Depression abzugeben ist auf der Shortlist des Lovelybooks Leserpreises

Wow, das sind tolle Nachrichten. Mein Buch „Depression abzugeben“ hat es bei der Plattform www.lovelybooks.de in der Kategorie Sachbuch auf die Shortlist geschafft.

Würde mich jetzt sehr freuen, wenn ihr alle kräftig für „Depression abzugeben“ eure Stimme geben könntet, damit das Buch noch mehr Menschen erreicht und entstigmatisiert. Abstimmen könnt ihr unter: https://www.lovelybooks.de/leserpreis/2017/abstimmungen/sachbuch/

Arztsuche 3.0 Konferenz in München. Ein Fazit

16. November, München. Jameda hatte mich eingeladen, bei einer Konferenz mit dem spannenden Thema Arztsuche 3.0 als Vertreter der Patienten und in meiner Rolle als Autor und Blogger teilzunehmen. Ein Vortrag und eine Podiumsdiskussion waren mit mir geplant.
Was ist das Fazit dieses Tages? Es ist kompliziert. Denn auf mehreren Ebenen gibt es Problemstellungen, die weit weniger einfach zu klären sind, als man das landläufig annimmt. Bewertungen von Ärzten haben eine andere Qualität als Bewertungen von Büchern, Musik oder anderen bewertbaren Themengebieten.
Ein interessanter Fakt, so zumindest nach Erhebungen von Jameda ist, dass Bewertungen von Ärzten weit weniger einen Bias auf negativen Eindrücken haben. Damit ist hier zumindest nicht die übliche Übergewichtung negativer Wertungen zu beobachten, wie es bei vielen anderen Portalen der Fall ist.
Andererseits ist es sehr schwer, diese Kriterien valide abzubilden, die speziell für den Patienten auf Bewertungsplattformen interessant sind.

Hier geht es weit weniger um fachliche Expertise, um den Kenntnisstand des Arztes sondern um emotionale Aspekte wie Sympathie, Atmosphäre in der Praxis. Messbar sind diese bestenfalls über eine Varianz nach einer hinreichend großen Anzahl von Bewertungen. Ein Arzt mit 3 positiven und 2 negativen Bewertungen ist noch nicht wirklich repräsentativ bewertet worden. Ein Arzt mit 30 positiven und 10 negativen schon deutlich besser. Aber sobald diese Bewertungen völlig anonym laufen, und das ist meiner Ansicht nach die einzige Möglichkeit, zu einer hinreichend großen Zahl von Bewertungen zu kommen. Muss überwacht werden, ob es sich um ernsthafte Bewertungen oder nur Trolle handelt.
Hier sind Aspekte wie Verfügbarkeit des Arztes oder Distanz nur am Rande betrachtet, da diese oft in Portalen als Bewertung nur in den Freitexten vorkommen.
Was aber klar herausgetreten ist, und wo dringender Handlungsbedarf besteht ist bei der Information des Bürgers. Solange heilpraktische Psychotherapeuten mit der gleichen Wertigkeit betrachtet werden, wie „Schulmedizin“, die korrekterweise „Hochschulmedizin heißen müsste, ist es für den einzelnen schwer, den Quacksalber vom gut ausgebildeten Arzt zu unterscheiden. Wer homöopathische Behandlungsmethoden gleich wirksam sieht wie klassische Medizin, der wird auch auf Plattformen eher denjenigen Arzt oder Therapeuten suchen, der seinem Weltbild entspricht, ob dieser nun für seine diagnostische Problematik der Richtige ist, darf dann häufig angezweifelt werden.
Und leider ist hier auch das Internet nicht wirklich hilfreich.
Zu weit gestreut ist die Qualität der Informationen, zu viel spielt sich in sehr einseitigen Formen oder auf Plattformen ab, die objektive Informationen zu Gunsten des eigenen Weltbilds opfern. Hier wäre es wünschenswert, Plattformen zu entwickeln, die auf einem für die Öffentlichkeit verständlichen Niveau medizinische Fakten darlegen.
Was dabei fast ebenso wichtig ist, hier müssen auch Urban Legends und Fehlinformationen bewertet, beurteilt und objektiv dargestellt werden.
Der Spruch „Wer heilt hat recht.“ Ist hier sehr gefährlich, denn die evtl. zu Tage tretende Heilung kann nur eine scheinbare Lösung sein, die die eigentliche und wirklich schwerere Erkrankung verdrängt und damit durchaus zum Problem werden.

