re:publica: Falsche Narrative, richtige Visionen und was uns allen fehlt

wpid-20140507_110355.jpgDie Republik trifft sich. Nein, falsche Formulierung, die res-publica trifft sich auf der re-publica. Wer im Jahre 2014 auf die re:publica kommt, weil er ein Treffen von Nerds mit Nerds, von Bloggern mit Bloggern erwartet, dürfte enttäuscht worden sein.

Selten war die re:publica so sehr auch Spiegel der Gesellschaft, wie dieses Jahr. Das mag auch der schieren Menge an Besuchern und der immer weiter ausfächernden Vielfalt der Themen für die Sessions geschuldet sein. Und dennoch zieht sich auch weiterhin ein digitaler roter Faden durch die, ja was ist die re:publica eigentlich? Konferenz, ne, dazu kann man zu sehr auf Augenhöhe kommunizieren. Barcamp? Zu vorausgeplant. Sagen wir es so, die re:publica ist die Quintessenz dessen, was als immerwährender Diskurs das Jahr über durch die wie wir gelernt haben eigentlich gar nicht vorhandene Netzgemeinde wabert. Sparen wir uns das erste Wort Netz und ersetzen das zweite durch Gesellschaft, kommen wir der Sache schon näher. Die re:publica 2014 ist auch Schmelztiegel von Vorreitern, Mahnern, Vor- und Querdenkern der ganzen Republik (sic). Wenn ein Raul Krauthausen Car Sharing für Menschen mit Behinderung fordert, hören ebenso alle zu, wie wenn ein „einfacher Blogger“ eine Session hält. Es geht nicht um Rollen, um Titel oder Reichweite. Es geht um den offenen Austausch.

Und es geht auch darum, aushalten zu können, wenn Sascha Lobo die Saalgemeinde beschimpt, weil wir doch alle den Worten keine Taten folgen lassen, weil wir alle immer dann laut werden, wenn wir dafür nicht von der Tastatur weg müssen.

Was ich für mich von der re:publica mitnehme ist, dass wir alle verdammt nochmal endlich unseren Hintern hoch kriegen müssen und den Marsch durch Insitutionen, seien das nun Schulen, Vereine, Behörden,Medien gehen müssen um das mal zu tun, was wir seid Jahren immer fordern….. Aber halt nur von „den anderen da“. Wir müssen das Digitale ins Analoge tragen. Wir müssen Menschen die Potentiale aufzeigen und die Gefahren.

Und zwar in deren Narrativen. Auch das ist ein Auftrag an uns alle. Macht die Botschaft sexy. Zeigt, dass es wichtig, relevant und wertvoll ist, sich Gedanken zu dem zu machen, was unsere Regierung im Fall Snowden tut, und noch viel wichtiger, was sie nicht tut. Wir brauchen klarere Botschaften, wir müssen die Aushorchverbrecher vorführen. Der Protest muss laut, muss öffentlich und muss penetrant sein und bleiben.

Und was ich auch gelernt habe. Wir sollten verdammt nochmal aufhören, unserer Jugend das Engagement, die Innovationsfreude, die Fähigkeit zwischen gut und schlecht zu unterscheiden abzusprechen.

Die Jugend kann sehr wohl zwischen gut und böse, zwischen gut und schlecht unterscheiden. Aber für sie gehören die „alten Medien“ und ja, dazu BnBtqVkCAAAOR1egehören auch bereits die ersten Blogs bereits zum Bereich schlecht. Wenn ich erlebe, wie indifferent meine Kinder dem Thema Datenschutz gegenüber standen, wie oft ich mit ihnen sprechen musste, bis sie verstanden, was gut und was schlecht ist wenn online gestellt, das waren viele Gespräche. Bis zu dem Tag, an dem sie bei ihrem heißverehrten Youtuber @lefloid plötzlich etwas über PRISM und Snowden hörten.

Nun bin ich es, der hinterher hecheln muss um all ihre Fragen sinnvoll,ehrlich und auch vernünftig jenseits meiner Filterblase als „fucking old digital native“ zu erklären.

