Das Windows Prinzip: Kaufe nie die erste Version

wpid-2011-05-26-00.41.09.jpg
Es gibt immer eine „nächste“ Version. Aber diese sollte am besten nicht die .0 sein 😉

Wenn ich, und das passiert schon berufsbedingt häufiger, um Rat bei einer Anschaffung gefragt werde, dann ist meine wichtigste Empfehlung: Kaufe nie die 1.0, es sei denn, du bist masochistisch veranlagt oder bekennender und chronischer Nerd und Early Adopter.

Und das hat nicht nur mit mangelnder Qualität zu tun, sondern auch damit, dass es zwei bis drei Iterationen bedarf, um aus einer neuen Idee, einem neuen Konzept auch eine tragfähige Lösung zu erarbeiten.

Nur sollte man gerade mit Blick auf die oft unnötige hektischen Releasezyklen mancher Unternehmen selbst bei den 1.1 und folgenden Releases stehts eine gewisse Zeit warten. Denn mittlerweile habe ich das Gefühl, der Großteil der Produkte, die auf den Markt geworfen werden, sind maximal Beta, wenn nicht sogar Alpha. Da stürzen Geräte dauernd ab, da gibt es Sicherheitslücken noch und nöcher und manchmal folgt dem initialen Gerät nur kurze Zeit später die nächste, verbesserte Version.

Und wenn es so weit ist, dass man sich zum Kauf entschlossen hat, ist die beste Strategie ab dann den gesamten Markt für dieses Produkt zu ignorieren. Denn sonst geschieht zwangsläufig, was ich als den bei „Kauf obsolet“ Effekt nenne. Sobald man sein Produkt erworben hat und sich auf dem Markt weiter umsieht, werden umgehend neue, noch bessere Geräte oder Produkte auftauchen.

Erst wenn Software und Hardware eine gewisse Releasetiefe von produktiven Versionen erreicht hat (idealerweise bereit mit einer 2 vor dem Komma) dürften sich die Fehler in Grenzen halten. Dann zuzugreifen ist deutlich sicherer, als in die Early Adopter Falle zu tappen.

 

 

Das Netz ist beta und wird es auch immer bleiben

Einer der Fakten, den wohl nur diejenigen begreifen, die nicht nur gegen Bezahlung im Netz arbeiten, sondern auch das Netz als Teil ihres Lebens integriert haben.

Während Management und Qualitätssicherer, Controller und Projektleiter stets auf 100% Qualität bedacht sind (oder zumindest darauf, dass alle Prio 1 Fehler wenigstens zu Prio 2 Fehlern gemacht wurden) weiß der langjährige Internetbewohner, dass eigentlich alles Beta ist. Diverse Anwendungen erscheinen schon im Alpha Stadium, dann im closed Beta, dann Beta und werden daraus nie in einen endgültigen Zustand des „Releases“ kommen. Einfach deshalb, weil das Netz hochgradig dynamisch ist.

Meiner Ansicht nach müssen wir uns wieder vom Dogma der Releasezyklen verabschieden. Oder wie es z.B. mittlerweile bei ubuntu angedacht wird, die rollierenden Updates realisieren. Ist eine Anwendung, eine Lösung so weit, dass sie weitestgehend funktioniert, dann wird sie veröffentlicht und es gibt dann weitere Updates, neue Feature etc. Würde Google immer auf den endgültig abnahmebereiten Stand warten bei Anwendungen wie Google+ oder ähnlichen, ich wage zu bezweifeln, dass dann jemals zur rechten Zeit etwas auf den Markt gekommen wäre. Aber die meisten Unternehmen testen und zögern noch so lange, bis das, was sie dann endlich im Netz anbieten schon hoffnungslos veraltet ist. Bis dann ganz andere Branchen bereits den Markt betreten haben mit Beta Software, und die Kunden sich bereit abgewandt haben.

Die endlosen Abstimmungen und Rückversicherungen bewirken nur, dass wir immer weiter abgehängt werden von Unternehmen, die mit dem Beta Status groß werden. Den „finalen“ Stand einer Software, oder den zu Beginn bereits feststehenden Funktionsumfang gibt es im Netz nicht. Hier entwickelt sich alles so dynamisch, dass es durchaus passieren kann, dass ich den Funktionsumfang meines Produkts oder meiner Anwendung noch im Entstehungsprozess ändern oder erweitern muss. Dafür braucht es aber Flexibilität, schnelle Reaktionszeiten und kurze Entscheidungswege. Sascha Lobo nennt es die „Deutsche Netzkrankheit“ und trifft es damit eigentlich recht gut. Wir ergehen uns in Kontrollen, Abstimmungen und erneuten Abstimmungen, jeder will mitreden, jeder will sich absichern, es geht nicht um das Produkt sondern um die politischen Ränkespiele der Karriereleiter. Und währenddessen hängen uns dynamischere hierarchieärmere und vor allem entscheidungsfreudigere Unternehmen komplett ab. Im Moment tauchen auf dem Markt diverse ausländische Anbieter mit Bezahldiensten auf. Paypal, Kredikartenunternehmen, selbst Apple und Google wollen oder bieten bereits Bezahlmöglichkeiten an.

Da stellt sich doch die provokante Frage: Wird es bald Bankgeschäfte ohne Banken geben?

Und wird diese Entwicklung nicht auch in vielen anderen Branchen einfach so passieren, während wir noch damit beschäftigt sind, Verantwortung, Qualität und Schuld zu klären?