Blogparade: Digitale Heimat

Alex Schnapper, ein guter Freund von mir, den ich sozial medial zuerst kennengelernt habe, hat eine Blogparade „Verlust der digitalen Heimat“ gestartet, eine Frage, die ich mir in den letzten Monaten oft gestellt habe und da ich auf dem Barcamp Stuttgart dieses Jahr endlich wieder dabei war (für mich DAS Barcamp, das mich an die Idee herangeführt hat), wo ich eine Session anbot mit dem Titel „Ist Social Media tot oder riecht es nur schlecht?“ Hubert Mayer, der mit einer ähnlichen Fragestellung am Start war, schlug vor, wir machen das gemeinsam, was zu einer sehr spannenden Session führte, deren Fazit war in etwa: Nicht ganz tot, aber es zerfleddert gerade und es gibt keine zentrale Plattform wie es Twitter einst für viele von uns war.

Digital war ich schon seit meiner Jugend. Mit dem VC20 fing es an, ich verkaufte eigene Programme in Computerzeitungen (damals tippte man Code noch ab um an neue Software zu kommen). Damit finanzierte ich meinen ersten AMIGA. Nach einer kurzen Phase an einer Berufsakademie, die so gar nicht meins war, hab ich dann in Osnabrück Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz studiert. Zu der Zeit begann es gerade mit dem World Wide Web (nein, das Internet ist viel älter) und ich stürzte mich voll Enthusiasmus ins Aufbauen von Webservern und die Webseitenerstellung.  Dort gab es auch erste Chatsysteme am Großrechner und Bulletin Boards. Als ich dann ein Forschungsstipendium bei der IBM bekam, war klar, wohin die Reise geht. KI und World Wide Web.

Und als Plattformen wie Twitter und Facebook beliebt wurden, war ich stets Early Adopter. (Tipp am Rande. Early Adopter ist ne spannende Sache, aber von allem, was neu erscheint ist es sinnvoll, die erste „Runde“ zu ignorieren, das spart viel Zeit und Nerven)

Den Großteil meiner Follower bekam ich durch #zensursula und den damaligen Plan von Netzsperren und durch meinen Aufenthalt in psychiatrischen Kliniken nach einem Suizidversuch und der darauf folgenden Diagnose: Schwere wiederkehrende Depression und generalisierte Angststörung.

Aus den Tweets von damals unter dem Hashtag #ausderklapse ein sehr erfolgreiches Buch bei Bastei Lübbe (Depression abzugeben) und ich konnte dank eines sehr erweiterten Followerkreises an Aufklärung über Mentale Gesundheit arbeiten.

Dann kam Elon und damit das Ende von Twitter. Nicht nur der Name änderte sich zu X (ein überaus dämlicher Name wie ich finde) sondern auch das früher schon oft flache Niveau wurde zu einer Kakophonie von rechtem Müll, Pornbots und Schwurblern.  Letztlich bin ich nur noch auf X , damit niemand anderes meinen Twitternick für rechten Blödsinn missbrauchen kann.

Nach einigen Experimenten mit Bluesky (zu nieschig für mich) und Mastodon (einfach nicht mein Ding) bin ich nun bei Threads gelandet, wo ich schnell eine sympathische Mental Health und Programmier/KI Community fand.  Aber damit gehen mir über 5000 Follower verloren und  bei Threads baut sich die Community gerade erst wieder auf.

Für mich ist Social Media nicht tot aber in einer Schockstarre. Ich bin in anderen Themen aktiv. Nach langer Abstinenz code ich wieder zum Thema KI und bin dadurch und durch die Nutzung der Plattform durch meine Kinder bei Discord sehr viel aktiver.  Facebook und Instagram bespiele ich zwar, lese da aber eher selten.

Social Media ist im Moment immer noch in einer Schockstarre und ich wieder auf historischen Pfaden unterwegs, nachdem ich ja bereits vor über 30 Jahren KI studiert habe und die aktuelle Entwicklung mich sehr fasziniert, weil während meines Studiums damals die Grundlagen für das gelegt wurden, was heute als generative KI bekannt ist.

