Burnout Zahlen steigen. Wundert mich nicht.

Der Stern berichtet, dass die Zahlen von Burn Out bedingten Behandlungen bei den Krankenkassen massiv steigen. Die Zahlen sollen sich binnen acht Jahren um das 18-fache gesteigert haben. Verblüfft mich aber leider nicht wirklich.

Zu viel in unserer Gesellschaft fördert den Burn Out. In einer wirtschaftlichen Situation, in der wohl jeder, der (noch) einen Job hat, mehr als glücklich ist, in der jeder immer genauer beurteilt und bewertet wird, und ja, im Falle einer schlechten Bewertung auch als Humanressource entsorgt wird, da ist das nur ein Symptom.

So lange wir nicht wieder mindestens zwei Gänge runterschalten, so lange wir uns nicht von permanentem Streben nach Spitzenleistungen, nach noch mehr, noch schneller, noch genauer verabschieden, wird sich nichts ändern.

Und wenn jeder, der in Hartz IV abrutscht quasi um jeden Cent kämpfen muss und in einer Existenz landet, die zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig bietet, brauchen wir nicht zu erwarten, dass die Menschen freiwillig einen Zahn runterschalten werden. Dazu muss der Knall noch viel lauter sein. Dann kann es aber schon zu spät sein und die Wirtschaft darunter leiden. Wäre das nicht Grund genug für die Entscheider in der Wirtschaft, hier etwas zu tun? Vermutlich nicht, weil es sich nicht direkt in kurzfristigen Umsatzsteigerungen niederschlägt. Und langfristiges Denken ist ja nicht so die Sache der Finanzmärkte. Noch nicht.

Familienbilder und Zerrbilder: Ich muss mich da jetzt reinsteigern

Immer wieder finde ich es amüsant bis befremdlich, wie Familie, Erziehung, Bildung in der Öffentlichkeit und vor allem in der Politik dargestellt wird. Man bekommt das Gefühl, wir sind doch alle zu dämlich, Kinder zu haben und müssen betreut, reglementiert und kontrolliert werden. Dabei kann ich in meinem Umfeld und ja, dazu gehören bzw. gehörten auch Hartz IV Empfänger ebenso wie sehr wohlhabende so gut wie überhaupt keine Familie nennen, die in der Öffentlichkeit dargestellte Probleme hatte.

Sicher, es gibt „soziale Brennpunkte“ aber hallo? Wäre es da nicht an der Zeit zu hinterfragen, wer diese Brennpunkte hat entstehen lassen? Erzähl mir keiner, es gäbe Menschen, die frewillig in solchen Gegenden wohnen bzw. ihre Entstehung gut heißen. Das ist die eigentliche Vernachlässigung. Die gesellschaftliche Norm, die sich nur noch am rentablen ausrichtet, am optimieren der Kosten bei Minimierung der Aufwände. Würden wir gleiche Chancen für Mütter haben, die bei Ihren Kindern zu hause bleiben wollen wie für Mütter, die möglichst früh wieder arbeiten wollen, gäbe es keine solchen Diskussionen, welche Mutterrolle denn nun die richtige  ist. Zum Gelde drängt, am Gelde hängt doch alles. Und leider hängt heutzutage auch viel zu sehr davon ab, wie wir leben. Und zu fordern, dass auch Väter eine Auszeit nehmen für die Kindererziehung, dann aber nicht in der Lage sein, in der Gesellschaft gleiche Bezahlung für Mann und Frau bei gleicher Arbeit zu etablieren ist mehr als nur ein Armutszeugnis. Es zeugt von einem überkommenen und rein materiellen Weltbild. Denn es könnte ja sein, dass die Frau wegen Schwangerschaft ausfällt. JA kann sein, aber das ist auch und insbesondere ein wichtiger Beitrag für eine Gesellschaft, die dauernd über zurückgehende Geburtenzahlen und Arbeitskräftemangel klagt. Es mag ja richtig sein, soziale Hängematten abzubauen, aber ich halte das Weltbild für gefährlich, das den Eindruck erweckt, jeder HartzIV Empfänger könne doch sofort einen neuen Job finden, wenn er sich nur anstrengt. Und gleichzeitig fordern wir mittlerweile sogar schon für Erzieherinnen ein Studium.

