Familienbilder und Zerrbilder: Ich muss mich da jetzt reinsteigern

Immer wieder finde ich es amüsant bis befremdlich, wie Familie, Erziehung, Bildung in der Öffentlichkeit und vor allem in der Politik dargestellt wird. Man bekommt das Gefühl, wir sind doch alle zu dämlich, Kinder zu haben und müssen betreut, reglementiert und kontrolliert werden. Dabei kann ich in meinem Umfeld und ja, dazu gehören bzw. gehörten auch Hartz IV Empfänger ebenso wie sehr wohlhabende so gut wie überhaupt keine Familie nennen, die in der Öffentlichkeit dargestellte Probleme hatte.

Sicher, es gibt „soziale Brennpunkte“ aber hallo? Wäre es da nicht an der Zeit zu hinterfragen, wer diese Brennpunkte hat entstehen lassen? Erzähl mir keiner, es gäbe Menschen, die frewillig in solchen Gegenden wohnen bzw. ihre Entstehung gut heißen. Das ist die eigentliche Vernachlässigung. Die gesellschaftliche Norm, die sich nur noch am rentablen ausrichtet, am optimieren der Kosten bei Minimierung der Aufwände. Würden wir gleiche Chancen für Mütter haben, die bei Ihren Kindern zu hause bleiben wollen wie für Mütter, die möglichst früh wieder arbeiten wollen, gäbe es keine solchen Diskussionen, welche Mutterrolle denn nun die richtige  ist. Zum Gelde drängt, am Gelde hängt doch alles. Und leider hängt heutzutage auch viel zu sehr davon ab, wie wir leben. Und zu fordern, dass auch Väter eine Auszeit nehmen für die Kindererziehung, dann aber nicht in der Lage sein, in der Gesellschaft gleiche Bezahlung für Mann und Frau bei gleicher Arbeit zu etablieren ist mehr als nur ein Armutszeugnis. Es zeugt von einem überkommenen und rein materiellen Weltbild. Denn es könnte ja sein, dass die Frau wegen Schwangerschaft ausfällt. JA kann sein, aber das ist auch und insbesondere ein wichtiger Beitrag für eine Gesellschaft, die dauernd über zurückgehende Geburtenzahlen und Arbeitskräftemangel klagt. Es mag ja richtig sein, soziale Hängematten abzubauen, aber ich halte das Weltbild für gefährlich, das den Eindruck erweckt, jeder HartzIV Empfänger könne doch sofort einen neuen Job finden, wenn er sich nur anstrengt. Und gleichzeitig fordern wir mittlerweile sogar schon für Erzieherinnen ein Studium.

Hallo? Reality Check irgendwer? Wir müssen ein Gesellschaft bleiben, die auch die Schwächeren akzeptabel und menschenwürdig auffängt. Und die aufhört, nur nach der Rendite zu fragen. Das klingt sehr arrogant in einer Welt, in der der Investmentbanker um ein vielfaches mehr verdient, als die Krankenschwester oder der Altenpfleger (das einem Kind so zu erklären, dass man nicht das Bild von Gerechtigkeit und Wert total verschiebt ist wirklich schwer). Und wer Gesundheit, Erziehung und Bildung unter die Doktrin der Rentabilität und des Kosten Minimierens und Gewinn Maximierens stellt, darf sich nicht wundern, wenn die Qualität auf Kosten der Quantität leidet. Da wird dann halt nicht mehr das Optimale geleistet, sondern das wirtschaftlichste.

Wir sollten wieder mehr Fokus auf Werte wie Gleichberechtigung, Menschlichkeit, sozialen Zusammenhalt und ein gutes Leben setzen, statt uns von einer rein am wirtschaftlichen Erfolg und am Produktkonsum orientierten Gesellschaftsdoktrin irritieren zu lassen. Wer sich darüber aufregt, dass die Menschen bevorzugt beim Discounter einkaufen und ökologische Gesichtspunkte oder gar soziale Produktionsweisen vernachlässigt, sollte ganz still sein, wenn er gleichzeitig Lohnverzicht fordert und HartzIV Empfängern nicht mal hinreichend Geld für eine vernünftige Grundversorgung gönnt, „weil die ja alle so faul sind“. Ich möchte meine Kinder als mündige Bürger, mit einem Wissen jenseits von Arbeitsmarktnotwendigkeiten erziehen und erwarte das auch von den Instanzen, die ich durch meine Steuern mitfinanziere.

