Fundstück des Monats: Ein junges, unglaubliches Talent

Dieses Video verbreitet sich wie ich meine zu Recht im Netz wie ein Lauffeuer. Und was man der kleinen Lady anmerkt, sie hat es aus eigenen Stücken gemacht und viel Freude daran. Einfach fantastisch. Für mich mein Fundstück des Monats.
Und nein, das ist kein Playback, die junge Dame singt live!

 

 

Und hier das ganze Video, allerdings natürlich in holländisch, die Übersetzung findet sich in den Kommentaren.

Was braucht ein Softwareentwickler an Eigenschaften? Überraschende (?) Einsichten.

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Die Werkzeuge für die Softwareentwicklung zu kennen gehört mit zum grundlegenden Handwerkszeug des Entwicklers. Und er muss auch mit neuen Tools umgehen können.

Ich bin in der Ausbildung aktiv und habe es auch immer wieder mit Schülerinnen und Schülern zu tun, die die wirklich gute Frage stellen: Was für Eigenschaften muss ich eigentlich mitbringen, um ein guter Programmierer zu werden?“

Da treffen sie bei mir auf den richtigen. Zunächst mal, vom Begriff des Programmierers sollten wir uns schon seit längerem verabschieden. Zwar gibt es immer noch hie und da die Kellerkinder, die sich nur von Pizza und Koffein ernähren und am Fließband Code produzieren.
Aber heutzutage ist dieser Typus selten geworden und wird auch nicht mehr wirklich gesucht.
Ein guter Softwareentwickler, denn das ist es, was die Programmierer von heute sind, entwickelt Software. Das kann von der ganz tiefen Maschinencodeprogrammierung bis zum zusammenstellen von Softwarepaketen alles sein. Und hier ergibt sich die erste wichtige Eigenschaftsgruppe.

1) Ein guter Softwareentwickler ist offen und unvoreingenommen neuen Entwicklungen gegenüber und schreibt nur dort eigenen Code, wo es notwendig ist.

Denn oft bieten sich Out of the Box Lösungen an, die nur an die jeweilige Anwendungssituation angepasst werden müssen. Oder es gibt bereits ein Stück Programm, das durch ein wenig Umprogrammmierung genau die Anforderungen erfüllt. Ein wichtiges Talent eines Softwareentwicklers ist nämlich zu erkennen, wann eben nicht selbst programmiert werden muss.

2) Ein Softwareentwickler ist ein SEHR soziales Wesen

Das mag ob der Klischeebilder so manchen überraschen. Aber wie gesagt, die Zeiten des im Keller sitzenden Nerds, der nur an seinen Code denkt sind vorbei und werden von der Zunft nur noch mit einer großen Prise Selbstironie persifliert. Die Systeme, die heute entwickelt werden, sind so komplex, dass ein Entwickler alleine sie gar nicht stemmen könnte. Und die Anforderungen kommen von so vielen „Stakeholdern“, dass es quasi schon ein Entwicklungsparadigma ist, die Entwickler so lange wie möglich vom Code fernzuhalten, um die eigentlichen Komponenten und Wünsche des Kunden zunächst klar zu definieren.

Und auch wenn die Entwicklung begonnen hat, läuft dies meist in Teams, es wird sich mit anderen Entwicklern ausgetauscht, der Code wird mittlerweile gerade beim Extreme Programming gar zu zweit entwickelt. Und der Entwickler hat heute immer häufiger auch direkten Kundenkontakt, da er neben der Entwicklung der Software auch immer häufiger beratende Tätigkeiten übernimmt, um zum Beispiel dem Fachbereich bei der Spezifikation der Anforderungen zu helfen oder in auf neue interessante Entwicklungen hinzuweisen.

