Amazon.de hat den Kindle im Programm. Mit deutschem Buchangebot. Eine Einschätzung

Jetzt ist es soweit. Man kann den Kindle nicht nur in Deutschland kaufen (allerdings immer noch in einer internationalen englischen Version) sondern auch deutsche Bücher. Laut Amazon im Moment ca. 650 000 Bücher (allerdings nicht ganz ehrlich, denn dabei sind auch viele kostenlose Klassiker).

Es wird also spannend, nun auch auf dem deutschen Markt. Die großen Vorteile sind Amazons etablierter Shop im Netz und ein Lesegerät, das zumindest von der Haptik viele ansprechen wird. Zugleich kann man mittels Amazons „Whispernet“ kostenlos über 3G Bücher jederzeit und überall herunterladen (für manch einen Geldbeutel nicht wirklich gut). Dinge, die mich dennoch auch an der deutschen Version stören:

Nicht der Kindle, kein Wireless,nicht mal 3G, aber nur 150 Gramm, 2GByte Speicher und sehr kompakt. Meine Frau ist begeistert.

Zum einen Amazons proprietäres Buchformat, das mich dazu zwingt, diese Bücher weiterhin auf Amazons Kindle oder auf Devices mit installiertem Kindle reader zu lesen, und das es unmöglich macht, die Bücher auf einem anderen Reader zu lesen. Zum anderen kanibalisiert sich Amazon in gewissem Sinne gerade selbst. Sie sind sehr spät dran mit dem Kindle in Deutschland, bieten ihn aber nicht mal in einer deutschen Version an und gleichzeitig gibt es erste Gerüchte über ein Amazon Tablet, das Apples Ipad Konkurrenz machen soll.

Für meinen Geschmack kommt der Schritt auf den deutschen Markt viel zu spät und das proprietäre Format wird hier eher hinderlich sein. Einziges Alleinstellungsmerkmal ist das für den Nutzer kostenlose „Whispernet“, mit dem man on the fly überall unterwegs Bücher kaufen/herunterladen kann. Aber mal ganz ehrlich. Wie oft muss ich mir unterwegs noch ein Buch kaufen und komme nicht, wenn es so dringend ist an irgendein WLan. Zum anderen sehe ich gerade einen Rückwärtstrend weg von den spezialisierten Devices zurück zu den All in One geräten. Erste Beispiele sind das HTC Flyer, das mittels ansteckbarer Tastatur sowohl Netbook als auch Tablet ist und ebenso das Motorola Atrix, das sich über eine Dockingschnittstelle an eine Bildschirm/Tastaturkombi anschliessen lässt und dann ebenfalls zum Netbook mutiert, und auch das Asus Eeepad Transformer sieht sehr vielversprechend aus. Warum soll ich also X Devices nutzen, wenn ich alles in einem Gerät haben kann. Letztlich würde mir ja ein Gerät reichen, das zumindest für 2-3 Tage durchhält, womit ich also einen ganzen Tag lang auf voller Leistung arbeiten kann, ohne es aufladen zu müssen.

Aber das scheint der Industrie nicht zu passen. Man könnte dann ja mit dem Gadgetkonsum aufhören.

Im Moment warte und beobachte ich lieber. Weil ich einfach langsam die Lust daran verliere, mich auf das nächste kurzfristig gehypte Gadget zu stürzen, das dann nur die Taschen noch schwerer, den Geldbeutel noch leerer und den Technikfuhrpark zu hause noch unübersichtlicher macht. Für mich wird die nächste Strategie sein, erst mal weglassen und erst wenn das Hauptdevice (das im Moment aus zweien besteht, meinem Notebook und meinem Smartphone) ausfällt, wird nach einer All in One Kombi a la HTC Flyer oder Asus EeePad Transformer gesucht.

