Das Ende des Bargelds ist näher als wir denken

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iZettle ist nur einer von mehreren Ansätzen auch für Privatpersonen das Bezahlen weitestgehend zu digitalisieren.

Für mich ist Kickstarter immer wieder auch ein Ort, an dem ich als Trendforscher Inspirationen und Hinweise auf neue Entwicklungen und Trends bekomme.

Wenn man im Moment beobachtet, wie viele verschiedene „Wallets“ also Geldbörsen gerade im amerikanischen Raum starten, ist eins deutlich zu erkennen. Geld in seiner materiellen Form verschwindet.

Immer mehr Geldbörsen werden entworfen, die den Fokus primär auf Kredit- Ec- oder auch Kundenkarten legen. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir alle in ein paar Monaten oder Jahren nur noch mit Karte zahlen werden. Aber das Bargeld wird immer mehr aus dem Fokus rutschen und durch andere Lösungen ersetzt werden.

Ich sehe das ganze in mehreren Stufen. Die Stufe, in der wir uns im Moment befinden ist diejenige der Verdrängung, der Beginn des ganzen. Immer häufiger tauchen plötzlich alternative Zahlungswege auf, die es ermöglichen, ganz ohne Bargeld Kleinbeträge zu begleichen. Aktuelle beobachte ich die Lösungsansätze von iZettle und  mPass, aber das ist erst der Anfang. Noch ist kein Konzept so überzeugen, dass ich es als Bargeldersatz werten würde. Zumal die wichtigste Rahmenbedingung eine flächendeckende Nutzbarkeit sein muss. Und hier beschränke ich mich nicht auf Ballungszentren. Digitale Payments werden erst dann zum Erfolg, wenn sie IMMER und ÜBERALL funktionieren. Möglicherweise ist hier auch über ein Europaweites System nachzudenken, denn wo ich mit meinen Geldscheinen in Europa zahlen kann, will ich das auch mit anderen Lösungen können.

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Dank eines aufklebbaren NFC Chips für alle Smartphone Nutzer verwendbar. Die Lösung von O2 und mPass

Natürlich sollte uns klar sein, dass bereits heute unser monetäres Vermögen außerhalb der eigenen Geldbörse virtuell ist. Ich kann schon lange nicht mehr auf die Bank und MEIN Geld sehen. Es sei denn, Bits und Bytes auf einem Monitor genügen mir.

Die nächste Phase, die wir erwarten können ist die des Einstiegs von Nichtbankunternehmen als alleinige Zahlungsdienstleister. Firmen wie Google, mPass, Paypal sind hier die primären Player aber es kann durchaus passieren, dass auch andere einsteigen. Möglicherweise eröffnen sich hier auch völlig neue Möglichkeiten für lokale Währungen, wenn sich durch den digitalen Zahlungsverkehr die Kosten für die Herstellung und Verwaltung des echten Geldes minimieren.

Die Phase, die aber die spannendste sein wird, und die, bedingt durch die Möglichkeiten des Online Handels und eine heranwachsende Generation quasi schleichend zur Ablösung führen wird ist der Generationenwechsel. Schon heute benötigen meine Kinder für die Bezahlung des Essens in der Schulmensa eine spezielle EC Karte. Und sie sind es bereits gewöhnt, dass vieles, was sie sich wünschen oder was die Familie benötigt über das Internet bestellt wird. Und bereits heute zahlen wir die meisten Waren und Dienstleistungen mit der EC Karte. Es wird ein schleichender Ablösungsprozess sein, aber was wir heute in den USA beobachten, wo „echtes Geld“ quasi nur noch als Notgroschen in den Gelbörsen auftaucht wenn überhaupt, das werden wir meiner Ansicht nach in ca. 10 Jahren auch hier in Europa erleben. Und dann wird sich mit Sicherheit auch die Bankenlandschaft verändert haben. Die Sieger werden jene Institute oder Unternehmen sein, die das neue digitale und virtuelle Geld möglichst flächendeckend und so einfach als irgend möglich anbieten.

Wann Bargeld zur sehr kleinen Nische wird, das wage ich (noch) nicht exakt vorherzusagen, aber dass es so kommen wird, da bin ich mir sehr sicher.

 

Erst die Musikindustrie, dann die Verlage, jetzt die Banken?

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Ein EC-Terminal für jederman. iZettle macht Kartenzahlungen auch von Privat an Privat möglich.

Wird eine weitere Branche von der digitalen Revolution ins Abseits gedrängt? Das war mein erster Gedanke, als ich heute den Artikel von Heise über die Zukunft des mobilen Bezahlens gelesen habe. Man möge mal den Versuch machen und in diesem Artikel den Begriff „Bank“ suchen…. Eben.

