Ich bin dann mal offline (4 Wochen lang)

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Da ihr ja alle wisst, dass ich im Moment noch mit meiner Depression kämpfe, unterstützt von vielen guten Leuten um mich herum, sollte euch folgendes wirklich nicht beunruhigen. Um mal wieder wirklich zu mir zu kommen und einige Dinge zu klären, die in den letzten Wochen aufgedeckt wurden, und auch als Experiment, das mir meine übrigens wirklich sehr gute Therapeutin nahegelegt hat, werde ich in den nächsten vier Wochen, beginnend mit Mittwoch weder auf Facebook, noch auf Twitter oder in meinem Blog aktiv sein. Alles, was in dieser Zeit scheinbar von mir erscheint erledigen Bots für mich (Stichwort IFTTT).

Ich bin auf den klassischen Wegen für mein enges Umfeld weiterhin erreichbar aber eben für vier Wochen nicht im Netz. Es gibt einfach einige positive aber gleichzeitig schwer wiegende Erkenntnisse, mit denen ich erst mal in Ruhe klar kommen muss, bevor ich wieder aktiv darüber berichten kann. Und nein, ich bin nicht völlig offline, das ist de facto heutzutage nicht mehr sinnvoll. Schliesslich wollen Rechnungen bezahlt und Termine koordiniert werden. Aber ich werde in der Zeit weder aktiv die News in den digitalen Welten verfolgen, noch selbst etwas in dieses Internet schreiben. Ihr habt also ein wenig Ruhe vor meinem Gesabel.

Und natürlich hoffe ich auch, dass meine Blogpartner und Sponsoren Verständnis für diese Aktion haben. Sind ja nur vier Wochen, das sollte verschmerzbar sein.

Habt bitte Geduld mit mir, es wird sich lohnen, ich bin mir sicher, nach den vier Wochen wird sich einiges geklärt haben.

Bleibt mir treu, ich verspreche, nach den vier Wochen werdet ihr von mir hören und den aktuellen Stand auch hier lesen können. Bis dann

Uwe

Ein Beitrag zur digitalen Diplomatie

Immer wieder stossen Onliner und Offliner, technologisch affine und eher technikfeindliche Menschen aufeinander und es entzünden sich, ähnlich den Disputen zwischen Vegetarieren und Fleischessern Konflikte, die zu vermeiden wären. Deshalb hier ein paar nicht immer ganz ernst gemeinte Regeln für das bessere Zusammenleben aus der Sicht eines digital affinen Menschen.

Zunächst etwas grundsätzliches. Wirklich verstehen werden sich Onliner und Offliner nie. Es sind schlicht zwei komplett unterschiedliche Denkmodelle.

Das beginnt schon bei der irrigen Annahme, es gäbe so etwas wie eine virtuelle online und eine reale physische Welt. Welch ein Irrtum. Ich vernetze mich  mit Menschen, tausche reale Erfahrungen mit ihnen aus. Dies ist die große Fehlannahme der Offliner. Die reale Welt der Online lebenden Menschen ist schlicht um eine neue Komponente erweitert worden, die nahtlos in das eigene Leben integriert ist. Ich bin nicht „auf Facebook“ oder „auf Twitter“. Ich bin da, wo ich physisch gerade bin. Nur kann ich dies (mit-)teilen.

Irrtum Nummer zwei, der so alt ist, dass es traurig ist, ihn immer noch erwähnen zu müssen. Nicht wir sind immer online, sondern unser virtueller Avatar. Gehe ich von einer durchschnittlichen Nutzung von Social Media aus, so bin ich im Schnitt insgesamt pro Tag vielleicht eine oder 2 Stunden wirklich online. Den Rest der Zeit sind Softwareprogramme für mich online, bin ich durch meinen Messenger auf Facebook, Twitter, Google+ angemeldet. Das heißt aber keineswegs, dass ich als Person dann erreichbar bin. Hier greift der entscheidende Unterschied zwischen Telefon und online sein. Ich kann auf das, was online geschieht reagieren, wann es mir passt. Will jemand mit mir telefonieren, dann kann ich rangehen und kommunizieren, oder bin gar nicht erreichbar. Online bin ich zwar immer erreichbar, aber ich muss nicht immer auch reagieren. Man kann es vergleichen mit einem Anrufbeantworter, den ich auch abfrage, wenn es mir passt. Ebenso antworte ich auf Twitter oder Facebook, wenn es mir passt oder lasse gar Programme dort für mich arbeiten, veröffentliche zeitversetzt Artikel oder lasse mit Hilfe von Buffer in regelmässigen Abständen Postings erscheinen, obwohl ich überhaupt nicht erreichbar bin.

