Vom Wert des Menschen und seiner (Un-)Wirtschaftlichkeit

Als Mensch mit Depressionen ist ein immer wieder ausgetragener Kampf der, seinen eigenen Wert zu erkennen und anzuerkennen. In der Depression und meist auch zwischen Episoden habe ich mich stets für weniger wert als andere Menschen gehalten, für defizitär, einfach falsch. Dabei gibt es meiner Ansicht nach nur einen alleingültigen Wert. Den der puren Existenz.

Das ist aber natürlich kein Wert, der wirtschaftlich irgendwie ausgebeutet werden kann. Daher ist er auch nichts, was man gerne kommuniziert sehen will, insbesondere nicht im Unternehmen oder der Wirtschaft allgemein (es sei denn, man kann die Botschaft zwischen Buchdeckel pressen, aber dann ist man ja schon wieder indirekt ein Wirtschaftsfaktor). Vor einiger Zeit schon habe ich den Satz gelesen: Wer glücklich ist, kauft nicht.

Beständig wird man also mit seinen Defiziten konfrontiert, mit angeblichen Fehlern, die man macht mit Unzulänglichkeiten. Man ist wahlweise zu dick, zu dünn, nicht klug genug, die Haut ist nicht rein genug, der Kopf nicht fit genug. Man soll Trainings für Körper und Geist absolvieren, die meist nur so lange Gültigkeit haben, bis der „Markt gesättigt“ ist, worauf sie ziemlich schnell für verhaltet erklärt werden und neuen Säuen weichen müssen, die dann auf breiter Front durchs Dorf gejagt werden.

Insofern ist die Wirtschaft, sind die Medien mit schuld an dem Verlust von Vertrauen von Seiten der Bevölkerung. Wer immer nur die negativen Seiten beleuchtet, wer den Eindruck entstehen lässt, die Gewalt in der Welt würde wachsen, es würde uns immer schlechter gehen, früher wäre ja alles besser gewesen, muss sich irgendwann die Frage gefallen lassen, warum denn scheinbar alles schlechter wird. Denn Wirtschaft und Medien wollen uns ja gleichzeitig weißmachen, wenn wir uns nach Regel A  oder Plan B verhalten, wird alles besser. Selbst die Medizin ist oft zu laut, zu undifferenziert. Colesterin ist böse, nein doch nicht so sehr, Kaffee ist krebserregend, oder doch nicht, oder sogar gesund. Alkohol gar nicht oder dann vielleicht doch ein bisschen.

Wen wundert da, dass immer mehr Menschen sich und ihr Leben für unzulänglich, für defizitär halten. Und dann eben nicht hinterfragen, ob vielleicht die Umwelt vieles einredet, ob vielleicht die Ansprüche unserer Leistungsgesellschaft einfach falsch sind?

Denn wenn Menschen, die Geld von A nach B verschieben mehr Lohn erhalten, als Menschen, die sich um Kranke oder Schwache Mitmenschen kümmern, wenn das Gesundheitswesen zum Wirtschaftunternehmen verkommt, dann ist offensichtlich, wo die Denkfehler gemacht werden. Längst hat sich die Wirtschaft verselbständigt, ist der Mensch nur noch wahlweise Konsument oder Humanressource. Da helfen auch Lippenbekenntnisse von Kommunikation auf Augenhöhe, von flexiblen Arbeitsmodellen nichts, wenn all das nur darauf abzielt, noch effizientere Arbeitskräfte zu züchten. Denn offene Kommunikation hat die Tendenz, nur dann offen zu sein, wenn es um gute Nachrichten geht. Der Advocatus Diaboli wird nach wie vor abgestraft, was man an den Reaktionen von Medien, Politik und Wirtschaft auf Whistleblower erkennen kann, die doch eigentlich etwas Gutes tun.

Und die Kommunikation auf Augenhöhe hört spätestens bei den Mitarbeitergesprächen oft auf. Oder wenn es um Privilegien wie Dienstwagen, reservierten Parkplatz oder Bürogröße geht. Es gibt immer Ausnahmen, die aber all zu gerne als Feigenblatt für die eigenen Defizite innerhalb der Unternehmen genommen werden. Denn oft werden die Visionen von der Arbeitswelt der Zukunft so lange zerredet, bis man froh ist, wenn man nicht jeden Tag noch optimierter angetrieben wird, noch Leaner gemanagt oder wie auch immer das Managementsprech Maßnahmen verbrämt, die eigentlich nur einem Ziel dienen sollen. Mehr Profit.

Wir müssen uns wieder besinnen darauf, dass die Wirtschaft dem Menschen dienen sollte, dass wir alle einen inhärenten Wert haben, der nichts mit Konsum oder Leistung zu tun hat. Ich nehme mich da nicht aus. Warum wohl kam es zum Suizidversuch, warum war ich ein halbes Jahr in Kliniken und ein ganzes Jahr krank. Weil die kranken Gedankenmodelle der heutigen Gesellschaft, die Tendenz, alles schlecht zu machen, was nicht mit Profiten und Wirtschaftlichkeit verbunden ist, uns immer mehr unter Druck setzen noch besser, schöner, ökologischer, klüger und was weiß ich noch zu sein.

Aber wir sind Menschen. Fehler gehören zum Plan, der Mensch, der nicht in die Norm passt. Der Kreative, der eben auch Freiräume braucht. Wir sind Mensch. Das muss als Wert reichen. Das reicht als Wert.

