DER Social Media Hack. Die New York Reise, die nie stattfand

@mahrko ist ein sehr sympathischer befreundeter Blogger und für seine kreativen Ideen bekannt.
Vor ein paar Tagen berichtete er ausführlich von seiner Stippvisite in New York, komplett mit Checkins, Blogbeiträgen, Bilder und Tweets. Der Gag? Er war gar nicht dort. Das ganze fand komplett virtuell statt und wie er es realisiert hat, lässt sich in seinem Blog mahrko – co2-neutral durchs web nachlesen. Ein genialer Hack und für mich hat @mahrko hier den Finger in eine elementare Wunde sämtlicher Social Media Sites und Tools gelegt. Mit etwas Geschick und Fantasie lassen sich die Werkzeuge austricksen. Im Falle von @mahrko eher Resultat einer amüsanten Wette aber was könnte sich daraus entwickeln? Im „ungefährlichsten Fall“ eventuell das beschönigen des eigenen Profils im Social Web, was manche Social Media Experten eh schon empfehlen. Anstelle peinlicher persönlicher Details kann man seinen Auftritt im Web bewußt schönfärben und muss dazu nicht ein mal lügen. Viel schlimmer könnte so etwas allerdings enden, wenn es einem Hacker gelingt, die Identität eines anderen Users z.B. auf Facebook zu rauben und dann an Orten einzuchecken, die für den Identitätsberaubten unangenehm, ja sogar gefährlich werden können. Einchecken in Waffenläden, in, sagen wir, zweideutigen Etablissements wären wohl noch das geringste.

@mahrkos Hack ist insofern wichtig, weil er aufzeigt, wie schnell wir uns in Social Media blenden lassen. Auch ich habe geglaubt, @mahrko wäre tatsächlich nach New York geflogen, zumal er auch die Checkins an den einzelnen Zwischenstationen (Flughafen, Bahnhof) sehr gut gefaket hat. Hier müssen offensichtlich die Dienste wie Foursquare und auch Facebook noch deutlich an ihren Kontrollmechanismen arbeiten.

Nichts desto trotz, Gratulation an @mahrko für diesen sehr gelungenen Hack!

Das Literaturcafe über die Tagebücher des Samuel Pepys

Bin gerade krank im Bett, deshalb zur Zeit keine neuen Artikel: Daher in der Zwischenzeit ein Link zu einer Rezension meiner aktuellen Lieblingslektüre, den Tagebüchern des Samuel Pepys in der vollständigen Übersetzung von Haffmanns/Tolkemit,
mein Fazit vorneweg. Absolut gelungen, bin jetzt im Juni 1661 angekommen. Es ist, als wäre man direkt dabei, Charles der II würde gerade zum König von England gekrönt, Pepys beginnt, sich in seinem Leben einzurichten und auch der Lebemann blitzt langsam durch. Die Übersetzung ist sehr gut gelungen, das ganze lässt sich erstaunlich flüssig lesen und ist wie ich finde ein einmaliges literarisches Zeugnis der damaligen Zeit und einfach ein grosser Lesespaß für jeden, der sich auch nur ein wenig für authentische Geschichte aus erster Hand begeistern kann.

Die Demokratisierung des Wissens. Eliten und die Angst vor dem Netz

Ein interessantes Fundstück bei ZEIT Online. „Die Stunde der Laien„. Der Artikel behandelt die neue „Macht“ des Durchschnitssusers, der im Netz mit seiner Expertise gefragt ist, jenseits von Titeln und Jobbezeichnungen. Hier machen sich dann die wirklichen „Fachleute“ oft Sorgen über die Qualität der Informationen.

Lächerlich, wie ich finde. Schon heute erlebe ich es immer wieder, daß in Zeitungen teilweise von den Fachredakteuren grosser Humbug veröffentlicht wird. Eingereichte Artikel werden sinnverzerrend zusammengekürzt, Halbwahrheiten für wahr verkauft und technisch relevante Informationen gleich ganz weggelassen.

Nicht erst seit dem WeTab Fiasko wissen wir, daß es mittlerweile auch die Blogger, die engagierten Amateure sind, die zum Wissensgewinn beitragen. Oft gerade weil sie unabhängig sind, weil sie schreiben können, was sie interessiert und begeistert. Zum Teil ist das aber auch generell ein deutsches Phänomen. Man gilt nur etwas mit dem passenden Titel. Dann aber kann man den grössten Humbug erzählen und wird ernst genommen. Ich schätze nichts weniger, als einen Titel. Mir ist wichtig, was die Person kann, nicht welchen Abschluß sie vor Jahren erreicht hat.

