Secondscreen, oder wenn Social Media das Fernsehen wachküsst

Couchfunk mit dem bislang interessantesten all in one Angebot zum Second Screen Prinzip

Secondscreen, ein neues Buzzword, das nicht erst seit der re:publica in aller Munde ist. Was versteht man darunter? Im Prinzip ist es ganz einfach, es ist die Verknüpfung von Fernsehen und Social Media. Mit die ersten Nutzer waren Twitterer, die mit Leidenschaft und Verve TV Ereignisse kommentierten und kommentieren. So hat sich am Sonntag abend zum Beispiel eine regelmäßige Gemeinde etabliert, die über den neuesten Tatort diskutiert oder konnte man, selbst wenn man nicht zusah, den European Song Contest indirekt mitverfolgen.

Aber mittlerweile weitet sich das ganze auf spezielle Dienste aus. So bieten getglue.com oder  gomiso.com via Webseite oder mobile App die Möglichkeit, sich zu bestimmten TV oder Filmevents einzuchecken und damit ähnlich Foursquare Badges zu sammeln.
Ganz neu auch Couchfunk, das neben dem Einchecken auch noch die Kommentare zur Sendung aus verschiedenen Social Media Kanälen aggregiert und zentral bereitstellt.

Die Rundshow vom Bayrischen Rundfunk

Mittlerweile planen auch die großen TV Sender eigene Second Screen Anwendungen, so startete erst vor kurzem mit der Rundshow von Daniel Fiene und Richard Gutjahr eine Sendung, bei der der Zuschauer via Google Hangout bereits aktiv teilnehmen kann.

Wir sehen, selbst das klassische EinwegTV wandelt sich in Zeiten von Social Media zu einem interaktiven Kanal. Und wenn erst einmal jedes neu verkaufte TV Gerät auch Internet integriert hat, wird der Kanal zurück zum Sender noch an Bedeutung gewinnen. So wird langsam aber sicher aus einem Konsumentenprodukt ein Interaktionsprodukt. Und ich finde, dadurch können wir alle nur gewinnen.

iMediaShare und das Tablet wird zum Videoplayer für den Fernseher

Die Auswahl ist riesig, und durch Kanäle wie Vimeo oder Youtube lassen sich auch eigene Videos an den Server streamen, ohne sie auf dem Endgerät gespeichert vorhalten zu müssen.

Heute mal ein Tipp aus meiner Sammlung von Apps, die aus einem Smartphone oder Tablet noch mehr Zusatzfunktionen herauskitzeln.

Die App iMediaShare macht aus einem iPhone, iPad, Android Smartphone oder Tablet in Verbindung mit einem WLan fähigen Fernseher eine Mediazentrale.

Das Grundprinzip ist dabei denkbar einfach. Die App wird auf dem entsprechenden Smartphone oder Tablet installiert. Nun hat man bereits Zugriff auf eine Fülle von Internet Videoangeboten wie z.B. auf die hochinteressante Vortragsreihe von TED. Und durch die Einbindung von Diensten wie YouTube oder Vimeo lassen sich auch eigene Videos unabhängig vom Endgerät abspielen. Zusätzlich ist natürlich auch die Möglichkeit gegeben, alle im lokalen Netzwerk verfügbaren Medienstreams sowie Filme auf dem Tablet selbst zu nutzen.

Die verschiedenen Dienste lassen sich wahlweise auf dem Smartphone/Tablet selbst oder auf diverse andere  Endgeräte streamen, die sich via Wlan anbinden lassen. Dazu muss am entsprechenden Endgerät nur der Stream des Smartphones/Tablets eingestellt werden.

Dann wird automatisch der Stream auch via Menü für das passende Endgerät angeboten und kann dort wiedergegeben werden. Auf der Seite von iMediaShare gibt es hierzu auch eine Guided Tour für iOS und Android, die sehr schön erklärt, was genau zu tun ist, um den Stream für andere Endgeräte bereitzustellen. Mein Fazit. Eine Top Anwendung und für mich die ideale Form, meine heißgeliebten TED Vorträge auch auf dem grossen Flachbildfernseher zu sehen, da ich sonst ja eher TV abstinent bin.

 

Ein Beispiel, wie mittels Galaxy Tab 10.1 ein Video auf einem Samsung Fernseher abgespielt wird.

Die Alten glotzen, aber schimpfen über die Jungen. Fernsehkonsum und Altersstruktur

Bislang wurde immer nur über den Fernsehkonsum junger Menschen polemisiert.
Nun meldet eine neue Studie aus den USA unter 4000 US-Amerikanern ab 15 bis 98 Jahren, dass gerade die ältere Generation deutlich mehr fernsieht als die Jugend. Zitat: „Nach anderen Untersuchungen verbringen die 65-Jährigen in den USA durchschnittlich 25-30 Prozent ihrer Wach- und 50 Prozent ihrer Freizeit vor dem Fernseher, durchschnittlich liegt der tägliche Fernsehkonsum bei 270 Minuten, eine Stunde mehr als noch vor einem Jahrzehnt (bei den Deutschen lag die [extern] Sehdauer 2009 bei 212 Minuten, deutlich mehr als die 144 Minuten 1988, die Verweildauer liegt allerdings bei 300 Minuten). “
Ich bin ehrlich gesagt nicht überrascht. Wenn ich drüber nachdenke, wie oft mich Bekannte und Freunde verwundert fragen, woher ich die Zeit für meine Hobbies wie Bloggen, Astronomie, Lesen nehme, ich dann gleichzeitig aber erfahre, dass sie jeden Abend vor dem Fernseher sitzen (am Wochenende oft wohl noch mehr), dann wundert mich nicht, dass sie keine Zeit für andere Dinge haben. Fernsehen ist an sich nicht schlecht, aber es gilt auch hier wie für Computer und Medien generell, ohne hinreichende Medienkompetenz wird aus Konsum schnell unreflektierter Glaube an alles, was dort gesendet wird.
Wer glaubt, nur weil etwas in der Tagesschau berichtet wird, stimme das auch, oder wer die Nachmittagsgerichtsshows oder Talkshows ernst nimmt (und leider kenne ich genug in meinem Umfeld, die wirklich glauben, das wären reale Fälle), der wird immer leichter beeinflussbar und steuerbar.
Bei mir beschränkt sich der Fernsehkonsum auf sehr stark selektierte Dokus und Nachrichten, wobei gerade hier dennoch auch die Reflexion über das Gesehne wichtig ist und ich nach Möglichkeit bei Informationen, die mir unglaubwürdig erscheinen oft nochmals gegenrecherchiere. Würden das mehr Menschen tun, würden weniger auf Pseudowissenschaftler und Sharlatane oder die vielen Bedenkenträger hereinfallen. Aber vielleicht ist das ja gar nicht gewollt? Vielleicht ist es ja gerade gut, wenn der Bürger in Unwissenheit und einer gewissen Angst gehalten wird. Damit ist er besser lenkbar und steuerbar.
Querdenker sind nun mal unangenehm. Aber wir brauchen Querdenken und kritisches Denken um nicht auf die Scharlatane reinzufallen. Und lebenslanges Lernen geht nur, wenn ich mir auch die Zeit dafür nehme. Wenn ich mich jeden Abend vor dem Fernseher betäuben lasse, sollte ich mich vielleicht fragen, ob da nicht was elementares in meinem Leben falsch läuft?
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