Eine App gegen unnötige Plastikverpackungen.

Replace Plastic Screenshot

Es gibt viele sinnvolle Anwendungen fürs Smartphone. Eine Neuentdeckung ist die App „Replace Plastic“ des Vereins „Küste gegen Plastik“. Wir alle wissen, wie verlogen und öffentlichkeitsgeil Unternehmen sind. Das letzte, was diese Pressestellen hören wollen, sind negative Fakten über das eigene Unternehmen. Da setzt die Idee der App an. Immer, wenn man in einem Laden eine idiotische Verpackungsidee der Marketingabteilung eines Konzerns oder eines Ladens findet, den Barcode scannen und das Produkt melden. Warum? Je mehr mitmachen, um so weniger zieht das fadenscheinige Marketingargument, der Kunde wolle das ja so. Deshalb, App runterladen, Verpackungswahnsinn melden und zeigen, dass wir eben nicht die blöden Konsumenten sind, für die die Öffentlichkeitsabteilungen uns halten. Und gebt zu, jeder hat schon Verpackungsirrsinn gesehen. Geschälte Orangen in Plastikschalen, Süssigkeiten in Tüten innerhalb von Tüten und anderen Müll, den sich Marketing ausgedacht hat, um uns etwas anzudrehen, was wir nicht nur nicht brauchen, sondern was unseren Lebensraum kaputt macht und die Weltmeere vermüllt.

Die App findet ihr hier für Android: [appbox googleplay com.kuestegegenplastik.replaceplastic] und hier für IOS: [appbox appstore id1257771601]

Bedeutung in einer bedeutungslosen Welt

Sinn des Lebens. Ziele im Leben, Aufgaben, Bedeutung. Alles Schlagworte, um deren Wertigkeit, deren Inhalt, deren Aussagekraft wir Menschen schon seit Ewigkeiten ringen.
Wann ist ein Mensch, ein Leben bedeutsam? Macht es einen Unterschied, ob ich arm oder reich bin? Gut oder böse?
Man stößt hier sehr schnell zumindest an die eigenen ethisch moralischen Grenzen. Darf ich einem Straftäter die gleiche Wichtigkeit zurechnen, wie einem Lebensretter?
Definiere ich den Wert eines Menschen aus seinem Tun oder seinem Leben an sich? Oder ist der Besitz, das, was ein Mensch verdient hat, Manifestation seiner Bedeutung?
Zumindest bei letzterem würde ich mit Sicherheit sagen, nein, Geld, Besitz hat keine Bedeutung für den Wert eines Menschen. Aber was macht den Wert dann aus.
Hier tendiere ich dazu, mich auf die grundlegensten Aspekte festzulegen. Die blanke Existenz ist Bedeutung. Ich lebe und bin damit relevant. Jeder, der sich qua Amt oder Rang für bedeutsamer hält, folgt einem Irrglauben, der in der negativen Ausprägung fatale Konsequenzen haben kann, wie uns die ältere wie jüngere Geschichte eindrücklich vor Augen führt.
Neil deGrasse Tyson ebenso wie Carl Sagen haben es einmal so formuliert. „Wir alle sind Sternenstaub“. Letztlich und das ist eine tiefe, kaum fassbare Wahrheit, existieren die einzelnen atomaren Bestandteile unseres Körpers seit dem Urknall und werden auch weiterhin existieren. Das klingt jetzt sehr religiös, ich verwehre mich aber hier ausdrücklich, das in einen religiös kirchlichen Kontext zu stellen. Denn schon hier wird wieder eine Wertung greifen, eine Unterscheidung, die zu akzeptieren ich nicht willens bin. Die Unterscheidung nämlich zwischen gläubig und nicht gläubig, die historisch ebenfalls zu fatalen Entwicklungen führte.
Dem Universum, dem Kosmos ist es herzlich egal ob ich Jude, Muslim oder Christ bin, ob ich an das fliegende Spagettimonster glaube oder ein Jedimeister zu sein glaube.
Für mich ist die Bedeutung, die einzige, die ich allen zuzusprechen bereit bin, die der reinen Existenz. Nicht ich denke, also bin ich, sondern ich bin, also bin ich etwas wert, hat mein Leben Bedeutung.
Wie im Ameisenhaufen die einzelne Ameise ihre Relevanz weder erkennt noch zeigt, so können wir als Mensch einem kosmologischen Zusammenhang unsere eigene Bedeutung nicht sehen. Aber jede Entscheidung eines Individuums, jede Handlung kann den Fortgang der Geschichte auf die eine oder andere Art beeinflußen. Und das ist nicht von einer Handlung abhängig.
Wir dürfen, ja wir müssen uns ALLE für wertvoll, für wichtig halten, aber nicht in einem ranggebenden Kontext sondern als universelle Bedeutsamkeit. Nur wenn ich alle Menschen, alle Tiere, alles Leben, den Kosmos als gleichrangig bedeutsam und wichtig erachte, werde ich auch mit ALLEM ebenso sorgsam wie wertschätzend umgehen. Und wenn jemand gegen meine Werte, meine Bedeutungskriterien handelt, so ist sein intellektuell bewerteter Wert für mich möglicherweise geringer. Möglicherweise verhält er oder sie sich auch nicht wertschätzend gegenüber seinem Umfeld. Das ändert an der universellen Wahrheit des universellen Werts aber nichts.
Wir sind etwas wert. Weil wir sind.