 

Die EBook Card, EBuchkauf ganz ohne DRM

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Die EBook Card, noch in der Klarsichthülle

Heute ist sie angekommen, meine EBook Card von epidu! Innen eine BuchID, mit der ich mir das erworbene Buch ganz ohne störendes DRM runterladen kann.  Eine wirklich elegante Lösung und ich hoffe,  bald auch Beilage in richtigen Büchern um sich dann auch die digitale Version herunterladen zu können.

Das innere der EBook Card. Unter dem silbernen Streifen verbirgt sich noch die Buchnummer zum Download.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Auf www.epidu.de kann man sich im Shop die EBook Card für das Buch erwerben. Diese kommt kurz darauf per Post. In der Card ist ein Feld zum Freirubbeln mit einer ID, die man auf der Seite www.ebookcards.de eingibt und sich dann das entsprechende Buch herunterladen kann.
Gefällt mir sehr.
Im Moment gibt es natürlich nur die Bücher, die bei epidu auch verlegt werden, aber ich hoffe, daß diese Idee weitere Freunde findet!

Und der Download lief auch völlig problemlos. Das Ebook ist bereits auf meinem Sony Reader gelandet 😉

Mit Twitter und Facebook am Social Book schreiben. Collaborative Writing

Wieder ein neues spannendes literarisches Konzept, das so erst durch die Social Media Plattformen möglich wird:
Bookrix erlaubt, via Twitter und Facebook Updates an einem gemeinsamen EBook zu arbeiten.

Zitat Bookrix:
Im Schnelldurchlauf: Wie funktioniert SocialBook?

Eine Person legt auf BookRix ein SocialBook an und lädt seine Twitter-, Facebook- oder BookRix-Freunde ein als Co-Autoren daran mitzuschreiben.

Die ausgewählten Co-Autoren folgen dem Link in der Einladung, verknüpfen ihren BookRix-Account mit ihrem Facebook- bzw. Twitter-Account und können sofort an dem Buch mitschreiben.

Alle Facebook-Statusmeldungen bzw. Tweets der Freunde, die das festgelegte Hashtag (Stichwort) enthalten, werden im gemeinsamen SocialBook auf BookRix veröffentlicht.

Was benötige ich um SocialBook nutzen zu können?

Du benötigst einen BookRix-Account, um ein SocialBook anzulegen oder daran mitschreiben zu können. Hier kannst Du Dich kostenlos registrieren.

Zudem brauchst Du entweder einen Twitter- oder Facebook-Account, den Du mit Deinem BookRix-Account verknüpfen musst.

Das Konzept finde ich sehr spannend, zumal ich mir durchaus vorstellen kann, in kurzen Pausen, bzw. abends gemeinsam mit anderen Interessierten etwas zu schreiben, die grösste Hürde ist ja meist der Zeitaufwand.
Vor allem finde ich es spannend, daß durch die neuen sozialen Plattformen auch das „gute alte Buch“ wieder unter ganz neuen Aspekten gesehen wird. Epubli, Epidu und jetzt BookRix bringen ganz neue Ideen, Aspekte und Konzepte in die Welt der Literatur. Das Buch ist nicht tot. Ich finde, in Zeiten neuer Medien werden sie gerade auf mannigfaltige Weise wiederbelebt!

Das Tablet ist NICHT die Lösung liebe Verleger

In der Süddeutschen war heute zu lesen: Die iPad-Illusion „Tablet-Computer sollen die Zeitungsbranche retten, weil Nutzer Geld für Nachrichten zahlen. Doch eine Zwischenbilanz zeigt: Der Traum könnte sich als Chimäre entpuppen. “

Damit meint die Süddeutsche, daß die erwarteten glorreichen Umsätze mit Zeitungsapps offensichtlich doch nicht so eintreffen wie erwartet. Nun denn. Analysieren wir die Gesamtsituation doch mal ganz ehrlich. Zum einen. Im Gegensatz zum EBook Reader ist ein IPad ein MULTIMEDIA Device. Mit herkömmlichen reinen Print- und Bildapps kommen die Verlage da nicht weit, denn es gibt ja auch noch Video, Audio UND Spiele. Und ich wage zu behaupten, daß für die meisten Käufer des IPads und ähnlicher Devices das Gerät definitiv kein Arbeitsgerät ist. (Es sei denn, es gehört hauptsächlich Konsumption zur Arbeit des Besitzers). Sobald ich selbst Texte verfassen oder aktiver auf Twitter oder Facebook unterwegs sein will, brauche ich eine Tastatur oder zumindest eine schnelle und effiziente Eingabemethode.