Bislang fühle ich mich auf Threads ganz wohl, wenn auch die Lust aufs Posten sich eher reduziert hat. Aber immerhin laufen Diskussionen (noch) sehr viel kultivierter auf Threads aber irgendwie ist die Luft raus. Dafür belebt sich mein Blog wieder, was ich leider habe viel zu lange brach liegen lassen mit nur spärlichen Beiträgen und dann zu monothematisch.

Ja, wenn ich es genau betrachte, ich habe meine digitale Heimat verloren. Ob das schlecht ist? Schade ist es, Discord, Threads und Softwareentwicklung gleichen da viel aus, aber es fühlt sich merkwürdig an. Social Media riecht für mich gerade sehr schlecht. Und ich fürchte, wir sind damit durch, dank zu viel Werbung, Influencergebläsen und rechtem/Schwurblerzeug.

Immerhin bin ich wieder zu meinen Wurzeln als KI Forscher und Softwareentwickler zurückgekehrt. Man ist nie zu alt fürs Coden und fürs Forschen schon zweimal nicht. Und Wissenschaftler verlernt man nicht, das ist Teil der eigenen DNA.

Und was besonders schön ist: Meine Söhne haben sich beide entschlossen, das zu machen, was immer schon meine Leidenschaft war und ist. Sie studieren Informatik und dort mit Fokus auf KI. Und das fast ganz ohne mein Zutun.

Wir brauchen mehr Öffentlichkeit

So wie ich mit dem Thema psychische Krankheit umzugehen verlange ich von niemandem. Aber an alle, die die Kraft haben, den Willen oder wie ich damals einfach keine andere Wahl mehr kann ich nur appellieren: Bleibt laut, bleibt unbequem. Drängt in die Medien, sorgt dafür, dass eure Geschichte, unsere Geschichte nicht nur von denen vermittelt wird, die sowieso schon prominent sind.

Psychische Krankheiten können uns alle treffen und nur wenn wir der Öffentlichkeit klar machen, wie weit verbreitet psychische Krankheiten sind, wie schnell es JEDEN treffen kann, können wir mit der Zeit das nach wie vor bestehende Stigma beenden. Damit meine ich auch das Stigma Suizid. Wir müssen einen neuen Umgang damit lernen. Darüber den Mantel des Schweigens zu decken hilft denen auf keinen Fall, die mit dem Gedanken spielen.

Und lasst euch von den Trollen nicht beirren, die euch Profilsucht vorwerfen, oder ihr wolltet nur Geld verdienen.  Deren Ignoranz und oft auch Dummheit darf kein Hinderungsgrund sein, für Aufklärung, für Toleranz zu kämpfen.

Menschen mit psychischen Krankheiten brauchen Hilfe, ohne ein Stigma zu fürchten, sie brauchen Menschen, die die Krankheit als solche akzeptieren und sich nicht automatisch anmaßen, genau zu wissen, wie es euch geht.

Menschen, die glaubten, sie verstünden meine Krankheit, die aber offensichtlich keine Ahnung hatten, haben mich fast in den Suizid getrieben. Und als sie ihre Fehler erkannten, haben sie sich nicht etwa entschuldigt, sondern mir gedroht.

Auch deshalb gehe ich immer wieder an die Öffentlichkeit. Damit solche gefährlichen Menschen keine Macht mehr haben, damit wir offen damit umgehen und damit vernünftige Hilfe statt vorurteilsbelasteter Plattitüden bekommen.

Ich wünsch mir Talkshows mit Betroffenen, statt dauernd nur mit den angeblichen Experten, ich wünsche mir mehr offenen Umgang mit psychischen Krankheiten als etwas, das so normal ist wie jede körperliche Krankheit auch.

