Beeilt euch (nicht)

Ich bin die Zeit, und hätte eine Frage an euch, so ihr denn Zeit für mich habt.
Warum eilt ihr so, warum ist euer Leben dem eines ICE nicht unähnlich?
Ihr habt viele Maschinen, die für euch arbeiten, dennoch versucht ihr noch mehr von mir aus eurem Tag zu pressen.
Wisst ihr denn nicht, dass ihr euch mir beraubt, wenn ihr in Eile von Termin zu Termin hastet?
Ich bin für euch da, wenn ihr mich haben wollt. Aber wenn ihr mich stehlt, dann werde ich immer kleiner. Und mit mir werdet ihr älter, merkt, dass ihr das beste von mir verschwendet habt.
Ihr könnt mich messen, aber nicht anhalten oder gar zurückdrehen. Denn ich vergehe nur einmal. Dann bin ich um und ihr steht am Ende eures Anteils von mir. Ich habe euch genug von mir gegeben.
Ich hoffe, ihr könnt dann sagen, ihr habt mich gut genutzt.
Ich bin die Zeit.

Ausgrabungen

Das erste Mal
der erste Kuss

erlebt, nicht erlebt, unerlebt
alleine sein, hilflos, trostlos, wertlos.

Der erste Mensch
Der erste Mensch, der dich liebt
Der erste Mensch, der dich verletzt
Der letzte Mensch, der dich liebt
Der letzte Mensch, der dich verletzt
Der letzte Mensch

Das Letzte
Angst, Trauer, Wut
Ein Wirbelsturm,
Gefühle, nicht mehr fassbar, Fluten, Überfluten
Das Fenster zur Strasse.
Regennass im Licht der Laterne
das Geräusch des Autos
vertraut, warten, bereit sein, hoffen, sehnen

Enttäuschung

das Geräusch des Autos
das Vorbeifahren des Autos
das Geräusch des Vorbeifahrens
Einsamkeit, Nacht, Dunkelheit
Flut, der Gefühle, überflutende Gefühle

Schutz, Aussperren, die Ruhe des nichts
Verschließen, Verschlossen, Schluss

Nie wieder, nie mehr, niemand
Am Ende der Anfang, Am Ende der Schmerz
der Schmerz des Endes
Immer wieder, immer mehr, Immer wieder
immer meer, wieder meer

das Meer, die Klippe der Fall
der letzte Fall, tief, traurig, tieftraurig
der Aufschlag, das Ende, das Auffangen, der Anfang
Neubeginn, Kreislauf, erlebt, zerlebt, gelebt
Das erste Mal

Unglaublich

Noch zu Anfang des Jahres hätte ich fast das Ende nicht mehr erlebt. Dann eine lange Reise durch die Psychiatrie und nun eine Wende um 180 Grad.

Vor einer Stunde ging die erste Fassung meines Romans über meine Geschichte an meine Lektorin. Ja, Lektorin, nicht ein, nein drei Verlage haben Interesse an meinem Roman gezeigt. Und nächste Woche geht es nach Köln, wo ich Verlag und Lektorin persönlich kennen lernen werde.

Es ist eigentlich völlig unfassbar. Nicht nur interessiert sich jemand für meine sicher nicht sehr leicht verkraftbare Geschichte, nein, man will es tatsächlich verlegen.

Egal was jetzt noch folgen mag, schon diese Sache bedeutet mir sehr, sehr viel, weil ich für mich selbst erkannt habe, dass über meine Krankheit, die Depression zu schweigen, das ganze immer schlimmer gemacht hat. Jetzt mache ich den Mund auf, nicht nur, damit ich in Sicherheit bin, sondern vor allem, damit viele andere endlich die Angst überwinden, und sich helfen lassen.

Auch wenn ich es immer noch nicht glauben kann, es scheint sich nach einem katastrophalen Anfang doch noch alles zum Guten zu wenden.
Ach und ja, ich bin nervös, sehr nervös, entsetzlich nervös, was meine Lektorin zum ersten Entwurf sagen wird.

