Von unangenehmen Wahrheiten und angenehmen Lügen

Wir leben in einer Illusion. Medien, Politik gaukeln uns vor, das Leben unter Kontrolle zu haben, die Wirtschaft unter Kontrolle zu haben und letztlich damit für uns alle ein gutes, ein sicheres Leben zu ermöglichen. Welch ein Trugschluß. Wir wünschen uns alle einfache, logische und sichere Wahrheiten, und erkennen nicht, dass das Leben viel komplexer, viel diffuser, viel mehr vielleicht ist.

Regeln und Vorschriften, Verbote und Normen. Wir haben ein immenses Portfolio von Werkzeugen entwickelt, das Unwägbare, das Unkontrollierbare scheinbar zu kontrollieren. Aber all diese Werkzeuge funktionieren nur, wenn zwei Faktoren gegeben sind.

Zum einen, es gibt einen gemeinsamen Konsens darüber, dass all diese Werkzeuge des Zusammenlebens sinnvoll sind.

Zum anderen, die Werkzeuge müssen auch das bewirken, wofür sie eingesetzt wurden.

Schon die erste Prämisse scheitert häufig. Seltener daran, dass sie nicht mit Sinn behaftet sind. Häufiger daran, dass das Faktische dahinter schlicht verleugnet wird. Verschwörungstheortiker sind die Speerspitze derer, die hinter allem Verrat, Gefahr und Lüge vermuten. Dabei klagen sie über eine einseitige Sichtweise, die letztlich originär vor allem sie selbst haben. Sie bauen sich ein Weltbild, das immer mehr von der Realität wegdriftet, aber so plausibel erscheint, dass sich Gefolgsleute darum scharen und durch die schiere Menge an „Gläubigen“ schlicht zur Wahrheit werden. Es gibt selbst heute noch Menschen, die an die flache Erde glauben, an die 7 Tage der Schöpfung. Nicht im Sinne einer metaphorischen Überlieferung sondern als Tatsache.

Das Schlimme? Sie sind nicht zu überzeugen, weil sie hinter jeder anderen Meinung Verrat und Lüge vermuten. Sie leben selbst eine Lebenslüge, die für sie zwar bequem, im Gesamtkonzept des Zusammenlebens als Spezies aber hochgefährlich werden kann.

Chemtrails, Mobilfunkstrahlung, Vegan/Vegetarisch/Carnivor. Verbrannte Erde, kaum mehr diskutierbar, kaum mehr abwägbar. Man gehört entweder zu den Guten oder zu den Bösen. Die Grauzone, wie sie im Alltag die Regel ist, herrscht in diesen Themen nicht mehr. Flüchtlinge sind entweder mit offenen Armen zu empfangen, oder an den Grenzen zurückzuschicken. Es wird nicht mehr über den besten Umgang im Sinne der Flüchtlinge diskutiert. Es werden Parolen und Beschimpfungen hin und her geworfen.

Und die Politik macht fröhlich mit. Da sie von der Mehrheit unterstützt wird, die es nicht ertragen kann, ohne feste Wahrheiten zu leben. Einer der größten Irrtümer der Gegenwart: Die Mehrheit hat immer recht. Oh nein, sehr oft sogar nicht, weil Einsicht, Intelligenz, guter Wille oder Altruismus fehlen. Dabei ist der Dumme oft der, der meint, es am besten zu wissen. Sokrates sagt: Ich weiß, dass ich nicht weiß. Wenn ich aber nicht weiß, maße ich mir auch nicht an, die eine ultimative Antwort zu kennen. Um aber zu dieser Erkenntnis zu kommen bedarf es eines gerüttelt Maßes an Selbstreflektion, zu der in der heutigen Zeit die wenigsten bereit sind, und der sie auch nicht zuhören. Nicht umsonst werden Philosophen meist nur von denen gehört, die eh schon erkannt haben, mit welchen Wissensdefiziten wir leben.

Wissenschaft sagt nie, ich weiß, es ist so. Gute Wissenschaft geht von der Annahme aus, nach bestem Wissensstand im Moment die valideste Theorie zu haben, die Morgen schon falsifiziert sein kann. Das ist etwas, das für den Durchschnittsbürger schwer verstehbar und ertragbar ist.

