Zeitung zensiert Kommentar zum Osloer Attentat, weil islamistischer Hintergrund vermutet wird.

Ganz schlechte Strategie: Die Fuldaer Nachrichten ließen offensichtlich einen Kommentar zum Osloer Attentat online gehen, in dem ein Herr Schermer gleich wieder den üblichen islamistischen Hintergrund hinter den Vorfällen vermutet. Als nun in verschiedenen Plattformen und Blogs dieser Artikel hämisch diskutiert wurde, hat die Redaktion die schlechteste aller Notbremsen gezogen, und den Artikel aus dem Auftritt entfernt: Aber das Netz vergisst nicht und so ist der Inhalt des Artikels längst in diversen Blogs und Konten gesichert. Auch der Google Cache kennt den Artikel noch: http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:http://www.fuldaerzeitung.de/nachrichten/uberregional/politik/Thema-Keine-Entwarnung;art276,430634

 

 

Tja, man sollte sich vielleicht auch mal informieren. Denn von den 249 Terroranschlägen im Jahr 2010 hatten LEDIGLICH 3 einen islamistischen Hintergrund.

Buchrezension von Peter Märkerts Ruhrgebietskrimi „Jeder Einzelne“

Peter Märkert, Jeder Einzelne - Ein Ruhrgebietskrimi. Erschienen im Brockmeyer Verlag

Ein Ruhrgebietskrimi, Aus einem mir unbekannten Verlag und von einem mir unbekannten Autor.

Quasi in gewissem Sinne ein doppeltes Wagnis, da ich für gewöhnlich kein typischer Krimileser bin und auch mit Büchern nichts anfangen kann, die zu sehr dem Lokalkolorit verhaftet sind. Insofern las ich die ersten Seiten von „Jeder Einzelne“ mit einer recht kritischen Grundhaltung.

 

Auch der Stil war für mich am Anfang ungewohnt. Der Erzähler nutzt die Gegenwartsform, berichtet jeweils aus der Sicht des handelnden Hauptprotagonisten der Szene. Doch nach einigen Seiten fällt dies nicht mehr auf, fügt sich sogar recht gut in die gesamte Erzählung. Man bekommt den Eindruck, Auszüge aus den Tagebüchern der Beteiligten zu lesen. Quasi wirklich live beim Geschehen dabei zu sein.

Die zu Grunde liegende Geschichte ist wohl am besten mit dem beschreibenden Text des Verlages abgedeckt:

Zitat: „Nichts geschieht ohne Grund, sagt Lucas in der Untersuchungshaft. Es ist immer nur ein Kreis, der sich schließt. Wer trägt die Verantwortung an Christinas Tod? Wer hat ihr die K.-o.-Tropfen gegeben? Sie nackt in die Ruhr geworfen? Die Justiz verdächtigt ihren Freund Marco Kröner. Er brachte Christina in der fraglichen Zeit von Köln nach Bochum. Bei ihm wurde das Fläschchen mit Liquid Ecstasy gefunden, das ihren Tod verursachte. Der Richter verhängt Untersuchungshaft, der Pflichtverteidiger verspricht eine milde Strafe, wenn Marco gesteht. Nur seine Schwester und Lena glauben an seine Unschuld, verdächtigen Rainer Dahlke, der sich in der Nacht mit Christina treffen wollte, und Olaf Klein, Marcos seltsamen Nachbarn. Lena erhofft sich Hinweise von Alessa Hauser, der besten Freundin der Toten. Besucht sie in einer Drogenklinik und spürt, dass Alessa mehr weiß, als sie sagt. Bei einem späteren Anruf in der Klinik erfährt sie, dass Alessa nach dem Besuch aus der Klinik entwich. Um den Mörder zu treffen?…“

Interessant ist nicht nur die Erzählform. In einer Melange aus Ermittlungen des Freundeskreises von Marco und dem Blick Marcos auf die Geschehnisse selbst, deckt sich im ersten Teil des Buches, den ich grob über das erste Drittel verorten würde langsam das wahre Geschehen auf. Dann werden verschiedene potentielle Täter eingeführt und zum Schluss, abgedeckt vor allem durch die Gerichtsszene der wahre Mörder vorgeführt. Hier greife ich sicher nicht vor, wenn ich sage, das Marco nicht der Täter ist. Aber wer nun wirklich zur Rechenschaft gezogen wird, erfährt der wache Leser bereits nach knapp zwei Dritteln des Buches.