Was ist euch wichtiger? Zeugnisse oder Kinder?

Für alle Eltern, deren Kinder heute vielleicht nicht mit den besten Noten nach hause kommen. Immer dran denken, euer Kind ist so viel mehr als seine Noten. Und Noten sagen nichts über die Zukunft aus. Nicht schimpfen, in den Arm nehmen. Schlechte Noten tun schon weh genug.
Ich bin studierter Computerlinguist und Künstliche Intelligenz Wissenschaftler. Aber meine Mathenoten damals in der Schule waren eine Katastrophe, Physik ebenso und von Chemie wollen wir gar nicht sprechen.
Dafür war ich in Literatur und Informatik gut, zwei Fächer, die gar nix zur Zeugnisgesamtnote beigetragen haben. Dennoch hab ich ein Studium abgeschlossen. ALSO: Was für Noten euer Kind in der Schule hat, sagt nichts über seinen Wert, seine Begabungen aus. Es sagt maximal, dass es die ihm gestellten Tests und Arbeiten nicht zur Zufriedenheit der Lehrerin/des Lehrers absolviert hat.
Und jetzt denkt mal über eines nach: Was wisst ihr noch von eurem Schulwissen, und was davon hat euch später im Beruf tatsächlich noch begleitet?
Und seid ganz ehrlich zu euch selbst, wart ihr immer ein Musterschüler, hattet ihr immer gute Noten? Und wenn ihr hier ja antwortet, seid froh drum, aber nehmt nicht an, das sei die Normalität und von jedem zu erwarten.

Und wer mir nicht glaubt, dem empfehle ich immer wieder gerne Harald Lesch:

