Was motiviert die Crowd? 5 Punkte, die eine Crowd erfolgreich machen.

Gerade hat wieder eine TV Sendung über „Die Macht der Crowd“ berichtet. Dabei ging auch „Neues“ der Frage nach, warum nehmen Menschen an einer Crowd teil.
Leider wurde auch hier nur die Motivation der „Crowd“ betrachtet. Ich denke aber, es geht vielmehr darum, warum eine Teilnahme durch ein Individuum stattfindet. Das kann nicht alleine durch die Anziehungskraft der Masse erklärt werden. Vielmehr denke ich, es gibt einige wichtige Faktoren, die dazu beitragen, ob ein Crowdprojekt interessant wird, oder warum es verschwindet:

1) Das Thema:
Es muss sich um etwas handeln, das auch viele Menschen anspricht: Die Hilfe in einer Notlage (Haiti), die wertvolle Hilfe im Kampf gegen Krankheiten (malaria@home) oder den Klimawandel (climateprediction@home)

2) Die Wertschätzung des Einzelnen:
Auch wenn ich Teil einer Crowd bin, will ich das Gefühl haben, nicht einfach nur ein unbedeutender Teil einer Masse zu sein. Das kann eine Wertung meiner Teilnahme durch ein Punktesystem sein, verschiedene Auszeichnungen (z.B: das Erreichen eines bestimmten Levels in einem Spiel) oder auch besondere Belohnungen wie z.B. bei Kickstarter, wo man evtl. ein Produkt sehr früh oder mit persönlicher Widmung bekommt. Übrigens ist es ein großer Irrtum anzunehmen, nur durch einen monetären Gewinn liesse sich zu einer Teilnahme motivieren. Gerade Crowdprojekte mit einem gewissen ethischen oder wissenschaftlichen Anspruch könnten sogar darunter leiden, da hier dann der Gewinn des Einzelnen wieder über der Idee der Gemeinschaft stünde und somit nicht das Erreichen des gemeinsamen Ziels im Vordergrund stünde.

3) Die „Aufwertung“ des Einzelnen:
Teilnahme an wichtiger Forschung bedeutet auch, Teil eines bedeutsamen Ganzen zu sein. In einer Zeit, in der viele in ihrer Arbeit gar keine Erfüllung mehr finden, sucht man die Bedeutung in Bereichen, die einem selbst wichtig sind. Zudem ist die Teilnahme an einer bestimmten Crowd auch ein Alleinstellungsmerkmal. Speziell wissenschaftliche Projekte profitieren von dem Interesse der Crowd, an etwas wichtigem teilzuhaben oder auch neues zu erschaffen. So leben Projekte wie Galaxy Zoo oder Einstein@home gerade auch vom Interesse der Crowd an Wissenschaft, und an der Suche nach neuen Erkenntnissen und spannenden Antworten auf bislang unbeantwortete wissenschaftliche Fragen.

4) Die Teilnahme muss einfach und auch unterbrechbar sein:
Eine Crowd, die mich Zeit kostet und diese Zeit auch regelmässig einfordert, wird auf Dauer leiden. Nur wenn ich die Teilnahme unterbrechen kann oder noch besser, die Teilnahme still und unaufällig im Hintergrund läuft (Boinc, Seti@home etc.), wird die Teilnahme auch längerfristig sicher sein.

5) Regelmäßiges spannendes Feedback:
Oft reicht es, wenn dabei interessante grafische Darstellungen den Fortschritt visualisieren, man in einem gemeinsamen Ranking besser werden kann oder durch die Teilnahme auch selbst Hilfe erlangt (openstreetmap). Wenn ich still mitarbeite und keine Transparenz über meine Teilhabe existiert, wird die Crowd bald zu transparenteren Projekten abwandern. Einzige Ausnahme: Crowds, bei denen die Teilnahme teil der Dienstleistung ist. Die Stauprognosesysteme von TomTom und Navigon basieren auf dem Aspekt des Teilens der eigenen Bewegungsinformationen um daraus evtl. Staus zu extrapolieren. Hier verschwindet aber die Crowd für den Nutzer, insofern kann man hier auch von einer „Secret Crowd“ sprechen. bei der die Frage der Motivation bereits durch den angebotenen Dienst abgedeckt wird.

Die Schule als Lernbüro. Warum wir ganz andere Modelle brauchen.