Warum Angst ein schlechter Berater ist

Ich habe eine Angststörung. Noch so eine Sache, die ich lange vor mir und der Welt verheimlicht habe. Nicht, dass ich häufiger Angst hätte, als andere Menschen. Aber wenn sie kommt, dann allumfassend. Erstickend, beängstigend. Und gefühlt lebensbedrohlich.

Die Geschichten über den Ursprung kennen wir sicher alle. Angriff oder Flucht. Vor Jahrtausenden sinnvoll behindert es heutzutage in einer Zeit, da wirklich lebensbedrohliche Angstsituationen eher selten geworden sind. Der Säbelzahntiger heißt heute Straßenverkehr und bedingt eher Aufmerksamkeit und Nachdenken als einen Fluchtinstinkt. Sicher, nachts, alleine in einer schummrigen Seitenstraße mit Schritten, die einem folgen. Da wird wohl jeder ein mulmiges Gefühl bekommen. Aber das sind eher seltene Situationen.

Der gefühlten immer größer werdenden Bedrohung stehen Zahlen, Fakten, Analysen entgegen, die darlegen, dass wir selten so sicher gelebt haben, wie heute.

Mich hat die Angst aufs Dach gejagt, wollte mir einflüstern, dass ich keinen Ausweg mehr habe, dass ich wie ein in die Enge und an eine Klippe getriebenes Tier nur noch die (tödliche) Flucht durch einen Sprung als Alternative habe. Dabei habe ich sehr schnell gelernt, dass vieles, was wir als Angst erleben, eher manipulativ als real ist. Lügen über Bedrohungen. Angst vor Arbeitsplatzverlust als Managementmethode. Umgang mit Mitarbeitern wie mit kleinen Kindern, die man angeblich kontrollieren, beurteilen und ggf. bestrafen muss. Wir denken noch in vielen Bereichen neandertalerhaft. Was mir Mitpatienten in den Kliniken berichteten, ließ mich erkennen, dass wir noch weit davon entfernt sind, so etwas wie mündige Menschen zu erziehen oder auch nur zu wollen. Nicht umsonst wird immer noch gerne der Begriff der Humanressource verwendet.

Aber eins spüre ich, eins hat sich für mich geändert. Die Angst ist nicht mehr so mächtig. Seit ich weiß, wie schwach ein Mensch ist, der Kontrolle nur durch Angst erreichen kann, können mich solche Menschen nicht mehr treffen, selbst wenn sie Anwälte und Kontaktverbote auffahren.

Denn sie zeigen vor allem, wie angstgetrieben sie sind. Und wie schwach sie sind, wenn sie durch Angstszenarien Menschen kontrollieren, zu Handlungen bewegen.

Wer mit Angst operiert, mag kurzfristige Ziele erreichen, längerfristig wird er scheitern, weil niemand, der nur aus Angst handelt, von seinem eigenen Tun überzeugt ist. Und insofern erzeugt Angst Gegenreaktionen, von Ignoranz über Rache bis hin zu Verlassen werden. Angst ist ein sehr schlechter Berater. Einer, den vor allem schwache Menschen einsetzen müssen, weil sie nicht die Größe haben, auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Natürlich habe ich auch weiterhin  Angst, aber ich kann sie erkennen und durchschauen. Und damit nehme ich ihr viel von ihrem Schrecken. Und ein bisschen Angst ist weiterhin wichtig. Aber Angst als Machtinstrument ist etwas, das nur schwache Menschen brauchen, um andere zu lenken.

„Politik machen: den Leuten so viel Angst einjagen, dass ihnen jede Lösung recht ist.“

Wolfram Weidner

 

„Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen.“

Marie Curie

 

„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“

Franklin D. Roosevelt

Wie es mir so geht. Ein Zwischenbericht

Mein Buch, ausgelegt bei einer Lesung in Regensburg, die mit 120 interessierten Gästen vollständig ausverkauft war.