Der ganz normale Wahnsinn oder die wahnsinnige Normalität

Wir alle brauchen Normen. Damit Stecker A in Buchse B passt. Damit die Schrauben und die Schraubenzieher passen. Alles in Ordnung, alles gut, damit Zubehör von Hersteller B mit Produkten von Hersteller A zusammenspielt.
Aber wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der die Norm sich in alle Lebensbereiche hineinzufressen droht. Immer mehr Normen für das Zusammenleben, immer mehr Verhaltensmuster, die wir einhalten sollen, um „normal“ zu sein, immer mehr Denkverbote, damit wir der Norm entsprechen.
„In der Psychiatrie sind die normalen Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr fertig werden.“ Dieser Tweet von mir ist einer der meistzitierten Sätze aus meinem Buch. Und das zu recht. In den Kliniken habe ich sensible, intelligente, offene und neugierige Menschen erlebt, die irgendwann an dem zerbrochen sind, was man in ihrem Leben als normal postuliert hat, auch wenn das für sie zerstörerisch gewirkt hat.
Oder ist es normal, dass sich einstmals demokratische Parteien und Politiker aus dem Vokabular der Rechten und Nazis bedienen?
Ist es normal, dass wir alle uns dank Werbung und Hochglanzmagazinen permanent vorgaukeln lassen, ohne Produkt a oder Fitnesskurs b unzulänglich, defizitär, würden wir ungesund leben? Wer einmal die Ernährungsratgeber eine Zeit lang verfolgt hat, dem dürfte schnell aufgefallen sein, dass etwas oft heute ungesund, Morgen gesund, Übermorgen ungesund ist. Das berühmte Glas Wein, Fleisch, Kaffee, Morgens kein Frühstück etc… Alles mal gut, mal schlecht. Hier höre ich schon seit Längerem gar nicht mehr zu.
Schulmedizin, die ich eigentlich eher wissenschaftlich fundierte Medizin nennen würde, wird zu Gunsten von Quacksalbern und populistschen, einfachen aber falschen Alternativmedizinen abgewertet und als gekauft und ungesund erklärt.
Wir schauen die öffentlich Rechtlichen, schimpfen über sie und ignorieren oft, wie falsch, oberflächlich und bedrohlich populistisch die Privaten agieren. Die Norm ist mittlerweile, belegte, professionelle Produkte, Dienstleistungen und Dienstleister zu diskreditieren zu Gunsten von Quacksalbern, die den Humbug zur Norm erheben, oder Verschwörungen vermuten, wo es keine gibt.
Und wir erlauben immer weniger Fehler, obwohl wir alle doch wissen sollten, dass der Fehler elementar zum Leben dazugehört.
Jenseits industrieller Normen halte ich von Normierung und scheinbarer Normalität gar nichts mehr. Private Interessen, gutes Leben, Karriere oder eben nicht Karriere, erfüllter Sex. All das sollten, ja dürfen wir nicht irgendwelchen Normen unterwerfen.
Die oberflächlich betrachtet sinnvolle Norm ist oft eher dazu geeignet, insgeheim dagegen zu verstossen. Vieles, was im öffentlichen Diskurs mit Normen mit Political Correctness definiert, abgegrenzt und geregelt wird, versteckt sich danach nur im Geheimen. Wenn ich die Gender Debatte beobachte, sind wir uns in der Öffentlichkeit alle einig. Aber wenn ich privaten Gesprächen zuhöre, dann hat sich aber auch gar nichts geändert. Statt Normen und Regeln aufzustellen, wäre es sinnvoller, einen echten kulturellen Wandel herbeizuführen. Aber das bedarf der persönlichen Einsicht und dem Willen zu Veränderung. Also eben nicht der Norm sondern permanentem Hinterfragen des Status Quo.
Ich bin mittlerweile 50 und geradezu entsetzt, wie eingefahren meine Altersgenossinnen und Genossen denken. Da wird nichts mehr hinterfragt, da wird oft gedankenlos nachgeplappert, was in den Medien kolportiert wird. Von wegen uninformierte, desinteressierte Jugend. Das Alter macht es bei vielem oft nicht besser. Im Gegenteil. Im Moment verfolge ich begeistert das, was Alexander Gerst auf der ISS tut und darüber berichtet. Ich hab mir ein T-Shirt gekauft, auf dem das Logo der Mission und sein Name abgedruckt ist. Und das löst allenthalben Erstaunen aus. Ebenso mein Interesse an neuem, das sich seit meiner Jugend aber auch so was von gar nicht verändert hat. Neugier ist für mich ein Lebenselexier. Wenn etwas eingefahren ist, trete ich gerne zurück und überlege, ob es nicht Zeit für Veränderung ist. Ich liebe es, neues zu erfahren, neues Wissen zu entdecken und mich immer wieder selbst neu zu definieren. Aber das ist eben nicht, was die Mehrheit für normgerecht hält. Da gilt viel zu häufig gerade in meinem männlichem Umfeld immer noch „Saufen, Autos, Fussball“ und ich mit meinem „klassische Musik, Wissenschaft, Kultur“ gelte maximal als schräger Vogel, oft als jemand, mit dem man besser nix zu tun hat.

Oder wie Marc Twain es so schön formuliert hat:

Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen.

