Die Zeit, die Anstalt und die Zensur

Fundstück der Woche : ZDF zensiert “Die Anstalt” nach erstinstanzlichem Urteil Josef Joffe war wohl nicht amüsiert und ich empfehle, ein so beeinflusstes Blatt nicht mehr zu lesen, da dessen journalistische Qualität nicht mehr gegeben ist. | Die Propagandaschau https://propagandaschau.wordpress.com/2014/07/26/zdf-zensiert-die-anstalt-nach-erstinstanzlichem-urteil/
Und bitte alle den Film sichern falls der große Zensor auch hier zuschlägt. Ich habe ihn schon digital vorliegen.

Korrektur: Holly Lisle entfernt all Ihre Bücher aus Apples iBookStore

Das böse Buch, das Apple nicht mag.

Der Grund: Apple hatte ein Buch von Holly Lisle aus dem iBookStore entfernt weil Sie in dem Buch Amazon erwähnt, einen Konkurrenten des iBookStores. Das geht zu weit, und zwar nicht nur für mich sondern offensichtlich auch für Cory Doctorow, der zwar selbst nicht von der Zensur durch Apple betroffen ist, aber offensichtlich ein sehr ausgeprägtes Unrechtsbewußtsein hat. Er berichtet über den Fall. In Holly Lisles Verlautbarung  In seiner Verlautbarung schreibt sie

This is not professional behavior from a professional market.

And cold moment of truth here—you cannot write a writing course that includes information on publishing and self-publishing and NOT mention Amazon. It’s the place where your writers are going to make about 90% of their money.

So I’m pulling ALL my work from the iBookstore today. I apologize to iBookstore fans. I tried. Hard.

Apple, Apple. Auch wenn ich wollte, ihr macht es einem wirklich absolut leicht, euch abzulehnen. Ihr wart mal die coolen Underdogs. Heute seid ihr eher die uncoolen Bösewichte.

Apple zensiert mal wieder: Czernin-Sammelband als ‘zu explizit’ gesperrt

Ich verstehe, wenn man dafür Sorge tragen will, dass bestimmte Literatur nicht in die Hände von Kindern fällt. Das ist auch für Filme rechtens.

Aber ich zumindest würde es mir verbitten, ob ich das Buch nun lesen will oder nicht, wenn ein Konzern, noch dazu einer, dessen Hauptgeschäft eben nicht das Verlagswesen ist, mir einfach als erwachsenem Menschen den Zugriff verwehrt. Das grenzt für mich schon sehr stark an Zensur. Und vor allem ist es etwas, das ich mir von einem Hersteller verbitten würde, dem ich dafür Geld bezahlt habe, auf meinem Endgerät Literatur egal welcher Couleur lesen zu können.

Zudem ist der gesamte Auswahlprozess für meinen Geschmack absolut intransparent. Wir leben immer noch in einer freien Welt. Und da verbiete ich mir jegliche Zensur oder Einschränkung durch einen Elektronikkonzern.

“Porno wird als zu explizit betrachtet und wurde daher nicht freigeschaltet. Wir bitten um Verständnis.
Herzliche Grüße,
iBookstore Germany, Austria, Switzerland”

(Und solch eine Aussage über ein Buch, das von anderen Versendern ab 16. Jahre empfohlen wird)

Nein Apple, dafür habe ich absolut kein Verständnis.

Aber es gibt ja Gott sei Dank noch demokratische Versender wie Amazon: http://www.amazon.de/Porno-Ela-Angerer/dp/3707603830/ref=sr_1_7?s=books&ie=UTF8&qid=1341513524&sr=1-7

Und Online Buchhändler, die ihren Lesern auch noch ein erwachsenes, selbstverantwortliches Denken zutrauen: http://www.libri.de/shop/action/productDetails/14922750/porno_3707603830.html?searchId=14

Also ihr Apple User. Seid glücklich mit eurer heilen, kindgerechten Welt. Der Rest lebt derweil gemütlich in der realen Welt.

 

Neunjährige Foodbloggerin muß ihren Blog schließen! Update: Sie darf weitermachen!!