Ergänzung: Und das ganze, vom Schreiben der Geschichte bis zum durchleben des ganzen Prozesses ist für mich auch Teil meiner Therapie. Denn was ich endlich auch können will: Erfolge akzeptieren und meine Angst vor Kritik reduzieren. Zwei Elemente, die mich in Zukunft vor schweren Rückfällen schützen können.

Tribunal

Sie waren zu dritt und sie wollten nur sein bestes.
Er war alleine und wollte nur noch weg.
Sie waren zu dritt und definierten sein bestes.
Er war alleine und hatte alles verloren.
Er war alleine und es blieb noch ein Weg.
Er war alleine über allem.
Er war alleine.
Er war.
Er.
+

Star Wars: Das Erwachen der Macht -Der lange Trailer

Endlich ist er da, der erste lange Trailer von Star Wars: das Erwachen der Macht.

Und neben Han Solo kann man auch deutlich sehen, dass Prinzessin Leia darin vorkommt.

Der Vorverkauf für Karten ist gestartet. Premiere ist am 17.12.2015

Die ersten Eindrücke sind für mich sehr positiv. Man scheint die Atmosphäre gut aufrecht gehalten zu haben. Es könnte wirklich spannend werden. Zumal Teil 7 auch noch in 3D in die Kinos kommt.

 

 

Der junge Mann kann nicht mehr

Die Sonne verschwand am Horizont. Blut waberte im Meer unter ihr, bis der letzte Lichtstrahl von der Dunkelheit verschluckt wurde.
Der junge Mann trat einen Schritt vor. Jetzt war die Zeit. Er wollte nicht, dass man ihn fand. Er wollte verschwinden. Leise, unauffällig, unbeachtet. So wie sein Leben verlaufen war. Noch ein Schritt, Steine bröckelten von der Kante der Klippe, stürzten polternd in die Tiefe.
Das Ende. Keine Schmerzen mehr, kein Unverständnis, keine Bedrängnis. Erlösung, Ruhe, Frieden. Es hatte so gar nichts beängstigendes, diese Verschwinden, dieses aus der Menschenwelt gehen.
Niemand sollte sagen dürfen, er habe nur einen Hilferuf abgesetzt. Die Zeit der Hilferufe, sie war lange vorbei. Er hatte so laut geschrien, unter Schmerzen, unter Angst. Niemand hatte gehört. Niemand hatte zugehört. Am Ende war er wie zu Beginn alleine. Doch jetzt war es eine erlösende Einsamkeit.

Eine Hand legte sich auf seine Schulter. Erschreckt drehte der junge Mann sich um. Er blickte in ein wettergegerbtes Gesicht. Ein alter Mann stand vor ihm mit langen, grauen Haaren. Er trug einen langen Mantel. Seine blauen Augen blitzten den jungen Mann an.