Vor kurzem hatte ich ja über die größten 10 Demotivationsmöglichkeiten gebloggt (ironisch, das will ich noch mal deutlich klarstellen). Aber dabei fel mir eines auf. Viele dieser Punkte konnte ich direkt aus meiner Erinnerung auch auf meine Erfahrung und die meiner damaligen Klassenkameraden mit der Institution Schule anwenden.
Letztlich war das ein Ort, in dem man unreflektiert Informationen an den Kopf geworfen bekam nach dem Motto erinnere dich oder fall durch, es wurde aber weder vermittelt, wofür im eigenen Leben diese Informationen nützlich sind noch wurde hinterfragt, ob man nur memorierte oder auch verstand. Letztlich war und ist auch heute noch oft das Ziel des Schülers, die Informationen bis zur nächsten Klassenarbeit, in der sie abgefragt werden zu memorieren um sie danach möglichst schnell wieder zu vergessen (bewusst oder einfach, weil man keine alltägliche Anwendung mehr dafür da ist).

Ich plädiere deshalb für einen anderen Ansatz. Wir sollten das Konzept des Büros auf die Schule anwenden. Keinerlei Frontalunterricht mehr (dieser wird ja jetzt bereits abgeschafft) sondern Lernprojekte. Die Schule muss wieder zum Lernort für Schüler werden. Hierfür müssen aber auch neue Medien, Technologien, wie sie im Büro zur Verfügung stehen und eine Offenheit UND Kompetenz im Umgang mit ihnen vorhanden sein. Kein Computer, kein Internet ersetzt die Reflektion mit dem Lerninhalt, die Auseinandersetzung zum Beispiel im Rahmen eines Projekts. Aber wenn wir unsere Kinder wirklich bilden wollen, dann sollten wir endlich bereit sein, sie auch als intelligente, lernwillige Wesen zu sehen. Jedes Mal, wenn ich im Rahmen der Berufsorientierung bei mir im Unternehmen wieder neue Schüler aus Realschule und Gymnasium erlebe, stelle ich fest, dass das Interesse meist sehr einfach zu wecken ist, wenn man den Alltag, das Leben der Schüler mit einbezieht und sie nicht nur rezipieren sondern auch direkt umsetzen lässt. Mit grosser Freude erlebe ich immer wieder, wie Schüler sich an das Zusammenbauen eines PCs machen, selbständig ein Betriebssystem (natürlich Linux) installieren und im Laufe dieses Prozesses oft auf überraschende und hochintelligente Fragen kommen. Und da für mich die Betreuung nicht mit dem Ende des Berufsorientierungstages aufhört, erhalten sie zumeist auch meine internetbasierten Kontaktdaten. Über diesen Weg erfahre ich dann später oft, dass die im Betrieb vorgestellten Themen
Warum denken wir Schule nicht wie ein Büro? Jeder Schüler ist „Mitarbeiter“ mit dem Ziel, den Jahrgang auf ein gewisses Wissensniveau zu heben. Die Lehrer sind quasi die Projektleiter, Coaches und für die schwächeren Schüler durchaus auch mal der Nachhilfelehrer, aber nicht mehr der unter Dauerstress stehende Vortragende, dem die Schüler lediglich mehr oder minder aufmerksam lauschen. Durch Umgang mit Büchern, mit dem Internet, durch das Erstellen von Präsentationen zu Themen oder der Arbeit an einem Projekt, das physikalische, chemische oder biologische Fragestellungen beantwortet wird quasi im Arbeitsprozess gelernt. Die neuen Ganztagsschulen bieten hier schon den zeitlichen Rahmen. Aber natürlich müssen wir uns auch im Klaren sein, dass wir nur in dem wir auch Geld in die Hand nehmen, in dem wir in die Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer und auch in ihre (nicht nur mediale) Ausrüstung investieren, es auch zu einer Verbesserung der Gesamtsituation führen wird. Wenn in Schulen immer noch mit Filmprojektoren gearbeitet werden muss, wenn Internet und neue Medien immer noch als Teufelswerk abgetan werden, dann werden wir früher oder später den (Bildungs-) anschluss ganz verlieren. Wir müssen Bildung neu denken. Oder eigentlich wieder ganz alt. Wir müssen Schülerinnen und Schüler wieder für das Leben vorbereiten. Und dazu reicht es nicht, wenn sie das Auswendig Lernen lernen. Dazu muss der Umgang mit Informationen, ihre Filterung, ihre Bewertung und die Umsetzung in den konkreten Alltag der Schülerinnen und Schüler im Fokus stehen.