Ich rufe ja nicht zu einem Shitstorm auf, aber ich hoffe doch schon irgendwie, dass aus dieser Nachricht ein Shitstorm entsteht. Die neunjährige Martha Payne und ihr Blog „Never Seconds“ die Qualität ihres Schulessens dokumentiert und damit international für Aufmerksamkeit und in ihrer Schule für besseres Essen gesorgt.
Nun hat sie einen Maulkorb bekommen und muß ihr Blog schließen, denn sie darf keine Fotos mehr in der Schule machen! Das geht ja wohl gar nicht. Ich hoffe, es gibt einen riesigen Aufschrei in der Community und wir alle sollten Martha dringenst helfen, auch in Zukunft weiter bloggen zu dürfen. So was nenne ich Zensur!
Heute hat sie ihren letzten Blogeintrag geschrieben. Von der Schule wurde ihr verboten, weitere Fotos zu machen und Die Anweisung kam direkt von den Behörden der Region Argyll and Brute in Schottland, also dem Bezirk von Marthas Schule.

Ich hoffe, das erzeugt einen riesigen Aufschrei, wer den Politikern dort die Meinung sagen will, kann dies via Twitter oder auch direkt bei den Behörden von Argyll tun!
Und falls der Blog wirklich ganz verschwinden sollte, hier noch mal ihr letztes Posting:
Bin ehrlich gesagt fassungslos über so ein Verhalten:

 

Thursday, 14 June 2012

Goodbye.

This morning in maths I got taken out of class by my head teacher and taken to her office. I was told that I could not take any more photos of my school dinners because of a headline in a newspaper today.I only write my blog not newspapers and I am sad I am no longer allowed to take photos. I will miss sharing and rating my school dinners and I’ll miss seeing the dinners you send me too. I don’t think I will be able to finish raising enough money for a kitchen for Mary’s Meals either.Goodbye,
VEGHi,
Veg’s Dad, Dave, here. I felt it’s important to add a few bits of info to the blog tonight. Martha’s school have been brilliant and supportive from the beginning and I’d like to thank them all. I contacted Argyll and Bute Council when Martha told me what happened at school today and they told me it was their decision to ban Martha’s photography.
It is a shame that a blog that today went through 2 million hits, which has inspired debates at home and abroad and raised nearly £2000 for charity is forced to end.Dave Payne
neverseconds@gmail.comUnter: http://www.argyll-bute.gov.uk/news/2012/jun/statement-school-meals-argyll-and-bute-council gibt es eine Stellungnahme des Argyll and Bute Council, das zeigt, dass sie offensichtlich nichts begreifen. Noch ein Grund mehr, Martha beizustehen.Update 2: Wer Marys Fund helfen will, kann dies unter http://www.justgiving.com/neverseconds tun. Seit diesem unsäglichen Verbot gehen die Spenden durch die Decke, Steigerung von über 250% ! 

Update 3: Nach dem großen öffentlichen Aufruf darf Mary nun doch weiter bloggen UND fotografieren! Ich freu mich sehr! http://www.bbc.co.uk/news/uk-scotland-glasgow-west-18454800#TWEET160058

Update 4: Und die Spendenaktion für Marys Fund hat mittlerweile über 500% mehr Spenden bekommen als geplant. So hat die Dummheit des School Council doch noch was gutes gehabt! Hier der Stand von 18:00 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Update 5: Ich glaube, das ganze werde ich noch etwas weiter begleiten und beobachten. Heute morgen ist der Spendenstand bereits auf unglaubliche 55,000 Pfund gestiegen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Update 6: Montag morgen und Martha hat mittlerweile mehr als das 1000 fache an Spenden bekommen, als eigentlich geplant war. Jetzt muss ich der Schulbehörde ja geradezu für diese Unwissenheit über den Streisandeffekt danken!

 

 

 

Weleda, Facebook und eine gesperrte Bloggerin, wird es Zeit für einen Shitstorm?