So lange das nicht gegeben ist, werde ich nicht aufhören, unbequem zu bleiben. Und die, die mich mundtot machen wollten, sollten acht geben. Ich sammle die Beweise. Damit das nicht auch anderen geschieht.

 

Jetzt auch als Podcast: Verhaltensoriginell

Lange habt ihr mich angesprochen, gebeten, euch einen Podcast gewünscht. Nun denn, es ist soweit, seit heute gibt es „Verhaltensoriginell, den Podcast rund um psychische Gesundheit“.

Erst mal ist es ein Experiment, wie ich ihn genau ausgestalten werde, wer drin vorkommt, was für Themen es geben wird, da bin ich offen und hoffe auch auf eure Ideen.

Folge eins über Diagnosen und Fehldiagnosen ist seit heute online und wird nach und nach auch bei den diversen Plattformen wie Spotify, ITunes, Google Podcasts etc. verfügbar sein.

 
Den RSS Feed findet ihr unter: https://anchor.fm/s/6e01d10/podcast/rss

Wieso bringen sich so viele Depressive um?

Das ist ein Beitrag zur Blogparade des Totenhemd Blog. Wie ich finde ein sehr guter Blog, der mal offen und ehrlich mit dem Thema Tod umgeht:

Nicht ganz einfach zu beantworten, da man dazu vermitteln können müsste, wie dunkel, wie hoffnungslos die pure Existenz für einen depressiven Menschen sein kann. Es fühlt sich nicht an wie der Winterblues oder die Trauer, wenn man einen geliebten Menschen verliert. Es ist tiefer, dunkler, beängstigender.

Und es ist oft der einzige Ausweg, den man als Depressiver noch sieht, der letzte Punkt, an dem man selbst noch Kontrolle hat. Kontrolle über sein Leben, die man den Rest der Zeit längst an die Depression abgegeben hat.

Depressive Menschen wollen nicht tot sein. Sie wollen nur das Leben nicht mehr, das ihnen in dem Moment so viele Schmerzen bereitet. Und sie sehen in ebendiesem Moment keinen anderen Weg mehr. Der Schmerz ist so groß geworden, dass er alles überlagert.

Ein depressiver Mensch will mit seinem Tod niemandem weh tun, im Gegenteil, in den allermeisten Fällen denkt er, dass alle um ihn herum ohne seine Existenz besser dran wären. Selbst wenn er eigene Kinder hat, eine Partnerin. Auch sie sind nach seinem Empfinden ohne ihn besser dran. Auch die, deren Versuch scheitert, wollten sich töten. Dieser dumme Spruch, das war doch nur ein Hilferuf entwertet die schwere ihrer Krankheit. Nein, es war kein Hilferuf, es war ein klares Zeichen, dass man nicht mehr kann, nicht mehr will, einfach nicht mehr die Kraft hat, weiter gegen den Dämon Depression zu kämpfen.

Es ist, trotz aller Verzweiflung ein durchaus schönes Gefühl, am nächsten Tag lebend aufzuwachen. Aber nur kurz. Dann bereut man, dass man es nicht geschafft hat. Weil der Dämon schon vor der Tür wartet.

Geiler Content ist ehrlicher Content

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Geiler Content kommt vielfach von Bloggern, die authentisch erlebtes schreiben. Nehmt gute Blogger ernst und ihr bekommt auch geilen Content.

Mirko Lange ruft zur Blogparade, es geht darum, was eigentlich „geilen Content“ ausmacht.

Na ja, da kann ich nur sagen, ehrlich muss er sein. Auch wenn der Begriff schon etwas abgedroschen klingt, es sollte authentisch sein. Wir alle kennen doch diese schöngefärbten Texte aus den Hochglanzprospekten, wo das Produkt, die Dienstleistung dargestellt wird, als gäbe es nichts besseres auf der Welt. Und glauben wir das?

