Ägypten zeigt uns: Das Netz darf niemals unter die Kontrolle einer Regierung!

Auf Grund der Proteste hat die ägyptische Regierung den Zugang zum Mobilfunk und ebenso zum Internet komplett abgeschaltet.
Das zeigt uns ganz deutlich. Wir müssen dagegen vorgehen, dass Regierungen über die Verwendung des Internets bestimmen. Zensurinfrastrukturen, Kontrolle entscheidender Netzknoten und Infrastruktureinrichtungen durch Regierungen, und seien sie im Moment auch noch so demokratisch dürfen niemals geduldet werden. Das Netz muss frei bleiben, damit die Menschen sich unabhängig informieren und organisieren können. Im Moment beweist uns Twitter, Facebook und auch Sender wie AlJazeera, die immer noch live ins Web streamen, dass das Netz trotz aller Unkenrufe zu einem wichtigen Mittel im Kampf gegen ungerechte Diktatorische Regimes geworden ist.

Insofern sollte sich auch die Bundesregierung sehr genau überlegen, welche Maßnahmen sie wirklich ergreift. Denn aus einer demokratischen Kontrolle kann unglaublich schnell ein Instrument einer undemokratischen Elite werden!

Wir brauchen Medienkompetenz statt Medienignoranz!

Der Spiegel berichtet: Deutsche Jugendliche hinken in Europa hinterher. Das wundert mich nicht.

In Deutschland, dem scheinbaren Land der Dichter und Denker wird über die Medien noch viel zu negativ nachgedacht. Wo die Presse lieber über Cyberbullying und Egoshooter berichtet als über die Bildungsmöglichkeiten und die Demokratisierungspotentiale des Internets kann ich den Jugendlichen keinen Vorwurf machen, wenn sie nicht so kompetent sind wie ihre Altersgenossen in aufgeschlosseneren Ländern.
So lange Rektoren noch solchen Schwachsinn verzapfen wie „Der Computer verdummt unsere Schüler“ und „keinen Computer bis zur achten Klasse“ da wundert mich nix.(und ich habe das live erlebt und war fassungslos ob solch mittelalterlicher Gedankenwelten) Wir müssen endlich begreifen, dass auch Computersachverstand wichtig ist. Dass wir Medienkompetenz brauchen. Und zwar und gerade bei den Eltern. Die lassen ihre Kinder meist entweder unkontrolliert auf den Rechner los oder verbieten ihn ganz. Beides zeugt von entsetzlicher Ignoranz und ist gefährlich.
Wir dürfen die Kinder nicht mit dem Netz alleine lassen. So weit richtig. Aber das Netz ist nicht gefährlich und nicht schädlich, wenn es kompetent genutzt wird.

So lange aber Lehrer, Politiker und die Medien noch solchen Blödsinn verzapfen und das Internet und Computer als verdummende Technologien verdammen, denen man angeblich nur mit dem Lesen von Büchern und dem Denken in Gedankenwelten von Vorgestern begegnen kann, werden wir noch weiter zurückfallen. Nicht die Computer, das Internet und Computerspiele sind am schlechten Abschneiden bei PISA schuld. Es liegt an einer nur am Sparen orientierten Bildungspolitik, an überforderten Lehrern und einer Presse, die lieber spektakuläre Halbwahrheiten verbreitet, anstelle richtig nachzurecherchieren.

Wir brauchen eine neue Erziehung, die wieder bildet, anstatt nur auszubilden. Auch wenn das solche Herren wie ein Herr Hundt nicht gerne hören. Die Unternehmen kommen erst an zweiter Stelle. Wir müssen den MENSCHEN bilden, nicht den Arbeitnehmer. Wir haben schon zu viele dumpfe Abnicker und Karrieristen in den Unternehmen. Auch die Finanzkrise war mit ein Resultat eines Denkens, das nur noch auf den Profit und nicht mehr auf den Menschen schaut. Ein bisschen mehr humanistische Bildung, etwas mehr Ethik und Moral wäre manchen „da oben“ nicht abkömmlich!

Deutschland heute, das ist vor allem eins: Ein bildungsfernes Ausbildungsland mit akuter Technophobie.

