Gedanken eines Überlebenden zum Welt-Suizidpräventionstag

Ich bin weder beschämt, noch stolz auf meinen Suizidversuch. Es kam sehr überraschend, quasi im Affekt und ging Gott sei Dank schief.
Ja, ich weiß, das ist nie die richtige Lösung aber ein Mensch, der zutiefst verzweifelt ist, der keinen Ausweg mehr sieht, will nur den Schmerz nicht mehr spüren, sich rausnehmen, das beenden, was er für wertlos hält.
Leider ist man in diesen Momenten oft sehr alleine. Und meist wagt man sich auch nicht mit dem an die Öffentlichkeit, was einen in diese Situation geführt hat.
Psychische Krankheiten, so offen sie in der Bevölkerung besprochen werden, sind noch immer mit dem Stigma des Versagens belastet.
Wir leben nicht mehr in einer Leistungsgesellschaft sondern in einer Spitzenleistungsgesellschaft, wo jedes gesundheitliche Defizit bereits fatale Folgen haben kann. Und die früher bestehenden Netzwerke, die Freundeskreise bröckeln weg in einer immer mobiler zu sein habenden Gesellschaft.
Wir haben keine Ruhepole mehr, keine Rückzugsorte, um auch mal schwach zu sein. Leistung, das ist was zählt und da fällt jeder schnell unangenehm auf, dem es mal nicht so gut geht. Also verschweigt man es, bis es zu spät ist.
Ich kämpfe für einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten und für mehr Diskurs über das Thema Suizid. Verschweigen ist keine Lösung, weil sie dann die Fakten ignoriert und Menschen in solchen Krisen eher alleine lässt.
Lasst uns aufklären, lasst uns verzweifelten Menschen nicht den Dolch in den Rücken stossen, sondern die Hand reichen. Nicht jeder Suizid ist vermeidbar, aber wir können dafür sorgen, dass mehr Menschen offen über ihre Probleme sprechen und frühzeitig Hilfe suchen.
Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen, wenn die eigene Psyche nicht mehr kann. Es ist etwas sehr Starkes, Mutiges und Kluges.
Also, alle die ihr gerade verzweifelt seid, meint, nicht mehr gebraucht zu werden, nicht mehr zu können. Das ist ein Irrtum, ihr seid wertvoll, alleine schon durch eure bloße Intelligenz. Bitte sucht euch Hilfe, es kann besser werden, nein es wird besser. Ich habe es direkt nach meinem Versuch auch nicht geglaubt, aber es ist so!

Und noch eine Anmerkung aus gegebenem Anlaß. Wer sich über jemanden lustig macht, der vermutlich einen Suizidversuch begangen hat oder begeht, der ist das Allerletzte. Dafür gibt es keine Begründung, keine Entschuldigung , das ist menschenverachtend und dumm. Ja dumm, und sich zu schämen ist das mindeste. Wer in einer solchen Krise ist, braucht Hilfe, keine spottenden Idioten. So. Das musste sein. Auch wegen #küblböck und was gerade an ekelhaftem im Netz geschrieben wird.

Vielleicht ist es Zeit, nach #ausderklapse einen neuen Hashtag zu starten

 

#aufstandfüranstand

 

Sollte es euch gerade nicht gut gehen, ihr Hilfe brauchen oder keinen Ausweg mehr sehen,  hier ein paar Möglichkeiten für kurzfristige Hilfe:

Notfall-Seelsorge (auch Suizid-Prävention):

Telefon-Hotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

0800 – 111 0 111 (ev.)
0800 – 111 0 222 (rk.)
0800 – 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche)
Email: unter www.telefonseelsorge.de

UND BITTE NUTZT SIE!

ES GIBT EINEN WEG!