Zum anderen wird der Markt in diesem Jahr meiner Ansicht nach nicht so explodieren, wie manche das erwarten. Denn der erste Hype ist durch, ich kenne bereits einige Nutzer, die desillusioniert von ihren Tablets wieder zu Notebooks und Smartphones umschwenken, denn ein Tablet ist nun mal kein Arbeitsgerät, mal ein paar Nischen ausgenommen.

Außerdem, sooo günstig ist eine Zeitung auf dem App auch nicht, selbst wenn sie günstiger angeboten wird. Denn das Lesegerät ist inital sehr teuer. Und da es sich um ein technisches Gerät handelt ist die Lebenszeit begrenzt und durch den Hypefaktor limitiert, so daß in mind. 2-3 Jahren das Nachfolgegerät kommen muss. Nun hat der typische Tablet Nutzer aber auch noch Smartphone und Notebook, die auch in regelmäßigen Rhythmen ersetzt werden müssen. Alles in allem, je mehr Gadgets man besitzt ein um so teurerer Spaß.

Und einer der schönen Seiteneffekte des Webs ist ja, daß ich mir meine Nachrichten aus verschiedenen Quellen zusammenstellen kann. So lange die Verleger immer noch ganze Zeitungen im Abo anbieten, werde ich mich hüten, mich digital nur an eine Zeitung zu binden. Dann doch lieber der breiter gestreute Dienst, den ich über einen RSS Feed beziehe.

Sicher, Tablets werden weiterhin am Markt bestehen. Aber auch hier ist der Hype bald vorbei, und dann werden wir alle merken, daß ein Tablet weder ein Smartphone, noch einen Notebook ersetzt und somit als weiterer Ausgabeposten wohlüberlegt sein will. Ich nutze zur Zeit „noch“ einen gebrauchten Tablet PC, der aber bei weitem häufiger mit Tastatur, als nur als reines Tablet genutzt wird. Und er wird mit Sicherheit nicht durch einen weiteren oder gar ein Tablet ersetzt werden. Wohlgemerkt, es geht mir NICHT um die Sinnhaftigkeit von Touchscreens. Aber als alleinige Eingabemöglichkeit finde ich sie schon bei Smartphones gerade noch tolerierbar, da ich auf einem Smartphone eher keine längeren Texte schreiben werde.

Letztlich empfand und empfinde ich günstige (also ca. 50 Euro teure) EBook Reader immer noch als die bessere Alternative, da hier das Leseerlebnis angenehmer und das Budget bei weitem nicht so strapaziert ist!

Das EBook ist keine Konkurrenz zum Buch, eine Streitschrift

Zunächst. Ich nutze einen EBook Reader. Und ich habe es genossen, im Urlaub 7 Bücher dabei zu haben, die ich auch alle gelesen habe (nein, ich schaue abends in der Regel kein Fernsehen, sondern lese lieber).

ABER: Es gibt immer noch Aspekte, die ich am klassischen Buch schätze und Defizite vor deren Klärung ich mich nicht wirklich auf eBooks einlassen werde. Grösstes, elementarstes Manko. So lange EBooks noch mit DRM verkauft werden, kommen sie für mich als primäre Lesequelle einfach nicht in Frage. Ich kann sie nicht verleihen, wenn ich sie in der Familie weitergeben will, braucht jeder einen EBook Reader, was mir, zumal die EBooks gleich teuer wie ihre sehr einfach verleihbaren, und ohne Strom nutzbaren papierenen Vorfahren sind. Zudem scheint die ganze EBook Szene sich wieder von den gut lesbaren und mit langer Batterielebensdauer zu den schlecht lesbaren TFTs und leuchtenden Bildschirmen zu wandeln, deren Batterielaufzeit für die Lektüre eines Buches ebenfalls eher schlecht ist.