„Du willst schon gehen?“, sprach der alte Mann ihn an.
„Ja, denn es gibt nichts mehr, was mich hält, nichts was so schön wäre wie erlösende Stille.“
Der alte Mann nickte: „Ich kann dich gut verstehen, es ist schmerzvoll, unsichtbar zu sein.“
Woher wusste der alte Mann von seinem Leid?
Der junge Mann trat einen Schritt vor, wollte bereit sein, für den letzten Weg.
Der alte Mann trat zu ihm, stellte sich neben ihn, blickte ihn an. „Schön, nicht war, die Ruhe des Meeres?“
„Ja.“ Der Junge man nickte. Eine Ruhe, die heilt, die lindert. Ich war schon häufig hier, aber nie so nahe daran, meine Ruhe zu finden.“
„Ich weiß.“ Der alte Mann nickte. „Aber Ruhe für wen?“
„Für mich.“ Der junge Mann war sich sicher. „Vor der Welt, die mich nie gesehen, mich nie verstanden hat.
„Und du gönnst deiner Welt Ruhe vor dir?“
Wieder nickte der junge Mann. „Das ist es, was sie wollen. Eine Welt ohne mich, eine Welt ohne meine Probleme und Gaben, ohne meine Gedanken und Wünsche. Eine kleine, stille, harmlose Welt.“
„Die Frage ist aber doch, was willst du?“ Der alte Mann blickte dem jungen Mann tief in die Augen.
„Willst du, dass man sich nie mehr an dich erinnert, dass deine Gedanken, deine Gefühle still und heimlich aus der Geschichte deiner Welt ausradiert werden?“
Der junge Mann dachte nach. Er dachte lange nach. Er dachte nach, bis die Sonne hinter ihnen bereits wieder über die Hügel kroch, um einen neuen Kreislauf von Entstehen und Vergehen zu beginnen.
„Nein. Ich wollte immer gehört werden. Und das will ich auch heute noch. Aber es hört mich niemand.“
Er drehte sich um. Der alte Mann blickte ihn an. Seine Gestalt begann zu verblassen. Mehr und mehr mit jeder Kräftigung der Sonnenstrahlen.
Leise hörte der junge Mann den alten Mann sagen: „Dann verschwinde nicht von dieser Welt. Es gibt andere, die offene Ohren zu hören, offene Augen zu sehen, und offene Herzen zu verstehen haben.
Vergeude nicht deine Gaben. Verschenk Sie. Und vergiss nicht, das Buch zu suchen, das du zuhause versteckt hast. Meine Geschichte wird sonst nie geschrieben.
Der alte Mann verblasste, war nur noch ein Hauch, eine Erinnerung. Der junge Mann trat von der Klippe zurück. Er empfand ein Gefühl von Vertrautheit, als habe er den alten Mann lange schon gekannt. Er ging zurück, er ging fort, er ging in sein Leben. Den Tod würde er früh genug treffen, aber es galt noch eine Geschichte zu schreiben, deren Verlauf in seinen Händen lag. Seine Geschichte.

Stadt-Geschichten

Ich freue mich auf den Sommer. Wenn die Menschen in meine Parks strömen. Wenn lachende Kinderaugen auf großen Rutschen in lebensvollen Bädern ins Wasser jagen.

Der Sommer. Tische und Stühle vor Häusern. Menschen, die sich mit einem Lächeln begegnen. Parks, grün und voller Leben. Menschen besuchen mich, fremde Menschen, bewundern meine schönen Gebäude, vergnügen sich in Museen und Theatern. Ich habe viele Theater, meine Kultur verziert mich, macht mich schön von innen.

Ich freue mich auf den Herbst. Wenn ich aus Blättern ein neues Kleid bekomme. Wenn graue Straßen verbuntet werden durch Ahorn und Buche, durch Eiche und Birke. Menschen genießen die letzten Strahlen der späten Sonne. Gärten werden gepflegt, gereinigt, schön gemacht für das bald folgende Winterkleid. Menschen spazieren unter den bunten Blätterdächern meiner Wälder, sammeln Kastanien, basteln Figuren.
Mein Lichterkleid wird wieder herausgeputzt. Männer mit Leitern und gewichtigen Mienen wechseln Birnen, reinigen Glas, machen mich strahlend für die dunkle Zeit

Der Winter ist meine Ruhezeit. Ich hülle mich in ein weißes Kleid. Jetzt verschwinden meine Menschen in Häusern und lassen wärmenden Rauch aufsteigen.Lichter allüberall, ich glänze, strahle, leucht die Nacht zum Tag aus.
Bald werden die Menschen ihre Feste feiern. Sie hetzen schon von Geschäft zu Geschäft, füllen ihre Taschen, gehen auf Märkte, deren Düfte so betörend sind. Zimt und Wein, Gebäck und Gegrilltes.
Dann wird es still. Die Zeit zwischen den Jahren. Meine Bewohner bekommen Besuch, man feiert gemeinsam, macht Spaziergänge, bereitet den Abschied vor vom alten Jahr. Wunderschöne Glitzerkanonen bersten über mir, lassen Licht und Sterne über mich regnen.

