Ein Projekt, das ich gerne aktiv unterstütze:
Aus der Projektbeschreibung:
„Die Depression ist bei Kindern und Jugendlichen eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Pro Jahr erkranken allein in Deutschland ca. 4-5 Millionen Menschen an einer Depression! Besonders tragisch: Der Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Das wollen wir ändern! Unsere Idee: Ein App-Frühwarnsystem, das man im Alltag gar nicht bemerkt. Wir nutzen „einfach“ die Kommunikation über WhatsApp und das Smartphone. Um loszulegen, brauchen wir Ihre Mithilfe!
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Rückfälle lassen sich vermeiden – so bleiben Sie nach der Therapie stabil
Dieser Artikel stammt nicht von mir. Aber das Angebot und die Idee hinter rückfallprävention.com finde ich so richtig und wichtig, dass ich eine der seltenen Ausnahmen mache, und hier einen Gastbeitrag zulasse. Weil ich finde, genau im Feld der Rückfallprävention, der Hilfe NACH den Kliniken oder der Therapie ist noch viel Bedarf. Und ich bin mir sicher, Online Angebote sind hier ein sehr guter Weg.
Das Berliner Start-up HealthMedo bietet mit Rückfallprävention.com ein kostenloses Angebot für ehemals an Depression Erkrankte.
„Ich dachte nach der Therapie, jetzt bin ich geheilt, aber als der erste Stress kam, hab ich nicht aufgepasst und schon ging es wieder los mit den Depressionen.“
Wer seine Krankheit einmal mithilfe einer Psychotherapie in den Griff bekommen hat, gewinnt seine Lebensqualität zurück. Gleichzeitig tragen Betroffene jetzt die Verantwortung, Veränderungen in ihrer Stimmung und in ihrem Wohlbefinden im Blick zu behalten, um Anzeichen für Rückfälle frühzeitig zu erkennen. Im Alltag geht der Blick für sich selbst jedoch schnell wieder verloren. Die hohen Rückfallraten bestätigen das: Fast jeder dritte Betroffene leidet im ersten Jahr nach der Behandlung an einer erneuten depressiven Episode. Erschwerend kommt hinzu, dass mit jeder neuen Episode das Risiko für eine Weitere steigt – gute Gründe, warum der Prävention von Rückfällen ein besonderer Stellenwert in der Behandlung von Depressionen zukommen sollte. Das hohe Rückfallrisiko bei Depressionen ist jedoch bislang kaum in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Spezielle Versorgungsangebote gibt es wenige.
Für ehemalige Patienten entstehen in der Zeit nach der Therapie viele zentrale Fragen: Wann ist der passende Zeitpunkt, um bei einer Stimmungsveränderung einzuschreiten? Welches Programm passt zu mir? Genügt eventuell tägliches Yogatraining zur Stressbewältigung oder brauche ich eine erneute Therapie?
Eines ist sicher: Bei den ersten Anzeichen einer Stimmungsverschlechterung muss nicht sofort die klassische Psychotherapie angezeigt sein. Doch die Recherche von Alternativ-Programmen und das Urteil, welche Intervention an diesem Punkt passend ist, lag bislang allein beim Patienten – ganz schön überfordernd.
Diese Lücke will das Berliner Start-up Psychologio mit der Entwicklung eines digitalen Frühwarnsystems schließen. Das Team von Psychologio hat durch seine Online-Plattform zur Vermittlung von Psychotherapieplätzen Erfahrung mit den Strukturen des Versorgungssystems und den Bedürfnissen der Patienten. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie richtet sich das ergänzende kostenlose Angebot Rückfallprävention.com explizit an ehemalige Depressionspatienten.
Wer kann teilnehmen?
Das Angebot Rückfallprävention.com richtet sich an Menschen, die an Depressionen erkrankt waren und innerhalb der letzten 12 Monate eine Therapie beendet haben. Die Teilnahme ist kostenlos.

Das Team von Rückfallprävention unterstützt Sie gerne bei Ihrer nachhaltigen Gesundung. Alle Informationen erhalten Sie auf www.rückfallprävention.com. Für Fragen stehen wir Ihnen unter der Telefonnummer 030 602 75 778 und info@rückfallprävention.com zur Verfügung!
Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2017
2017 war in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Jahr für mich. Es began mit dem 13. Januar, als mein Buch „Depression abzugeben“ bei Bastei Lübbe erschien. Welchen Zuspruch es bekommen sollte, wie viel Medienanfragen eintrudeln würden und dass ich wahrhaftig auf mehrere Lesereisen gehen würde, all das habe ich Anfang des Jahres noch nicht mal zu träumen gewagt.
2017 bekam ich auch endlich meine Angststörung in den Griff, die eigentliche Ursache für das große Drama 2015, aus dem sich doch tatsächlich etwas so positives entwickelte.
Ich wurde zum SWR eingeladen in eine sehr spannende Talkshow und gleichzeitig Abschlussarbeit der Moderatorenschule Stuttgart. der SWR interviewte mich und Tagesschau24 lud mich ein. Auch das SAT1 Frühstücksfernsehen interessierte sich für mich und meine Geschichte. Ein ganz besonderes Highlight war mein Auftritt beim Patientenkongress in Leipzig, wo ich gemeinsam mit Kati Krause erneut das Für und Wider von Social Media bei Depressionen beleuchtete. Und Dana Diezemann lud mich in ihre Talkshow „Talk mit Dana“ beim Studentenradio Horads ein.
Gegen Ende des Jahres dann noch die Nachricht von meinem Literaturagenten, dass mein Buch wohl auch zum ungekürzten Hörbuch wird und bei einem der größten Hörbuchverlage erscheinen wird. Das Buch verkauft sich nach wie vor gut, wir sind bald bei der dritten Auflage. Danke an all meine Leser für die vielen wundervollen Rezensionen, die persönlichen Emails und Briefe und den Zuspruch und die Unterstützung. Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen. Und ein besonderer Dank an das Junge Tanztheater in Leverkusen für „Auf:bruch“, ein Tanztheater zum Thema Depression, das auch meine Texte verwendet hat und bei dessen Aufführung ich sehr berührt davon war, wie mutig und wie kreativ das alles umgesetzt worden ist. Unzählige Zeitungen und Zeitschriften haben über mein Buch, meine Geschichte berichtet und nach allem was ihr mir gespiegelt habt, werde ich auch 2018 nicht nachlassen, über Depression aufzuklären und zu entstigmatisieren.
Und ein Teil meiner Follower muss jetzt ganz stark sein. Nach über 25 Jahren Apple Abstinenz (dass Steve damals den Apple Newton killte, für den ich einige innovative Apps geschrieben hatte, hab ich ihm nie verziehen) arbeiten bei mir zuhause jetzt wieder MacBook Pro, IPad Pro und IPhone 7plus. Und ja,auch die Apple Watch in der LTE Version. Wenn schon, dann ein kompletter Schwenk.
Aber das Schönste an 2017 war und ist, dass wir endlich wieder eine Familie sind, dass wieder Ruhe und Glück bei uns eingekehrt sind, so albern das klingen mag.
Jetzt ist es kurz vor Weihnachten und zum ersten Mal seit Jahren ist wieder so etwas wie Weihnachtsstimmung zu spüren. Und ich wünsche all meinen Lesern, Followern ein ruhiges, erholsames Weihnachtsfest und einen guten Rutsch.


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Ein unbeschreibliches Jahr, danke euch allen
2017 neigt sich dem Ende. Gerade liege ich mit der allseits beliebten Magen- Darm Infektion im Bett und habe mehr als genug Zeit, über dieses unglaubliche Jahr nachzudenken. Der Traum, anders kann ich es nicht bezeichnen, begann am 13. Januar 2017. Nachdem ich dank Briefen und Anwaltsdrohungen beinahe wieder tief in eine Depression, nein tiefer als je zuvor gefallen wäre, rettete mich wieder die Liebe und die Stärke meiner Frau.

Und dann kam das Paket. Die Belegexemplare von „Depression abzugeben“. Was ich nie zu träumen gewagt hatte, ist Wirklichkeit geworden. Ich bin Autor. Und nach allem, was die Verkaufszahlen sagen sogar noch recht erfolgreich. Nach nur etwa 1 1/2 Monaten war die erste Auflage ausverkauft und mit etwas Glück könnte es bis Ende des Jahres noch zur dritten Auflage kommen. 8000 Bücher. 8000 Menschen, denen meine Gedanken, meine Erlebnisse und nach allem, was ich an Feedback bekommen habe auch mein Schreibstil und meine Erzählweise gefallen haben. Kein Buch unter vielen sondern eine Geschichte, die Menschen bewegt hat und noch bewegt. Das alleine lässt das Jahr 2017 für mich in einem unbeschreiblich schönen Licht erstrahlen.