Hallo? Reality Check irgendwer? Wir müssen ein Gesellschaft bleiben, die auch die Schwächeren akzeptabel und menschenwürdig auffängt. Und die aufhört, nur nach der Rendite zu fragen. Das klingt sehr arrogant in einer Welt, in der der Investmentbanker um ein vielfaches mehr verdient, als die Krankenschwester oder der Altenpfleger (das einem Kind so zu erklären, dass man nicht das Bild von Gerechtigkeit und Wert total verschiebt ist wirklich schwer). Und wer Gesundheit, Erziehung und Bildung unter die Doktrin der Rentabilität und des Kosten Minimierens und Gewinn Maximierens stellt, darf sich nicht wundern, wenn die Qualität auf Kosten der Quantität leidet. Da wird dann halt nicht mehr das Optimale geleistet, sondern das wirtschaftlichste.

Wir sollten wieder mehr Fokus auf Werte wie Gleichberechtigung, Menschlichkeit, sozialen Zusammenhalt und ein gutes Leben setzen, statt uns von einer rein am wirtschaftlichen Erfolg und am Produktkonsum orientierten Gesellschaftsdoktrin irritieren zu lassen. Wer sich darüber aufregt, dass die Menschen bevorzugt beim Discounter einkaufen und ökologische Gesichtspunkte oder gar soziale Produktionsweisen vernachlässigt, sollte ganz still sein, wenn er gleichzeitig Lohnverzicht fordert und HartzIV Empfängern nicht mal hinreichend Geld für eine vernünftige Grundversorgung gönnt, „weil die ja alle so faul sind“. Ich möchte meine Kinder als mündige Bürger, mit einem Wissen jenseits von Arbeitsmarktnotwendigkeiten erziehen und erwarte das auch von den Instanzen, die ich durch meine Steuern mitfinanziere.

Und ich erwarte eine am Bürger orientierte Politik, nicht eine, die den Lobbyisten mit den größten wirtschaftlichen Machtfaktoren folgt. Denn dann wird auch der Bürger wieder die Politik und die Politiker ernst nehmen.

Ich bin wirklich mal gespannt, wann ich meinen Kindern in der Mehrheit der Fälle auf die Frage: „Papa, warum machen die das“ sagen muss: „Weil das viel Geld bringt.“ sondern „weil es den Menschen nutzt.“ Oh, und wo wir schon dabei sind.

Nein, ich bin kein Kommunist. Aber dennoch denke ich, dass die Wirtschaft für den Menschen da sein sollte, nicht umgekehrt.

Wider die Hochdruckgesellschaft

Wo immer ich hinschaue, es werden Spitzenleistungen gefordert. Und die Spitzenleistung von heute wird zur Normalität von Morgen.

Darunter leiden bereits unsere Kinder in einer immer mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimierten (Aus-)Bildungsmühle, die Werte wie Moral, Ethik hinter ach so wichtige Dinge wie Fit sein für den Beruf, Vorbereitung aufs Hochdruck-Bachelorschulstudium und die danach folgende Arbeitswelt der Topleister stellt.

Und dann wundern sich Medien und Politik über immer mehr psychische Erkrankungen, über Burnout und eine heranwachsende Generation, die plötzlich Werte wie Familie und Freunde hinter Karriere stellt. Dabei zeigt sich doch nur. Das Individuum ist offensichtlich nicht so dumm wie die abstrakte Wirtschaftsmaschinerie.

Wer Hochdruck aushalten muß, der sucht sich Ventile, sucht sich Möglichkeiten, dem Druck zu entkommen. Und da die Wirtschaft immer noch den Fokus auf Wachstum, auf immer mehr Leistung und Umsatz setzt, statt Nachhaltigkeit, kippen auch immer mehr angebliche Lowperformer aus dem Gefüge.

Spitzenleistung kann auf Dauer niemand bringen, wenn die Spitze dauernd weiter nach oben gesetzt wird. Und wer die Prozesse statt an der einen oder anderen Stelle sinnvoll zu entschleunigen immer weiter beschleunigt, der wird früher oder später merken, dass sich Fehler häufen, dass Krankheitsraten steigen, Fluktuation sich erhöht und irgendwann plötzlich der Kunde immer unzufriedener wird und schließlich das eigene Image darunter leidet.

