Es gibt keinen Fachkräftemangel sondern einen Lohnsklavenmangel

Ich kann es bald nicht mehr hören, das Wehklagen über den Mangel an Fachkräften. Das ist meiner Ansicht nach völliger Quatsch. Vielmehr erleben wir nachwachsende Generationen, die am Beispiel ihrer Eltern verschiedenes gelernt haben.

Zum einen, dass viele Familien an der Tendenz alles der Arbeit unterzuordnen zugrunde gegangen sind. Da wurden Freundeskreise, Lebensumfelder dem Umzug für die Karriere geopfert und Ehepaare ließen sich scheiden, weil man sich ob der Karriere und der verschiedenen Lebensplanungen auseinandergelebt hat.

Zudem dürften immer mehr junge Menschen mitbekommen, dass viele der jetzigen Elterngeneration nahe am Burn Out sind, oder bereits einen Gutteil ihres Gehaltes für den Erhalt bzw. die Wiederherstellung ihrer Gesundheit opfern müssen.

Ich glaube, wir erleben keinen Fachkräftemangel sondern einen Mangel an Menschen, die bereit sind für die Karriere für ein Unternehmen, das sie ggf. nach ein paar Jahren sang und klanglos auf die Straße setzt ihr Leben, ihre Gesundheit, ihr Glück zu opfern. Die junge Generation ist nicht mehr bereit, sich permanent als Praktikant zum Billiglöhner machen zu lassen und für dumm verkauft zu werden.

Und sofern sie in einem extrem verschulten „Studium“ (wenn man das überhaupt noch so nennen darf) noch Zeit zum Nachdenken haben, dann wird doch immer häufiger hinterfragt, für wen man da eigentlich studiert. Für sich, oder um sich möglichst optimal in diejenigen Denkstrukturen einzupassen, die uns so schöne Dinge wie die Finanzkrise beschert haben.

Wer sich selbst schamlos hundertfache Gehälter im Vergleich zu seinen Angestellten gönnt und dann von eben diesen Lohnverzicht fordert, der braucht sich über einen Fachkräftemangel nicht zu wundern. Niemand arbeitet gerne quasi umsonst in einem Umfeld, dass einen zur Humanressource reduziert.

Und ganz ehrlich? Das ist verdammt noch mal gut so! Aber es bietet auch den Unternehmen ganz neue Chancen, die bislang auf dem Arbeitsmarkt wegen fehlender exorbitanter Gehälter Probleme hatten. Gerade auch im ländlichen Umfeld. Denn immer häufiger wird hier der Fokus auf das Gesamtpaket gelegt. Nicht nur ein gutes Gehalt, auch ein gutes Umfeld, soziale Leistungen, Sicherheit des Jobs, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wer hier mehr bietet als nur den Standard hat echte Chancen, auch High Performer zu bekommen, die bislang vor allem auf ein Top Gehalt angesprungen sind.

Bislang galt offenbar bei vielen die Strategie, Hauptsache das Gehalt stimmt. Aber genau das ändert sich, das Gehalt wird immer mehr zur Basis, und die wichtigen Faktoren werden die weichen Faktoren, wie Work Life Balance (oder Integration, wie ich bevorzugt sage), Familienfreundlichkeit, auch das Achten auf die Gesundheit der Mitarbeiter. (Ein gutes Indiz hier ist, ob das Unternehmen so etwas wie einen Betriebsarzt oder ein Gesundheitszentrum hat)

 

Smartphones in der Schule verbieten, das Armutszeugnis der Gestrigen

Da schreibt mir ein „Friend“ (also ein Bekannter) auf Facebook, dass an dem Gymnasium seiner Kinder jetzt Smartphones komplett verboten wurden. Auch in den Pausen. Und die Eltern haben dem applaudiert. Und auch in Stuttgart scheint man stolz darauf zu sein, zu verbieten, statt zu erziehen.