Dann kamen die Interviews, die Artikel, SAT1, Tagesschau24 und noch einige mehr. Für jede einzelne Chance, meine Botschaft zu vermitteln, anderen Mut zu machen zu kämpfen, bin ich sehr dankbar.
Aber was für mich wirklich zählt, was mein Leben nachhaltig verändert hat, ist die Liebe meiner Familie. Dass meine Kinder trotz allem, was ich ihnen aufgebürdet habe zu starken, individuellen und menschlichen Wesen heranwachsen. Dass meine Frau bereit war, um mich zu kämpfen auch als alles hoffnungslos erschien. Dass sie mir den Rücken stärkt, mich ermutigt, weiter die Öffentlichkeit zu suchen.
All die Briefe, die Mails, auch die Geschenke von Leserinnen und Lesern, die jetzt ihre betroffenen Angehörigen besser verstehen, als Betroffener Hilfe suchen oder sich einfach nicht mehr so einsam fühlen nach der Lektüre meines Buches.
2015 hätte ich nicht mal erahnen können, wo ich heute bin. Ich bin erfolgreicher Autor. DAS kann mir niemand mehr nehmen. Und ich verändere die Leben anderer zum Besseren. Was kann es schöneres, bedeutsameres im Leben geben, als das zu bewirken.
Ende des Jahres wird wohl auch noch ein Hörbuch aus meinem Buch entstehen, ungekürzt, bei einem großen Hörbuchverlag. Und wer weiß. Vielleicht entsteht sogar noch ein Film daraus, eine Serie, irgendetwas anderes. Denn ein Tanztheater verwendet meine Texte bereits. Ich werde also nie wieder sagen, etwas sei unmöglich, oder die Zukunft hoffnungslos. Nur meine Depression wird sicher manchmal noch den schwarzen Pinsel zücken und versuchen, meine Welt ergrauen zu lassen. Aber jetzt werde ich die vielen Leserbriefe lesen, die Artikel, das Buch selbst und wissen. Egal was kommt, mein Leben hat Bedeutung bekommen, ich bin nicht mehr verletzbar, nicht mehr herabwürdigbar durch Sprechverbote oder Anwaltsdrohungen. Ja, das werde ich nie vergessen, das macht mich immer wieder wütend. Aber früher hätte es mich ängstlich gemacht, da finde ich in dem Kontext Wut besser, Teil dieser Wut ist, dass ich auch diese Geschichten im zweiten Band niederschreibe, der bereits knapp 100 Seiten erreicht hat.
Und das manche sich über meinen Erfolg ärgern? Gut, die haben mir lange genug weh getan, jetzt darf auch etwas kalte Rache serviert werden.
Allen anderen bin ich unendlich dankbar für die Unterstützung, das Lob, die Rückmeldungen, die Chancen. Mein Leben ist sonniger geworden und meine Familie hat ihren Vater, ihren Ehemann wieder. Meine Seele hat endlich keine Risse mehr und die Narben verheilen allmählich.
2018 werde ich weiterkämpfen. Erste Planungen gibt es für Stuttgart und Basel. Und wer weiß, was sich noch alles ergibt.
Das Leben ist schön. Endlich.
All meinen Leserinnen und Lesern, allen Follower und Zuschauern im TV wünsche ich ein ruhiges, erholsames Fest, ganz egal, welcher Glaubensrichtung. Findet zu euch, hört auf eure Seele statt auf die ständigen Forderungen derer, die euch doch nur als Ressource, nicht als empfindsamen Menschen sehen. Und wertschätzt die, die euch als Mensch mögen. Seid euch gewiss. Ihr alle seid wertvolle, wichtige und so wie ihr seid auch richtige Menschen. Wer euch anderes einredet, liegt falsch oder will euch verbiegen. Lasst das nie zu.
Und euch allen ein frohes, glückliches Jahr 2018. Danke, dass ihr mich begleitet habt, danke, dass ihr mich begleitet und danke für das Wissen, dass ihr mich auch 2018 begleiten werdet.
Und hey. Ich bin Autor? Ist das nicht verrückt? Wobei… verrückt.. ja, das kann ich 😉
Euer Uwe alias @bicyclist
Und danke euch vieren, Katja, Sibylle, Jan und Marc. Ohne euch wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ohne eure Liebe, euer Vertrauen hätte ich den Kampf gegen meine Depression und die Angststörung nicht aufgenommen und schon gar nicht gewonnen. Oder zumindest einen Nichtangriffspakt. Danke. Ihr seid das Wichtigste in meinem Leben.