Und zum Schluss noch eine Anmerkung für all die Heilsbringer, die uns tagtäglich einreden wollten, wir hätten jedwede Wahlfreiheit. Dem ist eben nicht so, dafür sorgt schon die Gesellschaft mit Klassifizierung beginnend mit dem Kindergarten, weiter in der Grundschule und aufs Schlimmste in den weiterführenden Schulen. Ein angeblich hochmodernes Gymnasium in meiner Nähe hatte bis vor kurzem einen Rektor, der keinen Hehl daraus machte, dass bei ihm eine Selektion stattfinde und er viele Schüler nicht geeignet fürs Gymnasium hielt. Parallel war aber immer häufiger zu erfahren, Schüler gingen von der „Anstalt“ ab, weil sie mit dem Druck nicht mehr zurecht kämen. Wohlgemerkt, Schüler mit Spitzennoten, die einfach den immer stärkeren Leistungsdruck nicht mehr verkrafteten. Eine Kultur der Spitzenleistung ist eben schon Morgen eine Kultur der Durchschnitts.

Wie es mir so geht. Ein Zwischenbericht

Mein Buch, ausgelegt bei einer Lesung in Regensburg, die mit 120 interessierten Gästen vollständig ausverkauft war.

„Wird dir das alles nicht zu viel?“ „Das muss dich doch belasten?“ Fragen, die man mir in letzter Zeit öfter stellt. Aber nicht zu meinem Brot- und Butter Job, sondern zu meiner neuen mir viel wichtigeren Aufgabe als Aufklärer und Entstigmatisierer, was die Depression und insbesondere die „männliche Depression“ angeht.

Und jedes Mal muss ich enttäuschen. Es ist im Gegenteil noch fast zu wenig. Gerne wäre ich noch prominenter in den Medien, weil ich jetzt erst wieder über eine Talkshow, bei der auch ein Psychotherapeut anwesend war, gelernt habe, dass es immer noch eine große Hemmnis bei Männern gibt, sich Depressionen einzugestehen. Ziemlich dämlich aber diesem lächerlichen, überkommenen Männerbild vom starken Macher geschuldet. Und unsere Turboleistungsgesellschaft macht das ganze nicht besser. Eher im Gegenteil, in einer Zeit, in der Worthülsenproduziere vom Schlage eines Herrn Gary Vaynerchuck die Menschen glauben machen wollen, man könne alles erreichen, wenn man sich nur genug anstrengt und wer das nicht schafft, ist selbst schuld, wird das nicht besser. Dass deren Erfolgsrezepte oft mehr auf Zufällen denn auf harter Arbeit beruhen und vieles schlicht Schaumschlägerei ist, wird all zu oft verdrängt. Zumal man ja auch heute in einer angeblich so aufgeklärten Zeit den eigenen Wert immer noch aus Leistung und Besitz zieht.

Dumm, aber für viele eben einfach verstehbar. Wir sind nicht mehr länger psychisch kranke Einzelfälle, in meinen Augen krankt unsere gesamte Gesellschaft, wir sind teil eines schwer kranken Systems, das nur durch den Glauben an ewiges Wachstum am Leben gehalten wird.

Aber ewiges Wachstum? In einem begrenzten System? Merkt ihr selbst, oder?

Ich für meinen Teil fokussiere mich auf mein Ziel, aufzuklären, Menschen dazu zu bringen, wieder mehr an sich als an das Fremdbild zu denken, dass sie meinen, nach außen erzeugen zu müssen.

Beurteilungsgespräche, Stellenausschreibungen, der Arbeitsmarkt. Alles produziert krank machenden Druck in einer Zeit, in der wir die Arbeit an sich als Wert des Menschen hinterfragen müssen. Mehr und mehr wird von Maschinen geleistet, aber statt diese Befreiung zum Wohl des Menschen zu nutzen, wird die Wirtschaft damit weiter angefeuert, unsinniges Zeug zu produzieren,  damit Arbeitsplätze erhalten bleiben, die schon der nächste Manager streicht, bevor er sich einem anderen Unternehmen zuwendet.

 

Ich für meinen Teil sehe diese Entwicklung kritisch und versuche in Gesprächen, Lesungen, Talkshows auf diese Fehlentwicklung hinzuweisen, die ja auch mich fast das Leben gekostet hätte. Auch ich habe mich dieser idiotischen Doktrin gebaut, dass der Mensch nur als Leistungsträger etwas wert ist. Dass man Minderleister identifizieren und eliminieren, oder wie es politisch korrekt heißt, coachen und bei mangelnder Leistung freisetzen muss. In einer Zeit, wo der Mensch mehr als Kostenfaktor oder Humanressource gesehen wird, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die WHO jetzt doch von besorgniserregend steigenden Zahlen psychischer Krankheiten spricht. Die Arbeitswelt erzeugt keine Depression, aber sie kann sie sehr stark fördern. Ich glaube nicht, dass Social Media das Problem ist.

Vielmehr ist es eine Gesellschaft, die den Menschen immer mehr durch Drohung mit Arbeitsplatzverlust, mit HartzIV gefügig und zum braven Humankapital degradiert. Dabei produzieren und konsumieren wir längst in völlig idiotischen Dimensionen, die eigentlich kein Mensch braucht. Aber die Konzerne, die ja leider immer noch nicht geschafft hat, dass der Kunde direkt das Geld überweist, ohne auch noch frecherweise ein funktionierendes und ha, welch Frevel, lange haltendes Produkt zu wollen.