Übrigens: Bei vielen Nachrichten die angeblich „direkt aus der Wissenschaft“ kommen, sollte man sehr genau hinsehen. Wenn dort etwas wie „ganz sicher“, „unwiderlegbar“, „katastrophal“ steht, sollte man sich zumindest die ursprüngliche Quelle ansehen. Denn oft werden aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die erst noch geprüft, bewertet, mit Metastudien belegt werden müssen in der Presse und dem öffentlichen Diskurs eine unabänderliche Wahrheit. Und insbesondere dann, wenn daran wirtschaftliche Interessen hängen. Wer populistisch Untergangsszenarien generiert, wo es eigentlich nach aktuellem Stand der Wissenschaft (der nie 100% sicher ist, im Gegensatz zu den Theorien und Weltbildern der Verschwörungstheoretiker) keine dies belegenden Fakten gibt, der handelt mindestens fahrlässig, grob unwissenschaftlich und verantwortungslos (wer mich häufiger liest, weiß sicher, auf welche Personen ich abziele, die sich an populistischen aber falschen oder einseitigen Theorien eine goldene Nase verdienen).
Eines ist nämlich ganz wichtig. Wirtschaft, zumal klassische, große Konzerne haben als allererstes Interesse die eigene Rendite und die Rendite der Anteilseigner, der Kunde kommt erst als Vorletzter und der Mitarbeiter oft als Letzter.
Das müsste nicht so sein, aber ist leider oft so. Und die Gier nach unbegrenztem Wachstum, der Wahnsinn der Spitzenleistung und Ignoranz realistischer Wachstumsgrenzen sorgt im Moment dafür, dass wir die Zerstörung unseres Planeten eher wieder beschleunigen.
Und natürlich Trottel wie Donald Trump und seine Gefolgsleute, die das Lügen und Betrügen zur Norm erhoben haben und dabei erschreckenderweise noch viel zu viel Unterstützung in der Öffentlichkeit bekommen. DAS ist der ganz normale Wahnsinn der Gegenwart. Wir diskutieren nicht über desolate Schulen, Löhne, die keine Existenz schon gar keine Familie mehr tragen können, Hartz IV, dass Arbeitslose wie Verbrecher behandelt und eine Politik, die sich mehr um Machterhalt und die Wirtschaftslobby, als um das kümmert, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Vertretung der Interessen ihres Arbeitgeber. Der Bürgerinnen und Bürger.

Vom Bitten um Verzeihung und einem neuen Aufbruch

Nein, ich meine nicht das Verzeihen gegenüber meinen Eltern. Mittlerweile weiß ich, ja auch das muss irgendwann passieren.
Aber jetzt muss ich es erst mal schaffen, mir selbst zu verzeihen. Dafür, dass ich Chancen nicht genutzt habe. Dafür, dass ich sicher oft ungerecht war und kein guter Vater.
Dafür, dass ich den falschen Idealen gefolgt bin, dass ich nicht auf meine Seele gehört habe und wertvolle Talente lange Jahre habe verkümmern lassen.
Natürlich, die Zeit lässt sich nicht aufholen, wiederholen oder zurück holen. Aber ich kann endlich damit abschließen, anerkennen, dass ich immer noch einige Jahre habe. Akzeptieren, dass ich nicht mehrere bin, der ich noch 2015 auch in den Kliniken war.
Und ich kann meine neuen Werte endlich zu leben beginnen. Eine Petition einreichen, weil ich nicht mehr akzeptiere, man könne als einzelner nichts bewegen.
Und Fremdbilder habe ich immer schon gehasst, aber jetzt werde ich sie keine Macht mehr über mich haben lassen.
Mit Fremdbildern wird viel zu sehr manipuliert, werden Träume und Menschen zerstört, Ghostlighting und Mobbing sind da nur die extremen Auswüchse.
Wir sollten uns so akzeptieren, wie wir uns sehen, nicht wie andere uns sehen wollen. Weil wir ihnen damit nutzen oder weil sie damit die Kontrolle über uns zu haben glauben.
Aber ein weiteres Verzeihen wünsche ich mir dann doch.
Das meiner Kinder und meiner Frau. Sie haben all die Jahre viel mit mir durchgemacht und halten immer noch zu mir. Das ist das größte Geschenk und gleichzeitig auch immer noch fragil und mit Verlustängsten behaftet.

Deshalb danke ihr vier. Ihr wart immer und seit weiterhin das Zentrum meines Lebens. Ihr seid der Grund, warum ich mich aus dem dunklen Abrund herausgekämpft habe.
Und ihr seid jetzt die Stütze und Ermutiger im Kampf gegen Stigmatisierung und Vorurteile.
Danke!

Man ist so alleine

Wenn sie da ist, fühlt man sich plötzlich wie ein Astronaut einsam im All. Man blickt hinunter auf die Erde, auf die Menschen, deren Leben, deren Lebenswege. Man erinnert sich an die Schmerzen, die Trauer, die vernarbten Seelenschichten, die man sich nach und nach zugelegt hat, bis der Panzer einen so weit weg von den Menschen getragen hat, dass man irgendwann wie ein Astronaut auf einer fremden Welt nur noch mit dem Seelenpanzer nach draußen konnte.

Dieser Planet, auf dem man lebt, wurde schwer unter den Füssen und in der Seele. Es wurde kalt um einen, weil man sich einschloss, weil man keine weiteren Narben mehr ertragen konnte. Zwar klopfte manch einer an den eigenen Panzer der Seele, aber die Türen waren alle versperrt, man schickte seine Masken nach draußen.

