Der „Ich mache das schon 20 Jahre, ich kenne mich aus“ Irrtum

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Den Wandel akzeptieren du musst.

Einer der beliebtesten Irrtümer in der heutigen Zeit, und das explizit nicht nur im Beruf ist die „Ich mache das schon so lange, so stimmt das“ Regel.

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich mittlerweile permanent wandelt. Technologien, die gestern noch modern waren sind heute veraltet. Und was die meisten nicht beachten, das gilt mittlerweile ebenso für das eigene Wissen, die eigenen Erfahrungen. Was gestern noch korrekt gehandelt war, kann heute bereits falsch sein.

Wir müssen beständigen Wandel als Teil unserer Kultur akzeptieren. Nicht, weil wir uns immer schneller ändern müssten, aber weil wir beständig fragen sollten: Ist mein Tun von gestern heute noch opportun? Muss ich meine Sichtweise auf die Dinge ändern?

Und was ganz wichtig ist, wir sollten uns auch beständig, schon mit Blick auf das eigene Leben fragen: Was kann ich weglassen, das ich früher getan habe? Welche Rituale sollten überdauern, denn wir alle brauchen Rituale um Struktur in unser Leben zu bekommen. Aber Rituale um der Rituale willen sollten hinterfragt werden.

Das heißt nicht, dass unser Leben dadurch komplizierter werden muss. Oft hilft es schon sich zu sagen: Gut ist gut genug ;).

Ein absolut wichtiger Punkt ist bei all dem Wandel, sich bewusst zu machen, dass Perfektion bei beständigem Wandel nicht nur anstrengend sondern geradezu kontraproduktiv sein kann. Denn wenn man etwas perfekt machen will, hält man sich oft viel zu lange bei der Sache auf. Wichtig ist oft, es so gut zu tun, wie es notwendig ist. Das bedeutet auch, dass tiefgehende Expertise in einem Gebiet oft nicht mehr sinnhaft ist, wenn dieses Gebiet zu speziell ist oder schon heute absehbar, dass sich Gegebenheiten wandeln werden. Ich lerne nicht mehr eine Programmiersprache und versuche diese so tief als möglich zu beherrschen. Ich sollte mir die Prinzipien der Programmierung aneignen, um gegebenenfalls auf eine andere Sprache umsteigen zu können.

Das ist eines der grundlegenden Dinge, die ich auch meinen Kindern zu vermitteln versuche. Nicht die eine Sache tiefgehend zu beherrschen sondern die zu Grunde liegenden Prinzipien gelernt zu haben, um auch wenn sich das Gebiet wandelt, das Prinzip zu verstehen ist Schlüssel dazu, auch in einer sich ändernden Umwelt zu bestehen.

In eigener Sache: Leseempfehlung „Arbeit im Wandel“

G:/reihe/umschlag/11956-8.dviDas Buch „Arbeit im Wandel“ führt verschiedene kurze Artikel zu einer Sammlung von Trends und Herausforderungen der Arbeitswelt der Zukunft zusammen.

Entstanden ist das Buch im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „International Monitoring“ (IMO) and der RWTH Aachen.

 

Auch ich habe einen kleinen Beitrag geleistet und mein bereits existierendes oder im entstehen begriffenes mobiles Arbeitsumfeld dargestellt, das Cloud basiert unabhängig von Ort und Zeit macht.

Weitere Autoren behandeln Themen wie „Menschliche Arbeitskraft“, „Innovationen am Arbeitsplatz“ , „Kollektive Kompetenz“. Es ist ein Sammelband mit vielen wirklich spannenden Beiträgen und einer guten Mischung aus Wissenschaftstheorie und Berichten aus der Praxis.

Wer Interesse hat, das Buch gibt es direkt beim Verlag (auch als PDF) oder bei Amazon.

 

Ich kündige (nicht)!