Der Spruch „In der Ruhe liegt die Kraft“ scheint heute dem „Geschwindigkeit um jeden Preis“ gewichen zu sein. Oder halten wir es wirklich für vernünftig und gesund, unsere Kinder mittlerweile bereits im Kindergarten auf das Berufsleben vorzubereiten? Ich erinnere mich noch an den Satz „nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.“ Das gilt heute nicht mehr. Heute müsste der Satz lauten „nicht für die Schule, für den Arbeitgeber lernen wir“.

Wir sollten einen gesellschaftlichen Konsens erreichen, der nicht alleine auf Profit und Beschleunigung basiert. Es ist ein Irrtum zu behaupten, wir ertrinken in Informationen, wir sind Sklaven unserer Technologie. Das stimmt so nicht, denn das sind alles Werkzeuge. Was aber stimmt ist, dass wir Sklaven eines Dogmas sind, das den Wert des Menschen immer stärker auf seine berufliche (Spitzen-)leistung fokusiert, das alle Handlungen außerhalb der Arbeitswelt nur noch auf  „fit machen für den Beruf“ beschränkt. Und das gleichzeitig in immer größerer Zahl Arbeitslosigkeit produziert, weil man natürlich am liebsten ohne den zweibeinigen Kostenfaktor Mensch Profite erzielen will. Das Gehalt soll bitte möglichst gering sein, der Konsum aber möglichst hoch.

Es ist aber leichter, die Schuld für Überlastungen und ein Ertrinken in Technologien zu suchen, statt die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mechanismen zu hinterfragen, die Menschen dazu bringen, sich so von Informationen überfluten zu lassen. Dabei hilft es gar nichts, das Smartphone oder den Notebook auszuschalten, wenn man dadurch Probleme mit Vorgesetzten oder Kollegen bekommt, die im gleichen Trott stecken und die Erreichbarkeit als notwendig erachten. Wer immer noch in einer zeitbasierten Ökonomie arbeitet, in der die Entlohnung an der Erreichbarkeit und Anwesenheit hängt und nicht an zu erreichenden Zielen, der wird es sehr schwer haben, hier eine gewissen Entschleunigung einzubauen, da er ja nur dann tätig zu sein scheint (!!!) wenn er auch anwesend und erreichbar ist.

Sind wir wirklich so überrascht, dass diesem Irrsinn manche Menschen auch mit irrationalen Argumenten entgegentreten? Ist es wirklich so verwunderlich, dass psychosomatische Erkrankungen so stark zunehmen, wenn der normale Mensch keinen Ausweg aus einer immer schneller arbeitenden Mühle aus Arbeit und Konsum sieht?

Wir brauchen einen gesellschaftlichen Wertewandel. Das wird aber sehr schwer im Zeichen einer globalisierten Welt, in der alles der Prämisse „schneller sein als die Konkurrenz“ geopfert wird.

Ich habe kein Patentrezept zur Lösung dieses Dilemmas. Aber ich werde nicht müde, auf den Irrsinn hinzuweisen und ihn für mich selbst wo immer es geht nicht mehr mitzumachen. Denn der nächste Burn out lauert um die Ecke. Und nur, wer da einmal drin gesteckt hat, weiß, dass es auch persönliche Grenzen gibt, die zu verteidigen wichtig ist.

Von Warenwerten und wahren Werten

Immer wieder fällt mir auf, wie oft unsere Gesellschaft monetäre Werte über moralische, ethische oder einfach menschliche Werte stellt.

Das beginnt schon bei der Bezahlung, die oft abstrakte Tätigkeiten ohne direkten Nutzen für Menschen (Geldvermehrung) besser bezahlt, als soziale Tätigkeiten.  Wer aber einmal auf die Hilfe von Menschen angewiesen war, wer einmal erlebt hat, welche Opfer dort viele freiwillig bringen und mit welcher emotionalen Beteiligung viele tätig sind, der wünscht sich, dass diese Berufe mehr Relevanz erhalten und damit auch monetär gerechter behandelt werden. Klar gibt es dort, wie auch  in jedem anderen Gebiet auch Menschen, die nicht wirklich begeistert dabei sind. Aber das liegt oft auch genau am Umgang und dem Stellenwert, der diesen Tätigkeiten gegeben wird.