Acrylamid, Mobilfunkstrahlung, das Essen von Fleisch. Alles Themen, die in der Öffentlichkeit weit jenseits von wissenschaftlicher Analyse und gelassener Distanz zu einer Schlammschlacht der Diskursunwilligen geworden sind.

Und wir züchten uns neue Generationen heran, die das kritsche, das humanistische, das auch zu einem gerüttelte Maß selbstkritsche Denken verlernen und auf dem Altar der Ökonomie, des wirtschaftlichen Nutzens opfern.

Wir bilden unsere Kinder nicht mehr zu intelligenten, reflektionsbereiten Menschen aus, sondern zu Arbeitnehmern, die das tun, was man ihnen sagt, brav konsumieren und ansonsten bloß nicht über den Wahnsinn in Wirtschaft und Politik kritisch und klug reflektieren.

Und dann wundern wir uns, wenn in den Betrieben unkreative duckmäuserische Ja-Sager die Oberhand gewinnen, wenn Mehrheiten solch ideologisch überaus gestrigen Parteien wie der AfD folgen und an dumme und falsche Scheinfakten glauben wie die Abnormalität von Asperger, die Gefahr des Impfens oder die Verschwörung der Reichen.

Wir brauchen eine Kehrtwende in der Bildung und in der Gesellschaft. Weg von der Prämisse, alles sei der Wirtschaft zum Gefallen zu geschehen, weg von einem Leben, dass sich auf arbeiten und konsumieren beschränkt, hin zur Verlangsamung un Reflektion. Die Gehetztheit unserer Zeit hindert uns an der Reflektion. Und Anderer Menschen Meinung akzeptieren wir nur, wenn sie in unser teils sehr verschrobenes Weltbild passen.

Schon Mark Twain erkannte: Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, dann ist es Zeit sich zu besinnen.

Ich habe es schon vor geraumer Zeit gesagt:

Nicht diejenigen, die in der Psychiatrie landen mit Depressionen und Angststörungen sind verrückt, sondern diejenigen, die diesen Irrsinn der Scheinwahrheiten und Ökonomieunterwerfung widerstandslos akzeptieren oder unreflektiert komplett ablehnen.

Oder um wieder meinen liebsten Literaten zu zitieren, wenn es um die Reflektion über die Gesellschaft geht:

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn.

Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
um Brot und Stiefel seine Stimm‘ verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen.
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
Demetrius I. (Sapieha)

 

Zitat von Friedrich Schiller
Friedrich Schiller
deutscher Schriftsteller
* 10.11.1759, † 09.05.1805

Die Wirtschaft will Spitzenleistung. Dann soll sie auch liefern.

Manager predigen Spitzenleistung, fordern jedes Jahr 5% mehr Leistung. (Ohne natürlich zu hinterfagen, ob das die Mitarbeiter auch gesundheitlich und psychisch verkraften, aber dafür sind sie ja verplanbare und verbrennbare Humanressource.)

Gleichzeitg schanzt sich das Topmanagement fürs Versagen bei Projekten wie Berlin, Stuttgart oder auch anderen großen Aufgaben, wie zum Beispiel einer guten, ehrlichen und menschlichen Unternehmenskultur bei VW Millionengehälter zu und ändert das erst nach massivem öffentlichen Protest.

Wir alle sollen in einer Kultur der Spitzenleistung existieren, in der wir konsumieren wie die Idioten und gleichzeitig arbeiten bis zum Umfallen. Natürlich aber dann, wenn es daran ginge Rente zu beziehen am besten tot in die Kiste fallen, damit wir ja nicht mehr dem Staat auf der Taschen liegen, der uns davor Jahrzehnte geschröpft hat, während er den Konzernen jede mögliche Erleichterung verschaffte. Nur, weil die Manager da oben, die ohne jede Bodenhaftung in anderen, in surrealen Fantasiewelten existieren, nur weil diese Manager mit Arbeitsplatzabbau drohten, den sie dann so oder so machten.