Depression abzugeben ist auf der Shortlist des Lovelybooks Leserpreises
Wow, das sind tolle Nachrichten. Mein Buch „Depression abzugeben“ hat es bei der Plattform www.lovelybooks.de in der Kategorie Sachbuch auf die Shortlist geschafft.
Würde mich jetzt sehr freuen, wenn ihr alle kräftig für „Depression abzugeben“ eure Stimme geben könntet, damit das Buch noch mehr Menschen erreicht und entstigmatisiert. Abstimmen könnt ihr unter: https://www.lovelybooks.de/leserpreis/2017/abstimmungen/sachbuch/
Arztsuche 3.0 Konferenz in München. Ein Fazit
16. November, München. Jameda hatte mich eingeladen, bei einer Konferenz mit dem spannenden Thema Arztsuche 3.0 als Vertreter der Patienten und in meiner Rolle als Autor und Blogger teilzunehmen. Ein Vortrag und eine Podiumsdiskussion waren mit mir geplant.
Was ist das Fazit dieses Tages? Es ist kompliziert. Denn auf mehreren Ebenen gibt es Problemstellungen, die weit weniger einfach zu klären sind, als man das landläufig annimmt. Bewertungen von Ärzten haben eine andere Qualität als Bewertungen von Büchern, Musik oder anderen bewertbaren Themengebieten.
Ein interessanter Fakt, so zumindest nach Erhebungen von Jameda ist, dass Bewertungen von Ärzten weit weniger einen Bias auf negativen Eindrücken haben. Damit ist hier zumindest nicht die übliche Übergewichtung negativer Wertungen zu beobachten, wie es bei vielen anderen Portalen der Fall ist.
Andererseits ist es sehr schwer, diese Kriterien valide abzubilden, die speziell für den Patienten auf Bewertungsplattformen interessant sind.
Hier geht es weit weniger um fachliche Expertise, um den Kenntnisstand des Arztes sondern um emotionale Aspekte wie Sympathie, Atmosphäre in der Praxis. Messbar sind diese bestenfalls über eine Varianz nach einer hinreichend großen Anzahl von Bewertungen. Ein Arzt mit 3 positiven und 2 negativen Bewertungen ist noch nicht wirklich repräsentativ bewertet worden. Ein Arzt mit 30 positiven und 10 negativen schon deutlich besser. Aber sobald diese Bewertungen völlig anonym laufen, und das ist meiner Ansicht nach die einzige Möglichkeit, zu einer hinreichend großen Zahl von Bewertungen zu kommen. Muss überwacht werden, ob es sich um ernsthafte Bewertungen oder nur Trolle handelt.
Hier sind Aspekte wie Verfügbarkeit des Arztes oder Distanz nur am Rande betrachtet, da diese oft in Portalen als Bewertung nur in den Freitexten vorkommen.
Was aber klar herausgetreten ist, und wo dringender Handlungsbedarf besteht ist bei der Information des Bürgers. Solange heilpraktische Psychotherapeuten mit der gleichen Wertigkeit betrachtet werden, wie „Schulmedizin“, die korrekterweise „Hochschulmedizin heißen müsste, ist es für den einzelnen schwer, den Quacksalber vom gut ausgebildeten Arzt zu unterscheiden. Wer homöopathische Behandlungsmethoden gleich wirksam sieht wie klassische Medizin, der wird auch auf Plattformen eher denjenigen Arzt oder Therapeuten suchen, der seinem Weltbild entspricht, ob dieser nun für seine diagnostische Problematik der Richtige ist, darf dann häufig angezweifelt werden.
Und leider ist hier auch das Internet nicht wirklich hilfreich.
Zu weit gestreut ist die Qualität der Informationen, zu viel spielt sich in sehr einseitigen Formen oder auf Plattformen ab, die objektive Informationen zu Gunsten des eigenen Weltbilds opfern. Hier wäre es wünschenswert, Plattformen zu entwickeln, die auf einem für die Öffentlichkeit verständlichen Niveau medizinische Fakten darlegen.
Was dabei fast ebenso wichtig ist, hier müssen auch Urban Legends und Fehlinformationen bewertet, beurteilt und objektiv dargestellt werden.