3) Ein Softwareentwickler hat Freude an Rätseln und ist nicht zwangsweise ein Mathegenie

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Neugier und Interesse an technischen Neuerungen sind ebenfalls wichtige Eigenschaften eines Entwicklers

Ja sicher, eine gute Note in Mathematik ist natürlich von Vorteil. Aber viel wichtiger ist ein Sinn und Freude an und für Logik und die Lust und der Biss, auch komplexe Rätsel zu lösen. Denn komplexe Systeme bieten manigfaltige und zum Teil ebenfalls komplexe Möglichkeiten für den Einbau von Fehlern. Und um diese zu finden, benötigt der Entwickler ein hohes Maß an logischem Verständnis und den Biss, auch schwierige Programmierfehler zu finden und zu bereinigen. Ich frage oft, ob potentielle Anwärter auf die Ausbildung als Softwareentwickler Freude am Lösen von auch schwierigen Rätseln haben. Blickt man mich dann wissend an, ist schon der erste Indikator da für eine erfolgreiche Karriere als Entwickler.

4) Ein Softwareentwickler kann gut Englisch lesen, schreiben und sprechen.

Für mich mit am wichtigsten ist es, dass ein guter Softwareentwickler englisch beherrscht. Sowohl die gute Fachliteratur, als auch die Kommunikation im Netz unter den Entwicklern läuft weitestgehend in Englisch ab. Gerade in der Fachliteratur dauert es manchmal bis zu einem Jahr, bis wichtige und relevante Bücher ins Deutsche übersetzt werden. Wer hier die englischen Originale lesen kann, ist klar im Vorteil. Nur ein Beispiel aus meiner eigenen Tätigkeit als Softwareentwickler. Habe ich ein Programmierproblem oder suche nach einer Lösung für eine spezielle Programmieraufgabe, dann kann ich, da ich fließend englisch sprechen, schreiben und lesen kann die Frage weltweit in Foren, Social Media Plattformen und Blogs stellen. Und da immer irgendwo auf der Welt gerade Tag ist, wandert die Frage um den Globus und kann weltweit eine Antwort finden. Würde ich mich nur auf Deutsch äußern, so wäre die mögliche Menge an Antworten schon durch die Sprachbarriere eingeschränkt.
Während meiner Zeit bei IBM entwickelten wir grundsätzlich in englisch, nicht nur die Dokumentation sondern auch die Kommentare im Code. Dadurch war es weltweit möglich, den Code und die dahinterliegenden Ideen zu versehen und weiter zu entwickeln.
Und als ich für den Apple Newton programmiert habe, habe ich virtuell mit Menschen aus Amerika, Australien und diversen anderen Ländern zusammengearbeitet, um virtuell ein komplexes Programmierprojekt zu meistern.
Software wie Linux wäre ohne Englisch als Lingua Franca der Entwicklerszene gar nicht denkbar.

5) Ein Softwareentwickler muss eine Leidenschaft für alles neue technische haben und eine positive Sicht auf die technologische Entwicklung der Zukunft.

Das klingt jetzt sehr philosophisch, aber lässt sich sehr einfach erklären. Nur wenn ich Freude an der Veränderung habe, wenn ich mir immer wieder klar bin, dass nichts in der Softwareentwicklung so beständig ist wie der Wandel, kann ich auch nach Jahren mit der Entwicklung noch Schritt halten, habe noch die Skills, die ich als Entwickler brauche.

Nun seid ihr gefragt: Kennt ihr noch andere wichtige Eigenschaften eines Softwareentwicklers? (Und kommt mir nicht mit „Er muss programmieren können“, das setze ich natürlich voraus 😉 )

Gedanken in der Bahn: Wir brauchen keine Titel sondern Talente

Mit der passenden "Ausrüstung" lässt sich auch im Zug vortrefflich arbeiten.

Wieder eine dieser Reisen in meiner  Rolle als Blogger, die mich mindestens genauso stark nachdenken lassen, wie hoffentlich meine Hörer.

Der Vortrag bei Beiersdorf ging um  die Frage, wie die IT unser aller Leben in der Zukunft beeinflussen wird. Dann beim gemeinsamen Abendessen mit der CIO kam das Gespräch wieder auf mein momentanes Lieblingsthema: Workplace of the future. Auch bei Beiersdorf Shared Services wie eigentlich in den meisten Unternehmen ist das Bewußtsein geschärft für den Wandel.