Tim Berners-Lee warnt vor dem Web der Inseln. Und die Gefahr ist gross

In einem vielbeachteten Essay hat Tim Berners-Lee im Scientific American vor einer Inselbildung durch die Begehrlichkeiten von Social Media Plattformen wie Facebook aber auch durch die Aufkündigung der Netzneutralität durch Mobilfunkdienstleister gewarnt. Und er hat recht. Alleine der jüngste Zensurfall bei Facebook zeigt, wie dominant die grossen Plattformen geworden sind, wie sehr sie unsere Rezeption des Netzes kontrollieren. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die Infrastruktur, die durch die grossen Dienstleister bereitgestellt wird, mit dem gesamten Netz verwechseln. Denn so paradox das klingen mag. Fokussieren wir uns zu sehr auf die grossen Plattformen, so schränken wir unsere Vernetzung und die damit verbundene Freiheit wieder ein. Plötzlich sind nur noch die Kontakte sichtbar, die auch auf Facebook sind, plötzlich interessieren sich die User nur noch für die Videos, die von einer breitbandig angebundenen Plattform schnell gestreamt werden.

Gerade deshalb sind für viele Netizens im Moment evtl. solche Ansätze wie Diaspora interessant, die genau das wollen, die Wahlfreiheit im Netz wieder herstellen und die Dominanz einzelner Marken zu brechen.
Das Netz gehört nicht den Konzernen und Plattformen, das Netz gehört uns allen, die wir uns darin bewegen. Das dürfen wir nicht vergessen und uns auch nicht wegnehmen lassen.

Gartner prophezeit 10 Veränderungen der Arbeitswelt. Ein kritischer Kommentar

Interessant, wie sich manche Themen zu gewissen Zeiten geradezu aufdrängen. Da lese ich aktuell gerade „Morgen komm ich später rein“ von Markus Albers (dessen Buch „Meconomy“ auch ein klarer Lesetipp ist). Und jetzt vermeldet Gartner 10 Veränderungen für die Arbeitswelt binnen der nächsten 10 Jahre.

Vieles, was Gartner prognostiziert, wünsche ich mir selbst, bzw. erwarte ich selbst für die Zukunft. Aber leider sind auch viele Aspekte dabei, die zwar wünschenswert sind, aber sicherlich speziell von denen, die Arbeit controllen, so nicht mal gedacht werden können.

Die Thesen mit einem Kommentar von mir:

1. De-routinization of Work

Gartner sieht hier weiterhin Aufgaben für die Angestellten, die sich aber wegbewegen von einfachen Routineaufgaben, hin zu den Aufgaben, die speziell nur der Mensch bearbeiten kann. Das ist eine positive Entwicklung, verschärft meiner Ansicht nach aber zum einen das Fachkräfteproblem, da ich jetzt sehr spezifische Skills brauche und lässt das Heer der schlecht ausgebildeten Langzeitarbeitslosen wachsen. Und es gibt durchaus auch einfache Tätigkeiten, die zwar ein Computer leisten kann, die ich aber immer noch am liebsten von einem Menschen erledigt haben möchte (Stichwort Telefonservices)

2. Work Swarms
Gartner identifiziert hier Teams anstelle von Einzelleistungen und den Schwarm, der sich nur kurzfristig aus Mitarbeitern bildet, die z.B sonst in verschiedenen Teams arbeiten aber jetzt für eine spezielle Aufgabe schnell zusammen agieren, evtl. auch nur virtuell um sich danach sofort wieder anderen Themen zu widmen. Hier wird stark die Rolle des mittleren Managements in Frage gestellt, da solch schnelle Selbstorganisation nur durch unmittelbares Agieren ohne Kontrolle von oben gut funktioniert.

3. Weak Links
Diese Verbindungen existieren schon heute, wenn man stark in sozialen Netzwerken agiert, wo man schnell und unbürokratischen Austausch pflegt. Problem wird hier wiederum der Verlust der Hierarchien sein, da hier keine Manager den Austausch kontrollieren, anfordern oder lenken können. Er entwickelt sich dynamisch aus Aufgaben und Interessen der Beteiligten.

4. Working With the Collective

Hier sind Gruppierungen gemeint, seien sie unter Kontrolle des Unternehmens oder außerhalb, die über Wohl oder Wehe eines Unternehmenserfolges mitbestimmen. Ganz klar eine solche Gruppe sind natürlich die Kunden. Aber das geht noch weiter, auch NGOs oder Meinungsbildner im Netz oder den Medien können beeinflussend wirken. Ebenso kann hier die Dynamik der sozialen Netze schnell für ein Unternehmen zum Erfolgsfaktor oder auch zum Misserfolg führen (Streisand Effekt). Ein richtiger, ehrlicher Umgang ist hier von Nöten und es gilt neue Wege zu finden, offener und ehrlicher mit Kunden wie mit Partnern zu kommunizieren, denn die Zeiten eines Unternehmens „da oben“ und der Kunden „da unten“ sind bald vorbei. Dann heisst es, die Rolle des gleichberechtigten Partners zu akzeptieren und zu verinnerlichen, will man nicht vom „Kollektiv“ ab gestraft werden.