Wie wäre es zur Abwechslung mal, wenn die Wirtschaft liefern würde, statt uns, den Konsumenten wie eine dumme Melkkuh zu behandeln. Wenn es möglich wäre, auch ohne Arbeitsplatz gut zu existieren, statt sich von der Hartz IV Stasi verfolgt zu wissen, die einem nicht das kleinste bisschen Alterssicherung gönnt und immer nur so tut, als wären alle Hartz IV Empfänger Verbrecher, wohl wissend, dass die eigentlichen Verbrecher ganz woanders sitzen.

Das wir Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens verspotten, ist da nur logisch. Nicht, weil das eine dumme Idee wäre, ganz im Gegenteil. Aber es würde den Bürger mündiger, unabhängiger von den Konzernen machen. Wir wären nicht mehr die Lohnsklaven, die jeden Schwachsinn mitmachen müssen, weil man ja sonst gefeuert wird. Und es würde aus den Unternehmen ehrlicher berichtet, statt schön zufärben bis Whistleblower die Wahrheit ans Licht und sich selbst ins Gefängnis bringen. Eigentlich ein Unding. Statt die eigentlichen Straftäter zu bestrafen wird immer noch der den Skandal aufgedeckt hat, verfolgt. Es melde sich, wer schon mal eine Pressemitteilung, ein Unternehmensmagazin gelesen hat, in dem ehrlich berichtet wird und nicht schöngefärbt, so dass es eigentlich einen Preis für das beste Märchen wert wäre.

Wir werden halt tatsächlich immer noch von der Wirtschaft beherrscht, für die wir nichts weiter als willige Arbeitnehmer und noch willigere Konsumenten sein sollen. Und ja keine Leistung von Unternehmen fordern. Wir haben ja schon deren viele gesundheitsschädliche, überflüssige, die Umwelt schädigende Produkte, die kein Mensch braucht.

Was wir brauchen, ist weniger Druck, Verlangsamung, mehr Menschlichkeit, mehr Rücksichtnahme und weniger Gier in den Chefetagen.

Wir leben in einem Irrenhaus, in dem die Wärter die eigentlichen Irren sind.

Die Lüge als Grundlage von Politik und Wirtschaft

Wir werden belogen. Ich hoffe, das ist für den einigermaßen informierten Leser nichts neues. Aber das Ausmaß und die Dreistigkeit finde ich erschreckend. (Hinweis in eigener Sache: Wer gerne und oft Sätze wie „Du siehst das viel zu eng“ oder „Das bildest du dir alles nur ein“ oder gar „Die Politiker wollen doch nur unser Bestes“ benutzt, der sollte jetzt mit dem Lesen aufhören)

Von der Werbung will ich mal gar nicht anfangen, die ja nie lügt, aber durchaus trickreich die Lüge als Halbwahrheit tarnt, und wirklich relevante Informationen einfach unter den Tisch fallen lässt. Da wird die Süssigkeit zum Fitness Snack mit der extra Portion Milch, da soll man Nahrungsergänzungsmittel kaufen in einem Land, dem es an vielem mangelt aber sicher nicht an vielfältiger, vitaminreicher und gesunder Nahrung, die man dann am ehesten findet, wenn man der Werbung  nicht glaubt.

Auch die Politik hat die Lüge zum Grundprinzip gemacht. zu Guttenberg hat uns das letztlich mit seiner Aneinanderreihung von Lügen über seine Doktorarbeit nur sehr stümperhaft vor Augen geführt. Auch die Lüge der Energiewende mit der angeblich notwendigen Verteuerung vertuscht vor allem, dass Unternehmen von vielem befreit werden, was der Bürger, der eigentlich Arbeitgeber der Politik tragen muss. Wirtschaft über alles, dafür ist jede politische Lüge recht.

Und auch der Abhörskandal der NSA zeigt, wie sehr man die Lüge bereits politisch verinnerlicht hat. Der Bürger soll sich nicht so haben, das in  den Medien sei doch alles aufgebauscht und Snowden ein Lügner. Bis zu dem Zeitpunkt an dem Big Mama Merkel abgehört wird. Plötzlich ist alles ein Skandal, aber man kann Snowden dennoch kein Asyl gewähren, weil man es sich ja mit Amerika nicht verscherzen dürfe. GELOGEN. Man will einfach nicht ehrlich genug sein, das ganze Ausmaß des Skandals in die Öffentlichkeit zu tragen, und die Lügen der letzten Jahre, vermutlich Jahrzehnte offenlegen.

