Surfen im Bett kostet Deutsche bis zu 455 Stunden Schlaf im Jahr

Gastbeitrag:

Dank Smartphones, Tablets und Co. gehen die Lichter in deutschen Schlafzimmern deutlich später aus als vor 5 Jahren

  • Für jeden Fünften leidet das Liebesleben unter dem Einzug des mobilen Internets ins Schlafzimmer
  • Jeder Zehnte nimmt lieber Gadgets mit ins Bett als den Partner

Online rund um die Uhr: Mobiles Internet hat auch in deutschen Schlafzimmern Einzug gehalten und verschiebt Bettzeiten nach hinten. Jeder Dritte (33%) bleibt abends im Schnitt 1 Stunde und 15 Minuten länger wach als vor 5 Jahren, weil er vor dem Einschlafen noch im Internet unterwegs ist. Etwas mehr als jeder Fünfte (22%) surft sogar mehr als 1 Stunde 30 Minuten, bevor er die Augen schließt. Neben allgemeinem Surfen im Netz sind vor allem soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter und Gaming dafür verantwortlich, dass die Lichter in deutschen Schlafzimmern zunehmend später ausgehen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Online-Umfrage im Auftrag des unabhängigen DSL-Vergleichsportals www.schlaubi.de: 2.000 erwachsene Internet-Nutzer aus ganz Deutschland wurden in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen Respondi befragt.

Bei 1 Stunde und 15 Minuten Online-Aktivität jeden Abend entgehen dem nächtlichen Internetsurfer  8 Stunden und 45 Minuten Schlaf pro Woche, oder 455  Stunden im Jahr; das entspricht knapp 57 Arbeitstagen.

 

Doch nicht nur der Schlaf kommt für viele zu kurz: Für 20% der Befragten wirkt sich der Einzug des mobilen Internets ins Schlafzimmer negativ auf ihr Liebesleben aus; sie haben dadurch nach eigenen Angaben weniger Sex. Das vermehrte Spielen der Finger auf der Tastatur beeinträchtigt allerdings nicht nur das Sexleben, sondern für 22% auch die Kommunikation mit dem Partner. Die Frage, was sie eher mit ins Bett nehmen würden, ihr mobiles Endgerät oder ihren Partner, beantworteten 9% aller Teilnehmer mit ‚mein Smartphone, Tablet oder Laptop‘. Dabei waren vor allem Befragte aus Berlin (15%) eher dazu bereit, ihr mobiles Endgerät für Ihren Partner einzutauschen.

 

Während 28% aller Befragten nach eigenen Angaben der Gedanke, rund um die Uhr online zu sein, gefällt, würden immerhin 31%  lieber auf das Surfen im Netz zwischen den Laken verzichten, tun es aber trotzdem, weil es ‚zur Gewohnheit geworden ist‘.

Am häufigsten wird der Umfrage zufolge ‘im Netz gesurft’, wie von insgesamt 36% der Befragten angegeben; abendliches Chatten mit Freunden in sozialen Netzwerken steht für 26% an der Tagesordnung. Für weitere 26% steht nach eigenen Angaben ‚Gaming‘ auf dem Programm, und immerhin 16% rufen verpasste Fernsehsendungen ab.

 

Dabei kommt es besonders beim Online Video-Streaming oft zu Problemen mit dem Internet. So waren 17% der Teilnehmer, die abends im Netz surfen, überzeugt, deutlich niedrigere Internetgeschwindigkeiten zu erhalten als zu anderen Tageszeiten. Über die Hälfte der Befragten, die im Bett Videos streamen, hatten zudem vermehrt mit langsamem Internet zu kämpfen. Als häufigste Beschwerden wurden Probleme mit der Internetverbindung (32%), langsame Video-Ladezeiten (31%) und wiederholtes Stoppen der Videos (30%) genannt.

Natascha Kahmann, Telekommunikationsexpertin bei schlaubi.de, kommentierte:

“Es überrascht uns nicht, dass so viele abends vom Bett aus im Internet surfen; nach einem langen Arbeitstag kann man es sich schön gemütlich machen und noch so einiges erledigen, was ansteht. Und oft fehlt ja auch die Zeit für Gespräche mit Freunden, oder man möchte eben wissen, was im Bekanntenkreis so alles passiert ist. Und natürlich ist da auch die ein oder andere Fernsehsendung, die man verpasst hat und gerne sehen möchte. Wichtig ist also, aus der Fülle von Tarifen den besten für die jeweiligen Bedürfnisse auszusuchen; es lohnt sich, Angebote zu vergleichen und unter Umständen den Anbieter zu wechseln.”

Das nächste große Ding „Internet always on.. your body“

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Bildquelle: Google

Google und andere Hersteller experimentieren mit Brillen, die als Schnittstelle zum Netz dienen.

Gerüchte besagen, dass nachdem andere Konzepte auf Kickstarter erfolgreich finanziert wurden jetzt auch Apple an einer Uhr mit Internet Zugang arbeitet und von Samsung kam die Bestätigung, dass auch sie an einer Smartwatch arbeiten.

Alles bloß Spinnerei? Ich denke nein, vielmehr erleben wir hier den nächsten Schritt hin zu einem Always On Internet, das sich nahtlos in den Alltag integriert. Denn was immer noch stört sind die Smartphones. Ja, genau. Klingt komisch. Aber ist es nicht ungemein umständlich, sobald man eine Information braucht.

Was von Nöten ist, ist eine Art der Informationsvermittlung die entweder gar keine direkte Interaktion verlangt (Brille) oder zumindest so unauffällig funktioniert, wie zum Beispiel der Blick auf die Uhr. Denkbar ist auch eine Kombination mit anderen bereits funktionierenden Verfahren wie Sprachausgabe, wobei die Interaktion zur Befehlsweitergabe ans Device immer noch die grösste Hürde sein dürfte. Spracheingabe würde wieder zu merkwürdigen, mit sich selbst sprechenden Menschen führen. (Ich nenne es das Headset Phänomen).

Noch warte ich auf meine Pebble, bin aber schon gespannt, ob sie mir manchen Griff zum Smartphone ersparen wird. Aber definitiv haben wir noch nicht das Ende der Interaktionsvermittlung mit dem Netz kennengelernt. Es bleibt spannend und erste Schritte in die Richtung sehen schon vielversprechend aus.

Aber es werden sich auch neue Fragen aufwerfen, so die, wie wir als Gesellschaft damit umgehen, wenn jeder zu jeder Zeit online sein und alle möglichen Daten abrufen kann. Was bedeutet das für unsere alltägliche Interaktion. Wie werden wir damit am Arbeitsplatz umgehen? Werden Arbeitgeber solche Devices verbieten? Und wird sich das überhaupt durchsetzen lassen?

Wie werden wir in Zukunft zwischen privat und Beruf unterscheiden, wenn wir permanent als Person im Netz präsent sind, ganz egal, wo und wann? Noch bedeuten Smartphones eine visuelle Hürde für die Bedienung am Arbeitsplatz, aber was, wenn das Netz quasi permanent als visueller Datenstrom mit dabei ist?

Je weiter wir uns ins Netz integrieren und es zum elementaren Bestandteil unseres Alltags privat wie beruflich machen, um so spannender wird das ganze wieder für eine Wissenschaftsrichtung, die man oft unterschätzt, nämlich die Philosophie. Denn hier können, ja müssen die Fragen aufgeworfen werden, die jenseits vom technisch machbaren liegen.