Der Spruch „Wer heilt hat recht.“ Ist hier sehr gefährlich, denn die evtl. zu Tage tretende Heilung kann nur eine scheinbare Lösung sein, die die eigentliche und wirklich schwerere Erkrankung verdrängt und damit durchaus zum Problem werden.
SAT 1 Themenwoche zu Depressionen, auch mit mir
Eine weitere Aktion, um Depressionen zu normalisieren, das Stigma zu lüften. Auch ich habe zu der Themenwoche von SAT1 beigetragen, die seit Montag online ist. Seht selbst:
Und unter: https://www.sat1.de/tv/fruehstuecksfernsehen/soistdepression gibt es noch viel mehr Informationen.
Warum Angst ein schlechter Berater ist
Ich habe eine Angststörung. Noch so eine Sache, die ich lange vor mir und der Welt verheimlicht habe. Nicht, dass ich häufiger Angst hätte, als andere Menschen. Aber wenn sie kommt, dann allumfassend. Erstickend, beängstigend. Und gefühlt lebensbedrohlich.
Die Geschichten über den Ursprung kennen wir sicher alle. Angriff oder Flucht. Vor Jahrtausenden sinnvoll behindert es heutzutage in einer Zeit, da wirklich lebensbedrohliche Angstsituationen eher selten geworden sind. Der Säbelzahntiger heißt heute Straßenverkehr und bedingt eher Aufmerksamkeit und Nachdenken als einen Fluchtinstinkt. Sicher, nachts, alleine in einer schummrigen Seitenstraße mit Schritten, die einem folgen. Da wird wohl jeder ein mulmiges Gefühl bekommen. Aber das sind eher seltene Situationen.
Der gefühlten immer größer werdenden Bedrohung stehen Zahlen, Fakten, Analysen entgegen, die darlegen, dass wir selten so sicher gelebt haben, wie heute.
Mich hat die Angst aufs Dach gejagt, wollte mir einflüstern, dass ich keinen Ausweg mehr habe, dass ich wie ein in die Enge und an eine Klippe getriebenes Tier nur noch die (tödliche) Flucht durch einen Sprung als Alternative habe. Dabei habe ich sehr schnell gelernt, dass vieles, was wir als Angst erleben, eher manipulativ als real ist. Lügen über Bedrohungen. Angst vor Arbeitsplatzverlust als Managementmethode. Umgang mit Mitarbeitern wie mit kleinen Kindern, die man angeblich kontrollieren, beurteilen und ggf. bestrafen muss. Wir denken noch in vielen Bereichen neandertalerhaft. Was mir Mitpatienten in den Kliniken berichteten, ließ mich erkennen, dass wir noch weit davon entfernt sind, so etwas wie mündige Menschen zu erziehen oder auch nur zu wollen. Nicht umsonst wird immer noch gerne der Begriff der Humanressource verwendet.
Aber eins spüre ich, eins hat sich für mich geändert. Die Angst ist nicht mehr so mächtig. Seit ich weiß, wie schwach ein Mensch ist, der Kontrolle nur durch Angst erreichen kann, können mich solche Menschen nicht mehr treffen, selbst wenn sie Anwälte und Kontaktverbote auffahren.
Denn sie zeigen vor allem, wie angstgetrieben sie sind. Und wie schwach sie sind, wenn sie durch Angstszenarien Menschen kontrollieren, zu Handlungen bewegen.
Wer mit Angst operiert, mag kurzfristige Ziele erreichen, längerfristig wird er scheitern, weil niemand, der nur aus Angst handelt, von seinem eigenen Tun überzeugt ist. Und insofern erzeugt Angst Gegenreaktionen, von Ignoranz über Rache bis hin zu Verlassen werden. Angst ist ein sehr schlechter Berater. Einer, den vor allem schwache Menschen einsetzen müssen, weil sie nicht die Größe haben, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Natürlich habe ich auch weiterhin Angst, aber ich kann sie erkennen und durchschauen. Und damit nehme ich ihr viel von ihrem Schrecken. Und ein bisschen Angst ist weiterhin wichtig. Aber Angst als Machtinstrument ist etwas, das nur schwache Menschen brauchen, um andere zu lenken.
„Politik machen: den Leuten so viel Angst einjagen, dass ihnen jede Lösung recht ist.“
Wolfram Weidner
„Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen.“
Marie Curie
„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“
Franklin D. Roosevelt


