Bloggen ist Punk

Wir bloggen, weil wir es können oder doch zumindest wollen. Weil wir etwas mitzuteilen haben, oder weil wir einfach nur schreiben, was uns auf der Seele brennt. Wir denken vielleicht an den Leser, vielleicht auch nur an das, was uns bewegt.

Sprache ist unsere Waffe oder unser Trost. Wir versuchen uns mitzuteilen oder uns von der Seele zu schreiben, was uns bewegt.

Nicht weil wir Journalisten sind, nicht weil wir Dokumente, Titel oder Auszeichnungen haben, die uns zu Journalisten machen oder zu Autoren.

Nicht, weil wir zum Schreiben berufen wurden, sondern weil wir einen Drang, einen Wunsch haben, uns mitzuteilen. Weil da etwas in unseren Köpfen brodelt und nach draußen will. Weil Gedanken, Ideen, auch blanke Wut sich in Worte kleiden wollen, weil wir hoffen, bitten, erflehen, dass vielleicht da draußen jemand ist, der ähnlich denkt wie wir. Das unsere Gedanken Relevanz haben, dass sie Resonanz erzeugen und Rückmeldungen kommen.

Wir wünschen uns den Diskurs und hassen ihn, weil er anstrengt. Aber wir lieben ihn auch, weil er uns zeigt, dass was wir denken doch von Bedeutung ist. Weil es Richtung gibt oder Richtungslosigkeit erträglicher macht.

Wir halten uns an Regeln oder brechen sie, stellen neue auf und kämpfen darum.

Wir sind Punk, den unsere Blogs sind Punk. Die Regeln machen wir in unseren Blogs, aber schon das nächste Blog kann sie zerstören und aus den Trümmern etwas neues bauen.

Bloggen ist Punk.

Ja ist meist keine gültige Antwort. Nein aber auch nicht.

Auch unabhängig vom Schwerpunkt eine gute Lektüre und ein herausragendes Wirtschaftsmagazin "brand eins"

Angeregt durch die neue Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „brand eins„, das als Schwerpunkt: „Nein sagen“ hat, habe ich mir so meine eigenen Gedanken darüber gemacht, warum ich sowohl mit reinen Ja- Sagern (den positiv Denkern) als auch mit Nein Sagern (meine heißgehassten Bedenkenträger) so meine Schwierigkeiten habe, und warum ich nicht bei Fragen nach z.B. Projektterminen auf die Frage: „Schaffen wir das bis Zeitpunkt X“ mit Ja oder Nein antworte.

Es liegt daran, dass für mich viel zu häufig Fragen gestellt werden, die die Verantwortung abgeben, in dem ich den anderen zu einem klaren Nein oder Ja zwinge, wo das gar nicht angebracht ist, damit ich selbst später behaupten kann: „Aber du hattest doch Ja gesagt“. Das erlebe ich sowohl bei Projektleitern als auch bei Mitarbeitern, die sich wenig Gedanken über die Konsequenzen eines Ja oder Nein machen.

Auch, und da hat die brand eins sehr recht, ein grosser Teil der Protestbewegung und ebenso jene scheinbare Ignoranz der Situation im dritten Reich, oder auch bei aktuellen Krisen zeigt mir, dass es für viele sehr viel leichter scheint, das ganze einfach erst mal unreflektiert abzulehnen oder zu befürworten. Ein Nein gegen Atomkraft ist nur dann  ein sinnvolles Nein, wenn ICH mich auch über die Konsequenzen informiert habe. Gegen Atomkraft zu sein, aber dann zu protestieren, wenn neue Überlandleitungen gebaut werden müssen, um den Strom in Land zu kriegen oder neue Windräder aufgestellt werden bzw. neue Dämmverordnungen kommen. Tja, da war das nein wohl nicht so durchdacht.

