Arte „senkt“ sein Niveau. Grundprinzip Dummheit im Fernsehen?

Der Spiegel titelt „Quoten-Offensive bei Arte. Huch, wo ist denn unser Anspruch hin?“ und trifft dabei den Nerv bei der jüngsten Ankündigung des Senders, den ich bislang gerade deshalb gerne angeschaltet habe, weil dort die Volksverdummung durch Schwachsinnssendungen wie „Deutschland such den Superstart“ oder die ganzen „wir verkuppeln arme Seelen, damit der Zuschauer sich auf deren Kosten amüsieren kann“ noch nicht Einzug gehalten hatte. Jetzt aber will Arte sein Programm modernisieren, attraktiver, jünger und vorhersagbarer machen“. Zunächst ein Mal nicht schlecht, wenn man sich nicht schon vorstellen kann, worauf die Verantwortlichen in den Sendezentralen hier anspielen.

Dann aber zitiert der Artikel die Macher mit Aussagen wie „Soziologische, politische und wirtschaftliche Analysen sind ebenso wenig gefragt wie reine Beobachtungen.“ Warum nicht? Gerade dafür schätze ich Arte, dass es nicht um flachen, vereinfachenden und meist unvollständigen Informationseinheitsbrei geht, sondern noch ein gewisse Anspruch mitspringt. Klar, das ist nichts für jedermann aber das soll es auch gar nicht sein. Wofür zahle ich eigentlich GEZ Gebühren, wenn alle öffentlichen Sender sich dem Diktat der Privatsenderverdummung und dem Unterschichtenfernsehen beugen? Auch wenn das überheblich oder arrogant klingen mag. Intelligentes Fernsehen, das den Verstand fordert interessiert nun mal nur eine Minderheit.
Sonst wäre der Erfolg der Schwachsinnsgameshows auch kaum erklärbar.

Nicht nur Erwachsene, auch Kinder fanden bei Arte ein anspruchsvoll interessantes TV Programm... Bislang.

Also bitte: Arte, bleib bei deinem Anspruch. Sonst fällt einer der letzten interessanten Sender im deutschen TV auch noch weg. Dann ist der Punkt gekommen, wo ich endgültig sagen kann. Wofür noch Fernsehen, wenn es doch nur den Verstand verblödet.

Arte war und ist für mich ein Kanal, der eben nicht nach der Quote und leichtverdaulicher TV kost ausgerichtet ist. Wenn sich das ändern sollte, dann kann ich nur noch sagen. Macht den Laden dicht, denn dann verwendet ihr unser aller Gebühren nicht für das, was ich als anspruchsvoller TV Nutzer erwarte.
Ich möchte intellektuell angeregt werden, wenn ich schon, was selten genug ist, den Fernseher anschalte. Wenn auch ihr den Zuschauer für dumm, oberflächlich und zu intellektuellen Gedanken und kritisch neugierigem TV Konsum nicht in der Lage seht, dann macht den Laden dicht, einen neuen Verdummungssender brauchen wir nicht.

Und letztlich fürchte ich, wird sogar das wirklich gute und wohldosierte Kinderprogramm von Arte, das ich für meine Kinder immer sehr schätzte dummdrögen Billigzeichentrickfilmen zum Opfer fallen. Das ist ja beliebter und deshalb quotenfördernder.

Da widme ich doch gleich ein passendes Gedicht von Schiller den Managern des Senders, die wirtschaftlichen Erfolg vor Anspruch stellen und sich dem Diktat der Dummheit offensichtlich beugen und hoffe, dass sie sich nicht wirklich dem „Unsinn“ beugen:

Was ist die Mehrheit?

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn,

Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nicht hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
um Brot und Stiefel seine Stimm‘ verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;
der Staat muß untergehn, früh oder spät,
wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

Friedrich Schiller

(* 10.11.1759 , † 09.05.1805)

Studie belegt: Feste Arbeitsplätze werden unattraktiver

Mein eigner "Mobile Workplace".. Zumindest als Blogger

Interessant, was Cisco da bei einer Umfrage herausgefunden haben will. So denn die Ergebnisse repräsentativ sind, werden sich die Personaler in der Zukunft damit konfrontiert sehen, dass freier Zugang zum Internet, flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte und generell höhere Freiheitsgrade für die nachwachsende Generation von Arbeitnehmern immer wichtiger werden.