Wenn ich sehe, wie viele sogenannte Experten in irgendwelchen Gremien Aussagen zu Themen treffen, die so falsch sind, dass es schon fast körperlich weh tut, dann schätze ich doch den begeisterten Amateur, der aus der Leidenschaft, die schon im Namen Amateur steckt etwas tut, der sich breiter informiert und nur selten so großspurig ist, alles wissen zu wollen.

Das Netz demokratisiert das Wissen, das ist natürlich schmerzhaft für die Wissenseliten, die glauben, die Weisheit gepachtet zu haben, obwohl sie sich oft schon so weit von der Realität entfernt haben, dass ihr Wissen de facto gar nichts mehr wert ist. Wer ständig mit dem Malen neuer Powerpoints und dem zurechtkorrigieren von Zahlen beschäftigt ist, damit das Gremium mit dem dargestellten zufrieden ist, der macht oft „widewidewid“ die Welt so, wie sie ihm oder seinem Chef gefällt. Der Amateur, der sein Thema liebt, will es verstehen und durchdringen.

Der Quereinsteiger hatte eine Zeit lang gute Chancen, auch im Beruf Fuß zu fassen. Meine Prognose lautet: Das wird bald wieder so sein, wenn die Bildungstempel nicht genug Titelträger ausspucken und wieder nach Mitarbeitern gesucht wird, die nicht ein Dokument vorweisen mit dem entsprechenden Titel, aber den nötigen Skill.

Ich sehe in dieser Entwicklung eine klare und mächtige Demokratisierung des Wissens. Wissen ist Macht, aber Wissen ist auch immer öffentlicher zugänglich und bietet somit die Chance, gewachsene und oft nicht mehr berechtigte Machtstrukturen zumindest in Frage zu stellen, oder parallel zu Informationen zu gelangen, die früher innerhalb der Eliten quasi als Mittel des Machterhalts „geheim“ gehalten wurden. Das Volk dumm halten geht in Zeiten des Internets nicht mehr so einfach.

Zeitverschwender: Sperrt nicht Facebook, sperrt Powerpoint und Meetings

Laut heute.de (dank an mahrko für den Link) ,sperren viele deutsche Unternehmen Social Media für ihre Mitarbeiter aus Angst vor Sicherheitslücken, aber auch aus Angst vor Arbeitszeitverschwendung. Nun gut, das stimmt, damit werden sicherlich einige Mitarbeiter ihre Arbeitszeit vertrödeln (obwohl ich, wenn ich mich so in meinem Umfeld umhöre die meisten ja noch nicht mal richtig wissen, was dieses Internet genau ist, geschweige denn Facebook oder Twitter bedienen können bzw. wollen „Ich wüsst ja garnicht, was ich da schreiben soll.. oder auch.. des naimodische Zeuch brauch ich nett).

Ich hätte aber eine bessere Idee, was deutsche Unternehmen sperren sollten, um die Produktivität ihrer Mitarbeiter zu steigern. Unnötige Meetings. Wie viele Meetings werden nur wegen  Kontrollwahns  anberaumt, bzw. weil man sich vergewissern will, dass alle Mitarbeiter auch anwesend sind (körperlich natürlich, geistig ist ja nicht direkt messbar und deshalb auch nicht verlangt). Wie oft werden sinnlose Powerpoints an Leinwände geworfen mit Informationen, die die Teilnehmer entweder schon kennen, oder mit denen sie nichts anfangen können.

Auch sehr beliebt: 2 stündige Meetings, bei denen der einzelne maximal 10 Minuten für sich persönlich sinnvollen Inhalt erfährt.

Auch immer wieder gerne genommen. Excelschlachten, wenn der Mitarbeiter seine Urlaubsplanung im Team in ein Excel, im Projekt in ein Excel, dann noch in einen Urlaubsplaner, in eine Zeiterfassung und auch noch in den elektronischen Kalender eintragen soll.

Versteckte Zeitverschwender weiterhin: Bezahlung nach Arbeitszeit anstelle von Zielerreichung  (dann dehnt sich die für die Arbeit benötigte Zeit bei manchen Arbeitnehmern und auch bei manchen Managern erstaunlicherweise exakt so weit aus, dass die zur Verfügung stehende Arbeitszeit gefüllt wird).

Oder die allseits beliebte Dienstreise für ein 1 1/2 stündiges Meeting, bei der An- und Abreise bereits dreimal so lange dauern.

Gerne genommen auch Kollegen, die jede Arbeit an andere delegieren oder so unfreundlich und unkollegial operieren, dass man deren Arbeit letztlich doch auch noch  selbst macht.