Was ich aber mitgenommen habe für meine Recherchen zur Arbeitswelt der Zukunft: Wir brauchen nicht  nur eine Abkehr von den alten Denkmustern zu Lohnarbeit, nämlich, das Anwesenheit = Leistung. Wir müssen auch Talent und Bezahlung neu denken. Es kann nicht angehen, dass z.B. ein neuer Mitarbeiter, der sich auf eine Stelle beworben hat, für die er oder sie ¨überqualifiziert¨ist  nur deshalb abgelehnt wird, weil zwar der Personalbereich UND der neue Mitarbeiter sich auf die Gehaltsstufe der Ausschreibung geeinigt haben, nach Tarifvertrag der Skill aber eine andere Einstufung verlangt. Wir müssen wegkommen von der Bevormundung der Mitarbeiter, vor dem Anspruch vor allem vieler Betriebsräte, den Mitarbeiter vor sich selbst schützen zu wollen. Das ist pure Arroganz und Bevormundung erwachsener Menschen.

Ich würde es mir verbitten, vorgeschrieben zu bekommen, wie ich genau meine Arbeit zu organisieren habe. Wir reden mittlerweile in vielen Bereichen gerade der IT von Arbeitsmodellen, die dem Empfinden und der Arbeitsweise vieler Informatiker schlicht konträr laufen. Und das wird sich auf weitere Bereiche der ¨Wissensarbeit¨ausdehnen. Der grösste Denkfehler ist anzunehmen, es gäbe das Arbeitsmodell, das Denkmuster für bezahlte Arbeit, das 100% und für alle Menschen gleich geeignet sei. Der Mensch ist Individuum, und das endet nicht am Eingang zum Unternehmen.

Wir müssen zudem den Fokus endlich wegnehmen von erworbenen Titeln, die einen Mitarbeiter in gewisse Bezahlkorsetts zwingen und einen Wechsel in andere Bereiche dank scheinbarer Überqualifizierung fast unmöglich, oft aber zumindest sehr schwierig machen. Es gilt wieder mehr den Mitarbeiter zu betrachten mit seinem aktuellen Status Quo. Wie viele versteckte Talente sind in Unternehmen quasi begraben, weil ihre ¨Ausbildung¨angeblich nicht zur Stellenausschreibung passt. Hinterfragt man aber das Motiv für die Bewerbung findet man oft ein verstecktes Talent, das auf die ausgeschriebene Stelle nicht nur passt sondern eigentlich quasi die Idealbesetzung darstellen würde. Wenn dann aber der Tarifvertrag das nicht hergibt, darf dieser Person dann die Stelle verweigert werden, wenn sie selbst damit einverstanden ist, anders eingruppiert zu werden? (Die Betriebsräte unter meinen Lesern rufen jetzt hoffentlich nicht gleich wieder nach dem elterlich besserwisserischen Beschützen des Mitarbeiters vor sich selbst)

Lasst Menschen die Chance, auch neues zu probieren, vertraut auch wieder mehr auf Selbsteinschätzung desjenigen, der sich bewirbt. Wir reden hier von erwachsenen Menschen und sollten ihnen zumindest die Chance einer Probezeit geben. Und kommt mir nicht mit Kosten. Ich bin der festen Überzeugung, dass die meisten Menschen sehr wohl einschätzen können, ob eine Anstellung zu ihnen passt oder nicht (die meisten trauen sich ehe zu wenig als zu viel zu). Wir müssen aber auch die Chance zum Wechsel, zum Schnitt, zum Neuanfang in einem anderen Thema möglich machen. Der talentierte, motivierte Mitarbeiter auf neuem Gebiet ist mir allemal lieber, als alle Mitarbeiter auf ihre Titel und die dazu passenden Berufe zu reduzieren. Ich bin nicht nur Informatiker, sondern auch Autor, Blogger, Maler und vieles mehr.
Sucht die Talente, nicht die Titel!

Hochbegabung kann die Karriere gefährden

Provokant titelt die „ZEIT“: Zu schlau fürs Büro

Arbeitgeber suchen intelligente Mitarbeiter. Hochbegabte aber stoßen in den meisten Unternehmen auf Schwierigkeiten.