Oder ein Ja oder Nein von einem untergebenen Mitarbeiter zur Erfüllbarkeit einer Aufgabe zu fordern, und sich dann zu wundern, wenn er entweder stehts mit einem Ja, aber antwortet oder das Ja zum Endetermin sich dann als nicht haltbar rausstellt. Beides sind Indizien für das Abgeben von Verantwortung für das Abgeben von Denkleistungen. Erst mal bin ich dagegen, weil mein Umfeld es ist. Oder ich sage ja oder nein, weil mein Chef das so wünscht. Wir alle sollten Verantwortung für unser eigenes Denken und Handeln  übernehmen.

Der Protest gegen Stuttgart 21 war für  mich so lange legitim, so lange der Volksentscheid nicht gelaufen war. Jetzt aber wird er zur Farce, weil mittlerweile die Mehrheit, und dazu hatten auch die S21 Gegner JA gesagt, FÜR den Bau gestimmt hat. Mag jeder immer noch dagegen sein. Den Bau jetzt noch mit denselben Mitteln wie vor dem Protest stoppen zu wollen, ist ebenso illegitim wie unehrlich.

Und ich werde auch weiterhin mein „Ja, wenn.. “ oder „Nein, aber..“ liefern. Weil ich es für wichtig und richtig halte, gegen oder für etwas zu sein. Aber stehts unter Einbeziehung aller Aspekte. Und dann ist sowohl die Antwort durchdacht, als auch legitimiert. Ich mag dann immer  noch falsch liegen, aber dann trage ich die Verantwortung für meinen Irrtum.

Ein Manager, der bei Aufwandsschätzungen nur „Ja, wir schaffen es“ oder „Nein, wir schaffen  es nicht“ akzeptiert, wird selten die Wahrheit über den Zustand seines Projektes hören. Sucht euch die ehrlichen, differenziert denkenden Menschen, wenn ihr ehrlich, differenziert durchdachte Antworten wollt.

Wenn ihr das hören wollt, was euch in den Kram passt, sucht euch Ja Sager, oder permanent dagegen Seiende.

Die Technophobiker liebe ich hier besonders. Statt sich mit etwas zu befassen, ist stehts alles „neumodisches Zeug“ , „Spielerei“ oder „etwas, man eh nicht braucht“. Richtig. Aber Strom, das Feuer oder das Fernsehen braucht man auch nicht. Trotzdem ist die grosse Mehrheit der Menschen froh, es zu haben.

 

Schaltet eure Firmenmessenger ab, die nutzt bald kein Mensch mehr

Sorry to disturb you: Aber meine wichtigen professionellen Netzwerke überschreiten die virtuelle Grenze des Unternehmens wie meine Kommunikation mit ihnen.

Welches Unternehmen hat sie nicht? Neben EMail nutzen auch viele Unternehmen für die Kommunikation ihrer Mitarbeiter Messenger wie MSN oder Sametime. Aber nur im internen Unternehmensnetz. Da sage ich, abschalten, das braucht kein Mensch. Denn wir vernetzen uns bereits heute über die Grenzen des Unternehmens weg. Wer da meint, er müsse dieses böse Netz da draußen aussperren, sorgt früher oder später dafür, dass sich ein grosser Teil seiner Kommunikation eben genau da hin verlagert, ins böse Internet. Immer mehr Menschen sind in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook oder kommunizieren auch privat über Messenger. Und warum muss ich dann noch ein zweites, getrenntes Netz nutzen. Überall spüren wir, wie Privatleben und Beruf verschmelzen, aber eine der schnellsten Kommunikationsformen wird in vielen Unternehmen am virtuellen Ausgang des Unternehmens geblockt.

Das halte ich für extrem kurzsichtig. Zumal die immer grösser Verbreitung von Smartphones schon heute zu einer „unkontrollierten“ vernetzten Kommunikation über eben jene sozialen Netze führt.

Also entweder die Mitarbeiter restlos zu unmündigen Kindern machen, und auch noch alle privaten Smartphones in der Firma verbieten, oder sich darauf einlassen, dass viele Mitarbeiter schon heute jenseits der FIrmen-IT operieren. Und das nicht aus bösem Willen. Sondern weil sie schlicht und ergreifend effizent UND effektiv arbeiten wollen und die Einschränkungen durch sicherheitsfanatische IT Security oder in Standards vernarrte Hotlines schlicht als grosse Behinderung empfinden.

