Rezension Queenig & Spleening?! Wie die Engländer ticken

Buch
ISBN: 978-3-468-73847-0
Autor: Nina Puri
176 Seiten, kartoniert, 286g, 15x126x191mm

Es gibt, Reiseführer, und es gibt Bücher wie Queenig & Spleenig?! von Nina Puri erschienen bei Langenscheidt. Als gebürtige Engländerin, die jetzt in Hamburg lebt weiß sie, wovon sie schreibt. Und das spürt man in diesem überaus amüsanten und nicht immer ganz ernst gemeinten Buch, das uns in die Denkweise und den Lebensstil des typischen Engländers einführt.

Wer schon immer das Gefühl hatte, Monty Python entspräche doch sehr dem typisch britischen Lebensstil, ja, der liegt gar nicht so falsch. Mit liebenswerten Beispielen und so manchem nicht ganz so rühmlichen Vergleich mit deutschen Neurosen zeigt Puri wie die Engländer ticken. Von den besonderen Essensgewohnheiten (ich erinnere nur an spezielle Anwendungen von Essig bzw. der nicht immer eindeutigen Bedeutung von Pudding) bis hin zu Sprache (die upper class spricht oft upper als sie sich kleidet)  werden die typischen Besonderheiten und Eigenarten der „Engländer“ liebevoll und mit einem Augenzwinkern vorgestellt.

Meine Frau, die das Buch vor mir durchgelesen (verschlungen wäre das treffendere Wort) hat, meinte: „Hätte ich das Buch damals vor unserem Schulaufenthalt in England gehabt, wäre einiges anders gelaufen.“

Puris Stil ist locker, ohne salopp zu wirken, sie nutzt englische Begrifflichkeiten, erklärt diese aber stets ausführlich. Dabei werden die Beispiele stets an Alltagssituationen erklärt und oft mit einem Augenzwinkern Richtung unwissendem Touristen dargestellt. Denn vieles, was uns am Engländer merkwürdig erscheint resultiert weniger aus Spleeningkeit als aus Unwissenheit um die Rituale, die man als Tourist nicht wirklich kennenlernt

Alles in allem ist „Queenig & Spleenig !?“ ein amüsant kurzweiliger Blick in die Britische Seele, in Rituale und Gesellschaftsregeln, die uns manchmal ebenso merkwürdig vorkommen dürften, wie Engländern unsere Vorliebe für Dirndl, Wurst, Brot, Ordnung, Pünktlichkeit.

Denn, wer von euch Völkern ohne Neurosen ist, schreibe das letzte Buch.

Insgesamt gebe ich dem Buch  [xrr rating=5/5] 5 von 5 möglichen Punkten und kann es jedem, der eine Reise nach England plant oder Engländer in seinem Freundeskreis hat nur unbedingt ans Herz legen.

Mein Dank gilt dem Langenscheidt Verlag für die Bereitstellung und Bloggdeinbuch für die Vermittlung dieses Buches, bei dessen Rezensionslektüre nicht nur ich sehr viel Spaß hatte.

 

 

Rezension Praxiswissen Joomla! 2.5

Praxiswissen Joomla! 2.5
Tim Schürmann
2. Auflage März 2012
ISBN 978-3-86899-107-9
920 Seiten, inkl. CD-ROM, Klappenbroschur
EUR34.90
eBook Ausgabe:
Praxiswissen Joomla! 2.5 (eBook-Bundle: PDF + EPUB)

Nachdem ich einige Auftritte auf der Basis von Joomla betreue, ist für mich ein umfassendes Buch zu Joomla naturgemäß interessant. Dabei brauche ich vor allem auch die etwas tiefer gehenden Informationen zu Plugins und Erweiterungen und interessiere mich für den einen oder anderen Tipp und Trick. All dies versammelt das Buch Praxiswissen Joomla! 2.5.

Dabei versucht das Buch den Spagat von den ersten Schritten mit Joomla 2.5 bis hin zu Tipps und Tricks, die den Leser unter die „Motorhaube“ dieses mächtigen Content-Management Systems blicken lassen.

