Daheim an jedem Ort der Welt. Die Chancen von Location Based Services

Eine Technologie, die in meinem Umfeld von vielen noch mit einem Lächeln bedacht wird sind die Location Based Services also ortsbezogene Dienste.

Die Technik ist denkbar einfach und in immer mehr Smartphones und mobilen Endgeräten verfügbar. Es bedarf lediglich eines GPS Empfängers und eines Zugangs zum Internet, idealerweise über eine Flatrate.

Beides verbreitet sich im Moment auch dank neuer Devices wie Smartphones und Navigationsgeräten mit sogenannten „Live“ Diensten, also Serviceleistungen, die direkt aus dem Internet geladen werden immer weiter.

Als einfachste Beispiele seien hier nur positionsabhängige Verkehrsdaten genannt, die in das Navigationsgerät des Nutzers eingeblendet werden. Das ist mittlerweile sehr dynamisch und aktuell möglich. Denn jedes Gerät, das einen Zugang zum Netz besitzt und den mobilen Dienst nutzt, meldet entweder über die Veränderung der Netzzelle des Mobilfunkgeräts (TomTom) oder über die Veränderung der Position des Navis (Navigon) an zentrale Server Mobilitätsdaten aus denen zeitnah viel genauere Verkehrsprognosen errechnet werden können, als bislang möglich.

Aber denken wir weiter. Dienstleistungen, die ich unterwegs benötige, sind ortsbasiert abrufbar, z.B. das nächste Restaurant, Hotel, die nächste Werkstatt. Verbinden wir dies noch mit Bewertungsportalen wie doyoo, guenstiger.de, qype oder ähnlichen und wir haben ein lokales Empfehlungssystem das ähnlich funktioniert wie der Tipp des guten Freundes vor Ort.

Was heisst das aber? Unternehmen müssen sich viel mehr mit dem Image und den Bewertungen in solchen Portalen ausseinandersetzen, denn es kann schnell passieren, dass durch ein negatives Ranking die Kunden, geleitet von solchen mobilen Diensten den nächsten Konkurrenten aufsuchen.

Ins Extrem gedacht warte ich nur auf die erste Anwendung, die anhand der aktuellen Position, der Preise umliegender Geschäfte und der Kosten für die Fahrtstrecke (Benzin, Fahrzeugkosten) den günstigsten Händler auswählt, der nicht mehr zwangsweise im selben Ort liegen muss!

Wir sehen, der Kunde, speziell der gut informierte oder ausgerüstete Kunde erhält plötzlich viel mehr Wahlmöglichkeiten. Aber auch für die Unternehmen selbst sind solche Dienste interessant. Zum einen kann der Außendienst damit oft effektiver operieren, hat er doch neben den Kundendaten auch die optimale Route zum Kunden, günstige Übernachtungsmöglichkeiten und lokale Nachrichten stets dabei.

Denkbar ist zudem ortsbezogene Werbung. Diese darf aber nicht als Selbstzweck daherkommen. Sie muss verknüpft sein mit einem Mehrwert. Klassisch geht das über die Dienstleistung, die entweder kostenpflichtig ohne Werbung oder kostenfrei mit dezenter Werbung daher kommt.

Selbst Kulturinstitutionen können sich Location Based Services zu Diensten machen. Das Museum, das auch im Smartphone oder Navi auftaucht, wird sicher in Zukunft mehr Besucher anziehen, als das nicht aufgeführte.

Und unsere sozialen Netwerke können wir in Zukunft mittels Location Based Services viel dynamischer verknüpfen, Treffen werden informeller möglich.

Habe ich in Zukunft Gesprächsbedarf z.B. zu einem beruflichen Problem oder suche ad hoc ein Team für eine bestimmte Aufgabe, ist durchaus denkbar über Dienste wie Foursquare oder Gowalla die Menschen im Freundeskreis zu finden, die für die aktuelle Aufgabe greifbar sind, und ggf. gleich ein Treffen zu vereinbaren.

Und es gibt sicher noch Anwendungsfelder, die noch nicht mal angedacht sind. So kann ich mir einen Dienst vorstellen, der Menschen auffindet, die gerade im befreundeten Umfeld sind und dieselben sportlichen Interessen haben, um z.B. einen Partner für eine bestimmte Sportart zu finden (quasi die Foursquare Tennis App). Ebenfalls gerade im Entstehen ist ein Dienst namens piggyback, der abhängig vom aktuellen Ort Mitfahrer findet und somit die Effizienz des privaten Transports steigern könnte. Ich muss nur prüfen, wer in meiner Umgebung gerade Mitfahrbedarf in eine bestimmte Lokation hat und kann spontane Fahrgemeinschaften bilden.