Ebenso unverständlich für mich ist, welche Bereiche und Dienstleistungen oft unter das starre und meist kurzsichtige Regime der Gewinnoptimierung gestellt werden. Ein Krankenhaus hat primär den Auftrag, Menschen zu helfen. Und ein Krankenhaus ist für mich eine gesellschaftliche Instanz, die wir uns auch leisten können müssen, wenn sie nicht nur Gewinne einfährt. Gleiches gilt für viele soziale Dienste.

Gleichfalls nicht nachvollziehbar  ist für mich die oft gespiegelte Meinung der Politik und der Wirtschaft von ihren Bürgern, Kunden oder Arbeitnehmern. Da wird kontrolliert, überwacht, da wird dem Hartz IV Empfänger ein Mißbrauchswille unterstellt, der mit Sicherheit nur bei einer kleinen Minderheit wirklich auf Tatsachen trifft.

Und auch die Medien sind hier nicht müde, immer wieder gerade die negativen Beispiele wie eine allgemeingültige Tatsache darzustellen. Dabei muss ich hier meine Leser enttäuschen. Mir sind schon einige Menschen begegnet, die aus verschiedensten Gründen arbeitslos waren und zum Teil auch bereits in Hartz IV gerutscht. Und ich habe KEINEN EINZIGEN kennengelernt, der nicht glücklich gewesen wäre, statt Hartz IV wieder arbeiten zu dürfen.

Und in wie vielen Unternehmen werden selbst Kreative oder Wissensarbeiter immer noch in Zeitraster gepresst, müssen diverse Tabellen ausfüllen und sich immer wieder rechtfertigen, wenn sie mal bereits eine Stunde früher gehen oder etwas später ins Büro kommen. Wir wollen alle wie Erwachsene behandelt werden, oft kommt es mir aber so vor, als würde man dem Menschen generell misstrauen und glauben, alleine durch Kontrolle und Geld könnten Menschen zur Arbeit motiviert werden.

Zudem halte ich das auf stetiges Wachstum und Spitzenleistungen bedachte Wirtschaftsdenken für hochgefährlich. Jeder weiß, dass in einem begrenzten Raum unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist. Außer die Wirtschaftswissenschaftler und die sogenannten Experten. So lange wir hier immer noch Shareholder Value vor Kundenzufriedenheit, billiges Produzieren vor Qualität für den Kunden und geplante Obsoleszenz vor nachhaltige und dauerhafte Produkte stellen, werden wir weiterhin unsere Ressourcen im Übermaß missbrauchen, weiterhin unsere Umwelt verpesten und weiterhin die Last, die wir eigentlich tragen und erleichtern sollten auf unsere Kinder abschieben und sie immer  mehr belasten.

Wer heute in Werbung oder Medien etwas über Nachhaltigkeit liest, sollte sich immer im Klaren sein. Wirklich nachhaltig wirtschaften und leben wir noch lange nicht. Wir nutzen lediglich den Begriff, um uns gut dastehen zu lassen.

Die Veränderungen, die notwendig sind, um auch unseren nachfolgenden Generationen ein gutes Leben zu bieten, sind viel radikaler in manchen Bereichen, als die Medien und die Politik uns vermitteln. Aber wer auf den eigenen Machterhalt und den eigenen Vorteil bedacht ist, der hat kein Interesse an Veränderung.

Es gibt ganz wenige positive Beispiele von Unternehmerinnen und Unternehmern, die wirklich etwas bewegen wollen. Aber so lange die Gesellschaft immer noch so bequem und am Status Quo hängend ist, wird sich nicht viel ändern.

Wir predigen Wasser und trinken noch viel zu oft teuren Wein. Denn der Mensch soll doch bitte am besten genormt, bereit für jegliche noch verfügbare Arbeit sein, das natürlich so früh wie möglich und so lange wie möglich, dabei aber für einen Hungerlohn arbeiten, dennoch jeden Quatsch konsumieren und gleich wieder wegwerfen, den die Konzerne auf den Markt bringen, Kinder bekommen, danach sofort wieder arbeiten und am besten sobald er in Rente geht sofort tot in die Kiste fallen. Ein genügsames aber gutes Leben ist nicht vorgesehen.

Und ich muß nochmal eine absolute Leseempfehlung anbringen: „Why work sucks and how to fix it“ von den Erfinderinnen des „Results only Work Environments“ ist extrem empfehlenswert für jeden, der das Gefühl hat, dass die Arbeitswelt eher einem Irrenhaus gleicht. Und wer dann noch lachen will, dem empfehle ich: „Ich arbeite in einem Irrenhaus„.

