Von Warenwerten und wahren Werten

Immer wieder fällt mir auf, wie oft unsere Gesellschaft monetäre Werte über moralische, ethische oder einfach menschliche Werte stellt.

Das beginnt schon bei der Bezahlung, die oft abstrakte Tätigkeiten ohne direkten Nutzen für Menschen (Geldvermehrung) besser bezahlt, als soziale Tätigkeiten.  Wer aber einmal auf die Hilfe von Menschen angewiesen war, wer einmal erlebt hat, welche Opfer dort viele freiwillig bringen und mit welcher emotionalen Beteiligung viele tätig sind, der wünscht sich, dass diese Berufe mehr Relevanz erhalten und damit auch monetär gerechter behandelt werden. Klar gibt es dort, wie auch  in jedem anderen Gebiet auch Menschen, die nicht wirklich begeistert dabei sind. Aber das liegt oft auch genau am Umgang und dem Stellenwert, der diesen Tätigkeiten gegeben wird.

Ebenso unverständlich für mich ist, welche Bereiche und Dienstleistungen oft unter das starre und meist kurzsichtige Regime der Gewinnoptimierung gestellt werden. Ein Krankenhaus hat primär den Auftrag, Menschen zu helfen. Und ein Krankenhaus ist für mich eine gesellschaftliche Instanz, die wir uns auch leisten können müssen, wenn sie nicht nur Gewinne einfährt. Gleiches gilt für viele soziale Dienste.

Gleichfalls nicht nachvollziehbar  ist für mich die oft gespiegelte Meinung der Politik und der Wirtschaft von ihren Bürgern, Kunden oder Arbeitnehmern. Da wird kontrolliert, überwacht, da wird dem Hartz IV Empfänger ein Mißbrauchswille unterstellt, der mit Sicherheit nur bei einer kleinen Minderheit wirklich auf Tatsachen trifft.

Und auch die Medien sind hier nicht müde, immer wieder gerade die negativen Beispiele wie eine allgemeingültige Tatsache darzustellen. Dabei muss ich hier meine Leser enttäuschen. Mir sind schon einige Menschen begegnet, die aus verschiedensten Gründen arbeitslos waren und zum Teil auch bereits in Hartz IV gerutscht. Und ich habe KEINEN EINZIGEN kennengelernt, der nicht glücklich gewesen wäre, statt Hartz IV wieder arbeiten zu dürfen.

Und in wie vielen Unternehmen werden selbst Kreative oder Wissensarbeiter immer noch in Zeitraster gepresst, müssen diverse Tabellen ausfüllen und sich immer wieder rechtfertigen, wenn sie mal bereits eine Stunde früher gehen oder etwas später ins Büro kommen. Wir wollen alle wie Erwachsene behandelt werden, oft kommt es mir aber so vor, als würde man dem Menschen generell misstrauen und glauben, alleine durch Kontrolle und Geld könnten Menschen zur Arbeit motiviert werden.

Zudem halte ich das auf stetiges Wachstum und Spitzenleistungen bedachte Wirtschaftsdenken für hochgefährlich. Jeder weiß, dass in einem begrenzten Raum unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist. Außer die Wirtschaftswissenschaftler und die sogenannten Experten. So lange wir hier immer noch Shareholder Value vor Kundenzufriedenheit, billiges Produzieren vor Qualität für den Kunden und geplante Obsoleszenz vor nachhaltige und dauerhafte Produkte stellen, werden wir weiterhin unsere Ressourcen im Übermaß missbrauchen, weiterhin unsere Umwelt verpesten und weiterhin die Last, die wir eigentlich tragen und erleichtern sollten auf unsere Kinder abschieben und sie immer  mehr belasten.

Wer heute in Werbung oder Medien etwas über Nachhaltigkeit liest, sollte sich immer im Klaren sein. Wirklich nachhaltig wirtschaften und leben wir noch lange nicht. Wir nutzen lediglich den Begriff, um uns gut dastehen zu lassen.

Die Veränderungen, die notwendig sind, um auch unseren nachfolgenden Generationen ein gutes Leben zu bieten, sind viel radikaler in manchen Bereichen, als die Medien und die Politik uns vermitteln. Aber wer auf den eigenen Machterhalt und den eigenen Vorteil bedacht ist, der hat kein Interesse an Veränderung.

Es gibt ganz wenige positive Beispiele von Unternehmerinnen und Unternehmern, die wirklich etwas bewegen wollen. Aber so lange die Gesellschaft immer noch so bequem und am Status Quo hängend ist, wird sich nicht viel ändern.