Wir dürfen als digital affine Menschen nicht annehmen, dass alle Welt Freude an Technik hat. Leider immer noch die Mehrheit findet Technik eher ein notwendiges Übel und in den Schulen wird auch nicht gerade viel dafür getan, die Medien- und Technikkompetenz bei modernen Technologien zu steigern. Wer glaubt, mit einer Einführung in Word habe man Technikkompetenz vermittelt, der glaubt sicher noch einige andere Märchen.

Und wir technisch affinen Menschen müssen uns mit dem Gedanken abfinden, dass es unabhängig von Generationen vor allem in Deutschland angesagt ist, jedwede Technologie erst einmal abzulehnen oder zumindest für eine Gefahr zu halten. Die ach so beliebten digitalen Auszeiten oder der stolze Bericht vom Urlaub ganz ohne Smartphone zeugen davon.

Hier ein paar Regeln, die ihr im Alltag stets bedenken sollten, vor allem wenn ihr wisst, dass ihr nicht unter euresgleichen seid.

1) Technologie ist böse, und das gilt für fast alles, was nicht überlebenswichtig ist.

2) Alles, was Strom braucht, ist eigentlich schädlich, alles was strahlt sowieso

3) Papier gut, Bildschirm böse

4) Social Media ist überflüssiges Spielzeug

5) Wer ein Smartphone nutzt, spielt

6) Wer ein Tablet nutzt, spielt

7) Wer Papier nutzt, arbeitet… IMMER

8) Ihr seid süchtig

9) und seid nicht bereit es zuzugeben

10) Es ist toll ohne Computer, Fernseher, Smartphone

11) Nichts in der heutigen Zeit ist von digitaler Technologie abhängig

12) Nein, ihr könnt nicht vom Gegenteil überzeugen

13) Ein Computer kann nichts in unserem Namen tun, wir hängen den ganzen Tag vor der Kiste

14) Onliner sind intolerant, Offliner tolerant

15) Online sein ist krankhaft, und nicht real

16) Wir Onliner gehen eh nie raus

17) Es gibt einen Unterschied zwischen der virtuell und real.

18) Ich schreibe das hier alles gerade live 😉

Fazit: Seid gnädig, versteckt eure Gadgets und wenn ihr ein EBook lest, dann holt euch wenigstens eine Schutzhülle, die wie ein Buch aussieht, das beruhigt die Offliner Seele.

Und übrigens sind Smartwatches eine geniale Erfindung, solange die Offliner diese nicht als solche erkennen 😉

 

 

IBM macht sich Gedanken über die Verknüpfung von Online- und Offline Commerce

Nettes Video finde ich, Teil einer Reihe zum Thema Online- und Offline Commerce. Eine spannende Frage, denn meiner Ansicht nach muss Online- und Offline nicht zwangsweise ein entweder oder sein. Gerade für kleinere lokale Unternehmen sehe ich in einer klugen Online Strategie auch Chancen für den Offline Verkauf. Indem man zum Beispiel regionale Aktionen bewirbt, lokale Services bietet und generell die sprichwörtliche Nähe zum Kunden lebt.

Es geht halt wieder mehr um den Mehrwert, was wirklich die Qualität von Offline ausmacht. Wenn ich nur austauschbarer Verkäufer einer Ware bin, dann kann ich das genauso gut auch online machen. Bin ich aber auch noch Berater, Gesprächspartner oder gar „Plattform für das Zusammenkommen von Menschen“, dann macht es weiterhin Sinn, mich als Händler in meinem Ladengeschäft zu besuchen. Die Ware alleine ist schon länger kein Grund mehr, in ein Geschäft gehen zu müssen. Ich denke hier muss der Offline Handel ansetzen, will er auch längerfristig gegen den reinen Online Handel bestehen.

Vom Leben in zwei Kulturen: Online in der Offline Welt

In eigener Sache. Ich bin kein Digital Native.

Zumindest nicht, nach der landläufigen und wie so oft zum großen Teil falschen Definition, wie sie die Medien gerne heranziehen. Baujahr 1967 bin ich aber schon ab 1983 in intensivem Kontakt mit Computern geraten (VC 20, dann AMIGA). Habe mir, als es noch richtig teuer war einen Akkustikkoppler und einen Datex P Zugang besorgt, mich über Mailboxen ins Internet begeben, na ja, fast zumindest und habe so ziemlich jeden Schritt vom ersten Online Kreischen eines Modems bis hin zu den Google Anwendungen von heute durchgemacht.