Das ist auch das, was ich schon seit längerem propagiere. Die festen, ortsgebundenen Arbeitsplätze werden immer mehr von mobilen Arbeitsplätzen verdrängt. Nur noch jene, die quasi durch die Art der Arbeit an einen Ort gebunden werden, bleiben übrig (z.B. Produzierendes Gewerbe).

Sehen wir mal, wie lange es noch dauert, bis sich dieses Bewußtsein auch wirklich etabliert und nicht nur gerne gelieferter aber nicht ernst genommener Allgemeinplatz bleibt.

Querdenker, ein Definitionsversuch

Warmweisse LED
Während andere noch über Energiesparlampen schimpfen, geht dem Querdenker eine LED auf 😉

Was heißt eigentlich Querdenker. Nachdem in der Facebook Gruppe zur Arbeitswelt der Zukunft eine heiße Diskussion über Sinn und Unsinn des Querdenkens gestartet ist, wollte ich für mich den Begriff jetzt doch mal definieren. Achtung: Das ist eine rein subjektive Definition dessen, was ICH unter einem guten Querdenker verstehe:

1 Er hinterfragt Prozesse auf ihre Sinnhaftigkeit

Nur, weil etwas schon immer so gemacht wurde, muss es nicht richtig sein. Querdenken heißt, Handlungsweisen immer wieder auf den Prüfstand stellen, ob sie in der gegebenen Situation noch sinnhaft und nützlich sind.

2 Er hinterfragt auch Neuerungen

Querdenken heißt NICHT, ständig neue Konzepte zu entwickeln, neue Ideen zu produzieren. Querdenken kann auch heißen zu hinterfragen, ob es wirklich sinnvoll ist, etwas zu erneuern. Nicht immer ist Veränderung das Optimum. Ein Querdenker will nicht um des Erneuerns Willen erneuern.

 

3 Ein Querdenker weiß, dass er nicht alles weiß, aber er kennt die Quellen

Wenn ein Querdenker vor ein Problem gestellt wird, das er nicht selbst lösen kann, hat er ein Netzwerk aus Experten, Quellen, Ressourcen die er anzapfen kann, bzw. denen er ggf. auch das Problem oder die Aufgabe vermitteln kann. Dabei schränkt er nicht auf ein Gebiet ein sondern sucht ggf. auch in anderen Themenfeldern nach einer Lösung.

4 Ein Querdenker liebt Kritik

Es ist eher Anregung für einen guten Querdenker, wenn seine Idee hinterfragt wird, oder man sie zerpflückt. Denn dann lernt er, dass entweder seine Konzepte falsch, nicht ganz ausgegoren oder schlicht zu komplex waren. Querdenker bestehen nicht darauf, recht zu haben, sie wissen oft auch, wann sie den Mund halten müssen. Aber sie wissen auch, wer in welcher Frage der richtige ist (siehe Punkt 2).

5 Querdenker denken nicht mit Tunnelblick

Ein  guter Querdenker sucht Inspiration in vielen Gebieten. Er ist nicht nur Informatiker, Referent, Autor sondern letztlich Erfahrugnssammler mit dem Hintergedanken, daß jede Erfahrung, jedes neue Wissen irgendwann sinnvoll sein kann.

6 Ein Querdenker hinterfragt nur dann Hierarchien, wenn das notwendig ist

Optimalerweise nutzt ein Querdenker bestehende Hierarchien um Verbündete zu finden, eine Lobby aufzubauen oder denjenigen zu aktivieren, der in der spezifischen Problemstellung der richtige ist.

7  Ein Querdenker ist tolerant

Quer zu denken heißt stehts auch andere Meinungen anzuhören, zu akzeptieren und zuzugeben, wenn man unrecht hat. Der Status Quo bedeutet, sich nicht mehr zu entwickeln.

8 Ein Querdenker ist ein soziales Wesen

Da ein Querdenker weiß, dass er nicht alles weiß und nicht alles kann, sucht er sich Netzwerke aus Gleichgesinnten, mit denen er in beständigem Austausch steht. Insofern sind die sozialen Netze der ideale Nährboden für eine Vernetzung mit Inspiratoren, anderen Querdenkern oder Unterstützern

9 Ein Querdenker ist niemals Einzelkämpfer

Einzelkämpfertum bedeutet Isolation und das ist gerade für neue Ideen tödlich, die ja erst dann einen guten Nährboden finden, wenn sie auch von einer grossen Gruppe von Menschen als eine gute Strategie empfunden werden.

