Mein Fazit zur zweiten Sitzung zum bayerischen #Psychiatriegesetz

Zunächst mal das Lob. Wesentliche Punkte wurden geändert oder gestrichen. Das Massregelvollzugsgesetz und das Psychiatriegesetz wurden wieder getrennt, die Unterbringungsdatei entfällt.

ABER! Nach wie vor werden fremdgefährdende zwangseingewiesene Patienten, die von der Klinik als GEHEILT entlassen wurden, dem Kreis und der Polizei gemeldet. Und es glaubt ja wohl niemand, dass die über diese Meldungen nicht eine NICHT ANONYME Datei anlegen!! Also doch eine Erfassung, zwar nicht mehr für alle, aber für als GESUND entlassene Patienten.
Das eine anonymisierten Datei über Zwangsmaßnahmen angelegt werden soll, finde ich hingegen insofern begrüßenswert, und auch Datenmaterial zu haben, falls Kliniken wegen zu vieler Zwangsmaßnahmen in der Kritik stehen.

Auch dass das Pflegepersonal Menschen, die das Klinikgelände verlassen haben auch unter Zwang zurückholen darf, sehe ich kritisch. Vor allem auch weil Kliniken so was nicht leisten können und oft auch nicht wollen, weil es zu viel Verantwortung darstellt.

Das Kinder und Jugendliche getrennt betrachtet werden, ist zu befürworten, ebenso die wichtige Präambel, die jetzt klarstellt, dass Hilfe absolute Priorität hat.

Ich bin kein Jurist, deshalb kann ich die Feinarbeit nur den Juristen überlassen, die aber Gott sei Dank in der Opposition hinreichend vorhanden sind und sicher noch einige Änderungsanträge stellen werden.

Dennoch sehe ich die Änderungen als Erfolg für die Petition. Sie sind aber noch nicht so weitgehend, dass wir uns jetzt zurücklehnen werden. Wir sind in Kontakt mit der Opposition und Grüne wie MUT-Partei haben bereits fundierte Kritik an einigen Stellen. Aber die Petition hat das Gesetz in der ursprünglichen Form gestoppt und Änderungen erzwungen. Das ist definitiv ein Erfolg.

Deshalb werde ich die Petition auch noch nicht schließen, zumal noch andere Gremien gehört werden und erst wenn ein Gesetzestext mit den Änderungen vorliegt, lässt sich wirklich sagen, was für ein Gesetz da entsteht.

Man muss das ganz eben auch realistisch sehen. Den Gesetzestext konnten und können wir nicht aktiv ändern. Aber wir haben es geschafft, dass sowohl öffentlicher Druck und Aufmerksamkeit und zudem politischer Druck entstanden sind, was in Summe zu Änderungen geführt hat. Und seid euch sicher. Sollte doch noch was unakzeptables im endgültigen zu beschließenden Gesetz stehen. Wir melden uns und werden erneut öffentlich gehen. 120000 Unterstützer sind keine Kleinigkeit.

Die Petition war ein Erfolg, das Psychiatriegesetz wird massiv geändert

Was für ein Tag: Noch Morgens in unserer Pressekonferenz waren wir nur bedingt optimistisch überhaupt unsere Petition auch an CSU Vertreter übergeben zu können. Dann die Zusage des Gesundheitssausschusses, ja wir dürfen ins Gebäude, wir bekommen einen eigenen Raum und es werden die Vorsitzenden des Ausschusses die Petition entgegennehmen.

Danach durften wir in den Saal, um der Anhörung beizuwohnen. Und schon ganz zu Beginn platzt die Bombe. Es wird massive Änderungen am Gesetz geben, man habe auch auf den öffentlichen Protest reagiert (ein Schelm, der Petition dabei denkt) und gleich der erste Erfolg: Die Unterbringungsdatei wird ersatzlos gestrichen!

Kristina und ich konnten uns gerade noch lauten Jubel verkneifen. Auch wenn sicher im Nachklang die Wirkhaftigkeit der Petition in Frage gestellt werden wird. Doch, auch wir haben etwas bewirkt. Plötzlich versammelte sich die Opposition . hinter der Petition und unterstütze unser Anliegen. Und damit bekam die Petition zusätzliche Kraft.

Ein Käfig mit den Unterschriften der Petition
Das haben wir symbolisch übergeben. Einen Vogelkäfig, in dem eine „Meise“ eingesperrt und videoüberwacht wird. An der Kette baumelt der USB Stick mit den gesamten Unterschriften

Bei der Übergabe waren es 92280, wobei ich bereits sehen konnte, dass wir nach Übergabe bei knapp 92500 lagen. Und heute Morgen die nächste fantastische Überraschung. Wir haben bereits 97000 Stimmen, also fast 5000 Stimmen über Nacht.