Und von den Möglichkeiten und Chancen, die ich heute durch die neuen Technologien habe, wagte ich damals nur zu träumen.

Und dennoch fühle ich mich manchmal wie ein Alien auf einem anderen Stern. Immer wieder, wenn sich meine doch immer noch weitestgehende Offline Umwelt über meine Kenntnisse, mein Interesse oder meine Gadgets echauffiert oder amüsiert. Dabei muss ich sagen, es ist eigentlich traurig, wie wenig über die Möglichkeiten die Allgemeinheit und noch verstärkt die Allgemeinheit auf dem Lande weiß.

Denn jedes Mal, wenn ich einen Offliner dabei berate, der sich doch in das ach so gefährliche Umfeld des „Spielzeugs“ Smartphone wagt, stelle ich fest, wie überrascht und begeistert dieser von den Möglichkeiten ist. Die er dann aber nach einiger Zeit doch wieder nicht nutzt. Es ist wohl nicht tief genug im Hirn verankert, dass es da jetzt etwas besseres gibt als den unhandlichen Busfahrplan, etwas einfacheres als die Taxizentrale und etwas intelligenteres als das Fremdsprachenlexikon.

Nicht, dass ich von allen erwarte, sie sollten sich voller Begeisterung auf all die Technologien stürzen. Aber ich bin doch immer wieder verblüfft, dass sich Menschen über Dinge beklagen, die sie so längst nicht mehr erleiden müssten, würden sie sich auf die Veränderungen in ihrer Umwelt nur einlassen.

Online heißt für mich nämlich auch, schnell an neue Information zu kommen, überhaupt informiert zu sein, Dinge zu wissen, die andere erst lange recherchieren müssen. Das Suchfenster von Google, Wikipedia, Twitter. Es gibt so viele Quellen im Netz, die richtig angewendet zu einer ungeheuren Erleichterung werden.

Der Denkfehler der meisten Offliner ist immer noch, das koste ja alles so viel Zeit und da würde man ja das Denken verlernen.

Zum einen, es kostet meist deutlich mehr Zeit, offline Informationen zusammenzutragen, herumzutelefonieren oder die für mich schon fast in die Kategorie offline fallende EMail zu verwenden.

Und ich verlerne nicht das Denken, im Gegenteil, dank des Zugangs zu ganz verschiedenen Quellen, zu einem Füllhorn von intelligenten Köpfen, die eben nicht nur so wie ich denken werde ich jeden Tag aufs neue zum Denken, zum Nachdenken angeregt. Für mich bedeutet Online sein eine Bereicherung und eine große Vereinfachung meines Lebens. Und ich bin nicht nur Online in einer Offline Welt um mich herum, ich bin auch immer Beruf im Privaten und Privat im Beruf. Und halte das nicht für schlimm, sofern ich, und das ist eigentlich auch ohne die Online Welt wichtig, selbstbestimmt trenne, wann ich beruflich erreichbar bin, wann privat.

Die Technik wird uns die eigene Entscheidung darüber nie abnehmen können, wie stark wir uns im Beruf einbringen, wie sehr wir uns von außen steuern lassen. Jeder, der dieses Problem durch einen Verzicht auf moderne Technik bewerkstelligen will, sollte auch über die Abschaffung des Straßenverkehrs nachdenken, um die Zahl der Verkehrstoten zu reduzieren.

Es geht nicht um die böse Technik sondern darum, selbst zu entscheiden, was wann gut und was schlecht ist.

Aber ich versuche nicht zu missionieren. Denn die nachfolgende Generation zeigt mir, auch durch meine eigenen Kinder, dass es bald natürlich und keines Gedankens mehr wert sein wird, dass wir wo immer und wann immer wir wollen online sein können. Es ermöglicht so viel neues, dass ich nicht mehr darauf verzichten möchte und wir vermutlich in einer immer komplexeren Gesellschaft gar nicht mehr darauf verzichten sollten, um die Probleme der Zukunft GEMEINSAM zu lösen. Denn das ist es, worum es eigentlich beim Online sein geht. Um das vernetzt sein, um den Austausch.