10 Querdenker sind anstrengend

Das ist Fakt. Denn sie hinterfragen, sie akzeptieren kein „Das ist nun mal so“ und kein „das haben wir schon immer so gemacht“. Sie spielen auch mal den Advocatus Diaboli, haben den Kunden im Blick, wo sie nur ans Produkt denken sollten, fragen auch mal „warum muss das geändert werden“ wenn ihnen die Sinnhaftigkeit des ganzen nicht ersichtlich ist. Aber sie bieten auch Alternativen an. Denn sie hören nicht beim Kritisieren auf, sie bieten auch immer eine eigene Lösung an oder kennen jemanden, der in einem Kontext weiterhelfen kann. Sie kritisieren zwar gerne, aber konstruktiv.

Das ist meine Sicht auf einen guten Querdenker. Ich würde mich über Kommentare, Ergänzungen, Kritik sehr freuen.

Mobil in der Zukunft? Mobil in die Zukunft!

Das CODE_n Blog hat einen Wettbewerb ausgeschrieben. Einen, zu dem ich einfach nicht nein sagen kann, den er behandelt mein momentan wichtigstes Thema: Mobil in die Zukunft, mobil in der Zukunft?

Ein Tag in der Zukunft!

2031: Morgens um 8:30,  mein Smartphone weckt mich aus dem Schlaf, projeziert mir die neuesten Nachrichten des Morgens, das Wetter für den Tag und meine persönlichen Twitter und Twoice  Nachrichten an die Wand bzw. liest sie mir vor. „Hallo Uwe, Peter hier, wir treffen uns heute nachmittag in Berlin, du weißt schon, die Präsentation über die neuen Infoagenten.“

Richtig, der Termin heute: Zu meinem Smartphone gewandt sage ich: „Stell mir meine Unterlagen sowie die neuesten News und Tweets zu dem Thema bitte zusammen und leg sie mir auf meinem Medienserver ab.“ „Geht in Ordnung Uwe“ antwortet mein Smartphone und informiert mich noch: „Und heute abend nicht vergessen die Videokonferenz mit zu hause“. „Klar, du hast bereits den Termin eingestellt?“ „Selbstverständlich Uwe, ich erinner dich ne halbe Stunde vorher wenn du möchtest.“ „Mach das“.

Ich stehe auf, geh ins Bad und höre dabei, dass meine Frau  bereits in ihrem Büro arbeitet. Auf dem Spiegel erscheinen ein paar aktuelle Informationen zum Wetter in Berlin und unten blendet mein Smartphone meinen eigenen Twitterstream ein. Ein kurze Geste in Richtung der Leiste lässt einen Tweet hervortreten. Ich diktiere eine kure Antwort, die mein Smartphone sofort überträgt und die kurz darauf in der Tickerleiste am Spiegel erscheint. Schon praktisch, diese vernetzten Raumdisplays.

Kurz Besuch bei meiner Frau im Heimbüro. „Guten Morgen Schatz.“ Sie schaltet die Videokonferenztapete auf Standby und gibt mir einen guten Morgen Kuss.“ „Na, was meinst du, wann bist du in Berlin?“ „Ich denke, wenn der ICX pünktlich ist in 2 Stunden.“ „Alles klar, ruf dann kurz durch oder schick mir nen Tweet“. Mach ich und bis morgen früh. Ich fahr dann gleich los“. Sie schaltet die Videokonferenztapete wieder an und im nach draußen gehen erhasche ich noch einen Blick auf das Büro, das die Tapete in ihr Heimbüro überträgt. Schon ne praktische Sache diese Tapeten, dabei sind die jetzt auch schon mind. 8 Jahre alt. Hätte ich nicht gedacht, dass sich elektronische Tinte einmal so weiterentwickeln würde, aber mittlerweile muss man schon sehr genau hinschauen um zu erkennen, daß man nicht einen realen Raum sondern nur eine Projektion sieht.

Mittlerweile hat mir mein Smartphone die Daten für die Präsentation zusammengestellt und meine Präsentation mit den neuesten Daten aktualisiert. Auf dem Weg nach draußen lasse ich mir noch ein paar weitere Tagesnachrichten auf mein Headset vorlesen und diktiere ein paar Tweets. Das Elektrotaxi bringt mich zum Bahnhof, wo ich mit meinem Smartphone am Zug einchecke. Seitdem die Fahrkarten nur noch elektronisch verteilt werden brauche ich mir auch keine Sorgen mehr um vergessene Tickets zu machen, im Zweifel buche ich sie direkt vor dem Zug am Smartphone.