Mir geht es gut. Weil ich endlich einiges an Wahnsinn da draußen durchschaue, gegen den alles, was ich in meiner Klinikzeit erlebt habe, wie völlige Normalität erscheint.

Und auch wenn ich weiß, dass bestimmte Menschen sich furchtbar über meine gewonnene Prominenz und meinen medialen Einfluß ärgern.

You ain’t seen nothing yet. Ich hoffe auf noch viel mehr mediales Interesse, weil es darum geht, den Menschen klar zu machen, dass sie sich von äußeren Umständen krank machen lassen, die in sich selbst verrückt sind. Dass sie einer Norm zu folgen versuchen, die an sich Wahnsinn bedeutet.

Nein, ich werde nicht leise sein, ich habe gerade erst angefangen, lauter zu werden. Und „Depression abzugeben“ ist mein Weg, in die Öffentlichkeit zu kommen. Gelesen werden, etwas bewegen. Mich haben Menschen  angeschrieben, die wegen meines Buchs den Schritt in die Therapie gewagt haben, oder sich nicht suizidierten. Gibt es etwas großartigeres, als solch einen Effekt erzielen zu können. Und da werde ich mit Sicherheit nicht stiller werden, im Gegenteil.

„Jeder ist seines Glückes Schmied“, heißt ein Sprichwort das leider nicht erwähnt, ob als Ergebnis der Schmiedekunst ein Glücksbringer oder ein Sargnagel entstanden ist.

Der Effizienzwahnsinn: Durchschau das bloß nicht

Als ich in die Kliniken kam, hatte ich ja eigentlich die Hoffnung, wieder gesellschaftsfähig, wieder passend für die Realität zu werden. Was mir dann aber wiederfuhr war eher ein Erwachen und Erkennen des Alltagswahnsinns. Trump, der rechte Mob, immer mehr Druck und Existenzangst beim Durchschnittsbürger, die dann zur Wahl solch abstruser Parteien wie der AfD führen. Und auch im Beruf (nein, nicht in meinem, bitte nicht schon wieder falsche Schlüsse ziehen) erhöht sich der Druck, wie erst jüngst die Süddeutsche berichtete. Ich versuche jetzt, im Kleinen und Größeren gegenzuwirken. In dem ich meine Geschichte veröffentliche, und zwar von Anfang an. Indem ich an Schulen gehe und dort meine Geschichte erzähle, vermittle, dass nicht das Tun den Wert einen Menschen ausmacht, sondern schon alleine die Existenz. Was ich im Moment auch durch meine Kinder erlebe ist ein Schulsystem, das selbst unter dem unsäglichen Einfluß der Wirtschaft und den unnötigen Experimenten weltfremder Bildungspolitiker leidet.

Und auch in die Medien werde ich weiterhin gehen, auch wenn das dem einen oder anderen ein Dorn im Auge ist. Fürs neue Jahr haben bereits weitere Medien Interesse angemeldet. Ich will gegenwirken, aufklären, den Wahnsinn bloßstellen, der immer mehr Menschen krank macht. Ich bin nicht der Meinung mancher Experten, es gäbe nicht mehr Angststörungen und Depressionen. Mein Alltagserleben vermittelt mir ein anderes Bild. Die Zahl steigt, es fällt nur nicht so auf, weil zum Vertuschen aufgefordert wird, oder weil man sich gezwungen sieht, zu schweigen, um die eigene Existenz nicht zu gefährden.

Wir müssen nicht immer effizienter werden, wir müssen endlich wieder langsamer werden. Wir sind schon zu schnell und da ich nicht erwarte, dass die Wirtschaft in Gegenwart oder digitaler Roboterzukunft an den Menschen in einer anderen Rolle als dem blöden Konsumenten denkt, dem man jeden Dreck andrehen kann, muss der Konsument, der Mensch sich emanzipieren. Es gilt, wieder andere Prioritäten zu setzen und nicht denen zu glauben, die direkt oder indirekt von unserem Konsum abhängig sind und uns Produkte einreden, die kein Mensch braucht. Functional Food, Autos mit viel Gewicht und viel PS, Private Vorsorge, die von den Gebühren und der Steuer aufgefressen wird. Nein, da will man nicht unser Bestes oder Moment, eigentlich doch, unser Geld. Wenn man das hat ist der Konsument uninteressant.

Leistungsmessung, Beurteilung, das Einreden unnötiger Fitnessprodukte oder Gesundheitsmittelchen. Nichts, was wir brauchen, aber oft etwas, das den Druck direkt oder indirekt erhöht. Wir müssen wieder langsamer, einfacher, egoistischer denken. Sonst werden noch mehr Therapeuten und Ärzte gebraucht,die dann selbst nach wenigen Jahren wegen eines auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit getrimmten Gesundheitssystems am Boden sind. Der Irrsinn hat Methode. Weil an ihm die Businesskasper verdienen. Und Menschlichkeit ist eben keine gewinnbringende Komponente im Monopolyspiel der Wirtschaft.

Und nein, auch dieses Mal ist niemand von denen gemeint, die gemeint zu sein gerne meinen dürfen.

Wer macht die Regeln? Wir, oder die Wir-tschaft?

Natürlich wünschen wir uns, dass die Regeln von uns, sei es als Individuum oder als Gemeinschaft mit einem gemeinsamen (politischen) Willen gemacht und getragen werden.