Da fällt mir nur ein. Peinlich und ein Armutszeugnis. Denn zum einen zeigen mir die applaudierenden Eltern, dass sie offenbar nicht dazu in der Lage sind, Medienkompetenz an ihre Kinder weiter zu vermitteln (vermutlich weil sie ihnen selbst fehlt und sie auf Medien wie BILD und die Privatsender reinfallen) zum anderen, dass hier offensichtlich keinerlei didaktische Kompetenz im Lehrkörper vorhanden zu sein scheint, den Kindern einen vernünftigen Umgang mit den neuen Medien beizubringen.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir 100% sicher bin, dass ein solches Verbot den Reiz der Mitnahme von Smartphones eher noch erhöht, halte ich solche Denkmuster für fatal und gefährlich. Wann, wenn nicht während der Schulzeit sollen unsere Kinder den Umgang mit Medien lernen. Und das zu diesem Umgang Verbote nicht gehören sollten, da sie eher kontraproduktiv wirken scheint den lieben Eltern nicht klar zu sein. Es geht darum, Regeln zu definieren, in den Konflikt mit den Kindern zu gehen, auch mal über den eigenen technophoben Tellerrand zu springen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Medienkompetenz und Erfahrung im Umgang mit neuen Technologien ein Schlüsseltalent ist.

Andere Länder haben das offensichtlich schon viel früher verinnerlicht, in England ist das Programmieren lernen ab September fester Bestandteil des Unterrichts, während wir glauben, der Umgang mit Excel und Word bedeute ein Verständnis von Computer zu haben.

So, und jetzt freue ich mich auf die Trolle, die mit Sicherheit gleich wieder auf mich drauf hauen, weil Kinder ja kein Smartphone brauchen, weil es ja die böse Strahlung gibt, und ach, weil ja früher eh alles besser war. Vor allem damals, auf den Bäumen.. Oder noch schöner, im Meer.

 

Die Zukunft des Interfaces, Bedienkonzepte der Zukunft

SimvalleyWetterMOTIONNachdem das Smartphone sich als das Kommunikationsmedium der Gegenwart etabliert hat, und nur noch ewig gestrige hier Nutzungsverbote aussprechen ist der nächst große intellektuelle Aufruhr der Untergang des Abendlandes durch Datenbrillen und Wearables.

Aber mal abstrahiert von den Ängsten derer, die sich nicht wirklich mit den Technologien sondern nur mit ihren Ängsten vor Veränderung befassen, wohin führt die Reise, was die neuen Schnittstellenkonzepte angeht.

Betrachten wir dafür, wo wir unsere Gadgets meist benutzen und wozu. Primär um mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben, um immer an aktuelle Informationen zu kommen. Insofern wird das Hauptpräsentationsmedium auch weiterhin irgendeine Form von Display bleiben. Und da wir auch mal längere Texte lesen wollen, darf es nicht zu klein werden. Man kann zwar via Audio Output auch Texte vorlesen lassen, aber das kann im Alltag dann durchaus störend sein, zumal hier der Konsument sich an die Wiedergabegeschwindigkeit des Outputs anpassen muss.

Aber selbst ein Display kann auf verschiedene Arten realisiert werden. Prominentester Vertreter einer alternativen Präsentationsform ist Google Glass und in Zukunft ggf. Google Contact Lense. Was sind hier die Herausforderungen?

Neben der mangelnden Akzeptanz, die aber wohl mehr von der verbauten Kamera als von den Displaymöglichkeiten von Google Glass her rührt sind vor allem Aspekte des abgelenkt seins und der mangelnden Kontrolle von Gesprächspartner zu nennen, die sich bei Technologien wie Google Glass oder ähnlichem nicht mehr der vollen Aufmerksamkeit des Gegenübers sicher sein können bzw. ob das Gegenüber durch die Displaytechnologie in Gesprächen nicht Vorteile aus der immerwährenden Informationszugriffsmöglichkeit zieht.

BnBrlZJCMAAOEzaWenn es zusätzlich aber noch um den Input geht, dann schränkt sich die Variation noch weiter ein. Weder Gestensteuerung noch Stifteingabe sind voll  ausgereift. Ersteres hat zudem das Problem, dass nicht nur Menschen albern aussehen, die im Park scheinbar mit der Luft sprechen dank Freisprecheinrichtung, sondern ich mir ebenso wenig vorstellen kann, dass Menschen auf Dauer alles via Gesten erledigen wollen, die im leeren Raum operieren. Gesten ja, aber dann eng begrenzt auf Displays oder bestimmte Kontexte (zum Beispiel ein OP oder andere Umgebungen, die berührungslos funktionieren müssen).