Was auf den ersten Blick arrogant wirkt ist ein tatsächliches Problem. Denn wer „anders“ denkt, als der Durchschnitt, der fällt auf. Und das meist negativ. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen (ja, ich habe mal einen Test gemacht und ja ich kenne meinen IQ 😉 ) ,dass Neugierde und das Interesse immer wieder etwas anderes zu machen im Bürojob oft eher zu Problemen führt. Da heißt es, man sei sprunghaft, unordentlich, bringe nichts zuende. Dabei gilt hier wie so oft eher, da wird dann offensichtlich ein Mitarbeiter nicht entsprechend seinen Fähigkeiten und Talenten eingesetzt. Auch Hochbegabte sind bereit zu Routinetätigkeiten, wenn diese nicht den gesamten Alltag beherrschen. Oder anders gesagt, man muss sich auf den Menschen einlassen und nicht beständig versuchen, jeden in die eigenen Normen von „richtigem“ Verhalten zu pressen.

Hier können sie sich mit den Querdenkern die Hände reichen (ich behaupte sogar, oft sind gerade die Querdenker diejenigen, unter denen die meisten Hochbegabten zu finden sind).

Natürlich gibt es einen „War for Talents“ aber sobald das Unternehmen dann ein Talent, eine Begabung gefunden hat, sollte man auch an die weitere Förderung denken. Sonst versauert das Talent und im schlimmsten Fall wechselt der Mitarbeiter das Unternehmen.

Wissensdurst 2.0

Auch wenn viele das meinen, in der heutigen Gesellschaft mit den Denkweisen, wie sie aktuell sind, hat man als Hochbegabter eher Probleme als Chancen. Schon in der Schule wird oft nicht individuell gefördert, und sich zu einer Begabung offen zu bekennen oder sie auszuleben stösst eher auf Ablehnung. Wie ich gestern schon erklärte. Begeisterung ist nicht negativ, aber die Gesellschaft stellt sie oft so dar. Und offen zu einer Begabung zu stehen, wird ebenfalls eher ungern gesehen und oft mit „Du hälst dich wohl für was besseres.“ oder „Lern du erst mal ordentlich arbeiten“ goutiert.

Und eine Sache hat mich dann doch zum Lächeln gebracht, nämlich der Satz im Text: „Da mag das »schnelle und sehr kompakte Reden« das Rasmussen bei vielen Hochbegabten erlebt, noch das geringste Problem sein. “ Na ja, die meisten haben bei  mir gerade mit der Redegeschwindigkeit so ihre Probleme.

Lasst sie doch einfach arbeiten

Manchmal wundere ich mich über Menschen (obwohl das immer seltener geschieht. Bald wundert mich gar nix mehr), die anderen einreden wollen, sie müssten unbedingt eine Karriere in der Verwaltung oder dem Management machen, obwohl doch offensichtlich ist, dass sie weder die Lust noch das Talent dazu haben. Gerade bei Softwareentwicklern erlebe ich das häufig. Da wird unbedingt empfohlen, eine Projektleitung anzustreben, wenn nicht gar eine Leitung einer Entwicklerabteilung. Dabei kenne und erkenne ich die Kollegin oder den Kollegen als Geek, als hochgradigen talentierten Experten, was die Technologie angeht.

Es gibt keine bessere oder schlechtere Arbeit. Es gibt nur Arbeit, die für den Menschen geeignet ist, weil sie im Freude bereitet.
Wenn ein Mensch kein Talent zum abstrakten Planen hat, aber zum konzipieren komplexer Systeme, dann wäre es das dümmste, ihn da raus zu zerren.

Wie lautet der schöne Spruch: „Schuster, bleib bei deinen Leisten“.
Oder in der IT: Entwickler, bleib bei deiner IDE.

Über die Intoleranz der Norm und viele kleine Sarrazins

Es gibt sie, sie sind unter uns. Menschen, die nicht der Norm entsprechen. Sie sind zu groß, zu klein, Linkshänder, behindert, mögen die falsche Musik, haben die falschen Freizeitbeschäftigungen oder die falsche Bildung oder gar Gott bewahre, sind intelligenter als die Norm, womöglich haben sie gar einen IQ jenseits der 130 und gelten somit als hochbegabt, kurz, sie entsprechen nicht der Norm. Der gute, brave, der Politik und den Medien glaubende Normbürger verabscheut sie. Das zeigt sich immer wieder, vor kurzem erst sehr deutlich und hässlich durch den Erfolg des Machwerks von Thilo Sarrazin.