Grundlagen werden in den ersten zwei Teilen gelegt. Hier wird die Installation von Joomla, die Konfiguration und das Erstellen von Inhalten mit Joomla beschrieben. Mit vielen Screenshots und Erklärungen wird es dem Einsteiger leicht gemacht, eine vollständige Joomla Installation auf die Beine zu stellen. Danach folgen ab dem dritten Teil die Tipps und Tricks, der Blick unter die Motorhaube. Von Erweiterungen von Joomla bis hin zur Erstellung von eigenen Modulen wird hier der ganze Bereich „Joomla für Fortgeschrittene“ abgedeckt.

Wer also mit Joomla startet, aber auch später noch den einen oder anderen Tipp bekommen möchte oder gegebenenfalls später mit der Entwicklung eigener Plugins weitermachen möchte, ist dieses Buch genau das richtige. Natürlich wird ein Grundverständnis von PHP und allem, was mit dem Erstellen von Webauftritten zu tun hat vorausgesetzt. Aber der Anspruch des Buches ist auch nicht, alles zu erklären, sondern insbesondere den Start mit Joomla zu erleichtern.

Ergänzt wird das Buch durch eine DVD, auf der neben allen Programmbeispielen und dem Archive von Joomla 2.5 inklusive eines Xampp Server auch noch ein Videotutorial zur Installation und Konfiguration von Joomla vorhanden ist.

Die Sprache des Buches ist klar verständlich, viele Screenshots erleichtern zusätzlich die Lektüre. Gerade für den Joomla Neuling mit Ambitionen für weitere Schritte kann ich dieses mit knapp 900 Seiten sehr umfassende Buch nur empfehlen und gebe 4 von 5 möglichen Sternen.

Danken möchte ich Bloggdeinbuch und dem Verlag O’Reilly für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars, dessen Inhalt auch mir noch den einen oder anderen Tipp und die eine oder andere neue Idee gegeben hat.

 

Praxiswissen Joomla! 2.5

Tim Schürmann

2. Auflage März 2012
ISBN 978-3-86899-107-9
920 Seiten, inkl. CD-ROM, Klappenbroschur
EUR34.90

eBook Ausgabe:

 

Mein Buchtipp und eine Rezension: Mein Kind auf Facebook

Wirklich empfehlenswert und auch für Eltern sind viele neue Infos dabei, die sich schon auszukennen glauben.


Ja, dieser Text wurde auch bei Amazon veröffentlicht, aber ich muß es einfach hier nochmal wiederholen. Für mich der Social Media Buchtipp für Eltern schlechthin:

Selten begeistert mich ein Buch, aber dieses tut es. „Mein Kind auf Facebook“. Fundiert, dabei in einem angenehmen Schreibstil, den Eltern wie Kinder lesen können und ohne gleich die große „Facebook ist böse“ Keule zu schwingen, beschreiben die Autoren, wie man sich sicher und sinnvoll auf Facebook bewegt. Dabei gehen sie auch auf Details ein, die so manch ein anderer Autor vergessen hat. Wie behandle ich Gewinnspiele auf Facebook? Was steckt hinter all den kostenlosen Spielen?

Durchwoben von vielen Beispielen und üppig illustriert fühlt man sich als Leser auch dann gut informiert, wenn man geglaubt hat, schon alle Fallstricke auf Facebook zu kennen.

Dabei ist das Buch nicht ausschweifend sondern präsentiert kompakt und dennoch vollständig, was es bei Facebook zu beachten gilt. Zeichen der Aktualität, auch die neue Timeline wird im Buch behandelt. Wer dieses Buch erwirbt, bekommt den idealen Leitfaden, um seinen Kindern eine sichere Nutzung von Facebook zu ermöglichen.

Und auch die Eltern lernen durchaus noch den einen oder anderen Kniff und erfahren neues.