5. Work Sketch-Ups
Gartner meint hier, dass gerade die Nicht-Routine Tätigkeiten nicht mehr nach vorgegebenen Standardabläufen bearbeitet werden. Das ist insofern nur logisch, da mich die Verwaltung und Kontrolle der Einhaltung solcher Standardverfahren viel zu viel Zeit kostet und letztlich durch den informellen Kreis das in dieser speziellen Situation optimale Verfahren angewendet wird, das durchaus auch erst im Prozess der Tätigkeit entstehen kann.

6. Spontanous work
Hier beschreibt Gartner den Horror eines jeden Controllers, da hier pro-aktive Tätigkeiten, Ideenfindung, arbeiten ohne direkten Auftrag gemeint ist. Wenn ich frei bin von Routinetätigkeiten kann ich meine kreativen Potentiale nutzen. Aber wie soll hier der direkte Nutzen gemessen werden, wer bestimmt eine „freie Tätigkeit“. Und auf welchen Posten buche ich Arbeiten, die jetzt noch gar keinen Auftraggeber haben. Andererseits stecken gerade hier, wie Unternehmen wie Google zeigen die Potentiale für neue marktfähige Ideen, die das Unternehmen wirklich voranbringen, die aber im „Alltagsgeschäft“ untergehen. Leider wird hier auch ein großes Problem sein, dass sich schnell eine Neidkultur entwickelt. Denn so hart das klingen mag. Wer sich nicht selbst organisieren kann, wer nicht die nötige Selbstdisziplin und vielleicht auch nicht das nötige Können hat, der wird neidisch auf diejenigen blicken, die frei, die kreativ arbeiten. Schon heute gibt es zwischen Kreativen und den „Echten Schaffern“ eine Neiddebatte. Die ist zwar dumm aber wird leider geführt.

7. Simulation and Experimentation
Hier kann man ganz klar sagen, ja, das passiert schon heute schon. Viele Prozesse werden heute nicht mehr im Realen durchgeführt, sondern virtuell. Eines der schönsten Beispiele sind Crashtests. Der kritische Aspekt ist, wie erhalte ich Gewissheit, dass die Simulation auch die Realität abbildet, wie schütze ich mich vor Fehlinterpretationen oder vergessenen Rahmenparametern. Und wer bezahlt mir das ganze? Auch hier wieder zeigt sich, daß die Zeit der Erbsenzähler, der Human Ressource Denker vorbei ist, will ein Unternehmen auch für die Zukunft gut aufgestellt sein.

8. Pattern Sensitivity
Wichtig. Und ein Trend in sich. Bestes Beispiel hierfür die Entwicklung zuerst der Netbooks, die von vielen belächelt sowohl den eigenen Markt gefunden haben, als auch den Markt für Notebooks zu einer Umorientierung in der Preispolitik gezwungen haben. Ähnliches geschieht bei den EBooks Readern und bei den Tablet PCs. Es wird immer wichtiger, Muster zu erkennen, die sich im Geschäftsumfeld entwickeln, und die ggf. Einfluss auf die eigene Geschäftspolitik haben können.

9. Hyperconnected
Wir sind immer vernetzter. Gartner sieht hierin heute das Problem und morgen die Lösung in dem sich Firmen ihrer starken Vernetzung innerhalb und mit den Kunden bewusst sind und diese Vernetzung fördern, statt sie unter Kontrolle halten zu wollen. Hier sehe ich zum Beispiel die sozialen Netze und die Business Netzwerke als gute Beispiele für die Richtigkeit der These. Viele meiner Tipps für Problemlösungen erlange ich durch Crowdsourcing, durch die Frage, die ich an die Netzcommunity stelle und die mir sehr oft durch jemanden beantwortet wird, der entweder selbst die Lösung kennt, oder jemanden kennt, der sie kennt, oder jemanden….