Sehr gut gelungen aber, wie dann die Spannung bis fast zur letzten Seite aufrecht erhalten wird und man dennoch mit dem Hauptprotagonisten mitfiebert.

Stilistisch ist das Buch wie bereits erwähnt in der Gegenwartsform geschrieben: „……“So plötzlich“ Kramer lacht auf. Schulz mischt sich ein, sagt langsam und betont…“

Diese Erzählform ist sonst nicht ganz so mein Geschmack, lässt sich aber hier mit der Dynamik und der Authentizität der Story recht gut rechtfertigen. Kurze Sätze, teilweise bewußt gewählte Wiederholungen des Satzbaus um Geschwindigkeit, ja Hast zu vermitteln, geben der Geschichte eine Geschwindigkeit, die einen spätestens nach Eintritt des Anwalts Dr. Baum in die Erzählung und erste Spuren bei den Ermittlungen durch Lena in das Geschehen zieht.

Der 220 Seiten starke Roman ist ein handwerklich sehr gut gemachter, dynamischer Krimi, der zwar aus der Region kommt aber sich nicht im reinen Zelebrieren des regionalen gefällt. Im Zentrum steht das klassische Who done it eines Krimis, gepaart mit den zum Teil sehr besonderen Lebensgeschichten der Beteiligten.

Für mich ein sehr empfehlenswerter Krimi, wenn ich auch da ich mich nicht ganz mit der Gegenwartsform als Erzählmittel anfreunden konnte nur 4 von 5 Sternen bekommt. Dies aber auch aus meinem persönlichen Geschmack heraus.

Also: [xrr rating=4/5] für „Jeder Einzelne“ von Peter Märkert.

Erschienen ist „Jeder Einzelne“ von Peter Märkert im Brockmeyer Verlag. Das Taschenbuch kostet 12,90€. ISBN 978-3-8196-0752-3.

Mein Dank gilt auch diesmal www.bloggdeinbuch.de für die Plattform und die Auswahl des Verlags und dem Brockmeyer Verlag für das Vertrauen in mein Blog.

Lenovo stellt Android Tablets mit Android 3.1 vor.

So muss ein Tablet aussehen, das mir gefallen könnte. Speziell die Hülle/Tastatur-Lösung und die Dockingstation finde ich ausgesprochen gelungen. Aber seht selbst. (Ist die Businessausführung für um die 600 Euro). Es scheint sich herauszukristallisieren, was ich schon vermutet hatte. Die Tablets werden früher oder später die Netbooks ersetzen. Aber nur, wenn sie wie das Businesstablet von Lenovo mit einer SINNVOLLEN und gebrauchsgerechten Tastatur geliefert werden. Aktuell ist das erste der beiden Videos meine Tabletempfehlung für die nächsten Monate.

Und ein zweites Tablet seht ihr hier im Unboxing: (Quasi die Consumer Version) Preis voraussichtlich 399 Euro.

Blogparade: Wovon sollen wir träumen?

Eine schöne Idee für eine Blogparade hatte das „Schmerzwach Blog“
Die Frage lautet, wovon sollen wir träumen?
Hier meine Träume, die es wert sind, geträumt zu werden.

Ich träume von einer Welt, in der Kindergeschrei nicht mehr als Lärm, sondern als Lebensfreude empfunden wird.

Ich träume von einer Welt, in der die Frage nach alt oder jung, Mann oder Frau irrelevant ist, weil wir jeden Menschen als solchen mit seinen Stärken UND Schwächen akzeptieren.

Ich träume von einer Welt, in der wir nicht konsumieren um des konsumierens willen, in der wir auch teilen, reparieren und verzichten können.

Ich träume von einer Welt, in der Familie und Freunde wichtiger sind als Beruf und Karriere.

Ich träume von einer Welt, in der der Schutz der Umwelt und der Menschenleben wichtiger ist als der Profit der Industrie.

Ich träume von einer Welt, in der wir Menschen nicht wegen ihrer Religion, Hautfarbe, Herkunft hassen.

Ich träume von einer Welt, in der Manager nicht das 100 fache verdienen und in der soziale Berufe besser bezahlt werden als reine Geldherumschubserei.

Ich träume von einer Welt, die es so nie geben wird, die zu erreichen ich aber alles in meiner Macht stehende tun werde.