Mit Whatsapp gegen Depressionen bei Kindern

Ein Projekt, das ich gerne aktiv unterstütze:
Aus der Projektbeschreibung:
„Die Depression ist bei Kindern und Jugendlichen eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Pro Jahr erkranken allein in Deutschland ca. 4-5 Millionen Menschen an einer Depression! Besonders tragisch: Der Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Das wollen wir ändern! Unsere Idee: Ein App-Frühwarnsystem, das man im Alltag gar nicht bemerkt. Wir nutzen „einfach“ die Kommunikation über WhatsApp und das Smartphone. Um loszulegen, brauchen wir Ihre Mithilfe!

Projekt unterstützen

Rückfälle lassen sich vermeiden – so bleiben Sie nach der Therapie stabil

Dieser Artikel stammt nicht von mir. Aber das Angebot und die Idee hinter rückfallprävention.com finde ich so richtig und wichtig, dass ich eine der seltenen Ausnahmen mache, und hier einen Gastbeitrag zulasse. Weil ich finde, genau im Feld der Rückfallprävention, der Hilfe NACH den Kliniken oder der Therapie ist noch viel Bedarf. Und ich bin mir sicher, Online Angebote sind hier ein sehr guter Weg.

Das Berliner Start-up HealthMedo bietet mit Rückfallprävention.com ein kostenloses Angebot für ehemals an Depression Erkrankte.

„Ich dachte nach der Therapie, jetzt bin ich geheilt, aber als der erste Stress kam, hab ich nicht aufgepasst und schon ging es wieder los mit den Depressionen.“

Wer seine Krankheit einmal mithilfe einer Psychotherapie in den Griff bekommen hat, gewinnt seine Lebensqualität zurück. Gleichzeitig tragen Betroffene jetzt die Verantwortung, Veränderungen in ihrer Stimmung und in ihrem Wohlbefinden im Blick zu behalten, um Anzeichen für Rückfälle frühzeitig zu erkennen. Im Alltag geht der Blick für sich selbst jedoch schnell wieder verloren. Die hohen Rückfallraten bestätigen das: Fast jeder dritte Betroffene leidet im ersten Jahr nach der Behandlung an einer erneuten depressiven Episode. Erschwerend kommt hinzu, dass mit jeder neuen Episode das Risiko für eine Weitere steigt – gute Gründe, warum der Prävention von Rückfällen ein besonderer Stellenwert in der Behandlung von Depressionen zukommen sollte. Das hohe Rückfallrisiko bei Depressionen ist jedoch bislang kaum in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Spezielle Versorgungsangebote gibt es wenige.

Für ehemalige Patienten entstehen in der Zeit nach der Therapie viele zentrale Fragen: Wann ist der passende Zeitpunkt, um bei einer Stimmungsveränderung einzuschreiten? Welches Programm passt zu mir? Genügt eventuell tägliches Yogatraining zur Stressbewältigung oder brauche ich eine erneute Therapie?

Eines ist sicher: Bei den ersten Anzeichen einer Stimmungsverschlechterung muss nicht sofort die klassische Psychotherapie angezeigt sein. Doch die Recherche von Alternativ-Programmen und das Urteil, welche Intervention an diesem Punkt passend ist, lag bislang allein beim Patienten – ganz schön überfordernd.

Diese Lücke will das Berliner Start-up Psychologio mit der Entwicklung eines digitalen Frühwarnsystems schließen. Das Team von Psychologio hat durch seine Online-Plattform zur Vermittlung von Psychotherapieplätzen Erfahrung mit den Strukturen des Versorgungssystems und den Bedürfnissen der Patienten. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie richtet sich das ergänzende kostenlose Angebot Rückfallprävention.com explizit an ehemalige Depressionspatienten.

Wer kann teilnehmen?

Das Angebot Rückfallprävention.com richtet sich an Menschen, die an Depressionen erkrankt waren und innerhalb der letzten 12 Monate eine Therapie beendet haben. Die Teilnahme ist kostenlos.

Das Team von Rückfallprävention unterstützt Sie gerne bei Ihrer nachhaltigen Gesundung. Alle Informationen erhalten Sie auf www.rückfallprävention.com. Für Fragen stehen wir Ihnen unter der Telefonnummer 030 602 75 778 und info@rückfallprävention.com zur Verfügung!