Jetzt ist es so weit. Morgen werde ich meine neue Stelle antreten. Im Bereich Online Marketing werde ich ein schon jetzt tolles Team mit meinen Skills rund um Social Media und Internet zu verstärken versuchen. Aber ich kündige nicht wirklich sondern wechsle nur. Vom Kreditwerk, der Tochter der Bausparkasse Schwäbisch Hall hin zur Mutter selbst.

Und dieser Schritt scheint mein Umfeld mehr zu verblüffen, als mich selbst. Ich gestehe, ich bin vom „Stallgeruch“ her ein Informatiker und nicht der prototypische Marketing Mensch. Aber das Thema hat mich schon immer fasziniert und mit Marketing, gerade im Bereich online habe ich mich schon lange beschäftigt. Jeder, der mich etwas näher auch privat kennt, weiß das.

Ich denke  persönlich, nichts kann im Moment spannender sein, als einem Unternehmen bei seinen Schritten in den sozialen Medien zu helfen. Auch wenn viele das Netz am liebsten für sich behalten würden. mit dem richtigen Geist, das glaube ich fest, kann man auch als Unternehmen einen spannenden Beitrag leisten. Dafür ist natürlich eine andere Denke notwendig, aber ich bin da Querdenker genug, um da „anders zu denken“.

Und für mich war es einfach die Gelegenheit, das zu tun, was ich in meinen Vorträgen zu „Arbeitswelt der Zukunft“ und ja, auch meinen Kindern immer sage. Sucht euch später einen Beruf, dem ihr mit Leidenschaft und Herzblut nachgeht. Wir alle arbeiten viel zu viel um etwas zu tun, was nicht unserer Leidenschaft entspricht. Insofern war für mich das ganze ein Wechsel von Leidenschaft (Softwareentwicklung) zu Leidenschaft (Internet Marketing, Social Media). Ich finde, man sollte neue Chancen nutzen, sich auch mal verändern, wenn sich die Gelegenheit bietet. Und dank toller Unterstützung war für mich weder die Entscheidung, mich zu bewerben noch das Thema und das Umfeld schwierig. Ab 1. Februar heißt es also: Tschüss Senior Software Engineer und Hallo Referent Online Marketing. Was mich erwartet? Ich ahne es, aber ich weiß es nicht. Da halte ich es mit dem schönen Gedicht von Robert Frost:

The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I –
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Der nicht gegangene Weg

Zwei Wege trennten sich im fahlen Wald
und, weil ich nicht auf beiden konnte gehn
und einer bleiben, macht‘ ich lange Halt
und schaute auf des einen Wegs Gestalt,
soweit ich durch die Büsche konnte sehn.

Ging dann den andern – der, genauso schön,
den größer’n Anspruch hatte auf Gebrauch,
denn Gras wuchs drauf und brauchte Drübergehn –
obgleich die Wand’rer, muß ich schon gestehn,
gebrauchten einen wie den andern auch.

Sie lagen vor mir, beide gleich, zuhauf
mit Blättern, die kein Tritt noch aufgestört.
Ich hob mir einen Weg für später auf!
Doch Wege führ’n zu and’rer Wege Lauf:
Ich wußte wohl, daß keiner wiederkehrt.

Und seufzend werd‘ ich einmal sicherlich
es dort erzählen, wo die Zeit verweht:
Zwei Waldeswege trennten sich und ich –
ich ging und wählt‘ den stilleren für mich –
und das hat all mein Leben umgedreht.

Update: Seit heute ist auch mein Gastbeitrag beim Bausparfuchs Blog online 😉 Danke für die Einladung, mich vorzustellen.

 

Vom moralischen Handeln und der Wirtschaftswelt

Eine kleine Revolution fand statt in Baden Württemberg, aber was steckt dahinter, dass plötzlich die Grünen zur zweitstärksten Kraft im Ländle wurden.

Ich denke, ein Schlüsselwort ist Moral. Wir alle wollen im Alltag im Einklang mit unseren Werten, unseren ethischen Normen, wollen moralisch handeln. Sicher, wir haben auch unsere Egoismen, aber letztlich wünscht sich jeder ein gerechtes und moralisch einwandfreies Handeln.

