Von Mut und Vertrauen

Ja, ich habe Depressionen. Aber ich bin nicht gleich in einer schlechten Phase suizidal. Dafür bräuchte es viel mehr. Viel mehr Systematik mich schlecht zu machen, herunterzuziehen, falsch einzuschätzen. Ich hoffe, die ZDF Doku „Viel mehr als Traurigkeit“ hilft hier ein wenig aufzuklären. Man behandelt uns immer noch wie Zeitbomben, die beim kleinsten Problem an Suizid denken. Was für ein ausgemachter Blödsinn. Und man will immer von den Experten wissen, wie es dem ja so bekloppten Patienten geht. Die meisten Expertenrunden bestehen doch so gut wie nur aus „Fachleuten“. Wo ist da der Depressvie? Wo der Angstgestörte? Fragt doch einfach uns, wir haben einen Mund zum Sprechen und dumm sind wir auch nicht. Vertraut uns, wir sind wie du und ich, nur manchmal eben zutiefst traurig. Und redet mit uns. Wir können immer noch am besten erklären, wie es uns geht.

Das Schreiben geht weiter

Band 1 meiner Geschichte vom Suizid zurück ins Leben wird bald erscheinen. Ab dem 13. Januar ist „Depression abzugeben“ im Buchhandel verfügbar. Aber meine Geschichte geht weiter. Und deshalb entsteht gerade Band 2 meines Weges aus der Depression. Ob auch er veröffentlicht wird? Ich weiß es nicht, hängt wohl auch davon ab, wie viele von euch Band 1 kaufen. Aber schreiben werde ich ihn auf jeden Fall. Weil mit dem Ende der Kliniken der eigentliche Weg in den Alltag erst begonnen hat. Weil der Weg nicht gerade, teilweise steinig, teilweise auch beängstigend war und ist. Aber im Gegensatz zu 2015 will ich hier bleiben. Dafür werde ich kämpfen. Und auch diesen Kampf werde ich in Band 2 beschreiben. Natürlich alles wieder abgewandelt, leicht verändert, aber in der Grundaussage so wahr wie Band 1 mit dem ersten Teil der Geschichte, meiner Geschichte, meiner Rückkehr ins Leben.

Hier schon mal ein kleiner Auszug:

Ich hatte es nun wirklich oft genug gesagt. »Ich habe eine Angststörung, ich bekomme Probleme in jeder Form von Beurteilungsgesprächen. Das dritte ist es nun, das ich zu führen gezwungen bin. Als geführt werdender. Oder, was natürlich niemand außer mir sehen kann, als Nervenbündel voll Panik und eben den Gefühlen bis hin zu »Ich mach Schluss«, die ich eigentlich vermeiden will. Weil sie Trigger sind. Aber was das System nicht vorsieht, sich einfach solche Triggergespräche mit mir zu schenken, das wird dann eben nicht gemacht. Also muss ich eine Strategie entwickeln, mit diesem dritten Gespräch fertig zu werden. Mir ist bereits jetzt klar, dass ich zusammenbrechen werde. Schon Gespräch Nummer zwei fand nahe an der Kante statt und hatte mich tief in mein depressives Loch gezogen.
Natürlich waren da immer die üblichen Sprüche wie: Das ist nur zu Ihrem Besten oder Wir müssen das tun, das ist nun mal so. Keine Beruhigung für mich, eher eine weitere Lunte fürs Panikfeuer. Was hatte ich mich bemüht, hier gelassen zu bleiben. Nicht erst seit den Kliniken, nicht erst seit dem Berufsleben. Schon in der Schulzeit war alles, was auch nur annähernd etwas von Prüfungs- oder Beurteilungscharakter für mich hatte, der blanke Horror. Da lief nichts objektiv, weil ich mich in diesen Gesprächen aufführte wie das Kaninchen vor der Schlange. Duldungsstarre, Angstschweiß und der Wunsch, so schnell wie möglich weg zu dürfen. Woher das ganze kam, keine Ahnung. Vielleicht wie so vieles meiner Mutter geschuldet, für die nichts, was ich tat jemals richtig war. Und etwas besser wissen als sie ging schon mal gar nicht.

