Wenn der Körper den Geist stoppt: Burn Out, Trendthema?

Ich wundere mich.

Nicht über den Burn Out als solchen. Den habe ich höchstpersönlich durchlebt und ich empfehle ihn niemandem. Es ist keine schöne Erfahrung. Aber es repositioniert einen auf eine sehr direkte und deutliche Art.

Was mich verwundert ist die Massivität, mit der plötzlich über dieses Phänomen in den Medien berichtet wird. Aktuell in der „Zeit“ und das prominent als Titelthema.

Woran liegt es, daß dieses Thema immer häufiger auftritt? Haben sich die Burn Out Opferzahlen erhöht? Oder kann es sein, daß man einfach den Burn Out mittlerweile ernst nimmt? Ich denke, es ist eine Mischung. Die heutige Arbeitswelt ignoriert oft den Menschen und sieht nur das „Humankapital“. Wo nur noch die Rendite im Fokus steht, verliert sich der Mensch.

Und Burn Out ist ein schleichender Prozess. Etwas, das meist die High Performer trifft. Also kann sich jeder so dumme Sprüche sparen wie, na, zu faul zu arbeiten? Meist entsteht ein Burn Out aus einer selbstgemachten Überforderung. Ich bin z.B. Informatiker. Aber nicht als Beruf, sondern als Berufung. Ich habe Freude an neuen Technologien. Ich probiere neues gerne aus, möchte mich beständig verbessern, andere Gebiete kennenlernen. Das an sich ist nichts schlechtes. Aber ich bin auch Perfektionist. Entweder, ich mache etwas ganz, oder gar nicht. Und genau hier liegt der Auslöser für meinen persönlichen Burn Out. Oder besser, er liegt knapp 7 Jahre zurück. Da hatte ich ein sehr unerquickliches Gespräch über mein Selbstbild versus dem Fremdbild, das angeblich andere von mir hatten. Wie sich erst Jahre später herausgestellt hat, hat da wohl mit dem Fremdbild der einen Person, die mit mir dieses Gespräch führte, einiges nicht gestimmt.

Das schlimme war nur, daß damit der Kern dessen in Frage gestellt wurde, was mein Leben, meine Leidenschaft ausmacht. Mein Interesse an Informatik und neuen Technologien. Letztendlich war es damals wohl eine Mischung aus Neid, Oberflächlichkeit und Ignoranz, aber das war der erste Riss, der mich in eine Burn Out Spirale trieb. Von da an war ich mit keiner meiner Leistungen mehr wirklich zufrieden. Ein erfolgreiches Projekt. Ach was, das wäre auch noch besser, schneller effizienter gelaufen? Eine neue Fähigkeit? Ja, aber nicht so perfekt, wie eigentlich geplant.

Das war dumm. Sicher, aber zu meinem Perfektionismus kam bislang auch die Unfähigkeit, „NEIN“ zu sagen. So entstand eine selbstgemachte Spirale von Leistung, Unzufriedenheit und weiterer Mehrleistung.

Das Projekt, das meinen Zusammenbruch erleiden musste, konnte letztlich gar nichts dafür, es war nur der letzte Tropfen. Mein Körper wollte nicht mehr. Zusammenbruch. Blutdruck 190 zu 99.  Gott sei Dank haben wir in unserer Firma eine Betriebsärztin, die sich mit diesen Themen auskennt und die mich sofort nach hause schickte und gleichzeitig zu einer Therapie verdonnerte. Das war ein Schock. Schon alleine, weil ich ja nicht krank war! Ich bin nicht verrückt (ist man mit Burn Out auch nicht, aber man sieht selbst seine Grenzen nicht mehr). Erst in langen Gesprächen wurde mir klar, dass ich mir hatte eine ganze Menge einreden lassen. Dass ich mich mittlerweile selbst viel schlechter sah, als ich eigentlich war und dass ich vor allem wieder Grenzen setzen musste in dem, was andere von mir fordern durften.