Auch für die Anhörung war das öffenltiche Interesse groß wie selten zuvor. Die Sicherheitsbeamten am Eingang konnten sich nicht an einen solchen Ansturm erinnern. Über 200 Bürgerinnen und Bürger waren anwesend. Es musste sogar in einen Nebenraum übertragen werden.

Großartig und für uns Verpflichtung, dran zu bleiben. Wir werden das Gesetz weiter begleiten und die Petition wird so lange weiterlaufen, bis uns ein Gesetzentwurf schriftlich vorliegt, dem wir zustimmen können. An die CSU gerichtet: Danke für das Einlenken, aber wir werden sehr schnell wieder aktiv werden, sollte das nur Wahlkampfgetöse gewesen sein. Und ich nehme an, es ist deutlich geworden, wie schnell wir mobilisieren können, wenn es drauf ankommt.

Danke euch allen, die ihr unterzeichnet habt, die ihr die Petition geteilt habt und die ihr uns in euren Nachrichten und Tweets ermutigt habt, zu kämpfen.

Kristina Wilms und Uwe Hauck sind glücklich über den Erfolg ihrer Petition
Kristina und Uwe vor dem Sitzungssaal, nachdem wir von den massiven Änderungen im Psychiatriegesetz gehört haben!

Von Kristina und Uwe dafür einen ganz herzlichen Dank

und ihr dürft stolz sein und das feiern!

Wir sind viele!

Und wer auf der re:publica ist. Ich würde mich freuen, euch persönlich danke zu sagen für die Unterstützung. Denn nur die vielen Unterschriften in kurzer Zeit haben diesen öffenltichen Druck erzeugt!

 

Hier noch ein Bericht des ZDF über die Petition:

Bayern: Protest gegen Psychiatriegesetz

und die SZ hat auch berichtet und mich zum Ergebnis interviewt

Staatsregierung entschärft umstrittenes Psychiatriegesetz

Zitat: „…Auch Uwe Hauck zeigte sich vorsichtig optimistisch. Er nannte es „ein gutes Signal“, dass die Staatsregierung nachbessern wolle. Hauck ist Mitglied der Deutschen Depressionsliga und Initiator einer Online-Petition. In nur einer Woche hatten 92 000 Unterstützer gegen das geplante Gesetz unterschrieben. Kurz vor Beginn der Anhörung im Landtag übergab Hauck den Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses die Unterschriften. Die Kombination der Kritik aus Fachkreisen, Verbänden und der Petition habe wohl Eindruck hinterlassen, mutmaßte er. Zu früh jubeln wollte Hauck aber noch nicht. Er bleibe „misstrauisch“, erst wenn das Gesetz in einer vernünftigen Form verabschiedet sei, werde er die Petition aufgeben. Söder versprach, dass es bei den am Dienstag angekündigten Eckpunkten bleiben werde. Sie seien mit der CSU-Landtagsfraktion abgestimmt, „das ist unsere Position“….“

Jetzt müssen wir die Öffentlichkeit weiter aktiv halten, deshalb teilt weiter, zeichnet die Petition weiter, damit die „da oben“ merken, dass wir aufpassen!

Und nochmals: DANKE!

Bereits 36000 Unterschriften nach 2 1/2 Tagen. DANKE

Heute geht einfach mal ein dickes, fettes Dankeschön an all unser Follower, Leser, Freunde raus, die Kristina Wilms und mich so grandios bei unserer Petition gegen das bayerische Psychiatriegesetz unterstützen. Jetzt, Donnerstag Nachmittag, liegen wir bereits bei unglaublichen 36.000 Unterzeichnern.

Aktuell ist geplant, die bis dahin gesammelten Unterschriften zu übergeben, bevorzugt an Herrn Söder persönlich, wenn wir dazu irgendwie die Gelegenheit bekommen. Man kann sekündlich verfolgen, wie mehr und mehr Menschen uns unterstützen und dafür sind Kristina und ich, zwei die selbst betroffen sind unglaublich dankbar.

Heute Abend gibt es wohl einen Beitrag über unsere Petition beim RTL Nachtjournal und Morgen bei ZDF Plus. Und es sollen noch weitere Beiträge folgen. Wir halten euch auf allen Kanälen auf dem Laufenden.

Und ihr könnt noch mitzeichnen unter www.change.org/Psychiatriegesetz