Aus gegebenem Anlaß: Remember, remember the fifth of november.

Ein kleiner Gruß an alle, die mir Böses woll(t)en, nach dem Leben trachten oder sonstwie ein Arschloch in meinem Umfeld sind.

English Folk Verse (c.1870)
The Fifth of November

Remember, remember!
The fifth of November,
The Gunpowder treason and plot;
I know of no reason
Why the Gunpowder treason
Should ever be forgot!
Guy Fawkes and his companions
Did the scheme contrive,
To blow the King and Parliament
All up alive.
Threescore barrels, laid below,
To prove old England’s overthrow.
But, by God’s providence, him they catch,
With a dark lantern, lighting a match!
A stick and a stake
For King James’s sake!
If you won’t give me one,
I’ll take two,
The better for me,
And the worse for you.
A rope, a rope, to hang the Pope,
A penn’orth of cheese to choke him,
A pint of beer to wash it down,
And a jolly good fire to burn him.
Holloa, boys! holloa, boys! make the bells ring!
Holloa, boys! holloa boys! God save the King!
Hip, hip, hooor-r-r-ray!

Ein Mann hat keine Angst

20160504_080232Schön wäre es, wenn das stimmen würde. Ich habe ja neben meiner Diagnose „Schwere, wiederkehrende Depression“ leider auch noch eine generelle Angststörung diagnostiziert bekommen. Und die ist wohl, so wurde mir von mehreren Therapeuten bestätigt, der ursprüngliche Grund für meinen Suizidversuch.

Und meine Angststörung äußert sich auf eine absolut perfide Art und Weise. Auf einfache Art durch Angst vor jedweder Gefahr, diese aber übersteigert. Also Todesangst, wo andere so ein kleines, aufregendes Kribbeln verspüren würden. Nicht immer, meist ist sie nur da, wenn auch die Depression sich mal wieder zu Wort gemeldet hat.

Die schlimmere Angst ist die vor Beurteilungen, vor jedweden Gesprächen mit hierarchisch über mir stehenden Menschen. Ich weiß nicht genau, was der initiale Auslöser war, meine Therapeuten vermuten Kindheitserlebnisse, aber in Beurteilungsgesprächen kann es extrem schnell passieren, dass ich in den absoluten Panikmodus verfalle. Dabei muss nicht mal ein berechtigter Grund für die Angst vorliegen. Ich vertraue der Situation einfach nicht, vielleicht, weil man ein paar Mal zu oft über meinen Kopf hinweg falsch und für mich ungünstig entschieden hat.

Aber immerhin habe ich mittlerweile den Mut, meine Angst zu artikulieren, mich nicht mehr zu verstecken und so zu tun, als sei ich der Typ Mann, wie man ihn erwartet. Nein verdammt, auch als Mann kann man Angst haben, und dass viele glauben, man(n) müsse das verstecken, macht nur noch kranker. Und überhaupt, warum soll ich eigentlich solche Angstsituationen aushalten, wenn ich sie auch meiden kann.

Ein wenig von meiner Angst verliere ich, wenn ich kreativ bin. Das Schreiben des Buchs war eine wahre Wohltat gegen die Angst, die da immer wieder an die Oberfläche wollte, wo aber kein Platz für sie wahr. So lange ich selbst über mein Handeln entscheiden kann, ist alles gut. Wenn man mir aber erklären will, wie ich zu arbeiten habe, wenn man Ratschläge gibt wie: „Du musst jeden Tag zurückmelden, was du tust.“ dann bricht sich bei mir mein Dämon Bahn. Denn etwas tun zu sollen, das ich von meinem Wesen her nicht kann und nicht will, das erzeugt neue Angst und Panik.