Die causa Neckermann, oder warum wir im Morgen denken müssen

Nach Quelle nun Neckermann. Warum hat der Versandhandel solche Probleme. Nun, meines Erachtens nach hängt das Problem damit zusammen, dass nicht genug quergedacht wird in den Unternehmen. Dass man lieber den Status Quo mißt und optimiert, als sich beständig dem Wandel zu stellen und neues zu wagen. Wer mit dem Ausfüllen von Excel Tabellen und dem verbessern bestehender Modelle mehr als 100% beschäftigt ist, hat keine Luft mehr für neue Gedanken.

Wer sich nicht aktiv für die Entwicklungen am Markt interessiert, sondern lediglich gelegentlich wenn auch noch genug Geld da ist mal eine Agentur Trendforschung betreiben läßt, wird früher oder später von der Dynamik des Netzes abgehängt. Denn das Netz agiert unbürokratisch und oft chaotisch. Man muß am Puls der Trends im Netz sein, nicht der Trends der eigenen Branche. Gerade im Handel gilt dieses Paradigma. Verkaufsmodelle von heute können morgen schon längst obsolet sein. Wie Steve Ballmer die Verkaufszahlen des Iphones gnadenlos unterschätzt hatte, so haben offensichtlich diverse Entscheider die Relevanz des Internets für den Handel komplett unterschätzt, die Resultat sieht man jetzt und sie kommen vor allem dem Online Handel zu gute.

Und ebensowichtig ist auch die Akzeptanz von Mißerfolgen. Wer alles immer 100% haben will, wer immer danach fragt, ob dies oder jenes auch wirklich relevant ist, der wird ziemlich sicher DEN relevanten Trend verpassen, der im sein Geschäftsmodell untergräbt. Das heißt nicht, dass ein Unternehmen Millionen für scheinbare Trends rauswerfen soll. Aber am Puls der Zeit bleiben, beobachten und gelegentlich mal auch ein Experiment wagen, das rate ich jedem.

Nur wer rechtzeitig den Trampelpfad sieht, ist dabei, wenn daraus die Autobahn wird.

Ich will gar nicht offline sein, oder, die Angst der anderen vor Veränderung

Was hört man heute (noch) sehr oft? Na, ich komme ohne das aus. Klar, aber warum?

Gefunden in der ZEIT: „Der falsche Traum vom  offline sein„. Treffender Artikel, denn ich denke, wer heutzutage noch ernsthaft behauptet, es wäre ein Gewinn, offline zu sein, der hat nicht wirklich gelernt, mit dem Medium „Online“ umzugehen. Auch ich bin nicht permanent online, aber meine Geräte sind es. Es geht darum, auch bereit zu sein, eine neue Kulturtechnik zu erlernen, sich sowohl mit dem negativen ALS AUCH mit dem positiven der neuen Technologie auseinanderzusetzen. Der Buchdruck, der Webstuhl, Das Auto, der Fernseher. Alles Technologien, die eine zuvor bedeutsame Technologie ablösten und von vielen verdammt wurden, die sich damit brüsteten, darauf verzichten zu können. Im Rückblick aber erscheint bei vielen Protesten heute albern, was damals als Begründung herangezogen wurde.

Für mich liegt der eigentliche Grund von vielen, Aussagen wie: „Ich brauche dieses ganze neumodische Zeug nicht“ oder „ist doch alles nur Spielerei“ darin, dass man durch die Distanzierung und das Abwerten des neuen in eine scheinbare Position der Stärke gerät. „Seht mich an, ich bin so gut, ich brauche dieses Online sein nicht“.

Doch spätestens, wenn die Generation, die das Medium als gegeben angenommen hat, zum Meinungsbildner wird, wirkt die gesamte Ablehnung meist nur noch peinlich oder gar lächerlich. Ich erinnere mich gut an die vielen Freunde aus meinem Umfeld, die mich für mein Mobiltelefon belächelten und mir klar machen wollten, dass diese Spielerei doch völlig überflüssig wäre. Die gleichen sind es aber, die man heute wenn überhaupt nur noch über ihr Smartphone (ja, nicht Mobiltelefon, sogar eine noch größere Spielerei) erreichen kann.

Jede neue Technologie muss sich so lange rechtfertigen, bis sie als normal empfunden wird. Dabei täte uns allen etwas mehr Offenheit neuem gegenüber sehr gut. Sonst hängen uns bald jene ab, die keine so großen Probleme mit Veränderung haben.

Und eins muß uns allen klar sein. Veränderung ist Teil des Lebens, aber sie wird in Zukunft häufiger und unausweichlicher kommen.