Wenn wir ehrlich sind, dann ist es doch eigentlich genau das, was uns an Werbung stört: Dass alles so „unehrlich“ rüberkommt. Jedes Produkt ist gut, aber hat auch andere Konkurrenzprodukte, die ebenfalls gut sind. Ich will nicht hören, dass euer Produkt das beste ist, sondern was es ehrlich für mich bringt. Oder einfach nur eine amüsante Story, die mich unterhält und mir zeigt, dass ihr auf einer Wellenlänge mit mir lebt, nicht abgehoben in euren Marketing und Kommerzwolken.

Und nochmal. Guter Content ist ehrlich. Mir wird ein Produkt am ehesten sympathisch, wenn ich etwas über die Menschen und zwar die echt arbeitenden Menschen hinter dem Produkt erfahre. Wenn ich ehrliche Texte über die Rahmendaten des Produkts bekomme. Oder wenn der Content von Bloggerinnen und Blogggern kommt, die das Produkt, den Dienst wirklich nutzen und auch dahinter stehen.

Ich will authentische Testberichte und glaubt mir: Wenn ich nur positives höre, dann glaube ich das erst mal nicht. Ich will auch die Makel wissen, die Dinge, die nicht gehen, denn vielleicht brauche ich die gar nicht oder brauche sie gerade und bin froh, wenn ich ehrlich erfahre, dass dieses Produkt nichts für mich ist. Denn möglicherweise habt ihr ja noch was anderes im Angebot.

Und geiler Content betrifft mich auch noch, wenn ich bereits Kunde bei euch bin, oder Leser eurer News. Ich will nicht dauernd das Gefühl haben, alles was ihr schreibt, schreibt ihr nur, weil ihr mir was andrehen wollt. Wir sind eine Gemeinschaft, in dem Moment, in dem ich euer Produkt, euren Dienst erwerbe. Nehmt mich danach auch noch ernst, liefert mir dann auch noch Content, der relevant für mich als bereits Kunden ist und ihr produziert geilen Content für Kunden, die euch auch treu bleiben.

Fragt euch beim Verfassen oder Bestellen von Content zwei Dinge: Nimmt der Text den Leser/Kunden ernst? Hilft der Content dem Leser/Kunden oder unterhält er ihn wenigstens? Und fragt nicht: Verkauft der Content mein Produkt? Das wird er nur dann, wenn der Kunde ernst genommen wird. Und dazu sind diese marktschreierischen „kauft uns, wir sind die Coolsten“ Text so letztes Jahrtausend dass es mich jedes mal schüttelt, wenn ich einen davon lese.

Mutmachparade, weil wir uns mehr zutrauen sollten

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Introvertierte Rampensau. Widerspruch? Ne, Ich.