Und da lügen uns die Golfplatzbewohner und Monsterdreckschleuderfahrer an, man könne einfach keine Tariferhöhungen jenseits der 5 Prozent bieten, da die Wirtschaft daran zu Grunde ginge und überhaupt hätte man ja so viele Sozialschmarotzer. Das sagen die, die sich Millionengehälter in den Rachen schieben und damit vermutlich die größten Sozialschmarotzer sind.

Ganz trickreich aber ist die Duldung einer Lüge, weil sie nutzt, weil sie ablenkt. Die Montagsdemos der Verschwörungstheoretiker mit ihren idiotischen Chemtrail Drohszenarien und dem dumpf/dummen rechten Gedankengut spielen Wirtschaft und Politik förmlich in die Hände. Denn im Zweifel lässt sich mit diesem Hintergrund jede Kritik an den Lügengebäuden von Wirtschaft und Politik entwerten, in dem man sie in die Nähe der Verschwörungstheorien drängt. Da wird uns Wasser, das mit etwas Glück den Schatten eines Wirkstoffs gestreift hat als teure und wirkungsvolle homöopathische Medizin verkauft, und wenn man dann berechtigte Zweifel aus wissenschaftlicher Sicht anbringt, sieht man sich einem durch Wirtschaftsinteressen angeheizten  Mob gegenüber, der einen beschimpft und bedroht. (Wobei, selbst in der echten pharmazeutischen Industrie gibt es solche Mobs bling gläubiger Menschen. Ich sage nur die Droge Ritalin).

Ach ja, und dann glauben tatsächlich noch viele, was in der Zeitung steht. Vor allem in dem Drecksblatt mit den vier Buchstaben. Dabei sind viele Medien nicht viel mehr als Geldverdienmaschinen, denen die Nachricht nur dann wichtig ist wenn sie Auflage und damit Geld bringt. Oder glaubt wirklich irgendwer, wir hier im Westen wären auch nur annähernd über die Geschehnisse in der Ukraine informiert worden? Oder im Irak, oder im Fall Snowden?  Die Politik der Spiele und des Brotes ist mittlerweile mithilfe der Lüge schon zur hohen Kunst geworden. Wie genial ist es zum Beispiel, während der Fussball WM (Spiele) alle möglichen unverschämten Gesetze zum Wohle der Wirtschaft durchzuwinken und sie hinterher als wichtig für den Bürger zu verkaufen?

Und es gibt noch viele solcher Lügen: Die Behauptung, man wolle Bildung, wo man nur Ausbildung will, die Behauptung, Hartz IV seie nötig, um Menschen zur Arbeit zu „bringen“, wo man eigentlich nur Geld für die eigenen unverschämten Gehälter haben will und dem Volk Vollbeschäftigung vorgaukelt in einer sich immer weiter automatisierenden Zeit in der eigentlich Arbeit immer mehr verschwindet und man längst über ganz andere gesellschaftliche Themen nachdenken sollte.

Und manche Lüge vergessen wir selbst offensichtlich, kaum haben wir sie einmal durchschaut. War da nicht diese Bankenkrise, ausgelöst durch riesige Lügengebäude von Investmentbanken und ihren angeblichen Speerspitzen der Finanzwelt. Da wurden Lügen in Derivate verpackt und uns vorgegaukelt, eine Bank habe Interesse an unserem Wohl und der Mehrung unseres Vermögens, wo es doch IMMER um die Mehrung des Vermögens von Bank und Shareholdern (ein anderes Wort für Schmarotzer) geht.