Die Bloggerin Susanne Popp bloggte von den Drohungen und Massnahmen gegen sie, weil sie auf Unstimmigkeiten in der Fanseite von Weleda aufmerksam machte.
Dann heute abend der Höhepunkt mittels folgendem Tweet:“@susannepopp: Der Stich ins Wespennest bei #Facebook. Ich bitte um Veröffentlichung, bin bei Facebook momentan gesperrt http://t.co/89vRppTn “
Soll hier eine kritische Bloggerin mundtot gemacht werden, weil sie Betrügereien auf einer Fanpage aufgedeckt hat? Streut die Story, das darf so nicht stehen bleiben, es geht hier um das Recht auf freie Meinungsäußerung und um BETRUG! Streut die News, übt Druck aus, so geht man nicht mit Bloggern um!

Hmm, da steht im Übrigen: Im Einklang mit Mensch und Natur… Mensch sollte Weleda wohl besser streichen!

Update: Interessant auch die Reaktionen nicht nur auf Susannes Artikel sondern auch hier auf meinen. Erstens, Ja, Susanne ist nicht mehr gesperrt bei Facebook. Gott sei Dank. Aber viel symptomatischer die Reaktionen. Befürworter schrieben sehr gelassen, wenig polemisierend, dafür wurde ich selbst auch von anonymen Postern beschimpft und bespamt. Zunächst wollte ich sperren und löschen, hab mir dann aber gedacht, ne, dokumentier besser das Niveau, das hier herrscht. Wer nicht den Mut hat, mit echter Adresse und mit Klarnamen zu posten, der braucht letztlich von mir nicht zu erwarten, dass ich ihm glaube oder ihn ernst nehme. Diese Form der Klarnamenpflicht finde ich gut. Will ich ernst genommen werden mit meiner Kritik, dann muss ich auch den Mut haben, dazu als Person zu stehen. Denn ich stehe auch als Blogger dazu, diesen Artikel geschrieben zu haben, der offensichtlich nicht als das begriffen wurde, was er eigentlich war: Eine Kritik daran, wie mit jenen umgegangen wird, die als Blogger direkt aktiv sind und vielleicht auch mal Fehler bei der Recherche machen. Mag Susanne in manchem über das Ziel hinausgeschossen sein.Die bösen, niveaulosen und zum Teil regelrecht agressiven Reaktionen zeigen vor allem eins. Schöpferisch, inhaltlich tätig werden wenige. Dumm kommentieren tun viele.

Update 2: Mittlerweile hat sich auch ein Rechtsexperte der Thematik angenommen und einen sehr interessanten Artikel verfasst: Gefälschte Fans bei Weleda ? – Rechtliche Bewertung falscher Facebook Profile – Fake Astroturfing & Recht Wettbewerbsrecht UWG

Apple schmeisst App raus, die über ungerechte Smartphone Produktion berichtet

Tja, das soll der glückliche Apple Kunde wohl nicht erfahren müssen. Dafür gibt es die geniale App Phonestory jetzt für Android. Hab sie gleich mal runtergeladen. Ansehenswert und regt zum Nachdenken an. Aber jetzt nur noch Android Nutzer. Denn auch wir Android User sollten uns bewußt machen, was hinter unseren ach so schicken Smartphones steckt und auf Verbesserung drängen. DAS ist es, was die App vermitteln will. Aber eben nicht mehr Apple Usern.

Apple mag wohl nicht, dass Kunden sich Gedanken machen.

Bitte: Ich möchte endlich mal wieder was Positives von euch berichten Apple, wird aber von  Tag zu Tag schwerer.

Zeitung zensiert Kommentar zum Osloer Attentat, weil islamistischer Hintergrund vermutet wird.

Ganz schlechte Strategie: Die Fuldaer Nachrichten ließen offensichtlich einen Kommentar zum Osloer Attentat online gehen, in dem ein Herr Schermer gleich wieder den üblichen islamistischen Hintergrund hinter den Vorfällen vermutet. Als nun in verschiedenen Plattformen und Blogs dieser Artikel hämisch diskutiert wurde, hat die Redaktion die schlechteste aller Notbremsen gezogen, und den Artikel aus dem Auftritt entfernt: Aber das Netz vergisst nicht und so ist der Inhalt des Artikels längst in diversen Blogs und Konten gesichert. Auch der Google Cache kennt den Artikel noch: http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:http://www.fuldaerzeitung.de/nachrichten/uberregional/politik/Thema-Keine-Entwarnung;art276,430634

 

 

Tja, man sollte sich vielleicht auch mal informieren. Denn von den 249 Terroranschlägen im Jahr 2010 hatten LEDIGLICH 3 einen islamistischen Hintergrund.