Wir predigen Wasser und trinken noch viel zu oft teuren Wein. Denn der Mensch soll doch bitte am besten genormt, bereit für jegliche noch verfügbare Arbeit sein, das natürlich so früh wie möglich und so lange wie möglich, dabei aber für einen Hungerlohn arbeiten, dennoch jeden Quatsch konsumieren und gleich wieder wegwerfen, den die Konzerne auf den Markt bringen, Kinder bekommen, danach sofort wieder arbeiten und am besten sobald er in Rente geht sofort tot in die Kiste fallen. Ein genügsames aber gutes Leben ist nicht vorgesehen.

Und ich muß nochmal eine absolute Leseempfehlung anbringen: „Why work sucks and how to fix it“ von den Erfinderinnen des „Results only Work Environments“ ist extrem empfehlenswert für jeden, der das Gefühl hat, dass die Arbeitswelt eher einem Irrenhaus gleicht. Und wer dann noch lachen will, dem empfehle ich: „Ich arbeite in einem Irrenhaus„.

Whatsapp, Facebook und die Sache mit dem Datenschutz

Wie unter anderem auch in der letzten Ausgabe der Computerbild zu lesen war (siehe Titelbild), weißt die sehr beliebte Anwendung whatsapp eine eklatante Sicherheitslücke auf, die es ermöglichte, sämtliche SMS mitzulesen. Das ist zum einen ein Unding, da es heute für jeden halbwegs seriösen Softwareentwickler Ehrensache sein sollte, seine Anwendungen so sicher wie möglich zu gestalten.

Zum anderen zeigt es mir aber auch, dass offensichtlich immer noch viele Nutzer wenig bis gar nicht über die Sicherheit der eigenen Daten nachdenken. Man mag mir jetzt sagen, ja, aber ich schicke da ja auch nichts sensibles. Aber wer kann das schon von seinem Gegenüber behaupten?

Man muss sich immer bewußt machen, welches Medium man für welche Art der Kommunikation verwendet. Blackberries senden oft über Server in den USA und dort ist der Umgang mit dem Datenschutz etwa so vertrauenswürdig wie in China. Für mich gilt deshalb. Entweder, was ich über solche Dienste versende ist so unverfänglich, dass es getrost mitgelesen werden kann, oder ich verwende dieses Medium nicht bzw. sorge selbst für Datensicherheit zum Beispiel durch Mails mit digitaler Signatur oder gleich verschlüsselten und gepackten Archiven.

Dann liest sich die Schlagzeile auch gar nicht mehr so schlimm. Denn letztlich stelle ich ja auch auf Facebook keine vertraulichen Daten, und poste nichts, was ich nicht auch auf einer Plakatwand lesen wollte.

Und wenn mir der eine oder andere vorwirft, durch meine extensive Verwendung von Google Diensten würde ich Google all meine Daten überlassen, dann kann ich nur sagen, ja und? Das Geschäftsmodell von Google besteht darin, aus den Daten für Kunden optimale Werbeplatzierungen zu verkaufen, nicht, meine Daten zu verhökern und damit aus der eigenen „Kontrolle“ zu geben. Auch das Management von Google weiß, dass, sollte ein solcher Datenverkauf ruchbar werden, und in Zeiten von Wikileaks und Social Media Shitstorms würde das früher oder später passieren, das Geschäftsmodell von Google von heute auf Morgen tot wäre, ebenso wie Google+ und Android als Plattform.

Insofern, lieber nutze ich die großen Player, auf die alles kritisch blickt, als kleine Dienste, die so gut wie gar nicht in den Augen der Öffentlichkeit erscheinen.

 

Wo bleibt der Return Of Happiness Index für die Wirtschaft?

Alle sprechen über Bruttoinlandsprodukt und Return of Investment. Dabei gibt es bereits erste Regierungen, die diesen rein wirtschaftlichen Wert hinterfragen und auch erste Unternehmen wirtschaften nicht alleine nach dem ROI Prinzip.

Was mir im gesamten momentanen Wirtschaftsdenken fehlt, ist der Return of Happiness, der Zufriedenheitsfaktor innerhalb eines und mit einem Unternehmen. Dieser Index wäre zwar deutlich schwerer zu erstellen, aber weitaus umfassender, nachhaltiger und ehrlicher. Denn er würde auch einschließen, wie das Unternehmen mit seinen Kunden umgeht. Ob es alleine auf Gewinne abzielt oder auch nachhaltig wirtschaftet. Ob seine Produkte gut für Mensch und Umwelt sind. Und natürlich auch, ob seine Mitarbeiter glücklich, zufrieden und gesund sind.

