Ich boykottiere euren Boykott: Ein weiterer Rant dieselbe Sau.

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Quizfrage: Wie viel übersehene Boykottprodukte stecken in diesem Bild? Mit Sicherheit mehr, als wir alle annehmen.

Boykottiert Amazon! Kauft nicht bei Samsung! Nestle ist böse! Blah, blah, blah.
Ich kann mich nur immer wieder über diese ganzen Boykottaufrufe amüsieren. Warum?

Nehmen wird doch Amazon oder Zalando mit ihren Arbeitsbedingungen.Das Problem ist ja eigentlich, dass wir weniger durch einen Boykott den Mitarbeitern helfen, als dadurch, dass dafür gesorgt würde, dass die Bedingungen generell besser wären. Wo man einen Anbieter weg boykottiert (und glaubt mir, so viele Boykotteure würden wir niemals zusammenbekommen, damit das Amazon auch nur ein bisschen weh tut) poppt doch kurze Zeit später ein anderer Dienst hoch. Zalando ist auch nicht besser, selbst direkt die Bedingungen bei den Subunternehmern, die für die Post arbeiten. Oder was ist mit Hermes? Oder UPS? Überall das gleiche Bild. So lange wir so inkonsequent sind, gleichzeitig top Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen für alle und gleichzeitig möglichst billige, schnelle Lieferung wollen, wird sich da aber auch rein gar nichts ändern, weil schnell und billig zwangsweise irgendwo auf Kosten eines der Beteiligten gehen muss.

Seltsam dabei, gerade diejenigen, die am lautesten nach Boykott rufen, sind nicht organisiert. Gewerkschaften klagen über schwindende Mitgliederzahlen. Dabei ist gerade die Gewerkschaft die Instanz, die dafür da ist, Arbeitnehmern zu helfen. Aber nein, lieber boykottiere ich im stillen Kämmerlein. Ist sicher, weitgehend anonym wenn ich will und wenn ich dann doch mal wieder was bei Amazon bestelle, weil es dort halt doch am billigsten war, kriegts keiner mit.

Scheinheilig ist das ganze. Statt sich in den Diskurs aktiv einzubringen, statt Veränderungen für die Arbeitnehmer zu fordern, untergräbt man ihnen lieber ihre Lebensgrundlage, denn ihr glaubt doch nicht, dass nicht längst ein Werk in einem anderen Land geöffnet wurde, eine andere noch nicht bekannte Sparmaßnahme eingeführt wurde. Wir werden nicht das Konsumverhalten des Durchschnittsbürgers nachhaltig ändern und wenn, dann meist in dem es aus dem Ruder läuft. Selbst Greenpeace musste damals zugeben, dass am Ende des Protesttages wohl doch das Versenken der Bohrplattform aus Sicht der Umwelt das beste gewesen wäre. Das hätte sich aber nicht mit einem populistischen Tankstellenboykott vertragen.

Wir wollen doch eigentlich unser Konsumverhalten gar nicht ändern. Eigentlich ärgern sich doch die meisten nur, dass sie überhaupt davon erfahren haben und suchen jetzt nach einer Aktion, die ihr Gewissen vor sich und ihrem Umfeld rein wäscht. Und wird die nächste Boykottsau durchs Dorf getrieben, hängt man sich da dran. Und vergisst früher oder später den letzten Boykott. Aus den Medien, aus dem Sinn.

Nachhaltig an Veränderungen arbeiten, den Arbeitnehmern helfen oder der Umwelt, ohne dann gleich Lebensgrundlagen für die Menschen zu entziehen oder wieder übers ökologische Ziel hinauszuschießen. Das wäre das Gebot der Stunde. Ist aber nicht mal eben so mit einem kurzen Verzicht auf etwas erledigt. Oder mit dem Unterzeichnen einer Petition.
Das will gelebt und auch an die nachfolgenden Generationen anerzogen sein. Und da scheut die Masse die Anstrengung.

Bis es zu spät ist.

Und übrigens: Boykottiert Holzspielzeug! Denn jedes zweite ist mit Chemikalien belastet……… Oder doch lieber Plastik… oder gleich alles?

KonzernNetzwerk
Viel Spass beim Boykottieren. Oh, und immer dran denken, auch Restaurants und Kantinen kaufen da ein…….