Ohne wenn und aber ist dieses Buch seine 5 Sterne wert.

Danke für dieses Fundstück!

Rezension Social Location Marketing

Es besteht immer noch in weiten Bereichen die Meinung, Dienste wie Foursquare oder Google Places wären reine Spielerei ohne Mehrwert für Unternehmen.

Hier bietet das Buch „Social Location Marketing: Erreichen Sie Ihre Kunden mit Lokalisierungsdiensten von Simon Salt die Möglichkeit, insbesondere für Einsteiger in die Welt der Checkins und des Location Sharing zum einen einen tieferen Einblick in die Dienste und ihre Möglichkeiten zu gewinnen, zum anderen anhand von Praxisbeispielen bereits erfolgreiche Kampagnen mit Location based Services kennenzulernen.

Dabei wendet sich das Buch inhaltlich wirklich vor allem an Einsteiger, denn es werden kurz die Grundlagen der Idee Social Media vorgestellt, um dann eben jene Dienste zu präsentieren, die auf dem Bekanntgeben der Lokation des Nutzers basieren. Foursquare, Gowalla (ja, hier ist das Buch inaktuell, das ist aber wohl eher dem schnellen Wandel der Szene geschuldet) Facebook Locations und andere werden vorgestellt und auch der Neuling erhält einen tieferen Einblick in die Funktionalität und die Möglichkeiten der Apps. Der wenn man so will dritte Teil wiederum präsentiert schließlich anhand aktueller echter Umsetzungen, was man als Unternehmen aus den Lokationsdiensten an Nutzen gewinnen kann.

Salt schreibt in einem sehr gut lesbaren Stil, wirkt dabei nie oberlehrerhaft und nutzt handfeste Praxisbeispiele, um dem Leser die Möglichkeiten klar und leicht verständlich vor Augen zu führen. Das Buch gibt meiner Ansicht nach einen umfassenden Einblick in Social Location Marketing und zeigt dabei auch die Kultur und das kulturelle Denken der Community auf,  das bei keiner Social Media Aktivität außer acht gelassen werden sollte.

Alles in allem ein gelungenes Buch für den Einsteiger, der erfahrene Nutzer, der bereits die Dienste und Begrifflichkeiten kennt und nutzt wird wohl nur aus den Beispielen tieferen Nutzen ziehen.

Daher meine Wertung 4 von 5 möglichen Punkten aber auf jeden Fall ein Einsteigerempfehlung

Rezension: Der entfesselte Skandal

248, S., 28 Abb., 2 Tab., dt., ISBN: 978-386962-058-9, Monografie 19,80 EUR

Das Buch „Der entfesselte Skandal“ von Bernhard Pürksen und Hanne Detel verspricht im Untertitel: „Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“.
Nun ist für mich gerade auch als Blogger durchaus interessant, welche Rolle das Netz und die Digitalisierung bei den aktuellen Skandalen spielt.
Aber leider versagt meiner Ansicht nach das Buch hier in weiten Teilen. Es fühlt sich vielmehr an wie eine dokumentarische Aneinanderung von Skandalen der jüngsten Vergangenheit, die dazu herhalten müssen, die These zu stützen, dass im digitalen Zeitalter die Kontrolle über das Geschehen und die Medien verloren wurde. Dabei fehlt mir aber in weiten Teilen die Substanz und gelegentlich gar das Verständnis für die Mechanismen der sozialen Netze.
In einer zum Teil sehr  wissenschaftlich verbrämten Sprache werden Beispiele für Skandale aneinandergereiht nachdem zunächst in einer für mich zu kurzen Form auf den Blogger als Auslöser eines Skandals und die digitalen Medien als Transportmedium eingegangen wird. Dabei ist es oft nicht der Blogger, der die Enthüllung betreibt, er gibt maximal den Anstoß, wenn er überhaupt so wichtig genommen wird. Immer noch sind es die klassischen Medien, die die dialektischen Schlammschlachten gegen Prominente führen. Es existieren sicher neue, schnellere Verbreitungswege, aber es ist die gleiche schon seit Jahrzehnten vorhandene Lust am Skandal und die kommerzialisierte Verbreitung der Skanalmitteilung, die den entfesselten Skandal erst auslöst.

