte ich. Aber wer hat nicht schon mal den Schmerz gespürt, wenn er erkannt hat, dass das eigene Leben, der eigene Weg nicht so brilliant war, wie man ihn sich ausgemalt hat. Wenn die Träume, die man als Jugendlicher hatte, längst auf dem Müllhaufen der eigenen Geschichte gelandet sind.

Und wenn du Träume hattest, wenn du dir ausgemalt hast, mal ein Star, ein Schauspieler, eine Autorin, eine Künstlerin zu werden, dann hattest du zumindest einen kleinen Schatz, den Schatz einer schönen Zukunft.

Meine Träume, meine Wünsche rankten sich eher um weniger Streit, mehr Verständnis und je älter ich wurde um weniger dunkle und mehr fröhliche Tage.

Denn in meinem Leben hat mich über Jahrzehnte ein heimlicher Dieb und Dämon begleitet. Nachts, Morgens, im gleißenden Licht eines schönen Sommertags, saß da immer eine kleine, graue, gehässige Gestalt, die das große Talent hatte, alles zu zerstören, abzuwerten, klein zu machen, dass uns etwas bedeutete.

Der kleine Teufel Zweifel nagt an jedem von uns. Wenn wir Glück haben, reicht es, die Ohren der Seele zu verschließen, um seine Tiraden nicht ertragen zu müssen.

Wenn dein Leben aber über Jahrzehnte nur aus Herbst und Winter als Jahreszeiten bestanden hat, dann hat dein Dämon dich fest im Griff. Dann bist du nie gut, geschweige den gut genug. Dann glaubst du ihm, dass du nie etwas werden wisst, dass dein Leben aus einer endlosen Reihe von Enttäuschungen bestehen wird.

Wenn dein kleiner Dämon jeden Tag deine Schulter besetzt, dann bist du bei allem Positven, jedem Lob, jedem Erfolg misstrauisch und findest früher oder später Gründe dafür, ihn klein zu reden, niederzumachen, dich wieder als nichts wert zu sehen.

Wie oft habe ich mir ausgemalt, ich könnte Schauspieler sein, Autor, der selbst in seinem Leben die Hauptrolle spielt, der etwas zu erzählen hat, der etwas darzustellen hat. Schauspielern, das konnte ich, aber eher, weil ich immer daran arbeiten musste, meinen kleinen Dämon vor der Umwelt zu verstecken. „Mir geht es gut“, war nicht meine Wahrheit, aber mein Mantra im Umgang mit der Welt.

Als mein Suizidversuch mich in die Psychiatrie brachte, da saß mein Dämon zunächst lachend auf meiner Schulter, nein, tanzte auf ihr und jubelte „Siehst du, nicht mal das schaffst du.“

Aber eins hat mein Dämon damals übersehen, hat sich davon blenden lassen.

Ich lag am Boden, ja. In einem Kinofilm wäre ich in dem Moment wohl der Loser gewesen, der aus der Geschichte fliegt, der den dramatisch verzweifelnden Part spielt, damit der Held der Geschichte dramatisch überhöht um dessen Verlust trauen, daran aber wachsen kann.

Aber es geschah damals etwas Überraschendes, etwas Unerwartetes, das mich ebenso wie meinen Dämon überrumpelt hat, das das Skript meines Lebens so sehr umgeschrieben hat, wie ich es mir niemals hätte träumen lassen.

Mein Skript wurde komplett neu geschrieben. Von Menschen, die sich mir öffneten, die mir ihre ehrliche Seite zeigten. Von Menschen, die dem Dämon wenn auch manchmal nur für Minuten den Mund verboten und mir den neuen Lebensweg in der Glaskugel „Hoffnung“ zeigten.

Und von Menschen, die an meine Geschichte glaubten, die mich nicht als den Loser meines Lebens, sondern den Kämpfer gesehen haben. Damit waren sie mir um Monate voraus, wenn nicht um Jahre. Heute sehe auch ich mich als Kämpfer. Nicht nur für mich, sondern für all jene, deren Lebensskript es wert ist, überarbeitet zu werden.

Der Dämon ist nach wie vor da, aber wir haben jetzt Termine miteinander und dazwischen zieht er aus.

Ich bin zum Autor geworden, ein Weg meines Lebens, der maximal ein wirrer unrealistischer Traum für  mich war, bis mir ein Mensch, der an meine Geschichte glaubte, die Hand gereicht hat und mir diesen Weg gezeigt.

Ich stehe heute auf Bühnen, prange auf Plakaten, kann Menschen mit meiner Geschichte berühren und ja, sogar Leben retten. Mein Lebensskript hat endlich ein paar lichte Momente bekommen und dafür bin ich allen dankbar, die mir in den dunklen Jahren zur Seite standen und all jenen, die mich auf den neuen Pfad gelenkt und mir dort mit den ersten Schritten geholfen haben. Und ich bin jenen dankbar, die  mir spiegeln, was meine Geschichte für sie bedeutet.