Der Johannes Korten, ein Mensch, den ich sehr schätze ruft zur Mutmachparade auf, gegen ewiges Lamentieren. Da trifft er bei mir gleichzeitig ins Herz und einen wunden Punkt. Denn eigentlich gehen mir die ganzen Bedenkenträger, Sorgenmacher und Nein-Sager ja gehörig auf den .. Na ihr wisst schon. Aber andererseits war ich eine ganze Zeit lang viel zu optimistisch, habe immer gerne geholfen und sah in allen Entwicklungen das beste. Das hat sich durch persönliche Ereignisse relativiert. Und vielleicht gerade deshalb spricht mich die Idee der Mutmachparade an. Weil ich selbst manchmal mehr Mut zeigen sollte. Auch gegenüber Menschen, die mir nicht wohlgesonnen sind. Mich hat vor Jahren ein Mensch so direkt angegriffen, mir so viel meines eigenen Mutes geraubt dass ich eigentlich erst seit etwa einem halben Jahr zu sagen wage, ja, ich bin wieder mutig wie früher. Wir haben eine hässliche Tendenz dazu, in allem nur das Schlechte, das Böse zu sehen. Seien es Technologien, Handlungsmotivationen oder gesellschaftliche Entwicklungen. Zu wenig Mut lähmt aber, denn er verhindert aktives Handeln. Wenn mich etwas stört gibt es den schönen Dreiklang „Love it, Change it, Leave it“. Leider verharren viel zu viele Menschen in einer Vorstufe, dem „Hate it“. Wir sollten mehr Mut haben uns von den Meinungen, dem Fremdbild anderer zu lösen. Das ist eine der größten Lebenslügen, die leider auch im Berufsleben immer noch dumm wiederholt wird. Das Selbstbild ist oft das kritischere, aber auch das ehrlichere. Ich höre mittlerweile nur noch von ganz, ganz wenigen Leuten darauf, was sie mir als Fremdbild widerspiegeln. Wir brauchen Mut, wir selbst zu sein, unsere Werte hoch zu halten, in einer Zeit, in der alles nur noch für die Wirtschaft da zu sein hat. Wir müssen dem verlogenen Dogma des „Alles für die Ökonomie“ entgegentreten und wieder „alles für den Menschen“ fordern. Und zwar für alle Menschen. Mutig sein heißt vor allem nicht jeder Lüge glauben, nur weil sie von „da oben“ oder aus den Medien kommt. Und Mut heißt auch,selbst zu denken, nicht jeden esoterischen Blödsinn unbesehen zu glauben, sondern zu hinterfragen. Mein Deutschlehrer hat mir mit einem Satz das wichtigste für mein Leben mitgegeben, „Bei allem was du tun sollst, glauben sollst, lernen sollst. Frage immer nach dem warum.“ Recht hatte er und recht hat er. Die meisten Verletzungen, Kränkungen, Fehleinschätzungen entstehen aus Angst. Angst vor der Überlegenheit des Gegenübers, Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit, Angst vor Fehlern. Mutig sein, Fehler machen, unbegangene Wege gehen, und vor allem EIGENE Wege gehen. Das ist es, was wir alle als unser Credo wiederentdecken müssen. Viel zu lange hat man uns den Mut geraubt. Wir sollten ihn uns dringend zurückholen!

Blogparade zur Zukunft der EMail: EMail ist doof, aber nicht tot.

Mein Blogger- und Twitterfreund Stefan Pfeiffer ruft auf, sich in einem Blogbeitrag Gedanken zur Zukunft der EMail zu machen. Für mich ein spannendes Thema, da es wie so vieles mindestens zwei Seiten hat.

Schon lange wird die EMail tot gesagt, aber wir wissen ja, Totgesagt leben länger. Auch ich nutze EMail noch intensiv, oft mehr, als mir lieb ist. Noch ist die EMail für viele das Medium der Wahl für die elektronische geschäftliche Kommunikation. Während bei mir im privaten Bereich Facebook, Twitter, Google+ und Messenger längst die Mail als primäres Medium abgelöst haben, nutze ich im Büro noch weitestgehend EMail für den digitalen Austausch und nur gelegentlich einen Messenger. Ich vergleiche die EMail gerne mit dem Brief und den Chat mit dem Telefonat. EMail ist nachhaltiger, ist schriftlich und kann offline, dafür umfangreicher verfasst werden.

Ich denke, auch in den kommenden Jahren wird die EMail noch ihren Platz haben. Aber sie muss klüger werden.Im Moment ist mein Hauptemailclient auf dem Smartphone Mailbe.at gerade weil sich hier erste Ansätze für einen intelligenteren Umgang mit EMail zeigen.

Während die Filterung von Spam bereits Alltagstechnik ist, warte ich noch auf Systeme, die es mir ermöglichen, meine EMails noch vor dem Lesen semantisch und nach Priorität zu filtern. Mit der immer weiter voranschreitenden Spracherkennungstechnologie dürfte sich hier auch die semantische Analyse weiterentwickeln.

Für die Zukunft erwarte ich, dass ein guter Mail Client mir die EMail vorsortiert, sie semantisch und zeitlich priorisiert und mit Zusatzinformationen aus Adressbuch, Fotoalben, Terminen und Dokumenten anreichert. Mailbe.at zum Beispiel erkennt, wenn ich in einer Mail etwas über ein Ereignis schreibe, zu dem ich Bilder gemacht habe und bietet diese mir passend dazu an.