Die große Seuche des mobilen Gaming: Free to Play

IMG_1646Sind wir mal ehrlich. Alle finden wir es doch gut, wenn wir ein Spiel kostenlos bekommen. Seien es die Sims, Plants vs. Zombies oder Real Racing.

Aber bekommen wir diese Spiele wirklich umsonst? Nein, im Gegenteil, die werden richtig teuer, wenn man wirklich dauerhaft Freude daran haben will und vielleicht sogar mit und gegen Freunde spielen.

Free to Play ist in den allermeisten Fällen nichts weiter als eine Marketing Lüge um die Leute zu deutlich höheren Ausgaben zu verführen, als sie zu Beginn für den Erwerb des Spieles zu zahlen bereit wären.

In App Käufe sind das momentan größte Ärgernis der mobile gaming Industrie. Zwar behauptet jeder Hersteller, man könne das Spiel auch ohne sie genießen, aber entweder muss man dann zwischen den Partien ärgerlich lange warten (oder kauft sich weitere Level gegen Cash) oder man verliert früher oder später gegen diejenigen, die sich ihre Fahrzeuge oder Charaktere gegen Bares verbessern.

Ich bin für ein zurück zu den Spielen, für die ich zu Beginn einen reelen Preis zahle,  sagen wir, ca 5 Euro, anstelle im Lauf eines Spielerdaseins 20-50 Euro oder mehr für In App Käufe auszugeben, die ich zudem, sollte ich das Spiel mal später komplett neu spielen wollen ALLE verliere.

Hallo Hersteller, ja, es ist eine tolle Idee für eure Profite, aber für uns Gamer ist das ein Geld verschwendendes Ärgernis. Wenn ihr schon diesen Blödsinn betreibt, dann eine Bitte. Bietet gegen einen sinnvollen Preis die Vollversion an. Und damit MEINE ich die Vollversion.

Wer in einem Spiel, für das ich bezahlt habe tatsächlich auch noch in App Käufe versteckt, die für das Vorankommen im Spiel wichtig sind, tut mir leid, der will mich definitiv abzocken und dessen Spiele werde ich weder spielen, noch irgendjemandem weiterempfehlen.

Wie ich teste, was ich teste und was das hier alles soll

liveblogger
Bloggen kann man an vielen Orten.

Nun bin ich schon über drei Jahre mit diesem thematischen Blog aktiv. Zeit, ein wenig zurück zu blicken.

Gestartet habe ich das ganze eher aus der Motivation, dass ich in Diskussionen oft der einzige war, der neuen Technologien auch etwas positives abgewinnen konnte. Manchmal hatte ich das Gefühl, der Mehrheit wäre es lieber, wir würden wieder zu Feuer und Speeren zurückkehren.

Aber andererseits konnte ich auch sehen, dass viel zu oft mit politischen Entwicklungen in Bezug auf die Digitalisierung viel zu salopp umgegangen wurde, deshalb sollte sich mein Blog nicht nur um Gadgets und technische Innovationen drehen, sondern auch um die Implikationen für die Gesellschaft.

Mittlerweile sind drei Jahre ins Land gezogen. Die Grundausrichtung ist die gleiche geblieben, allerdings hat sich die Zahl der Tests und Berichte zu Gadgets deutlich erhöht, da ich erkennen durfte, dass mittlerweile doch die Akzeptanz für die digitalen Technologien gestiegen ist und mehr Menschen sich für fundierte Tests zu neuen und vor allem innovativen Produkten interessieren.

Zudem sind einige Kooperationen mit Unternehmen zustande gekommen, die es mir ermöglichen, auch ohne dass ich mir jedes Gadget kaufen zu müssen, brandneue Geräte für mehrwöchige Tests geliehen zu bekommen.

Weil aber der eine oder andere schon mal gemeckert hat, ich würde ja alles über den grünen Klee loben, hier meine Herangehensweise an solche Tests.

Da mein Blog primär doch unterhalten will und informativ sein und ich tendenziell von Dingen berichten will, die mich vorab schon begeisterten bedingt dies, dass ich meist Dinge teste bzw. zum Test angeboten bekomme, die mich potentiell interessieren. Hat da dann der Hersteller nicht komplett versagt, dürfte die Grundaussage eines Beitrags schon mal positiv sein. Ich will schliesslich nicht über Dinge berichten, die ihr nicht kaufen sollt. Bei mir soll es Berichte zu Produkten geben, die mich überzeugt haben.