Denn ich träume von einer Welt, die für meine Kinder zumindest näher kommen soll.

Das Internet macht dumm, nicht dumm, dumm, nicht dumm

 

„Internet macht vielleicht doch nicht dumm!“ schreibt die ZEIT. Ach, natürlich nicht! Eine Technik an sich kann weder dumm, noch schlau machen. Wenn überhaupt, dann ihre Anwendung. Und warum um Himmels Willen sollte das Internet dumm machen? Der Mensch hat in der Geschichte schon mal eine Kulturtechnik entwickelt, die Wissen aus seinem Kopf auslagerte. Man nannte und nennt das Buch. Und offensichtlich sind wir wirklich dümmer geworden, haben keine neuen Erfindungen gemacht, sind nicht zum Mond geflogen, haben keine Computer entwickelt.

Es geht nie darum, ob eine Technologie verdummt, es geht darum, ob der Mensch Wissen intelligent anwendet, ob er schlussfolgern und intelligente Schlüsse ziehen kann. Ich erinnere mich an mein Studium und die Hilflosigkeit der Studenten, die mit ihren super Zeugnissen plötzlich vor einer Wand standen. Sie konnten nicht mehr einfach auswendiglernen, bekamen den Stoff nicht zum Auswendiglernen vorgelegt, sondern sollten sich Wissen erarbeiten. Damit hatte ich überhaupt keine Probleme, weil das für mich schon immer das Spannendste war. Aber so mancher Einser Kandidat wollte schier daran verzweifeln.

Meiner Ansicht nach ist dieses Gerede vom Verdummen des Internets eine Schutzbehauptung all jener, die schon immer Schwierigkeiten mit neuem hatten, die sich nicht wirklich gerne verändern, die ihr Weltbild möglichst lange aufrechterhalten wollen. Sonst müsste ja eigentlich auch jeder Brockhaus zur Verdummung der Menschheit geführt haben.

Ich verdumme nur dann, wenn ich mich entscheide, mich nicht mehr weiterentwickeln zu wollen. Für mich ist aber gerade das Netz und die IT die grösste neue Möglichkeit, mich weiterzubilden. Ich habe Zugriff auf riesige Datenmengen, die für mich extern gespeichert sind, die ich nicht mehr memorieren muss, aus denen ich aber Schlüsse ziehen, Erkenntnis gewinnen kann.

All ihr Kulturpessimisten, wettert nur weiter gegen das Internet. Wir nutzen es derweil, um uns weiterzuentwickeln und intelligenter zu handeln.

Wobei es natürlich für verschiedene Institutionen ausgesprochen ärgerlich ist, wenn der Mensch sich plötzlich unabhängig von Kontrollinstanzen informieren kann. Das haben wir schon früher erlebt, denn der Buchdruck war ein echtes Ärgernis für die Kirche, da sie jetzt nicht mehr mit verlogenen Drohszenarien die Menschen kontrollieren konnte. Schliesslich konnten jetzt ja, oh schlimm, die Menschen das Herrschaftswissen hinterfragen und die Lügen entlarven. Ähnliches passiert auch heute, ich sage nur: Gutenplag.

Oder wie ein altes chinesisches Sprichwort sagt:

Es gibt Menschen, die Fische fangen, und solche, die nur das Wasser trüben.

Lasst uns Fische fangen, während die ganzen Kritiker immer noch mit Wasser trüben beschäftigt sind.

Update: Lustig auch: Spiegel Online behauptet zur selben Studie, das Internet mache vergesslich, so viel zum Thema Qualitätsjournalismus. Leider muss ich sagen, der Artikel zeigt offensichtlich, dass hier nicht wirklich genau gelesen wurde. Schade, so schürt man Vorurteile. Aber wir reden ja von professionellem Journalismus, da kann ich als Blogger ja nur vor Ehrfurcht die Klappe halt: NOOOOOT!

 

Der Unterschied zwischen Mitarbeiter und Mitunternehmer, Flexibilität 2.0 braucht Freiheit 2.0

Wie oft höre ich in Chats und Gesprächen über die Arbeitswelt der Zukunft die Argumentation: Wir würden ja flexiblere Modelle anbieten, aber unsere Mitarbeiter wollen das gar nicht.