Und ich erwarte eine am Bürger orientierte Politik, nicht eine, die den Lobbyisten mit den größten wirtschaftlichen Machtfaktoren folgt. Denn dann wird auch der Bürger wieder die Politik und die Politiker ernst nehmen.

Ich bin wirklich mal gespannt, wann ich meinen Kindern in der Mehrheit der Fälle auf die Frage: „Papa, warum machen die das“ sagen muss: „Weil das viel Geld bringt.“ sondern „weil es den Menschen nutzt.“ Oh, und wo wir schon dabei sind.

Nein, ich bin kein Kommunist. Aber dennoch denke ich, dass die Wirtschaft für den Menschen da sein sollte, nicht umgekehrt.

Von Warenwerten und wahren Werten

Immer wieder fällt mir auf, wie oft unsere Gesellschaft monetäre Werte über moralische, ethische oder einfach menschliche Werte stellt.

Das beginnt schon bei der Bezahlung, die oft abstrakte Tätigkeiten ohne direkten Nutzen für Menschen (Geldvermehrung) besser bezahlt, als soziale Tätigkeiten.  Wer aber einmal auf die Hilfe von Menschen angewiesen war, wer einmal erlebt hat, welche Opfer dort viele freiwillig bringen und mit welcher emotionalen Beteiligung viele tätig sind, der wünscht sich, dass diese Berufe mehr Relevanz erhalten und damit auch monetär gerechter behandelt werden. Klar gibt es dort, wie auch  in jedem anderen Gebiet auch Menschen, die nicht wirklich begeistert dabei sind. Aber das liegt oft auch genau am Umgang und dem Stellenwert, der diesen Tätigkeiten gegeben wird.

Ebenso unverständlich für mich ist, welche Bereiche und Dienstleistungen oft unter das starre und meist kurzsichtige Regime der Gewinnoptimierung gestellt werden. Ein Krankenhaus hat primär den Auftrag, Menschen zu helfen. Und ein Krankenhaus ist für mich eine gesellschaftliche Instanz, die wir uns auch leisten können müssen, wenn sie nicht nur Gewinne einfährt. Gleiches gilt für viele soziale Dienste.

Gleichfalls nicht nachvollziehbar  ist für mich die oft gespiegelte Meinung der Politik und der Wirtschaft von ihren Bürgern, Kunden oder Arbeitnehmern. Da wird kontrolliert, überwacht, da wird dem Hartz IV Empfänger ein Mißbrauchswille unterstellt, der mit Sicherheit nur bei einer kleinen Minderheit wirklich auf Tatsachen trifft.

Und auch die Medien sind hier nicht müde, immer wieder gerade die negativen Beispiele wie eine allgemeingültige Tatsache darzustellen. Dabei muss ich hier meine Leser enttäuschen. Mir sind schon einige Menschen begegnet, die aus verschiedensten Gründen arbeitslos waren und zum Teil auch bereits in Hartz IV gerutscht. Und ich habe KEINEN EINZIGEN kennengelernt, der nicht glücklich gewesen wäre, statt Hartz IV wieder arbeiten zu dürfen.

Und in wie vielen Unternehmen werden selbst Kreative oder Wissensarbeiter immer noch in Zeitraster gepresst, müssen diverse Tabellen ausfüllen und sich immer wieder rechtfertigen, wenn sie mal bereits eine Stunde früher gehen oder etwas später ins Büro kommen. Wir wollen alle wie Erwachsene behandelt werden, oft kommt es mir aber so vor, als würde man dem Menschen generell misstrauen und glauben, alleine durch Kontrolle und Geld könnten Menschen zur Arbeit motiviert werden.

Zudem halte ich das auf stetiges Wachstum und Spitzenleistungen bedachte Wirtschaftsdenken für hochgefährlich. Jeder weiß, dass in einem begrenzten Raum unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist. Außer die Wirtschaftswissenschaftler und die sogenannten Experten. So lange wir hier immer noch Shareholder Value vor Kundenzufriedenheit, billiges Produzieren vor Qualität für den Kunden und geplante Obsoleszenz vor nachhaltige und dauerhafte Produkte stellen, werden wir weiterhin unsere Ressourcen im Übermaß missbrauchen, weiterhin unsere Umwelt verpesten und weiterhin die Last, die wir eigentlich tragen und erleichtern sollten auf unsere Kinder abschieben und sie immer  mehr belasten.