Aber wahrscheinlich gibt es diesen Index einfach deshalb nicht, weil dann die überwiegende Mehrheit der momentanen Unternehmen,und hier vor allem der Großkonzerne gnadenlos durchfallen würde. Greenwashing ist NICHT greenthinking. Vertrauensarbeitszeit ist nicht eregebnisorientierte Arbeit. Gewinnmaximierung für die Shareholder ist nicht Nutzen erbringen für die Allgemeinheit.

Wir sollten nicht versuchen, die bisherigen Meßmethoden zu optimieren. Wir sollten sie in Frage stellen und nach neuen, umfassenderen Betrachtungsweisen suchen.

Unternehmerinnen wie @manomama oder Banken wie die GLS machen es vor, dass es mehr gibt, als den ROI. Aber leider sind das immer noch Einzelfälle, die Mehrheit redet sich mit dem Globalisierungszwang heraus.
Und das muß nicht zwangsläufig heißen, dass solche Unternehmen keine Gewinne mehr machen. Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass solche Unternehmen längerfristig erfolgreicher sind, weil die Kunden und Mitarbeiter loyaler zu ihnen sind.

Wir dürfen nicht vergessen, dass diejenigen, die die aktuelle Krise mit verschuldet haben, immer noch in den gleichen Positionen sitzen und mit den gleichen Denkmustern des Profits und der Humanressource weiterwursteln. Und auch in Bildung und Erziehung besteht das hauptsächliche Denken darin, wie der arbeitsfähige Mensch dem Arbeitsmarkt zugeführt werden kann und der nicht mehr arbeitsfähige möglichst kostengünstig ver- bzw. entsorgt. Klingt hart, ist aber leider so. Denn schon die Bezahlung und die Wertigkeit mancher Berufe zeigt dies. Ich wage zu bezweifeln, dass der Staat einen Rettungsschirm für das marode Gesundheitssystem einführen wird, aber Banken, die nichts für die Gesellschaft leisten, außer am Geld der Kunden zu verdienen, dürfen vom Steuerzahler gerettet werden.

Aber wie lange noch, denn wir als Verbraucher können etwas ändern. Dazu kann ich nur nochmals das Video „The story of change“ empfehlen:

Weniger ist mehr. Neue Modelle der Arbeit jenseits von 9-17 Uhr

Es kommt nicht darauf an, wann, und wo ich arbeite, sondern was. Wissensarbeiter wissen das, wissen das auch die anderen?

Das Phänomen des Downshifting hat wieder mal ein Management Magazin entdeckt: CIO titelt: „Downshifter: Katastrophe für Firmen – 11 Arbeitstypen der Zukunft“.

Nun sollte man das ganze nicht gleich wirklich als Katastrophe sehen, sondern vielmehr als Chance. Als eine Möglichkeit, gerade die High-Performer, wie sie so schön im neudeutschen Managementsprech heißen, also die Leistungsträger zu halten. Denn diese sind immer weniger bereit, nur ihre Leistung bereitzustellen und dafür oft nur fremdgesteuert als Befehlsempfänger agieren.

Diese Leistungsträger sind zudem oft auch nicht bereit, sich in starre, traditionelle Machtgefüge einzubringen, in denen die Karriere oft durch Beziehungen und Sichtbarkeit bestimmt wird.

Sie wollen sich mit ihren Talenten verwirklichen, und da das in unserer starren, prozessorientierten und optimierten Zeit leider viel zu selten möglich ist (denn die meisten Prozesse werden optimiert, wo sie vielleicht besser ganz abgeschafft werden sollten, weil überflüssig), suchen sich diese Menschen ihre „Erfüllung“, ihre Bestätigung jenseits des 9-17 Uhr Jobs. Zumal sie in vielen Firmen auch noch in starre Korsette von Zeiterfassung und permanenter Leistungsrückmeldung gezwungen werden. Wir bewegen uns, ich wiederhole es immer wieder gerne, hin zu einer Gesellschaft von mehrheitlich Wissensarbeitern, und nur, weil es auch immer noch Handwerk und Dienstleistung gibt, den Wissensarbeitern ihre ganz eigenen Arbeitsweisen und Arbeitsmodelle abzusprechen, ist extrem kurzsichtig.  Gerade in der Wissensarbeit zählt nicht die Zeit, sondern das Ergebnis.
Dort ist oft wichtiger, effektiv das richtige zu tun, als die Dinge zwar richtig zu tun, aber nicht die richtigen, die zielführenden Dinge, sondern die, die man „schon immer so gemacht hat“.