Was habe ich geändert? Ich habe endlich gelernt, nein zu sagen, nicht alles einfach anzunehmen und zu schlucken. Ich bin ab und zu auch mit 100% zufrieden, nicht mit 120% 😉 (an den 80 % arbeite ich noch). Ich achte wieder zuerst auf mein Selbstbild, bevor ich mir andere Fremdbilder aufprojezieren lasse. Und ich gönne mir konsequente Auszeiten. Überstunden ja, aber nur wenn auch notwendig. ich stehe wieder zu meinen Interessen. Auch wenn man mich jetzt wieder mit „Geek“ und „Gadget Freak“ betitelt. Ich lebe Informatik und damit muss meine Umwelt halt leben. Auch dieser Blog ist quasi Teil der Therapie. Themen, Fundstücke, die in meinem direkten Umfeld niemanden interessieren, die hinterlege ich hier.
Und ganz wichtig. Zuerst um sich selbst kümmern. Denn nur, wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, kann ich auch meine Umwelt akzeptieren!
Und auch wichtig, auf die Symptome achten!
Ständig müde, permanent gehetzt, plötzlich vermehrte Gesundheitsprobleme. Erste Alarmsignale. Kommen dann noch Gereiztheit, agressives Reagieren auf Kritik und ständige unbestimmbare Angst (oft existenzielle Angst) dazu, ist ein offenes Gespräch mit dem Arzt dringend angeraten. Ich hatte Glück und bin nicht körperlich komplett zusammengebrochen. Aber wenn es erst so weit ist. Dann fällt man richtig lange aus.

Ein Film als Social Media Experiment: „Life in a Day“

Interessantes Experiment, wenn wirklich hinreichend viele Menschen mitmachen: „Life in a day“

Der 24. Juli soll via grossem crowdsourcing Experiment in einem Dokumentarfilm festgehalten werden.

Wie kann man mitmachen? Am 24. Juli hat jeder 24 Stunden Zeit, einen Ausschnitt seines Lebens aufzunehmen und auf YouTube im „Life in a Day“ Channel bereitzustellen.

Kevin McDonald, der mehrfache Oscar Gewinner wird dann die besten Aufnahmen zu einem Dokumentarfilm zusammenstellen. Dieser wird von Ridley Scott produziert. Präsentiert, wird der Film dann auf dem berühmten Sundance Festival 2011. Wer einen Ausschnitt beigesteuert hat, der es in den finalen Film schafft, wird in den Credits genannt und gehört vielleicht sogar zu den 20 ausgewählten Beitragenden, die bei der Premiere anwesend sein werden.

Ich finde, ein spannendes Konzept und ich werde sicher einen kleinen Beitrag dazu steuern.

Was ist nur mit Microsoft los? Verlassen die Kunden den sinkenden Marktführer?

Heute gleich zwei interessante Meldungen in meinem Google Reader Stream.

Die Zeit meldet: Microsoft stoppt KIN. Das war eigentlich Microsofts Antwort auf Googles Nexus One und das IPhone? Ok, es gibt noch andere Geräte mit Windows Mobile aber das ist kein gutes Signal für Microsofts Position auf dem Smartphone Markt. Parallel dazu ist zu lesen, daß IBM seinen Mitarbeitern die Verwendung des Firefox verordnet. Nun gut. Mir ist der Firefox mittlerweile zu langsam geworden und ich nutze lieber Google Chrome. Aber auch hier wendet sich ein langjähriger Partner mit Signalwirkung einem anderen Produkt zu, und das firmenweit. Nun darf man nicht vergessen, dass immer noch Microsoft Windows auf den meisten PCs läuft und auch in zumindest naher Zukunft laufen wird. Aber es scheint, daß immer mehr auch globale Player mittlerweile merken, daß man nicht zwangsweise auf Microsoft setzen muss, daß auch andere Mütter schöne Töchter haben.

Ich bin gespannt, wie der gesamte IT Markt in etwa 10 Jahren aussieht, ob dann Microsoft immer noch der grosse Marktführer sein wird, wage ich schon heute zu bezweifeln. Da bis dahin viele Dienste in die Cloud gewandert sein werden, gehe ich von einem zersplitterten Markt aus, weil es dann nicht  mehr wichtig ist, welches OS auf dem Device läuft, sondern welche Dienste ich mir im Netz abonniert habe.
Und meine ganz spezielle Vision: Das Smartphone wird auch den Desktop beherrschen. In Zukunft haben wir nur noch ein Device, das zu hause in ein Dock gesteckt wird, an dem Tastatur und Bildschirm hängen. Denn mit immer stärkeren Prozessoren sind die Smartphones von heute schon zu Dingen in der Lage, die bis vor kurzem nur ein grosser Desktop PC leisten konnte.