Zum anderen muss selbst ich gestehen, dass ich auch bibliophil im Sinne eines Bücherfreundes bin. Gerade bei besonderen Editionen, greife ich manchmal zu, weil ich gerade das mir so ans Herz gewachsene Buch in einer edlen Form haben möchte.

Und da ich auch ein Bücherwurm mit manchmal etwas besonderen Interessen bin (siehe das Gesamtwerk von Pepys) gibts es für meinen literarischen Geschmack noch viel zu grosse Lücken. Ach ja, und  nochmal. Mit DRM werde ich nie ganz auf eBooks umsteigen. Vielmehr erwarte ich von der Buchbranche eine Lösung, die es mir erlaubt, ein Buch sowohl in Papierform als auch als EBook zu lesen, ohne gleich zweimal für das gleiche Werk zahlen zu müssen. Und dann ist da noch das Problem des gebrauchten Buches, des Weitergebens eines gelesenen Buches und besonders für mich als bibliophilen Menschen und das mag jetzt old school oder rückschrittlich klingen. Mir fehlt auch die physische Präsenz eines schön gebundenen Buches mit Leineneinband im Regal.

Wie seht ihr das werte Leser? Selbst ich als early adopter bin im Moment hin- und hergerissen und habe zum Beispiel bereits festgestellt, dass die wenigen mit DRM verhunzten Bücher, die ich mir bislang bei Online Buchhändlern gekauft habe nicht wirklich in meinem Besitz sind, daß ich sie z.B. nicht so einfach an meine Frau weitergeben kann, die zwar auch einen EBook Reader hat, aber auf dem die DRM Bücher extrem langsam geöffnet werden und die Kapitelwechsel extrem lange dauern.

Für mich gibt es drei Knackpunkte, die für mich den Hype um EBooks wieder stark dämpfen könnten.

a) Die sehr gut und angenehm lesbaren und zudem sehr energiesparenden EInk Displays weichen wieder den leuchtenden mit kurzer Laufzeit behafteten Displays solcher Devices wie dem IPad, das definitiv kein guter EBook Reader ist. Für mich ist die Aufgabe eines EBook Readers, ein möglichst optimales Leseerlebnis zu bieten. Dazu brauch ich weder WLan Anschluss, noch EMail Abfrage, Kalender oder gar Textverarbeitung. Dazu brauche ich ein auch in der Sonne sehr gut lesbares Display, einen EBook Reader unter 50 Euro und eine möglichst lange Batterielaufzeit

b) Es bleibt weiterhin beim DRM, was das Weitergeben eines ausgelesenen Buches sehr schwer macht, wohingegen ich einen Roman in Papierform sehr einfach einem Freund geben kann. Zumal ich auch nie weiß, ob der andere mein EBook Format überhaupt auf seinem Reader lesen könnte? So lange es hier noch mehrere Formate gibt, ist auch das eine elementare Hürde.

c) Ich muss mir ein Buch in Papierform als EBook nochmal kaufen. Solange das noch der Fall ist, werde ich mir jedes Buch, das  mir für längere Zeit zur Verfügung stehen soll, lieber in Papierform kaufen, denn was passiert, wenn mein EBook Reader kaputt geht? Dann ist dank idiotischem DRM das EBook ggf. weg oder es kostet mich indirekt nochmal was, da ich mir ja einen neuen EBook Reader anschaffen muss, der an sich ja nur sehr teure Hülle für ein Buch ist. Das Buch aber, wenn es auf dem Reader gespeichert ist, hat keinen wirklichen Wiederverkaufswert, zumindest nicht in einer von DRM verseuchten unterschiedlichen Formaten von EBooks und einer im Gegensatz zum Buch unklaren Rechtslage, was das Buch angeht.