Gerade in der heutigen aufs Messen von Leistung fixierten Gesellschaft, drohen genau jene auszubrennen, die für die Arbeit brennen, die was sie tun mit Freude und Leidenschaft tun. Die ständig wachsenden Burn Out Fälle sind für mich hier nur ein Indiz. Oft bleibt den Menschen nur die Wahl, sich entweder komplett aus dem verbrennenden Prozess oder Unternehmen auszuklinken, oder zum „Downshifter“ zu werden. Aber damit verlieren Unternehmen gerade die entscheidenden Know How Träger, und demotivieren durch immer höheren Druck, der oft zwar ausgehalten aber nicht abgebaut werden kann. Bis zum Punkt des Burn Out.

Wir sollten endlich einen Schritt zurück tun und die Geschwindigkeit der Arbeitswelt den Menschen anpassen, statt zu versuchen, die  Menschen immer schneller arbeiten zu lassen. In der Ruhe liegt die Kraft. Selten war es so wichtig, sich solche banalen aber richtigen Sinnsprüche immer wieder vor Augen zu führen, wie heutzutage, wo viele Menschen Gesundheit und Privatleben der immerwährenden Beschleunigung opfern.

Es ist weder das Internet, noch die Menge an Information, die die Menschen streßt. Es ist die Beschleunigung des Berufslebens, also dessen, woran die Existenz hängt. Mach mit oder fall raus. Dieses Credo gilt leider immer noch im ewig beschleunigenden Arbeitsleben. Und immer mehr fallen raus oder wenn sie die Erkenntnis rechtzeitig haben, klinken sich, z.B. durch Downshifting auf ihre Art aus dem idiotischen, unvernünftigen und krank machenden Hamsterrad aus. Sie mögen in den Unternehmen für die im alten Denken verhafteten als „Faulenzer“ als nicht an Karriere interessierte gelten. Sie sind aber die eigentlich intelligenten Mitarbeiter, weil sie für sich erkannt haben, dass Leistung auf Dauer nur geht, wenn die Flamme zwar brennt, aber nicht auf höchster Stufe.

Und hier steckt auch das, was mich eigentlich bewegt, mich mit den Arbeitsmodellen der Zukunft zu befassen. Ich erhoffe mir einen Trend zur Nachhaltigkeit, auch im Umgang mit der eigenen Arbeitskraft. Das kann aber letztendlich am besten nur dann funktionieren, wenn der Mitarbeiter Freiheitsgrade hat, wie sie heute für viele undenkbar sind. Ja, der Mitarbeiter muß Mitunternehmer werden. Aber er muß dann in Konsequenz auch mit sich selbst und seinen Ressourcen so haushalten lernen, dass er brennt, aber nicht verbrennt oder erlöscht.

Schwierig, aber kulturell denkbar, wenn wir Arbeit und Leistung in der Gesellschaft neu bewerten, wenn wir uns von der Leistung = Arbeit*Zeit verabschieden.

 

Scheinheilige Politik und von Lobbyisten gelenkte Gesetze. Wenn man von Politikern ent aigner t wird. Das neue Meldegesetz

Wir erinnern uns: Ilse (Ent-)Aigner wetterte gegen Facebook wegen bedenklichen Datenschutzverhaltens. So sagte sie in einem Interview mit der Zeit„Bei Facebook sehe ich viele Fragezeichen“.Und es ist genau die Regierung zu der sich die liebe ?? Frau Aigner auch zählt, die jetzt, auf Druck von Lobbyverbänden den Einwohnermeldeämtern Adresshandel erlaubt. Denn nichts anderes ist es, was nun in einem Gesetz versteckt mal wieder am Bürger vorbeigeschleust werden soll. Ihr ärgert euch über Bürger, die euch beschimpfen und mit Shitstorms überziehen? Wer so regiert und so Lobbyabhängig geworden ist, hat es nicht anders verdient. Tut mir leid, aber mein Mitleid hält sich in fast nicht mehr meßbaren Grenzen! Tja Frau Aigner, bei Ihnen und ihren Regierungskollegen sehe ich eigentlich schon keine Fragezeichen mehr sondern Ausrufezeichen der Wut.

Gehts noch? Facebook beschimpfen aber selbst genau so handeln? Da wird Wasser gepredigt und nicht nur Wein, sondern sogar Champagner genippt. Vermutlich von den Lobbyverbänden gestiftet. Respekt, für so dreist hätte ich unsere Regierung nicht gehalten.