Und wer kennt nicht die herrlichen Baulügen in Stuttgart, Hamburg  und Berlin, die Jahr um Jahr mehr Geld verschlingen werden, angeblich zum Wohle von uns allen sind aber in Wirklichkeit doch nur ein paar wenigen Wirtschaftsunternehmen viel Geld einbringen werden und danach Kosten für den Staat und damit uns alle verursachen. (Moment, sorry, fast hätte ich gelogen, das tun sie ja jetzt schon dank solcher Topmanager und Experten wie Herrn Mehdorn und Konsorten)

Ein offener Brief von Nick Hanauer, einem Milliardär an seine wohlhabende Freunde zeigt jetzt schon, wo das alles hinführen kann (wer es lieber original hat, hier die Quelle). Dabei ist für  mich garnicht wichtig zu prüfen, wie echt der Brief an sich ist, mag er sogar gelogen sein. Er beinhaltet mehr Wahrheiten als alles, was die Politik so absondert. Denn er blickt zurück auf frühere gesellschaftliche Ungleichgewichte, entstanden durch die Lüge, dass Reiche immer reicher werden dürfen, ohne dass sie sich um den Rest der Gesellshaft sorgen.

Irgendwann werden die Mistgabeln auftauchen und der große abgehängte Rest wird aufstehen und zumindest für eine kurze Zeit mit zwar unschönen Mitteln aber dennoch wieder ein annäherendes Gleichgewicht herstellen. Wollen wir das? Oder wäre es nicht an der Zeit, etwas intelligenter zu agieren in einer Zeit, in der wir alle Möglichkeiten und Mittel an der Hand haben. Aber vermutlich nicht. Denn es gibt genug, die daran und an der Lüge vom zwingenden Status Quo sehr gut verdienen.

Also dann, lassen wir uns weiter belügen. Bis wieder die ersten Villen brennen. Denn eins ist gewiss. Je mehr uns Politik und Wirtschaft verunsichern, umso egaler ist uns irgendwann was noch wahr und was gelogen ist. Wenn es genügend Menschen schlecht genug geht, wird der Aufstand unabwendbar sein. Das konnten und können wir in anderen Ländern mit schlechterer wirtschaftlicher Situation beobachten. Nur vergessen offensichtlich zu viele Geldadlige, dass die Geschichte zeigt, dass oft der Adel zuerst dran war, wenn es ans Umverteilen ging.

 

 

Schnell, billig, gut , gelogen. Warum so vieles scheitert

Magischesdreieck
Das berühmte magische Dreieck. Oft gelehrt, noch häufiger ignoriert.

Die Elbphilharmonie, Stuttgart 21, der Berliner Flughafen. Warum werden Projekte nur immer teurer als geplant, haben diverse Mängel und dauern länger, als jemals vorgesehen.

Meines Erachtens ist daran vor allem eines schuld (und das ist wichtig, denn das ist es ja, was der deutsche Manager/Politiker/Bürger wissen will, nicht etwas die Lösung, Gott bewahre, nein, wer ist schuld).

Die mangelnde Akzeptanz von Auftraggebern/Kunden/Konsumenten, dass man das berühmte Dreieck aus schnell, billig und gut immer nur an zwei Seiten bekommt.

Wenn ich bei einem Projekt verlange, dass es zu einem fixen Termin fertig ist, und das in guter Qualität, muss ich bereit sein, mehr zu zahlen, ggf. auch noch etwas extra im Projektverlauf, falls und davon kann man eigentlich immer ausgehen, unvorhergesehene Probleme auftauchen.

Lasse ich den Termin offen, nehme ich Druck aus der Geschichte so dass man oft mit mehr Überlegung schon an die Planung gehen kann und solche Probleme frühzeitig erkennt, was dann wieder die Kosten senkt. Und will ich das ganze billig haben, dann kann ich nicht erwarten, dass die Qualität stimmt, vor allem wenn ich dann noch Zeitdruck produziere.

Letzteres gilt auch für viele andere Branchen. Wenn ich die Innovationszyklen von Produkten immer kürzer mache, dabei noch möglichst niedrige Preise haben will, dann leidet zwangsläufig die Qualität.

Das wird den BWL-Studenten zwar (so hoffe ich zumindest) in ihren Vorlesungen vermittelt, aber in der Realität werden offensichtlich die einfachsten Wahrheiten auf dem Altar des Profits und des Aufstiegs auf der Karriereleiter geopfert. Denn wer, der von seinem Vorgesetzten eine Aufgabe bekommt, die alle drei Seiten des Dreiecks gleichzeitig bedient, wird schon widersprechen, wenn er im Unternehmen oder der Organisation noch aufsteigen will. Ja, ich weiß, das wird offiziell doch gefordert, Charakterstärke blablabla. Aber das sind oft nur hohle Phrasen und wenn es hart auf hart kommt, dann gilt das Rechthaben des Stärkeren. Herr Medohrn mit seinem Managerverschleiß und den immer peinlicheren neuen Ankündigungen (selbst der Postillion amüsiert sich und uns bereits köstlich) ist da nur ein Beispiel.