Ich glaube, wir sind bereits so sehr zum digitalen Establishment mutiert, dass wir uns in den nächsten Monaten ganz schön lang machen müssen, um von unserem hohen „Wir wissen doch alles besser als ihr“ Ross runterzukommen.

Die re:publica im Jahre 2014 und im Jahre 1 nach Snowden der digitalen Zeitrechnung ist tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nun müssen ihr die Telnehmer in Kopf, Herz und Blog folgen.

We are living the future ist wohl wahr. Aber für 2015 ist mein persönliches re:publica Motto: Out of the wild, into the public.

Und für uns alle, für jeden Tag, für jeden Ort: Kriegen wir endlich unseren Arsch hoch und machen wir unseren Mund auf. Und seien wir penetrant. Erst wenn wir diejenigen, die sich ignorant über den Willen der Bürger und der digitalen wie analogen Gesellschaft hinwegsetzen so richtig nerven können wir sagen: „Now we are talking public“

Die Jugend und die Vereine. Keine Lust, aus gutem Grund

In meinem Umfeld klagen so einige Vereine über mangelnden Nachwuchs. Sei es der Gesangsverein oder der Umweltschutzverein. Überall lässt das Interesse an aktiver Teilnahme nach. Woran liegt das?

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Während die „Alten“ immer noch „Das Wandern ist des Müllers Lust“ trällern, Slammen die Jungen zu kreativer Poetry wie beim Poetry Slam in Ellwangen

Für mich kristallisiert sich vor allem ein Faktor heraus, der mich selbst auch an so ziemlich allen (vor allem wohl deutschen) Vereinen. Der unglaubliche Dogmatismus. Es gibt Regeln und Positionen zu relevanten Kontexten. Und darüber darf weder diskutiert, noch nachgedacht werden. Ganz schlimm ist das bei den gesellschaftskritischen Vereinen wie Umweltschutz oder Verkehrsverbänden. Bin ich Autoclub, ist alles andere böse. Bin ich Radverband, dann habe ich hier ganz dezidierte Positionen zu Radwegen, Helmen etc. Und das muss dann auch jedes Mitglied immer wieder über sich ergehen lassen. Doch die Jugend merkt, dass es diese reinen Lehren nicht mehr gibt, dass die Welt komplizierter ist.
Dass es zum Beispiel überhaupt nichts bringt. Froschlaich zu retten, wenn man ihn dann in den nächstbesten mit Fischen besetzten See wirft.
Oder dass es eben in manchen Kontexten auch fatal sein kann, gegen Gentechnik zu sein.
Die Jugend engagiert sich selektiver, zieht sich auch aus dummen Projekten schneller zurück und lässt sich generell ungerne vorschreiben, wie die Lebensführung auszusehen hat. Auch mit die größten Vereine, die beiden christlichen Kirchen merken dass, wenn alte teilweise völlig realitätsferne Dogmen nicht hinterfragt werden.
Vielleicht müssen sich hier die Vereine endlich von ihren starren Strukturen lösen und auch akzeptieren, dass die Welt nicht schwarz oder weiß ist.
Aber dann kratzen sie ja an den eigenen Fundamenten. Und besser, man rührt so was gar nicht an, dann müsste man sich ja verändern.

So lange die meisten Vereine ihre Mitglieder in enge Korsetts von Ritualen, von volkstümelnden Gesangsvereinsfesten oder überernst genommenen Turnieren zwängen, werden immer weniger Lust auf Vereinsleben haben. Wer im Chor immer noch die uralten Lieder singt, statt auch mal auf moderne Musik zu setzen, wird eben auch nur genau diese Klientel ansprechen. Und so lange moderne Trends und andere Denkmuster als die eigenen teilweise Jahrzehnte gewachsenen nicht überdacht und an die Gegenwart angepasst werden, wird der Mitgliederschwund weitergehen.

Wird Smartwear ein Erfolg? Gute Frage, indirekte Antwort

24.01.14 - 1
Das Fitbit Flex ist jetzt nicht direkt eine Schönheit aber zumindest dezent.

Ich bekomme in letzter Zeit immer häufiger diese Frage zu hören. Und ich kann, um ganz ehrlich zu sein, hier keine „korrekte“ Antwort geben. Aber ein paar Indizien gibt es auf jeden Fall, die darüber entscheiden dürften, ob Smartwear bzw. spezifische Smartwear Lösungen ein Erfolg werden oder nicht.