Und was ich überraschenderweise sagen muss, bislang habe ich noch kein Angebot für einen Test bekommen, bei dem mir nahegelegt wurde, doch bitte positiv zu berichten. Diesen Freiraum habe ich mir aber auch stets vorab erbeten.

Warum ich dieses Blog letztlich schreibe ist meine Freude am Schreiben an sich. Während andere vielleicht abends vor der Glotze sitzen, sitze ich lieber gemütlich mit Tablet auf der Couch, recherchiere etwas im Netz und schreibe meine Artikel für den Blog. Das ist für mich keine Anstrengung sondern etwas, das mir zutiefst Spaß macht und ein guter Ausgleich zu meiner Tätigkeit als Softwareentwickler.

Und ich werde auch weiterhin testen und die Tests werden auch weiterhin häufig positiv ausfallen. Denn was mir nicht gefällt, dass lehne ich auch schon mal ab. Will ja auch Spaß beim Testen haben und mich nicht aufregen müssen 😉

In diesem Sinne. Bleibt mir gewogen und schreibt mir gerne auch, worüber ihr hier gerne mal lesen würdet.

Wer Erfolg hat, ist uns Deutschen suspekt.

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Das Böse ist erfolgreich…Oder ist der Erfolg böse? Oder bilden wir uns das eigentlich nur ein?

Zunächst war es Microsoft, dann Apple, nun Samsung und/oder Google, auch Facebook steht unter direktem Beschuß. Von wem? Von den Medien und uns Nutzern. Irgendwie ist es immer das gleiche Phänomen. Solange ein Unternehmen der Underdog ist, kann es relativ frei agieren, Dinge ermöglichen oder Einschränken, ohne das darüber von seinen Kunden/Gläubigen viel Aufhebens gemacht wird. Aber wehe, das Unternehmen erdreistet sich, erfolgreich zu sein, gar Marktführer zu werden.

Irgendwo gibt es da eine magische Grenze, wenn ein Unternehmen die überschreitet, dann kann es sich des uneingeschränkten Hasses und der potentierten Trollerei seiner einstmaligen Fans gewiß sein.

Oder wie anders ist es im Moment zu erklären, dass Samsung, einst der Liebling der Android Nutzer und  der tapfere Underdog im Kampf gegen Apples Smartphone und Tablet Übermacht, kaum , dass Marktführerschaft erreicht ist, ein Flut von Beschimpfungen über sich ergehen lassen muss.

So wird das Unternehmen für eFuse gerügt, eine elektronische Sicherung, die anzeigt, ob ein Gerät modifiziert wurde (genauer gerootet) und die man dazu verwenden kann, die Ursache eines Fehlers auch damit zu klären, dass ggf. aufgedeckt wird, dass der Kunde am Gerät unprofessionell herumgepfuscht hatte.

Man könne sein Gerät damit nicht mehr rooten, ohne die Garantie zu verlieren (und? wer rootet verliert IMMER die Garantie, nur lässt es sich halt bisher nicht nachweisen) bzw. noch größeres Drama: RegioLock.

Damit will Samsung verhindern, dass Geräte aus Ländern, in denen sie günstiger verkauft werden in Massen exportiert werden und dann den dortigen Markt kaputt machen. Ist vielleicht nicht die feine englische Art aber ein vernünftiger Schritt im Blick eines Unternehmens, das mit seinen Produkten Gewinne machen will (was ja an sich für viele offensichtlich schon an ein Verbrechen grenzt… Bei Marktführern)

Auch hier ist das ganze eher ein Sturm im Wasserglas, denn erste Kunden berichten bereits, dass die Angaben von Samsung wohl DOCH stimmten, dass man lediglich eine gewisse Zeit eine SIM Karte aus der Region, in der das Gerät erworben wurde nutzen muss, danach kann man ohne Probleme ausländische Karten verwenden.

Aber man möge mal in die Foren oder die Kommentare zum Note 3 bei Samsung sehen. Schrieb dort jemand über „diese böse Firma, und dass er nie wieder Samsung kaufen werde“ erntete dieser einvernehmliches Schulterklopfen. Gemäßigtere Stimmen wurden gleich in die Nähe der bösen Hydra Großkonzern zugeordnet und im nettesten Fall eben als minder intelligent dargestellt.