„Wird dir das alles nicht zu viel?“ „Das muss dich doch belasten?“ Fragen, die man mir in letzter Zeit öfter stellt. Aber nicht zu meinem Brot- und Butter Job, sondern zu meiner neuen mir viel wichtigeren Aufgabe als Aufklärer und Entstigmatisierer, was die Depression und insbesondere die „männliche Depression“ angeht.

Und jedes Mal muss ich enttäuschen. Es ist im Gegenteil noch fast zu wenig. Gerne wäre ich noch prominenter in den Medien, weil ich jetzt erst wieder über eine Talkshow, bei der auch ein Psychotherapeut anwesend war, gelernt habe, dass es immer noch eine große Hemmnis bei Männern gibt, sich Depressionen einzugestehen. Ziemlich dämlich aber diesem lächerlichen, überkommenen Männerbild vom starken Macher geschuldet. Und unsere Turboleistungsgesellschaft macht das ganze nicht besser. Eher im Gegenteil, in einer Zeit, in der Worthülsenproduziere vom Schlage eines Herrn Gary Vaynerchuck die Menschen glauben machen wollen, man könne alles erreichen, wenn man sich nur genug anstrengt und wer das nicht schafft, ist selbst schuld, wird das nicht besser. Dass deren Erfolgsrezepte oft mehr auf Zufällen denn auf harter Arbeit beruhen und vieles schlicht Schaumschlägerei ist, wird all zu oft verdrängt. Zumal man ja auch heute in einer angeblich so aufgeklärten Zeit den eigenen Wert immer noch aus Leistung und Besitz zieht.

Dumm, aber für viele eben einfach verstehbar. Wir sind nicht mehr länger psychisch kranke Einzelfälle, in meinen Augen krankt unsere gesamte Gesellschaft, wir sind teil eines schwer kranken Systems, das nur durch den Glauben an ewiges Wachstum am Leben gehalten wird.

Aber ewiges Wachstum? In einem begrenzten System? Merkt ihr selbst, oder?

Ich für meinen Teil fokussiere mich auf mein Ziel, aufzuklären, Menschen dazu zu bringen, wieder mehr an sich als an das Fremdbild zu denken, dass sie meinen, nach außen erzeugen zu müssen.

Beurteilungsgespräche, Stellenausschreibungen, der Arbeitsmarkt. Alles produziert krank machenden Druck in einer Zeit, in der wir die Arbeit an sich als Wert des Menschen hinterfragen müssen. Mehr und mehr wird von Maschinen geleistet, aber statt diese Befreiung zum Wohl des Menschen zu nutzen, wird die Wirtschaft damit weiter angefeuert, unsinniges Zeug zu produzieren,  damit Arbeitsplätze erhalten bleiben, die schon der nächste Manager streicht, bevor er sich einem anderen Unternehmen zuwendet.

 

Ich für meinen Teil sehe diese Entwicklung kritisch und versuche in Gesprächen, Lesungen, Talkshows auf diese Fehlentwicklung hinzuweisen, die ja auch mich fast das Leben gekostet hätte. Auch ich habe mich dieser idiotischen Doktrin gebaut, dass der Mensch nur als Leistungsträger etwas wert ist. Dass man Minderleister identifizieren und eliminieren, oder wie es politisch korrekt heißt, coachen und bei mangelnder Leistung freisetzen muss. In einer Zeit, wo der Mensch mehr als Kostenfaktor oder Humanressource gesehen wird, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die WHO jetzt doch von besorgniserregend steigenden Zahlen psychischer Krankheiten spricht. Die Arbeitswelt erzeugt keine Depression, aber sie kann sie sehr stark fördern. Ich glaube nicht, dass Social Media das Problem ist.

Vielmehr ist es eine Gesellschaft, die den Menschen immer mehr durch Drohung mit Arbeitsplatzverlust, mit HartzIV gefügig und zum braven Humankapital degradiert. Dabei produzieren und konsumieren wir längst in völlig idiotischen Dimensionen, die eigentlich kein Mensch braucht. Aber die Konzerne, die ja leider immer noch nicht geschafft hat, dass der Kunde direkt das Geld überweist, ohne auch noch frecherweise ein funktionierendes und ha, welch Frevel, lange haltendes Produkt zu wollen.