Dazu fallen mir immer zwei Fragen ein. Zum ersten: Haben Sie Ihre Mitarbeiter gefragt? Und haben Sie richtig gefragt?

Wenn ich anbiete, keine Zeit mehr zu erfassen, und dann aber die gesamte restliche Arbeitsorganisation beim Alten lasse wäre jeder Mitarbeiter töricht, der sich auf dieses Spiel einlassen würde, das für sie oder ihn lediglich nach unbezahlten Überstunden schmeckt. Es muss dann auch eine andere Arbeitskultur her, die nicht mehr ortsgebunden ist. Flexibilität muss dann auch räumlich möglich sein. Viele Wissensarbeiter benötigen für ihre Arbeit lediglich einen Notebook und einen Zugang zum Firmennetz. Warum dann ins Büro fahren? Das geht auch von zu hause aus.

Zum anderen stellt sich mir oft die Frage: Wen haben Sie gefragt? So böse das klingen mag, aber gerade die High Potentials die Menschen mit Schlüsselskills wünschen sich oft eine bessere Balance zwischen Beruf und privat, und gerade dort ist der Wunsch nach der Möglichkeit, auch mal zu hause zu arbeiten gross. Ebenso die jungen Berufsanfänger mit den neuesten Skills, die aber bei weitem weniger Wert auf Karriere legen, die eine gute Balance zwischen dem privaten und dem beruflichen Leben fordern. Frage ich aber langjährige Mitarbeiter, die ihr gesamtes Lebenskonzept auf den 9-17 Uhr Job ausgerichtet haben, so werden diese solch neuen Freiheiten generell erst mal misstrauen, ebenso wie so mancher Betriebsrat. Auch bei den Mitarbeitern erfordern neue Arbeitsmodelle ein Umdenken, mehr Selbstverantwortung und die Begabung dazu, auch die eigenen Wünsche wichtig zu nehmen.

Wollen wir wirklich alle an der Arbeitszeit gemessen werden, oder lieber am Arbeitsergebnis? Und wollen wir ein getrenntes Arbeits- und Privatleben, ein Privatleben, das nur noch auf die Regenerierung für den Beruf abzielt (Work Life Balance, wobei die Balance immer die Arbeitskraft erhalten soll) oder wirkliche Work-Life Integration, bei der wir ein Mensch aus einem Guss sind, und nicht unser Wesen am Werkstor abgeben und das Privatleben der Karriere unterordnen. Also ich wünsche mir letzteres. Aber ich bin ja auch wie manche meiner Bekannten, Kollegen und Leser sagen: Komisch 😉

Und noch ein Aspekt bekommt immer mehr Gewicht. Der Trend zum „BYOD“ also Bring you own device. Da hat zum Teil die IT Abteilung gar nicht mehr viel mitzureden. Diejenigen, die es gewohnt sind, ihren Freundeskreis auf Facebook oder Google+ zu pflegen und ebenso ihre beruflichen Kontakte erwarten, dies auch am Arbeitsplatz tun zu können. Auch hier vermilzt zwangsläufig privat und Beruf. Wer hier mit strengen Verboten arbeitet, wer hier glaubt, nur ein 100% für die Firma arbeitender Mitarbeiter ist ein guter Mitarbeiter sollte sich dringenst fragen, warum Firmen wie Google, IBM, Microsoft so erfolgreich sind? Dort wird den Mitarbeitern eben nicht alles verboten, was auch  nur irgendwie nicht nach 100% Humanressourcenauslastung klingt. Wir wissen schon seit langem, dass eine produktive Tätigkeit gerade bei Wissensarbeitern maximal während 70% der Arbeitszeit möglich ist. Aber wir tun immer noch so, als müsste jeder Mensch am Eingang zur Firma zu einem Arbeitsautomaten mutieren. Get real, sage ich da nur. Smartphones, Tablets, Netbooks die auch schon mal einen ganzen Tag laufen. Wir können sie alle verbieten, den Arbeitnehmer zur Arbeitsmaschine verdammen. Aber das fördert weder Motivation noch Loyalität zum Arbeitgeber. Wer seinen Mitarbeitern vermittelt, dass man sie zur Arbeit tragen muss, dass man sie kontrollieren muss, damit die passenden Ergebnisse herauskommen, der wird auch genau solche Mitarbeiter bekommen. Wer Mitunternehmer will, muss auch Freiheiten zulassen.