Wir jammern technologisch auf hohem Niveau.

Dieses böse Feuer, das wird völlig überbewertet, dachte sich der Urmensch, der seine Nachbarn beim Rösten von Mammutfleisch über einem Feuer beobachtet, bevor er an einer Salmonellenvergiftung starb..

Interessant immer wieder, was manche Mitmenschen beklagen. Und wo sie angebliche Verluste wittern.

Da trauern manche über das verschwinden der CD zu Gunsten von „angeblich schlechtern“ MP3, vergessen aber dabei ganz, dass sie einmal genau das Erscheinen der CD beklagt haben, weil die CD so steril und perfekt klingt.

Da jammert man darüber, dass die eigene Kamera „nur“ 10 Megapixel hat, vergisst dabei aber ganz, dass man diese Megapixel gar nicht mehr wirklich wahrnimmt (außer bei der Grösse der Dateien), wenn man nicht gerade ein Fotoprofi ist.

Seitdem die Technik von Verbesserung zu Verbesserung in immer kleineren Zyklen voranschreitet, scheint auch der Wunsch nach etwas „noch besserem“ immer schneller zurückzukommen. Oft vergessen wir dabei aber, wofür wir das Produkt überhaupt verwenden.

Ich amüsiere mich zum Beispiel immer wieder über die hochgezüchteten Desktop PCs, die man durchaus für anspruchsvollen Videoschnitt oder High-End Games verwenden könnte, die aber eigentlich nur für Textverarbeitung und fürs Surfen genutzt werden.

Dagegen stehen für mich Menschen wie Raul Krauthausen, die es trotz eigenen Handicaps verstehen, die Chancen der Technologien sinnvoll zu nutzen, um das eigene und das Leben anderer zu verbessern.

Noch schlimmer die wie bereits beschrieben alles ablehnenden Technophobiker, die quasi reflexartig dieses neumodische Zeugs ablehnen, das doch nur Spielerei ist und das die Sitten verroht und die Welt bald untergehen lassen wird (so amüsiere ich mich zur Zeit über Landwirte, die sich über dieses Internet Zeugs beklagen, aber gleichzeitig aktuell das Grundwasser durch immer stärkere Gülleausbringung auf den Feldern ruinieren und mit immer grössern Monokulturen dafür sorgen, dass die Artenvielfalt mittlerweile in Großstädten oft höher ist als auf dem Land. Aber das Internet ist gefährlich und gehört verboten, das mit der Gülle haben die ja schon immer so gemacht und wer da was gegen hat, der gehört…… won’t write more. ) Wir beklagen uns über die Arbeitsbedingungen in China, würden aber gleichzeitig laut aufschreien und protestieren, müssten wir mehr für unsere High Tech Geräte oder die billigen Klamotten vom Discounter zahlen.

Wir schimpfen über die Lebensmittelpreise, vergessen dabei aber leider, dass wir schon seit Jahren nicht mehr den eigentlichen Wert der Lebensmittel bezahlen, würden sie so hergestellt, wie wir uns das wünschen. Wir sind gegen Gentechnik und Designerfood, aber dennoch konsumieren viele Fastfood, Tütensuppen und Fertiggerichte.

Das ist für mich ein Teil der deutschen Unkultur. Anstelle für das Handeln und für so manche technologische Fehlentwicklung die Verantwortung dort zu suchen, wo sie ist, nämlich beim Menschen, fordern wird Sperren, Verbote und Abschaffen. Dabei zeigen uns Menschen wie Krauthausen, dass es eigentlich nur eines klugen Kopfes bedarf, um Technologien sinnvoll anzuwenden und damit tatsächlich das Leben und den Alltag der Menschen zu verbessern. Anstelle sich über Missstände aufzuregen sollte jeder von uns die Energie lieber dafür aufwenden, in seinem Umfeld wo möglich etwas besser zu machen, oder jene zu fördern, die es besser machen wollen. Klagen ist oft nur Faulheit, sich zu verändern oder sich mit neuen Technologien wirklich zu befassen.

 

Die Grenzen des Wachstums, der Burn Out eines (Wirtschafts-)systems

Die Natur kennt ihre Wachstumsgrenzen, der Mensch offensichtlich nicht.