Mir geht es gut. Weil ich endlich einiges an Wahnsinn da draußen durchschaue, gegen den alles, was ich in meiner Klinikzeit erlebt habe, wie völlige Normalität erscheint.

Und auch wenn ich weiß, dass bestimmte Menschen sich furchtbar über meine gewonnene Prominenz und meinen medialen Einfluß ärgern.

You ain’t seen nothing yet. Ich hoffe auf noch viel mehr mediales Interesse, weil es darum geht, den Menschen klar zu machen, dass sie sich von äußeren Umständen krank machen lassen, die in sich selbst verrückt sind. Dass sie einer Norm zu folgen versuchen, die an sich Wahnsinn bedeutet.

Nein, ich werde nicht leise sein, ich habe gerade erst angefangen, lauter zu werden. Und „Depression abzugeben“ ist mein Weg, in die Öffentlichkeit zu kommen. Gelesen werden, etwas bewegen. Mich haben Menschen  angeschrieben, die wegen meines Buchs den Schritt in die Therapie gewagt haben, oder sich nicht suizidierten. Gibt es etwas großartigeres, als solch einen Effekt erzielen zu können. Und da werde ich mit Sicherheit nicht stiller werden, im Gegenteil.

„Jeder ist seines Glückes Schmied“, heißt ein Sprichwort das leider nicht erwähnt, ob als Ergebnis der Schmiedekunst ein Glücksbringer oder ein Sargnagel entstanden ist.

Statement als Autor zu den Ereignissen auf der Frankfurter Buchmesse

Zu den Vorfällen auf der Frankfurter Buchmesse ein Statement von mir aus der Sicht eines Autors:
Es ist nicht zu verstehen, dass rechtes Gedankengut geschützt wird und Menschen, die gegen Nazis demonstrieren, einen Platzverweis bekommen. Das rückt die Buchmesse in ein sehr braunes Licht und gibt Institutionen wie den Friedenspreis des deutschen Buchhandels der Lächerlichkeit preis. Auch Meinungsfreiheit muss Grenzen haben, insbesondere, wenn die Geschichte uns eines besseren belehrt. Wer zusieht, wie das Streichholz entzündet wird, darf später nicht behaupten, er habe den Brand nicht vorhersehen können. Schon gar nicht, wenn das Streichholz in der Hand eines Nachfolgers derer ist, die Erfahrungen im verbrennen von Büchern hatten.

Ich, du, der Tod und die anderen

Ich Bin alt, nicht wirklich alt, aber alt genug, um viel Leben erlebt zu haben.

 

Das ist keine Klage, keine Anklage, kein Verlust.
Eine Feststellung, die mich heute selbst überrascht. Nicht die Zahl der Jahre. Die schiere Existenz. Es gab einen Punkt, einen Fixpunkt. Dort wollte ich gehen. Weg von allen, weg von allem, weg von mir. Dem ein Ende setzen, den Schmerz beenden.