Im Stil der Beschreibung schwingt stets der Unterton mit, der den Vorwurf gegen Blogger erhebt,effektheischend und um der Reichweite willen, Enthüllung zu betreiben. Hier wird völlig verkannt, dass es sehr viele Blogs gibt, denen es überhaupt nicht um Enthüllung geht. Es ist vielmehr so, dass wir es bei den enthüllenden Bloggern oft mit jenem Personenkreis, der ohne Internet auch mit Telefon oder Brief enthüllen könnte.
Die Skandalentfesselung wird zu stark auf die digitale Welt fokussiert, anstelle wirklich zu hinterfragen, woher die Skandalisierung und die Lust der Bevölkerung am Skandal rührt.

Insgesamt ein Buch, dass ein sicher spannendes Thema aufgreift, aber recht einseitig betrachtet und in weiten Bereichen eine wirklich objektive Betrachtung vermissen lässt. Zwar werden ab Seite 23. die Charakteristika des entfesselten Skandals aufgeführt, aber außer dem ersten Punkt, dass Initiatioren des entfesselten Skandals nicht mehr nur Journalisten sind, findet sich kein Argument, das einen wirklich neuen Aspekt hinzufügt. Und ich wage zu behaupten, dass auch heute noch nur ein sehr nah am Journalismus stehender Blogger mit der nötigen Relevanz einen wirklichen Skandal entfesseln kann, und auch er dazu der „klassischen Medien“ (noch) bedarf. Der Skandal an sich ist stets ein Ereignis, das durch die Multiplikation und die für die Öffentlichkeit nötig Relevanz getragen wird. Das Netz kann maximal aufdecken, ob der Skandal sich entfesselt, wird immer noch durch die Gesamtheit der Rezipienten bedingt.

Insgesamt ein eher enttäuschendes Buch, dass zwar einige interessante Skandale der Vergangenheit darstellt, aber eine wirklich fundierte Erklärung des Unterschieds der Skandale der (Offline-)Vergangenheit und der Gegenwart schuldig bleibt. Die Beispiele sind gut recherchiert,und die Analyse durchaus gelungen. ABER: Die eigentliche Entfesselung des Skandals hat wenig mit den Mechanismen des Internet zu tun, die hier lediglich eine gewisse Beschleunigung bewirken können. Vielmehr wäre zu hinterfragen gewesen, woher dieses große Interesse an Skandalen herrührt, und warum die Medien offensichtlich immer unreflektierter dieser Gier nach dem Skandal nachgeben.

Und zudem, letztlich ist jedes der Skandalbeispiele von einer gewissen globalen Relevanz. Was ist aber mit jenen Skandalen und Skandälchen, die eher lokal begrenzt entstehen, die sich nicht in der gesamten Öffentlichkeit abbilden?

Wegen der zum Teil zu wissenschaftlichen Sprache und einem gewissen Mangel  an Objektivität in der Analyse des Einflußes des Digitalen auf den Skandal ein Buch, dem ich nur 3 von 5 möglichen Sternen geben kann. Sollte es als Einstieg in die Skandalisierungswelt der digitalen Welt sein, wäre es ratsam gewesen, dies in einer etwas weniger wissenschaftlichen Sprache darzustellen, für den an tieferer Analyse interessierten Leser finde ich die Auswahl an Skandalen eher unglücklich gewählt .

Meine Wertung: [xrr rating=3/5]

Dank an www.bloggdeinbuch.de und den Herbert von Halen Verlag für das Rezensionsexemplar.

Leserunde zu Ankhaba von Gunter Dueck, ich mache mit.