Meine These: Wer Zeit verschwenden will, der braucht dazu kein Facebook und kein Twitter, ja nicht mal das böse Internet. Der braucht nur ein paar konsequent angewandte Managementtechniken und Tools, gewürzt mit einer gewissen Arroganz und viel Unkollegialität. Aber das kann man leider nicht sperren. Obwohl ich DAFÜR gerne einen Filter hätte. Würde die Arbeit manchmal wirklich beschleunigen!

Oh, oh, oh und wo wir schon dabei sind: Könnte jemand nen Filter für all die Gespräche über Fussball/Autos/das Wetter/Das letzte Wochenendbesäufnis erfinden, die mir wenn nicht aktiv Zeit rauben so doch oft tierisch auf den Senkel gehen mich absolut nicht interessieren, und mit Sicherheit so manche viertel- bis halbe Stunde Arbeitszeit kosten?? DANKE!

Update: Ich wusste, ich hatte über das Thema schon mal irgendwo nen guten Artikel gelesen……. Webschnüffelagent steht grade USB Kabelwedelnd vor mir mit Fundstück in der Schnittstelle: Internet und Produktivität: Zeitverschwendung versus Effizienzgewinn

Der Gedanke zum Sonntag:Lebensprokrastination, Spass hab ich dann morgen

Eine der schlimmsten Prokrastinationen, also Aufschiebereien auf morgen ist bei vielen Menschen das eigene Leben. Wie oft höre ich, wenn ich noch diesen Aufstieg geschafft habe, wenn ich noch im Beruf bis zu dieser Hierarchie gekommen bin, wenn ich das und das noch geschafft habe, dann werde ich das Leben geniessen. Das ist aber nicht nur illusorisch sondern dumm. Ich habe in meinem Umfeld bereits einige Menschen erlebt, die ihr Leben so lange aufgeschoben haben, bis sie zu krank waren, es noch zu geniessen.

Wir alle sollten wieder mehr im heute leben und den heutigen Tag geniessen. Ja, viele um uns herum werden sagen, wie kannst du nur, du musst doch Karriere machen, du musst doch dies oder das erreichen oder auch nur, wie kannst du so spassbetont leben. Dagegen sage ich, was macht den das Leben aus? Die Freude daran. Und jeder Tag kann, sei es durch Krankheit oder Unfall der letzte sein. Warum soll ich mein Leben aufschieben auf morgen? Nur weil andere vielleicht Spassbremsen sind, die sich seriös geben? Die meinen, das Leben müsse voll harter Arbeit und Streben nach noch mehr Ruhm noch mehr Glanz sein? Mit meiner Familie, mit meinen Freunden einen schönen Abend geniessen, die kleinen Freuden des Alltags erleben, das ist es, was das Leben ausmacht. Nein, ich kann nicht morgen mit dem Leben beginnen. Leben ist jetzt, hier und heute!

Und ein ganz besondere Gruss an eine Person, die mir lange Zeit durch ihr dummes Gefasel vom „Fremdbild und dem Selbstbild“ mein eigenes Leben schlecht gemacht hat….. Es gibt da ein Lied von Lily Allen 😉

Vernetztes Denken wird der Schlüsselskill der Zukunft

Wir leben in interessanten Zeiten. In Zeiten, wo sich Kontakte immer häufiger zunächst virtuell anbahnen. Und wo es oft wichtiger wird, zu wissen, wer die benötigte Information bereitstellen kann, als das notwendige Wissen selbst zu haben.
Schon seit längerem sehe ich eine Renaissance eben jenes Renaissancemenschen, der vielfältig gebildet und interessiert, von Thema zu Thema wechseln kann. Nur nicht zwangsweise, weil er alles bis in die tiefsten Tiefen des Faches durchschaut, vielmehr, weil er die Zusammenhänge erkennt. Wir bauen eine immer komplexere, divergentere multimediale Zukunft auf und nur wer den kommenden Trend erkennt, wer auch mit neuen Denkmustern und Technologien zu Rande kommt wird in der Zukunft bestehen können.

Insofern ist auch in der Bildung ein Umdenken von Nöten. Es gilt, die vielen verschiedenen Begabungen zu fordern aber auch zu fördern. Niemand muss heute mehr alles wissen, ja kann das zum Teil gar nicht. Aber man muss die Grundfähigkeiten haben und dann die Werkzeuge erlernen, die den Umgang mit unserem „zweiten Hirn“ dem Internet ermöglichen. Denn das Netz wird zu einer immer grösseren Wissensressource, in der sich Experten und Informationssuchende informell und unabhängig von Rang, Berufsbild und kulturellem Background austauschen und Wissen teilen können.
Wissen ist die Währung des 21. Jahrhunderts, wir verändern uns mittlerweile von einer Dienstleistungsgesellschaft zu einer Wissensgesellschaft. Aber wir bereiten unsere folgende Generation, die Arbeitnehmer von morgen nur unzureichend darauf vor. Wir denken in der Ausbildung in den Schemata von vorgestern, wir müssen dringend zumindest im vernetzten Heute ankommen.