Mail ist ein Kommunikationsweg, der sich in meinen Augen deutlich von Social Media unterscheidet, da er sehr viel mehr offline agiert, wie der Brief das vor ihm tat und für manche Themen noch heute tut. Der Abgesang einer Technologie geht doch meist damit einher, dass sie zunächst scheinbar verschwindet, nur um dann in den sinnvollen Nischen stärker und anders als zuvor wieder zu kommen. Intelligente EMail Assistenten sind für mich der Schlüssel für ein sinnvolles Fortbestehen. Sie werden für mich Standardmails direkt beantworten, mir eine Auswahl je nach Kontext präsentieren und gegebenenfalls Mails kategorisieren und wenn wichtig archivieren.

Die EMail ist für mich noch lange nicht tot, sie muss sich aber weiterentwickeln, denn die jetzigen EMail Programme und Werkzeuge wirken im Vergleich zu dem, was auf den sozialen Netzwerken möglich ist, doch recht anachronistisch. Ich sehe hier gegenseitige Möglichkeiten der Interaktion, wenn zum Beispiel EMails mit direkten Referenzen auf passende Chats oder Profile in den sozialen Netzwerken angereichert werden. Heutige EMail ist dumm, es wird Zeit, ihr etwas Intelligenz zu geben.

 

 

 

Blogparade: Arbeitsplatz der Zukunft-Es beginnt alles im Kopf

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Als Blogger und Buchautor bin ich heute schon mobil. In Zukunft wird der Ort an dem ich arbeite noch viel irrelevanter werden.

Die Blogparade des CeBIT Blog „Arbeitsplatz der Zukunft“ greift ein Thema auf, zu dem ich nebenberuflich schon lange forsche und schreibe. In meinem Hauptberuf bin ich Softwareentwickler und zwar klassisch. Arbeitsplatz im Büro, fester Desktop PC und über die üblichen Gleitzeitmodelle hinaus im Prinzip der klassische 9-17 Uhr Job.

Das macht mir nichts, der Beruf macht mir Freude, aber als Autor und Blogger arbeite ich eben auch noch in anderen Arbeitsmodellen. Denn als Autor und Blogger bin ich mobil.  Sehr mobil. Eigentlich benötige ich nur meinen Rucksack und einen Tisch, nein, eigentlich noch nicht mal das, um zu bloggen, zu recherchieren, zu schreiben und ja, auch um KUMs bei ihren ersten Schritten in die Arbeits- und/oder Social Media Welt von Morgen zu begleiten.

Aber ich möchte hier gar nicht auf meine technischen Werkzeuge eingehen,die mir mobiles Arbeiten ermöglichen. Smartphone, Tablet und Notebook, WLan und MIFI alles bekannte Begriffe und Technologien. Aber nicht das, was die Arbeit der Zukunft für mich ausmacht. Denn für  mich gibt es zwei Prämissen, die ich für zukünftige Arbeitsplätze sehe.

Zum einen, der Ort wird irrelevant. Wir werden erleben, dass die Präsenzkultur sich immer mehr überlebt. Ich arbeite nicht, wenn ich da bin, sondern wenn ich arbeite. Heutige Unternehmen verwenden viel zu viel Energie und Kosten darauf, die Präsenzzeiten der Mitarbeiter zu erfassen. Wer aber permanent fragt, wie lange etwas dauert, der wird erleben, dass die Zeiten, die er erhält auch stets voll ausgefüllt werden. Denn es geht ja nicht um die effektive Erledigung der Aufgabe sondern um das anwesend sein, wenn es erwartet wird und idealerweise auch, wenn für den Chef sichtbar (zumindest scheinbar) gearbeitet wird.