Und im übrigen, was ist daran so überraschend, wenn sich im Gehirn durch häufigeres Online sein etwas verändert. Ich würde wetten, dass hat es auch getan, als man zum ersten Mal mit schnellen Autos fahren konnte, ein bewegtes Bild in Farbe im Fernsehen sehen konnte, die erste  Dampfmaschine genutzt werden und damit Arbeitsabläufe verändert werden konnten. So überraschend das für manchen Wissenschaftler sein mag. Der Mensch ist anpassungsfähig. Und nur weil sich etwas verändert, muss das nicht schlechter sein. Das wäre mit Verlaub auch wenig sinnführend, sich hier nicht anzupassen. Denn wir lernen ja schließlich von der Evolution: „Survival of the fittest“ heißt nicht, „überleben des Stärkeren“ sondern des „best  ANGEPASSTEN!“

Digital Sabbatical, neuer Trend oder nur neuer Wein in alten Schläuchen?

Scheinbar gibt es, so zumindest informiert uns die Trendseite Trendoneblog einen neuen Trend zum digitalen Sabbatical. Sei es mit Software, die den Zugang zu bestimmten Seiten sperrt oder, in dem man alle Online Werkzeuge abschaltet.

Für mich die Frage hier, warum sollte das neu sein? Schon zu Zeiten des Telefons wurde uns empfohlen, nicht immer ran zugehen, wenn es klingelt und auch durchaus mal die Türe nicht zu öffnen, wenn man zu hause ungestört sein will. Es ist hier weniger eine Frage des überfordert seins durch die Werkzeuge, als durch den immer größeren beruflichen Druck, stets erreichbar sein zu sollen. Zu hause habe ich die geringsten Schwierigkeiten, auch mal einen ganzen Abend offline zu verbringen. Es gibt gute Bücher, schöne Musik oder einfach einen schönen Abend auf der Terrasse. Die Frage ist, haben wir alle die Möglichkeit, auch im Beruf zu sagen, ich bin jetzt für eine  Stunde ungestört. Auch hier sprechen wir wieder über ein Luxusproblem, denn als kleiner Angestellter kann ich nicht meinen Chef einfach „aussperren“. Ich kann es kommunizieren, aber schon dafür brauche ich nicht nur den Mut sondern auch eine Unternehmenskultur, die das erlaubt. So lange wir aber noch in einem Umfeld arbeiten, in dem die meisten körperliche Präsenz mit geleisteter Arbeit gleich setzen, ist es sehr schwer, sich hieraus auszuklinken. Ich leiste meine Ergebnisse nicht gut, wenn ich dafür 5 Stunden gearbeitet habe, sondern, wenn ich das Ergebnis so optimal, wie es mein Auftraggeber gewünscht hat erreicht habe. Ob ich dafür 5 Stunden oder 15 brauche hängt meist davon ab, wie komplex das Problem und wie häufig die Störungen sind.

So lange Kollegen frotzeln, sobald jemand nach der normalen „Regelarbeitszeit“ geht, ob er wohl halbtags arbeite, habe ich einen hervorragenden Indikator dafür, dass offensichtlich nicht die Leistung zählt, sondern die abgesessene Zeit.

Ich wage zu behaupten, wenn wir die Präsenzkultur zu Gunsten einer Arbeitsergebnis Kultur ablösen, in der das „was wurde geleistet“ und nicht „wie lange wurde im Büro am Arbeitsplatz gesessen“ zählt, dann haben viele auch nicht mehr die Probleme mit digitalem Informationsüberfluß.

 

Mein digitaler Tag, wohlorganisiert und entspannt.

Wie sieht ein Tag bei mir aus, was mache ich anders als andere? Oft musste ich schon die Frage beantworten, wie ich das alles schaffe, meine Familie, die Arbeit, das Bloggen.

Deshalb hier mal ein typischer Tag in meinem digitalen und analogen Leben. Und der geneigte Leser wird sehen, Technik kann das Leben auch erleichtern, wenn auch viele in meinem Umfeld über das ach so komplexe Leben klagen. Es beginnt schon am Vorabend. Auf einem kleinen Netbook, der zugleich Server für unsere Wetterstation ist, läuft Calibre, eine EBook Verwaltung, die automatisch aus von mir gewählten Seiten Ebooks zusammenstellt.