Das Atmen in diesem Panzer wurde schwerer und schwerer, irgendwann wollte man nur noch schlafen. Bis da ein Mensch war, der nicht nachgab, der die letzte, dünne Rettungsleine sandte und es schaffte, den einsamen Astronauten wieder zurück auf die Erde zu bekommen. Langsam, ganz langsam entfernten sich die Seelenpanzerungen. Auch wenn es Besserwisser gab, die zu glauben meinten, wie man jetzt weiter machen sollte spürte man, dass man noch zu kurz zurück auf der Erde war, um sich gegen die Dummen, die falschen Ratgeber zu wehren.

Aber es wurden Hände gereicht, man hörte der Geschichte des einsamen Astronauten zu. Und die Einsamkeit wurde weniger, wurde nicht mehr so überwältigend, nicht mehr so dunkel und kalt wie der leere Raum. Danke dafür, dass ihr mich zurück auf diese wunderbare Erde gebracht habt, dass der einsame Astronaut im schwarzen, kalten All wieder ein paar vertraute Seelen gefunden hat. Noch sind die Fangseile dünn, aber sie werden stärker. Und sie werden mehr.

Meine Geschichte wird fortgeschrieben. Und jetzt ist es meine Geschichte, ehrlich und verletzlich. Weil der Seelenpanzer endlich weg ist.

Von der Dankbarkeit, überlebt zu haben

Ich lebe noch. Das ist etwas, das für mich keineswegs selbstverständlich ist. Es gab Momente, da war das Ganze auf Messers Schneide. Mehr davon, als ich mir jemals eingestanden habe. Und es gab einen Moment, da stand ich an der Klippe und es war gar nicht klar, ob mich mehr Menschen fallen oder mich retten sehen wollten.

Damals hat mich ein Mensch gerettet und ich weiß nicht, was ohne meine Frau geschehen wäre. Ob ich noch da wäre, ob ich noch gesund da wäre. Mein Leben ist rückblickend angefüllt mit vielen Momenten des Zweifels. Wertlos, schwach, als überflüssig gesehen zu werden oder mich selbst zu sehen war für mich lange Jahre Alltag, normal, man fühlt das eben so, es sagt bloß keiner.  Manchmal hätte ich mir gewünscht, einen der Pfade aus dem wundervollen Gedicht von Robert Frost zu sehen.

Zwei Wege boten sich mir dar,
Ich nahm den Weg, der weniger begangen war,
und das veränderte mein Leben.

Mehr als ein Mal war da nur noch eine Wand, die Angst, daran zu zerschellen und der Wunsch, den Schmerz zu beenden. Ich habe Glück gehabt, dass all die Jahre stets auch Menschen an meiner Seite waren, die mir eine Hand gereicht haben. Aber immer waren da auch Menschen, die mir einen Tritt verpassten. Die schmerzhaftesten Tritte kamen stets mit der Begründung, man wolle ja nur mein Bestes. Dabei wusste ich nicht mal, ob überhaupt irgendwas an mir gut war.

Eine Spur zu hinterlassen, etwas bedeutsames zu tun, natürlich hatte auch ich solche Wünsche. Aber meine Sicht auf mich erlaubte mir nie, auch nur einen Schritt in diese Richtung zu wagen. Vieles von dem, was ich las, um mich zu motivieren, um vielleicht etwas weniger traurig zu sein, klang wie Hohn, wie unrealistisch weil zu einfach.

Heute weiß ich, das Leben ist nicht gerecht. Es ist nicht vorhersehbar und schon gar nicht kann man den eigenen Sinn erkennen. Der offenbart sich von selbst früher oder später.

Dass ich ein Buch veröffentlichen würde, schon das war ein Erlebnis, das mich für immer verändert hat. Und das mich hunderte von Mails erreichten, von Briefen und Anrufen, in denen man mir erklärte, wie wertvoll, wie wichtig, wie lebensverändernd mein Buch für die Menschen geworden ist. Ich kann nicht in Worte fassen, wie viel mir das bedeutet. Stolz ist ein Wort, das auch ein Quäntchen Arroganz beinhaltet aber dennoch ja, ich bin stolz auf über 400 Seiten, die meine ganz persönliche Geschichte beschreiben und dennoch offensichtlich so viele Menschen berühren.