Warum sind wir alle eigentlich so verblüfft? Warum staunen wir über die immer bedrohlichere Zahl von Burn Outs, die bekannt wird? Und warum wundern wir uns über die Wiederkehr der Finanzkrise? Jeder, der in der Physik oder der Biologie nur ein wenig bewandert ist weiß, daß endloses Wachstum in einem begrenzten System gar nicht möglich ist. Im Moment erleben wir quasi das klassische Räuber, Beute Modell aus der Biologie. Da haben die Banker (Räuber) jahrelang auf Kosten der Beute (Kunden, Bürger) mit deren Geld gespielt. Da wurden immer höhere Renditen angestrebt. Und jahrelang galt das Motto in vielen Unternehmen: Jedes Jahr Wachstum, 5% mehr Effizienz.
Dass jetzt eben jene Räuber verblüfft sind, dass ihre Beute da nicht mehr mitmacht, dass die Burn Outs steigen und die Finanzsysteme kollabieren ist sympthomatisch und enttäuschend. Tja, da lässt sich eigentlich nur vermuten, dass all jene Räuber in der Schule in Biologie und Physik nicht wirklich aufgepasst haben.

Wir erleben die Grenzen des Wachstums. Und so lange die Wirtschaft nicht endlich begreift, dass Nachhaltigkeit vor Wachstum kommen muss, dass man Wirtschaft auch erfolgreich ohne dauerndes mehr und höhere Leistung führen kann, werden wir noch viele weitere Zusammenbrüche erleben.

Die Beute hat längst erkannt, dass all dies Wachstum auf ihrem Rücken ausgetragen wird. Occupy X oder Y zeigen das. Nur die Räuber rauben immer noch munter weiter. Bis sie nichts mehr zum rauben haben. Aber dann ist es auch für die Beute zu spät. Dann gilt.
Alles auf Anfang.
Ich hoffe, der eine oder andere Räuber denkt vorher nach.

Vom moralischen Handeln und der Wirtschaftswelt

Eine kleine Revolution fand statt in Baden Württemberg, aber was steckt dahinter, dass plötzlich die Grünen zur zweitstärksten Kraft im Ländle wurden.

Ich denke, ein Schlüsselwort ist Moral. Wir alle wollen im Alltag im Einklang mit unseren Werten, unseren ethischen Normen, wollen moralisch handeln. Sicher, wir haben auch unsere Egoismen, aber letztlich wünscht sich jeder ein gerechtes und moralisch einwandfreies Handeln.

Und das ist meiner Ansicht nach, was im Moment auf allen Ebenen und in allen Institutionen als unvollkommen angesehen wird. Eine Regierung, die zunächst für Atomkraft ist, und weil die Bevölkerung sich über einen Supergau im fernen Japan sorgt plötzlich ein Moratorium einsetzt muss sich schon fragen lassen, hat sie zuvor ethisch vertretbar gehandelt, wenn jetzt doch noch mal eine Prüfung notwendig zu sein scheint? Wenn jetzt plötzlich sieben Kraftwerke abgeschaltet werden können, ohne dass es in Deutschland zu flächendeckenden Stromausfällen kommt.

Aber auch die Wirtschaft muss sich ethisch neu positionieren. Nicht nur, weil die Laufzeitverlängerung der AKWs den großen Konzernen fette Gewinne ihrer bereits abgeschriebenen Meiler einbringt.

Auch hier hat das Wahlergebnis gezeigt: Das reine Wirtschaftsdenken, wie es in Baden Württemberg unter Schwarz-Gelb vorherrschte (Hauptsache, die Arbeitsplätze sind sicher und der Wirtschaft gehts gut) weicht einer umfassenderen Betrachtung in die auch einfließt, dass die Wirtschaft zwar gefördert, aber nicht gefordert wird. Wer sich beklagt, dass die jungen Auszubildenden immer schlechter vorbereitet in die Ausbildung starten, der muss sich auch fragen lassen was er von einem Bildungssystem erwartet, das immer mehr totgespart wird und dessen Ansehen in der Gesellschaft immer weiter sinkt.
Und wenn wir uns über eine Verrohung der Sitten beklagen, dann sollten wir uns auch fragen, wo lernen die jungen Leute es denn? Ist es nicht so, dass gerade die nicht für die Wirtschaft direkt wichtigen Fächer immer mehr ins Abseits gedrängt werden? Bildung liefert auch ethische und moralische Grundwerte. Und das darf, gerade nach den unsäglichen Geschehnissen in der katholischen Kirche nicht alleine dem Religionsunterricht vorbehalten bleiben, der ja definitiv selbst mit moralischen Verfehlungen fertig werden muss.