Aber womit hat der Normbürger denn eigentlich ein Problem? Warum werden alle jene zumindest schief angesehen, die nicht die Interessen des Durchschnitts haben. Warum werden Kinder von ihren Klassenkameraden geschnitten, die nicht so fußballbegeistert sind, die nicht rauchen wollen, oder nicht bei den dummen Mobbingspielchen gegen Mitschülerinnen, noch dazu wenn sie nicht die blasse Nordeuropäerhaut haben. Man mag viele Gründe anbringen. Für mich gelten vor allem zwei. Dummheit und Angst. Dummheit insofern, daß offensichtlich das nötige geistige Potential fehlt, sich mit etwas zu befassen, das nicht sofort ins eigene Weltbild passt. Daraus resultieren solche Dinge wie Intoleranz, Rassismus und Vorurteile. Und Angst. Angst davor, selbst nicht mehr der Norm zu entsprechen, selbst aufzufallen.

Denn wer anders ist als der Durchschnitt hat zu kämpfen. Er wird oft abgelehnt, oder zumindest belächelt. Ich hatte es noch einfach, denn ich bin nur zu groß und Linkshänder. (Ok, ich mag auch kein Fussball, keine bierseeligen Männerrunden, in denen von Autos oder Fußball gesprochen wird und schätze eher ein gutes Buch, klassische Musik und ein Glas Rotwein, bin also in den Augen meiner normgerechten Geschlechtsgenossen ein arroganter Schnösel). Kommt aber noch ein etwas fremdartiges Aussehen dazu, oder eine Behinderung, dann werden solche Menschen schnell gemobbt, da der denkfaule Durchschnittsbürger sie als etwas seltsames wahrnimmt, das nicht in sein oft beschränktes Weltbild passt.

Letztlich aber wäre unsere Welt extrem viel ärmer, würden alle Außenseiter,alle besonderen Menschen verschwinden. Wo wären dann die Künstler, die kreativen, die hochbegabten Menschen. Es würde eben nur noch die Norm herrschen und mit Verlaub, nicht erst seit der Ignoranz gegenüber dem Rechtsbruch eines Herrn zu Guttenberg, der von anderen gestohlen hat,aber vom ignoranten Durchschnittsbürger dennoch geliebt wurde ist mir klar, dass man sich als Nichtnormmenschen oft besser bedeckt hält, seine „Andersartigkeit“ versteckt. Ich bin ein Gadgetfreak, aber ich verwende mittlerweile wieder Papier (zumindest scheinbar) weil ich mit digitalen Notizen eher angeeckt bin und belächelt wurde. Ich lese offiziell langsam, weil meine Fähigkeit zum Schnelllesen schon in der Schule bei den Lehrern auf Unverständnis stieß.

Ich höre meine Musik zu hause oder über den Walkman, spare mir mittlerweile Feste, auf denen es mehr ums Saufen und Männerrituale geht und genieße lieber mit guten Freunden gelegentliche Treffen, bei denen gute Gespräche und angenehme Gesellschaft wichtiger sind als Imponiergehabe und geballte Intoleranz.
Aber all das sind kleine Probleme eines Erwachsenen. Viel schlimmer finde ich die täglichen Mobbereien der Kinder gegen ihre Altersgenossen, die eben nicht wie „alle anderen “ auf den Fussballplatz wollen, die es nicht in Ordnung finden, Schwächere zu mobben oder zu verprügeln, die weder Alkohol, noch Autos cool finden. Wenn ein Kind nicht in die meist dröge und dumme Norm passt, ist es sehr schnell Mobbingopfer. Aber das kann man nicht dem Kind vorwerfen, denn meist stehen hinter einem intoleranten Kind intolerante Eltern. Wir sollten wieder begreifen, dass eine Gesellschaft erst dann vielfältig, zukunftsorientiert und positiv sein kann, wenn Toleranz herrscht. Wer glaubt, dass alle Behinderten dumm und alle Ausländer faul sind, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er irgendwann in einer Gesellschaft lebt, die von Intoleranz und Neid zerfressen wird.

Als Außenseiter muss man stets auf der Hut sein, in unserer Gesellschaft nicht aufzufallen, denn nicht nur die EU besteht immer mehr auf Normen. Auch für den Durchschnittsbürger ist alles, was von der ihm bekannten Norm abweicht, meist erst mal fremd und gefährlich.