Bald erscheint das Hörbuch, ein weiterer unglaublicher Wendepunkt. Man treibt Aufwand, und das nicht zu gering, um das Publikum für meine Geschichte noch größer zu machen. Wer einigermaßen weiß, wie der Literaturbetrieb tickt, der ahnt sicher, dass ich mir damit keine goldene, nicht mal eine metallene Nase verdienen werde. Aber ich habe einen kleinen Fußabdruck hinterlassen, ich hab ein kleines Stückchen mehr Bedeutung in das Leben einiger Menschen gebracht. Und selbst wäre mir das nur mit einem Menschen gelungen, würde mich das schon glücklich machen.

Ich habe gelernt, größer zu denken, mutiger zu werden, selbst-bewußter. Nicht so, wie ich es gerne hätte, aber besser als alles in meinem Leben zuvor. Ich habe nach wie vor dunkle Tage, aber ich lasse sie nicht mehr mein ganzes Leben bestimmen.

Mittlerweile versuche ich mich sogar im Träumen. Meine Frau hatte mal die Idee, mein Buch würde zur Schullektüre. Der Botschaft wegen würde ich mir das mittlerweile wirklich wünschen, auch weil ich mit Begeisterung an Schulen gehe, um aufzuklären, zu entstigmatisieren.

Und hey, wer weiß, denken wir doch mal noch größer. Vielleicht, eines Tages, werde ich meine Geschichte im TV sehen, oder im Kino? Klingt überheblich?

Mag sein. Aber ich übe mich gerade darin, mich nicht mehr klein zu machen. Ich übe mich darin, mit erhobenem Haupt durch die Welt zu gehen. Als jemand, der seine Krankheit überlebt hat, und der jetzt mit seinem Beispiel anderen Menschen Mut machen will. Was spricht also dagegen, groß zu denken? Nur so erreiche ich möglichst viele Menschen. Also sollte ein Drehbuchautor, ein Regisseur, ein Schauspieler das lesen. Ich bin bereit. Und ich schäme mich nicht, das offen zu sagen.

Ich kenne jetzt meinen Weg in diesem Leben, Frost hat mir zwei gezeigt, ich habe den weniger begangenen gewählt und bereue nichts. Viel zu lange habe ich mich von anderen Menschen klein machen lassen. Viel zu lange habe ich zugesehen, wie andere Menschen klein gemacht wurden von Mitmenschen, die vor Arroganz, Ignoranz und Intoleranz strotzten. NICHT MEIN WEG.

Ja, ich freue mich auch heute noch wie ein Kind über jedes verkaufte Exemplar meines Buchs, jedes gute Gespräch mit Betroffenen, denen mein Buch ein klein bisschen helfen konnte. Und ja, ich fühle zum ersten Mal so etwas wie Stolz, ohne ihn gleich herabzuwerten, ohne mich herabzuwerten.

Es kann besser werden. Aber dahin führt ein wenig begangener Weg, dessen Länge niemand voraussagen kann.

Aber der Weg lohnt. Glaubt mir, ich bin gerade auf ihm unterwegs.

 

Für mich war Steven Hawking immer ein Vorbild. Nicht wegen seines Schicksals sondern wegen seiner tiefen Neugier und der Lust daran, etwas im Leben zu bewegen. Daher zum Abschluß Stephen Hawking:

„Look up at the stars and not down at your feet.
Try to make sense of what you see, and wonder about what makes the universe exist. Be curious.“
Oder wie der ebenfalls sehr geschätzte Neil deGrasse Tyson formuliert:

The atoms of our bodies are traceable to stars that manufactured them in their cores and exploded these enriched ingredients across our galaxy, billions of years ago. For this reason, we are biologically connected to every other living thing in the world. We are chemically connected to all molecules on Earth. And we are atomically connected to all atoms in the universe. We are not figuratively, but literally stardust.

 

Freilandhaltung, die Fortsetzung von „Depression abzugeben“

Weil weder Bastei Lübbe noch meine Agentur an ein Leserinteresse für „Freilandhaltung“ glaubt, gehe ich jetzt mal einen anderen Weg. Ihr könnt hier die ersten drei Kapitel nach und nach lesen. Gebt Kommentare, teilt die Kapitel, schreibt darüber.

Ich möchte von meinen Lesern wissen, ob daraus doch noch ein Buch werden soll. Denn eigentlich fing meine Geschichte erst mit der Entlassung so richtig an.  Der Text ist in der ersten Rohfassung, noch ohne großes Lektorat, also quasi frisch aus der Feder (Aehm, Tastatur)

Und nun viel Spass mit Vorwort und Kapitel 1: Bald mehr.

Vorwort statt Nachruf und Kapitel 1: Sie sind entlassen!

Kapitel 2: Was habe ich mir dabei nur gedacht