Für viele gerade im beruflichen Umfeld ist und bleibt die Tastatur das Mittel der Wahl. Denn auch via Spracheingabe ist nur ein begrenztes Arbeiten mit standardisierten Kontexten (Diktat, einfacher Text) möglich. Programmierung via Spracheingabe dürfte eher unwahrscheinlich sein, ebenso wie Texteingabe mit komplexen Fachausdrücken. Jede notwendige Korrektur kostet Zeit, etwas, das scheinbar in der heutigen Zeit niemand mehr hat, obwohl uns die Maschinen doch Arbeit abnehmen sollten.

Für mich als Fazit: Wir werden auch in 10 Jahren noch mit Tastaturen arbeiten, die 20140507_111128dann vielleicht vom Design oder der zu Grunde liegenden Technologie her anders aussehen, aber dass flächendeckend Menschen mit Smartwatches sprechen werden oder wild in der Luft fuchteln um ihre Datenbrille zu steuern, halte ich für den Marketing Wunsch einiger IT Konzerne, der aber wieder mal sehr weit weg von der Alltagsrealität des Durchschnittsnutzers ist.

Was mir bei diesen Gadget Trends auffällt: Nach der berühmten Hypephase wandern die meisten in eine Nische und man kehrt zurück zu alten Konzepten nur in modifizierter Form. Nachdem zum Beispiel auch durch das IPad der Hype um Tablets ausgelöst wurde, kamen sehr schnell verschiedenste Cases mit Tastatur auf den Markt und nun kehrt man immer mehr zum Formfaktor des (Sub-)Notebooks zurück, der jetzt aber nicht einen festen Bildschirm sondern ein angedocktes Tablet hat.

 

 

 

Eine Smartwatch, was soll das?

IMG_20140418_145517Ich nutze nun schon seit einiger Zeit die AW414go von Simvalley. Und immer wieder werde ich darauf angesprochen, ob das denn überhaupt was bringt? Zumal die AW414go ein vollwertiges Smartphone mit Android darstellt, mit dem man also auch telefonieren kann und das kein Smartphone als Datenlieferant braucht.

Ich denke, im Moment sind Smartwatches noch eine Nische für Gadgetfreaks und Early Adopter. Es gibt hier zwei grundsätzliche Paradigmen. Zum einen die Smartwatch als verlängertes Display. Hier wird zwar auch eine Eingabe möglich, aber nur, um diese dann an das Smartphone weiterzugeben, das dann wiederum das Ergebnis auf der Smartwatch darstellt. In begrenztem Maß sind hier auch Standalone Apps auf der Smartwatch möglich aber primäre Daten- und Funktionsquelle ist das Smartphone.

Zum anderen Smartwatches wie die AW414go, die ganz eigenständig operieren und somit ein Smartphone ersetzen können, zumindest in der Theorie.

Woran es beiden Konzepten mangelt ist die Displaygröße. Man ist sehr eingeschränkt in dem, was darstellbar ist, Eingaben sind nur sehr schwer möglich (auch Spracherkennung kann hier nicht retten, da sie immer noch zu fehlerbehaftet ist)

Gerade für die Standalone Lösungen ist das der größte Kritikpunkt. Zumal eine Smartwatch auch nicht deutlich größer als eine gewöhnliche Uhr sein sollte, sonst nähert sie sich schon wieder den Mini Smartphones und ist außerdem nicht mehr angenehm am Handgelenk zu tragen.

Aber auch die Smartwatches, die nur als erweitertes Display fungieren  kranken zum Teil daran. Zwar scheint mit Android Wear ein Konzept erschienen zu sein, dass die Ausgaben der Apps für die Smartwatch auf das kleine Display optimiert, aber warum soll ich zusätzlich zum Smartphone, das ich ja dennoch immer noch bei mir haben muss noch eine Uhr tragen? Gerade für Menschen, die viel aktiv unterwegs sind, ist es wünschenswerter, ganz aufs Smartphone verzichten zu können, zum Beispiel in dem die Smartwatch gleichzeitig auch Fitnessuhr ist und beim Lauf die Route erfasst und ggf. auch postet.