Und das ist meiner Ansicht nach, was im Moment auf allen Ebenen und in allen Institutionen als unvollkommen angesehen wird. Eine Regierung, die zunächst für Atomkraft ist, und weil die Bevölkerung sich über einen Supergau im fernen Japan sorgt plötzlich ein Moratorium einsetzt muss sich schon fragen lassen, hat sie zuvor ethisch vertretbar gehandelt, wenn jetzt doch noch mal eine Prüfung notwendig zu sein scheint? Wenn jetzt plötzlich sieben Kraftwerke abgeschaltet werden können, ohne dass es in Deutschland zu flächendeckenden Stromausfällen kommt.

Aber auch die Wirtschaft muss sich ethisch neu positionieren. Nicht nur, weil die Laufzeitverlängerung der AKWs den großen Konzernen fette Gewinne ihrer bereits abgeschriebenen Meiler einbringt.

Auch hier hat das Wahlergebnis gezeigt: Das reine Wirtschaftsdenken, wie es in Baden Württemberg unter Schwarz-Gelb vorherrschte (Hauptsache, die Arbeitsplätze sind sicher und der Wirtschaft gehts gut) weicht einer umfassenderen Betrachtung in die auch einfließt, dass die Wirtschaft zwar gefördert, aber nicht gefordert wird. Wer sich beklagt, dass die jungen Auszubildenden immer schlechter vorbereitet in die Ausbildung starten, der muss sich auch fragen lassen was er von einem Bildungssystem erwartet, das immer mehr totgespart wird und dessen Ansehen in der Gesellschaft immer weiter sinkt.
Und wenn wir uns über eine Verrohung der Sitten beklagen, dann sollten wir uns auch fragen, wo lernen die jungen Leute es denn? Ist es nicht so, dass gerade die nicht für die Wirtschaft direkt wichtigen Fächer immer mehr ins Abseits gedrängt werden? Bildung liefert auch ethische und moralische Grundwerte. Und das darf, gerade nach den unsäglichen Geschehnissen in der katholischen Kirche nicht alleine dem Religionsunterricht vorbehalten bleiben, der ja definitiv selbst mit moralischen Verfehlungen fertig werden muss.

Wir müssen den Fokus in der gesamten Gesellschaft wieder mehr auf eine Symbiose von Ethik, Moral und wirtschaftlichen Erfolg richten, anstelle alles nur noch dem Profit und Shareholder Value unterzuordnen.

Und das sehe ich als einen weiteren Marktvorteil und positiven Aspekt in der Diskussion um einen „War for Talents“. Auch an ihren ethischen Werten müssen sich Arbeitgeber immer mehr messen lassen. Wie vereinbar sind Familie und Beruf? Wie wichtig wird eine gesunde Balance zwischen beruflichen Aufgaben und Privatleben gesehen? Wie sind die Umgangsformen im täglichen Miteinander? Wird nur (Termin-) Druck ausgeübt oder haben Mitarbeiter auch Freiräume zum Durchatmen? Gerade in einer Zeit in der die kreativen, schaffenden Wissensarbeiter immer wichtiger werden, müssen die Firmen den Fokus deutlich mehr auf solche „weichen“ Faktoren richten. Gerade Wissensarbeit gedeiht nur dann gut, wenn auch das Umfeld stimmt.

Update: Und diese Erfahrungen kommen bei mir nicht aus dem luftleeren Raum. Zum einen habe ich meinen jetzigen Arbeitgeber auch wegen der Sozialleistungen gewählt zum anderen habe ich auch in Gesprächen mit neuen Kollegen oft als Argument auch gehört, dass mein Arbeitgeber eben auch familienfreundlich wäre (Gleitzeit, verschiedenste Arbeitszeitmodelle etc.) Man sieht also. Ist nicht so daherfantasiert sondern für viele auch junge Arbeitssuchende durchaus ein Kriterium!