Was ist das für eine Gesellschaft, in der es einem bereits zum Nachteil gereicht, wenn man hochbegabt ist, wenn Schulen alle Schüler über einen Normierungskamm scheren. Talente ragen heraus, sind nicht durch normierte Methoden erfassbar. Wir machen die Besonderen, die Talentierten in den normierten Schulen und in der normierten Gesellschaft zu Außenseitern, wir vernichten Talente und damit Chancen!

Wir lassen Behinderte oft nicht am normalen Leben teilhaben, dabei sind wir eine technologisch so fortschrittliche Gesellschaft, die es nahezu jedem Menschen mit einer Behinderung möglich macht, völlig normal am Alltag teilzuhaben. Aber Technik bedingt nicht, dass auch die Gesellschaft bereit ist.

So lange der Normbürger noch eher an die Esoterik glaubt und Wissenschaft und Bildung nur dann akzeptiert werden, wenn sie ins eigene beschränkte Weltbild passen, so lange werden wir stets das Andersartige verdammen. Wer immer noch an Wundermittel und Parawissenschaften glaubt, wer dem Esoteriker mehr vertraut als dem Wissenschaftler, der bekommt die dumme Gesellschaft, die er verdient.

Wie heißt es so schön: Die Intelligenz auf unserem Planeten ist eine Konstante. Die Bevölkerung wächst.

Demokratie lebt von der Mehrheitsmeinung, aber eben auch davon, dass auch Minderheiten das demokratische Recht zur Teilhabe an der Gesellschaft haben. Nur im Alltag, da wird das oft schwer gemacht. Auch darum wandert Wissen, wandern Talente immer mehr ins Ausland ab. Wer daheim Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, im Ausland aber mit offenen und toleranten Armen empfangen wird, der wendet sich irgendwann leichten Herzens ab. Was dann im eigenen Land übrig bleibt? Nun, jeder möge sich das selbst ausmalen. Ein Hinweis vielleicht. Es sind nicht diejenigen, die Goethe, Schiller oder auch Heine lesen, nicht die Abonnenten von ZEIT, Süddeutscher oder Spektrum der Wissenschaft. Eher diejenigen, die BILD und Sarrazin lesen.

Und zum Schluss noch ein schönes Zitat von Schiller, damit man mich auch wieder einen Bildungsschnösel nennen kann:

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn.
Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
um Brot und Stiefel seine Stimm‘ verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen.
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet. (Sapieha)

Friedrich von Schiller

Update: Bei Tagesschau.de gibts ein schönes Schlusslicht zu dem Thema: Schlusslicht: Doof bleibt doof – und das ist gut so. Hat mich doch sehr schmunzeln lassen, und ich bin DANN auch gar nicht traurig, sollte ich keine Karriere machen.

Wenn der Körper den Geist stoppt: Burn Out, Trendthema?

Ich wundere mich.

Nicht über den Burn Out als solchen. Den habe ich höchstpersönlich durchlebt und ich empfehle ihn niemandem. Es ist keine schöne Erfahrung. Aber es repositioniert einen auf eine sehr direkte und deutliche Art.

Was mich verwundert ist die Massivität, mit der plötzlich über dieses Phänomen in den Medien berichtet wird. Aktuell in der „Zeit“ und das prominent als Titelthema.

Woran liegt es, daß dieses Thema immer häufiger auftritt? Haben sich die Burn Out Opferzahlen erhöht? Oder kann es sein, daß man einfach den Burn Out mittlerweile ernst nimmt? Ich denke, es ist eine Mischung. Die heutige Arbeitswelt ignoriert oft den Menschen und sieht nur das „Humankapital“. Wo nur noch die Rendite im Fokus steht, verliert sich der Mensch.