Wir leben in einer Welt, die gerade in der Wirtschaft im Moment voller Lügen und Selbstlügen ist. In der man die offensichtlichsten Fehler nicht zuzugeben bereit ist, nicht umsteuern will und stehts mit den immer wiederkehrenden Totschlagargumenten vom „Markt der das so will“, „den Kunden, die das nicht verstehen würden“, und „den Arbeitsplätzen, die dann verloren gehen“ faselt. Forscht man aber nach, dann gilt keines dieser Argumente wirklich. Es gibt genug Unternehmen, die mit einer nachhaltigen, langsamen, und qualitativen Strategie erfolgreich sind (Vaude, Miele und quasi als Optimum im Moment @manomama, wo sogar noch der Mitarbeiter wie ein fühlender und denkender Mensch behandelt wird, Gott bewahre, das geht doch gar nicht 😉

Ich denke, wenn der Öffentlichkeit hinreichend kommuniziert wird, warum etwas wie lange dauert, wenn dann auch noch die Pressesprecher und Topmanager es sich sparen, das neue Produkt anzukündigen mit Releasetermin, bevor man überhaupt wirklich die echte Projektdauer abschätzen kann, dann hätte die Elbphilharmonie vielleicht nicht so viel gekostet, wäre S21 vielleicht anders gelöst worden und der Flughafen Berlin vielleicht bereits ohne Baumängel fertig. Aber es ging ja nie um das Produkt, den Bau, die Planung. Es ging gerade bei diesen Großprojekten um Profilneurosen, das setzen eines Denkmals für sich selbst und vermutlich um sehr viel mehr Geld, als die Öffentlichkeit weiß. Qualität war da nicht das Thema, wenn schon, dann schnell und billig. Und dass das auf Kosten der Qualität und damit indirekt der Zeit geht. Nun, wir sehen es als Mahnmal in Stuttgart, Berlin und Hamburg und sicher noch in vielen anderen Städten oder bei vielen anderen Produkten, die zurückgerufen werden mussten, geflopt sind oder den Markt nie erreicht haben.

Wir sollten endlich begreifen, dass wir wieder Druck rausnehmen müssen, wollen wir weiterhin die berühmte deutsche Qualität liefern. Denn ist der Ruf erst ruiniert lebts sich zwar ungeniert aber auch erfolglos.

Wir sind ein verlogenes Pack

Natürlich wollen wir das beste, ethisch und moralisch, ein Vorbild sein, ein Rollenmodell aber tut mir leid Leute. Das ist verlogene Scheisse. Ich kann hier auch von mir selbst sprechen, weil ich diesen Konflikt jeden verdammten Tag lebe. Es geht um das, was ich meinen Kindern beibringe, ihnen erkläre, wie wir leben, wie ihr lebt, wie wir alle leben.

Natürlich würde ich gerne immer ökologisch und ethisch korrekt einkaufen, aber hallo, wer gibt mir das Geld dafür? Eine Familie mit drei Kindern (so manch einer redet hier schon von asozial, und würde das wohl auch bei uns tun, wären wir nicht Akademikerhaushalt) zu ernähren geht nur, wenn man auch oft nach dem billigsten sucht. Und da greift dann schon die erste Lebenslüge. Natürlich kann das nicht sozial und ethisch korrekt produziert sein. So tickt die Wirtschaft nicht. Das wäre zwar schön und so manch eine Bierwerbung will uns das auch durch Kooperation mit nicht minder zwielichtigen Umweltorganisationen suggerieren.

Aber nur weil ich mir die Birne mit Bier zudröhne rette ich keinen Zentimeter Regenwald. Nein, was ich wirklich tue ist, die Kassen der Marketingagentur und des Bierbrauers füllen.