Aber wenn wir genauer hinsehen, erkennen wir schnell, es ist die Wirtschaft, die mittlerweile sich selbst als Nabel der Welt versteht und am liebsten möchte, dass alles sich ihr unterordnet.

Das beginnt bei der Rolle des Arbeitnehmers. Denkt man, dass es die reine Arbeitskraft, oder noch genauer in den meisten Fällen die Lebenszeit ist, die wir an den Arbeitgeber verkaufen, so ist es mittlerweile immer mehr das ganze Leben. Wir haben flexibel zu sein, immer, auch außerhalb des Betriebs nur Gutes zu berichten, selbst wenn das wie wir ja jüngst anhand VW gesehen haben eine blanke Lüge ist. Der Arbeitgeber ist unfehlbar, unangreifbar und überwacht was wir tun und sagen um ja jede negative Information zu unterbinden. Selbst und gerade wenn diese wahr ist. Und wer als Whistleblower Ungerechtigkeiten oder gar Straftaten anprangert, wird wahrscheinlich selbst verfolgt, während der eigentliche Straftäter meist ungeschoren davon kommt.

Dann folgt die Werbung, die mit allen Mitteln versucht, uns Bedürfnisse einzureden, Dinge anzudrehen, die kein Mensch braucht, die wir aber immer wieder aufs neue  konsumieren sollen. Functional food, Vitaminpräparate, jedes Jahr ein neues Smartphone, dicke Protzkarrossen, die die Umwelt verpesten. Braucht kein Mensch,. kaufen wir dennoch wie die Lemminge. Und manchmal wird uns ein Nutzen vorgegaukelt, der so gar nicht vorhanden ist. Manchmal? Eigentlich meist. Oder wer glaubt, dass ein „Smoothie“ sehr viel mehr Wirkung zeigt, als einfach Gemüse und Obst mixen und trinken? Oder doch, ein mehr an Wirkung zeigt es. Aus einem ganz billigen Produkt (Obst und Gemüse) wird mittels unnötiger Verarbeitung ein teures Trendprodukt generiert, das unseren Geldbeutel schröpft.

Was noch viel schlimmer ist, die Politik geht mit der Wirtschaft ins Bett, lässt sich von ihr Gesetzestexte in den Füller diktieren, kriecht zu Kreuze wenn auch nur ein Konzernlobbyist mit dem Schwachsinnsatz: „Wenn sie das machen, kostet das Arbeitskräfte“ droht. So what? Das tut es IMMER, denn wir merken uns: Wir sollen alle kostenlos bis zum Tod für den wunderbaren Arbeitgeber arbeiten, dabei aber den ganzen unnötigen Überfluß an Waren konsumieren, den kein Mensch braucht und später auf eigene Kosten den kranken Körper und Geist kurieren, den die Arbeitswelt erst kaputt gemacht hat.

Da werden Krankenhäuser der BWL Doktrin unterworfen, was zu immer mehr Stress beim Personal und immer weniger Leistung für die Patienten führt, Hauptsache die Arschlochexcelstatistiken passen. Da werden wir gezwungen, immer mehr selbst zu machen und es wird uns noch eingeredet, das wäre toll. Online Banking, Online Booking, Online irgendein Scheiss. In Teilen toll, in weiten Teilen aber nur wieder ein weiterer Personalabbau, damit wenig viel mehr und viele gar nichts mehr verdienen.

Es muss wirtschaftlich sein klingt sehr plausibel, ist aber Schwachsinn. A priori muss es erst mal nützlich für die Menschen sein, und zwar für alle, nicht für die paar Business Kasper mit perversen Monstergehältern.

Klingt das überzogen? Vielleicht. Ist es das? Auf keinen Fall. Wenn man sich die Zahl der Lobbyisten in Berlin ansieht, die Zahlen über Elektronikmüll oder den Plastikmüll in den Weltmeeren oder die Statistiken zu psychischen Erkrankungen der letzten Jahre erkennt man schnell: Es ist schon schlimm, aber es wird noch schlimmer werden.

Weil wir zu brav, zu gehorsam, zu unterwürfig sind. Weil wir immer noch glauben, die großen Konzerne hätten das Recht, so mit uns umzugehen.

Eigentlich wäre es Zeit für eine Revolution:

Remember, remember, the fifth of November, the gunpowder treason and plot; I know of no reason why the gunpowder treason should ever be forgot.

 

Aber mit dem Michel dem braven wird das wohl weiterhin nichts, bis wirklich alles zusammenbricht.

 

Der Verlust grundlegender Werte.

Wir sind entsetzt über hasserfüllte Fratzen vor Bussen mit verängstigten Flüchtlingen. Wir echauffieren uns über Schiessbefehlskonzepte wirrer Politikerversuche. Wir sind verärgert über die deutschen Waffenexporte ins Ausland.

„Alle Menschen sind gleich.“ rufen wir unserem Luigi oder Panagiotis  zu, während wir uns über unserer Pizza oder unserem Souflaki über die Weltpolitik auslassen.

Oh wie scheinheilig sind wir doch alle. Denn gleichzeitig sind es wir, die plötzlich besorgt sind, wenn vor UNSERER Tür ein Flüchtlingsheim, ein Windpark, ein Solarpark eröffnet wird. Ja natürlich finden wir das gut. Aber nicht gerade hier.

Und so fahren wir, besorgte Bürger, die wir plötzlich geworden sind, mit einem mit Plakaten und Bannern vollgeladenen SUV oder Oberklasseprotzgefährt zu eben jenen Modifikationen unserer heilen Welt, und wünschen sie überall hin, nur nicht zu uns.