Einen wirklichen Massenmarkt für Smartwatches auch mit dem Konzept von Android Wear sehe ich noch nicht. Und auch wenn Apple an einer eigenen Smartwatch arbeitet, so wird auch dort der Markt eher ein sehr eingeschränkter sein.

Wir haben uns für die neuen Smartwear Konzepte noch nicht wirklich an neue Interfaces gewagt. Bislang ist das meiste nur ein verkleinerter, informationsreduzierter Abklatsch dessen, was schon die Smartphones bieten.

Hier muss meiner Ansicht nach erst noch ein Gutteil Grundlagenarbeit erfolgen, bevor es wirklich tragfähige Konzepte für Wearable Devices jenseits von spezialisierten Anwendungen wie Fitnesstrackern gibt. Und wir sollten uns von Lösungen wie Sprachein- und Ausgabe nicht zu viel versprechen. Ganz ehrlich,wer will schon den ganzen Tag mit seiner Smartwatch sprechen. Man stelle sich das zum Beispiel im Großraumbüro, in der U-Bahn vor. Nein, auch in Zukunft wird die Geste der primäre Input für Smart Devices sein. Ebenso wird auch das Informationsfeedback noch meist auf einem Display erfolgen. Sprachein- und Ausgabe kann in besonderen Situationen (Stichwort Autofahren) von Nutzen sein, wird aber das Display Paradigma in nächster Zukunft keineswegs ablösen. Und da tritt dann wieder das Manko einer Smartwatch zu tage, die ja idealerweise der einzige Zugriffsweg auf die eigenen Daten bzw. die Daten des Smartphones sein soll. Es ist einfach zu klein für mehr als kurze Infohappen. Schon an Emails scheitert das Display.

 

 

Die Cloud kommt durch die Hintertür

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Nich Unmengen von Speicher im Device, aber in der Cloud.

Alle weltweit reden von „der Cloud“. Viele, von den Möglichkeiten, wir deutschen fast ausschliesslich von den (oft vermeintlichen) Risiken. Aber während noch eifrig diskutiert wird, zeigen mir persönlich einige Entwicklungen, dass der zweite Aufstieg der Cloud frei nach dem bekannten HypCycle in vollem Gange ist.
Ein Indiz für mich sind die Verkaufszahlen von Smartphones, Tablets und insbesondere Chromebooks. Alles Geräte, die nicht mit Monsterspeichermedien prahlen können, die kein Terrabyte an Daten bereithalten. Aber alles auch Geräte, die davon leben, darauf aufbauen, dass der Nutzer das meiste im Netz tut.

Und der Gedanke, wenn mal zu Ende gedacht macht Sinn. Denn Terrabytes an Daten verwalten ist vielleicht noch angenehm, wenn man wirklich nur ein Endgerät hat. Aber sobald ich Teile, Ausschnitte davon dabei haben will, sei es auf meinem Smartphone, dem Tablet oder meinem Ultrabook/Chromebook, dann brauche ich Synchronisierungsmechanismen. Und diese müssen zuverlässig laufen, und wenn ich unterwegs bin, darf da dann ja nichts fehlen.

Auftritt Cloud Speicher. Schon seit Jahren nutze ich die Cloud, um bei Workshops und Vorträgen alle mein e Dateien, Daten und Medien bei mir zu haben. Ich brauche mir NIE Gedanken zu machen oder zu prüfen, ob der Sync der letzten Nacht funktioniert hat. Und wenn es sich um sensible Daten handelt, na dann lege ich sie entweder auf meine private Cloud, die von einem simplen RaspberryPi bereitgestellt wird, oder lege sie verschlüsselt ab.

Damit sehe ich noch einen weiteren Trend auf uns zukommen. Es wird wieder abgespecktere, günstigere Endgeräte geben, die nicht mehr Unmengen an Rechenleistung oder Speicher mitliefern, sondern so abgestimmt sind, dass sie schnell arbeiten und schnell im Netz operieren. Denn die Rechenleistung wie auch der Speicher wird dann aus dem Netz kommen. Datenbackups inklusive.