Und Burn Out ist ein schleichender Prozess. Etwas, das meist die High Performer trifft. Also kann sich jeder so dumme Sprüche sparen wie, na, zu faul zu arbeiten? Meist entsteht ein Burn Out aus einer selbstgemachten Überforderung. Ich bin z.B. Informatiker. Aber nicht als Beruf, sondern als Berufung. Ich habe Freude an neuen Technologien. Ich probiere neues gerne aus, möchte mich beständig verbessern, andere Gebiete kennenlernen. Das an sich ist nichts schlechtes. Aber ich bin auch Perfektionist. Entweder, ich mache etwas ganz, oder gar nicht. Und genau hier liegt der Auslöser für meinen persönlichen Burn Out. Oder besser, er liegt knapp 7 Jahre zurück. Da hatte ich ein sehr unerquickliches Gespräch über mein Selbstbild versus dem Fremdbild, das angeblich andere von mir hatten. Wie sich erst Jahre später herausgestellt hat, hat da wohl mit dem Fremdbild der einen Person, die mit mir dieses Gespräch führte, einiges nicht gestimmt.

Das schlimme war nur, daß damit der Kern dessen in Frage gestellt wurde, was mein Leben, meine Leidenschaft ausmacht. Mein Interesse an Informatik und neuen Technologien. Letztendlich war es damals wohl eine Mischung aus Neid, Oberflächlichkeit und Ignoranz, aber das war der erste Riss, der mich in eine Burn Out Spirale trieb. Von da an war ich mit keiner meiner Leistungen mehr wirklich zufrieden. Ein erfolgreiches Projekt. Ach was, das wäre auch noch besser, schneller effizienter gelaufen? Eine neue Fähigkeit? Ja, aber nicht so perfekt, wie eigentlich geplant.

Das war dumm. Sicher, aber zu meinem Perfektionismus kam bislang auch die Unfähigkeit, „NEIN“ zu sagen. So entstand eine selbstgemachte Spirale von Leistung, Unzufriedenheit und weiterer Mehrleistung.

Das Projekt, das meinen Zusammenbruch erleiden musste, konnte letztlich gar nichts dafür, es war nur der letzte Tropfen. Mein Körper wollte nicht mehr. Zusammenbruch. Blutdruck 190 zu 99.  Gott sei Dank haben wir in unserer Firma eine Betriebsärztin, die sich mit diesen Themen auskennt und die mich sofort nach hause schickte und gleichzeitig zu einer Therapie verdonnerte. Das war ein Schock. Schon alleine, weil ich ja nicht krank war! Ich bin nicht verrückt (ist man mit Burn Out auch nicht, aber man sieht selbst seine Grenzen nicht mehr). Erst in langen Gesprächen wurde mir klar, dass ich mir hatte eine ganze Menge einreden lassen. Dass ich mich mittlerweile selbst viel schlechter sah, als ich eigentlich war und dass ich vor allem wieder Grenzen setzen musste in dem, was andere von mir fordern durften.

Was habe ich geändert? Ich habe endlich gelernt, nein zu sagen, nicht alles einfach anzunehmen und zu schlucken. Ich bin ab und zu auch mit 100% zufrieden, nicht mit 120% 😉 (an den 80 % arbeite ich noch). Ich achte wieder zuerst auf mein Selbstbild, bevor ich mir andere Fremdbilder aufprojezieren lasse. Und ich gönne mir konsequente Auszeiten. Überstunden ja, aber nur wenn auch notwendig. ich stehe wieder zu meinen Interessen. Auch wenn man mich jetzt wieder mit „Geek“ und „Gadget Freak“ betitelt. Ich lebe Informatik und damit muss meine Umwelt halt leben. Auch dieser Blog ist quasi Teil der Therapie. Themen, Fundstücke, die in meinem direkten Umfeld niemanden interessieren, die hinterlege ich hier.
Und ganz wichtig. Zuerst um sich selbst kümmern. Denn nur, wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, kann ich auch meine Umwelt akzeptieren!
Und auch wichtig, auf die Symptome achten!
Ständig müde, permanent gehetzt, plötzlich vermehrte Gesundheitsprobleme. Erste Alarmsignale. Kommen dann noch Gereiztheit, agressives Reagieren auf Kritik und ständige unbestimmbare Angst (oft existenzielle Angst) dazu, ist ein offenes Gespräch mit dem Arzt dringend angeraten. Ich hatte Glück und bin nicht körperlich komplett zusammengebrochen. Aber wenn es erst so weit ist. Dann fällt man richtig lange aus.