Ich bin introvertiert, ich suche nicht die Menschen ich besuche sie höchstens mal. Aber in einer extrovertierten (Arbeits-)Welt hat man da Pech gehabt und fällt automatisch negativ auf. Und dann auch noch hochsensibel, das macht das ganze noch schlimmer, weil man immer etwas eher spürt, wenn etwas nicht gut läuft, wenn jemand gutes will, aber böses erzielt.

Ich kämpfe mit meiner Angst, so viel Mut habe ich. Und ich stehe zu ihr, mache sie öffentlich. Denn wenn wir uns vor bzw. mit  ihr verstecken, machen wir alles viel schlimmer. Lebensgefährlich schlimm.

Ein Dank jenen, die mich begleitet haben und zu mir standen

dpressEs verändert sich was in mir, es wechselt etwas zum Besseren. Ich glaube langsam wirklich an das Projekt „Buch“. Dass es ein Erfolg werden könnte.

Dass ich mich tatsächlich Autor nennen darf, und dass es nicht eine Eintagsfliege bleibt, sondern nocimg_20160930_122711h weitere Bücher folgen. Woher dieser Mut kommt? Keine Ahnung. Verzweiflung? Der Wunsch, etwas zu verändern?

Der Wunsch, mich selbst zu verändern? Egal, der Robert Frostsche wenig begangene Pfad ist gewählt und Umkehr ist keine Option mehr. Danke Angela , danke Cindy für den Glauben an das Projekt, für den Glauben an mich als Autor.

All der Zuspruch für meine Offenheit, all die Kommentare, die Feedbacks auf Barcamps, Konferenzen und auf Twitter. Ja, es ist ein Glück, dass mein Suizidversuch gescheitert ist. Das kann ich jetzt aus vollstem Herzen sagen.

Danke allen Freunden, Mitpatienten, allen, die zu mir standen, als mein Leben tiefdunkel wurde, allen, die mich auf dem Weg aus dem Tal begleitet haben. Auch für euch entsteht dieses Buch.

Der allergrößte Dank geht aber an zwei Frauen, die wortwörtlich beteiligt waren an der Rettung meines Lebens. Bettina, die tollste Kollegin, die man sich wünschen kann. Und über alle Maßen meine Frau Sibylle. Sie ist der Fixpunkt in meinem Leben, der Grund für die Wiederaufnahme des Kampfs gegen meine Dämonen und für meine Ideale. Nein, ich werde nicht schweigen, nein, das Buch ist keine Spielerei, ebenso wenig die TV Doku. Es sind Ausdrucksformen meines unbedingten Wunschs, nicht mehr das Leben anderer Menschen zu leben, nicht mehr Dinge wichtig zu nehmen, weil andere sie für wichtig halten. Ich bin Autor. Der Wunschtraum meines Lebens geht in Erfüllung. Und so viele gute Menschen haben ihn möglich gemacht und begleitet.

Einfach, Danke!

 

Rezension von: „Ich komm auf Deutschland zu“

Kennengelernt habe ich den Autoren Firas Alshater zuerst über das sicher vielen bekannte YouTube Video darüber, wie er in Berlin das Umarmungsexperiment gemacht hat und über seine ersten Eindrücke von typisch Deutschen.

Nicht nur die Botschaft des Videos sondern auch seine sympathische Art fand ich begeisternd. Als ich ihn dann auf der re:publica 2016 dank Manuela Braun (Danke Manu für die Einladung) persönlich kennenlernen durfte, bestätigte sich mein Eindruck. Ein fröhlicher, weltoffener, toleranter und hochkreativer Syrer. Den Flüchtling sah ich in ihm damals nicht und heute immer noch nicht.