Ich freue mich, denn ich habe die Zusage erhalten, als einer von 70 Lesern in einer Leserunde das Buch „Leserunde zu „Ankhaba – Aufstieg und Zerfall der Untoten und ein menschliches Ende“ von Gunter Dueck“ lesen zu dürfen, mit dem Autor im Forum darüber zu diskutieren und mich mit den anderen Lesern auszutauschen.

Für alle, die den Autor Dueck oder auch das Buch „Ankhaba“ nicht kennen, sei die Homepage von Gunter Dueck unter www.omnisophie.com empfohlen.“ Bei Seite 30 bin ich mittlerweile schon und das ganze steigt mit einer enormen Geschwindigkeit ein. Mal sehen, welche Wendungen dieser Roman noch nimmt. Ich habe so ziemlich alle philosophischen Bücher gelesen, die Dueck veröffentlicht hat und kann sie jedem, der sich mit moderner Philosophie und der Gesellschaft beschäftigt nur ans Herz legen. Nur vor dem Roman Ankhaba war ich bislang noch zurückgeschreckt. Ein Vampirroman? Von einem Wissenschaftler? Noch dazu einem, den ich noch aus meiner Zeit bei der IBM persönlich kannte und der eigentlich eher für technik-philosophische Bücher bekannt ist? Doch jetzt lasse ich mich auf das Wagnis ein,  mal sehen, ob Dueck mich auch als Romancier überzeugen kann.

Anbei noch ein Zitat aus der Ankündigung von Lovelybooks und epubli für die gemeinsame Leserunde:

Die skrupellose Bio-Industrie hat den menschlichen Körper als ultimative Verdienstquelle entdeckt. Body-Modding ist in! Der letzte Schrei in Clubs und Lounges aber ist der Biss zum Vampir. Untote haben mehr Spaß am Leben! Jetzt kostenlos! Plötzlich werden die Menschen knapp. Frischblut ist nun der dominierende Wirtschaftsfaktor! Der frühreife Leon steigt zum mächtigen Beherrscher eines Zuchtkonzerns auf, der die Welt mit langhälsigen Gebrauchsmenschen versorgt. Inmitten dieser Apokalypse machen sich Leons Schwester Anke und der Wissenschaftler

Brain auf die Suche nach dem Ursprung allen Unglücks. Ihr Weg führt zu den letzten Geheimnissen der Menschheit. In Ägypten finden sie Tod & Teufel, die Antwort auf fast alle Fragen und den Urgrund der menschlichen Seele. Anke greift sich den Schlüssel zu einer neuen besseren Welt der Liebe: das Ankhaba. Duecks Werk besticht auch diesmal wieder durch seine gewaltige Sprache und einen ganz ungeheuren Erfindungsreichtum bis in die Details.

Leseprobe: http://www.epubli.de/shop/buch/Ankhaba-Gunter-Dueck-9783844218794/14026

Oh, und wie es sich gehört, lese ich das ganze natürlich als EBook auf meinem Galaxy Tab 😉

 

Rezension:Mozarts letzte Arie, ein „Geschichtskrimi“

Rees, Matt Beynon Mozarts letzte Arie Roman 2. Auflage 2012. 318 S.: mit 1 Karte. Klappenbroschur C.H.BECK ISBN 978-3-406-62994-5 Auch als E-Book lieferbar. Von Matt Beynon Rees. Aus dem Englischen von Klaus Modick Erschienen: 09.02.2012, sofort lieferbar! 17,95 € inkl. MwSt.

Als Wolfgang Amadeus Mozart am 5. Dezember 1791 in Wien stirbt, glaubt seine Schwester Maria Anna, besser bekannt als „Nannerl“ nicht an eine Erkrankung Mozarts sondern vermutet ein Komplott. Sie reist nach Wien und nimmt auf eigene Faust Ermittlungen auf.

Das ist die Grundlage eines sehr spannenden und historisch durchaus in weiten Bereichen authentischen Romans „Mozarts letzte Arie“ des Autors Matt Beynon Rees, der im Verlag C.H.Beck erschienen ist.