EBooks sind an sich eine geniale Idee. Aber auch hier haben sich die Anbieter wieder zu sehr in verschiedenen Formaten und in einer viel zu schnellen Modellwechselquote verheddert, anstelle sich auf das EBook an sich zu konzentrieren. Es wäre so einfach. Jedes papierene Buch, z.B. jedes Hardcover hat als Beigabe einen speziellen Code, mit dem man sich die DRM freie EBook Version herunterladen kann.

Jetzt bitte ich um Kommentare, oder sollte ich hier etwa recht haben?

Gartner prophezeit 10 Veränderungen der Arbeitswelt. Ein kritischer Kommentar

Interessant, wie sich manche Themen zu gewissen Zeiten geradezu aufdrängen. Da lese ich aktuell gerade „Morgen komm ich später rein“ von Markus Albers (dessen Buch „Meconomy“ auch ein klarer Lesetipp ist). Und jetzt vermeldet Gartner 10 Veränderungen für die Arbeitswelt binnen der nächsten 10 Jahre.

Vieles, was Gartner prognostiziert, wünsche ich mir selbst, bzw. erwarte ich selbst für die Zukunft. Aber leider sind auch viele Aspekte dabei, die zwar wünschenswert sind, aber sicherlich speziell von denen, die Arbeit controllen, so nicht mal gedacht werden können.

Die Thesen mit einem Kommentar von mir:

1. De-routinization of Work

Gartner sieht hier weiterhin Aufgaben für die Angestellten, die sich aber wegbewegen von einfachen Routineaufgaben, hin zu den Aufgaben, die speziell nur der Mensch bearbeiten kann. Das ist eine positive Entwicklung, verschärft meiner Ansicht nach aber zum einen das Fachkräfteproblem, da ich jetzt sehr spezifische Skills brauche und lässt das Heer der schlecht ausgebildeten Langzeitarbeitslosen wachsen. Und es gibt durchaus auch einfache Tätigkeiten, die zwar ein Computer leisten kann, die ich aber immer noch am liebsten von einem Menschen erledigt haben möchte (Stichwort Telefonservices)

2. Work Swarms
Gartner identifiziert hier Teams anstelle von Einzelleistungen und den Schwarm, der sich nur kurzfristig aus Mitarbeitern bildet, die z.B sonst in verschiedenen Teams arbeiten aber jetzt für eine spezielle Aufgabe schnell zusammen agieren, evtl. auch nur virtuell um sich danach sofort wieder anderen Themen zu widmen. Hier wird stark die Rolle des mittleren Managements in Frage gestellt, da solch schnelle Selbstorganisation nur durch unmittelbares Agieren ohne Kontrolle von oben gut funktioniert.

3. Weak Links
Diese Verbindungen existieren schon heute, wenn man stark in sozialen Netzwerken agiert, wo man schnell und unbürokratischen Austausch pflegt. Problem wird hier wiederum der Verlust der Hierarchien sein, da hier keine Manager den Austausch kontrollieren, anfordern oder lenken können. Er entwickelt sich dynamisch aus Aufgaben und Interessen der Beteiligten.