Im Abteil packe ich die Dockingstation aus und stecke das Smartphone in den Dockingslot. Schon erwacht das Multitouch Display und ich beginne auf meinem Tabletbook zu arbeiten. Schliesslich will ich noch etwas eigene Recherche für einen Blogartikel machen. Mir gegenüber sieht ein Passagier auf einem DINA3 grossen Unfold Videoschirm einen Kinofilm, während mir gegenüber eine Frau auf einem Tablet offensichtlich eine Mediazeitung liest. Ich muss grinsen, denn in meiner Jugend waren solche animierten Zeitungen noch eher etwas für Romane über jugendliche Zauberer.

Am Bahnhof in Berlin angekommen wartet schon ein Taxi auf mich, auf dessen Seitenscheiben meine Name eingeblendet ist und das mein Smartphone kurz vor der Ankunft in Berlin für mich gebucht hatte. Währenddessen sendet mein Smartphone einen Tweet nach hause auf den Direktkanal meiner Frau und informiert über meine Ankunft.

Im Hotel angekommen aktiviert mein Smartphone den Hotelbildschirm und sammelt für mich ein paar Informationen zu Wetter und Verkehrslage in Berlin und stellt ein mögliches Abendprogramm nach meinen Interessen zusammen.

Via Foursquare sehe ich auch, dass Peter in einem Hotel in der Nachbarschaft eingecheckt hat. Da dieses auch mit Videokonferenzleinwänden ausgestattet ist, rufe ich dort kurz an und wir besprechen direkt die Präsentation an der Grossbildttapete und gehen noch mal die wichtigsten Punkte durch.

Kurz darauf treffen wir uns in der Lobby des Unternehmes. Dort werden wir auch bereits von einem Firmenvertreter erwartet, der ebenfalls via Foursquare business services von unserer Ankunft informiert wurde.

Der Vortrag gestaltet sich einfach, per Videotapete sind Niederlassungen in China und Taiwan zugeschaltet, was den Raum dank der hohen Projektionsqualität gleich drei mal so gross wirken lässt.

Später im Hotel rufe ich zu hause an, mein Smartphone hat mich ja rechtzeitig informiert und via 3D Laserprojektion erscheinen meine Kids und meine Frau quasi direkt bei mir im Raum. Wir erzählen uns von unseren Erlebnissen des Tages, ich spiele mit den Kids via Videotapete noch für eine Weile ein Multiuserstrategiespiel und nachdem wir uns verabschiedet haben, geniesse ich das weiche warme Bett und schaue mir noch einen Kinofilm an, während mein Smartphone alle Buchungen für die morgige Rückreise vornimmt und dann wie ich in den Ruhezustand geht. Lediglich ein sacht an der Videowand schimmernde Uhr zeigt, dass das Smartphone weiterhin aktiv ist und für mich im Netz surft, interessante Nachrichten sammelt und während ich schlafe meine persönliche digitale Infozeitung für den nächsten Morgen zusammenstellt.

Schnell, billig aber nicht gut

Erschütternde Nachrichten in den Medien über Frühchen, die wegen mangelnder Hygiene gestorben sind lassen mich wieder darüber nachdenken, ob wir nicht in manchen Bereichen mit dem industrialisierten, auf Rendite und Kostenersparnis fixierten Denken wieder aufhören sollten.

Nicht jeder Bereich kann bzw. darf rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden. Gerade in Bereichen, in denen die Institutionen auch eine gesellschaftliche Aufgabe erfüllen, sollte der Hauptfokus darin liegen, die Aufgabe so gut wie möglich zu erfüllen und mit so viel Personal wie optimal notwendig, nicht wie minimal notwendig.

Aber auch in anderen Bereichen der Wirtschaft täte es ganz gut, wieder realistischere Zielvorgaben und Kostenrechnungen aufzustellen. Denn auch hieraus resultieren Burn out, fehlerhafte Produkte oder unzufriedene Kunden.

Qualität hat ihren Preis und braucht ihre Zeit. Insofern interessant finde ich das wieder steigende Interesse an individualisierten Produkten, deren Produktion durchaus auch etwas Zeit kosten darf.

Wer ständig unter Zeit und Kostendruck arbeitet, macht zwangsläufig mehr Fehler, weil niemand permanente Spitzenleistung unter voller Konzentration leisten kann.