Das ist nicht mein eigenes Erleben, das haben Studien ergeben. Schon in meinem Umfeld kann ich beobachten, wie plötzlich die Ergebnisse wichtig werden, wenn man sich von dem Denken in Stechuhrmodellen verabschiedet. Projekte erwarten nicht die Präsenz des Mitarbeiters, sondern das Ergebnis. Sie wollen vom Mitarbeiter nicht Anwesenheit, sondern gute, qualitativ hochwertige Ergebnisse. Gerade in Wissensberufen – und auch wenn das mancher so nicht sehen will, sie werden in Zukunft die überwiegende Mehrheit der Tätigkeiten darstellen – zählt das Resultat, nicht die Dauer.

Auch daraus resultiert ein weiterer Aspekt, den ich für zukünftige Arbeitsplätze sehe. Anstelle eines Fulltime Jobs wird es immer mehr Teilzeitangestellte geben, die möglicherweise für mehrere Unternehmen in einer Art serieller Festanstellung oder einem Mix aus Festanstellung und freiberuflicher Tätigkeit arbeiten. Daraus resultiert, dass sie nicht mehr zwangsweise in den Räumen des Unternehmens tätig sein müssen, dass Unternehmen vielmehr so etwas wie Coworking Spaces bereitstellen, die dann von den Mitarbeitern des Unternehmens ganz nach den aktuellen Tätigkeitsbedürfnissen genutzt werden. Da kann es Phasen mit permanenter Präsenz geben und wiederum Abschnitte, in denen der Mitarbeiter mobil, von zuhause aus oder von unterwegs tätig ist.

Es gibt das Stichwort vom „atmenden Unternehmen“. Das wird aber schwierig, so lange ich die Mitarbeiter für ihre Anwesenheit bezahle. Denn dann muss ich mir stets überlegen, wie ich die Ressource Mensch möglichst optimal auslaste, denn dann ist ja Mitarbeiterzeit Geld. Bezahle ich aber für Ergebnisse, idealerweise nicht bezogen auf den einzelnen sondern Teams oder Projekte, ist es durchaus möglich, neben hochstressigen Phasen auch Ruhezeiten zu haben, in denen manch ein Mitarbeiter nur 3 Tage arbeitet. Nicht falsch verstehen, die Bezahlung sollte sich weiterhin fix gestalten, damit Planungssicherheit für den Arbeitnehmer besteht. Aber im atmenden Unternehmen erhält man im Ideal auch die Gesundheit der Mitarbeiter, da dann wenn vernünftig und wirtschaftlich wie sozial sinnvoll geplant wird quasi die Erholungsphasen jenseits des Urlaubs mit einplant. Dann ist der Mitarbeiter nicht mehr ständig unter Stress und droht in den Burn out zu rutschen, da dann die Aufgabe des Managements plötzlich nicht mehr darin liegt, sicherzustellen, dass alle voll ausgelastet sind.

Vielmehr gilt es dann, eine Balance zwischen Arbeit und Mitarbeitern zu schaffen. Es wird immer wieder gerne vom Begriff der Work-Life Balance gesprochen.  Das ist für mich aber ein großer Irrweg. Work-Life Intergration muss das Motto lauten. Privat und Beruf mit der gleichen Wichtigkeit. Das Private nicht nur noch als Regeneration, um im Beruf wieder fit zu sein sondern als eigene wichtige Komponente für Selbstverwirklichung und eigene Interessen. Und bei einer Arbeit, die nicht mehr die Zeit misst, so haben wiederum einige Studien ergeben, ist auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter weitaus größer.

In den Details wird man sicher diskutieren müssen, wird es Auswüchse geben und Fehlentwicklungen.

Aber für mich bedeutet der Arbeitsplatz der Zukunft vor allem mehr Freiheitsgrade und wieder mehr Zeit für das Individuum jenseits der Tätigkeit im Büro, weil die Arbeit plötzlich von einem Fremdkörper im positiven Sinne zum integralen Bestandteil des Lebens wird.