Klar, als im Fernsehen die Bilder aus Syrien in unsere Wohnzimmer drängten, da war sicher in vielen Haushalten Mitgefühl, Sorge, der Wunsch zu helfen. Aber wenn es dann wirklich zum Äußersten kommt, zu aktiver Hilfe weil unsere Waffenlieferungen zu diesem Drama mit beigetragen haben, dann sind wir plötzlich sehr kleinlaut, haben Angst vor dem Fremden, das wir nur wenige Generationen zurück in der Geschichte oft selbst waren (ich für meinen Teil habe zur Hälfte ungarisches Blut in meinen Adern)

Ja, wir sollten die Rüstungsfabriken schließen. Bis diese mit Arbeitsplatzverlust und wirtschaftlichen Einbußen drohen.

Überhaupt. Alles, was wir an Unwürdigem, Schädlichem, Unnützen, Verwerflichen in der Wirtschaft weiter am Leben halten, tut dies vor allem, weil man mit der Keule der Arbeitslosigkeit, des Verlusts unseres Status Quo drohen kann und wird. Hartz IV ist das Damoklesschwert, das uns alle zu gefügigen Arbeiterbienen macht, die sehr schnell den Mund halten, wenn einer aus der führenden, wenn auch nicht zwangsweise intelligenten Kaste das Stichwort Arbeitslosengeld II in den Raum wirft. Meist ist es ein Mensch, dessen Gehalt so unverschämt viel höher als das wertvoller Berufe wie Krankenschwester oder Pfleger ist, dass es schon pervers und obszön als Deskription verdient.

Wir sind gute Menschen. Solange man nicht droht, uns etwas wegzunehmen. Und wir sind gut darauf trainiert, in einer Gemeinschaft gleichgeschalteter Arbeiterameisen zu leben, auf Kosten weniger, die teils durch Erbe, teils durch an die Spitze politisieren und polemisieren behaupten, irgendwelche bestimmenden a priori Rechte über unser Leben zu haben.

Nur wenige erlauben sich eine Rebellion gegen die Dummheit, Ignoranz und vor allem Amoralität unseres aktuellen Wertegefüges. Eben jene werden dann entweder als verrückt, oder als weltfremder Künstler gebrandmarkt.

Wir alle warten auf jemanden, der auf den Tisch haut, den wir dann mit den Worten: „Wir hätten ja, aber wir konnten nicht.“ begrüssen und für unseren neuen gesellschaftlichen Messias halten.

Er wird es nicht sein. Nur wir, jeder einzelne können überdenken, ob wir uns von ökonomisierten Wirtschaftswerten terrorisieren lassen, oder ein menschliches, gesellschaftliches, gemeinsames Wertesystem inthronisieren. Die Wirtschaft wird das nicht wollen, weil sie willige und dumme Arbeiterameisen und noch williger und am besten dumme Konsumenten benötigt, für Schrott, der unsere Welt verpestet, unsere Geldbeutel lehrt und uns ablenkt von den wirklichen Problemen der Gegenwart. Das wird nicht leicht sein, weil die „Da Oben Kaste“ natürlich behaupten wird, wir wären undankbar, dumm, böse, weil Politik und Wirtschaft im immer währenden symbiotischen Einklang gegen die Rebellion vorgehen werden. Aber wie schon Guy Fawkes so schön formulierte:  „Eine hoffnungslose Krankheit verlangt nach einem gefährlichen Gegenmittel.“

Und ein letzter Gedanke. Wie oft hat sich jemand, der über die korrupten Politiker oder die „Lügenpresse“ echauffierte,  auf den Vorschlag: „Dann geh in die Politik, in den Journalismus, mach es besser.“ Mit: „Au ja, sofort!“ reagiert? Meist ist es dann zu schwierig, nicht ihr oder sein Ding oder man hat gerade wichtigeres zu tun. Zum Beispiel sinnlos Blödsinn nachbrabbelnd auf der Straße gegen Kriegsopfer vorgehen.

 

Die Lüge als Grundlage von Politik und Wirtschaft

Wir werden belogen. Ich hoffe, das ist für den einigermaßen informierten Leser nichts neues. Aber das Ausmaß und die Dreistigkeit finde ich erschreckend. (Hinweis in eigener Sache: Wer gerne und oft Sätze wie „Du siehst das viel zu eng“ oder „Das bildest du dir alles nur ein“ oder gar „Die Politiker wollen doch nur unser Bestes“ benutzt, der sollte jetzt mit dem Lesen aufhören)

Von der Werbung will ich mal gar nicht anfangen, die ja nie lügt, aber durchaus trickreich die Lüge als Halbwahrheit tarnt, und wirklich relevante Informationen einfach unter den Tisch fallen lässt. Da wird die Süssigkeit zum Fitness Snack mit der extra Portion Milch, da soll man Nahrungsergänzungsmittel kaufen in einem Land, dem es an vielem mangelt aber sicher nicht an vielfältiger, vitaminreicher und gesunder Nahrung, die man dann am ehesten findet, wenn man der Werbung  nicht glaubt.

Auch die Politik hat die Lüge zum Grundprinzip gemacht. zu Guttenberg hat uns das letztlich mit seiner Aneinanderreihung von Lügen über seine Doktorarbeit nur sehr stümperhaft vor Augen geführt. Auch die Lüge der Energiewende mit der angeblich notwendigen Verteuerung vertuscht vor allem, dass Unternehmen von vielem befreit werden, was der Bürger, der eigentlich Arbeitgeber der Politik tragen muss. Wirtschaft über alles, dafür ist jede politische Lüge recht.