Und mal ganz ehrlich. Klar erklären wir unseren Kindern, sie sollen fair sein, nicht schlagen, ehrlich sein. Aber wenn ich Tag für Tag erlebe, wer untergebuttert wird und wer weiter kommt. Ganz ehrlich. Eigentlich sollte ich ihnen sagen: „Hau jedem der dir doof kommt eine aufs Maul, lüge, wenns was bringt und sei so unfair wie möglich.“

Natürlich will ich das nicht und tue es auch so selten wie möglich (gut, es gibt auch da Ausnahmen, aber wer hat nicht schon notgelogen) aber dass ich damit meine Kinder auf das Leben wie es eigentlich ist vorbereite, na ja, ich hab da so meine Zweifel.

Und ich als Informatiker, als Introvertierter, als jemand, der es gerne so fair wie möglich hat ertappe mich selbst dabei, dass ich gegen meine Ansprüche verstoße (n muss). Ich versuche das so weit es geht zu reduzieren, aber im Alltag wird eben oft nicht das erwartet, was vollmündig ausgesprochen wird. Auch heute macht nicht der Karriere, der lieb, freundlich und nett ist sondern meist das, verzeiht das harte Wort „Arschlochkind“ wird zum erfolgreichen „Arschlocherwachsenen“. Box dich durch, ist so ein Begriff, den ich immer wieder höre.

Wir wollen eine freundliche, offene und tolerante Gesellschaft sein. Aber hört doch nur ein paar Mal im Bus oder auf ganz normalen Festen den Gesprächen zu. Die triefen vor Vorurteilen, Rassismus bis hin zu Aluhutthesen. Wir wollen eine Wissensgesellschaft werden und dennoch gibt es tatsächlich Menschen, die wegen Chemtrails auf die Straße gehen oder glauben, ein Magnetarmband oder ein besonderer Kristall könnte sie heilen oder ihr Leben verbessern.

Im Moment laufe ich durch die Straßen, betrachte Wahlplakate und weiß eigentlich schon im Voraus: Alles Lüge. Da will jemand nicht das beste für uns, sondern von uns. Unsere Stimme, damit nacher wieder die Wirtschaft gefördert, die Rüstung exportiert und der Bürger geschröpft werden kann.

Bislang ist mir nur ein ehrliches Wahlplakat untergekommen. Ausgerechnet von den Piraten. Drauf steht: „Sorry, wir haben uns das einfacher vorgestellt.“

Wer glaubt, das, was die Politiker im Moment in Talkshows und auf Wahlveranstaltungen von sich absondern, hätte auch nur ein Jota mit dem zu tun, was sie hinterher machen, der sollte sich gleich wieder ganz schnell seinen Aluhut aufsetzen.

Und wer das Fernsehen anschaltet, der kann ebenfalls nie sicher sein,die Wahrheit zu erfahren sondern eigentlich nur, was die Mehrheit hören will bzw. was die größte Quote bringt. Oder erfahren wir etwas von den vielen Familien, die am Existenzminimum leben, eigentlich ungeheuer gerne eine Arbeit hätten aber keine mehr bekommen.

Oder von den vielen Menschen, die an den verlängerten Werkbänken im asiatischen Raum für Hungerlöhne schuften? Das erfahren wir nur, wenn ein prominentes Unternehmen wie Apple darin verwickelt ist. Aber seit ehrlich zu euch. Das meiste, was ihr an Klamotten tragt haben Menschen in Asien für einen Hungerlohn unter Drecksbedingungen zusammengenäht. Und unsere gute Milch muss auch vor allem billig sein. Wie es den Milchbauern geht interessiert uns nur, wenn wieder mal eine Treckerdemo die Straße blockiert, auf der wir zur Arbeit hetzen, die wir durchaus auch mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen könnten, was aber ja so „unbequem“ ist.

Also hört endlich auf, die Gutmenschen zu spielen, wenn ihr mit dem SUV in den Ökomarkt fahrt und überlegt euch ein oder zwei mal mehr, wie wir ernsthaft für unsere Kinder eine wenigstens gleich gute Welt hinterlassen können, wenn wir schon nicht in der Lage sind, sie zu verbessern.

Seit einfach ein wenig toleranter gegen Menschen, die nicht so sind wie ihr (davon gibt es mehr als ihr denkt).

Wir sollten nicht nur klagen, sondern endlich mal damit anfangen, wirklich etwas zu ändern.