Dann wird vor allem auch der Lern- und Versagensdruck genommen und ganz nebenbei die Teamarbeit, der faire Umgang auch mit Schwächeren und Fragestellungen wie Ethik und Moral erlernt, durch selbsttätiges Handeln der Schüler. So und nur so lässt sich die intrinsische Lernmotivation fördern. Extrinsische Motivation funktioniert schon im Berufsleben mehr schlecht als recht. Warum glauben wir dann noch ernsthaft, dass wir Lust am Lernen, Lust an Bildung durch extrinsische Motivation, oder direkter gesagt, durch Angst vor schlechten Noten, Angst vor Versagen fördern?

privat weiter ausgearbeitet wurden.

Update: Ich scheine durchaus nicht alleine mit diesen Ansichten zu sein. In der ZEIT-Online findet sich ein interessanter Artikel „Etwas Respekt, bitte“, der sich exakt mit diesen Thesen befasst. Die dort empfohlenen Bücher werde ich mir mal genauer ansehen.

Wie demotiviere ich Mitarbeiter? Zehn nicht ganz ernst gemeinte Tipps zur erfolgreichen Demotivation.

Oft wird diskutiert, wie man die Motivation der Mitarbeiter steigert. Aber selten wird gefragt, warum Mitarbeiter demotiviert sind, warum offensichtlich mittlerweile mehr als die Hälfte nur noch Dienst nach Vorschrift macht und sich dem Unternehmen nicht mehr verbunden fühlt. Aus vielen Artikeln, aber auch einfach aus der Verkehrung ins Negative habe ich hier ein paar Punkte zusammengestellt, mit denen sie garantiert und hoch effizient jeden Mitarbeiter demotivieren. Und damit kein Missverständnis entsteht: IRONIE AN! BITTE NICHT ernst nehmen.
Aber ich habe schon oft festgestellt, dass das ironische Verkehren ins Gegenteil Defizite besser vor Augen führt als gute und ernst gemeinte Tipps. Also:



1 ) Ändern sie permanent die Vorgehensmodelle

Nichts ist langweiliger, als nach einer vorgegebenen Methodik zu arbeiten, die auch längerfristig gilt. Werfen sie neue Begrifflichkeiten in den Raum, lassen sie möglichst jährlich ihr Vorgehen von externen überprüfen und ändern sie dann alles.

2 ) Loben Sie nicht

Im schwäbischen heißt es „Ned gschumpfa isch gnug globt“. Warum sollten sie loben? Sie bezahlen ja für die Arbeit, das muss reichen!

3 ) Informieren sie nicht über Ziele und Strategie des Unternehmens

Ganz einfach, was sie für Ziele mit ihrem Unternehmen haben, hat die Mitarbeiter nix anzugehen. Die sollen arbeiten und nicht denken.

4 ) Misstrauen sie ihren Mitarbeitern

Mitarbeiter sind alle böse. Sie stehlen, sie sind faul, sie arbeiten nicht genug. Führen sie möglichst genaue Kontrollen ein, am besten täglich oder zumindest wöchentlich muss jeder seinem Vorgesetzten genauestens berichten, was er wann wie getan hat. Social Media? Teufelszeug, die sollen sich nicht vernetzen, die sollen was schaffen.

5 ) Mitarbeiter sind faul

Siehe oben. Mitarbeiter wollen ja gar nicht arbeiten, also muss man sie möglichts überwachen und so viel Druck erzeugen, dass sie gar keine Ruhe haben. Internet? Sperren, das ist doch eh nur Spielzeug.

6 ) Mitarbeiter sind dumm

Alles erklären, wie einem kleinen Kind. Und nicht voraussetzen oder gar fordern, daß selbst gedacht oder eigene Initiative ergriffen wird.

7 ) Mitarbeiter sind nur ein Kostenfaktor

Ja diese bösen Mitarbeiter wollen auch noch ein Gehalt für ihre Arbeit. Und eventuell sogar gelegentlich mehr. Dabei (Achtung böseste Zynik) stehen doch draußen hunderte, die nur auf den Posten warten.

8 ) Arbeit darf keinen Spass machen

Spass? Bei der Arbeit? Da ist die Freizeit dafür gedacht? Arbeit muss wehtun, lachen bei der Arbeit, wo denken sie hin. Ein angenehmes Ambiente? Kostet doch nur Geld! Die sollen gefälligst ausstechen für die Gespräche miteinander.