Und während wir noch diskutieren, ob Google unsere Daten an die NSA gibt (warum eigentlich Google, jeder Trojaner auf dem eigenen Rechner kann das, oder evtl. das eine Game, das man heruntergeladen hat, aber Google Bashing ist ja dank Verlagen und Verwertungsgesellschaften in Deutschland gerade modern.) Nutzen weltweit immer mehr Menschen und gar Unternehmen die Cloud als Teil ihrer IT.

Wir leben in einer Welt der Schönfärberei

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Lorde hat es damals auf Twitter allen sehr schön vor Augen geführt. Oben zu sehen, das mit Photoshop bearbeitet Bild. Unten ein echtes Bild von ihr. Bravo für die Ehrlichkeit und die Chuzpe, hier die Medientäuscherei offen aufzuzeigen. Quelle: Lordes Twitter-Account

Schon mal irgendwelche Informationen über ein Unternehmen gelesen? Oder über eine Organisation? Und? Was aufgefallen?

Genau, man könnte meinen, jeder rettet die Welt, jeder ist der beste überhaupt und jeder weiß ganz alleine, wie es richtig geht. Wenn ich höre, wie Politiker selbst über große Niederlagen sprechen, wie die Prospekte von Unternehmen aussehen (von der Werbung wollen wir ja schon mal gar nicht reden,oder glaubt jemand ernsthaft, dass Massenware von Nudeln über Kuchen bis zu Eis noch so hergestellt werden, wie uns in der Werbung vorgelogen wird)

Kein Wunder, dass wir immer misstrauischer werden, hinter jedem gleich etwas böses vermuten. Wer mir nur positives erzählt, der lügt mich an. So einfach ist das. Niemand schafft es ernsthaft, nur gutes zu tun, das widerspricht schon dem Fakt, dass ein Unternehmen primär Profit zu erwirtschaften hat.

Und das ist das Problem, dass die Wirtschaft, das die Konzerne und ja auch die Politik mit Social Media hat. Hier wird Schönfärberei brutal abgestraft. Interessant war eine Umfrage, die ich vor kurzem in meinem Umfeld erlebt habe. Dort wurde gefragt, was junge Menschen sich für Informationen von Unternehmen erwarten und zwar insbesondere in Social Media. Der wichtigste Wunsch: Ehrliche Berichte, am besten aus erster Hand. Und auch mal was negatives, weil und da sollten wir nicht überrascht sein, unsere Jugend nicht so dumm ist, jedem in bunten Bildern gemalten Prospekt zu glauben.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Mehrheit der Menschen von Werbung so angewidert ist. Weil sie grundsätzlich schönfärbt, etwas nicht so darstellt, wie es ist, sondern so, dass der dumme Verbraucher es unbedingt haben muss. Aber der breit grinsenden Zahnarztfrau mit den strahlendweiß gephotoshoppten Zähnen glauben wir nicht mehr. Und diejenigen, die dem glauben, kommen sehr schnell in Schwierigkeiten, weil man die Idealweltlügen einfach nicht erreichen kann.

An Magersucht und Schönheitswahn ist die Werbung mit schuld. Und wenn sich die Agenturen noch tausend mal rausreden. Sie tragen eine große Mitverantwortung.

Warum wir keine Angst vor Robotern haben sollten, aber vor Politikern

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Noch kennen die meisten von uns Roboter primär als Spielzeug oder in der industriellen Fertigung, aber sie sind schon weiter, als wir denken.

Vollbeschäftigung ist immer noch ein Wort, das Politiker gerne heranziehen, wenn sie uns von den Qualitäten ihrer Politik überzeugen wollen.

Aber eigentlich lügen sie uns dann an. Denn was viele nicht wahr haben wollen. Immer mehr auch hochqualifizierte Jobs werden in Zukunft von Robotern und Computern erledigt. Man muss nur mal Ideen wie die Auslieferung per Drohne und selbstfahrende Autos weiterspinnen und schon können ganze Horden von Taxifahrern, Busfahrern, Postboten freigesetzt werden, wie es so schön im Managementsprech heißt. Und dass das nicht heute schon passiert liegt nicht am Wohlwollen des Managements sondern an den bislang noch vorhandenen technischen und rechtlichen Unzulänglichkeiten.