QR Code von Living the future
QR Code Living the future

Auch Coworking beginnt sich bereits mit mobilen Diensten zu verknüpfen, so daß ich als mobiler Mitarbeiter nicht mehr zwangsweise in die Zentrale kommen muss, sondern mir, z.B. bei Staus auf der Autobahn zum Arbeitsplatz eine vernetzte Arbeitsmöglichkeit in der Umgebung suchen kann und von dort remote arbeiten. Natürlich geht dies einher mit einem „Cultural Change“, denn dann muss es dem

Mitarbeiter auch möglich sein, HomeOffice oder CoWorking in Anspruch zu nehmen. Dies wird aber in unserer sich stark in Richtung Wissensarbeit verändernden Arbeitswelt in Zukunft ein immer geringeres Problem werden.

So wie heute Soziale Netzwerke uns virtuell über Orts- und Zeitgrenzen hinweg vernetzt halten, werden es Location Based Services in der Zukunft auch im realen Leben tun.

Ein ganz neues Konzept sind die sogenannten StickyBits, QR-Codes, die man mit eigenen Informationen befüllt an reale Objekte haften kann. Ausgelesen offenbaren sie dann ihre geheime Botschaft. Hier ein Beispiel:

Ein StickyBit von mir

Der nächste und nur konsequente Schritt wird dann von den Location Based Services zur „Augmented Reality“ gehen. Darüber demnächst mehr in diesem Blog.

„Home is where my hat is“, dieser Satz wird bald eine viel tiefere Bedeutung erhalten.

Update: Noch ein interessanter Artikel, der in eine ähnliche Kerbe schlägt kommt, man lese und staune vom Buchmesseblog unter dem Titel: Vernetzte Welten

Wenn Schule besser motiviert als Unternehmen

Gestern hatte ich eine interessante Erfahrung. Das Gymnasium meines ältesten Sohnes bot einen pädagogischen Abend für Eltern an. Dort wurden verschiedenste Erkenntnisse aus der modernen Psychologie dargeboten, um es den Eltern zu gestatten, ihren Kindern individuell zu helfen. Es kamen Themen auf den Tisch wie extrinsische versus intrinsische Motivation (klares Votum der Lehrer, nur intrinsisch wirkt, extrinsisch ist zum Scheitern verurteilt), es wurden die verschiedenen Arbeitstypen dargestellt (auditiv, visuell etc.) und viele Erkenntnisse, die ich zum ersten Mal vor über 10 Jahren während meines Studiums kennengelernt hatte, als wir im Rahmen des maschinellen Lernens auch neueste Erkenntnisse aus der Psychologie kennenlernten.

(Für alle, die es genau wissen wollen, ich habe Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz studiert, und in der KI war schon vor 10 Jahren Motivation und Lerntechnik und generell die Frage danach, wie das menschliche Gehirn Informationen speichert ein Thema. Vieles von dem, was heute als so furchtbar neu dargestellt wird, ist schon über 10 Jahre alt, nur wollte wieder mal keiner auf die Wissenschaftler hören)

Was mich dabei zum einen freut: Die Schule hat offensichtlich erkannt, dass nicht alle Schüler gleich sind. Das war noch zu meiner Schulzeit so, es gab nicht verschiedene Schüler, alle hatten gleich zu lernen.

Aber leider ist die Arbeitswelt in weiten Teilen noch nicht so weit. Es wird immer noch in vielen Bereichen geglaubt, man müsse jeden Arbeitnehmer „zum Jagen tragen“. Sogar Gewerkschaften glauben, die einzig wirklich gute Motivation ist mehr Bonus, aber natürlich nur ohne weniger Bonus bei Fehlleistung.
Es wird immer noch geglaubt, erl. Arbeit = Mitarbeiterzahl*Zeit.

Dabei ist die Formel weitaus komplizierter und tendiert eher in Richtung: erl. Arbeit = Mitarbeiter*Motivation^2/Kontrolldrang (oder so, Mathe war noch nie mein Fach 😉 )

Ich beneide meinen Sohn ein bisschen ob seiner modernen Schule, die zumindest das Bewusstsein zu haben scheint, dass Lernen und Motivation aus weit mehr besteht als Zuckerbrot und Peitsche! Bei meinem Arbeitgeber sind viele dieser Erkenntnisse auch schon angekommen. Aber – und Achtung, jetzt kommt ein klassischer Spruch – bei mir in der Schule hats das nicht gegeben. Hätte ich das damals gehabt, hätte ich mit Sicherheit leichter gelernt. Das ganze durchschaut habe ich erst im Studium, als ich plötzlich erkannt habe, dass es nicht an mir, sondern and er Methodik gelegen hatte, daran, dass ich ein Mensch bin, der Freiheitsgrade, kreative Freiräume wie die Luft zum Atmen braucht. Seitdem weiss ich, wie ich meine „persönliche Spitzenleistung“ erbringen kann. Nur mein Umfeld ist da manchmal nicht wirklich drauf vorbereitet.