Das sind wir unseren, das bin ich meinen Kindern schuldig.

Und ich werde gleich damit anfangen…….. Morgen….

Unternehmen, eure Produkte zu empfehlen, könnt ihr euch sparen

Ein Aspekt, den bislang nur wenige sinnvoll im Kontext von Social Media nutzen ist es, den Kunden über das Produkt sprechen zu lassen, und zwar den echten Kunden, nicht irgendwelche gecasteten und gut gestylten Pseudokunden in Werbefilmchen.

Vielleicht liegt es ja daran, dass viele Unternehmen wissen, dass ihre Produkte dann möglicherweise nicht mehr ganz so gut weg kämen. Gerade ruft Foodwatch wieder dazu auf den Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge zu vergeben. Und wie auch schon im Vorjahr ist die Resonanz groß.

Was immer noch nicht überall angekommen zu sein scheint. Werbung lügt. Das wissen mittlerweile die meisten Bürger. Nur noch 18% vertrauen im Netz den Werbeanzeigen, aber über 70% den Empfehlungen von Freunden.

Hier ist der eigentlich interessante Weg, in Zukunft Produkte anzupreisen. Indem man sie von den Meinungsbildnern testen und reviewen lässt. Indem man dafür sorgt, dass ECHTE zufriedene Kunden über das Produkt sprechen. Und zwar wiederum, weil sie davon überzeugt sind, nicht weil man sie bezahlt hat.

Wenn ich auf Facebook oder Twitter diese tollen: Wir empfehlen heute….. Postings sehe, dann kann ich nur unwillkürlich denken. Aha, kriegt ihr wohl nicht so gut los, wenn ihr es extra noch empfehlt. Denn dass hier etwas von denen, die für das Bewerben der Produkte der eigenen Company bezahlt werden ehrlich und aus Überzeugung empfohlen wird, das lässt sich einfach nicht mehr glaubwürdig darstellen. Die Zeiten der Einwegkampagnenkommunikation gehen ihrem Ende entgegen. Der Kunde ist nicht mehr dummer Konsument. Er informiert sich und will wirklich gute Produkte. Sorry about that. Aber jetzt heißt es wohl so langsam, wirklich sinnvolle Sachen produzieren.

Und dass ihr den Verfall eurer Produkte einbaut, obwohl sie deutlich länger halten könnten. Tut mir leid euch das sagen zu müssen liebe Hersteller. Auch das wissen wir mittlerweile und Beispiele dafür werden gesammelt. Also verkauft uns nicht für dumm. Verkauft uns gute Produkte (und zwar technologisch wie auch ethisch).

Oh und übrigens, die beste Werbung machen neben zufriedenen Kunden immer noch motivierte und glückliche Mitarbeiter, denen es noch erlaubt ist, menschlich zu sein und die nicht unter Dauerstress stehen. Beispiel gefällig? Wurde hier zum Beispiel anhand einer Story bei Kamps schön dargestellt!

Das Internet als Gewissen und Protokollant der politischen Kaste

Was gerade sehr akut auffällt. Das Internet wird vermehrt als Ressource genutzt um der Politik den Spiegel vor zuhalten. Wahlkampfaussagen, Politikerreden, Recherchen von Fernsehmagazinen aus der Vergangenheit, all das wird wieder ausgegraben und belegt, dass vieles was heute im Angesicht der Fukushima Katastrophe plötzlich aus Angst vor der Wählerstimme vorgebracht wird, nichts als leere Worthülsen sind. Dass exakt diejenigen, die nun betroffen auf die Opposition zeigen und ihr Stimmungsmache vorwerfen genau das mit diesem scheinheiligen Moratorium tun. Wenn die drei Monate vorüber sind, UND die wichtigsten Wahlen, wird wieder zur Tagesordnung zurückgekehrt, man will sich ja nicht die Atomlobby gegen sich aufbringen.

Die Politik ist durchschaubar geworden, und das auch durch das Crowdsourcing vieler, die alte Versprechen, alte Aussagen von Politikern wieder ausgraben und somit viele der aktuellen Betroffenheitsaussagen als das darstellen, was sie sind. Lügen und Fähnchen in den Wind drehen.