Auf der re:publica wurden erste Softwareversuche vorgestellt, die es ermöglichen, automatisiert (Roboterjournalismus: Wenn Algorithmen Nachrichten machen) und dank Technologien wie „Big Data“ werden auch Talente von Menschen, die früher als unersetzlich gelten plötzlich zumindest auf mittlere Frist ersetzbar.

Hier wäre es an der Zeit, zwei große Fragen zu klären oder zumindest ins öffentliche Bewußtsein zu bringen. Zum einen die ethisch moralische Frage danach, welche Berufe in Zukunft von Maschinen überhaupt gemacht werden sollen (Stichwort Roboter in der Pflege oder bei Aufgaben, die auch Menschenleben betreffen wie Transport größerer Personengruppen).  Zum anderen, wie wir uns als Gesellschaft positionieren sollen, wenn es vermutlich schneller, als uns als Gesellschaft lieb sein kann, definitiv nicht mehr genug Arbeit für die große Mehrheit der Bevölkerung gibt. Denn die Wirtschaft ist mittlerweile weitestgehend von den Bürgern entkoppelt. Finanzmärkte, Globalisierung haben dafür gesorgt, dass es nicht mehr wichtig ist, dort, wo produziert wird, auch Kundschaft zu haben. So lange es irgendwo auf der Welt noch einen Wachstumsmarkt gibt, florieren die weltweit agierenden Konzerne. Aber die Bürger in den Ländern, in denen die Erwerbsarbeit verschwindet, bekommen früher oder später Probleme und damit die gesamte Gesellschaft dieses Landes, dieser Region.

Sehr hilfreich finde ich hier die Diskussion über ein Grundeinkommen ebenso wie die Kritik an Hartz IV, das immer noch davon ausgeht, dass wer einmal arbeitslos geworden ist, so er sich nur anstrengt, schnell wieder Arbeit finden kann. Ein großer Trugschluss, vor allem in einer Kultur, die primär auf offiziell erworbene Zertifikate und erlernte Berufe blickt, nicht auf die persönlichen Talente der Person und in der es so etwas wie eine „Überqualifizierung“ gibt.

Während sich Politik, Gewerkschaften und Unternehmen immer noch über solche Fragen wie Arbeitsplatzgarantie, Übernahmegarantie und die Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen streiten, wachsen nachfolgende Generationen in eine Situation, in der auch mit hochqualifizierter Ausbildung vermutlich zumindest eine längere Jobsuche ansteht, wenn nicht gar die Erkenntnis, dass der erlernte Beruf mittlerweile von Maschinen besser erledigt wird.

Es ist nicht schwarz oder weiß, nicht alles ist durch Maschinen machbar. Aber ich bin mir sicher, wir werden eine kritische Grenze der Automatisierung in den nächsten 10 Jahren erreichen, die sich massiv auf die Gesellschaft auswirken wird. Und es ist dringend nötig, hier schon Vorarbeiten zu leisten, um dann  nicht von der Veränderung überrascht zu werden.

Arbeitsplatz der Zukunft. Ein völlig falscher Begriff

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Die stille Entmachtung der Firmen-IT. Das Smartphone

Ich bin ein Verfechter des Begriffs Work-Life Integration statt Work-Life Balance. Und darum beschäftige ich mich intensiv damit, wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden. HALT! Lese ich mich da richtig? Leben UND arbeiten? Eigentlich sollte das ganze doch eins sein, jedenfalls nach meinem Gedankenmodell.

Und tatsächlich denke ich, wir tappen da alle noch in die Begrifflichkeiten Falle.

Wir machen uns Gedanken um den Arbeitsplatz der Zukunft, welche Werkzeuge dort verwendet, welche Methodiken gelebt werden. Wir unterscheiden in vielen Bereichen zwischen Dingen, die wir privat tun, nutzen und Dingen, die wir im Büro nutzen.