Es fällt mir nach wie vor schwer, Lob anzunehmen, die Fortsetzung meines eigenen Films im Lebenskino überwiegend positiv zu sehen aber hey, das ist ja erst der zweite Teil. Wer weiß, welche Fortsetzungen sich noch ergeben.

Und ich habe eines gelernt. Die spannenden Geschichten sind nicht die, in denen der Held alles schafft, alles gewinnt. Die spannenden Geschichten handeln vom Scheitern und wieder aufstehen, scheitern und wieder aufstehen, scheitern und wieder aufstehen. Und von Menschen, die in Krisen den Weg mit gehen. Das Leben besteht aus vielen kleinen Dramen und manchmal einer Komödie oder einem Abenteuer dazwischen.

Und wir selbst sind IMMER der Star, die Hauptrolle, der Held unserer Geschichte. Nur ob der Film unseres Lebens ein Happy End, eine gute Auflösung bietet oder in einem Drama endet, das haben alleine wir in der Hand.

Lasst uns unsere Lebensskripte selbst schreiben, neu schreiben, besser schreiben.

Damit wir am Ende sagen können: Es war nicht immer gut, aber es war meins.

Vom Loslassen

Ich hatte einen Plan für mein Leben. Einen guten Plan, einen sicheren Plan.

 

 

Aber nicht meinen Plan.

Was ich werden wollte, war zu großen Teilen von anderen eingeredet oder durch andere beeinflußt.

Ich habe mich immer für einen begeisterten Softwareentwickler gehalten. In Wirklichkeit habe ich an dem Gedanken einer vermeintlichen Sicherheit festgehalten, statt loszulassen und mich auf das einzulassen, was mein Herz wollte.

Eigentlich war mein Traum ein Autor oder Kunstmaler zu werden. Es existierte bereits eine erfolgversprechende Kunstmappe und auch schreibend war ich kurz nach meinem Abi schon recht erfolgreich. Aber da war immer diese Angst vor dem Loslassen.

Die Angst vor Frosts „weniger begangenem Weg“. Was, wenn ich keinen Erfolg hätte, was wenn meine Kunst niemandem gefallen würde. Der Computer, das Programmieren hatten mich vor allem beschäftigt, weil sie mir Sicherheit und Kontrolle boten. Ein Mikrokosmos, den im Griff ich ohne Schwierigkeiten schaffte. Und schon damals wusste ich, IT wird auch in Zukunft gebraucht, ist also ein viel begangener aber sicherer Weg. Um den Weg zu beschreiten habe ich aber in Kauf genommen, meine Seele, meinen Herzensweg verlassen.

Und das hat mich dreißig Jahre später auf fast tödliche Weise wieder eingeholt. Es gab kleine Momente dazwischen, Freiräume, die meinem Herz erlaubten, seinen Weg zu suchen. Aber die währten nie lange. Ich begann mit dem Studium. Nach Humboldt, also mit Freiräumen, mich zu finden. Das waren Momente, die mein Herz aufleben ließen. Aber es ist wie mit dem Faustschen Pakt mit dem Teufel. Ich hatte meine Seele eingetauscht gegen ein sicheres aber letztlich falsches Leben. Und wie Faust von seinem Pakt eingeholt wird und dafür bezahlen muss, so war es auch bei mir. Und der Preis war fast mein Leben.

Erst als ich in der Notaufnahme wieder erwacht bin und glaubte, alles verloren zu haben, war ich bereit, loszulassen, mich auf unbekanntes Terrain zu begeben.

„Dies alles sage ich, mit einem Ach darin, dereinst
und irgendwo nach Jahr und Jahr und Jahr:
Im Wald, da war ein Weg, der Weg lief auseinander,
und ich – ich schlug den einen ein, den weniger begangen, und dieses war der ganze Unterschied.“

In dem Moment, als ich die Kontrolle abgegeben habe, mich auch der Unsicherheit und damit dem eigenen wirklichen Leben geöffnet habe, konnte ich meinem Herz erlauben, wieder frei zu sein.

Heute bin ich, was ich immer sein wollte. Künstler, Autor, Performer, Aktivist. Und ich schaffe es mittlerweile auch, mit der Unsicherheit, dem Unwägbaren zu leben. Der Pakt mit dem Teufel Sicherheit, Gewissheit ist immer noch verlockend. Aber jetzt scheint seine Falschheit, das Verlogene deutlich durch und ermahnt mich immer wieder aufs neue, den Weg zu gehen, der weniger begangen, aber mein eigener ist.

Und ich habe noch mehr losgelassen. Menschen, die mir schaden. Menschen, die mich nur für ihren Vorteil nutzen. Menschen, die ob willentlich oder unwillentlich schlicht böse sind.

Ich kann nicht allen verzeihen, auch wenn manche das raten. Aber ich kann loslassen, den Zorn kommen und wieder gehen lassen und so meinen Frieden mit den Schmerzen schließen, die mir zugefügt wurden und auch nach Jahrzehnten immer wieder kommen.

Loslassen, nicht kontrollieren, hat mir letztlich das Leben, mein Herz und meine Seele gerettet.