Liebe hat mich gehalten, nein, hat mich herausgezogen zurückgezogen von der Kante. Es ist so einfach: »du hast doch alles« zu sagen. Ja, hab ich, die Trauer, das Gefühl, so unvollständig zu sein wie eine einzelne Socke oder ein Haus ohne Dach. Zerbrochen an dem, was ihr Leben nennt. Morgens aufwachen und das Gefühl der Füße auf dem Boden fürchten, weil das bedeutet, einen neuen Tag erleben zu müssen. Umdrehen und weiterschlafen wollen, heute, Morgen, für immer.
Die, die man liebt beschützen wollen, weil man ob der Schmerzen weiß, die zu empfinden man sie zwingt. Die Hilflosigkeit, die Angst um ein Leben, die Lebensangst.
Es gibt sonnige Tage, es gibt das Gefühl von Kälte auf der Zunge, von Süße und den Duft von Vanille an einem Sommertag. Aber die Kälte des Eises wird schnell wieder zu Eiseskälte, die einen umfängt, umschließt, einsperrt in einer eigenen, dunklen, hoffnungslosen Welt.
Man sieht ja, dass andere glücklich sind, oder das Glück zumindest glaubhaft simulieren.
Ganz oben sieht die Welt so klein, so unbedeutend aus. Plötzlich passt sie zum eigenen Leben. Alleine dort oben, mit Gedanken so dunkel wie die Zukunft. Und gerade, wenn einen die Kälte und Dunkelheit zu verschlingen droht, ist da eine Hand, ein Lächeln, ein Mensch, der nicht bewertet, nicht verurteilt, nicht bestraft, der nur sein Herz öffnet und seine Hand reicht. »Ich bin da, ich halte dich, ich begleite dich.«
Du trittst nicht einfach heraus ins Licht, aber plötzlich ist da, ganz in der Ferne wieder ein Sonnenstrahl, eine Chance auf ein besseres Leben, eine Chance auf ein Morgen.
Der Weg ist schwer und steinig und um ihn zu finden musst du durch Dickicht, so dornig und so düster wie deine Vergangenheit. Aber da ist immer dieses Licht, dieses Lächeln, dass dich magisch anzieht, dass alles andere bedeutungslos werden lässt.
Anklagen, Vorwürfe, Drohbriefe, Beschuldigungen. Nicht mehr du, sondern die anderen. Sie sind falsch, und irgendwer, vielleicht du selbst hast ihnen die Maske heruntergerissen. Die Lügen, die Falschheit, der Opportunismus, nackt, auf dem Boden, hilflos. »Wir meinen es doch nur gut.« Für uns selbst, ergänzt du im Geist.
Sie meinten es nie gut für andere, sondern stets für sich, die, die dir die Messer zwischen die Rippen bohrten, dir einen Tritt verpassten, dich vom Turm stoßen wollten.
Weil du nie so warst wie sie. Nie stromlinienförmig, nie geleckt und dafür geliebt, nie konform oder wie sie es sagten, normal.
Du hast darunter gelitten, versucht, dich zu verbiegen, brav, ruhig und willig zu sein. Und dennoch wuchs der Widerwille, die Erkenntnis, nur mit einer Lebenslüge überleben zu können. Du verlierst immer mehr von dir selbst. Gibst Leidenschaften auf, verlierst dich in Masken, in der Kunst der Schauspielerei, um dem Bild anderer zu genügen, deren Erwartungen und Weltbilder du doch eigentlich so hasst wie deine eigene Schwäche, zu dir und deinen Idealen zu stehen.
Dabei bist du nur schwach,weil du zu lange gekämpft hast. Alleine, gegen übermächtige Dämonen. Du warst stärker als manch einer deiner Ankläger. Aber der Kampf war unsichtbar, gegen Geister, die nur du gesehen hast.
Die Scherben auf dem Weg, sie sind die Fragmente deiner Seele, deines eigentlichen ichs. Heruntergerissen und zerbrochen, du kannst nicht länger Versteck spielen mit dir selbst. Endlich bist du frei, weil du nichts mehr zu verlieren hast, hättest du doch beinahe alles verloren. Jetzt wird es Zeit, dein eigentliches Ich zu retten. Wirf ihm ein Seil zu, hol es aus der Dunkelheit und verzeih ihm, dass es sich versteckt hat, dich im Stich gelassen hat in der Sekunde deiner größten Not. Denn es konnte nicht anders. Der Schmerz war zu groß, das Kind hatte zu große Angst und versteckte sich deshalb vor dem Dämon, der es verfolgte.
Zeig ihm, dass die Welt schön ist. Zeig ihm, dass es zu kämpfen lohnt. Nicht für andere, deren Dankbarkeit sich meist in Wohlwollen beschränkte, wenn du ein braves, wohlwollendes Kind warst. Die, die jetzt an deiner Seite stehen, dir die Hand entgegenstrecken, dich ohne Bedingung schützen und stützen wollen. Sie sollen von nun an deine Begleiter sein. Der Rest ist Teil des Dämons, der immer mehr Macht über dich verliert.
Vielleicht wirst du nie ganz frei sein. Aber du wirst Herr sein deines Weges, und die Kämpfe gegen deine Verfolger wirst du immer häufiger gewinnen.
Bis du sie gar nicht mehr kämpfen musst, weil du erkennst, dass andere nur dann Macht über dich haben, wenn du es zulässt, weil du erkennst, dass du der Herr deines Lebens bist, ja sein musst, um dieses eine Leben zu überleben, zu erleben, zu leben.