Und auch der Abhörskandal der NSA zeigt, wie sehr man die Lüge bereits politisch verinnerlicht hat. Der Bürger soll sich nicht so haben, das in  den Medien sei doch alles aufgebauscht und Snowden ein Lügner. Bis zu dem Zeitpunkt an dem Big Mama Merkel abgehört wird. Plötzlich ist alles ein Skandal, aber man kann Snowden dennoch kein Asyl gewähren, weil man es sich ja mit Amerika nicht verscherzen dürfe. GELOGEN. Man will einfach nicht ehrlich genug sein, das ganze Ausmaß des Skandals in die Öffentlichkeit zu tragen, und die Lügen der letzten Jahre, vermutlich Jahrzehnte offenlegen.

Und da lügen uns die Golfplatzbewohner und Monsterdreckschleuderfahrer an, man könne einfach keine Tariferhöhungen jenseits der 5 Prozent bieten, da die Wirtschaft daran zu Grunde ginge und überhaupt hätte man ja so viele Sozialschmarotzer. Das sagen die, die sich Millionengehälter in den Rachen schieben und damit vermutlich die größten Sozialschmarotzer sind.

Ganz trickreich aber ist die Duldung einer Lüge, weil sie nutzt, weil sie ablenkt. Die Montagsdemos der Verschwörungstheoretiker mit ihren idiotischen Chemtrail Drohszenarien und dem dumpf/dummen rechten Gedankengut spielen Wirtschaft und Politik förmlich in die Hände. Denn im Zweifel lässt sich mit diesem Hintergrund jede Kritik an den Lügengebäuden von Wirtschaft und Politik entwerten, in dem man sie in die Nähe der Verschwörungstheorien drängt. Da wird uns Wasser, das mit etwas Glück den Schatten eines Wirkstoffs gestreift hat als teure und wirkungsvolle homöopathische Medizin verkauft, und wenn man dann berechtigte Zweifel aus wissenschaftlicher Sicht anbringt, sieht man sich einem durch Wirtschaftsinteressen angeheizten  Mob gegenüber, der einen beschimpft und bedroht. (Wobei, selbst in der echten pharmazeutischen Industrie gibt es solche Mobs bling gläubiger Menschen. Ich sage nur die Droge Ritalin).

Ach ja, und dann glauben tatsächlich noch viele, was in der Zeitung steht. Vor allem in dem Drecksblatt mit den vier Buchstaben. Dabei sind viele Medien nicht viel mehr als Geldverdienmaschinen, denen die Nachricht nur dann wichtig ist wenn sie Auflage und damit Geld bringt. Oder glaubt wirklich irgendwer, wir hier im Westen wären auch nur annähernd über die Geschehnisse in der Ukraine informiert worden? Oder im Irak, oder im Fall Snowden?  Die Politik der Spiele und des Brotes ist mittlerweile mithilfe der Lüge schon zur hohen Kunst geworden. Wie genial ist es zum Beispiel, während der Fussball WM (Spiele) alle möglichen unverschämten Gesetze zum Wohle der Wirtschaft durchzuwinken und sie hinterher als wichtig für den Bürger zu verkaufen?

Und es gibt noch viele solcher Lügen: Die Behauptung, man wolle Bildung, wo man nur Ausbildung will, die Behauptung, Hartz IV seie nötig, um Menschen zur Arbeit zu „bringen“, wo man eigentlich nur Geld für die eigenen unverschämten Gehälter haben will und dem Volk Vollbeschäftigung vorgaukelt in einer sich immer weiter automatisierenden Zeit in der eigentlich Arbeit immer mehr verschwindet und man längst über ganz andere gesellschaftliche Themen nachdenken sollte.

Und manche Lüge vergessen wir selbst offensichtlich, kaum haben wir sie einmal durchschaut. War da nicht diese Bankenkrise, ausgelöst durch riesige Lügengebäude von Investmentbanken und ihren angeblichen Speerspitzen der Finanzwelt. Da wurden Lügen in Derivate verpackt und uns vorgegaukelt, eine Bank habe Interesse an unserem Wohl und der Mehrung unseres Vermögens, wo es doch IMMER um die Mehrung des Vermögens von Bank und Shareholdern (ein anderes Wort für Schmarotzer) geht.

Und wer kennt nicht die herrlichen Baulügen in Stuttgart, Hamburg  und Berlin, die Jahr um Jahr mehr Geld verschlingen werden, angeblich zum Wohle von uns allen sind aber in Wirklichkeit doch nur ein paar wenigen Wirtschaftsunternehmen viel Geld einbringen werden und danach Kosten für den Staat und damit uns alle verursachen. (Moment, sorry, fast hätte ich gelogen, das tun sie ja jetzt schon dank solcher Topmanager und Experten wie Herrn Mehdorn und Konsorten)

Ein offener Brief von Nick Hanauer, einem Milliardär an seine wohlhabende Freunde zeigt jetzt schon, wo das alles hinführen kann (wer es lieber original hat, hier die Quelle). Dabei ist für  mich garnicht wichtig zu prüfen, wie echt der Brief an sich ist, mag er sogar gelogen sein. Er beinhaltet mehr Wahrheiten als alles, was die Politik so absondert. Denn er blickt zurück auf frühere gesellschaftliche Ungleichgewichte, entstanden durch die Lüge, dass Reiche immer reicher werden dürfen, ohne dass sie sich um den Rest der Gesellshaft sorgen.

