Fernsehunterhaltung auf dem Rücken der Schwachen. Gehts noch widerlicher?

Schwer verletzt statt schwer verliebt – Sarah kämpft mit den Folgen der SAT.1-Kuppelshow“ titelt die Rhein-Zeitung und thematisiert damit etwas, das scheinbar gerade im privaten Unterschichtenfernsehen zm neuen Trend wird. Auf dem Rücken von Schwachen, von jenen, die nicht dem Normideal von Schönheit und Attraktivität entsprechen, werden Spassshows für den „Durchschnittsbürger“ produziert, die offensichtlich viele Zuschauer finden. Man kann das mit der Lust am Gaffen abtun oder mit der Freude an Freaks. Ich finde, es zeigt, wie verkommen die Moral der Mehrheit mittlerweile ist. Schon immer wurde über „die Anderen“ gelacht, aber so unwürdig, so erniedrigend und aus so niederen Profitmotiven wie heute, das ist dann doch extrem.

Wer solche Sendungen  schaut, sollte sich mal vor Augen führen, dass er über menschliche Schicksale lacht, dass er letztlich am medialen Mobbing teilnimmt.

Das kommt leider dabei raus, wenn Quote und Profit wichtiger sind als Ethik und Moral.

 

1. Mai, Hausfriedensbruch und Tränen in Kinderaugen

Tja, es hätte ein schönes Maibaumfest werden können. Selbst die Streiche der Kinder waren eigentlich noch ganz witzig. Bis eine Horde in unseren verschlossenen Garten eingedrungen ist (Hausfriedensbruch) und das frisch für unsere Kinder erworbene grosse Trampolin durch drauf wuchten einer schweren schmiedeisernen Sitzgarnitur beschädigt hat. (Gerissene Halteseile und ein kleiner Riss im Sprungtuch).

Und das traurige? Es wird sich nichts ändern, auch wenn wir dagegen vorgehen.Es wird das ganze nur noch schlimmer machen.  Mein erster Reflex war eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung, aber was würde es helfen.

Ob ich wütend bin? Ja, denn meine Kinder saßen zum Teil mit Tränen in den Augen vor mir, weil man einen ihrer großen Wünsche aus reiner Schadenfreude und im Unverstand beinahe völlig kaputt gemacht hätte.

Der 1. Mai war mal ein schöner Feiertag. Für mich ist er gestorben.

Cybermobbing und warum Seitenindizierung keine Lösung ist.

Wieder ein populistisches Thema. Jetzt will die Regierung „Lästerseiten“ sperren oder indizieren lassen. Als ob das, was schon bei Kinderpornographie nicht hilft bei Cybermobbing funktionieren würde. Sicher, die liebe Frau Guttenberg und mit Sicherheit auch der Kinderschutzbund werden auf das Thema wieder anfliegen wie die Schmeissfliege auf die Fliegenfalle. Aber es hilft den Opfern keinen Millimeter. Denn zum einen sind die Seiten nicht weg, sondern immer noch im Netz.

Was aber viel schwerer wiegt. Wer glaubt, Cybermobbing wäre nur virtuell, der irrt gewaltig. Cybergemobbte Kinder werden oft auch real gemobbt, denn nur Cybermobbing würde keinen Sinn machen, wenn das Mobbingopfer nicht im persönlichen Umfeld angesiedelt wäre und somit das Mobbing auch real stattfinden kann. Aber wie bei Kinderpornographie ist hier der Politik nicht an wirklichen Lösungen gelegen, die wieder mehr Personal, höhere Kosten, mehr Engagement gegen Mobbing und für die Opfer bedeutet. Nein, schon wieder wird der Sichtschutz hervorgeholt, der vemeintlich hilft, in Wirklichkeit aber nur die Täter schützt, die nun nicht verfolgt werden, sondern deren Opfer nur wieder für die Allgemeinheit aus dem Blickfeld geraten.

Man meint, es läge Kinderschutzorganisationen etwas am Wohl der Kinder. Bis man sieht, mit welch hilflosen und zum Teil opferschädigenden Methoden hier Populismus betrieben wird.

Helft den Opfern, fast die Mobbingtäter anstelle wieder nur an die Wählerstimme und den Spendenfluß zu denken!

Update: Ein interessanter Artikel zu dem Thema mit einem ähnlichen Tenor wie ich ihn vertrete findet sich bei ZEIT-Online:CYBERMOBBING
Die Schmähungen sind wie ein Tattoo

Mobbing ist geistige Körperverletzung

Die ZEIT berichtet über Mobbing in der Schule. Da kann auch ich ein Lied davon singen. Zwar nicht ganz so extrem, wie in dem Artikel, aber auch ich war Außenseiter bis zur Oberstufe. Und die grössten Mobber waren meist die Schüler, die eigentlich in der Schule nichts drauf hatten. Dumm, aber agressiv, proletenhaft und leider meist körperlich stark. Ich habe viele Situationen erlebt, die mir vor Augen geführt haben, wie viele Vorurteile leider stimmen. Zumal ich schon dadurch auffiel, dass ich grösser war als der Rest und mich nicht für Fussball und Raufen interessierte, sondern für Computer, Literatur und Kunst. Wie kann ich nur nicht der drögen Proletennorm entsprechen. Gott sei Dank war ich nicht Mobbingopfer sondern nur halt „der spinnerte Außenseiter“. Vielleicht auch, weil ich Judo konnte und solche Proleten oft nur vor körperlicher Überlegenheit Respekt haben. Und die Oberstufe war meine Rettung, denn dort wurden die Mobber plötzlich zu den Außenseitern. JA, ich hab tiefe Genugtuung empfunden.

Aber seien wir ehrlich, diese Dummköpfe gibt es auch unter den Erwachsenen, auch im Alltag, sei es im Beruf (wo man oft leider nicht flüchten kann) als auch im Privaten, wo man solche dummen Menschen wenigstens meiden kann. Meinjetziger Arbeitgeber hat Mobbing als Problem schon erkannt und bietet sogar den Führungskräften Seminare an, damit diese lernen, wie man erste Anzeichen von Mobbing erkennen kann. Denn es muss jedem Arbeitgeber klar sein: Mobbing vergrault oft die leisen aber wirklich guten Leute, die mit der grossen Klappe, die Luftnummern bleiben dann und das gemobbte Talent geht.

Und für alle die jetzt mit dem Spruch kommen, bist halt zu empfindlich, das war ja nicht so gemeint. Es kommt nicht drauf an, wie es von den gefühlskalten Schwachmaten gemeint war, sondern wie es bei den meist sensibleren, feinfühligeren und oft auch intelligenteren Mobbingopfern ankommt.
Wer mobbt, verletzt. Es entstehen zwar keine sichtbaren Wunden aber grosse Wunden in der Seele.
Letztlich war möglicherweise sogar mein Burn Out ein finales Ergebnis davon. Aber darüber schreiben die wenigsten. Was ich schlimm finde. Mobbingopfer müssen sich wehren. Klar und deutlich. Denn Mobber sind Abschaum und wirklich das letzte.

Kling ich wütend? jau, bin ich. Jedes Kind, das ein anderes mobbt ist eins zu viel. Und dessen Eltern bekommen ein Gespräch mit mir aufgedrückt. Ich schaue nicht zu, ich weiss, wie so was enden kann. Und auch Erwachsene, die andere Erwachsene mobben, müssen gestoppt werden. Denn das ist unverantwortlich und wie ich schon oben schrieb…geistige Körperverletzung.