Rees gelingt mit dem Buch ein kleines Kunststück in dem er bis auf wenige Details historisch belegte Fakten und Erkenntnisse zu einem Kriminalroman verwebt, in dem die These fortgeführt wird, Wolfgang Amadeus Mozart sei vergiftet worden. Angenehmerweise wird nicht die klassische und nach bisherigem Kenntnisstand falsche These neu aufgewärmt, Salieri habe Mozart vergiftet. Vielmehr wird ein Vexierspiel aufgeführt aus Verschwörung, Spionage, Eifersucht und Gier.

Als Nannerl in Wien die Ermittlungen aufnimmt, entdeckt sie eine Verschwörung, in der Mozart tief verstrickt und gleichzeitig unschuldiges Opfer war.

Rees erreicht eine Spannung in seinem Roman, die zum einen durch die Erzählung aus der Sicht von Anna Maria, zum anderen aus dem Verflechten historische Begebenheiten und Schauplätze mit zwar fiktiven aber durchaus möglichen Wendungen der Ereignisse ergibt. Der Schreibstil ist eingängig, dabei nie oberflächlich und erzählt aus Nannerls Sicht die Ereignisse. Die Figuren in der Geschichte sind vielschichtig gezeichnet und die Auflösung dieses Krimis erfährt gegen Ende eine Beschleunigung, die an die überraschenden Wendungen und Wirrungen mancher Agatha Christie Romane erinnert.

Ein Kernmotiv, das auch in anderen historischen Betrachtungen oft sowohl als Oper als auch als Füllhörn versteckter Botschaften betrachtet wurde ist Mozart Zauberflöte, die durchwirkt von freimaurerischen Motiven Mozarts Mitgliedschaft und Ideen im Umfeld der Freimaurer repräsentiert.

Das Buch enthält eine Karte der Schauplätze des Romans im Wien von 1791

Diese Oper spielt zusammen mit anderen Werken Mozarts eine zentrale Rolle bei Nannerls Ermittlungen, die sie in höchste Kreise und ebenso zu den Gräbern und ebenfalls in Lebensgefahr bringen. Wer Freude an einem Kriminalroman hat, der mit historischen Schauplätzen und Ereignissen durchwirkt ist, wer Sinn für die Zeit und die Kultur hat, in der Mozart wirkte, der wird an diesem Roman seine Freude haben. Nie bekommt man den Eindruck jetzt würde der Autor sich in unrealistischen Fantasiegebäuden ergehen, nie sagt man: „So kann es nicht gewesen“ sein. Stehts bleibt im Hinterkopf der Gedanke, warum nicht? Was spräche dagegen, das alles so geschehen ist? Rees selbst fügt ans Ende noch eine Erläuterung an, die aufzeigt, wo der Autor sich dichterische Freiheit erlaubte und wo die Erzählung auf historischen Fakten beruht.

Für mich war der Roman eine Lesefreude, zumal ich die Musik Mozart sehr schätze und insofern auch die Erzählung kritische begleitete, da ich mich auch zuvor bereits mit Mozarts Geschichte befasst hatte.

Ein glaubwürdiger Kriminalroman mit Mozarts Schwester als „Ermittlerin“, ein Lesevergnügen, das mir 5 Sterne wert ist.

[xrr rating=5/5]

Mein Dank geht an den Verlag  C.H.Beck für das Rezensionsexemplar und an Blogg dein Buch für die Plattform, die mir stets neue und häufig sehr gelungene Literatur zur Rezension vermittelt. Bislang bieten die dort aktiven Verlage eine erstaunlich hohe literarische Qualität.

 

 

DIN SPEC 91253:2012-03 eine Rezension: 44 Seiten „Inhalt“ für 48 Euro!

Ich würde gerne wohlwollend sein. Aber 18 Seiten reiner Inhalt und 36 Seiten Literaturreferenz und Checklisten, die teilweise nur die Skills der Beteiligten abfragen sind einfach nicht genug, um den horrenden Preis von 48 Euro für die Download Version zu rechtfertigen.