4. Working With the Collective

Hier sind Gruppierungen gemeint, seien sie unter Kontrolle des Unternehmens oder außerhalb, die über Wohl oder Wehe eines Unternehmenserfolges mitbestimmen. Ganz klar eine solche Gruppe sind natürlich die Kunden. Aber das geht noch weiter, auch NGOs oder Meinungsbildner im Netz oder den Medien können beeinflussend wirken. Ebenso kann hier die Dynamik der sozialen Netze schnell für ein Unternehmen zum Erfolgsfaktor oder auch zum Misserfolg führen (Streisand Effekt). Ein richtiger, ehrlicher Umgang ist hier von Nöten und es gilt neue Wege zu finden, offener und ehrlicher mit Kunden wie mit Partnern zu kommunizieren, denn die Zeiten eines Unternehmens „da oben“ und der Kunden „da unten“ sind bald vorbei. Dann heisst es, die Rolle des gleichberechtigten Partners zu akzeptieren und zu verinnerlichen, will man nicht vom „Kollektiv“ ab gestraft werden.

5. Work Sketch-Ups
Gartner meint hier, dass gerade die Nicht-Routine Tätigkeiten nicht mehr nach vorgegebenen Standardabläufen bearbeitet werden. Das ist insofern nur logisch, da mich die Verwaltung und Kontrolle der Einhaltung solcher Standardverfahren viel zu viel Zeit kostet und letztlich durch den informellen Kreis das in dieser speziellen Situation optimale Verfahren angewendet wird, das durchaus auch erst im Prozess der Tätigkeit entstehen kann.

6. Spontanous work
Hier beschreibt Gartner den Horror eines jeden Controllers, da hier pro-aktive Tätigkeiten, Ideenfindung, arbeiten ohne direkten Auftrag gemeint ist. Wenn ich frei bin von Routinetätigkeiten kann ich meine kreativen Potentiale nutzen. Aber wie soll hier der direkte Nutzen gemessen werden, wer bestimmt eine „freie Tätigkeit“. Und auf welchen Posten buche ich Arbeiten, die jetzt noch gar keinen Auftraggeber haben. Andererseits stecken gerade hier, wie Unternehmen wie Google zeigen die Potentiale für neue marktfähige Ideen, die das Unternehmen wirklich voranbringen, die aber im „Alltagsgeschäft“ untergehen. Leider wird hier auch ein großes Problem sein, dass sich schnell eine Neidkultur entwickelt. Denn so hart das klingen mag. Wer sich nicht selbst organisieren kann, wer nicht die nötige Selbstdisziplin und vielleicht auch nicht das nötige Können hat, der wird neidisch auf diejenigen blicken, die frei, die kreativ arbeiten. Schon heute gibt es zwischen Kreativen und den „Echten Schaffern“ eine Neiddebatte. Die ist zwar dumm aber wird leider geführt.

7. Simulation and Experimentation
Hier kann man ganz klar sagen, ja, das passiert schon heute schon. Viele Prozesse werden heute nicht mehr im Realen durchgeführt, sondern virtuell. Eines der schönsten Beispiele sind Crashtests. Der kritische Aspekt ist, wie erhalte ich Gewissheit, dass die Simulation auch die Realität abbildet, wie schütze ich mich vor Fehlinterpretationen oder vergessenen Rahmenparametern. Und wer bezahlt mir das ganze? Auch hier wieder zeigt sich, daß die Zeit der Erbsenzähler, der Human Ressource Denker vorbei ist, will ein Unternehmen auch für die Zukunft gut aufgestellt sein.

8. Pattern Sensitivity
Wichtig. Und ein Trend in sich. Bestes Beispiel hierfür die Entwicklung zuerst der Netbooks, die von vielen belächelt sowohl den eigenen Markt gefunden haben, als auch den Markt für Notebooks zu einer Umorientierung in der Preispolitik gezwungen haben. Ähnliches geschieht bei den EBooks Readern und bei den Tablet PCs. Es wird immer wichtiger, Muster zu erkennen, die sich im Geschäftsumfeld entwickeln, und die ggf. Einfluss auf die eigene Geschäftspolitik haben können.

9. Hyperconnected
Wir sind immer vernetzter. Gartner sieht hierin heute das Problem und morgen die Lösung in dem sich Firmen ihrer starken Vernetzung innerhalb und mit den Kunden bewusst sind und diese Vernetzung fördern, statt sie unter Kontrolle halten zu wollen. Hier sehe ich zum Beispiel die sozialen Netze und die Business Netzwerke als gute Beispiele für die Richtigkeit der These. Viele meiner Tipps für Problemlösungen erlange ich durch Crowdsourcing, durch die Frage, die ich an die Netzcommunity stelle und die mir sehr oft durch jemanden beantwortet wird, der entweder selbst die Lösung kennt, oder jemanden kennt, der sie kennt, oder jemanden….

10. My Place
Mit Sicherheit für mich das Schlüsselthema der Zukunft. Die Arbeitszeitmodelle des 9-17 Uhr Jobs gelten für immer weniger Bereiche. Wissensarbeiter, gerade im internationalen Kontext können theoretisch immer und überall arbeiten. Das bedingt zum einen die Disziplin, auch nicht erreichbar, privat zu sein. Zum anderen eröffnet es aber auch ganz andere Möglichkeiten, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, dann zu arbeiten, wenn man kreativ ist, wenn die Arbeit auch leicht gelingt, anstelle im Büro sitzen zu müssen, nur weil man nicht für das Ergebnis sondern für die geleistete Arbeitszeit bezahlt wird. Als Wissensarbeiter ist es eigentlich irrelevant, wo ich arbeite, solange ich einen Netzzugang habe, kann das auch von zu hause aus, auf Dienstreise oder im Cafe um die Ecke sein. Aber auch dies bedeutet einen Kontrollverlust für meine direkten Vorgesetzten. Sie müssen sich mehr darauf fokussieren, ob meine Aufgabe in Time erledigt wird und nicht, ob ich die vorgeschrieben Zeit gearbeitet habe. Sie müssen damit leben, dass ich beginne, effektiv zu arbeiten und aufhöre, effizient zu sein.
Ich lebe schon längst nach diesem Modell. Meinen Beruf gebe ich nicht einfach am Ausgang ab, ich recherchiere, forsche, schlicht arbeite auch, wenn ich zu hause am Rechner bin. Leider noch nicht so flexibel, wie ich es mir wünschen würde aber ich bin da zuversichtlich. Oder um es mit Markus Albers zu sagen: „Morgen komm ich später rein“, diesen Satz hoffe ich, in Zukunft wirklich mal auch bei mir im Büro sagen zu können 😉

Alles in allem ein paar gute Punkte, ich zweifle jedoch, ob alle so einfach umsetzbar sind und daher wirklich in 9-17 Uhr Unternehmen ankommen werden. Denn bei all diesen Punkten muss eins am Anfang stehen. Ein Umdenken im Umgang mit den Mitarbeitern, ein Umdenken im Umfang des Kontrollwahns und das Bewusstsein, dass man auch in der Arbeitswelt loslassen muss, um wirklich gutes zu leisten. Der Flow ist auch für den Angestellten ein Gewinn. Wenn er zugelassen wird.

Letztlich trifft es das Bild, das Albers in seinem Buch „Meconomy“ zeichnet doch meiner Ansicht sehr gut. Auch wenn ich Angestellter bin, werde ich in Zukunft immer mehr wie ein Freiberufler arbeiten, mit flexibleren Arbeitsorten und Zeiten, mit neuen Arbeitsmodellen und ggf. auch mit anderen Denkmustern, was die Trennung von Privat und Beruf angeht. Ob wir das wollen, kann ich nicht sagen, ich will es, wenn es von beiden Seiten gelebt wird. Denn für mich stellt all dies einen klaren Schritt hin zu einer erfüllenderen, und auch zu einer familienfreundlicheren Arbeitswelt dar. Wenn auch ich als Arbeitnehmer mehr Verantwortung übernehme. Auch und gerade beim Planen von Auszeiten, bei Quality Time und beim beachten meiner „Work Life Balance“.

Update: Auch Stefan Pfeiffer bespricht in seinem Blog die Studie von Gartner und zeigt, dass in innovativen Unternehmen wie der IBM vieles davon schon längst gelebt wird.

das Problem der eBooks ist ihre Lagerung

Was hindert viele Menschen daran, sich eBooks wirklich anzunähern? Das frage ich mich schon lange. Ein Aspekt, der sich für mich immer mehr herauskristallisisert ist die Lagerung der gekauften EBooks. Wenn ich in einen Buchladen gehe und mir ein Hardcover oder ein Paperback kaufe, habe ich ein physikalisches Objekt, das ich in ein Regal stellen kann und dort auch immer zur Verfügung habe. Anders beim eBook; das existiert nur als virtuelles Objekt, als Bits und Bytes auf meiner Festplatte.

Ebook Reader
Bücher auf dem Reader, aber wo ist das Archiv?

Aber damit ich es nicht verliere, muss ich dieses Buch sichern. Und da auch Sicherungsplatten mal kaputt gehen können, muss ich es umkopieren, muss mir Gedanken über Backups machen. Alles sehr umständlich. Mein Wunsch daher. Ein Online Regal, in dem ich meine Bücher, auch die unnötigerweise mit DRM versehenen, ablegen kann. Idealerweise mit Backup Garantie. Ich selbst nutze hierzu Dropbox und Wuala als Online Festplatten. Aber diese Lösung halte ich für den durchschnittlichen Computernutzer für zu kompliziert. Es müsste sich um eine Art Bibliothek handeln, die visuell möglichst nahe an ein echtes Bücherregal heranreicht. Dienste wie bookworm.oreilly.com oder feedbooks.com bieten hier erste gute Ansätze.

Regale 1.0, aber wie sehen die Bücherregale der Zukunft aus?

Aber leider sind hier noch die DRM Bücher aussen vor. Also endlich weg mit diesem DRM Blödsinn. Damit wir auch in Zukunft auf unsere gekauften eBooks zugreifen können. Denn nichts ist so alt wie die verschlüsselten Bits und Bytes von gestern.

Und übrigens, sollte jemandem dieses Problem bekannt vorkommen: Richtig, ein ähnlich gelagertes Phänomen sehe ich bei Digitalfotos. Auch sie muss ich lagern und je höher die Pixelzahlen der Kamerauflösungen werden, um so mehr Datenspeicher, um so breitere Datenleitungen brauche ich, um meine Bilder überhaupt noch sicher verwahren zu können. Der Schuhkarton ist längst der CD und diese wiederum der DVD gewichen (heute Dual Layer, weil auch Single Layer längst nicht mehr reicht). Auch die Online Bildarchive müssen immer weiter steigende Datenmengen ablegen. Und keiner kann mir wirklich die Frage beantworten, wer ist gekommen um zu bleiben, wo werden meine Bilder auch noch in 10 – 20 Jahren zu sehen sein

Das esoterische Halbwissen der Technophobiker erinnert an pseudowissenschaftliche Alternativmedizin

Die New York Times in Gestalt von Nick Bilton berichtet in einem ihrer Blogs: „No e-Books allowed in this establishment“, dass offensichtlich in Cafes und Restaurants in New York langsam eine gewisse Technophobie ganz unreflektiert Einzug hält. Es werden eBook Reader in einen Topf mit klassischen Computern geworfen und verboten. Wie albern ist das denn? Aber das erinnert mich an die Technopobiker in meinem Umfeld, die Angst vor UMTS Sticks und Handystrahlung haben, aber sich nur selektiv über die Effekte und die dahinter liegenden Technologien informieren. Kritik an einer Technologie, wenn sie fundiert ist, akzeptiere ich gerne. Aber leider haben die meisten Menschen ganz offensichtlich Angst vor etwas, weil sie es eben nicht verstehen, nicht durchschauen. Da siegt also Ignoranz über Wissen, um es mal genau so agressiv zu formulieren, wie es die Technophobiker Gemeinde tendenziell tut