Wer heute in Werbung oder Medien etwas über Nachhaltigkeit liest, sollte sich immer im Klaren sein. Wirklich nachhaltig wirtschaften und leben wir noch lange nicht. Wir nutzen lediglich den Begriff, um uns gut dastehen zu lassen.

Die Veränderungen, die notwendig sind, um auch unseren nachfolgenden Generationen ein gutes Leben zu bieten, sind viel radikaler in manchen Bereichen, als die Medien und die Politik uns vermitteln. Aber wer auf den eigenen Machterhalt und den eigenen Vorteil bedacht ist, der hat kein Interesse an Veränderung.

Es gibt ganz wenige positive Beispiele von Unternehmerinnen und Unternehmern, die wirklich etwas bewegen wollen. Aber so lange die Gesellschaft immer noch so bequem und am Status Quo hängend ist, wird sich nicht viel ändern.

Wir predigen Wasser und trinken noch viel zu oft teuren Wein. Denn der Mensch soll doch bitte am besten genormt, bereit für jegliche noch verfügbare Arbeit sein, das natürlich so früh wie möglich und so lange wie möglich, dabei aber für einen Hungerlohn arbeiten, dennoch jeden Quatsch konsumieren und gleich wieder wegwerfen, den die Konzerne auf den Markt bringen, Kinder bekommen, danach sofort wieder arbeiten und am besten sobald er in Rente geht sofort tot in die Kiste fallen. Ein genügsames aber gutes Leben ist nicht vorgesehen.

Und ich muß nochmal eine absolute Leseempfehlung anbringen: „Why work sucks and how to fix it“ von den Erfinderinnen des „Results only Work Environments“ ist extrem empfehlenswert für jeden, der das Gefühl hat, dass die Arbeitswelt eher einem Irrenhaus gleicht. Und wer dann noch lachen will, dem empfehle ich: „Ich arbeite in einem Irrenhaus„.

Alte und Behinderte, wer soll das bezahlen?

Eine wichtige Frage. Weil sie tief an der Menschlichkeit, an der Kultur unserer Gesellschaft ansetzt. Ich beobachte mit immer größerer Besorgnis eine sich individualisierende Gesellschaft, in der die Verantwortung füreinander scheinbar immer unwichtiger wird.

Die Inspiration zu diesem Artikel verdanke ich einer Kollegin, die zu Recht darauf hinwies, ob wir nicht auf eine Zwei-Klassen Gesellschaft zusteuern, die zwischen denen, die Technik verstehen und sich leisten können und „dem Rest“ unterscheidet.

Wir haben technisch wie kulturell die Möglichkeiten, sowohl ältere Menschen als auch Behinderte als VOLLWERTIGE Mitglieder der Gesellschaft zu sehen. Behinderung an sich ist nur eine Frage des Standpunktes. Für mich ist jeder Mensch gleich viel wert, unabhängig von Alter, Behinderung oder Geschlecht. Aber bezahlen wir Frauen wirklich gleich für gleiche Arbeit? Kann sich ein behinderter Mensch auf eine Stelle wirklich gleichberechtigt bewerben, wenn er dafür geeignet ist? Und habe ich als über 50 Jähriger wirklich noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt? Ja, die Politik will uns das suggerieren, aber im Alltag erlebe ich immer wieder das Gegenteil. Mein Arbeitgeber bietet für Behinderte entsprechende Möglichkeiten an, aber das ist eher die Ausnahme denn die Regel, sonst wären ja offensichtlich solche Initiativen wie wheelmap.org von Raul Krauthausen nicht notwendig.

Wir sollten eine sehr wichtige Diskussion endlich proaktiv führen. Wollen wir eine Gesellschaft, die weiterhin lediglich nach Rendite und Profitgesichtspunkten mit ihren Menschen „umgeht“?

Wollen wir eine Gesellschaft, in der der Umgang mit Krankheit und Alter immer eine Frage nach der Rendite, nach dem „lohnt sich das noch“ zu sein scheint?

Und wie wollen wir unseren Kindern ethische und moralische Werte vermitteln, wenn wir ihnen letztlich beibringen müssten: Sie zu, dass du das Gymnasium schaffst, und dann möglichst Investmentbroker oder Topmanager wirst, damit du genug Geld verdienst. Mal im Ernst, wer kann den, wenn er nicht wirklich nur nach moralischen Gesichtspunkten erzieht, seinen Kindern noch ernsthaft einen Beruf im Handwerk, der Gastronomie oder Gott bewahre als Krankenpfleger oder Altenpfleger empfehlen?