Der oberste, wichtigste und am meisten vernachlässigte Punkt ist die Batterielaufzeit. Schon beim Smartphone stört es mich, dass ich es jeden Tag laden muss, so ich es denn zu mehr nutze als nur den Grundfunktionen. Da ein inhärenter Aspekt von Smartwear ist, dass es nicht nur ein Device geben dürfte, sondern jeder mehrere mit sich trägt, sei es direkt oder indirekt.Und hier dann jedes Device täglich oder zumindest mehrmals die Woche aufladen zu müssen, wäre mehr als ärgerlich.

Auch bei hoher Nutzungsintensität muss ein SmartWear Device auf jeden Fall zumindest einen kompletten Arbeitstag durchhalten. Und nutzt es kein Poweruser, sollten mehrere Tage drin sein.
Auch die Art der Aufladung sollte einfach sein. Das Device irgendwo hinlegen, ohne darüber nachdenken zu müssen, ob es auch eingesteckt ist. Denn Smartwear darf sich im Alltag nicht aufdrängen. Sie muss funktionieren, wenn sie benötigt wird und ansonsten keinen Gedanken wert sein.

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Da viele Menschen Uhren eher als Schmuck, denn als Zeitmesser tragen, ist gerade bei Smartwatches das Design von Bedeutung.

Auch bei den Preisen gibt es Schmerzgrenzen. Sind schon Smartphones recht teuer wird es wenig Akzeptanz finden, wenn man dann auch für diverse Smartwear Devices nochmals tief in die Tasche greifen muss.
Schon bei den Smartwatches sehe ich eine Schmerzgrenze bei Preisen um die 200 Euro, wobei hier der Massenmarkt meiner Ansicht nach erst beginnt, wenn die Mehrzahl der Smartwatches bei ca. 100 Euro preislich endet.

Weiterhin sehr wichtig sein dürfte die einfache Bedienung. Je mehr Gadgets ums so mehr Geräte, mit denen ich interagieren muss. Idealerweise reagiert das Gadget proaktiv, Google Now zeigt hier in begrenztem Maß schon den Weg. Ein Smartwear Device soll mich im Alltag unterstützen ohne mich zu stören. Hier sehe ich eine große Herausforderung für die Hersteller, wenn sie ihre Produkte nicht nur für technophile Menschen anbieten wollen.

Auch die Datenhaltung ist ein wichtiger Aspekt. Zum einen natürlich die Datensicherheit und der Datenschutz. Das ist fast schon Allgemeingut. Aber auch die einfache Synchronisation der Daten mit etwaigen Diensten. Idealerweise muss dies automatisch passieren oder zumindest ohne aktives Anstossen durch den Nutzer.

Und letztlich muss sich ein echter Mehrwert bei jedem Device ergeben, das auf den Markt gebracht wird. Mein Eindruck ist, jenseits von sportbegeisterten Nutzern, die damit ihre Aktivitäten elegant und einfach tracken können sieht es bislang noch recht schlecht aus mit echten Killeranwendungen.

Was viele auch unterschätzen ist das Design. Schon bei Smartphones geht der Fokus weg von der reinen eingebauten Technik hin zum Aussehen. Das wird sich bei Smartwear, die ggf. den ganzen Tag am Körper getragen und für andere sichtbar ist, noch verstärken. Hier ist es dann weniger wichtig, was drin steckt, als wie das ganze getragen aussieht.

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Eine Uhr ist immer auch Schmück und sollte deshalb auch ein stimmiges Design sowohl des Gehäuses, als auch der Apps haben.

 

Trendforschen durch Crowdfunding. Der Kickstarter Effekt

Als Teilzeittrendforscher ist für mich eine der profunden Quellen für neue Ideen und aufkommende Trends das Crowdfunding. Genauer gesagt Plattformen wie Indiegogo, Startnext und Kickstarter.
Hier lässt sich sehr gut beobachten, womit sich innovative Menschen beschäftigen und was die Nutzer für nützlich und relevant halten.
Abstrahiert man dann von den Produkten auf die dahinter liegenden Denkmodell, lassen sich daraus auch gesellschaftliche Trends ablesen.