Ähnliche Geschichten ließen sich auch über andere erfolgreiche Konzerne berichten, man möge nur mal ein wenig nach Google googlen 😉

Ich finde es schon interessant, dass man irgendwann scheinbar dem Wahn verfällt, ein erfolgreiches Unternehmen verlöre automatisch den Verstand, wolle die Weltherrschaft an sich reißen und dann die gesamte Menschheit unterjochen.

Samsung ist ein Unternehmen wie viele andere, Apple und Google ebenso. Wir nutzen deren Dienste, weil sie uns helfen. Und wir sollten endlich etwas mehr nachdenken, bevor wir erfolgreichen Unternehmen beständig bösen Willen und die Diktatur über die Welt vorwerfen. Keinem Unternehmen ist damit geholfen, wenn es auf einem Markt gegen die Interessen der Kunden agiert. Ich wette, die eFuse Sicherung in neuen Samsung Geräten wird in den allerwenigsten Fällen überhaupt zum Garantieverlust führen. Der Regiolock wird problemlos entsperrt und einige wenige werden so lauthals krakelen, wie sie nur können. Bis ein anderes Unternehmen erfolgreich ist, dann haben wir den nächsten Superschurken.

Wir alle sind Cyborgs, tut aber gar nicht weh.

Ja, ich kenne die „harte Definition“, die davon ausgeht, dass ein Mensch mit künstlichen Körperteilen ausgestattet wird, um mehr leisten zu können.  Aber das ist für mich viel zu langfristig gedacht. Auch im Blog des ZDF scheint man das erkannt zu haben: „Wir sind heute schon Cyborg“ wird dort, meiner Ansicht nach sehr richtig getitelt.

Im Moment erleben IMG_20130916_200705wir eine sanfte Symbiose zwischen Mensch und Maschine. Wenn wir alle mal ehrlich zu uns sind, dann möchten wir doch heute schon auf diverse Technologien nicht mehr verzichten und tragen sie fast ständig mit uns herum oder nutzen sie. Nur wer meint er fühle sich dabei besser, verzichtet heute freiwillig auf ein Mobiltelefon, fällt damit aber quasi aus großen Teilen der modernen Gesellschaft und ihrer Kommunikationswege heraus. Und kann auch die Vorteile nicht für sich entdecken.

Durch das Mitführen eines Smartphones modifizere ich mein Leben und letztlich mich schon in beträchtlichem Maße. Und Dinge wie Fitnesstracker, Smartwatches oder Google Glass werden als abnehmbare „Pheripherie“ des Körpers diesen Trend noch verstärken und haben zudem eine viel höhere Akzeptanz als echte Implantate.

Wenn ich heute mit meinem Smartphone unterwegs bin, habe ich eine Navigationshilfe, einen Einkaufsberater, ein Lexikon, eine Unterhaltungsmaschine, einen Lerncomputer, eine Geldbörse, einen Schlüssel, eine Kamera, eine Videokamera, ein Diktiergerät, eine Wetterstation und noch vieles andere mit dabei. Was Ende des letzten Jahrtausends mit den PDAs begann, aber noch Jahre zu früh war (PDA stand und steht für Persönlicher Digitaler Assistent) wird mit Hilfe von always online und leistungsstarken Smartphones und Tablets langsam dorch zur Realität. Google Now, Aviate, Everything Me sind erste Ansätze für intelligente Anwendungen,die proaktiv Informationen aggregieren und an mich liefern. DAS ist es, was ich von meinem Smartphone erwarte. Keine ungefilterte Informationsflut, sondern Daten und Infos, die zu meiner aktuellen Umgebung und den Dingen, die mich dort beschäftigen passt.

Insofern beobachte ich  mit wachsender Begeisterung, dass endlich tatsächlich Erkenntnisse aus der KI in die Software einfließen, die JEDER von uns täglich verwendet. Und wir stehen hier wieder einmal erst am Anfang einer technischen Entwicklung, deren finale Ergebnisse mal mehr mal weniger positiv für uns bereits in vielen Filmen dargestellt wurden. Der Roboter mag kommen, die Implantate auch. Was für jeden erschwinglich und viel einfacher zu realisieren ist, sind digitale Geräte, die uns im Alltag helfen, ohne dass wir uns modifieren oder Unsummen für die sich bewegende „Hülle“ ausgeben müssten.

Das Smartphone war noch lange nicht smart. Es beginnt erst smart zu werden.