Update: Übrigens, anders als bei Gesetzen, die dem Bürger einen Nutzen bringen, und über die dann monatelang ergebnislos debattiert wird, brauchten unsere Volksverscharerer für dieses Gesetz nur 57 Sekunden, bis es beschlossen war!

Ein Plädoyer für mehr Bildung

Je häufiger ich über neue Reformen, die Effekte des Bachelor/Master Systems oder ein 12 jähriges versus ein 13 jähriges Gymnasium lese, um so häufiger frage ich mich, warum wir eigentlich immer nur über die Form, und so selten über die Inhalte diskutieren. Bei dem, was gelehrt wird, scheint man mittlerweile zu dem Konsens gekommen zu sein, dass nur was später im Beruf auch nützlich ist, lehrenswert ist.

Aber wo bleibt da die Kultur, die Ethik, der Sinn für imaterielle Werte? Sicher, es gibt diese Fächer wie Kunst, Musik, Ethik/Religion noch. Aber wie sagte mein Sohn neulich, sehr klar das Prinzip Ausbildung durchschauend. Mist, jetzt hab ich ne 1 in Kunst, in so nem Fach, das mir später gar nix bringt.

Ist es nicht traurig, wenn schon in der Schule nur noch jene Fächer als wertvoll angesehen werden, die auch „für den Beruf“ nützlich sind? Wenn alles sich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien ausrichtet (die übrigens eine Mitschuld an der aktuellen Misere tragen). Ich wage zu bezweifeln, dass soziales Denken, Nachhaltigkeit oder auch bewußter, vernünftiger Konsum es leicht haben, in Curricula integriert zu werden. Diese Themen locken halt keinen Hund(t) hinterm Ofen vor, wenn es später um den Beruf geht. Dabei denke ich gerade in unserer vernetzteren, komplexeren Welt bedarf es mehr soft skills, mehr über den Tellerrand schauen und ja, auch mehr kulturellem Verständnis. Bildung ist eben nicht nur Ausbildung zur Berufsbefähigung sondern Bildung fordert den reifen, den gereiften Menschen, der reflektieren, hinterfragen kann.

Aber wahrscheinlich wäre so jemand ja eigentlich eher hinderlich in der Wirtschaft, oder?

Immer wieder wird in der Wirtschaft der Ruf nach innovativen Ideen laut, nach Querdenkern. Aber woher sollen die denn bitte kommen, wenn man ihnen in den Bildungsanstalten oder heute besser Ausbildungsbetrieben (dazu zählen auch Universitäten mittlerweile, seitdem der Bachelor mehr den Charakter einer Schulausbildung hat)  nur für die berufliche Erwartungshaltung der Topmanager aubildet? So lange Ausbildung sich an dem orientiert, was die Wirtschaftsverbände fordern, wird es hier kaum Besserung geben, mal abgesehen von ein paar wenigen mutigen wie der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, die zumindest ein  individuelles Profilstudium mit interdisziplinären Lehrveranstaltungen in den Bereichen Individual-, Sozial-, Fach-, Methoden- und Medienkompetenzen anbietet.

Schön zu lesen dazu unter anderem auch immer wieder die Kolumne von Gunter Dueck, aktuell passend:

Über Bildung, Schulvollpfropfen und Bachelorziegelsteine (Daily Dueck 168, Juni 2012)

Das neue Leistungsschutzrecht. Zitiert, so lange es noch geht

Wenn man sich den Gesetzsentwurf zum neuen Leistungsschutzrecht ansieht, ist das ein Totalangriff auf alle, die im Netz auch nur ansatzweise professionell bloggen. Selbst wenn ich nur auf meinem privaten Blog auch Werbung schalte, kann ich von der Contentmaf.. aeh von den Verlegern schon abgemahnt werden.

Das kann nur eines heißen. Wir müssen dagegen angehen. Wir müssen aufklären, die Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass wir bald wieder in einer Welt leben, in der nur durch die offizielle (Staats?-)Presse Informationen verteilt werden und jeder, der dazu im Netz eine eigene Meinung kundtun, mit dem Damoklesschwert der Abmahnung bedroht wird.

Udo Vetter hat hierzu unter dem Titel: Digitial kastriert eine sehr gute Analyse geschrieben.

Wer denn Gesetzentwurf direkt nachlesen will, findet ihn hier: http://www.irights.info/userfiles/RefE%20LSR.pdf

Und hier kann man eine Petition gegen das verschärfte Leistungsschutzrecht mitunterzeichnen: http://openpetition.de/petition/online/freiheit-im-internet-das-mindestmass