Ich bin nicht gegen Windows, ich bin für Linux

Auch wenn sich sicherlich einige jetzt wundern werden. Ich habe nichts gegen Windows. Ich bevorzuge einfach Linux, weil es mir die Möglichkeiten und Optionen bietet, die ich für mich als wichtig erachte. Es hat weniger Virenprobleme, läuft ressourcenschonender. Aber wenn es Anwendungsgebiete gibt, bei denen ich Windows benötige, dann nutze ich es auch. Denn letztlich behindert einen jeglicher Dogmatismus in der täglichen Arbeit. Alles in allem sollte man primär dafür sorgen, daß die Hardware, die man einsetzt optimal genutzt wird. Und wenn das heisst, Windows zu nutzen, oder MacOS, dann ist auch das angebracht. Mir persönlich ist Linux angenehmer und lieber, aber auch hier laufen Rechner gelegentlich unter Windows, Dualboot sei dank. Optimal wäre meiner Ansicht nach in jedem Computerladen drei gleichwertige PCs, jeweils mit Windows, MacOS und Linux, damit jeder Anwender sich persönlich und objektiv an den Geräten ausprobieren und dann entscheiden kann. Fanboys sind immer subjektiv und viel zu extrem, egal aus welchem Lager sie kommen.

Die TAZ zieht sich aus dem Bookstore des IPads zurück

taz nicht mehr als iBook
Und warum? Nun, scheinbar konnten neue Ausgaben nicht schnell genug im Store bereitgestellt werden. Das halte ich aber angesichts der heutigen schnelllebigen Zeit für merkwürdig. Da wird ein Gerät gerade mit der Möglichkeit beworben, darauf auch Zeitungen zu lesen und dann braucht es mehrere Tage, bis die neue Ausgabe online erscheint. Wenn ich schon eine Zeitung online lese, erwarte ich eigentlich, dass sie zumindest zeitgleich mit der Printausgabe verfügbar ist, wenn nicht für Abonnenten sogar etwas früher. Insofern ist das ein klares No Go. Wie mir scheint schlägt jetzt auch hier langsam die Realität durch, nachdem der erste Hype verklungen ist. Warten wirs ab, wie sich die Konkurrenz aufstellt. Ich für meinen Teil freue mich jeden Morgen parallel zur Printausgabe auf mein ePub eBook der Zeit, dass ich mir morgens runterladen und gleich mitnehmen kann.
Allerdings auf einem klassischen eBookReader, der mehrere Wochen durchhält, ein entspiegeltes angenehmes Schriftbild hat und auch andere Formate ohne Probleme übernimmt.

Wir drucken die Wälder leer, obwohl es besser ginge

Nicht überraschend titelt die Computerwoche:
Studie zum Druckverhalten
Deutsche sind Europas Papierverschwender
. Das ist richtig, aber daran sind wir selbst schuld. Wer so technophob ist, daß er jede Mail, jeden Foliensatz nochmal auf Papier haben will, wer sich nicht vorstellen kann, Dokumente auf einem eBookReader zu lesen, der braucht sich auch nicht zu wundern. Es wäre ohne Probleme möglich, eBookReader mit WLan in Unternehmen einzusetzen, um Dokumente direkt als PDF dorthin zu transferieren. Viele EMails werden nur ausgedruckt, weil der einzige PC ein Desktop PC ist, und man nicht z.B. einen kleinen Netbook mit ins Meeting nehmen könnte. Wenn ich ins Meeting mit meinem TabletPC gehe, werde ich schief angeschaut und man lästert über mein Spielzeug. Also ist ja wohl klar, woher diese Papierverschwendung kommt. Wir könnten schon längst weitestgehend papierlos arbeiten. Nur der Wille fehlt, und der Mut, auch mal Technik einzusetzen, die es schon lange gibt. Selbst der neue Trend zu Tablets wird hier sicher nichts verbessern. So lange man noch ernster genommen wird, wenn man mit Papier und Bleistift im Meeting oder am Arbeitsplatz umgeht, so lange wird sich hier nichts ändern. Im Gegenteil, es wird noch schlimmer werden, da das Informationsaufkommen ja immer höher wird.