Wir müssen den Fokus in der gesamten Gesellschaft wieder mehr auf eine Symbiose von Ethik, Moral und wirtschaftlichen Erfolg richten, anstelle alles nur noch dem Profit und Shareholder Value unterzuordnen.

Und das sehe ich als einen weiteren Marktvorteil und positiven Aspekt in der Diskussion um einen „War for Talents“. Auch an ihren ethischen Werten müssen sich Arbeitgeber immer mehr messen lassen. Wie vereinbar sind Familie und Beruf? Wie wichtig wird eine gesunde Balance zwischen beruflichen Aufgaben und Privatleben gesehen? Wie sind die Umgangsformen im täglichen Miteinander? Wird nur (Termin-) Druck ausgeübt oder haben Mitarbeiter auch Freiräume zum Durchatmen? Gerade in einer Zeit in der die kreativen, schaffenden Wissensarbeiter immer wichtiger werden, müssen die Firmen den Fokus deutlich mehr auf solche „weichen“ Faktoren richten. Gerade Wissensarbeit gedeiht nur dann gut, wenn auch das Umfeld stimmt.

Update: Und diese Erfahrungen kommen bei mir nicht aus dem luftleeren Raum. Zum einen habe ich meinen jetzigen Arbeitgeber auch wegen der Sozialleistungen gewählt zum anderen habe ich auch in Gesprächen mit neuen Kollegen oft als Argument auch gehört, dass mein Arbeitgeber eben auch familienfreundlich wäre (Gleitzeit, verschiedenste Arbeitszeitmodelle etc.) Man sieht also. Ist nicht so daherfantasiert sondern für viele auch junge Arbeitssuchende durchaus ein Kriterium!

Der neue Einkaufsberater, das Web und die Cloud/Crowd

Mein Smartphone ist mit einer Kamera ausgestattet. Das hat einige findige Programmierer dazu veranlasst, einen Barcode Scanner zu implementieren. Dies an sich wäre nur eine nette Spielerei, stünde hinter dieser Anwendung nicht das gesamte Internet. Heute kann ich mit einem Scan in jedem Laden die aktuellen Preise der Produkte erfragen, die Lebensmittelampel, die ja dank unserer Regierung immer noch nicht offiziell verpflichtend ist, für die meisten Lebensmittel abfragen und lesen, was andere über das Produkt schreiben, und welche Testwertungen es gibt.
Sicher früher gab es das alles schon (einer der nichtssagensten Sätze der Web 0.0 Generation) aber die Verbindung des Always On meines Smartphones mit dem Internet bietet mir völlig neue Möglichkeiten, als Konsument mündig zu werden und die Produkte zu hinterfragen, die ich kaufe.
Und da heute ja, weil man ja als höchstes Ziel Profitmax…. aeh Kostensparen hat auch die hochpreisigen Waren in China produziert werden und die Herstellungswege so intransparent geworden sind, dass es sich schwer nachvollziehen lässt, wo ein „Made in Germany“ Produkt denn nun wirklich HERGESTELLT wurde und ob die Mitarbeiter dort unter sozialen Gesichtspunkten arbeiten oder nur ausgebeutet werden (Stichwort Foxconn), würde ich mir noch wünschen, dass es bald eine Webseite gibt, die nach einscannen meines Produktbarcodes auch die sozialen Aspekte des Unternehmens anzeigt, mir auch deutlich vor Augen führt, dass ich, wenn ich bei bp tanke, mich offensichtlich nicht sehr um Standards, Ethik und Moral kümmere.

Wir können mit Hilfe des Webs zu sehr mündigen Konsumenten werden. Allerdings braucht es dazu immer noch eins. Verstand, und den Willen, als Verbraucher aktiv zu werden.
Aber dank Web 2.0 haben wir zum ersten Mal Werkzeuge in der Hand, die uns bei jedem Produkt die Konsequenzen unseres Kaufes vor Augen führen können. Wie wäre es mit einer Berechnung des CO2 Impact beim Kauf jedes Produkts?
Ich wünsche mir so etwas.