10. My Place
Mit Sicherheit für mich das Schlüsselthema der Zukunft. Die Arbeitszeitmodelle des 9-17 Uhr Jobs gelten für immer weniger Bereiche. Wissensarbeiter, gerade im internationalen Kontext können theoretisch immer und überall arbeiten. Das bedingt zum einen die Disziplin, auch nicht erreichbar, privat zu sein. Zum anderen eröffnet es aber auch ganz andere Möglichkeiten, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, dann zu arbeiten, wenn man kreativ ist, wenn die Arbeit auch leicht gelingt, anstelle im Büro sitzen zu müssen, nur weil man nicht für das Ergebnis sondern für die geleistete Arbeitszeit bezahlt wird. Als Wissensarbeiter ist es eigentlich irrelevant, wo ich arbeite, solange ich einen Netzzugang habe, kann das auch von zu hause aus, auf Dienstreise oder im Cafe um die Ecke sein. Aber auch dies bedeutet einen Kontrollverlust für meine direkten Vorgesetzten. Sie müssen sich mehr darauf fokussieren, ob meine Aufgabe in Time erledigt wird und nicht, ob ich die vorgeschrieben Zeit gearbeitet habe. Sie müssen damit leben, dass ich beginne, effektiv zu arbeiten und aufhöre, effizient zu sein.
Ich lebe schon längst nach diesem Modell. Meinen Beruf gebe ich nicht einfach am Ausgang ab, ich recherchiere, forsche, schlicht arbeite auch, wenn ich zu hause am Rechner bin. Leider noch nicht so flexibel, wie ich es mir wünschen würde aber ich bin da zuversichtlich. Oder um es mit Markus Albers zu sagen: „Morgen komm ich später rein“, diesen Satz hoffe ich, in Zukunft wirklich mal auch bei mir im Büro sagen zu können 😉

Alles in allem ein paar gute Punkte, ich zweifle jedoch, ob alle so einfach umsetzbar sind und daher wirklich in 9-17 Uhr Unternehmen ankommen werden. Denn bei all diesen Punkten muss eins am Anfang stehen. Ein Umdenken im Umgang mit den Mitarbeitern, ein Umdenken im Umfang des Kontrollwahns und das Bewusstsein, dass man auch in der Arbeitswelt loslassen muss, um wirklich gutes zu leisten. Der Flow ist auch für den Angestellten ein Gewinn. Wenn er zugelassen wird.

Letztlich trifft es das Bild, das Albers in seinem Buch „Meconomy“ zeichnet doch meiner Ansicht sehr gut. Auch wenn ich Angestellter bin, werde ich in Zukunft immer mehr wie ein Freiberufler arbeiten, mit flexibleren Arbeitsorten und Zeiten, mit neuen Arbeitsmodellen und ggf. auch mit anderen Denkmustern, was die Trennung von Privat und Beruf angeht. Ob wir das wollen, kann ich nicht sagen, ich will es, wenn es von beiden Seiten gelebt wird. Denn für mich stellt all dies einen klaren Schritt hin zu einer erfüllenderen, und auch zu einer familienfreundlicheren Arbeitswelt dar. Wenn auch ich als Arbeitnehmer mehr Verantwortung übernehme. Auch und gerade beim Planen von Auszeiten, bei Quality Time und beim beachten meiner „Work Life Balance“.

Update: Auch Stefan Pfeiffer bespricht in seinem Blog die Studie von Gartner und zeigt, dass in innovativen Unternehmen wie der IBM vieles davon schon längst gelebt wird.

Manche sind offline und auch noch stolz drauf, Ignoranz 2.0

Ja, diesen Blogeintrag werden genau die,die es eigentlich angeht nicht lesen. Die 29%, die zu einem grossen Teil, laut Artikel der Tagesschau grösstenteils bewusst offline sind und bleiben wollen. Nun war die Erde auch ziemlich lange eine Scheibe, Männer mit mehr Rechten als Frauen behaftet, die Eisenbahn lebensgefährlich, ein Mobiltelefon Spielerei und das Internet überflüssig und böse.
Gut nur, dass die Geschichte auch zeigt, das Ignoranten irgendwann von der Realität überholt und auch ignoriert werden.
Mittlerweile gibt es so viele relevante und wichtige Dinge im Netz, von objektivierenden Informationen über vergleichende Dienstleistungen bis zu offenerer Kommunikation, daß jeder, der sich dem verweigert, wohl eher Angst vor seinem eigenen Unverständnis der Technologie hat.
Ich kann es mittlerweile nicht mehr hören, wie schlimm Computer, wie gefährlich das Internet sein soll. Autofahren ist deutlich gefährlicher für mein Leben, aber dennoch fährt fast jeder Auto!
In 20 Jahren werden wir über die Menschen lachen, die sich dem Netz freiwillig verweigert haben. Nicht jeder muss jeden Tag online sein, aber die Möglichkeiten nutzen sollte man. Wenn etwas das Leben erleichtert ist totale Ablehnung letztlich unreflektiert und in letzter Konsequenz dumm.

Interessant auch, dass es einen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt. Scheint doch was an dem Spruch zu sein: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.
Ist aber dumm, denn gerade durch das Internet kann das Land gegenüber der Stadt wieder aufholen, weil der Wohnort durch das Internet immer weniger relevant wird.
Letztlich bringt sich mittlerweile jeder, der das Netz ignoriert früher oder später in eine schlechte Position und wird sich dann mit Sicherheit auch noch darüber beschweren.

Und final interessant ist auch, dass die Internet Ignoranz auch ein Schichtenproblem zu sein scheint. Also ignorieren auch genau die das Netz, die dadurch ihre eigenen Lebensverhältnisse verbessern könnten, durch Zugang zu wichtigen Informationen, durch Bildung von helfenden Netzwerken.

Die Zukunft der Arbeit, alles ist Job?

Die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ titelt: Bloß nicht sitzen bleiben, und meint damit ein Experiment einer schwäbischen Firma, in der im Kreativbereich die Mitarbeiter keine festen Arbeitsplätze mehr haben, sondern lediglich einen Rollboy, und sich den Arbeitsplatz aussuchen, der gerade frei ist und ihren Arbeitsanfordernissen am ehesten genügt.
Parallel titelt die Computerwoche: Mitarbeitersuche nicht am Puls der Zeit. Schöne Träume, mochte man fast ausrufen, aber die Realität sieht doch anders aus. Da kommt mir doch gleich ein „Ja, aber“ über die Lippen. Wenn ich mir ansehe, wie viele Menschen mittlerweile im Dienstleistungssektor arbeiten, wie oft die Tätigkeiten in einem Büro an einem Schreibtisch stattfinden, dann drängt sich mir schon die Frage auf. Muss das alles immer verbunden sein mit einer festen Arbeitszeit und einem festen Arbeitsort? Im privaten sind wir doch längst, dank Smartphone und Computer mobiler denn je. Ich bin, wenn ich das will jederzeit und überall mit dem Internet verbunden, ich kann meine Kontakte online pflegen.

Und ganz ehrlich, gerade ich als Softwareentwickler bin dank Notebook und mobilem Internet eigentlich nicht mehr an einen bestimmten Ort gebunden, um Software zu entwickeln. Natürlich wird so etwas nicht schnell geschehen und wir werden uns neue gesellschaftliche Regeln definieren müssen, um nicht ständig nur noch für die Arbeit zu leben. Aber ich finde, eine Verschmelzung von Privat und Beruf kann auch vorteilhaft sein. Ich kann arbeiten, wann ich Zeit dafür habe, wichtiger wird letztlich das Ergebnis sein. Hierarchien werden weniger wichtig werden, wenn mein „Chef“ mich nicht mehr im Büro sieht, sondern die Arbeitsergebnisse als das, was meine Arbeit ausmacht.

Und wir werden, wenn wir es richtig machen, auch wieder mehr Zeit für Privates haben? Wie ich darauf komme? Nun, wenn ich selbstbestimmter arbeiten kann, kann ich auch selbstbestimmter meine Freizeit planen. Natürlich braucht es dazu die Disziplin, Nein zu sagen, wenn zu viel Arbeitsanforderungen kommen. Aber das hat nichts mit der geregelten oder ungeregelten, der gleitenden oder der Vertrauensarbeitszeit zu tun. Das ist eine Frage der Selbstdisziplin.

Und ich bin immer noch der Meinung: Wer behauptet, er trenne klar zwischen Beruf und Privatleben, der hat eines noch nicht erkannt: Ich bin nur eine Person, ich kann nicht in der Freizeit meinen Beruf komplett verdrängen und ebensowenig im Beruf nur noch funktionierender Arbeitnehmer sein. Neue Arbeitsmodelle sind gefragt. Und vielleicht bringen neue Modelle auch die von so vielen erwartete Entschleunigung.
Wir dürfen uns neuen Arbeitskonzepten nicht verschliessen, wir sollten uns aktiv beteiligen. Damit auch die Ideen der Arbeitnehmer einfließen und wir letztlich alle zufriedener im Beruf und im Privatleben sind.