Wir wissen, wie wir arbeiten wollen. Aber wir dürfen nicht!

Und wieder meldet sich eine Studie mit einem Bild der Arbeit der Zukunft. Nichts neues, was wir da lesen. Das haben wir schon öfter gehört. PricewaterhouseCoopers titelt: „Managing tomorrow’s people: Future of work“ so berichtet Silicon.de. Na ja, das was dort drin steht, das ist doch eigentlich schon lange klar. Weniger Überstunden, mehr Wertorientierung, flexibleres ortsunabhängiges Arbeiten. Aber warum tun wir nichts ? Nun, es sind die bekannten Denkmuster, die eine Veränderung verhindern. Noch immer wird der Arbeitnehmer eher nach Anwesenheit denn nach Leistung bezahlt. Noch immer ist die visuelle Präsenz wichtiger als die Leistung. Und oftmals helfen die Gewerkschaften mit ihren überkommenen 9-17 Uhr Denkmodellen nicht wirklich weiter. Wenn ich als Softwareentwickler arbeite, dann arbeite ich an einem Problem und dessen Lösung. Und da geht es einfach manchmal nicht, mittendrin aufzuhören.

Was ich mir als Arbeitnehmer am meisten wünsche? Kreatives Arbeiten mit der Freiheit, effektiv zu sein und sich endlich vom effizienten Arbeiten zu verabschieden. Nicht mehr ausgelastet sein, sondern effektiv. Sich um die Produktion von Ergebnissen zu kümmern, anstelle nur die Mitarbeiter auszulasten 😉

Und letztlich dank Social Media und Web 2.0, dank mobilem Internet und neuen Arbeitszeitmodellen wird es kommen, aber es wird dauern. Und die jetzigen Denkmodelle von Mitarbeiterführung werden verschwinden. Weil es die Hierarchien nicht mehr geben wird. Und das ist der eigentlich Hinderungsgrund. Die da oben wollen an ihren Positionen festhalten, auch wenn sie letztlich überflüssig werden. Es wird weniger eine Revolution der Arbeitswelt. Vielmehr eine langsame, dafür aber umso beständigere Evolution.

Crowdsourcing im Unternehmen, das Ende des Herrschaftswissens

Auch im Unternehmen muss man sich in Zukunft daran gewonnen, dass die normalen Hierarchien des Wissens zunehmend durch die neuen Technologien abgelöst werden. Jeder kann sich immer schneller informieren, Google und Wikipedia sind auf den meisten Smartphones verfügbar und somit kann der übliche „Fachexperte“ im Unternehmen immer seltener mit Buzzwords einen Blumentopf gewinnen. Schon heute sind die „unteren Etagen“ der Unternehmen bereits besser informiert, als die in ihren Managementgeschwängerten Führungsetagen beheimateten Zahlenverwalter (Manager). Wenn ich als Mitarbeiter bereits Folien vereinfachen muss, damit sie mein Vorgesetzter versteht, dann ist in Zeiten des Crowdsourcing der Weg nicht mehr weit zum kompletten Umgehen der Verwaltungsebenen. Warum? Der grosse Vorteil ist die Beschleunigung. Heutzutage ist man als Entwickler und „einfacher Mitarbeiter“ oft mehr damit beschäftigt, verschiedenste Exceltabellen und Zahlengräber fürs Management zu produziern, als wirklich zu arbeiten. Wenn hinter mir dauernd jemand steht, der für die Softwareentwicklung die vor mir liegt wissen will, wie viele PT ich dafür brauche, möchte ich ihm am liebsten zurufen. „So viele bis ich fertig bin, stupid.“ Es gibt nun mal keine festen Zahlen für die Aufwände zur Entwicklung von etwas neuem. Und wer glaubt, mit immer mehr Kontrolle und Überwachung der Mitarbeiter, wird man besser, wird früher oder später erleben, wie sich gerade die besten Köpfe nach anderen Tätigkeiten umsehen. Früher war es leicht, als Management von oben herab zu agieren, heute ist das Wissen in der Crowd und wer das ignoriert, verliert.

Der Experte von heute muss vor allem auf das Wissen der vielen reagieren und den Katalysator bilden. Denn er ist längst nicht mehr der Inhaber des technischen Wissens. Er ist vielmehr der Verwalter und Koordinator geworden.

Darstellung des Firmensitzes in Google Street View lässt Kurs abstürzen

Tja, man sollte auch einen repräsentativen Firmensitz haben, wenn man bei den global players mitspielen und an der Börse gut laufen will.

Wie die TAZ berichtet (Google sei Dank), ist das einer Firma mit Sitz in Kanada zum Verhängnis geworden. Nachdem Bilder ihres Firmensitzes bei Google Street View auftauchten, ist der Kurs der Aktie abgestürzt. Vielleicht hätten sie einen Pappaufsteller mit einem Bild eines Hochhauses vor dem Gebäude aufstellen sollen. Dann wäre so was nicht passiert. Das ist ja vielleicht eine neue Marktlücke. Eine Firma, die Aufsteller produziert, die repräsentative Firmensitze den Kameras von Google vortäuschen.