Wir müssen flexibler werden. Auch wen es in manches Menschen Ohr wie ein abgedroschenes Schlagwort klingen mag. Wir leben in einer Zeit beschleunigten Wandels, in der Kreativität, Innovation und Flexibilität mehr den je gebraucht werden. Und wir müssen uns über Wissens- Rollen- und evtl. auch über Unternehmensgrenzen hinweg vernetzen.

Interessant hierzu ist auch folgender Artikel: Wer braucht HEROs ?, denn die dort beschriebenen Mitarbeiter entsprechen ziemlich genau dem, was ich als den Mitarbeiter der Zukunft sehe!

Sorgfalt und Schnelligkeit. Wenns schnell gehen muss gehts selten gut

Etwas, das ich mir vom „Markt“ wünschen würde wäre, dass neben der immer schnelleren Lieferung, Fertigstellung und der Bedingung, noch mehr zu optimieren auch Entschleunigung als Qualitätsmerkmal wieder gewinnen würde.

Es gibt Reparaturen, da wünsche ich mir eine hohe Sorgfalt bei der Bearbeitung, da muss es nicht schnell gehen, sondern richtig, sorgfältig, und qualitativ hochwertig. Ein Auto bringe ich in die Werkstatt, weil ich es möglichst so gewartet haben will, dass alles gemacht, alle Fehler gefunden alles sauber und gut durchgeführt wird. Das beisst sich manchmal aber damit, dass alle heute nur auf das Geld schauen, dass alles schnell gehen muss, und dann eben nicht wirklich so sorgfältig wie gewünscht. Auch in der Projektarbeit werden oft Zeitrahmen gesteckt, die eher auf Kostensparen durch möglichst schnelle Erledigung zielen, als auf Sorgfalt in der Ausführung.

Es wäre manchmal sinnvoll, die notwendigen Nachbearbeitungen mit einzuberechnen, wenn man ein Angebot schreibt, das zeitlich sehr eng gestrickt ist. Ich bin mir sicher, viele Grossprojekte der öffentlichen Hand wären dann auch in ihren Kostenschätzungen besser, wenn man ehrlich ein gewisses Maß an Verzögerung, and Sorgfalt in die Planung mit einbeziehen würde. Wenn ich einen Handwerker habe, der mir die Fliesen an die Wand knallt oder die Küche so schnell wie möglich installiert, dann ist das Risiko hoch, dass dabei etwas falsch läuft, vergessen wird oder einfach so gemacht wird, wie immer, anstelle sich auf eine neue Gegebenheit einzulassen.

Wir sollten wieder entschleunigen. In allen Bereichen.

Im Moment geht oft Quantität vor Qualität. Schade eigentlich. Oder, was ich immer gerne anbringe: Effzienz vor Effektivität 😉

Social Media kann man nicht verordnen, nur ermöglichen

Einer der grössten Irrtümer, speziell im Geschäftsumfeld ist:“ Wir führen jetzt eine Social Media Plattform ein und dann müssen die Mitarbeiter damit arbeiten“. So geht das nicht. Social Media ist eine Frage der Einstellung, des Charakters und gute Social Media braucht auch einen gewissen Spassfaktor und Freiheitsgrad. Wenn ich von oben verordne: „Ihr macht jetzt Social Media“ dann klappt das nicht. Nicht jeder Mitarbeiter ist gerne aktiv.Wir wissen aus verschiedenen Studien, dass maximal ca. 1% überhaupt aktiv und andauernd Content erzeugen, dann evtl. noch 9 % zumindest empfehlen und/oder kommentieren oder gelegentlich etwas schreiben und der Rest liest.

Der Mehrwert entsteht dynamisch, und das lässt sich nicht erzwingen. Einzig eine gute Plattform als Grundlage wie z.B. Connections von IBM kann im Businessbereich den Einstieg erleichtern. Und eine Social Media Policy (etwas, das ich immer wieder gebetsmühlenartig predige), die den Mitarbeitern das notwendige Wissen ob der Möglichkeiten und ihrer erlaubten Aktivitäten aufzeigt (nicht etwas im Stile von: Ihr dürft dies nicht, ihr dürft das nicht… Wir wollen ja, dass die Plattform ohne Angst und kreativ genutzt wird)