Und wie tief ist eine Gesellschaft eigentlich schon gesunken, in der die Politik aufheult, weil sich Großkonzerne über schrumpfende Profite beklagen, aber die wirklich wichtigen Berufsgruppen mit Hungerlöhnen abgespeist werden?

Das heutige Managergehalt ist an sich schon oft sehr zu hinterfragen. Stelle ich es dann aber noch gegen das Gehalt einer Krankenschwester oder eines Altenpflegers, dann kann ich mich nur noch fremdschämen.

Wir brauchen eine öffentliche Diskussion, die unsere Gesellschaft wieder weg von einer Kultur des Profitdiktats hin zu einer offenen, menschlichen und von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägten Gesellschaft führt. Und neue Beteiligungsmodelle, neue Diskussionsformen, und ja, auch hier wiederum betrachte ich auch Social Media als Chance, können, ja müssen diese Diskussion antriggern, wollen wir nicht bald noch aggressivere Protestformen auf den Straßen erleben.

Schlecker, Social Media und die Macht des Konsumenten

Ich möchte mir hier kein Urteil zur Causa Schlecker erlauben. Aber eins finde ich dennoch bemerkenswert. Immer wieder wurde mir gesagt, ach was, dieses Social Media mit seinen Shitstorms und Streisand Effekten hat doch in Wirklichkeit gar keinen Einfluß auf Unternehmen. Für mich ist spätestens seit der Insolvenz von Schlecker klar, dass dies nicht stimmt. Denn im Gegensatz zur Vergangenheit, in der man auch für Nachrichten reiner Konsument war und die Macht des einzelnen sich stark einschränkte, da eine Massenbewegung schwer organisierbar war, haben mir die neuen Social Media Plattformen eines gezeigt.

Der Kunde ist nicht mehr länger nur reiner Konsument. Und wer als Unternehmer, oder als Manager reines Gewinnstreben als Ultima Ratio vor das Wohlergehen der Mitarbeiter stellt, der wird in der neuen, der sozialer geprägten Welt schnell scheitern. Smartphones,die von Chinesen unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden, Drogeriemärkte, die mit ihren Mitarbeitern schlecht umgehen. Heute ist es möglich, die Botschaft weiträumig zu verbreiten. Natürlich bedeutet das nicht zwangsweise, dass jedes Vergehen gleich ans Licht kommt. Aber neben dem Produkt tritt immer mehr auch der ethisch moralische Aspekt in den Vordergrund. Geht das Unternehmen gut mit den Ressourcen um, mit seinen Mitarbeitern, mit der Gesellschaft?

Die Zeiten des reinen Strebens nach höheren Verkaufszahlen und mehr Gewinn nähern sich ihrem Ende. Nur wer auch ethisch handelt, wird in Zukunft Kunden längerfristig an sich binden. Denn auch Moral und Ethik werden mehr und mehr zu einem Merkmal, das einen Vorsprung vor der Konkurrenz bedeutet. Das beliebte Buzzword „Corporate Social Responsibility“ sollte nicht unterschätzt werden. Das hat zumindest mir auch die Causa Schlecker gezeigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ende des gold(igen)Bären, wenn unmenschliches Management Firmen ruiniert

Die Zeit titelt in ihrer aktuellen Ausgabe „Haribo: Der böse Bär“ und meint damit das diktatorisch unmenschliche Verhalten des 88-jährigen Seniorchef Johannes Peter Riegel.

Ich werde nicht weiter auf diese Firma eingehen, da solche Manager die Angewohnheit haben, unliebsame Wahrheiten mit einer Flut an Klagen zu überziehen. Aber was ich zu lesen bekommen habe ist offensichtlich symptomatisch für einen überkommenen, veralteten aber scheinbar in der deutschen Wirtschaft noch verbreiteten Führungsstil, der zwischen Gutsherrenart und Wirtschaftsdiktatur schwankt. Und er die Menschen zerstört. Wir wundern uns gerade alle über die immer weiter steigende Zahl von psychischen Erkrankungen in Unternehmen, über die hohe Zahl von Burnouts. Nun, geisteskrankes Management erzeugt am Geist krankende Mitarbeiter. Wer unter der Knute der Angst arbeitet, arbeitet zwar folgsam, aber nicht gut. Die innere Kündigung dürfte in solchen Unternehmen extrem hoch sein.