Irgendwann werden die Mistgabeln auftauchen und der große abgehängte Rest wird aufstehen und zumindest für eine kurze Zeit mit zwar unschönen Mitteln aber dennoch wieder ein annäherendes Gleichgewicht herstellen. Wollen wir das? Oder wäre es nicht an der Zeit, etwas intelligenter zu agieren in einer Zeit, in der wir alle Möglichkeiten und Mittel an der Hand haben. Aber vermutlich nicht. Denn es gibt genug, die daran und an der Lüge vom zwingenden Status Quo sehr gut verdienen.

Also dann, lassen wir uns weiter belügen. Bis wieder die ersten Villen brennen. Denn eins ist gewiss. Je mehr uns Politik und Wirtschaft verunsichern, umso egaler ist uns irgendwann was noch wahr und was gelogen ist. Wenn es genügend Menschen schlecht genug geht, wird der Aufstand unabwendbar sein. Das konnten und können wir in anderen Ländern mit schlechterer wirtschaftlicher Situation beobachten. Nur vergessen offensichtlich zu viele Geldadlige, dass die Geschichte zeigt, dass oft der Adel zuerst dran war, wenn es ans Umverteilen ging.

 

 

Trendforscher im Unternehmen, ein unterschätztes Potential

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Wer glaubt, Tablets seien immer noch ein kommender Trend, der ist nicht wirklich als Trendforscher geeignet.

Wir leben in interessanten Zeiten, ich kann es nur immer wieder wiederholen. Und was vielleicht der eine oder andere unterschätzt ist die weiter wachsende Bedeutung von Innovation und Technologieführerschaft auch bei Branchen, die direkt nichts mit Technik zu tun haben.
Nehmen wir den Finanzssektor. Schon lange mache ich mit Menschen, die sich darüber wundern, dass ich als Informatiker bei einer Bausparkasse arbeite folgendes Gedankenspiel: Versuch dir mal in dieser Minute vorzustellen, wo genau physikalisch dein Geld ist, das du bei der Bank hast. Oft müssen meine Gegenüber dann zugeben, dass sie es nicht wissen, was an sich auch logisch ist, da es in der Regel nur noch in Form von Bits und Bytes in den Rechnern von Banken und Bausparkassen existiert.

Was viele unterschätzen ist, dass längst die Informationstechnologien zur Kerninfrastruktur quasi jedes größeren Unternehmens gehören. Wachstum ohne moderne IT ist mittlerweile undenkbar. Zu aufwändig wäre sonst die Sachbearbeitung aber auch die Kundenkommunikation und mittlerweile wird in vielen Bereichen auch ein moderner, innovativer und transaktionsfähiger Kommunikationskanal im Internet vorausgesetzt.

Und der Wandel geht weiter. War gestern noch die Homepage im Web wichtig und neu, so erwarten Kunden heute mobil zu all dem Zugang zu haben, was vor kurzem noch über eine klassische Homepage für den Browser am PC möglich war. Und die Technik schreitet fort. Augmented Reality wird demnächst von IKEA eingesetzt, um es Kunden zu ermöglichen, auch zu hause die Kataloginhalte ins heimische Wohnzimmer virtuell zu holen und so quasi eine interaktive Vorauswahl zu treffen.

Was über Google Glass oder andere Wearable Devices in Zukunft möglich sein wird, ist noch gar nicht wirklich realisierbar.
Deshalb kommt Überlegungen zu einer stetigen Innovation der zu Grunde liegenden IT Technologien auch in branchenfremden Industrien eine immer größere Bedeutung zu.

Es genügt oft nicht mehr, State of the Art zu sein. Man muss heute bereits die Technik von Morgen kennen und ihre Potentiale ausloten. Glückliche Zeiten für all jene, die neuen Technologien und Entwicklungen offen gegenüberstehen. Und ein Rat und Tipp für die Unternehmen. Wer hier die eigenen Mitarbeiter identifiziert und fördert, die neue Technologien annehmen statt abzulehnen, wer hier quasi interne Trendforscher findet und fördert, könnte in Zukunft den entscheidende Vorteil haben. Denn natürlich ist Trendforschung kein Full-Time Job. Aber wer immer weiter auf dem Status Quo beharrt und sich nicht neuen Entwicklungen jenseits des eigenen unternehmerischen Tellerrandes öffnet, der könnte plötzlich von der Konkurrenz auf einer völlig überraschenden Fahrbahn überholt werden.

Banken wie die Fidor Bank, Entwicklungen wie iZettle, mpass oder Smava, Unternehmen wie Paypal oder Google zeigen, dass auch in Gebieten jenseits des primären IT Geschäftes die technologische Erneuerung ein immer wichtigerer Bestandteil der Firmenstrategie wird. Und glücklich wer hier eine Belegschaft hat, die innovativ gestimmt ist und aus deren Reihen Impulse kommen. Denn es gibt niemanden der neue technologische Entwicklungen und die eigenen Gegebenheiten im Unternehmen besser in Einklang bringen könnte als die eigenen Mitarbeiter.

Worum es in unserer Gesellschaft gehen sollte.

Das Fernsehen berichtet, dass Familien mit Kindern in manchen Städten nach Zahlung der Miete unter Hartz IV Niveau sinken. In Deutschland gibt es Kinder, deren familiäre Verhältnisse so schlimm sind, dass sie ein Leben auf der Straße dem in der Familie vorziehen. Es gibt Frauen, die aus ihrer Beziehung wegen häuslicher Gewalt flüchten. Es gibt Männer, die aus ihrer Beziehung wegen häuslicher Gewalt flüchten. Immer mehr Menschen erkranken an Depressionen und tarnen diese als Burn Out, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden.

Es ist Zeit.

Höchste Zeit.

Zeit etwas grundlegendes in unserer Gesellschaft zu ändern.

Gesellschaft sollte auch Gemeinschaft heißen. Sich gegenseitig helfen, füreinander da sein. Aber eigentlich sollen wir heute alle nur noch funktionieren. Das beginnt schon in der Schule, nein meist schon viel früher, wenn ehrgeizige oder einfach panische Eltern ihre Kinder auf eine extrem fordernde und gleichzeitig unsichere Zukunft vorzubereiten suchen.Statt unsere Kinder aufwachsen zu lassen, ihnen Erfahrungen, Erlebnisse zu bieten, sie zu bilden bilden wir sie aus. Wir bereiten sie nicht mehr auf das Leben, sondern auf die Arbeitswelt vor. Überhaupt ordnen wir uns immer mehr wirtschaftlichen Belangen unter. Man wird schon fast zum Kommunisten abgestempelt, wenn man sich fragt, ob nicht eigentlich die Wirtschaft dem Menschen und nicht der Mensch der Wirtschaft nutzen solle.

Wir leben in einer Welt, in der die Presse, allen voran das Blatt mit den vier blutroten Buchstaben uns immer wieder vorbeten, nur wer Arbeit hat, ist auch ein wertvoller Mensch, wer arbeitslos ist, schmarotzt automatisch.

Wir lassen uns von Wirtschaft und Politik überwachen, ausspionieren, erfassen und auswerten, sind nur noch Humanressource, Humankapital und Wirtschaftsfaktor. Wenn wir krank werden, sind wir ein Kostenfaktor für das Krankenhaus, an dem man nur durch möglichst schnelle Abwicklung verdient. Und unser Hausarzt hat für uns nur so viel Zeit, wie die Krankenkasse ihm für den Kostenfaktor kranker Mensch zu zahlen bereit ist.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der gerade die am hilfsbereitesten sind, die wenig haben und die am egoistischsten, die gar nicht mehr wissen, wohin sinnvoll mit dem Geld und sich deshalb geschmacklosen Tinnef in ihre Häuser stellen. DAS zeigen uns die Unterschichten Trashshows im TV und beweisen uns indirekt, dass viele Vorurteile leider auf wahren Fakten basieren.

Wir leben in einer Welt, in der Institutionen an unserem Geld verdienen und damit spielen, aber uns nur dann Kredit gewähren, wenn wir so viele Sicherheiten bieten, dass wir den Kredit eigentlich gar nicht bräuchten. Eine Welt, in der jemand, der 1 Milliarde Euro Schulden hat vom Vorstand auf einen Kaffee eingeladen wird, während man das Haus des Menschen versteigert, der ein paar tausend Euro momentan nicht zahlen kann.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir die Natur sehenden Auges zerstören, die Wirtschaft, die protzige Autos baut unterstützen und alternative Energien so lange kaputt verwalten, bis sie bankrott sind. In der wir Milliarden in menschenmordende Technologie stecken, die dann doch nie fertig wird, aber nicht einsehen wollen, dass es für unsere Gesellschaft finanziell möglich wäre, allen Menschen ein lebenswürdiges Leben zu bieten und sie durch ein bedingungsloses Grundeinkommen wirtschaftlich abzusichern.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir Lebensmittel bewußt vernichten, um „die Märkte zu schützen“,in der es ernsthaft Konzerne gibt, die Wasser als Wirtschaftsgut sehen und wir es zulassen, dass Kinder an Hunger sterben oder an den Ausdünstungen dessen, was wir als Konsummüll in deren Länder exportieren.

Oder leben wir wirklich in dieser Gesellschaft? Verabschieden sich nicht immer mehr Menschen daraus, okkupieren, was sie zu zerstören droht? Bohren mit dem Finger in den Wunden der Politik, die uns allen misstraut, uns überwacht und für Terroristen hält?

Wird es nicht endlich Zeit, uns ernsthaft zu „empören“? Zu hinterfragen, wer hier eigentlich über unsere Werte und Menschenwürde bestimmt? Wer unseren Kindern die Jugend und den Vätern und Müttern das Einkommen raubt? Wer Kunst und Kultur, Gesundheit und Gemeinschaft dem Kommerz und dem Profit opfert, opfert geistige den materiellen Werten, opfert das Herz dem (Un-)Verstand.

Viele sagen, wir klagen auf hohem Niveau. Ja, das tun wir, wenn wir nur in unserer eigenen Gesellschaft klagen. Aber wir sind EINE Menschheit, und was wir hier in Europa tun, dank der von der Wirtschaft für so wichtig erachteten Globalisierung weltweite Auswirkungen. Es wird Zeit für eine globalisierte Wut. Und für eine neue globalisierte Gesellschaft, die das Wohl der Menschen endlich wieder an erste Stelle setzt.

Oder wie es John Lennon sang: „They say, I am a dreamer. But I’m not the only one“ (Hoffe ich)