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Auch auf der Buchmesse durfte ich Firas treffen. Und wie nicht anders zu erwarten hatten wir viel Spass. War einfach Zuckaaarrrr

Um so mehr hat mich die Lektüre seines Buches „Ich komm auf Deutschland zu“ berührt.
Was dieser Mann alles in Syrien erlebt hat, wie viel Folter, Leid und Tot. Schon dafür bewundere ich, wie offen und fröhlich Firas immer noch wirkt. Sein Buch ist eine Offenbarung für alle, die nicht das Medienbild des syrischen Flüchtlings sondern die Erfahrungen aus erster Hand kennenlernen möchten. Eigentlich läuft das Buch in zwei Erzählsträngen. Da sind zum einen die Erlebnisse seit seiner Ankunft in Deutschland aber immer wieder auch Rückblenden auf seine Kindheit und Jugend in Syrien. Ja Firas, so wie ich dich kennenlernte bis du nicht 25 sondern seelisch bereits mindestens 35. Die Erlebnisse, teils erschütternd, teils so fassungslos grausam, dass ich versucht war, einige Abschnitte zu überspringen, dann aber weiterlesen musste, weil ich die ganze Geschichte kennen wollte, diese Erlebnisse aus erster Hand zeigen die ganze Grausamkeit eines Krieges, den wir nur noch medial gefiltert und durch den Weichzeichner gedreht sehen.

Firas erspart uns nicht die brutalen Wahrheiten eines Regimes, das sein eigenes Volk nur durch Angst kontrollieren kann.

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Einhellige Wertung der beiden Frauen in meinem Haushalt: Daumen hoch für das Buch

Und dennoch gibt es auch viele sehr heitere und komische Momente, sei es im Umgang mit der deutschen Polizei, dem Fetisch Papier und Dokument oder schlicht mit der Wohnsituation in Berlin und den zum Teil hirnrissigen Regelungen des deutschen Asylrechts.
Firas schreibt humorvoll, authentisch, schonungslos und dennoch oder gerade deshalb sehr unterhaltsam.
Damit ist „Ich komm auf Deutschland zu“ für mich das Buch, das wenn schon nicht auf dem Gabentisch dann zumindest in jedem Bücherregal landen sollte, nachdem man es verschlungen hat, weil die Geschichte so packend ist, dass an ein Aufhören nicht mehr zu denken ist.

„Ich komm auf Deutschland zu“ von Firas Alsahter ist erschienen im Ullstein Verlag zum Preis von 14,99 Euro broschiert oder 12,99 Euro als Kindle eBook und es ist für mich das Buch des Leseherbsts.

Ich komm auf Deutschland zu: Ein Syrer über seine neue Heimat

von Firas Alshater

Broschiert: 240 SeitenVerlag: Ullstein extra (14. Oktober 2016)Sprache: DeutschISBN-10: 3864930499ISBN-13: 978-3864930492

Der brennende Note 7 Akku ist kein Technik- sondern ein Managementproblem

Jpeg

Auch die zweite Generation des Note 7 fängt Feuer. Eigentlich war es zu vermuten. So schnell kann man einen so gefährlichen und eklatanten Fehler nicht komplett bereinigen. Aber woher kommt der Fehler. Es ist sehr einfach wie immer die Ingenieure also die kleinsten Lichter als Schuldige herauszustellen.
Für mich liegt die Hauptschuld aber beim Management und hier insbesondere beim Marketing. Es wurde offensichtlich mit Druck gearbeitet, um das Note 7 auf Teufel komm raus vor dem Apple Gerät auf den Markt zu werfen.

Idiotische Entscheidung aber natürlich marketingtechnisch richtig. Nur, wollen wir wirklich Sicherheit dem Marketing opfern? Wollen wir Menschen über Erscheinungstermine und Produktreife entscheiden lassen, die von den technischen Grundlagen der Produkte überhaupt keine Ahnung haben? Wir sollten vielleicht darüber diskutieren, wie viel Sinn es wirklich macht, jedes Jahr ein neues Smartphone auf den Markt zu werfen, dass sich dann nur marginal vom Vorjahresmodell unterscheidet.

Es wird Zeit, die Marketingdenke ab- und den Verstand wieder einzuschalten. Sonst werden bald auch Smartphones anderer Hersteller zu gefährlichen Zeitbomben.