Und die ersten 18 Seiten klären weniger die Fragen, die sich ein Mittelständler mit Bezug auf Social Media stellen dürfte, sondern stellen ein Prozessmodell dar, das so auch auf die Einführung neuer Software, einer neuen Buchhaltung oder ähnlichem angewendet werden kann. Lediglich die Anhänge können einen gewissen Mehrwert liefern, aber meist dort, wo sie auf andere Quellen verweisen, die man so mit einer Suchanfrage bei Google ebenfalls finden würde.

Und teilweise ist schlicht falsch, was dort steht. Zitat: „Wesentliche Fragen: Will das Unternehmen Social Media einsetzen?“ Als ob hier eine Wahl bestünde. Social Media wird auch im Sinne des Unternehmens eingesetzt, ob das Unternehmen das nun aktiv betreibt oder igendwann über einen Shitstorm stolpert. Die Frage müsste lauten: „Wie stark wollen wir uns in Social Media einbringen?“

Weder wird auf die einzelnen Plattformen, deren Vor- und Nachteile eingegangen, noch werden aktuelle Technologien und Trend betrachtet wie Mobile Computing. Und das bei einer Spec, die im Jahr 2012 erscheint. Da erscheint der Satz auf Seite 8 „In diesem Kapitel wird eine umfassende Anleitung zur Implementierung von Web 2.0 und Sozialen Medien für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vorgestellt.“ schon fast wie Ironie.

Nach Lektüre der Spec werden bei den meisten Mittelständlern mehr Fragen offen als geklärt sein, denn es wird nur das Management der Einführung betrachtet, die wirklichen Fragestellungen wie „was und wieviele mache ich auf Facebook“, „Soll ich einen Blog führen und wie muss dies aussehen“ werden nur am Rande erwähnt und in die hinteren Kapitel mit Checklisten und Referenzen auf weiterführende Literatur erwähnt. Als Lektüreliste mag die Spec geeignet sein. Um einem Mittelständler die ersten Schritte in den sozialen Medien zu erleichtern benötigt man aber noch einiges mehr. Da empfehle ich eher bei Amazon ein einführendes Buch zum Thema Social Media zu kaufen, das dann zum einen ausführlicher und zum anderen günstiger ist. 44 Seiten für 48 Euro. Das ist extrem mager. Und ich versuche hier noch, vorsichtig zu formulieren.

Bei der gesamten Betrachtung wurde eine der entscheidensten Stellen bei der Einführung von Social Media zudem komplett vergessen. Der Betriebs- oder Personalrat. Schon manche Social Media Initiative ist am Betriebsrat und dessen Bedenken gescheitert. Insofern, wer diese SPEC als Grundlage für eine Social Media Einführung nimmt, der spart nicht, wie die SPEC glauben machen will Kosten, der kann sich vielmehr schon darauf einstellen, dass er zumindest noch weiterführende Literatur zu Social Media braucht (immerhin kennt er dann ein Prozessvorgehensmodell) und vor allem können dann weiterhin Horden an Social Media Beratern ihre Dienste anbieten, um die wirklichen Themen und Fragestellungen von Mittelständlern zu analysieren und Fragen zu beantworten, die wichtiger sind als welches Vorgehensmodell, welche Managementleh(e)re man für die Einführung verwendet.

Und was ich noch gar nicht wusste, Zitat: „Wenn ein Unternehmen Web 2.0 und/oder Soziale Medien einführen möchte, sind entsprechend finanzielle und personelle Ressourcen bereitzustellen.“

Ach was, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Und überhaupt. Bitte wenn man schon zwischen Web 2.0 und Social Media unterscheidet, dann sollte man auch erklären, wo da genau der Unterschied liegt….

Den guten Willen in allen Ehren, aber 2012 noch mit einer Social Media Spec so dürftigen Umfangs und Inhalts in die Öffentlichkeit zu gehen, das halte ich für mutig, sehr mutig.