LG gibt zu, die Energieeffizienz ihrer Geräte durch Einbau eines „Laborbedingungssensors“ vorgetäuscht zu haben.

Unglaublich, welch Aufwand manch ein Hersteller so treibt, um den Eindruck von Energieeffizienz zu erwecken. So berichtet „The Age“ aus Australien: “
LG fridges: life’s not so good„.

Dem Artikel zu Folge hat LG in zwei seiner Gefrierschränke einen Sensor eingebaut, der die Geräte in einen Energiesparmodus versetzt, sobald eine laborähnliche Umgebung erkannt wurde.

Gratulation liebe Ingenieure. Hättet ihr euer Wissen mal lieber in echte Energieeffizienz investiert. Aber die Frage ist ja auch, wer auf die Idee kam. Und da fallen mir doch sofort wieder diese Menschen mit dem M am Anfang ein. So was kommt dabei raus, wenn Umsatz vor Qualität, Betrug vor Ehrlichkeit gegenüber dem Kunden geht. Wahrscheinlich hat irgend ein Erbsenzähler ausgerechnet, dass dieses Betrugsgerät zu entwickeln um ein paar Cent billiger ist, als wirkliche Energieeffizienz einzubauen… Da sag ich nur „Oh tempora, oh mores..“

Die Zukunft der Arbeit, alles ist Job?

Die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ titelt: Bloß nicht sitzen bleiben, und meint damit ein Experiment einer schwäbischen Firma, in der im Kreativbereich die Mitarbeiter keine festen Arbeitsplätze mehr haben, sondern lediglich einen Rollboy, und sich den Arbeitsplatz aussuchen, der gerade frei ist und ihren Arbeitsanfordernissen am ehesten genügt.
Parallel titelt die Computerwoche: Mitarbeitersuche nicht am Puls der Zeit. Schöne Träume, mochte man fast ausrufen, aber die Realität sieht doch anders aus. Da kommt mir doch gleich ein „Ja, aber“ über die Lippen. Wenn ich mir ansehe, wie viele Menschen mittlerweile im Dienstleistungssektor arbeiten, wie oft die Tätigkeiten in einem Büro an einem Schreibtisch stattfinden, dann drängt sich mir schon die Frage auf. Muss das alles immer verbunden sein mit einer festen Arbeitszeit und einem festen Arbeitsort? Im privaten sind wir doch längst, dank Smartphone und Computer mobiler denn je. Ich bin, wenn ich das will jederzeit und überall mit dem Internet verbunden, ich kann meine Kontakte online pflegen.

Und ganz ehrlich, gerade ich als Softwareentwickler bin dank Notebook und mobilem Internet eigentlich nicht mehr an einen bestimmten Ort gebunden, um Software zu entwickeln. Natürlich wird so etwas nicht schnell geschehen und wir werden uns neue gesellschaftliche Regeln definieren müssen, um nicht ständig nur noch für die Arbeit zu leben. Aber ich finde, eine Verschmelzung von Privat und Beruf kann auch vorteilhaft sein. Ich kann arbeiten, wann ich Zeit dafür habe, wichtiger wird letztlich das Ergebnis sein. Hierarchien werden weniger wichtig werden, wenn mein „Chef“ mich nicht mehr im Büro sieht, sondern die Arbeitsergebnisse als das, was meine Arbeit ausmacht.

Und wir werden, wenn wir es richtig machen, auch wieder mehr Zeit für Privates haben? Wie ich darauf komme? Nun, wenn ich selbstbestimmter arbeiten kann, kann ich auch selbstbestimmter meine Freizeit planen. Natürlich braucht es dazu die Disziplin, Nein zu sagen, wenn zu viel Arbeitsanforderungen kommen. Aber das hat nichts mit der geregelten oder ungeregelten, der gleitenden oder der Vertrauensarbeitszeit zu tun. Das ist eine Frage der Selbstdisziplin.

Und ich bin immer noch der Meinung: Wer behauptet, er trenne klar zwischen Beruf und Privatleben, der hat eines noch nicht erkannt: Ich bin nur eine Person, ich kann nicht in der Freizeit meinen Beruf komplett verdrängen und ebensowenig im Beruf nur noch funktionierender Arbeitnehmer sein. Neue Arbeitsmodelle sind gefragt. Und vielleicht bringen neue Modelle auch die von so vielen erwartete Entschleunigung.
Wir dürfen uns neuen Arbeitskonzepten nicht verschliessen, wir sollten uns aktiv beteiligen. Damit auch die Ideen der Arbeitnehmer einfließen und wir letztlich alle zufriedener im Beruf und im Privatleben sind.