Wir sollten alle versuchen, wieder eine Kultur der Zeit einzuführen, Dinge richtig zu tun, und gut zu tun, statt schnell und billig. Und in der aktuellen Ausgabe der Zeit, als wolle man meinen Eindruck unterstützen findet sich ein Artikel über Burn Out beim Hochschulpersonal. Und der Bericht eines Experten zum Thema Soziale Beschleunigung, der die individuelle Verweigerung propagiert, um aus dem Teufelskreis des immer mehr zu entfliehen.

Das mag in bestimmten gefährdeten Situationen eine Lösung sein, führt aber meiner Ansicht nach bei vielen dazu, dass sie letztlich innerlich kündigen. Aber das ist ein für das Unternehmen nicht sichtbarer Schaden, der erst dann auffällt, wenn bei der nächsten Umstrukturierung plötzlich diverse Keyplayer kündigen. Und dann ist es zu spät. Die Gefahr besteht immer mehr, dass wir gerade unsere wichtigste Ressource, uns selbst im Dienste von Beruf und Rendite verbrennen. Aber spätestens wenn wir in Rente, oder im schlimmsten Fall in die Arbeitsunfähigkeit entlassen werden, sind nur noch wir es, die damit zurecht kommen müssen. Der Wirtschaft ist es egal. Wir selbst müssen die Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen. Und das heißt auch NEIN zu sagen und den Versuch zu unternehmen, das Bewußtsein in die Öffentlichkeit und ja, auch in die Chefetagen zu tragen, dass endlose Renditesteigerungen und immer höhere Leistungsforderungen letztlich irgendwann zum Zusammenbruch des Systems führen.

Der Motor läuft quasi immer schneller und besser…. Bis er explodiert.

Innovation ist wie Pilzezüchten

Dieser Vergleich klingt vielleicht auf den ersten Blick merkwürdig. Aber Pilze zu züchten und Innovation voranzutreiben hat schon Gemeinsamkeiten.

Was ich immer wieder beobachtet, gelernt und selbst erlebt habe ist, dass Innovation, so sie wirklich innovativ und nicht nur evolutionär verändernd sein soll, grosse Freiheitsgrade braucht.

Wenn hinter dem Innovator zu Beginn schon das Management steht, mit Terminen und Kosten droht und als Bedenkenträger für die Akzeptanz funktioniert, dann wird keine Innovation statt finden, dann wird maxinmal bestehendes modifiziert.

Innovation soll immer auch ablösen, bzw. ganz neu erfinden. Und dafür Bedarf es der Möglichkeit, gesetzte Rahmen auch ein Mal zu verlassen. Die grössten Innovationen entstehen nicht nach einem vorgegebenen Projektplan sondern in der Freiheit, nicht auf irgendwen sonst hören zu müssen, eine Idee, so verrückt sie klingen mag verfolgen zu dürfen.

Und ganz wichtig, Innovation muss es auch erlaubt sein, komplett zu scheitern. Alle grossen Erfinder hatten eine Vielzahlv on Misserfolgen zu verkraften, bevor die wirkliche Innovation zu Tage trat.

Unternehmen wie Google haben das erkannt und bieten deshalb entsprechende unreglementierte Freiräume innerhalb des Arbeitsalltags an. Und das ist ein weiterer Aspekt, der wichtig für Innovation innerhalb des Unternehmens ist. Wer nicht die Freiräume während der Arbeitszeit bekommt, aber hochgradig innovativ denkt, wird sich früher oder später vom Arbeitgeber entkoppeln und im schlimmsten Fall Innovation außerhalb und wie die Pilzzucht versteckt und im Dunkeln weitertreiben.

Und durch den technologischen und gesellschaftlichen Wandel und dessen zunehmende Beschleunigung gilt auch ein weiteres Argument nicht mehr:

Mein Unternehmen muss nicht so innovativ sein. Da sage ich klar FALSCH. Wir leben zunehmend in einem Wirtschaftsumfeld, in dem auch bedingt durch die sozialen Netze die Firmen und ihre Produkte austauschbar werden. Schon heute fällt es mir schwer, z.B. auf der Autobahn ein Fahrzeug von Hersteller a vom Fahrzeug der gleichen Klasse von Hersteller b zu unterscheiden.

Hier gilt es für JEDEN innovative Konzepte zu entwickeln, die das Unternehmen und seine Produkte oder Dienstleistungen herausstechen lassen.

Die Innovation, die ich in meinem Unternehmen versäume, geschieht früher oder später bei der Konkurrenz. Wir sind nicht mehr durch die Produkte, sondern durch den Service und das Image verschieden. Und hier braucht es innovative Konzepte, um diese Unterschiede auch in Zukunft zu pflegen und auszubauen.