9 ) Wer noch Freiräume hat, arbeitet nicht genug.

110% ist das Minimum, wer nicht dauernd Überstunden arbeitet, und rund um die Uhr am Arbeitsplatz sitzt, ist einfach nur faul und kostet Geld. Pausen sind was für Weicheier. Nur Druck und Stress treiben an. Intrinsische Motivation ist was esoterisches. Zuckerbrot und Peitsche, das ist das einzige, das wirkt.

10 ) Erzeugen sie höchstmögliche Unsicherheit

Nur wer Angst hat, arbeitet gut. Angst um den Arbeitsplatz, Angst vorm Chef, Angst vor der Zukunft. Die Angst spornt an.

Wenn Schule besser motiviert als Unternehmen

Gestern hatte ich eine interessante Erfahrung. Das Gymnasium meines ältesten Sohnes bot einen pädagogischen Abend für Eltern an. Dort wurden verschiedenste Erkenntnisse aus der modernen Psychologie dargeboten, um es den Eltern zu gestatten, ihren Kindern individuell zu helfen. Es kamen Themen auf den Tisch wie extrinsische versus intrinsische Motivation (klares Votum der Lehrer, nur intrinsisch wirkt, extrinsisch ist zum Scheitern verurteilt), es wurden die verschiedenen Arbeitstypen dargestellt (auditiv, visuell etc.) und viele Erkenntnisse, die ich zum ersten Mal vor über 10 Jahren während meines Studiums kennengelernt hatte, als wir im Rahmen des maschinellen Lernens auch neueste Erkenntnisse aus der Psychologie kennenlernten.

(Für alle, die es genau wissen wollen, ich habe Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz studiert, und in der KI war schon vor 10 Jahren Motivation und Lerntechnik und generell die Frage danach, wie das menschliche Gehirn Informationen speichert ein Thema. Vieles von dem, was heute als so furchtbar neu dargestellt wird, ist schon über 10 Jahre alt, nur wollte wieder mal keiner auf die Wissenschaftler hören)

Was mich dabei zum einen freut: Die Schule hat offensichtlich erkannt, dass nicht alle Schüler gleich sind. Das war noch zu meiner Schulzeit so, es gab nicht verschiedene Schüler, alle hatten gleich zu lernen.

Aber leider ist die Arbeitswelt in weiten Teilen noch nicht so weit. Es wird immer noch in vielen Bereichen geglaubt, man müsse jeden Arbeitnehmer „zum Jagen tragen“. Sogar Gewerkschaften glauben, die einzig wirklich gute Motivation ist mehr Bonus, aber natürlich nur ohne weniger Bonus bei Fehlleistung.
Es wird immer noch geglaubt, erl. Arbeit = Mitarbeiterzahl*Zeit.

Dabei ist die Formel weitaus komplizierter und tendiert eher in Richtung: erl. Arbeit = Mitarbeiter*Motivation^2/Kontrolldrang (oder so, Mathe war noch nie mein Fach 😉 )

Ich beneide meinen Sohn ein bisschen ob seiner modernen Schule, die zumindest das Bewusstsein zu haben scheint, dass Lernen und Motivation aus weit mehr besteht als Zuckerbrot und Peitsche! Bei meinem Arbeitgeber sind viele dieser Erkenntnisse auch schon angekommen. Aber – und Achtung, jetzt kommt ein klassischer Spruch – bei mir in der Schule hats das nicht gegeben. Hätte ich das damals gehabt, hätte ich mit Sicherheit leichter gelernt. Das ganze durchschaut habe ich erst im Studium, als ich plötzlich erkannt habe, dass es nicht an mir, sondern and er Methodik gelegen hatte, daran, dass ich ein Mensch bin, der Freiheitsgrade, kreative Freiräume wie die Luft zum Atmen braucht. Seitdem weiss ich, wie ich meine „persönliche Spitzenleistung“ erbringen kann. Nur mein Umfeld ist da manchmal nicht wirklich drauf vorbereitet.

Dan Pink zeigt im folgenden Video, das wieder mal auf der herausragenden Seite von TED zu finden ist, dass die Wissenschaft schon seit Jahren weiss, wie falsch die Wirtschaft oft motiviert, aber permanent ignoriert wird: