Zwischen innerer Kündigung und Burn out. Haben wir die Balance verloren?

BnChpcEIUAACobSMir fiel es wieder mal auf einer Konferenz auf. Die re:publica 2014 ein Konglomerat aus Netzaktivisten, Bloggern, Autoren, Journalisten und „ganz einfachen Leuten“.Und es vibriert vor Enthusiasmus, vor Begeisterung vor Lust, zu diskutieren, sich auszutauschen. Dennoch wirkt niemand gehetzt, gestresst. Man nimmt sich Zeit, wichtig ist nur das nächste gute Gespräch.

Auf der Fahrt nach hause, wo auch zu diesem Blogbeitrag die Grundlagen entstanden, machte ich mir dann so meine Gedanken. Warum ist es für viele Menschen im Alltag so viel anders? Warum erlebe ich bei meinen Recherchen und in meinen Workshops und Gesprächen immer wieder zwei sehr gegensätzliche Pole. Da sind zum einen die „geht mir doch weg mit dem ganzen Mist“ Charaktere. Sie machen zwar alles mit, was man ihnen (meist beruflich) vorgibt, sind aber weder mit Herz noch Verstand dabei. Ich nenne sie gerne die Automatenmenschen.

Eine interessante Session war „Burnout and Broken Comment Culture„, die mir vor Augen führte, dass selbst bei den Menschen, die eigentlich in emotional wie auch ökonomisch viel sinnhafteren Welten, denen des Aktivismus leben und arbeiten, viele bereits in die Ökonomisierungsfalle tappen, da sie ja meist gegen genau dieses System kämpfen müssen, und sich dazu oft derer Mittel bedienen müssen, so sehr sie diese auch hassen.

Und dann gibt es da die andere Seite. Traurigerweise meist nur bei den jüngeren. Die Menschen, die brennen für eine Idee, die sich für neues begeistern, die den Wandel leben und in ihrer Arbeit aufgehen, sie neu weiterdenken und enthusiastisch bei der Sache sind.
Das sind die Feuermenschen. Dazwischen? Meist gähnende Leere. Menschen in Balance, die zwar ihre Aufgaben ernst, aber nicht zu ernst nehmen, die willens und interessiert sind, etwas neues zu lernen, ohne es gleich bis ins Detail erfassen zu wollen. Fehlanzeige.
Für diesen Typus Mensch muss ich dann schon auf Konferenzen wie die re:publica fahren.

Oder könnte es sein, dass sich sowohl hinter den Flammen der Flammenmenschen als auch hinter den meist toten, kalten Blicken der Automatenmenschen eigentlich der wirklich Mensch nur versteckt?

Haben wir verlernt, ein Leben zu leben und leben nur noch eine Erwerbsarbeit oder fokussieren uns aus Angst vor Versagen so sehr auf unser Thema?

Denn eines habe ich auch bereits des öfteren beobachtet. Und hier kommt mir zum ersten Mal mein Alter zu gute. Viele der Flammenmenschen verlöschen irgendwann. Und wenn sie Glück haben, dann werden aus ihnen Automatenmenschen. Haben sie Pech, fallen sie gänzlich aus dem System und ihre Flamme verbrennt sie, sie erleben ihren ganz persönlichen Burn Out.

Eine ebenso inspirierende Session dazu war „One day we will be tired baby“:

Leider scheint auch dort die beste Botschaft zu sein: Werde selbständig, alles andere ist schwer.

Interessant hierbei, obwohl die Medien das häufig und gerne falsch koloportieren. Online Sucht ist KEINE anerkannte Erkrankung sondern eigentlich nur aus einem Witz eines Psychiaters entstanden.

Ich kenne in meinem Umfeld einige, die voller Begeisterung und Ideen für ein Thema, ihre Aufgabe gekämpft haben. Und plötzlich von Heute auf Morgen verschwunden waren. Länger, überraschend. Jüngster Fall mittlerweile 6 Monate und Rückkehr ungewiss.

Woher kommt das? Ich denke, es gibt mehrere Faktoren, die zusammenspielen und in der aktuellen Wirtschaftsgesellschaft verstärkt wirken.

Zum einen ist es der Fokus der gesamten Gesellschaft auf Ökonomisierung. Alles ist dem ökonomischen Aspekt unterzuordnen. Das greift mittlerweile sogar bis ins Privatleben. Wenn ich aber auch den Menschen zu einem Wirtschaftsfaktor, oder wie die schlipstragenden Beraterfuzzies so gerne sagen, zu einer fakturisierbaren Humanressource degradiere, dann muss diese Ressource eben auch wirtschaftlichen Kriterien genügen. Und diese heißen auch heute noch, obwohl wir es besser wissen müssten: Wachstum, mehr, besser, höher. Dabei hat jeder Mensch natürlich Grenzen. Und auch wenn uns das so manch einer einreden will: Eine Kultur der Spitzenleistung geht nur über einen sehr begrenzten Zeitraum. Denn niemand ist in der Lange IMMER sein bestes zu geben. Aber eben diese Spitzenleisterkultur fordert genau das.

Der nächste Denkfehler besteht darin, durch Rationalisierung nicht das erreichen zu wollen, was ich als die ureigenste Idee des Einsatzes von Maschinen betrachte, nämlich dem Menschen die Arbeit zu erleichtern. Nein, meist werden Maschinen eingesetzt, um den ach so unvollkommenen Menschen zu ersetzen oder in zu noch mehr Arbeit in der gleichen Zeit zu pressen. 100% Leistung, auch wenn eigentlich jeder wissen müsste, wie dumm diese Forderung ist.

Aber wir leben in einer Zeit der Manager, nicht der Unternehmer. Wer als Manager unternehmerisch denkt, der muss in einer Nische tätig sein, oder damit klar kommen, dass er seinen Posten nicht lange inne haben wird.
Schneller Profit, kurzfristiger Gewinn und der unsägliche weil extrem irrelevante „Shareholder Value“ bestimmen die Strategie eines Unternehmens, schon lange nicht mehr das Streben nach guten, nachhaltigen Produkten oder zufriedenen Kunden. Das hört man zwar dauernd in der Werbung. Aber wir wissen ja, wie ehrlich Werbung zu uns ist.

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Gefunden bei echtlustig,com, aber leider noch viel zu häufig wahr.

Wo ist hier aber nun der Unterschied zu dem situativen Kontext, wie ich ihn auf der re:publica erlebt habe?
Nun, dort wird nicht nach dem Wert eines Menschen gefragt, dort ist jeder Mensch per se wert. Dort müssen sich auftretende Unternehmen oder Firmenvertreter rechtfertigen, was sie denn jenseits von Shareholder Value zur Gesellschaft beitragen.

Oder um es einfach zu fassen, auf solchen Konferenzen geht es um die Gesellschaft der Menschen, während es im Alltag der meisten Menschen um die Ökonomie der Unternehmen geht.

Ersteres ist für den Einzelnen, letzteres für die anonyme Wirtschaft, die einem idiotischen weil selbstzerstörerischen Dogma des unendlichen Wachstums hinterherhinkt.

Und als „humaner“ Teil dieses Rädchens, so man nicht den großen Mut aufbringt, selbständig tätig zu werden und auf viele Annehmlichkeiten des Angestelltenlebens zu verzichten, um also als humaner Teil zu bestehen, tja, da gibt es außer in ganz wenigen Ausnahmen für die meisten Menschen nur zwei Lösungsszenarien, Verbrennen, oder verblassen, Innere Kündigung oder Burn Out. Und wenn man die Studien der letzten Jahre liest, erkennt man den Trend. Beides steigert sich.

Und anstatt sich um die wirklichen Gründe zu kümmern, anstatt zu entschleunigen und den Menschen die oft vor allem gewünschte Sicherheit zu geben, kommen dann Sprüche wie „Fördern und Fordern“, „Change-Management“ und der hundertste Workshop darüber, wie man besser miteinander arbeiten könnte, der dann nach einigen Monaten mitsamt der Ergebnisse in irgendeiner Schublade verschwindet und durch einen weiteren Workshop abgelöst wird.

Dabei ist es so einfach, man müsste nur den Druck rausnehmen, Freiheiten ermöglichen, Fehlerkultur nicht nur fordern, sondern auch leben. Aber wer seine Mitarbeiter immer noch jährlich im Gespräch „Führungskraft da oben, Mitarbeiter da unten“ bewertet, der wird auch weiterhin Verbrennen wie Verblassen erleben und nur auf ein ganz kleines Quäntchen von Mitarbeitern zurückgreifen können, die jenseits dieser beiden extreme (noch) arbeiten.

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Ich bin nicht always on oder sometimes off. Für mich ist Internet wie Strom: Es ist da, und ich nutze es.

Ich wage zu behaupten, wir dürften im Moment in den meisten Unternehmen fast nur noch Verblasser oder Verbrenner erleben. Erstere als das Heer der Arbeiterameisen, letztere als das Heer der Leittiere, die dann irgendwann auf der Führungsetagenschlachtbank landen.

Vielleicht ist es an der Zeit, der Wirtschaft mal vor Augen zu führen, dass sie, auch wenn sie das sicher nicht gerne hört, ohne eben diese ausbrennenden oder verblassenden Humanressourcen auf lange Sicht nicht existieren kann, und dass der Reichtum weniger auf eben den Schultern vieler „Humanressourcen“ entstanden ist. Auch wenn das die Wohlhabende Minderheit nicht hören will. So leid es mir tut, aber auch sie ist Teil der Gesellschaft und wird früher oder später darunter leiden, wenn es der Gesellschaft als ganzes nicht gut geht.

Und genau das erleben wir immer mehr.

Und zum Abschluß, die Stein Strategie: Für alle, die auch mal querdenken können.

Kündigung wegen Meinungsäußerung auf Facebook? Das Netz der Beobachtung wird immer kleiner

Wer einen Arbeitsvertrag eingeht, sollte sein Unternehmen im allgemeinen positiv nach außen vertreten. Öffentliche Beleidigungen des Arbeitgebers gelten als Kündigungsgrund. Nun bestätigt sich, dass diese Regel auch die Online-Welt erreicht hat. Wer es sich nicht verkneifen konnte auch die Kollegen auf Facebook als Freunde hinzuzufügen, sollte sich einmal diese zwei Fälle aus diesem Jahr durchlesen:

Der Facebook Kommentar

Vergangenen Donnerstag hatte laut Medienberichten das Landesarbeitsgericht Hamm entschieden, dass die Kündigung eines 26-Jährigen wegen beleidigenden Facebook-Äußerungen rechtsmäßig war. Der Auszubildende hatte auf seinem Facebook-Profil geschrieben, sein Arbeitgeber sei ein Menschenschinder und Ausbeuter. Er beschwerte sich weiter, dass er  „dämliche Scheiße für Mindestlohn minus 20 Prozent erledigen“ müsse. Die darauffolgende Kündigung ficht der Mann gerichtlich an. In erster Instanz wurde die Kündigung als rechtswidrig bezeichnet. Mit Hinweis auf die mangelnde Reife des Mannes entschied das Arbeitsgericht in Bochum, dass interne Disziplinarmaßnahmen sowie ein klärendes Gespräch der Sache genüge getan hätten. Das Landesgericht vertrat allerdings eine andere Meinung: Der Mann hätte wissen müssen, dass seine Bemerkungen öffentlich und beleidigend sind. Er hätte die Konsequenzen in Betracht ziehen müssen. Damit wurde die Kündigung in zweiter Instanz aufrecht erhalten.

Der “Like-Button”

Der feine Unterschied: eine direkte, beleidigenden Aussage auf einem öffentlichen Netzwerk wie Facebook ist ein ausreichender Kündigungsgrund. Das Betätigen des “Like-Buttons” auf Facebook möglicherweise auch, aber nicht zwingend. Das geht zumindest aus einem Urteil des Arbeitsgerichts Dessau-Roßlau hervor. Geklagt hatte eine Sparkassenangestellte, die wegen dem Anklicken eben dieses “Like-Buttons” aus ihrem Job entlassen wurde. Im Vorspiel ging es um eine Kommunikation zwischen der Klägerin und ihrem Ehemann auf Facebook. Die Klägerin kommentierte den Bezug Ihres Mannes auf ein Sparkassen-Schwein – getauft mit den Namenihres Vorgesetzten – mit der Bemerkung, dass alle Schweine irgendwann einmal “vor dem Metzger” stehen würden.  Außerdem postete der Ehemann auf Facebook ein Fisch-Piktogramm, auf dem das Sparkassen-Logo den Mittelteil des Fisches darstellte. Er kommentierte: “Unser Fisch stinkt vom Kopf”. Die Klägerin versah diesen Kommentar mit einem “Like” – öffentlich sichtbar für 155 Facebook Freunde, unter anderem auch Angestellte und Kunden dieser Sparkasse. Die Vorgesetzten werteten das als einen Image-Schaden für die Sparkasse, herbeigeführt durch die Klägerin, und stellten eine fristlose Kündigung aus.

Das Gericht entschied am Ende, dass diese Kündigung nicht rechtens war. Zur Begründung erklärte das Gericht, die Klägerin könne nicht für öffentliche Äußerungen ihres Ehemannes (sprich, der Kommentar über den Fisch oder die Namensgebung des Sparschweins) zur Verantwortung gezogen werden. Desweiteren konnte nicht eindeutig bewiesen werden, ob die Klägern den “Like-Button” selbst betätigte, oder ihr Ehemann, der Zugang zu ihrem Facebook Account hatte.

Das Fazit

Beide Fälle mahnen jeden Arbeitnehmer zur Vorsicht. Der Fall des Auszubildenden zeigt, dass beleidigende Aussagen über den Arbeitgeber auch in der virtuellen Öffentlichkeit zur Kündigung führen können. Der Fall der Sparkassenangestellten ist etwas komplizierter, da Teil der Verantwortung bei ihrem Mann lag und weitere mindernde Umstände hinzu kamen. Wenn man die Begründung des Gerichts ließt, bekommt man allerdings den Eindruck, dass im Allgemeinen eine Kündigung wegen ein paar “falscher” Klicks auf dem Notebook durchaus möglich ist. Das Gericht bewertete das Anklicken des “Like-Buttons” als Zustimmung für die abwertenden Aussagen über den Arbeitgeber Die Klägerin hatte lediglich Glück, dass nicht eindeutig geklärt werden konnte, wer da nun auf welchem Notebook seine Zustimmung ausdrückte – und Kündigung auf Verdacht ist in so einem Fall definitiv nicht legal. Es ist natürlich sehr einfach sich am Ende eines langen Arbeitstages am Notebook oder Smartphone auf Facebook und Co. freie Luft zu machen. Jeder sollte sich in jedem Falle aber bewusst werden, dass die Zahl der Facebook-bezogenen Gerichtsverfahren am Zunehmen ist. Der Arbeitgeber oder auch die Arbeitskollegen sind vielleicht nicht immer nur Facebook “Freunde”.