Ich freue mich auf den Frühling. Wenn nicht nur Natur, sondern auch meine Menschen erwachen. Wenn der letzte Schnee von mir geputzt wurde und erste zaghafte Knospen in meinen Parks wieder sprießen. Kinder springen zum ersten Mal wieder lachend auf den Spielplatzen umher, probieren alte wie neue Spielgeräte, denn die großen Menschen haben wieder hergerichtet, erneuert, gepflanzt und gepflegt, entsorgt und gestrichen.
Der Frühling verleiht mir ein neues Kleid aus frischen, strahlenden Farben und dem Lachen der Kinder. Menschen treten vor Türen, atmen auf, atmen durch, blinzeln in die Sonne, die ein Lächeln auf manch ein Gesicht zaubert.

Ich bin die Stadt, und ich beherberge euch alle. Euer Glück ist meine Freude, eure Trauer mein Verlust.
Ich bin die Stadt, ihr seid meine Kinder.

Beinahe wäre ich tot gewesen

Ein bewegtes Jahr liegt fast hinter mir. Der Anfang war beinahe mein Ende im wortwörtlichen Sinne. Menschen, die meinten, mir wohlgesonnen zu sein, jagten mich in eine Hölle aus Angst, Panik und Wertlosigkeit. Dank anderer Menschen, die mich begleitet haben, die mich so akzeptierten wie ich bin, habe ich es langsam wieder geschafft, in der Düsternis ein Licht zu sehen.
Und ich habe Menschen kennengelernt, die meine Talente erkannten, förderten und mir so zu der Chance meines Lebens verholfen haben (Danke Erik)
Ich habe in diesem Jahr viel gelernt, vor allem, wie sehr ich von der Meinung anderer über mich abhängig war und wie falsch ich damit lag.
Und ich habe gelernt, dass Unwissenheit, Ignoranz und Intoleranz furchtbare Schäden in meiner Seele angerichtet haben.
Meine Geschichte scheint ein Happy End zu bekommen, im Moment manifestiert sich der physische Teil dieses Happy Ends, das gleichzeitig ein unglaublich positiver Wendepunkt wurde. Es wird ein Buch geben über meine Geschichte, bei einem großen, spannenden, tollen Verlag. Und es wird so alles gut geht zur nächsten Buchmesse erscheinen.
Aber die Menschen, die mir dazu verholfen haben waren nicht die, die mich in dieses Jahr geführt haben. Es waren Menschen, die ich über dieses böse Internet kennen- und schätzen gelernt habe. Und es waren Menschen, die mir auf dem Barcamp in Stuttgart mit offenen Herzen zugehört und mir wundervolles Feedback und Impulse gegeben haben.
Ja, nach einem katastrophalen, existenzbedrohenden Anfang hat sich das Jahr 2015 doch noch zum guten gewendet.
Und denen, die mich ins Dunkel gestossen haben, habe ich verziehen. Aber vergessen werde ich es nie.
Und auch wenn es wieder Kritiker geben wird die dieses Internet am liebsten löschen würden (Nicht war Frau Doktor?)
Twitter, Facebook, eure EMails und Whatsapp Nachrichten. All das hat mir während meiner Therapie zurück ins Leben unendlich gut getan und geholfen. Wegen meiner Familie und wegen euch, meiner erweiterten Familie habe ich gekämpft und es letztlich geschafft.
Ich muss jetzt noch 5 Wochen Reha hinter mich bringen, die ich aber mit Rückblick auf die Tagesklinik eher als Betreuten Urlaub abarbeiten werde. Dann bin ich zurück, stärker denn je.

Danke euch allen. Von Herzen Danke.
Auch ihr habt mir das Leben gerettet!