Was ist aber schuld daran? Wieder muss ich einen Gutteil auch der Erziehung zusprechen. Längst erziehen wir nicht mehr zu sozialem Verhalten, sondern zum Fokus auf Karriere und Erfolg. Da hat der karrieregeile BWL Student oft halt leider keine Zeit, sich auch noch über seine Mitmenschen, geschweige denn seine Untergebenen (oder sollte ich sagen Lohnsklaven) Gedanken zu machen. Wer nur auf Wachstum und Gewinnmaximierung fixiert ist, verliert extrem schnell die sozialen Aspekte aus den Augen.

Lange schon sage ich, dass wir mit einer rein auf Wachstum fokussierten Wirtschaft in die Irre laufen. Und das hat nichts mit kommunistischen Anwandlungen zu tun. Es ist einfach so, dass nichts, aber auch gar nichts grenzenlos wachsen kann. In der Natur wächst im Jäger Beute Schema auch stets eine Population auf Kosten der anderen so lange, bis die Balance kippt und die andere Population die Oberhand gewinnt. Und das heutige Wirtschaftssystem unterscheidet sich hier keineswegs. Man denkt ja immer, ein intelligentes Lebewesen wie der Mensch würde diese Mechanismen begreifen und hier für eine Balance sorgen, aber da steht offensichtlich oft die eigene Gier, mangelnde Weitsicht oder im einen oder anderen Fall schlichte Dummheit im Weg.

Wenn hier ein alter Mann nach Gutsherrenart herrscht und damit den Untergang eines Familienkonzerns mit in Kauf nimmt, gut, es mag seine Sache sein. Dass darunter aber die Belegschaft leidet, dass dadurch Mitarbeiter Burn Out und psychische Erkrankungen erleiden, das ist nicht mehr hinzunehmen.

Vielleicht sollten wir uns auch mal Gedanken machen, für eklatantes Missmanagement auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter im Strafgesetzbuch eigene Paragraphen einzuziehen. Warum nicht „Körperverletzung aus wirtschaftlicher Gier?“

Mein Arbeitgeber achtet sehr auf die Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Warum? Reine Selbstlosigkeit anzunehmen wäre zwar sozialromantisch aber da denke ich, wäre es unprofessionell, nicht auch die wirtschaftliche Komponente mit zu betrachten. Ich habe bereits früher darüber geschrieben, dass die ethische Komponente durchaus in der Zukunft bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber eine Rolle spielen wird. Und da haben manche eben die Zeichen der Zeit erkannt, (sind quasi ausgefuchst 😉 ) Andere erweisen sich eher einen Bärendienst.

Gott sei Dank sind unsere Kinder nicht markengeil, haben begriffen, wie dumm es ist, auf ein Label, eine Marke zu achten, ohne über andere Faktoren nachzudenken. Wir haben noch genau eine Tüte im Küchenschrank, in der der Bär goldig ist. Danach wechseln wir. Und mit Sicherheit fliegt auch der nächste ganz schnell raus, sollte auch dort Macht, Gier und Dummheit die Mitarbeiter ausbeuten. Und wenns gar nicht anders geht, dann verzichten wir halt.

Denn eins sollten die Unternehmen heute wissen. Dank sozialer Medien verbreitet sich solch ein Fehlverhalten und die Information darüber extrem schnell im Netz. So wie der Bericht der ZEIT, das hoffe ich zumindest. Denn wir haben heute mehr Macht denn je als Verbraucher. Und wir beginnen sie Gott sei Dank endlich zu nutzen, statt uns mit dem scheinheiligen Argument des „Was kann ich denn da ändern“ aus der Verantwortung zu ziehen. Und wenns nichts hilft. Schon andere Kampagnen haben unethisches Verhalten abgestraft. Ihr werdet euch noch wünschen, wir Konsumenten hätten mit dem Nachfragen nie begonnen.

Vom moralischen Handeln und der Wirtschaftswelt

Eine kleine Revolution fand statt in Baden Württemberg, aber was steckt dahinter, dass plötzlich die Grünen zur zweitstärksten Kraft im Ländle wurden.