Abends ist dann der EBook Reader angedockt und Calibre läd automatisch die aktuellen Nachrichten von „Die Zeit“, „Spektrum der Wissenschaft“, „Tagesspiegel“ und einigen anderen Nachrichtenquellen herunter, erzeugt ePub Files und läd diese auf den Reader (automatisch, ohne mein Zutun). Parallel dazu aktualisieren sich Smartphone und Tablet automatisch mit den neuesten Nachrichten über Google Reader und  Pulse, sowie einen Podcast catcher. Zeitaufwand für mich bis dahin <1 Minute für den Anschluss der Geräte.

Bevor ich zur Arbeit fahre, lese ich dann ein paar interessante Artikel und schaue bei Facebook und Twitter vorbei und poste Artikel, die ich für interessant halte oder reihe sie bei Hootsuite oder Buffer zum späteren Posten auf Twitter und oder Facebook ein. So entsteht oft auch der Eindruck, ich wäre den ganzen Tag online, was nur bedingt stimmt, da die Postings dann von meinen Devices, die mir ja das Leben erleichtern und mich nicht ans Netz fesseln sollen in meinem Namen erledigt werden.

Aufwand bis jetzt ca 15 -20 Minuten.

Im Lauf des Tages nutze ich Smartphone und/oder Tablet dann, wenn mir eine neue persönliche Nachricht angekündigt wird bzw. in den Kaffeepausen zum Kurznachrichten lesen. Das summiert sich am Tag dann so auf ca. 20-30 Minuten. Meist leite ich interessante Texte direkt auf Facebook, wo ich sie dann abends lese.

Zusätzlich dient mir mein Tablet am Tag noch als Terminplaner, Adressbuch und Chat Client, falls von zu hause eine wichtige Nachricht kommt, denn mit der Familie telefoniere ich nicht oder schicke teure SMS sondern kommuniziere mit Trillian, was mir und meinen Lieben die Kommunikation vereinfacht, da wir so immer erreichbar sind, aber dann, wenn wir Zeit dazu haben.

Die Checkins bei Foursquare, Facebook, Gowalla und Google erledigt gesammelt Footfeed für mich, was meist mit zwei drei Tastendrücken erledigt ist und so ebenfalls max. knapp 5-10 Min pro Tag benötigt.

Man kann hier die selbstaktualisierenden Newstreams auf beiden Devices sehen. Die Inhalte werden synchron gehalten.

 

Aufwand bislang max. ca 45 Minuten.

Abends schaue ich in der Regel nicht fern, bis auf wenige gute Ausnahmen und lese dafür die Fundstücke des Tages auf Facebook nach, twittere mit Freunden oder lese in meinem Google Reader und schreib ein meinem Blog. Das ist der grösste Aufwand des Tages, findet meist zwischen 20 und 22 Uhr statt, nachdem die Kinder im Bett sind (natürlich meist noch mit einer vorgelesenen Geschichte oder der halben Stunde Fernsehen, die ihnen pro Tag erlaubt ist).  Dann sind EBook Reader und Smartphone/Tablet längst wieder angedockt oder automatisch ins WLan eingeklinkt und aktualisieren sich für den nächsten Morgen.

Das heißt also, ich benötige für die üblichen Aktionen im Netz am Tag ca. 45 Minuten und nutze die Zeit am Abend, zu der die meisten sich der stumpfsinnigen Glotze hingeben für meine Aktivitäten als Autor und Blogger.  In Summe also maximal 3 Stunden pro Tag, etwa die Zeit, die der Durchschnittsbürger vor der Flimmerkiste verbringt.

Ebook Reader
Der Reader ist auf dem Schreibtisch stets am Calibre Server angedockt, und erhält automatisch die neu generierten dynamischen News-Ebooks ein Mal pro Tag.

Ist das jetzt viel Zeit? Ich glaube nicht. Und deshalb gönne ich mir gelegentlich, vor allem bei schlechtem Wetter und wenn die Kinder gerade ausgeflogen  und meine Frau ebenfalls mit anderen Dingen beschäftigt ist ein zwei Stündchen mehr fürs Chatten und Twittern mit Freunden. Aber in Summe bleibt es dabei. 3 Stunden pro Tag, aber kein Fernsehen.

 

Nicht wirklich viel oder?

Update: Weil die Frage auftauchte: Meine Frau hat da gar nix dagegen, da wir die  Abendstunden gemeinsam auf der Couch im Wohnzimmer verbringen und entweder beide lesen (ich im Web, sie ein eBook oder ein klassisches Buch) oder sie etwas Fernsehen schaut, ich blogge und/oder lese. Ist kein grosser Unterschiede, ob man gemeinsam Fernsehen schaut, oder der eine surft, der andere TV sieht….