Das Bild vom Wissenschaftler und warum wir normale Menschen sind

Eine schöne Geschichte habe ich bei Astrodicticum Simplex enteckt: Kinder stellen fest: Wissenschaftler sind ganz normale Menschen
Dort wird berichtet, dass Kinder die Wissenschaftler am Fermilab besuchen durften und über ihr Bild vom Wissenschaftler zuvor und danach befragt wurden. Schöne Geschichten, die da herauskamen.
Als Wissenschaftler find ich das schon deshalb amüsant, weil viele in meinem Umfeld gar nicht wissen, daß ich Wissenschaftler bin, bzw. denken, als Wissenschaftler müsste man an einer Universität oder einem Labor arbeiten. Wissenschaftler zu sein, ist aber vielmehr eine Geisteshaltung, eine Einstellung zum Leben. Es beinhaltet die Lust Fragen zu stellen, nach Antworten zu suchen, sich selbst und seine Arbeit immer wieder zu hinterfragen.
Es bedingt, dass man offen ist für neue Ansichten, daß man Freude an Wissen und Fakten hat. Schon deshalb bin ich auch Skeptiker, weil wir heute in einer Zeit leben, in der erstaunlicherweise Technophobie und der Glaube an esoterische Pseudowissenschaftler noch erschreckend weit verbreitet ist. Ein Wissenschaftler ist jemand, der Wissen schafft. Der sich nicht mit Halbwahrheiten und Pseudowissen abgibt.
Insofern sind wir schon etwas anders, wir wollen die Wahrheit wissen, auch wenn es unangenehm sein kann.
Allerdings gebe ich zu, daß es schwieriger sein kann, einen Wissenschaftler in einem „normalen Unternehmen“ zu beschäftigen. Dort zählt der Status Quo, dort geht es eher um Macht und Kontrolle und wer da zu viel fragt, fällt eher negativ auf. Da muss man als wissenschaftlich denkender Mensch so seine Strategien entwickeln. Hier gilt für mich:

„There are two kinds of people, those who do the work and those who take the credit. Try to be in the first group; there is less competition there.“ Indira Gandhi

Ich fühle mich in der „do the work“ Kategorie mittlerweile sehr wohl. Und wissenschaftlich arbeite ich dann halt eher in meiner „Freizeit“. Aber ganz wichtig. Wissenschaftler sein ist eher eine Geisteshaltung denn eine Berufsbezeichnung.

Mit Verlaub Google, eure Fernlöschaktion war dämlich und Wasser auf die Mühlen der Google Gegner.

Ich gebe zu, ich mag mein Android Smartphone. Es ist schnell, quelloffen und bietet geniale Funktionen. Und das Google genauso wie Apple zur Not auch Anwendungen aus der Ferne löschen kann, war mir bewusst, und bei der Wahl von Pest oder Cholera entschied ich mich für den weniger zensierenden Laden.
Aber jetzt eure Remote Lösch Funktion auszuführen war fast so dumm wie die Aktion von „Amazon“ wegen 1984. Oder die Zensur von Apple bei seinen Apps wenn es um leichtbekleidete Damen oder Bilder von Kriegsgewalt geht.
Im heutigen IT Markt geht es um Reputation, um Glaubwürdigkeit. Und mit dieser Aktion habt ihr euch einen riesen Teil eurer Reputation in der Smartphone Szene verscherzt. Böser Fehler, ganz böser Fehler. Jetzt werden sich sicherlich viele überlegen, wo da noch der grosse Unterschied zu Apples rigider App Store Politik ist. Denn wer fehlerhafte Software aus der Ferne löschen kann, kann das auch mit unliebsamer Software machen.

#epicfail