Social Media Spionage oder: Netz bööööse, Menschen guuuuuut ? FUD reloaded.

Manchmal wundere ich mich über Artikel in der ZEIT. Meist schätze ich die Wochenzeitung für ihre dezidierte und gut recherchierte journalistische Arbeit, die auch mal konträre Standpunkte präsentiert. Aber im Artikel: „Falsche Freunde“ hat man doch gehörig danebengegriffen. Dort wird behauptet, die sozialen Netze eigneten sich hervorragend zur Spionage und Unternehmen sperrten diese Dienste genau aus dieser Angst vor Spionage. Das ist extrem kurzsichtig gedacht.

Machen wir doch zunächst mal das technologische Fass auf: Tablets, Netbooks und Smartphones finden immer weitere Verbreitung. Selbst ganz einfache Mobiltelefone besitzen bereits einen Internet Zugang. Wollte ein Unternehmen hier konsequent sein, müsste es jegliche privaten Kommunikationsgeräte am Eingang abnehmen. Und am besten auch noch Aktentaschen, persönliche Kleidung. Leibesvisitationen wären dann auch angebracht. So bekäme  man völlig sichere und <ironie> hochmotivierte </ironie> Mitarbeiter.

Zum anderen. Was ist mit dem privaten Internetzugang zu hause? Wird dort dann ein Firmenscanner einegerichtet, damit ja niemand privat dort etwas über die Firma sagt? Was ist mit Telefon privat, was mit der Kneipe?  Ich denke, nach ein zwei Bierchen oder Glas Wein ist manche  Zunge gelöster als im Büro, wo man in einem professionellen Umfeld professionell arbeitet.

Es ist doch schlichtweg so: Wer etwas ausspionieren will, der schafft das, wer etwas verraten will, ebenso. Statt zu versuchen durch immer mehr Kontrolle mehr Sicherheit aber immer weniger Motivation zu produzieren (wer glaubt, er wird überwacht, arbeitet auch nur noch so. Überwachung ist ein idealer Weg, Mitarbeiter zum Dienst nach Vorschrift zu bringen).

Wichtiger wäre es, eine Unternehmenskultur zu schaffen,  in der sich Mitarbeiter dem Unternehmen verbunden fühlen, in dem sie gerne arbeiten und loyal sind. Das hat aber mit weichen Faktoren zu tun, die sich weder mit Geld erkaufen lassen, noch direkt eine Rendite abwerfen. Dazu gehören eine wirklich ernst gemeinte Work Life Balance (echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf), ein Umfeld, das den Mitarbeitern auch das Gefühl gibt, als Mensch gesehen zu werden, sich einbringen zu können und etwas wichtiges zu leisten. Ja, auch eine gute Vergütung, die dem Mitarbeiter eine gewisse finanzielle Sicherheit gibt, denn oft ist auch hier ein Ansatzpunkt. Jemand, der permanent in Angst vor Kündigung und/oder sozialem Abstieg lebt, wird jede scheinbare weitere Absicherung dankend annehmen. Und letzlich, eine Form der Spionage darf auch nicht vergessen werden. Fluktuation. Jeder Mitarbeiter, den ich verliere, nimmt sein Wissen mit und setzt es willentlich oder unbewußt bei seinem neuen Arbeitgeber mit ein.

Tut mir leid lieber Autor des Artikels in der ZEIT. Mag  ja sein, dass auch Social Media für Spionage genutzt werden. Aber daraus ein Bedrohungsszenario zu konstruieren und die Sperren der Konzerne zu rechtfertigen ist extrem kurzsichtig gedacht.  Dann sollte man am besten dieses ganze böse Internet abschaffen. Und jedem Mitarbeiter den Rat geben „Sprich ja nicht mit fremden Menschen“.

Oder in einen Satz zusammengefasst: Man kann Spionage nicht verhindern, aber man kann die Motivation herunterschrauben.