So kann man beobachten, dass immer mehr Künstler ihre Projekte durch ihre Fans finanzieren.   Der Vorteil für beide Seiten? Größere künstlerische Freiheit, gesicherte Finanzierung und die Möglichkeit, Projekte zu starten, die nicht dem ökonomisierten Mainstream gehorchen.

Ein weiterer Trend ist das zunehmende verschwinden von Bargeld. Wenn man zum Beispiel auf Kickstarter nach dem Begriff wallet, also Geldbörse sucht, so findet man eine Unzahl von Projekten, deren Fokus auf Minimalismus und primär auf die Nutzung von Karten fokussiert. Bargeld wird in diesen Konzepten gar nicht mehr oder nur noch als Notlösung gesehen.

Schon vor drei Jahren war mit der Pebble und anderen wearable devices der Trend abzulesen, über den erst in diesem Jahr die breite Masse spricht. Quantified self.

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Es begann mit der Pebble

Für mich der nächste Trend sind 3d Drucker für die Masse (ein Projekt dazu war binnen weniger Minuten finanziert)  und das Fahrrad als echtes Verkehrsmittel für den Alltag. Es ist auffallend, wie sehr sich die Zahl an Fahrrad Projekten in den letzten Monaten gesteigert hat, die darauf abzielen, das Fahrrad stärker als Verkehrsmittel für den Alltag zu etablieren jenseits eines einen Sportgerätes.

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Das Fahrrad als Verkehrsmittel für jeden Tag

Und günstige Technologie, insbesondere im Bereich Robotik und Computer (Kano sei hier nur als ein Beispiel genannt) wird es mehr Schulen möglich machen, die Kinder und Jugendlichen auf sinnvolle Weise an neue Technologien heran zu führen anstelle sich auf dumpfe Excel und Word Kurse zu beschränken.

Auch im Bereich Literatur bewegt sich etwas. Hier starten spannende Buchprojekte alleine finanziert durch die Crowd.  Das ist meiner Ansicht nach ein gutes Signal für Kunst und Kultur, die sich damit nicht mehr so allumfassend an den Kommerz verkaufen muss.

Man sieht an obigen Beispielen, Crowdfunding kann neben der reinen Finanzierung einer Idee auch ein gesellschaftlich kultureller Impulsgeber sein und gesellschaftlichen Wandel fördern, wo sich öffentliche Hand und Unternehmen verweigern.
Und Crowdfunding macht so manche disruptive Technologie oder gesellschaftliche Veränderung erst möglich, indem sie die Werkzeuge in die Hand der innovativen Menschen gibt.

Wer Kinder will, kann die Karriere vergessen.

Nachdem vor einiger Zeit ein ähnlicher Artikel in der „ZEIT“ Furore machte, in dem der Autor die Behauptung aufstellte, Kind und Karriere wäre ein Ding der Unmöglichkeit, stösst nun Tobias Haberl von der Süddeutschen ins gleiche Horn.

Schreiben da ewig gestrige? Ich denke nein, sondern es schreiben Realisten, die dem Wunschdenken unserer heutigen Zeit schonungslos den Spiegel vor halten.

Denn noch immer ist es fast unmöglich, ernsthaft an einer Karriere zu arbeiten und auch noch ein echter Familienmensch und Vater zu sein bzw. Mutter. (Wobei ich hier leider auch feststellen muss, dass selbst dieses Rollenbild noch sehr weit verbreitet ist und oftmals schon durch sehr unterschiedliche Einkommen quasi von Beginn an zementiert)

Mal ehrlich, sobald man in die Führungsebenen will, ist (Zeit) Einsatz weit jenseits des normalen gefordert.  Und ebenso soll man möglichst flexibel agieren, auch mal ganz schnell für mehrere Tage auf Dienstreise gehen.