Also, entweder diese überflüssigen „Nur in der Firma“ Messenger ins Netz öffnen, oder weg damit.

Keine EMail nach Feierabend. Bevormundung oder Mitarbeiterschutz?

Gut, dass ich keinen Blackberry habe, so kann ich selbst entscheiden, wann ich erreichbar sein will.

VW-Betriebsrat setzt E-Mail-Stopp nach Feierabend durch so berichtet der Spiegel. Klingt ja eigentlich erst mal gut. Aber was soll das? Wieder das beliebte: Wir müssen die Mitarbeiter vor sich selbst schützen? Und welchen Effekt erhofft man sich davon, außer, dass die Mitarbeiter, die dennoch erreichbar sein wollen jetzt außerhalb der Firmenkontrolle mit ihren eigenen Smartphones ein „verstecktes“ ein „graues“ Netz von Erreichbarkeit aufbauen?

Ich weiß nicht, worauf man hier überhaupt stolz sein will? Man bevormundet wieder mal die Mitarbeiter, schreibt ihnen ihre Arbeitsform vor und erklärt das zur tollen Errungenschaft, anstelle sich darüber Gedanken zu machen, wie man diese Freiheit erhalten und gleichzeitig die Mitarbeiter schützen kann. Ich halte dieses Vorgehen für blanke Bevormundung und Entmündigung des denkenden Mitarbeiters. Nochmal, weil ich es immer wieder predige: Wer sich überarbeiten will, der tut das. Da helfen dann auch keine Verbote, sie können, auch wenn das vielleicht einige wenige überrascht, umgangen werden.

Schade, dass offensichtlich in vielen Firmen noch keinerlei Umdenken in Richtung neuer Arbeitsmodelle angesetzt hat. Vermutlich wird man als nächstes die Gleitzeiten und Überstunden abschaffen und in 3-5 Jahren wieder 8:59 vor der Stechuhr stehen, um ja nicht zu früh oder zu spät ein- oder auszustechen.

Moderne Arbeitswelten gehen anders. Und auch wenns dem lieben Betriebsrat nicht gefällt. Sie kommen und sie bauen sich auf, denn sie sind schon lange nicht mehr unter der Kontrolle der Unternehmen. Vernetzung läuft global und verzahnt sich zwischen Privat und Beruf. Wen ich über seinen Blackberry nicht erreiche, den erreiche ich, wenn er das will über seine EMail, sein Telefon, seinen Messenger, sein Facebook, sein Twitter.

Verbietet ihr nur. Hätte ich einen Blackberry, mich würde das nicht anfechten, da meine WICHTIGEN beruflichen Kontakte mich eh alle über Messenger oder Twitter erreichen.

UPDATE: Das gilt übrigens nur für die Mitarbeiter mit Tarifvertrag. Alle andern haben das Gl…. aeh die böse Strafe, selbst denken zu müssen, wann sie erreichbar sind. Wie schön es doch ist, wenn einem das Denken tarifvertraglich abgenommen wird.
UPDATE 2: Einen sehr schönen Kommentar zu dem Thema liefert auch Sascha Lobo bei SPON. Unbedingt lesenswert!
In diesem Sinne, ein schönes, ein geruhsames Weihnachtsfest. Und wer mich über die Feiertage erreichen darf, der weiß ja wie 😉

Vom Fluch der Standards

Zuforderst, damit hier keine falschen Eindrücke entstehen. Ich halte Standards für sinnvoll. Wenn man es nicht übertreibt.
Doch genau das scheint eine beliebte Tendenz zu sein, insbesondere bei Unternehmen und Themen, die eine gewisse Grösse erreicht haben. Dann wird versucht, alles in einen Standard zu pressen. Von der Art der Schreibtische bis zum Aussehen des Desktops. Von der Vorgehensweise beim Programmieren bis hin zu den Werkzeugen, die jeder benutzen darf. Das mögen gute Ansätze sein, aber wo ich jemandem einen Standard sichtbar aufzwinge, ist das meist zum scheitern verurteilt.