Dan Pink zeigt im folgenden Video, das wieder mal auf der herausragenden Seite von TED zu finden ist, dass die Wissenschaft schon seit Jahren weiss, wie falsch die Wirtschaft oft motiviert, aber permanent ignoriert wird:

Meine pers. Nachricht des Jahres: Das Diplom kommt zurück, Bye, bye Bachelor!

Die Welt schreibt: Technische Hochschulen kehren zurück zum Diplom! STRIIIIKE! Ja! Endlich! Warum um alles in der Welt hat man überhaupt einen weltweit hoch geachteten Abschluss wie das deutsche Diplom gegen einen nichtsagenden, nur halbherzig umgesetzten und völlig verschulten Bachelor geopfert? Warum hat man aus Hochschulen, die wissenschaftliches Arbeiten lehren sollten, Lehranstalten gemacht, die die Schule nur mit anderen Mitteln fortgesetzt haben? Für mich war das wichtigste, das ich während meines NICHT Bachelor Studiums gelernt habe, selbst zu denken, selbst zu recherchieren, einfach eigenständig wissenschaftlich und professionell zu arbeiten. Wissenschaftliches Arbeiten bedingt auch Freiräume, bedingt, die Zeit zu haben, sich auch inhaltlich zu orientieren.
Danke all jenen, die diese Entscheidung tragen. Ich finde, ein sehr richtiger und wichtiger Schritt. Und ich bin begeistert. Das ist für mich die Nachricht des Jahres. Und ich hoffe, sie zieht weitere Konsequenzen nach sich. Ich halte gerade die umgekehrte Strategie für richtig. Warum muss sich die international anerkannte deutsche Wissenschaftslandschaft eigentlich dauernd internationalen Standards anpassen? Machen wir denn so viele so schlecht? Dagegen spricht das Ansehen der deutschen Forscher. Es wäre vielmehr zu wünschen, daß endlich wieder mehr Wissenschaft gefördert wird, mehr Grundlagenforschung anstelle von Pseudoexperten und Pseudowissenschaften. Wer immer noch richtig findet, dass unwirksame Alternativmedizin von meinen Kassenbeiträgen bezahlt wird, aber nicht bereit ist, in fundierte Grundlagenforschung mehr Geld zu stecken, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die besten (Wissenschaftler-) Köpfe ins Ausland abwandern.
Wir werden immer mehr zu einer Wissensgesellschaft. Das wird unser Wirtschaftsgut des 21 Jahrunderts. Wer das nicht begreift, lässt sich international abhängen. Und das wäre das letzte, was wir jetzt brauchen können.

Auch die National Geographic Society nutzt Crowdsourcing

Nachdem ich vor kurzem bereits moonzoo und andere Projekte aus dem Zooniverse vorgestellt habe, jetzt eine neue spannende Anwendung von Crowdsourcing: Mongolia, Valleys of the Khans sucht Freiwillige, die im Rahmen des Crowdsourcing helfen, auf Satellitenaufnahmen historische Objekte zu finden. Das ist für mich immer wieder eine Chance, mein Interesse an Wissenschaft und Forschung im realen Einsatz in den Dienst der guten Sache zu stellen. Schon direkt nach meinem Studium habe ich sowohl zwei Wochen meines Urlaubs als auch über tausend Euro investiert, um damals bei einem Projekt der Earthwatch Gesellschaft bei der Beobachtung von Walen und Delphinen in der irischen See zu helfen. Bis heute verbinde ich mit dieser Expedition ganz besondere Erlebnisse, ganz besondere Menschen, die aus allen Teilen der Welt zusammen gekommen sind, um einem Wissenschaftler zu helfen,Wale und Delphine zu schützen. Und wir durften aktiv mitarbeiten, nicht als „Wasserträger“ sondern mit allen klassischen Mitteln der Forschung! Ich bin immer wieder mit Begeisterung dabei wenn es darum geht, wissenschaftlich zu arbeiten, jenseits von Profitdenken und Return of Investment 😉