Da es noch immer das Naturgesetz ist (und wohl so schnell auch nicht anders werden wird) , dass zwar beide Partner das Kind zeugen, die Frau es aber austrägt, ist es sie, die zwangsweise zumindest einige Monate bis ein oder zwei Jahre ausfällt für den Arbeitsmarkt (oder um es in Managementsprech zu formulieren, die als Humanressource wegbricht). Wenn dann der Mann gnädigerweise seine „Vaterspielzeit“ bekommt, dann ist das ein sehr begrenzter Zeitraum und danach wird wieder der gleiche volle Einsatz von ihm gefordert (und leider denken auch viele Männer immer noch in genau diesen Klischees, auch und gerade in vielen Führungsetagen).

Von der Frau auch,  aber da meist sie ja zu Beginn auf den Beruf verzichtet, um die ersten Jahre für das Kind da zu sein, bricht sie eine bedeutsame Zeit für den Aufstieg auf der Karriereleiter (oder besser im Karrierehamsterrad) weg. Zudem wäre es zwar wünschenswert, könnten beide Partner gleichberechtigt die Erziehung der Kinder teilen, aber bei vielen ist das schon finanziell nicht möglich. Kosten für Tagesmütter, Kindergärten (nicht überall ist der Kindergarten kostenlos und gerade Kindergärten, die Service jenseits von 8-12 anbieten können verdammt teuer sein). Da kommt schnell eine Summe zusammen, die mit nur einem hohen Einkommen nicht zu stemmen ist.

Wenn wir das ganze Fiasko mal genau betrachten, muss man, um wirklich entspannt und gleichberechtigt Kinder groß zu ziehen ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zum einen sollten beide Partner Berufe ergreifen, die nicht nur sehr gut bezahlt werden, sondern überhaupt schon mal die Möglichkeit zur Teilzeit bieten.

Mehr als ein Kind sollte man sowieso nicht bekommen, da mit verschiedenen Schulen, verschiedenen Klassen und ggf. auch noch verschiedenen außerschulischen Aktivitäten ein Elternteil logistisch stärker gefordert ist als so mancher Manager.

Und natürlich sollte man sich eine ganze Liste von Babysittern anlegen, wenn mal wieder beide Partner ganz dringend weil sonst die Firma untergeht irgendwo hin müssen oder unbedingt, weil sonst Morgen die Welt untergeht spontan Überstunden schieben sollen (auf Großeltern kann man meist nicht bauen, da bedingt durch die geforderte Mobilität diese mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso nicht in sinnvoller Nähe wohnen).

Oder, man verabschiedet sich von jedwedem modernen Denken und kehrt zurück zum Klassiker. Immerhin theoretisch mittlerweile in der Variante, der Vater bleibt daheim, die Mutter arbeitet weiter (so sie gut und gleichberechtigt bezahlt wird, was ja bekanntermaßen ebenfalls oft nur Wunschdenken ist.)

Nur wenn beide bereit sind, die Karriere hinten an zu stellen, kann man sich wirklich guten Gewissens gemeinsam um die Erziehung mehrerer Kinder kümmern und auch dann bereit stehen, wenn man gebraucht wird, nicht, wenn das Unternehmen einen ausnahmsweise mal nicht braucht.

Wir brauchen keine Fördergelder und Quotenregelungen. Was wir brauchen ist eine  Gesellschaft, die mal ganz ehrlich darüber nachdenkt, wie man die Gesellschaft und vor allem die Wirtschaft so umbauen kann, dass ernsthaft Beruf und Familie für ALLE in Einklang zu bringen sind, nicht nur für die Besserverdiener. Wer ehrlich und „ergebnisoffen“ die aktuelle Situation beobachtet, der wird zu der Erkenntnis kommen, dass  viele der Maßnahmen von Politik und Wirtschaft letztlich nur darüber hinwegtäuschen sollen, dass es beiden herzlich egal ist, wie der Bürger das mit dem Kinder kriegen hinbekommt, Hauptsache, man steht als Politiker/Manager gut da. Mit Familienfreundlichkeit schmückt man sich gern. Ernst nehmen und wirklich konsequent darauf hinarbeiten tun aber wenige. Und interessanterweise sind die wenigen, die es tun, oft kleine und mittelständische Unternehmen auf dem Land, die in der Familienfreundlichkeit auch das Potential sehen, dass sie nämlich effektiv hat. Einen nicht zu unterschätzenden Marktvorteil auf dem Arbeitsmarkt, wenn es um die Bindung hochqualifizierter Mitarbeiter an ein Unternehmen geht, das geographisch nicht in einer Region angesiedelt ist, wo sich sehr leicht „Humanressourcenersatz“ finden lässt.

