Warum das Büro der Zukunft leider so sein wird wie heute

Ich bin ein Verfechter, moderner Arbeitswelten, das ist mittlerweile sicher all meinen Lesern bekannt. Aber mittlerweile tritt bei mir so etwas wie Ernüchterung ein, wenn ich Artikel und Kommentare in der Fachpresse verfolge.

Jüngstes Beispiel, die Überwachung der Mitarbeiter bezüglich Terrorverdachts bei Daimler und die Ausnahme für die Führungskräfte.

Wir messen offensichtlich weiterhin mit zweierlei Maß. Da gibt es immer noch den „bösen Arbeitnehmer“, dem man offensichtlich nicht vertrauen kann und die gute Führungskraft, die alles für das Unternehmen opfert.

Mit Sicherheit keine richtige Sichtweise, aber auch mit Blick auf die immer noch traurige Situation auch um zum Beispiel Frauen in Führungspositionen fürchte ich. Ein Wandel wird nicht Jahre, sondern Jahrzehnte brauchen und wohl erst dann wirklich eintreten, wenn wir alle freiwillig arbeiten, weil es einfach nicht mehr genug Arbeit gibt, um an dem Traumbild der guten und erfüllenden Arbeit für alle festzuhalten.

Wir haben traumhafte Arbeitslosenzahlen. Wenn man alle Rechentricks heranzieht, deren unsere Arbeitsagenturen (die Mangelverwalter der Nation) und die Regierung fähig sind und die Visionen er Wirtschaftsweisen immer noch Ernst nimmt, die wie die Vergangenheit doch zur Genüge zeigte jenseits jeder Realität sind.

Es wird auf mittelfristige Sicht leider immer noch eine kleine sich selbst schützende Gruppe von an der Machtpositionen klammernden Menschen geben und eine große Masse, die eigentlich einfach nur in Ruhe und mit hinreichend Geld um sich und die Familie zu ernähren leben will.

Und erste wird auch mittelfristig letzterer das Leben schwer machen. Noch sind die Machtverhältnisse in vielen Bereichen zu zementiert. Und Wandel in diesem Bereich braucht wohl doch mehrere Generationen.

Oh, und noch etwas sei all jenen ins Stammbuch geschrieben, die die Philosophie des tue, was dir Freude bereitet propagieren.

Mit unserem heutigen Bildungssystem und den heutigen Denkmustern, was Schule und Arbeitswelt angeht, wird das nur ganz wenigen überhaupt möglich sein. Die große Mehrheit wird bedingt durch die vielen Defizite unseres heutigen Bildungssystems und auch die kulturellen Defizite in unserer Gesellschaft weiterhin froh sein, überhaupt eine Arbeit zu finden.

Blogparade:Und was machen Sie so beruflich?

Wibke Ladwig startet eine Blogparade. Und das zu einem Thema, das mir in mehrfacher Hinsicht auf den Nägeln brennt.

Was mache ich denn nun so beruflich? Da möchte ich etwas weiter ausholen.

workplace
Auch das ist mein „Arbeitsplatz“, zumindest als Blogger, Forscher, Autor

 

Denn laut meinem Hochschulabschluß bin ich Magister Artium Computerlinguistik und KI. Als Berufsbezeichnung gebe ich Informatiker an. Meine momentane Stellenbeschreibung ist die eines Referenten Online Marketing. Im Nebenberuf, zwar selten, dann aber mit Herz als Referent, Berater und Blogger zu allem rund um Social Media und Mobile Computing sowie Arbeitswelt der Zukunft unterwegs.

Und ich denke, das genau ist es, was mich ausmacht. Dass man mich nicht auf DEN Beruf festlegen kann. Ich versuche, aus Themen und Dingen, die mich interessieren, faszinieren, bewegen oder die ich für die Zukunft für wichtig erachte meine Tätigkeit zu definieren. Darum bin ich möglicherweise auch vor einem Jahr aus der IT ins Marketing gewechselt, aus dem Doing ins Konzipieren. Weil ich denke, dass auch wir Informatiker uns werden immer weniger mit dem Software entwickeln befassen müssen, und viel mehr damit, Konzepte zu finden, wie wir Probleme des Alltags mit Software lösen. Weg vom Verkaufen von Programmen, hin zu einer Beratung für die richtige Lösung eines Problems.

Und was für mich aus der Sicht eines ITlers gilt, wird für immer mehr „Berufsbilder“ und Berufskarrieren gelten. Ich denke, wir alle müssen uns von dem Bild verabschieden, dass wir das, wofür wir „ausgebildet“ wurden, auch ein Leben lang machen. Wir bekommen Rüstzeug für bestimmte Themen mit auf den Weg, aber auch durch den immer schnelleren Wandel in der Gesellschaft, bedingt durch neue Kommunikationsformen und neue Medien ist der Satz vom „lebenslangen Lernen“ endgültig für die breite Masse wichtig geworden.

Nicht, weil wir ohne zu lernen unsere erlernte Tätigkeit nicht mehr ausüben könnten. Vielmehr müssen wir uns damit abfinden, dass viele Tätigkeiten, die wir zum Anfang unseres Berufslebens erlernt haben im Laufe der Zeit starken Veränderungen unterzogen sind oder gar ganz verschwinden.

Dafür bieten sich neue Chancen, die warzunehmen eine breite Sicht auf die eigenen Fähigkeiten bedingt. Möglicherweise entwickelt sich etwas, das wir zunächst als Hobby neben unserem eigentlichen Beruf betreiben zu einem neuen Fulltime Job. Und was ich auch für die Zukunft sehe ist eine höhere Bedeutung von selbständiger Tätigkeit. Sei es im eigentlichen Sinn des Wortes als Freiberufler oder innerhalb eines Unternehmens, in dem es meiner Ansicht nach in Zukunft um erfolgreich zu sein immer flexiblerer Strukturen bedarf, um dem beschleunigten Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft auch mit dem eigenen Unternehmen folgen zu können.

Insofern, im Moment arbeite ich im Marketing an den Themen Social Media und verschiedenen teils technisch unterlegten Themen. Mein Beruf, schwer, meine Berufung, Veränderung zu begleiten, zu unterstützen, zu fördern und zu bewerten. Wie dann mein Jobtitel heißt, das ist für mich persönlich unwichtig. Und dass in meinem Ausweis als Berufsbezeichnung „Informatiker“ steht, hat mehr mit meiner Ausbildung als mit meinem aktuellen Arbeitsumfeld zu tun.