Ich denke, ein Schlüsselwort ist Moral. Wir alle wollen im Alltag im Einklang mit unseren Werten, unseren ethischen Normen, wollen moralisch handeln. Sicher, wir haben auch unsere Egoismen, aber letztlich wünscht sich jeder ein gerechtes und moralisch einwandfreies Handeln.

Und das ist meiner Ansicht nach, was im Moment auf allen Ebenen und in allen Institutionen als unvollkommen angesehen wird. Eine Regierung, die zunächst für Atomkraft ist, und weil die Bevölkerung sich über einen Supergau im fernen Japan sorgt plötzlich ein Moratorium einsetzt muss sich schon fragen lassen, hat sie zuvor ethisch vertretbar gehandelt, wenn jetzt doch noch mal eine Prüfung notwendig zu sein scheint? Wenn jetzt plötzlich sieben Kraftwerke abgeschaltet werden können, ohne dass es in Deutschland zu flächendeckenden Stromausfällen kommt.

Aber auch die Wirtschaft muss sich ethisch neu positionieren. Nicht nur, weil die Laufzeitverlängerung der AKWs den großen Konzernen fette Gewinne ihrer bereits abgeschriebenen Meiler einbringt.

Auch hier hat das Wahlergebnis gezeigt: Das reine Wirtschaftsdenken, wie es in Baden Württemberg unter Schwarz-Gelb vorherrschte (Hauptsache, die Arbeitsplätze sind sicher und der Wirtschaft gehts gut) weicht einer umfassenderen Betrachtung in die auch einfließt, dass die Wirtschaft zwar gefördert, aber nicht gefordert wird. Wer sich beklagt, dass die jungen Auszubildenden immer schlechter vorbereitet in die Ausbildung starten, der muss sich auch fragen lassen was er von einem Bildungssystem erwartet, das immer mehr totgespart wird und dessen Ansehen in der Gesellschaft immer weiter sinkt.
Und wenn wir uns über eine Verrohung der Sitten beklagen, dann sollten wir uns auch fragen, wo lernen die jungen Leute es denn? Ist es nicht so, dass gerade die nicht für die Wirtschaft direkt wichtigen Fächer immer mehr ins Abseits gedrängt werden? Bildung liefert auch ethische und moralische Grundwerte. Und das darf, gerade nach den unsäglichen Geschehnissen in der katholischen Kirche nicht alleine dem Religionsunterricht vorbehalten bleiben, der ja definitiv selbst mit moralischen Verfehlungen fertig werden muss.

Wir müssen den Fokus in der gesamten Gesellschaft wieder mehr auf eine Symbiose von Ethik, Moral und wirtschaftlichen Erfolg richten, anstelle alles nur noch dem Profit und Shareholder Value unterzuordnen.

Und das sehe ich als einen weiteren Marktvorteil und positiven Aspekt in der Diskussion um einen „War for Talents“. Auch an ihren ethischen Werten müssen sich Arbeitgeber immer mehr messen lassen. Wie vereinbar sind Familie und Beruf? Wie wichtig wird eine gesunde Balance zwischen beruflichen Aufgaben und Privatleben gesehen? Wie sind die Umgangsformen im täglichen Miteinander? Wird nur (Termin-) Druck ausgeübt oder haben Mitarbeiter auch Freiräume zum Durchatmen? Gerade in einer Zeit in der die kreativen, schaffenden Wissensarbeiter immer wichtiger werden, müssen die Firmen den Fokus deutlich mehr auf solche „weichen“ Faktoren richten. Gerade Wissensarbeit gedeiht nur dann gut, wenn auch das Umfeld stimmt.

Update: Und diese Erfahrungen kommen bei mir nicht aus dem luftleeren Raum. Zum einen habe ich meinen jetzigen Arbeitgeber auch wegen der Sozialleistungen gewählt zum anderen habe ich auch in Gesprächen mit neuen Kollegen oft als Argument auch gehört, dass mein Arbeitgeber eben auch familienfreundlich wäre (Gleitzeit, verschiedenste Arbeitszeitmodelle etc.) Man sieht also. Ist nicht so daherfantasiert sondern für viele auch junge Arbeitssuchende durchaus ein Kriterium!

Sind Location based Services der Tod des kleinen Händlers um die Ecke?

Eine Diskussion auf Facebook brachte mich auf dieses Thema. Dort hatte ich gepostet:
„Im Spielwarenladen genau das Fischertechnik Set finden, das man sucht: Gut. Mit dem Smartphone den Barcode scannen und den Preis bei Amazon finden, besser. Online bestellen und 40 !! Euro sparen. Unbezahlbar….. Wer jetzt noch fragt, wozu so ein Smartphone gut ist………..“

Es entspann sich eine Diskussion, ob solch ein Verhalten nicht die lokalen Händler zum Verschwinden bringt.