Dass ernsthafte Familienfreundlichkeit in einem Unternehmen funktioniert, erlebe ich jeden Tag bei meinem Arbeitgeber, der schon sehr viel früher die Chancen einer familienfreundlichen Unternehmensführung erkannt hat. Denn wer auf dem zunehmenden Arbeitnehmermarkt mit Mangel an Fachkräften und demografischem Wandel bestehen will, und das vielleicht sogar noch nicht in den Ballungszentren, der muss sich schon was gutes einfallen lassen. Und dann in Familienfreundlichkeit zu investieren zahlt sich sehr aus. Vom Betriebskindergarten, der schon lange vor der aktuellen Diskussion existierte, über manigfaltige Teilzeitmodelle, die nicht nur vom „kleinen Angestellten“ sondern auch in den Führungsetagen genutzt und gelebt werden bis hin zu Pflegezeit für Angehörige oder den besprechungsfreien Tagen nach bestimmten Feiertagen werden viele Mittel genutzt, die es sowohl dem Vater als auch der Mutter erlauben, auch mit mehreren Kindern noch Beruf und Familie in Einklang zu bringen.

Aber leider sind solche unternehmerischen Denkweisen immer noch die Ausnahme in einer hauptsächlich männlichen auf Kampf und Konkurrenz ausgelegten Arbeitswelt. Es wird Zeit, die vielen schönen Reden einzufordern und statt Worten endlich Taten folgen zu lassen.

Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass Familienleben und Beruf in weiten Teilen der Gesellschaft endlich nicht mehr in Konkurrenz stünden. Aber leider sehe ich das nicht, und auch in zumindest naher Zukunft nicht, so lange wir immer noch eine Präsenzkultur haben und viele Manager alles für wichtiger halten, als die Familie. Zwar hört man schöne Reden zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber meist hört man diese Reden genau da, wo hinterher in kleiner Runde gelacht und weitergemacht wird, wie bisher. Geht ja, es gibt ja (noch) genug verfügbare Humanressourcen.

Interessant übrigens in diesem Zusammenhang, dass es mittlerweile schon, leider wie üblich nur in anderen Ländern wie Schweden Konzepte gibt, die zum Beispiel von einem 6 Stunden Tag bei gleichem Lohn ausgehen. Das überraschende, die Produktivität sinkt dort nicht sondern steigt sogar. Und mit 6 Arbeitsstunden pro Tag ist auch für Familien mit Kindern, wenn sie dadurch nicht wieder auf Einkommen verzichten müssen beides für beide Partner möglich. Aber dazu müsste man anders, moderner denken. Und irgendwie klappt das offensichtlich in Deutschland nicht wirklich.

Und übrigens, wer mal Top Management, hervorragende logistische Planung und Organisation erleben will, der sollte sich vielleicht einfach mal ansehen, was Mütter so jeden Tag leisten (ja, Väter auch, aber leider noch viel, viel zu wenige).

Und dann sollte jeder sich ehrlich mal Gedanken machen, ob er den folgenden Job haben möchte.

Update: unabhängig von meinem Beitrag befassen sich auch andere mit dem Thema Familienfreundlichkeit und so ist bei .comspace eine Blogparade gestartet, die sich mit der Frage befasst, was eigentlich genau Familienfreundlichkeit bedeutet. Dem schließe ich mich an und rufe ebenfalls dazu auf, bei deren interessanter Themenstellung mitzumachen.

Und wer Interesse hat, es existiert mittlerweile ein Etherpad, auf dem wir Materialien zu einer Podiumsdiskussion sammeln, die wir dann bei der nächsten re-publica starten wollen. Einfach eine kurze Nachricht an mich.

 

 

 

 

Netter Chef, blöder Chef: Plattformen zur Arbeitgeberbewertung immer beliebter

Folgenden Pressetext habe ich heute von scrivo-pr bekommen, und da ich mit den Aussagen, die darin getroffen werden in hohem Maße übereinstimme, bringe ich ihn hier mal unkommentiert. Wie gesagt, der dort wiedergegebene Eindruck deckt sich sehr stark mit meiner Sicht auf dieses Thema:

Dritter ADP Social Media Index: Anstieg des Prognose-Index um elf Punkte / Unternehmen planen stärkere Investition in Social Media in den kommenden sechs Monaten

Neu-Isenburg, 28. April 2014 – Ob Ausbeutung, chaotische Strukturen oder kinderfreundliche Organisation: Wie sich das Arbeiten in einem Unternehmen anfühlt, wissen neugierige Bewerber immer öfter bereits vor ihrem ersten Arbeitstag. Denn: Arbeitnehmer bewerten ihre Arbeitgeber zunehmend im Internet. Das zeigt der ADP Social Media Index (ASMI), die dritte Studie zur Social Media-Nutzung im Personalmanagement von ADP. Die Macht der sozialen Medien ist Unternehmen bewusst. Unternehmen wollen deshalb in den nächsten sechs Monaten noch stärker in soziale Medien investierten. Laut Untersuchung ist der Prognose-Index, der die Bereitschaft für Social Media-Investitionen anzeigt, um elf Punkte gestiegen.

Arbeitgeberbewertungsplattformen sind auch in Deutschland im Kommen. Das gilt vor allem für kununu. Was klingt wie eine exotische Frucht, zählt laut ASMI zu den führenden Arbeitgeberbewertungsseiten im deutschsprachigen Raum. „Kununu-Bewertungen werden zunehmend auch bei Xing angezeigt. Kununu setzt sich in den meisten Firmen durch“, erklärt Prof. Dr. Walter Gora von der Cisar – consulting and solutions GmbH, die die Studie im Auftrag von ADP durchgeführt hat. Bei Kununu stieg demnach die Anzahl der Unternehmen, die mindestens zwei Bewertungen verzeichnen, von 69 Prozent im Dezember 2012 auf heute 80 Prozent.

Firmen sprechen Bewerber laut ADP zunehmend dort an, wo diese sich aufhalten: in sozialen Netzwerken. Folge: Soziale Netzwerke zählen inzwischen für 30 Prozent der Unternehmen zu wichtigen Rekrutierungskanälen. Die eigene Unternehmenswebseite bleibt zwar aktuell 96 Prozent der am häufigsten genutzte Weg. Allerdings folgen LinkedIn mit 54 und Xing mit 52 Prozent. Facebook wird aktuell erst von rund jedem vierten Unternehmen (23 Prozent) genutzt. „Die Kommunikation mittels Social Media gewinnt immer mehr an Bedeutung“, sagt Professor Andreas Kiefer, Vorsitzender der Geschäftsführung von ADP Deutschland.

Bereits 24 Prozent der befragten Unternehmen haben eine Social Media-Strategie für das Personalmanagement entwickelt. In der ersten Erhebung im Dezember 2012 waren es nur acht Prozent und im Juni 2013 waren es schon 16 Prozent der befragten Unternehmen. „Diese Entwicklung zeigt, dass sich immer mehr Unternehmen Gedanken über eine Social-Media-Strategie machen und diese auch umsetzen“, erklärt Kiefer.

Die mittlerweile dritte Erhebung des ASMI analysiert die Anwendung von sozialen Medien im Personalbereich deutscher Unternehmen. Seit 2012 wird er halbjährlich erhoben. Dabei werden Unternehmen quantitativ befragt und ihr Social Media-Einsatz qualitativ untersucht. In den Untersuchungen und Prognosen fließen die Daten und Angaben von rund 240 Unternehmen ein.
Über ADP:
ADP ist der weltweit führende Anbieter von Services und Lösungen rund um die Entgeltabrechnung, Personaladministration und das HR-Management. Automatic Data Processing, Inc. (Nasdaq: ADP) wurde 1949 in New Jersey, USA, gegründet und ist in über 70 Ländern einschließlich China erfolgreich vertreten. Seit über 60 Jahren realisiert ADP die Optimierung und Auslagerung von HR-Geschäftsprozessen (Business Process Outsourcing). ADP arbeitet weltweit für etwa 620.000 Kunden aller Branchen und Größen. In Deutschland erfolgt bereits jede 5. Personalabrechnung mit Produkten und Services von ADP. 60.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von über 11 Mrd. US Dollar weltweit. ADP realisiert über 50% des Umsatzes mit mittelständischen Unternehmen. 2012 hat das weltweit anerkannte Wirtschaftsmagazin FORBES ADP unter die Top 100 der innovativsten Unternehmen aufgenommen. ADP besitzt als einziges Unternehmen ein Triple A-Rating, zusammen mit Johnson & Johnson, Microsoft und Exxon. Laut einem Ranking des renommierten Security 500 Magazin zählt ADP im Bereich Business-Services zu den weltweit drei sichersten Unternehmen.

Wenn Datenschützer dummes tun

„Erklärt Google Glass Träger zu Idioten“ fordert Datenschützer Weichert. Damit muss ich sagen bringt er sich genau in diese Ecke. Einen idiotischeren Vorschlag kann man wohl kaum machen.

Zum einen ist das ein direkter Aufruf zum Mobbing, zum anderen hat das schon bei anderen Technologien nicht funktioniert, mal abgesehen davon, dass so ein Vorschlag nur eines zeigt, dass der Fordernde sich offensichtlich nicht mit der Technologie auseinandersetzen will und sie gesellschaftlich vernünftig diskutieren sondern am liebsten verbieten. Dumm, sehr dumm aber auch typisch deutsch. Damit disqualifizieren sich deutsche Datenschützer einmal mehr als weltfremd und rückwärts gerichtet.
Auch das ist Diskriminierung aber typisch für zornige, technologisch abgehängte alte Männer.

Übrigens kann ich auch mit meinen Smartphone oder den neuen Smartwatches immer und überall ein Photo machen.

Aber es ist ja immer das beste etwas zu verbieten, was wenige missbrauchen können. Also weg mit Fotoapparat und Mobiltelefon, Demonstrationsrecht und Pressefreiheit, freier Marktwirtschaft und Demokratie, denn bitte werter Herr Datenschützer, wenn schon, dann jeden Missbrauch stoppen. Damit wir vor uns selbst geschützt werden. Schließlich sind wir alle kleine dumme Kinder….. NOT

Google+ und der „könnte“ Journalismus

Google verliert einen der Köpfe, die hinter Google+ steckten und strukturiert intern um. Und schon schießen die spekulativen Artikel ins Kraut, die das Ende von Google+ sehen. Wie eigentlich immer mal wieder. Ich nenne es den „Könnte“ Journalismus.

Eigentlich braucht es einen Filter a la Adblock, der Artikel mit zu vielen könnte/würde/möglicherweise/Gerüchte sagen einfach ungelesen löscht.

Wer meint, ein Artikel, der vor allem mit vielen Konjunktiven arbeitet KÖNNTE relevant sein, dem kann ich nur sagen, er IST es nicht.

Das ist kein Qualitätsjournalismus, sondern Klickbaiting, Sensationsjournalismus oder einfach nur ein Artikel, der mit heißer Luft eine Lücke füllt. Aber wir Blogger sind hier auch nicht frei von Schuld. Wie oft lese ich Spekulationen um das „nächste“ Produkt, die eigentlich nur aus wildesten Spekulationen, Gerüchten und teilweise völlig sinnfreien Annahmen bestehen.

Wir müssen uns endlich wieder mehr auf die Fakten konzentrieren. Wir interpretieren viel zu viel in nichts. Aber das haben wir vermutlich von den Finanzanalysten und Börsenbrokern gelernt. Die leben ja auch davon, dass sie irgendwelche meist ziemlich hirnrissigen Vorstellungen über Umsatz oder Verkaufszahlen von Unternehmen aufstellen und wenn sie dann nicht recht behalten gleich panisch verkaufen oder kaufen. Wir leben in einer Welt des möglicherweise. Wir sollten wieder in eine Welt des faktischen zurückkehren. Nicht völlig, aber in vielen Bereichen. Sonst könnte…. aber lassen wir das.