Wir werden natürlich auch hier viel Ablehnung und Ängste erleben, aber die Technologie wird kommen, alleine schon deshalb, weil wir sie in einer komplexen Welt brauchen, um uns sinnvoll und nachhaltig in ihr zu bewegen und zu leben.

Lässt sich Social Media kommerzialisieren? Nein, aber ernst nehmen!

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Social Media ist keine Technologie, sondern eine Geisteshaltung

Oft werde ich mit der Frage konfrontiert, ob man mit diesem Social Media Krams überhaupt als Unternehmen Geld verdienen kann. Die Antwort ist bei weitem nicht so einfach, wie viele glauben. Zum einen ist Social Media ein schwieriges Medium (schön wird das in einem brillianten Artikel von Mirko Lange in der Huffington Post), das sich nicht so einfach mit den „klassischen Marketingmethoden“ aus den Lehrbüchern bearbeiten lässt. Zum anderen sehend as viele Entscheider zwar als etwas, das man mal tun sollte, setzen sich dann aber nicht wirklich damit auseinander, was dies bedeutet. Resultat oft, es gibt zwar ein Social Media Budget aber kein Konzept. Oder ein Social Media Budget, ein Konzept, aber niemanden, der das zu 100% umsetzen kann.

Und hier gleich mal die schlechte Nachricht. Auch wenn viele Social Media immer noch für eine Spielerei halten, es ist ein schwieriges Geschäft.
Denn im Gegensatz zu allen anderen Kanälen ist Social Media interaktiv. Ja, das mag so manchen befremden, aber es reicht nicht, in die Social Media Kanäle seine Verkaufsbotschaften hinauszublasen, die will schon kaum jemand in Fernsehen und Print ernsthaft sehen, in Social Media können zu platte Werbemaßnahmen aber völlig nach hinten los gehen.

Vergleichen wir doch mal eine beliebige Social Media Plattform mit einer großen privaten Party. So abwegig ist das gar nicht, denn die primäre Funktion von Social Media Diensten wie Facebook und Twitter FÜR DEN KUNDEN ist nicht, darüber Werbung zu bekommen, sondern mit Freunden und Bekannten Bilder, Nachrichten, Botschaften auszutauschen.

Man stelle sich vor, ein in den Farben des Unternehmens verkleideter Marketingfuzzi würde auf einer privaten Feier herumtänzeln, jedem, der es sehen will oder auch nicht seine Werbeflyer aufdrängen und immer mal wieder zum Xten Mal ein IPad verlosen. Denn würden wir doch alle achtkant rauswerfen? Ja, und das machen wir alle halt auch in den Social Media Plattformen. Wir blockend die Werbebanner, „unliken“ die Firmenseite, wenn außer Marketinglügen, die immer alles schön und toll und viel besser als die Konkurrenz und unschlagbar anpreisen. (Eine Keynote eines beliebigen Herstellers zu einem neuen Produkt und man kann für zig Runden Buzzword Bingo leere Werbeworthülsen wie „fantastic“, „gorgeous“, „gamechanging“ aufschnappen)

Bestand hat in Social Media nur ein Unternehmen, das sich ernsthaft mit den Belangen der Kunden auseinandersetzt. Das Kritik annimmt, auf Augenhöhe kommuniziert und mit den Kunden ehrlich umgeht.

Allen anderen kann ich nur sagen: Blast ruhig weiterhin euer Werbebudget in Print Anzeigen und verblödende TV Werbung. Die wollen wir zwar auch nicht sehen, aber da bekommt ihr das wenigstens nicht so direkt mit 😉

Wer sich weiterhin beklagt, dass die Kunden diese bösen Adblocker nutzen soll bitte nur einen ganzen Tag durchs Netz surfen und mir dann sagen, ob ihn die Flut an dummer Werbung annervt, die zum Teil genauso hirnverbrannt daherkommt wie die Printwerbung.

Sich in Social Media zu bewegen bedingt, dass man die Mechanismen versteht, dass man sich vernetzt, sich kümmert, aktiv ist, Blogger und Twitterer ernst nimmt, sie mit einbezieht und zu Fürsprechern fürs Unternehmen macht. Nicht durch plumpes Kaufen, sondern dadurch, das man sie ernsthaft vom Produkt ÜBERZEUGT! Was ich hier im Blog teste, habe ich wirklich in Händen gehalten, ausprobiert, getestet und meine Bewertungen dazu sind objektiv. Das ist Bedingung, das vergessen aber leider manche bei der Anfrage. Denn ich kann als Blogger nicht ernst genommen werden wollen, wenn ich mich von Unternehmen für positive Urteile bezahlen lasse. Meine erste Frage bei jeder Kooperationsanfrage ist deshalb auch: Darf ich auch darüber schreiben, wenn mir das Produkt nicht gefällt?