Dazu habe ich eine klare Meinung, die aber auch etwas mit Moral und Nachdenken zu tun hat. Ich nutze häufig den Barcode Scanner meines Smartphones, um herauszufinden, ob ich ein Produkt nicht woanders oder online günstiger bekomme.

Das ist aber nicht wirklich neu, nur dauerten solche Preisvergleiche früher länger und ich musste länger suchen. Letztlich gab es diese Art des Preise vergleichens schon lange, nur beschränkten sie sich früher meist auf grössere Städte, in denen es grössere Konkurrenz gab.
Jetzt aber, auch wiederum dank des Internets müssen auch die Händler in kleineren oder Mittelstädten mit den Geschäften in der Stadt und auch den Onlineshops konkurrieren.
Für mich ist das legitim. Wenn ich einen Preis sehe, der deutlich über dem Schnitt der Preisvorgaben der Umgebung liegt, kaufe ich nicht, ob ich diesen Preis nun aus verschiedenen Prospekten oder online kenne.

Was ich aber viel spannender finde, ich kann auch etwas über die Herstellung des Produkts, die ethischen und moralischen Aspekte des Unternehmens herausfinden.
So ist es auch schon das eine oder andere Mal geschehen, dass ich beim lokalen Händler zu einem teureren Produkt gegriffen habe, weil das teurere Produkt ohne Kinderarbeit, ohne Schadstoffe oder ohne lange Transportwege auskam. Es werden eben nicht nur die Preise transparenter sondern auch die Herstellungshintergründe.

Und ob ich nun bei der lokalen Filiale einer Spielwarenhandelskette das Produkt überteuert kaufe oder im Internet günstiger. Da muss ich sagen, halten sich meine Skrupel in Grenzen. Ich hoffe, alle wissen dass z.B. viele der angeblich so günstigen Produkte des Elektromarktes mit dem M am Anfang in Wirklichkeit sogar bei lokalen kleinen Elektrohändlern billiger sind.

Kaufen hat neben dem Aspekt des Preises immer auch einen moralischen und einen ethischen Aspekt. Und denn kann mir niemand abnehmen, aber Werkzeuge wie barcodescannerbestückte Smartphones können mir die Entscheidung einfacher machen.

Und der kleine Spielwarenhändler nebenan hat nicht nur meine Sympathie sondern auch mein Geld. Denn dort wird nicht nur verkauft, sondern auch beraten und Service geboten. Bei den Ketten ist das aber beschränkt auf Ware geben, Geld nehmen….. Dort sind die Unterschiede im Service zum Onlinedienst nur noch marginal.

Soziale Medien werden glaubwürdiger als das Marketing der Unternehmen, der Fall BP

Die Zeit berichtet Vertuschen schwer gemacht. Die Nutzer suchen verlässliche Informationen. Und die suchen sie schon lange nicht mehr bei den Unternehmen, die offensichtlich lieber die Wahrheit schönreden, als offen und ehrlich zu informieren. Wie BP führen auch andere Firmen ihre Kunden oft an der Nase herum. Doch das rächt sich spätestens jetzt, in einer Zeit, in der man selbst die Fakten via Google recherchieren kann, in der sich echte Information blitzschnell über die sozialen Medien wie Facebook und Twitter weiter verbreiten.

Damit bekommt der Konsument eine ganz neue Macht und eine neue Qualität der Informationen geboten. Wo Billiganbieter genau wie hochpreisige Markenhersteller in den gleichen Billiglohnländern für Hungerlöhne produzieren lassen, wird das ECHTE soziale Engagement und die echte ethische Verantwortung der Unternehmen immer mehr hinterfragt werden. Reine Fokussierung auf den Profit wird sehr schnell von der Informationen teilenden Community abgestraft. Die Kampagnen gegen BP zeigen das aktuell. Aber so etwas kann auch jedem anderen Konzern zustossen, der Profit über Moral, Gier über ethische Verantwortung stellt. Das Web 2.0 entwickelt sich zum globalen Gewissen. Zwar nicht immer objektiv, aber zumindest ehrlicher als manch eine Presseabteilung eines Grosskonzerns.