Schluß damit! Zu glauben, wir könnten zwei parallele Leben führen, ist mit ein Grund für die momentane Welle psychischer Erkrankungen. Wir müssen stehts wechseln zwischen dem, was wir privat, was wir persönlich denken, tun, wollen und dem, was uns im Beruf erlaubt, bereitgestellt oder an Freiräumen gegeben wird. Ein kleines Gedankenspiel. Jeder meiner Leser möge sich einmal fragen, ob er wirklich genau so privat handeln und vorgehen würde, wie ihm die Vorgaben seines Unternehmens, seines Arbeitsplatzes es vorschreiben? Stünde da dann der gleiche Schreibtisch, die gleiche Hardwareausstattung, die gleichen Werkzeuge? Vermutlich werden jetzt die meisten nein sagen. Das aber heißt in konsequenz, dass ich an meinem Arbeitsplatz nicht für mich optimal arbeiten kann, sondern bestenfalls mir die nach Ansicht einiger Verantwortlicher beste Ausstattung in deren Augen bereitgestellt wird. Dass das nicht zwangsweise die für mich wirklich beste Ausstattung sein muss, dürfte offensichtlich sein.

Und Argumente wie Arbeitsergonomie, Datenschutz, Schutz des Mitarbeiters vor sich selbst werden meist nur vorgeschoben, weil es eigentlich keinen wirklichen Grund gibt, alle über einen Kamm zu scheren und damit vermutlich ein Gutteil an Mitarbeitern mit suboptimalen Werkzeugen auszustatten.

Oh ja, die bösen amerikanischen Firmen, die alles von uns auswerten. Google oder Facebook kommt uns nicht ins Haus. Na und? Jeder Mitarbeiter mit Smartphone braucht „das Haus“ nicht mehr, um die für ihn angenehmen Werkzeuge nutzen zu können. Und dieser Trend, den manche auch als Digitalisierung 4.0 bezeichnen, wird durch aufgeblähte Entscheidungsapparate und technisch nicht versierte IT Entscheider noch beschleunigt.

Zudem ist spätestens mit der weiten Verbreitung des Smartphones der Wunsch der Mitarbeiter nach „Bring Your Own Device“ stärker geworden. Denn ich möchte nicht zwei Smartphones mit mir herumtragen. Und nein, ich möchte mein Smartphone auch nicht am Empfang abgeben. Zum einen wäre das ein Misstrauensbeweis des Arbeitgebers, der mehr als vieles andere zur Demotivation und Dienst nach Vorschrift beitragen würde, zum anderen ist die Idee des Smartphones ja die der Erreichbarkeit und des permanenten Zugriffs auf Wissen, Daten, Informationen.

Wir behindern uns durch die „German Angst“ vor Datendiebstahl und diesen bösen Konzernen und insbesondere durch die in keinem anderen Land so verbreitete Technophobie selbst.

Und, so paradox das klingt. Selbst die Fußball WM zeigt mir, auch wenn ich mit Fußball überhaupt nichts anfangen kann, wie albern die Trennung zwischen dem Menschen am Arbeitsplatz und dem Privatmenschen ist. Denn ich wette, bei ALLEN Unternehmen, ob groß ob klein kommt in jedem zweiten Gespräch auf den Fluren oder den Büros das Thema auf Fußball. Und das sind dann beileibe keine 5 Minuten Gespräche.

Würden die Fußballfans sich hier wirklich diese Gespräche verbieten lassen? Eben. Und gleiches gilt für andere private Themen. Denn das gehört auch zum Alltag im Unternehmen, das Ventil, das den beruflichen Druck nicht zu groß werden lässt. Je mehr ich aber hier verbiete und/oder vorschreibe, umso weniger Ventile gibt es und um so größer die Belastung des einzelnen durch eine unpersönliche Arbeitsumgebung, unpersönliche Arbeitsmittel und eine Kultur, die nicht den Menschen sondern die Humanressource sieht.

Also weg mit dem Begriff Arbeitswelt der Zukunft. Wenn schon, dann Leben der Zukunft.

Als Lesetipp kann ich auch auch folgenden Artikel empfehlen: ”Beach Works: Mein Büro liegt am Strand von Cannes„. Darin wird sehr schön gezeigt, wie man dank Tablet online arbeiten kann und dennoch auch die angenehmen Seiten eines Ambientes wie Cannes genießen kann.