Während sich die Institute noch darüber Gedanken machen, wie man den Kunden 100% sicher authentifizieren, die Datenstrecken zu 120% wasserdicht und den Dienst in bestehende Infrastrukturen integrieren könnte, ohne dabei die Mitarbeiter in Filialen und Poststellen zu verärgern, kommen ganz neue Player auf den Plan und bieten innovative Lösungen jenseits der klassischen Bank an. SumUp, IZettle, Paypal, selbst Google hat mittlerweile eine Banklizenz und neben Google Wallet einige andere Bezahlvarianten in peto. Und mit 02 und mpass bietet noch ein weiterer Player, der nicht Bank ist Bezahldienste an. Ganz zu schweigen von den Apps von Netto und Edeka, die das Bezahlen via App an der Kasse ermöglichen. Auch hier ist die Bank nur noch der „Verwalter“ des Kontos. Die Dienste bieten andere an.

Es ist allerhöchste Zeit, dass hier die Finanzbranche innovativer wird, sich mehr Gedanken darum macht, was der Kunde will anstelle was die Bank nach langen Diskussionen und unter Berücksichtigung von Besitzstandswahrung und Sicherheitsbedenken für vielleicht gangbar hält. Kooperationen wie die von DZBank mit iZettle zum Bezahlen via Smartphone sind hier richtungsweisend. Aber die Taktzahl muss dringend erhöht werden. Denn wir sehen aus der Vergangenheit und den Effekten der Digitalisierung auf Musik- und Verlagsbranche. Auch wenn Gorbatschov diesen Satz nie wirklich gesagt hat, so hat er doch eine innere Wahrheit „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ oder in diesem Fall, der Kunde. Und vor allem ist es längst nicht mehr damit getan, sich Gedanken darüber zu machen, wie man die eigene Webseite optimal gestaltet. Die Mehrheit der Kunden nutzt mittlerweile mobile Endgeräte und erwartet auch die Bankdienstleistungen auf eben diesen Geräten. Also muss über Tabletoptimierung, Smartphonetauglichkeit und Aggregationsdienste nachgedacht werden, die verschiedenste Konten in einem System zusammenführen. Als Beispiel sei hier nur die App Finanzblick genannt, die jenseits von Banken Konten zusammenführt und so das PayPal Konto gleichberechtigt neben dem Spar- oder Girokonto darstellt.

Es gibt auch nette Erfahrungen mit Banken: Beispiel Targobank

Es war 00:30. Der Geek hatte beschlossen für einen Vergleichstest ein Stück Hardware bei www.computeruniverse.net zu bestellen. Und zwar für einen nicht unerheblichen Betrag.

Dann am nächsten Morgen die Versandbestätigung von Computeruniverse und parallel die Bestätigung über die Abbuchung vom Kreditkartenkonto des Geeks. So far so good.

Dann die Überraschung, die Frau des Geeks meldet sich per Messenger, die Targobank habe angerufen, der Geek möge sich mit  ihr in Verbindung setzen und eine Rückrufnummer wurde hinterlassen.

Ok, der Geek ruft dort an, muss keine 10 Sekunden warten und wird mit einer freundlichen Dame verbunden, die ihn zunächst nach Kreditkartennummer und persönlichen Daten zur Authentifizierung fragt und dann zum eigentlichen Punkt kommt. Es habe da eine Abbuchung in ungewohnter Höhe gegeben, noch dazu zu ungewohnter Zeit bei ungewohntem Versand. Ob das alles korrekt sei. Na sicher sagt der Geek.

Und da muss ich sagen, ich , denn der Geek bin ich 😉 (Ja Beate und Schorsch , das ahntet ihr schon) ist sowohl von der Freundlichkeit der Mitarbeiterin der Targobank als auch von der unglaublich schnellen Reaktionszeit schlichtweg begeistert.

Immerhin, nach Rückfrage zu hause stellte sich heraus, dass wohl max. 1 Stunde zwischen Abbuchung und Rückfrage bei mir verging.

Ich weiß, das sollte doch normal sein, werden jetzt manche rufen. Mich freut es aber. Weil ich mich als Kunde ernst genommen fühle, weil ich weiß, dass man offensichtlich aufpasst, dass mit meiner Karte kein Schindluder getrieben wird. Natürlich arbeiten hier im Hintergrund automatische Systeme (vermutlich neuronale Netze oder ähnliche selbstlernenden Systeme), aber es geht hier um den kundenorientierten Aspekt und die Art, mit der das „durchgeführt“ wird.

 

Danke Targobank für den Service und vor allem Danke an die unbekannte Mitarbeiterin, die mich betreut hat.

So funktioniert auch Kundenbindung 😉