Das ist der Lakmustest für die Unternehmensanfrage. Nur, wer hier souverän genug ist, dieses Risiko einzugehen, hat bei mir eine Chance im Blog besprochen zu werden. Und, Achtung, das überrascht jetzt manche Unternehmen vielleicht, das ist bei JEDEM guten Blogger so. Also wenn euch jemand freudestrahlend sein Blog anbietet für eine geschönte Werbemaßnahme, tja, dann könnt ihr das Geld auch gleich verbrennen. Viel wert ist so ein Beitrag nicht.

Wenn man aber auch mit Bloggern auf Augenhöhe kommuniziert, dann hat man einen Marketinggewinn, der mit nichts sonst zu vergleichen ist. Ehrlich, offene und vor allem mit Reichweite gesegnete Mitglieder der Community. Ich kenne einige Firmen, die das begriffen haben. Aber viele stehen noch vor einem langen Weg.

Man kann wirklich sagen. Social Media ist in der Gesellschaft angekommen. In den Unternehmen bis auf ganz wenige Ausnahmen noch lange nicht.

Ihr sollt mich kennen, aber meine Daten geb ich nicht her.

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Wer Personalisierung will, sollte gewisse Daten auch freigeben.

Zuletzt passierte es bei Aviate, dem neuen Launcher, der gerade in die private Beta gegangen ist (nutzen nur nach Invite, also quasi wie Ingress).

Da der Launcher, um die einzelnen Seiten dynamisch an die Bedürfnisse des Nutzers anzupassen und auch neue Apps vorschlagen zu können, darauf zurückgreift, was jeder Nutzer in welcher Kategorie verwendet, und dazu gemeinsam mit der Geocodierung (um auch die Orte zu erkennen, die in der Nähe des Nutzers liegen) diese and die Server von Aviate schickt gab es wieder mal einen Aufschrei.

Was man dabei merkte. Das Prinzip von Aviate wurde nicht verstanden. Es ist eben elementarer Bestandteil, dass das Nutzerverhalten ANONYM getrackt wird,vergleichbar mit Amazons „Kunden die X kauften, kauften auch Y“ um den Launcher so intelligent zu machen, dass er sich ohne Zutun des Nutzers anpasst.

Hier stoßen wir auf ein elementares Problem aller vernetzten Dienste. Die generelle Angst davor, Daten preizugeben und damit zu ermöglichen, dass einem Schaden zugefügt  wird. Diese Angst ist natürlich berechtigt, aber wir sollten uns auch immer vor Augen führen.

Wenn ich ein gewisses Ziel verfolge, gewisse Funktionen oder Dienste haben möchte, muss ich auch Daten Preis geben. Ohne dies würden Dienste wie Google Now, Foursquare, Facebook oder Google+ garnicht existieren oder nur sehr rudimentär funktionieren.

Und wichtig ist immer, was gebe ich überhaupt preis. Bei Aviate z.B. sind es eine generische ID um die Smartphone Instanz eineindeutig zu identifizieren, die Geocoordinaten des momentanen Standorts (etwas, das z.B. auch Google, Vuze und andere Dienste tun) und die Liste der Apps. Keine Daten die direkt auf mich als Person schließen lassen.

Und last but not least. JEDER konnte wie bei Android üblich bei der Installation sehen, welche Daten übertragen werden. Aber wahrscheinlich war es wie immer, das liest keiner durch aber hinterher beschwert man sich.

Wir sollten bei allem Datenschutz auch überlegen, welche Daten wirklich schützenswert sind. So lange es sich um die Liste meiner Apps und den aktuellen Standort handelt und niemand darüber auf mich als Person zurückschließen kann, gebe ich diese gerne Preis. Denn die Funktionalität und der Mehrwert gerechtfertigen es in meinen Augen. Gleiches gilt für Google Now und Amazon.

Wir dürfen die Herrschaft über unsere Daten nicht geringschätzen.

Wir sollten aber auch nicht aus einer Datenschutzparanoia heraus gar nichts mehr preisgeben wollen, aber dennoch personalisierte Dienste fordern.