Standards sind immer dann gut, wenn sie die Auswahl des einzelnen nicht beeinflußen. Oder zumindest dafür sorgen, dass egal was derjenige auswählt, er es immer wieder verwenden kann. Also bei Produkten. Es ist sinnvoller Standard, eine Norm für die Stecker von Ladegeräten einzuführen oder für Papiergrössen und verschiedene Maßeinheiten.
Ganz anders ist die Sache aber gelagert, wenn sich Standards mit den persönlichen Vorlieben von Menschen überschneiden oder gar eine ganze Gruppe auslassen.
Standardarbeitsplätze mögen an sich eine gute Idee sein, würden wir alle auf die völlig gleiche Art arbeiten. Aber genau das tun wir nicht. Gerade hier gilt, was dem einen sin Ul is dem andern sin Nachtigall. Ich bin Linkshänder und bekomme bei einem projektbedingten Umzug meinen Tisch in schöner Regelmässigkeit so aufgebaut, dass er auf einen Rechtshänder ausgerichtet ist.
Ich entwickle in einem Umfeld, in dem ich als jemand, der mit Maus und GUI arbeitet, stets den Vorwurf zu hören bekomme, wie kannst du nur so arbeiten.

Für Standards gilt, wie für vieles im Leben. Nur weil es standardisiert ist, ist es nicht gut. In vielen Bereichen ist es gerade die Vielfalt, die absichert, die es ermöglicht bei Versagen eines „Standards“ auf einen anderen auszuweichen.
Gerade in der Ergonomie finde ich es bedenklich, wie häufig hier Standards festgelegt werden für Abstand zum Bildschirm, bevorzugte Farben, Schriftgrössen und ähnliches. Dabei finde ich es z.B. anstrengend, mit grossen Schriften zu arbeiten und mag es, meinen Bildschirm möglichst weit ans Tischende zu stellen. Beides kein Standard.
Deshalb stelle ich mir meine Umgebung häufiger neu ein, wenn mal wieder der „Standard“ meine Konfiguration plattgebügelt hat.
Ich würde stets empfehlen, bevor wir uns auf einen Standard festlegen, erst zu hinterfragen, ob der Standard die Situation wirklich verbessert. Und diese Frage MUSS man sich in regelmässigen und nicht zu langen Abständen wieder stellen. Der Standard von heute kann das Hindernis von morgen sein.

Standards machen in einer eher statischen, nicht innovativen Umgebung Sinn. Wo aber Innovation gefordert wird, kann der Zwang zum Standard, sei es die Programmiersprache, das Werkzeug oder der Prozess sehr schnell zum grossen Hindernis werden und gegebenenfalls mehr Geld kosten, als die Einhaltung des Standards an Ersparnissen bringt.

Die EU will Krankenschwestern mit Abitur?

Die EU fordert für Krankenschwestern und in Pflegeberufen tätige eine 12 jährige Schulausbildung.

Da mag ja gut gemeint sein, aber ist meiner Ansicht nach illusorisch, so lange diese Berufe weiterhin so schlecht bezahlt werden. Jeder Investmentbroker verdient durch Geld hin und her schieben bedeutend mehr Geld als eine Krankenschwester, die sich um Menschen kümmert und zu deren Heilung beiträgt. Irgendwie scheint mir hier das Bild etwas verzerrt zu sein. 12 Jahre Schule nur dann, wenn auch die Gehälter DEUTLICH steigen! Sonst macht man sich den Nachwuchs noch mehr kaputt, denn wer will schon nach 12 Jahren Schule für ein aktuell normales Gehalt im Pflegebereich arbeiten. Die Gehälter sind jetzt schon zu niedrig, aber mit solchen unausgegorenen Forderungen macht man sich den Nachwuchs noch mehr abspenstig.